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Full text of "Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte"

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Mitteilungen der Gesellschaft 
für Kieler Stadtgeschichte 

Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 

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Mitteilungen der Gesellschaft 
für Kieler Stadtgeschichte 

Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 

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— ■ 




VW 

...... 

...... 



IN COMMEMORATION OF THE VISIT OF 
HIS ROYAL HIGHNESS 

PRINCE HENRY OF PRUSSIA 

MARCH SIXTfi,1902 

ON HE HAU OF HIS MAJESTY 

THE GERMAN EMPEROR 




HÖH 




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-!— ! 



bcr 



0e(jElir4aft für biete ptMiiiiiljtc. 



Biel, 1898. 

311 eomntiffion uon ft. Gefärbte Verlaß. 



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in kr Stallt fiel. 



©in ^Beitrag ^ur ©rmittelung ber @renjen 
ährifäen ben ®eltimg£gebteten beS 2übfdf)en Stentes 

unb be£ @ad)fenft)iegete. 



Hedjtsampalt Dr. OMo IDolff 

in Slltona. 
9Jtit brei harten toon 




5öon 



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$e-e, 37./ 



HARVARD COUEfiE LIBRARY 

OCT TS ijOo 



^te borliegenbe Sirbett berbanft if)re ©ntftefjung einer 
bor mehreren 3ft*)ren gegebenen Anregung beö #errn 
9tecf)t£antoalt3 Dr. X^omfen in $iel, ber in einem be* 
ftimmten 9ted)tsfaUe feftgeftellt roiffen moüte, ob Sübfefje* 
dtecfyt ober ber tSacfjfenftriegel $ur Slnroenbnng fomme. s 5ei 
näherer Betrachtung ber in 3 ur tf* ens un0 Saienfreifen biel* 
fac^ erörterten grage: too gilt in .ftiel £übfa}e£ Siecht imb 
roo ber Sadjfenf Riegel, ergab fidj, ba& eigentliche groeifel 
über bie örtlichen ©renken ber beiben 9tedjt£gebiete famn 
beftefjen, unb bafe bie ^tnftdc)tlt(f) biefer J^rage in ben be* 
teiligten Reifen f)errfd)enbe Unfict)crr)eit barnnf gurücf* 
aufüfjren ift, ba& einerfeitä bie Gericfjtäberfaffung, meiere 
bi3 jum £JaI)re 18*57 in ben Herzogtümern beftanben fjat, 
in SBergeffenljeit geraten ift, unb baß ferner infolge be£ fo 
überaus bebeutenben unb raffen 2öacf)£tumä ber «Stabt 
Äiel bie alten ©renken fic3t> mehr unb mehr oermifrfjt haben 
unb fo bem Gebächtniä ber älteren Generation entfcf)tounben, 
ber jüngeren Generation aber unb ben $ugeroanberten un= 
befannt geblieben finb. galt bafjer nur, bie Äenntnte 
ber 9flecf)tögrenäen ben „alten Vielem" in* Gebädjtniä 
5urütf$urufen unb ber jüngeren unb fommenben Generation 
$u übermitteln, mit anbem SBorten, e£ mar gemiff ermaßen 
nur eine Beweisaufnahme $am eroigen Gebächtnte $u er* 
§eben. tiefem t>raftifchen Bebürfniffe fuct)t bie borliegenbe 
Sirbett buref) gufammenfteUung beä borhanbenen Sttateriate 
unb 9faml)aftmarf)Uttg ber Quellen $u genügen. SBenn babei 



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hiftorifdje unb juriftiftf)e (Streitfragen geftreift roorben finb, 
fo gefchafj e£ nur, um auf btefelöen htn^uroeifen, nirfjt, um 
fie grünblid) ju erörtern unb enbgültig $u entfcfjeiben. 
mürbe bem SBerfaffer $ur greube gereichen, roenn eä ifjm 
gelungen fein fottte, jur Slnfteüung weiterer Ermittelungen 
nad) ben genannten s Jterf)tegrenaen eine fleine Anregung 
gegeben $u haben. 

3ugleitf) möchte ber SSerfaffer bie Gelegenheit n\d)t 
vorübergehen laffen, allen benen, bie if)n bei Slbfaffung ber 
öorliegenben 9lrbeit mit 9tat unb %f)at auf baö Siebend 
roürbigfte unterftüfct fm&en, inabefonbere ben Herren s #ro= 
feffor Dr. Dtobenberg, fliechtöantoalt Dr. Ztyomien, gelb* 
infyeftor 3af)n in Äiel unb Oberlehrer Dr. s Jteutcr in 
©tralfunb aud) an biefer ©teile feinen tiefgefühlten 3)anf 
auszubrechen. 

Altona, im 3)ecember 1 8«. » 7 . 



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JnhaitBangabc. 

6eitf 

$a$ Sttbfc^e JRedjt in bcr 3tabt Ittel, «on fflecfjtöcnitualt Dr. Otto 

Söolff in Altona 1 

«erity be$ »orftanbe« 43 

ttaffenberidit . .48 



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9Bie ben meiften (Stäbten £oIftein* ift audj ber Stobt 
$iel bei ifjrer ®rünbung ba£ ftecr)t ber (Stabt Sübecf, ba3 
£übfcr)e SRecfyt, berüerjen roorben, womit jum 5liwbrucf ge* 
bradijt War, ba§ bie SHecr)t3t)erf)äItniffe ber Sßerfonen, bie 
ficr) in ber neuen (Stabt anfiebelten, nad) 2übfcr)em s Jterf)te 
beurteilt Werben foltten. 3)ie s -8eWot)ner ber (Stobt Würben 
baburcr) in erfter Sinie als Bürger boflfreie Seute, Wenn 
fie audj nidjt auf eigenem (&runb unb SBoben fa&en, Wäfjrenb 
auf bem Sanbe nur biejenigen oottfrei waren, bie einen oon 
niemanbem abhängigen ©runbbefifc ifjr eigen nannten. 3)a 
ba3 £übfd)e 9ted)t eine ©jemtion oon bem fjolfteinifdjen 
£anbretf)te in ficr) fcfylofj, fo fonnte e£ nur burcr) ein Ianbe£= 
fjerrlid)e£ SßrioUeg erworben werben, baä nad) Weit oer* 
breiterer mittelalterlicrjer 2lnfcr)auung nur für ben berlcifjenben 
£anbe3r)errn binbenb mar unb beärmlb bon jebem neuen 
£anbe£r)errn Wiberrufen Werben fonnte. 1 ) Sffteifrens r)at jebocr) 
ber nadjfolgenbe £onbcSr)err bie bon feinem Vorgänger ber* 
üer)enen Sßribüegien ber (Stobt $iel beftätigt, unb jebenfattä 
finb fie nie beftritten Worben. <So beWarjrt bie (Stobt $iel 
noct) r)eute ir)r &übfd)e3 9ted)t. $>aäfclbe gilt in berjenigen 
gaffung, Welche e£ burd) bie bon bem Dtate ber (Stobt ^überf 
im 3or)re 1 58H vorgenommene 9tebifion erhalten r)ar. 2 ) 

') 3t» ©eflenfafcc hierzu bcbuufte e£ 311111 Qlcbraudjc botf 3ad)fcii 
fpicflelö eine«* befoubercn ^tiüilcfliums nidjt SJßl. ftalrf, ftaitbbudj boä 
3d)lesiu.opolft. $ribatr. «b. 1 3. 407. 

*) «fll. 3(&Ie$it>..$>olit. «nj. 184« 3. (iti f. ftalcf n. n. C § 27. 
faulten. 3d)lc*iu.%$olft. ^ribatr. 1. Mufl. 3. 1. 



•2 



3) ie (Stabt Kiel ift im 3>afjre 1242 Dom trafen 3ofjann I. 
mit bem ^übfdjen $Red)te benribmet roorben. :i ) 4 ) tiefes 
$riDüeg rourbe in ber 2Mö e mefjrfad) au£brürfli<fj beftätigt, 5 ) 
^unäc^ft in ben Don bem trafen ©erwarb unb ^nnfer $ennefe 
einerfeitö unb bem ©rafen ^o^ann unb ber <Stabt Kiel 
anbererfeitö gefcf)loffenen griebensoerrrägen. 6 ) 7 ) 2Beitere 
^Betätigungen finb enthalten in ben Urfunben Dom 1. 9fo- 
Dember 1315/) 1. Sluguft 1317, J ) 11. SRoDember 1318/°) 
ben beiben Urfunben au£ bem %afyxe 1390, u ) fotote in 
ber Konfirmation ber fämtücfjen Kieler Sßritoüegien buret) 
(Sf)riftian I. Dom 2. 9ttärs 1401 12 ) "nb ber Konfirmation 
ber Kieler ^riDilegien Dom 29. Dftober 1661. ") gerner 
rourbe Don König Sodann I. bei SBegrünbung be3 SBier* 

H ) Xic oon $Beftpt)alen juerft abgebrurfte, üom 3°^ rc 1232 batierte 
Utfunbe ift offenbar falfd). «gl. £>afje, 3djlcsro. .sjolft.'iiauenb. SHegefteu 
unb Urfunben 1886 «b. I s Jtr. 505. 9Beftpf)alen, Monum. inedita IV 
pag. 3203. 

4 ) «gl. .^affe a. a. 0. Kr. 627; Urfunbenfamml. b. 3d)le$io..§olft.> 
^aueub. ©efellfd). Kadjträge §u Söb. 1 3. 476 unb bie bafelbft angeführte 
üitteratur. ferner tftaüit, „Über ba$ Biter ber Stabt ®iel" in ben 3af>rb. 
b. üaubeäfunbe II 3. 215 ff., 93ur$arbi eod. 58b. XII 3. 317 ff. unb 
bie oon biefen citierten 3rf)riftfteller. Saufen, „$ie Stabt Stiel unb ifjr 
SBcitfbtlb im «Dhmbe ber «orseit" im 8. £eft ber Mitteilungen ber ©ef. 
f. ftielcr 3tabtgcfcf)id)te. Widjelfen, $er eljem. Dberljof 511 Sübetf, 3. 51. 

6 ) ^n ber eine allgemeine «eftätigung ber Vieler 93rioilegien ent= 
ljalteubcu Urfunbe 00m 12. Npril 1286 ift be* Sübfdjeu 9ted)tc$ nidjt 
befouber* gebarfjt. «gl. .fmffe a. a. 0. 93b. II Kr. 695. Urfunbenfamml. 
a. a. 0. 3. 471» ff. «urdjarbi a. a. 0. 8. 323. 

°; «gl. #affe a. a. 0. 93b. III Kr. 319. llrfunbenf. Kaajtr. in 
«b. II 3. 143. 

7 ) «gl. Jpaffc a. a. 0- «b. III Kr. 370. 

H ) «gl. ^»affc a. a. 0. 93b. III Kr. 323; Urfunbenf. 93b. I 3. 482. 
«urdmrbi a. a. 0. 

v ) «gl. fcaffe a. a. D. 93b. III Kr. 351; Urfunbenf. 93b. I 8. 483. 
,rt ) «gl. &afie a. a. 0. «b. III Kr. 375; Urfunbenf. 93b. I 3. 485. 

«gl. Urfunbenf. «b. I 3. 491, 492; <8nrd)arbi a. a. 0. 3. 331. 
■ 2 ) «gl. Urfunbenf. 95b. IV 3. (50 ff. 

In ) Vlbgebrurft bei 8d)iuarje, „(#efammelte Kad)rid)ten oon ber 3tabt 
.stiel," Ijerauägeg. oon ftcljfe, Flensburg 1775, 3. 191 ff. 



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ftäbtegerichte im Qa^rc fomie burcf) ^rtoilegium bev 

©täbte be£ gürftentumä ^olftein Oom $afjre 1*>68 8 14 
(Sanbgerichteorbnung IV 6) bcr allgemeine ©ebraud) be* 
£übfrf)en 9tecf)teS in ben holftetnifchen ©täbten anerfannt. 14 ) 
$>a ba$ Mieler ©tabtgebtet im Saufe ber 3afjrf)unberte 
mehrfache nicht unerhebliche SSeränberungen erfahren hat, fo 
ift ^u unterfudt)en, in welchen Seilen be* heutigen Vieler 
©tabtgebtete^ ba£ £übfdt)e 9tccr)t gilt. 




$)a£ Äieler ©tabtgebiet, hrie e£ in ber llrfunbe Don 
1242 beschrieben ift, lägt brei t>on einanber oerfcfn'ebene 
Söeftanbteile erfennen: 1. bie eigentliche ©tabt, bereu ©renken 
infolge ber topograjrfjifchen SBerfjältniffe näherer 5lngabe unb 
Söefchreibung nicr)t beburften; 2. bie Sänbereien, meiere außer» 
halb ber <5tabt lagen unb 511m 2Seicf)bilbe l ) gehörten, ba 
fie eine tocfentlidje ©nmblage für bie ©rjftenafäfjigfeit ber 
jum großen Xeile noch ausschließlich 00m betriebe ber 
Sanbroirtfdt)aft lebenben ftäbtifrfjen Bürger bilbeten; 3. bie 
fogen. pascua. meiere bem gleichen 3^ecfe bienten unb an 
benen bie Bürger ber ©tabt lebiglid) getoiffe 9iufcung> 
rechte Ratten. 

I. 2Ba6 bie eigentliche <Btabt, bie Civitas Holsatorum, 
betrifft, fo ift bereu Sage fynveicfyexib befannt; fie lag 
fammen mit ber 58urg auf ber uom Mieler £afen unb bem 
Meinen Miel gebilbeten £albinfel. 3>ic öffentlichen fechte 
ber SBürgerfcfjaft roaren anfangt recht gering; inSbefonbere 

M ) %l. iVatcf a. a. C. #b. I 3. 893; Scfouarse a. a. 0. 2. 201 ff. 

l ) s 28ort bebeutetc urfprünfltid) 3tabtred)t, fobann nurf) bas 
um bic Stabt liegenbe Webict, metc^cS bcr ftcrrfdwft be$ Stabtrccfit^ 
unterworfen mar, l)ter alfo ba£ (Gebiet, wo iJübfdjeö >Ked>t flilt. ityl. 
fteutgen, llnterfudjuiiflen über ben Urfpr. ber beutfdjeu Stabtuerf. Hi5 ff. 

1" 



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4 



hatte fie noch feine eigene ©erichtsbarfeit. 2)iefe erhielt fie 
erft im %af)te 1318. Stuch mar bie (Stabt Äiel bamalä fo 
roenig nrie jemals tyäter böUig Rettin im eigenen $aufe. 
Vielmehr gab eS, auch natybem bie (Stabt Äiel eigene ®e* 
ricfjtSbarfeit erlangt fmtte, $u alten $eiten zahlreiche ®runb* 
ftüde unb Sßerfonen, welche bon biefer ®ericht£barfeit er/ 
imirt toaren. SBietoett im %af)te 1242 innerhalb be3 ^ier 
fraglichen ©ebieteö bie $ur SBurg gehörigen ©runbftücfe fid) 
nac^ ber <Stabt $u erftredten, barüber fehlen fixere *ftaa> 
richten. 

©3 genügt, f)iet feftauftetfen, bafj bie oben bejeicfjnete 
$albinfel im allgemeinen Vieler <&tabtQehkt mar unb ftetä 
geblieben tft. 'Sie fpäter angelegten ©tabtmauern liefen um 
bie «Jpalbinfef herum, unb ba£ ©chlofj ober bie SBurg bilbete 
einen Seil ber ©tabtbefeftigung. 

II. $)ie ©renken beä Vieler 9ßetcr)bilbeö pnben ficf) nur 
in ber Urfunbe bon 1242, unb groar toie folgt angegeben: 

Denominamus vero in praesenti scripto terminos 
civitatis Holsatorum, qui dicuntur VVicbeled: Totum 
stagnum Kyl usquo Boz et ab eodem usque Uppandel- 
bech, et ab eodem usque in Neverseh, usque ad pontem 
Bolbruch, et ita usque in Kyl, sicut rivus descendit. 

3)iefe ©renjbefrimmung mag im <$af)it 1242 fjwläng* 
lid) flar getoefen fein, unb ber SBerfaffer ber Urfunbe mochte 
\vo$l berechtigt fein, ju glauben, bnxd) obige Sßorte feinen 
Sweet „ne suboriri in posterum possit dubietas" erreicht 
311 haben, dennoch finb bie SSorte ftreitig unb bunfel. 
toirb mohl faum jemals gelingen, bie ®renälinie be3 SSeich* 
bilbe£ genau $u beftimmen. Äug, SKabit, SBurdjarbi unb 
^anfen, bie eä bisher berf udjt hoben, gelangen $u berfrfjie* 
benen ©rgebniffen. 2 ) @S tft übrigen^ faum noch ein praf* 
tifdje£ SBebürfnte bafür borhanben, bie genauen ©renken 
be£ 3ßeitf;bUbeS feftgufteöcn. 9hir einige fünfte mögen 
herborgehoben merben. 

*) ftnß in ftaltfä 9i. (StaatSbürfl. ättaga^in »b. 0 6. 680 ff., 33b. 8 
®. 1«>8 ff. SKauit a. a. C. $urd)arbi n. <t. C. 3<mfen 0. a. O. 3. 15—39. 



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©3 tft Ijeute unbeftritten, bafi ber in ber Urhinbc ge* 
nannte Ujujanbelbecf) ibentifrf) tft mit bem faäteren 6pelunfen* 
graben, roeldjer, jefct übermauert, bei ber Söergftrafie in ben 
kleinen Äiel fließt unb in feinem unteren Sauf toon Alters 
f)er baä Vieler t>on bem SBrunsroiefer ©ebiet fd)ieb. 

gerner gehörte ber kleine Äiel narf) ber Urfunbe t>on 
1242 meber ^ur civitas nod) aum 9Beirf)bilbe; berfelbe märe 
fonft fict)crlicr) befonberst ermähnt roorben. * tt > 'Stafj biefeä 
©eroäffer aber ate fluvius Kyl foUte begeicfjnet morben fein, 
f)alte \d) für auägefdjloffen. 

©nMirf) ift es unzweifelhaft unb attfeitig auerfannt,. 
bafj ber ganje Vieler $afen biä *8otf)fanb ($80$), felbftöer= 
ftänblid) nur foroeit er gur ©raffrfjaft ^olftein gehörte unb 
fomit ber $i££ofition beä trafen ^ofjann unterftanb (alfo 
auöfc^Itegücr) be* ftf)lesmigftf)en Anteile*), «eftanbteil bes 
Vieler SBeicfjbilbeö mar. ©ine anberc Deutung laffen bie Söorte 
Totum stagnum Kyl usque Boz frf)Ierf)terbtng$ nirfjt gu. s ) 

8 ») $ic in ttnm. 2 ettierten £d)riftftefler fiitb ber Meinung, bafe 
ber kleine .ttiel innerhalb beä 3Bcirf)btIbe4 gelegen l)obe. ftebt aber 
feft, ba& berfelbe erft im 3af>re 1055 on bie Stabt Äiel gelangt tft. %l. 
unten «nm. 17. 

*) $er Umftanb, bafe am Sdjlufc ber Urfunbe Don 1242 ben ^Bürgern 
ber ©tobt tfiel bie ftifctyerei befouberä üerlietjeu tuirb, fteljt bem uic^t 
entgegen. $gl. barüber ^urdjarbi a. a. C. S. .'J20 «um. 1, ber bie* p 
treffenb au* ber Damals berrfetjenben Megalitätäü)eorie erflart s >lud) 
mar eä burd)au$ nidjtä Ungemöfmlid)eö, ©tobten Meente an Tvlüffcn, Seceu, 
2Keere$teilen p oerleifjeu unb biefelbeu gerabeau al* Seile be* ^Beirf» 
bilbeS p be*eid)nen. «gl. 3Raurer a. a. C. 93b. II ^r. 175 u. 3. IM ff. 
S$gl. feruer Arnoldus Lubecensis I,iber II Cap. 21; ftalcf a. a. C. s #b. 11 
S. 49. (Sio^orn, $eutfd)e fflea}t$gefcf)id>te $b. II 6. 21H. Stobbe a. a. C. 
3. 5CK). 5ögl. meiter ben Freibrief be$ ÄaiferS ftriebrief) ©arbaroffa für 
«übeef bom $af)re 1188 (.»paffe a. a. €. üBb. I Wr. 15«) unb foboim bie 
bei $affe a. a. C. !8b. I Wr. 1«2 abgebruefte Urfunbe uon 1189, worin 
©raf Slbolf bem 5Birab Don ©oi^enburg eine föeilje uon ©erectjtfamen 
$ur löcfiebelung bon Hamburg berleil)t: Wiradum de Boyceneburg urbem 
Hamburg iuxta Alstriam sitam et terram proximam urbi libere in- 
colendam sub iure fori usque ad medium rivi Alstriae. 3$fll. 
feruer bie ©eftätiguug ber ^rioilegien uon s Jicucn (Irempe (DJeuftabt i. 
Jpaffe a. a. 0. ©b. II $h. 826), morin e^ Reifet: Annuimus etiam, ut 



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3) 0* Vieler Sßeichbilb war alfo, foroeit e* au£ Sanb 
beftanb, bom ©^elunfengraben, bcm Meinen Äiel nnb bem 
Vieler £afen begrenzt. %m übrigen ftiefe e£ an bie fyäter 
$u erroähnenbcn pascua; einer geftftetfung ber 2Beicf>bilb* 
grenzen nach biefer Dichtung Bebarf es nicht, ©obiel fann 
jebenfatte al£ feftftefjenb gelten, bafc ba3 2öeid)6ilb bon 1242 
erheblich fleiner mar, aB ba£ jetzige Vieler ©tabtfelb (fetbft= 
bcrftänblicf) btefeä lo£getöft bon ben ehemaligen 93runstoiefer 
nnb SBtefer Sänbereien gebaut). 

$n welcher Sßeife bie Sänbereien be£ 2Seichbilbc3 bon 
ben Vieler bürgern ber älteften $eit benufyt mürben, ob 
ftc aufgeteilt ober (Gemeingut waren, barüber fehlen fidlere 
Nachrichten. (Sä wirb ntrfjt anberä al£ in anberen ©täbten 
gewefen fein, wo ein Seil aufgeteilt, 4 ) baä Übrige in un* 
geteilter ©emeinfehaft berbtieben War. 3)af} etwa bie ©tabt 
Mel alsi folcfje Eigentümerin ber ^um SBeidjbitbe gehörigen 
Sänbereien geh)efen fei, ift nicht anzunehmen, ba bem älteren 
beutfdjen Oiedjte eine bon ber Gtefamtheit ber ^Bürger ber« 
frfjiebene juriftifche Sßerfönlichfeit ber ©tabtgemeinben un* 
befannt mar. 3)a3 jefcige Eigentum ber ©tabt ®iel an ben 
©tabtlänbereien §at ftch bielmehr erft altmählich au£ bem 
®efamteigentum ber ftäbtifchen Bürger entwicfelt. 

SBie bem auch f e ™ möge, fobiet fteht {ebenfalls feft, 
ba(3 ba3 2Seichbilb allezeit unter ber ©eridjtäbarfeit ber 
<&tabt .tiet geftanben h a */ uachbem biefe einmal eigene 
£$uri£biftion erlangt hotte. 3)ie3 gilt inäbefonbere auch bon 
bem Vieler £>afen, ber bon ber ©tabt $iel bi& in bie 3ttitte 
biefeS ^ahrhunbertä ftetS aU fttftanbteil be£ Vieler StabU 

aqua Maris sit etiam libera inter villam Rockentin et Hollm et 
nihilominus aqua inter distinetiones supernas nominatas sit eisdem 
appropriata. 

4 ) $>aft im 14. ^atyrlnrnbert ein großer Xeil bes 3Betd)bilbc3 auf= 
geteilt war, ergiebt fid) aus äafjlreirfjen, bnrtf) ba$ ältefte itieler SRentebnrf) 
nacfygcroiefenen «eräitfjernngen bon im Söcicfybilbe gelegenen ftopfenpfen. 
«gl. Acuter im 9. £eft ber Witt b. $cf. f. tiefer ©tabtgefd). Map. IV. 



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7 



gebiete* betrachtet hmrbe. ') <8o mar auch in bem Don ber 
(Schleimig *#olfteinifchen Otegierung auf ©runb ber Allge- 
meinen ©täbteorbnung für Schleimig *#olftein bom 18. Of $ 
tober 1848 erlaffenen Sofalftatut für bie 6tabt fttel Dom 
lt>. gebrnar 1850 im § 2 unter 9cr. 7 ate Beftanbteil ber 
&tabt Äiel aufgeführt: „Qct Metex .ftafen in bem Umfange 
unb mit ben ^Rechten, momit f elbiger ber 2>tabt burch bie 
lanbe*herrlichen Sßribilegien oerliehen morben." 

3)af$ ber Meier £>afen im Eigentum ber Btabt Miel 
ftehe, wie biefe bon jer)er prätenbirte, *') mar bamit aller* 
bingS nic^t bireft ausgebrochen, allein bie probiforifche 
Regierung fcheint bodj geneigt getoefen ju fein, bie£ an* 
^uerfennen. $)ie roieberhergeftellte Regierung be£ ^er^og* 
tumS £olftein frfu'en bagegen bon fo roeitgehenben 2lnfprüchen 
ber (Btabt Met auf ben Vieler £afen nichts roiffen $u motten; 
fie fyat bie öorerroä'hnten, bon ber probiforifchen Regierung 
erlaffenen ©efefce nicht anerfannt, bielmehr unter bem b*. Wax^ 
1854 ihrerfeits eine Sittgemeine (Stäbteorbnung für bas 
.&crgo0tum $olftein erlaffen, in beren § 2 bie Bezeichnung 
ber örtlichen Begrenzung ber (Btabt mit ben etmanigen Bor* 
ftäbten unb ber ftäbtifchen ftelbmarf ben £ofalftaruten bor* 
behalten blieb. 3" &em barauf ergangenen Sofalftatut für 



6 ) »gl. bic m. (S. in biefer S -Be$iet»mß burdpauä ^utreffenben 9lit$ 
fü^ruitflen ^urcfyarbi's o. o. C. unb 3 an fc n '* °- O- ©• 21 ff. $afj 
inäbefonberc Äönig ßfyrifrtan I. ben Mieter $afen <*lä flfcrtinena oon Miel 
angefeljcn Ijat, ergiebt fid), abgefeljen Don ber Urfunbe cut$ bem 3atyre 
1461, auri) aus ber oon il)m über bie »erpfänbnng Miels nebft ^er- 
rinenjen an l'überf a ungeteilten $fanböerfd)reibung oom 8. Cftober 146H 
(Urfunbenf. IV 8. 162): unse stad unde slot tom Kiile myt den dorperen 
unde moelen dartobeliorende unde allen anderen tobehoringen . . . . 
myt allen wateren diiken unde seen myt allen tovloten unde affvloten 
myt de vischerye, mit der havene der Kylre vorde genomet, 
myt deme strande etc. . . . »gl. ferner 8d)iff, »erfud) eines? »er^eiaV 
ntffeS ber oerfdjiebenen ©eriditfiibarfeitcn be$ ^craogtuinö £>olftein, Miel 
1831, @. 26 Wr. 72. »olbeljr in ^>eft 3 u. 4 b. 2Kitt. b. (Mcf. f. Mieter 
©tabtgefd}. ©. 50 ff. 

") »fll. »urdjarbi a. a. 0. @. 326. 



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s 



bie <Btabt Mel toom U>. 3uni 1 856 § 2 blieb jebocf) bie 
5öe$cicf)nung ber örtlichen Söegren^ung bcr <5tabt felbft unb 
ifjreä 2Beicf)bUbe6 nrieberum bor behalten. ß& fyatte offenbar 
bie ^Regierung bie (Sigentumäanfprücfje ber ©tabt .^iel 
auf ben Vieler £afen nirf)t anerfennen, unb bie (Stabt ®iel 
biefe 9Xni>rücf)e nirfjt aufgeben motten. $)ie uorbefjaltene 
SBejeicfjnung ber örtlichen s 43egren^ung ift fyäter nicfyt erfolgt, 
bie 3rrage, ob ber Meier £afen ber &tabt $iel eigen* 
t umlief) gehöre, bafjer bi£ fjeute ntctjt autf)entifd) entfrfn'eben. 7 ) 

3)ie beiben citirten ©täbteorbnungen Ratten übrigen« 
ber (Stabt ®iel bie bon it)r nadj Obigem über ben Vieler 
£afen ausgeübte ©eridjtäbarfeit belaffen. 8 ) 

III. 2Sa£ enblidj bie pascua, an benen, mie bemerft, 
ber ^Btabt Met nur SftufcungSrecfjte pftanben, anlangt, fo 
finb biefelben in ber Urfunbe bon 1242 mie folgt befcf)rieben : 



7 ) $ie ftrage bürfte 311 oerneinen fei«. SJfll. be^üglid) bei' für bie 
oorliegenbe ftragc in $etrad)t fommeuben Privilegien öon 1334, 1390 
nnb lG<il Üöurdjarbi 0. a. £>. 3« ber Urfitnbe Don 14(>1 beftimmt 
Eljriftian I.: „vortmer gevc wii cn undc eren nakomelingen de Kiiler 
vorde vrii to ewigen tiiden mid allcme genete wente in de apembaren 
zee beide siiden mit deme vorstrande alse sc de van oldinges in be- 
sittinge unde brukinge gehad unde beseten hebben, doch so verne 
dat id uns unsen erven unde landen nicht to vorfange sii." $>afi ba 
mit bcr Stabt .Stiel ba* Eigentum am ganzen Mieter £>afen follte Oer 
lieljeu werben, erfdjeint fmim glaublich,; geve vrii fnnn tuobj faitm 
meljr Ijeiften al* freigeben, überfaffen pr freien ^enufcuug, mit alten Er- 
trägen (genete offenbar = geneste = ©eniefj, ÜWufcung, Ertrag), Sind) 
tuoüte ftönig Efjriftian mit jenen äBorten offenbar ber Stabt ftiel nid)t 
mein* SRedjtc beriefen, al* fic bereit* befafj, mtb ob fie Eigentümerin 
be* ganzen Stieler .$afeu* Damals* getoefen, ift, mie mit 93urdmrbi an- 
Annehmen ift, redjt jmeifelljait. Sollte aber and) ber (Stabt Miel ba* 
Eigentum jugeftanben Ijabeu, fo loürbeu firf) bod) au* bem oon ttöuig 
El)riftiau beigefügten ^orbeljalt fotoic an* $lrt. 53 b. !Keid)*ucrf. b. 
U». Wpril 1871, b. 9t. betr. bie )HVicf)*frieg*f)äfen 0. 19. $uui 1883 
,9t.. W.. 581. 3. 105) u. b. 9ieid)*rationgef. 0. 21. £e,v 1871 bebeutenbe 
^cfdjränfungeu biefe* Eigentum* ergeben. 

*) $ie Stäbteorbnung 00m 18. Oftober 1818 fdjrieb im $ 105, bie 
Dom <>. s JDtärj 1854 im S 109 oor, baß e* bei ben in Wufefyuug ber 
3nfti^ in jeber 3tabt befteljenbeu Einrichtungen fein 23emeubeu baben folle. 



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Paseua civitatis Holsutorum similiter Scripte» praesente de- 
signantur: a bocse usque ad Marekoccoze, ad primum 
terminum, qui pertin^it ad civitatem , et deinde usque in 
Wolqnensehe, deinde in Munhagene. 

Qkvnad) bie C^renaen ber paseua beftimmen, ift 
unmöglich 9Ille bisherigen $erfu<f)e mißlangen, toeil bie 
angegebenen Ortöbe^etrfjnnngen sunt großen Seile fd)on frül) 
gänjlitf) berftf)lt>unben nnb bie ©renken aud) nnr in ganj 
allgemeinen Ilmriffen angegeben finb. 

2)urd) lanbe*fürftlitf)e (Bedeutungen auö ben 3faf) ren 
1259 ,J ) unb 128<> 10 ) hntrben große Seile ber paseua ber 
<Btabt $iel bejto. beren bürgern übereignet. u ) $)urdj biefe 
ber Stabt gefrfjenften Sänbereien, meiere außerhalb beä 
sub II ermähnten 2Seict)biIbeö lagen, aber motjl in gleicher 
Kultur toie biefe geftanben fjaben, rtmrbe bas SBeidjbilb felbft 
erweitert, ofyne baß fie inbe£ felbft al£ 2Seicf)bilb be^eidmet 
tourben; fie unterlagen ber $i£pofition ber (Stabt be^ro. 
iljrer Bürger ebenfo hne ba£ SBeirfjbilb felbft. Unb ate bie 
Stabt Äiel im Safere 1318 bie ^urisbiftion erlangte, er* 
ftrerfte biefe auf ba£ 28eirf)btlb felbft unb auf außerhalb 
beäfelben liegenbe ©ebiete, felbftberftänblicf) aber nur fotoeit 
biefe ber Stabt ÄHel be^o. ifjren bürgern gehörten (iuris- 
dictionem infra et extra terminos civitatis , qui wikbild 
dicuntur). ^)aß bie ^urisbiftion fidj aud) auf Denjenigen 
(in ben Sauren 1259 unb 128U nidjt gef teuften) Seil ber 
paseua, an melden bie (Btabt naef) roie oor lebiglid) 

,J ) ftaffe a. a. 0. v £b. II Wr. I7(». Urfunbenf. I S. «0. 33urrf)arbi 
o. a. 0. S. 823. 

10 ) .^afK a. a. C. »b. II Nr. M5. Urfunbeui. $b. I Waditr. 6. 17!». 
5öurd)arbi o. a. C 

u ) So finb \vo\)l bic Starte inier paseua $u uerfteljcn. l£s< wirb ber 
Stabt Stiel alles £aub innerhalb be$ s 2Beibea.ebiet$ etfleutümlidi 
übertragen, nnb ba^u geljören in erfter ütnie natürlid) bie paseua felbft, 
ba, lote bemerft, an biefen ber Stabt nnr 9hiftuna, Kredite bi* bafyiu 
iHugeftanbcn Ijaben. ftrciltri) finb moI)l aud) anbere ©runbftütfe, an meldjeu 
bie Stabt Miel bis« bal)in feine ttted)te hatte, burd) jene Scnenfunncn ber 
Stabt kiel übertragen luorben. 



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10 



SKujjungörecfjte fjatte, erftredt E)abe, fcmn nicfyt angenommen 
werben. 12 ) 

©inen $iemlid) genauen Überblid über bie bamaltgen 
©renken beä Bieter (StabtgebieteS (b. f). alfo beä urfprüng* 
Itd)en 2ßeid)bilbe<3 unb be3 ber <&tabt Äiel überlaffenen 
Seilet ber pascua Rammen) gemährt bie, fefjr ausführliche 
©rengbefttmmungen entfjaltenbe, Urfunbe toon 1271, toorin 
bte ©renken 5hrifd>en ben Gebieten bon Äiel einerfeite unb 
ftoppttpatyl, ©ron^^agen, ^affelbief^bamm u. f. ro. anberer* 
feite betrieben toerben. 13 ) 3)a jebod) totele ber in biefer 
Urfunbe bezeichneten ^ren^marfen toom ©rbboben böllig 
berfd)rounben finb unb ifjrcr &age nad) nicr)t me^r genau 
beftimmt werben fönnen, ba ferner fdjon roenige Safjre 
ftmter bie ®rengen öurd) ben ©rroerb bes $)orfe$ ^o^er* 
pafyl fettend be£ Vieler £ftate£ eine abermalige SBerfdjiebung 
erfuhren, li ) fo ift aud) f)iexnaä) eine feft äufammenfjängenbe 

n ) Sic s Uleinmtg ^onfen'ö o. a. £>. ©. 34, ba& int 3a^e 1461 ber 
OJeftungöbcreid} bc3 fiübfdjcn Stabtrerf)te3 big an bie lantwere, b. f). biö 
an bie üebenäau au$gebefmt morbeu fei, beruht auf einem SßiBberftänbnte ; 
unter lantwere ift nid)t etwa eine «efeftigung JpoffteiuS gegenüber %üt- 
lanb, bie bamaB feinen $roed mel)r tyatte, fonbern bie Segeidmung ber 
©renjen be$ 3Seirf)bÜbe3 ju bcrftefjen. «gl. SKaurer a. a. O. 58b. II 
©. 168—170. 

13 ) «a,l. $affe a. a. £. 58b. II Wr. 418. Sie in «etrad)t fommenben 
Sorte lauten: de copelpare vi us((ue ad rivum qui est inter .Tohannem 
de Brema et Marquard Heleu et lunc snut rivus qui ascendit usque 
ad tres montes lapidum in wetherberg. de wetherberg per paludem 
qui dirigitur in viam croneshagen ubi monticulus lapidum positus est 
in distinetionem. ab illo loco per paludem usque in fossatum. de 
fossatu usque in antiquam viam croneshagen ubi duo monticuli 
lapidum positi sunt, ab ülo usque ad piscinam Hassendorpe. A pis- 
cina usque ad fossatum. de fossato sicut palus transit usque Bol- 
brucke. de Bo) brücken rivulum sursum usque vi quod est inter Hertse 
et Hassendorpe. «gl. bievju bie fel)r grüitblid)e Interpretation 3<mfen'ä 
a. a. D. 3. 19 unb 25 ff. 

14 ) «gl. ."paffe a. a. 0. Wr. 901, Urfunbe uom 1. September 1297: 
. . . . lilii Domini Johannis de Bremen militis, villam Kopelpare, 
quam a nobis iure feodali habuerunt cum omni iure et attinentiis 
eiusdem villae libere resignarunt. Eandcm vero villam Kopelpare 



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II 



genaue (^rengbeftimmung ber Sage ber pascua nidjjt &u 
erreichen. 

©3 wirb ben nunmehr burrf) bic ©efellfdjaft für Bieter 
(Stabtgefct)icr)te ftjftemarifcf) betriebenen $Bemüf)ungen um ©r* 
forfd)ung ber Vieler Stabtgefd)trf)te öorausfidjtlicf) in nicfjt 
allgu femer $eit gelingen, eine genaue Xopograjjfue ber 
Vieler Stabtlftnbereien auf gefdncf)tlid)er ©runblage gu be* 
fdjaffen. ®egenroärtig mufc man fid) bamit begnügen, ala 
baS burd) bie teilroeife Überlaffung ber pascua an bie 
©tabt Äiel fcergrö&erte 28eid)bilb Dasjenige (Gebiet angufef)en, 
toeld)es burd) ben Sauf ber ^afjrlmnbertc f)inburd) uurjer* 
änbert gu $iel gehört fjat unb als Stabtfelb begeidjnct 
hrirb. SBäfjrenb nämlid) eine gange ülcirje öon Sänbereien, 
Gütern unb Dörfern, meiere früher ber 2>tabt .fttel unb 
einzelnen in ftiel bomicilirten geiftlirfjen Stiftern unb milben 
(Stiftungen teil* al* £ef)cn, teils eigentümlict) gehört unb 
nod) im fedjsgefjnten Sa^r^unbert ber Verwaltung unb 
^urisbiftion bes Vieler üWagiftratö unterftanben fjaben, 
toon ber <5tabt Mel mit Slusnabme beä .fcofeö Jammer an 
bie Sanbesfürften abgetreten roerben mußten, lf> ) ift bas 
Vieler Stabtfelb immer bei .ftiel verblieben. 3We jene 
tyäter tum ber Stabt $iel roieber abgetretenen Gebiete unb 
ber £of Jammer waren burd) mit Privatleuten abgcfdjloffene 
SRccr)tögefcr)äftc ober burd) private Sdjenfungen in ben s 43eft(s 
ber Stabt Äiel gelangt, ^aö SSeidjbilb unb bie mefjr* 
ermähnten, ber <Btabt $iel eigentümlid) übertragenen Seile 
ber pascua bagegen finb burd) lanbesfjerrlidje Sdjenfungen 
betft). Slbtretungen an bie Stabt Stiel gekommen. 3t)re SBe* 
ftimmung mar es, gum 2Bof)le ber Stabtgemeinbe unb ifjrer 
^Bürger gu bienen, roäfjrenb bie (Erträge jener vom 3Wagiftrat 
nertoalteten ®üter gu gang beftimmten ©ingelgroeden toer= 

Consules civitatis Kilenses ad utilitatem et usum domus saneti Spi- 
ritus in eodem Kiel emerunt. 

I6 ) Söflt. betö 9?äf>ere bei JCoIbe^r in ben 3af)rbüd)ern ber üanbe^ 
hmbe 93b. XIV @. 315 ff-, fotuic „3Me Bieter Stabtbörfer" in ben SHirt. 
bcr ®ef. f. Vieler ©tabtflefer). $b. II. 



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12 

toanbt toerben mußten. 9Ü£ nun bem Vieler 2Jiagiftrat mit 
Otücfftcfjt auf beffcn tabelnätoerte unb etgennüfcig unrebliche 
SBertoaltung jene (Gebiete entzogen tourben, fonnten ihm 
natürlich Diejenigen Sänbereien, an benen er nicht lebiglich 
SBertoaltungäbefugniffe ^atte, bie bielmehr burcf) Ianbe& 
herrliche Serfügungen ber <5tabt Mel felbft unb ihren 
" bürgern zugetoicfen toorben toaren, nicht gleichfalls ab* 
genommen toerben. Unb fo fann man toohl mit ziemlicher 
(Sicherheit in ben nach jener großen ©ebietöabtretung ber 
Stabt ®iel berbltebenen Sänbereien (mit SluSnafjme be£ 
$ofeS Jammer) ba£ 3Beicf)bilb unb ben burd) foätere 
©a^enfungen in baä (Eigentum ber (Stabt 5tiel bejto. ihrer 
^Bürger gelangten Xeil ber paseua ber Urfunbe bon 1242 
toiebererfennen. lß ) 

3)ie ältefte genaue £unbe ber Vieler (Stabtlänbereien 
getoähren, fotoeit befannt, bie harten %t)k*fcn% toelcher 
im Auftrage ber ©tabt ®iel gelegentlich ber in ben fieberiger 
Sahren be£ achtzehnten ^ahrhunberts borgenommenen ©in* 
fojtyelung bie Vieler <5tabtlänbereien bermeffen unb auf* 
gezeichnet §at. 1<5 ) £>iefe eingaben, toelrfje btcltetcf)t burch bie 
Zukünftige gorfchung in mancherlei £inficf)t SÜcobiftfationen 
erleiben toerben, finb baher einfttoeilen bei fteftftellung ber 
(Frenzen be£ (StabtfelbeS ^u ®runbe zu legen. 

IV. ^ie im SBorftehenben sab I— III aufgeführten 
Räubereien finb allezeit SBeftanbteile beä Vieler Stabtgebiete« 
getoefen. 3)a6felbe fyat jebotf) im Raufe ber Seit mancherlei 
©rtoeiterungen erfahren. 

1 . 9?ad) öer hier betretenen Slnficht ift ber Meine Mel 
nicht Söeftanbteil beö Vieler 9ßetct)bilbeö getoefen. $amit 
ftimmt überein, bafj berfelbe zuberläffigen Nachrichten zufolge 
erft in ber 2ftitte be£ 17. 3 a h r h unoer ^ oer ©tabt Mel 
abgetreten toorben ift. (£a6perfcn n ) berichtet, bafj ber Meine 

,0 ) aud) Vitien ä- 0. 

17 } „Skrfud) einer iöefdjreibnna, be£ Gimtes toter in ben Sdjleäiu.« 
•S^olft. s $roöntflialbcr. uon 1798 S. 18. SBgl. and) Sdiröber'S £ovoa,rapf)ie 
itiel). 3<mfcn ö- o- 3. 33. Bibeln* a. a. 0. ©. 55 ff. 



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18 



$iel in ben $af)ren 1654 unb 1655 bon bem kirnte fäicl 
ber ©tabt $tel fduflic^ überlaffen roorben fei. $)erfelbe tft 
baburef) in baä ©igentum ber (Stobt $iel gefommen unb 
barin bte je&t berbiieben; er rourbe Seftanbteil beä Vieler 
2Beirf)bilbe* unb ber ftäbrtfcfjen ®erid)tsbarfeit unterworfen. IK ) 
3n bem Sofalftatut für bie ©tobt ftlel bom 16. frebruor 
1850 ift ber kleine Äiel aU S3eftonbteiI ber gelbmarf auf* 
gefüfjrt, unb in bem 3 nüen * ar > wela^eö bem Sofalftatut für 
bie ©tabt ®iel bom 16. $uni 1856 angehängt ift, ift er 
als ein im Eigentum ber ©tabt Stiel befinblirfje* ©runbftürf 
ber$eid)net. ls *) 

2. 3 m 3ö^re 1444 fcfjenfte Otto $ogroifri) ein in ber 
93run3toief belegenem ©tücf Sanb ber ©tobt $icl, roeldje 
beffen (Srträge heften ber Sinnen ^u berroenben ber* 
tyraef). 20 ) 3)ie übertoiegenbe Meinung nimmt an, bafj biefes 
©türf Sanb ber fogen. Sange ©egen ober 28ila?ensf)of fei, 
unb, toie mir frfjeint, mit 9ted)t; bie gegenteilige 2lnfid)t 
SReuter'3, baß ber Sange ©egen ber bon ber ©tobt $ie( 
im %af)ie 1350 jur ®rünbung ber ©ertrubenf apeüe an» 
getaufte $lafc fei, 21 ) ift toenigftenS nad) bem bisher bafür 
^Beigebrachten unhaltbar. $)ie 5 ra Ö c tonn f)ier unentfdjieben 
bleiben, ©obiel ftefyt {ebenfalls feft, ba§ ber Sange ©egen 
bis; ^ur Bereinigung ber SBrunsroief mit ber ©tabt Äiel 



18 ) (£3 folgt bieä m. @. mit ©id)erf)eit barauä, ba& in ber Mou= 
firmation oon 1H61 ber ft leine Miel nidjt befonberä erwähnt wirb; barau$ 
ift frfjliefjen, bafj fomoljl ber Üanbe3f)crr, ber ja <> 3al)re borljer beu 
Alleinelt Miel erft an bie Stabt Miel abgetreten tyatte, als and) ber Mieler 
Wagtftrat felbft ber 3lnfid)t tvareu, bau bem Aleinen Miel bie gleiche 
Stellung pfomme, roic ben übrigen teilen be£ $£eidibilDeä. 

19 ) W\ä SBeftanbteil be$ ftäbtifdjen ©ebieteet tonnte er in biefent 
Sofalftatut ttient be$eid)net roerben, weil ja, mic bemerft, bie fteftfetumg 
beä Stabtgebietefit oorbeljalten toorben mar. 

™) Westphalen, Monum. ined. pag. 3:U)7, &i<>8. 

Sl ) Deuter a. a. C <5. 76. $gl. Srfiröber'fii Topographie, ^olbeln*, 
Beiträge gur Topographie ber Stabt Miel im *{. unb 4. fteft ber Witt, 
ber ©ef. f. Mieler Stabtgefdj. £. 79. 



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14 

Söeftanbteil beä Vieler (Stabtgebietä **) unb unter ber $uri£* 
biftion ber ©tabt $iel geroefen ift. - ;t ) 

3. 3)er #of Jammer ift, toie bereits Ijerborgefjoben, 
burd^ ein £ribate£ 9tedt)t3gefcf)äft in ben SBefifc ber 6tabt 
$iel gelangt unb jaf)rfjunberrelang ber Surtebiftion be£ 
Vieler SCRagtftratö unterworfen geroefen. al ) 

4. ©in j$toifcr)en £oren|3enbamm, Söergftra&e unb $ßf)ilo= 
fo^fjenroeg eingefcfjloffener Sanbftreifen, im roefentlicfjen bie 
®tunbftü<fe Sorenfcenbamm %h. 16—26, roelcrjer außerhalb 
beS SBeicpilbeS bon 1242 liegt, fct)etnt im borigen %af)t* 
ljunbert bem Gebiete ber Stabt ®tel einberleibt roorben $u 
fein. 3« oem ©rbbud)e $ur Äarte be£ 3)orfe£ 93run3toief 
bon 1769 ift biefer Scmbftreifen atö jur 23run£ftnefer fjclb* 
marf geprig bezeichnet, ^n bem „Sßrotofollum bon ber 
£anb Slttaafce be£ im Slmte ®iel belegenen glecfen SBraun* 
fdfjroeig" au3 ber gleiten Seit finbet fid) unter bem Sitel 
„^aftoratlänbereien" unter pag. 11 *Hr. 131 bie 9cotiä, bafe 
ber fragliche Sanbftreifen an ben ^ßicefan^ler 9ttufjliuS ber* 
fauft roorben fei. tiefer, melier bamals 93efifcer ber be* 
nactjbarten $am£erf)of<Slänbereien mar, fdjeint ifjn mit biefen 
tyäter in ben Söeftfc ber ©tobt ®iel gelangten £änbereien 
bereinigt ju haben, igebenfatte fyat biefer Äanbftreifen in 
biefem igaljrhunbert ^um Vieler (BtabtQehiet geprt. @r ift 
in ben Slbregbütfjern bon 1865, 1867, 1869 ate jur ©tobt 
®iel gehörig bezeichnet, gleict)rote er aud) in bem ©tabt 
Vieler ©djulb* unb $fanb£rotofoll aufgeführt ift. 3Me an 
biefen Sanbftreifen im Horben gren^enbe fogen. Kirchen* 
toppel (etroa bie ©ruubftücfe £oren£enbamm 9ir. 15—14) 
unb ba£ 2trdf)ibiafonat (&orenfcenbamm 9?r. 12) f feinen feit 



**) TO foldjer ift er aud) im Sofalftatut toom 1(5. Februar 1850 
aufgeführt, gleidjnue iu beu ftbreubudjern ber 6tabt ftiel aud ber 3^it 
toor 1869, bie idj einfefjeu fonnte. 

23 ) %1. Sd)tff a. a. 0. 8. 26 (Wr. 72); Dörfer, lopogra^ic M 
$er£OQtfjum£ £olfteiu 4. 9tufl. 3d)le*nng 1824, 3. 71;SReutcr a. a. 0. 

24 ) (£r ift aud) im Üofalftatut öom 16. Jebruar 1850 als Söeftanb« 
teil bcü fttelcr Stabtgebietes* aufgeführt. 



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• ii ■ ■ 



15 

längerer Seit $u Äiel gehört $u f)aben. ©s ift jebodj nicfjt 
befannt, mann biefe beiben i*anbftürfe S -Beftanbteile bcs 
Vieler ©tabtgebietes geworben ftnb. 

©£ ift im Sorftefjenben berfud)t korben, auf f)iftorifcf)em 
SSege bie «eftanbteile bes .tieler etabtaebtetes feft^ufteUen. 
£)ie gefunbenen ©rgebniffe tonnen naturgemäß namentlich 
bezüglich beä SBeicfjbilbeö unb ber pasnm nur ungenau unb 
unboffftänbig fein. ÜJlan tvixb fid) im allgemeinen bamit 
begnügen müffen, feftpfteltcn, roaö in biefem 3öt)r^unbert 
Vieler ©tabtgebtet gemefen ift. hierüber gemährt eine flare 
Überfielt ba$ me^rermä^nte *Sofalftatut für bie <Btabt Ätel 
Dom 16. JJebruar 1*50, beffen § 2 folgenbermaßen lautet: 

„%\e ©tabt Äiel fyat folgenbe 93eftanbteile: 

1. bie <Stabr. 

2. bie $orftabt, meiere außer ber SBorftabtftraße ben 
gleetfjörn, großen unb fleinen ftufjberg, £angereif)e, 
SBalferbamm, Sßrüljne, Stteueftraße, töiinfe unb (Sofien* 
blatt begreift. 

3. bie ftäbtifcfje gfelbmarf mit einem ®efamtareal bon 
1559 Xonnen, 1 (Steffel 44 □ Stuten 1 D Suß, $u 
240 DOhiten, roobon 1074 Sonnen 1 Steffel 53 Hauten 
im (Eigentum ber <5tabt, 342 Sonnen 2 Steffel 
29 □ Ohiten ba$ ©igentum ber beiben Äirdjen, bon 
öffentlichen (Stiftungen unb Slnftalten unb bon $ri* 
baten finb. — ©inen Seil ber ftelbmarf bilbet ber 
fogen. kleine Ätel. 

(Stabt, ißorftabt unb JJelbmarf werben begrenzt 
im Often bom Vieler £afen, im Horben bon bem 
(Scf)loßgrunbe unb bem jum 5lmte Stiel gef)örenben 
Rieden S3run£toi)f, im SBeften unb ©üben bon ben 
Ämtern ©ron^^agen unb $tel, foroie bom Vieler £afen. 

dlod) gehören $u Ätel: 

4. ber ©rbpacfjtsljof Jammer, groß^321 Sonnen 1 (Steffel 
(>2 n ^uten 5 □ guß, füblirfj bon $iel an ber ©iber, 
5toifcf)en biefer unb ben Slmtern ©ronöljagen unb Ätel 
belegen. 



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5. bte ©rfymcrjtsftelle ©reberfathe, jefct Bieter £of ge* 
nannt, groß 122 Xonnen 37 □ Stuten 7 nSruß, nörb- 
licr) bor ber ©tabt an bcr ftäbtifchen gelbmarf befinblitf). 

6. Sttuf bem 23runsrot|fer gelbe: ber £ange ©eegen, ber 
^rdhibietfonatsgarten unb ein ber ©t. 9itfolaiftr<f)e 
gehörige« Sanbftürf am kleinen Äiel. 

7. 3)er Vieler £afen, in bem Umfange unb mit ben 
Stedten, roomit fclbiger ber ©tabt burdj bie lanbe& 
herrlichen Sßribilegien berlieljen toorben. 

$)ie ©tabt ift in 4 Quartiere geteilt, bon melden 
bie «orftabt mit ben auf ber ftäbtiföen gelbmarf 
befinblict)en Käufern unb bem #ofe Jammer ba* erfte, 
bie ©tabt mit ben übrigen ^ertinen^en bas zweite, 
britte unb bierte bilbet. 

3)ie S3efifcer ber ©rbpadjtäftellen Jammer unb 
Meier ^of gahlen an bie ©tabt einen Äanon nad) 
Xonnensafjl. 5lucf) fte^t biefer bei bereu Veräußerung 
bas Vorfaufarecht an benfelben ^u." 

$n bem Sofalftatut bom lti. Z$uni 185G mar, roie 
bereite mehrfach Ijerborge^oben, bie Bezeichnung ber ort* 
liefen 5öegren5ung be* ©tabtgebtete* Vorbehalten. £$ n &em 
biefem ©tatut beigefügten ^nbentarium finb nur bie ber 
©tabt Stiel eigentümlich gehörigen Sänbereien aufgeführt. 



§ 3. 

fragt fich nun, ob in ben im § 2 als «eftanbteile 
ber ©tabt Äiel aufgeführten Gebieten noch heute Sübfcfjes 
JRecrjt gilt. 3)te3 ift m. ©. nicht zweifelhaft. 

'Sie <Btabt $iel f)at bis ^um 1. September isr»7 eigene 
®ericr)t£barfeit gehabt unb biefe buref) ben 9ftagiftrat aus* 
geübt. 2>er SKogiftrat mar bas Bericht erfter Snftanj. Von 
ihm reffortirte bas Sttiebergericfjt, welches aus bem jioeiten 
gelehrten unb bem ^weiten faufmätmtfrf)en Ratsherrn beftanb; 



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17 



baöfelbe mar in (£toilfarf)en uorbefjäitlirf) ber ^ßrobofation 
an bcn Sttagiftrat auftänbig, fofern ber SBcrt bes Streitgegen* 
franbeS 50 8ttf)lr. nitf)t überftieg, unb führte in ftriminaliadjen 
bie Unterfudmng. daneben beftanb ein aus bcm älteften ge« 
lehrten unb bem älteften faufmännifrfjen SRatööerroanbten be= 
ftef)enbe* SBrütfen geriet, ba* in (Sdn'fffafjrte* unb4?anbels* 
fachen bie ftreitige unb bie frettoiüige ©erirfjtsbarfeit ausübte. 
(Snblid) tourbe bie polizeiliche <Strafgerid)tebarfeit burd) ein 
^oliaeigerfa^t ausgeübt. Sßon ber ©erirfjtßbarfeit ber ©tabt 
SHel waren aaf)lreirf)e Sßerfonen, Saasen unb (&runbftütfe 
erimirt, beren Slufeä^lung fn'er 51t roeit führen mürbe. SBon 
bem Vieler 9Kagifrrat ging ber ^uftangenaug an bas Ober* 
bifafterium $u GHürfftabt unb t>on biefem an ba* Dber* 
appettationsgertdjt $u Ätel. l ) 

3>m ©egenfafce ^ur (stabt Stiel tuurbc in bem bas .Siteler 
(Stabtgebiet ring£ umfrfjlie&enben Slmte Miel bie ©eriaitebar* 
feit burd) bie lanbesfjerr liefen Beamten (Amtmann) unb ba* 
alte S8olfögericf)t ausgeübt. 

3m Qdfyxe 1ki;7 tourbe ber ©tabt Miel bie felbftänbige 
Surtebifrion entzogen unb auö ben Gebieten ber Stabt Miel 
unb be3 2lmteä $tel ein Slmt^geri^töbe^irf &iel gebilbet. 
%md) biefe Bereinigung ift jebod) ba* in ben früher ge* 
trennt getoefenen Segirfen geltenbe s 4$riüatrerf)t nirf)t berührt 
roorben. JJn biefer $3eatefmng ift üiclmebr bie ehemalige 
^renje ber t>erfa)iebenen ®erid)töbeairfe nod) fjeute öon 
Söebeutung. @£ barf behauptet werben, baft biefe $ugleirf) bie 
©ren^e ^toifa^en ben ®ebieten bes iiübfrfjen unb bes (Saufen» 
rechtes bübet, unb biefe *8el)aiu;rung mirb buref) bie fotgenben 
(Erwägungen beftätigt. 

3)a£ Äübfrfje SRed)t ergebt ben Slnfprud), in bem ganzen 
©ebiet ber mit ifmt betoibmeten Stäbte ^u gelten. 3 n & em 

l ) 58gl. über bie frühere Qtericbteüerfafjmifl inSbeicnbere ftalcf, öanb 
bud) 93b. III 5lbt. 1 S. 154-KW; 3. 230 — 2.%; 3. 249 — 254, foiuie 
„bie fteftfdjrift für bie l£röffnunfl be$ neuen rberlanbetffleridjtMMebäubes 
in ftiel am 18. Oftober 1894" 3. 12 ff. ( ferner lyraucfe, £er flent. »• 
3cf)lc$n>.*£olft. Gibilproceß. 2. flnfi. Miel 1844, «b. I 3. 99-102. 

2 



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18 

SBormort <$um rebibirten (Statut bon 1 5S(> Reifet e£ au3= 
brüdlid): „$)aö lübiftfje 9ted)t erftrecft fidf) in unfercr ©tobt 
unb in bcn ©tabten, bo lübifid) Otedfjt gebraust roirb, fo* 
fern aU unfer unb iljr 2Beid)bilb, gelbmarf u *t° Äanbroefjr 
reibet." tiefer (Safe mar ein SBeftanbteil beS £übfd£)en 
fftec^tö unb Ijatte batjer in $iel Geltung erlangt. £ierau£ 
folgt, ba&, folange er nidjt burd) entgegengefefcte ffted)t& 
grunbfäfce außer Äraft gefegt Horben ift, ba£ Sübfdje SRec^t 
nid^t nur in bem urfyrünglict) jur ©tabt $tel* gehörigen 
Gebiete gegolten, fonbern aud) ipso iure alle tyäter ber 
©tabt Ätcl einberleibten Gebietsteile getoiff ermaßen erfaßt 
f)at unb auf ifmen ^ur Geltung gelangt ift. *) 

3)aS £übfd)e Stecht entplt ferner feine SBeftunmungen 
barüber, roeld)e£ Stecht bei ÄolltfionSf allen anjutoenben fei, 
fefct bielmel)r borauS, baß ber lübfdje Stifter in allen 
gälten nacf) feinem Sfted)te entfdjjeibe; bafjer Ijatte aud) 
ber «Vieler 9ttagiftrat über bie feiner 3 u ^^oiftion unter* 
roorfenen Grunbftüde unb Sßerfonen nad) £üb fasern 9ted)te 
ju richten. 2ßa£ alfo bie Grunbftüde anlangt, fo bedt fid) 
baä Gebiet, in toeldEjem ba£ Sübfdje 9ted)t gilt, mit bem* 
jenigen 93egirfe, melier ehemals ber SuriSbiftion beS Vieler 
9#agiftrate£ unterworfen mar, roeil eben für bie Grunbftüde 
biefeS SBe^irfeS ba£ Sübfdje 9tect)t lex rei sitae mar. 

3)tes folgt aud) aus allgemeinen Grunbfä&en. ©3 mar 
früher allgemein anerfannter unb in ©d)leSmig*$oIftetn bis 
in bie 3ttitte biefeS J3af)rf>unbert£ bon Sljeorte unb $rari£ 

s ) tiefer ©ajj entfpricbt ber mobernen 9ied)t3anfd)auung itidjt mefyr 
unb juirb ie&t nidjt mcljr beadjtet. (£3 ift fyeute bielmefjr allgemein an« 
erfannter 9ffed)t*grunbfafc, ba& burd) bie abminiftratioe Bereinigung jtoeier 
^öe^irfe baö in jebem berfelben geltcnbc VßriuatLcdjt nidjt berührt roirb. 
«gl. 5. 2. 6euff. 9lrdi. XIX 209, XXI 1. SBgf. aber aud) bie abtocictyenbe 
©ntfdieibung be$ p .fmmburg in ©euff. Slrcf). fr XII 182. 

SBäre e$ möglid), ben ^citpunft genau anzugeben, bi3 311 toeldjem ber 
fraglidje ©runbiatj beS öübfdien tfieditä alö SRcd)tögrunbfa& gegolten Ijar, 
fo mürbe biefer ßeitpunft für bie $eantioortung ber 2r ra 9 c » o° e ' n De ' 
ftimmter Seil be3 «Vieler Stabtgebietes* bem Sübfdjen 9ied)te ober bem 
8ad)feufpiegcl unterworfen fei, entftfjeibenb fein. 



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Hl 



ftetä feftgehalrener 9ted)tegrunbfa(j, bajj ber 9tid)ter in ben 
öon tfjm 5U entfd)eibenben >Hec^ töftr ei ti q fei ten regelmä&ig 
baS SRedjt feinet (Sprengel*, bie lex fori, $ur Slnmenbung 
bringen fyahe.*) ^emgemäö fyatte ber Vieler 9Jcagtftrat 
nad) Sübfdjem Steckte $u richten, roährenb baa 9lmt &iel 
nad) <5acf)fenred)t urteilte. $)a nun bie Trennung ber &e- 
ridjtsbeäirfe 3>ahrhunberte hiuburd) beftanb, fo ift ber (5d)luf3 
gerechtfertigt, bafc in bent Vieler (Stabtgebtete, Wie es bor 
ber Bereinigung mit bem Stmte $iel fid) barftellte, £übfd)e* 
9tedf)t, unb bafj in bem SSe^irfe beö ehemaligen Slmtes .tiel 
(Sadjfenredjt ({ebenfalls infolge bauernber Übung) gelte, 
hiernach finb bie ©renken ber beiben 9ted)tsgcbietc leicht 
ju ermitteln. 

3ft es nach SBorftefjenbem einfach, biefe ©renken geo* 
graJjfjiW feftauftellen, fo mirb bies noch erleichtert burd) 
folgenbe ©rroägung. 93tö jum $ahre 1HW mar bas Vieler 
©tabtgebiet in bier Quartiere eingeteilt, welche, nach bem 
bisher ®efagten, baS (Gebiet bes Sübfdjen #ted)tes bilben. 
Sm 3afjre 1869 (i. Styril) mürbe bas ehemalige $orf 
SBrunsltuef ate fünfte« Quartier bem Vieler (StabtQehiete 
einverleibt. 4 ) $ie &ten^en ätoifdjen bem fünften Quartiere 
einerfeits unb ben übrigen bier Quartieren anbererfeitö, fo 
toie fie fid) im 3 a *> re barftellten (in^mifchen finb bie 
alten Quartiergrenjen oielf ad) oerroif d)t roorben), trennen 
auch fyeute noch bie oerfchiebenen 9ted)tsgebiete. hiermit 
ftimmen auch <5eeftern* s #ault)'s Angaben übereilt/') 

Stus ben bisherigen Ausführungen ergiebt fich, 1. ba& 

3 ) %l. Stobbe, $eutfd)e$ ^riontr. I S. 175, ^aulfen, Sdjlesüu.' 
«yolft. ^riöatr. 2. «uff. 6. 17; ftalcf, £nnbbud) «b. I ®. 147. 

*) 9lcflulatit) oom 16. 3amtar 1800, beftätiflt burd) Ellert). Crbrc 
toom 24. m&ti 1869 (föeaicrunfläamtöbt. <S. 110). 

5 ) Sögt. Seeftern « $autn, $runbbud)red)t für bie s 45rouiug 

grimmig,-. fcoiftein, ftiel 1874, S. 1D1 Wote 20: „$Baö bic ©tabt Stiel 
betrifft, fo gilt ba$ £übfd)e SRerf)t im 1., 2., 3. unb 4. Quartier, im 
5. Onartier (bem früheren Rieden $ruiK(tuief, ber uor meniflen ^afireu 
mit ber Stabt .Stiel vereinigt murbc N ajlt ber 3ad)fettfpiea.el." 

•2* 



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20 



bie ©renaftme ährifdjen ben (Gebieten be£ Sübfdjen 9ted)te£ 
unb beä <Sadjfenftriegel£ folgenben Verlauf nimmt: 

(Sie beginnt am £afen nörblid) beä (Sd)loffe£ an ber 
(Stelle, roo früher ein 3)urd)ftich ben Meinen Mel mit bem 
$afen berfcanb, folgt biefem $)urd)fdjnitt bie $äniftf)e 
(Strafte fdjneibenb bis jnm Xretyjengange, 

folgt biefem biö $u ben ehemaligen (^ren^en be3 Meinen 
Mete, 

läuft biefen ®ren$en folgenb burdjj bie Anlagen ju bem 
®runbftürfe Sorenfcenbamm 9£r. 12, 

geht um bie ®runbftürfe Borenfcenbamm Sttr. 12 unb 
3)ahlmannftraf$e %lx. 1 unb um bas (Sdjulgrunbftütf ^erum 
unb an ben Hinteren (Seiten ber ®runbftürfe Sorenfcenbamm 
Sflr. 17—24 entlang, 

folgt fobann bem £aufe beö ehemaligen (Spelunfen* 
grabend aufwärts an ben fiteren <Seiten ber ©runbftütfe 
«ergftra&e 9lx. K, 14 unb 9ttuf)liu<5ftra&e Wx. 31 entlang, 

fdmeibet bie 9JhihltuSftraf3e aroifdjen ben ®runbftürfen 
mx. 31 unb 29, 32 unb 30, 

folgt ber Oftfette ber ©runbftürfe 9Kuf)liu£frraj3e 9lx. 32 
unb ©ergftrafje *ftr. 26, fdmeibet bie 93ergftraf$e sroifdjen 
ben Käufern $lx. 2G unb 28, 17 unb Sßilhelminenf trage 
mx. 11, 

läuft fobann etwa ^araEel ber SBilhelminenftra&e an 
ber hinteren (Seite beS ®runbftüd$ SStlhelminenftrajje Stfr. 11, 
beS Mthler'fdjen ®artenä entlang, burdjfdjneibet baä &anb'fd)e 
©runöftücf oon Often nad) 2öeften ettoa in ber Sftttte füblict) 
beS 2öohnhaufe£, burd;fd)neibet fobann bie ^ähfffrö&e, Ö c ^ 
mitten burd) baS ®runbftüd gährftrafje 9lr. 27 fyinbuxd), 
um bie ©runbftüde gährftra&e 9^r. 29, 31 herum, 

folgt bann weiter ber grährftrafce auftoärtS, burcf)* 
fchneibet in bereu Verlängerung ben Mtoojjerroeg, geht um 
bie (Sdjlüter'fche Goppel tjerum, trifft ben Mtoopertoeg 
roieber, folgt biefem fobann in nörblidjer SRidjtung ettoa 
100 m roeit, oerläftt fobann ben Mtoopertoeg unb läuft um 



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21 



bie alten ©tabtlänbereien einfrfjliefelirf) be* Vieler £ofe*, 
biefe umfaffenb, fjerum bi« ^um $afen. 

^nnerfjalb biefeä fo umfdjriebenen (Gebiete* gilt Sübfdjes 
Siecht, aufjerl)alb bcr ©atfjfenftriegel. 

2. $)afc im Sangen (Segen (nirfjt $u öerWedjfeln mit 
ber (Straße gleiten tarnen«) unb bem £ofe Jammer 
MbfcfjeS SRedjt gilt. 

3. Dafj ber Vieler $afen bis SBülrf auf ber einen unb 
SBifd) auf ber anberen ©eite bem Sübfcfjen SRedjte unter« 
toorfen ift. 

2ßa£ für ben #afen felbft gilt, muß aud) für bie burcf) 
Stuffc^üttungen au* bem $afen gewonnenen ©runbftürfc 
zutreffen. 511« foldje fommen im wefentlidjen in 93etrad)t: 

a. bie in ber ^weiten Hälfte biefeä 3 a § r § u Nberte mi 
inneren #afen burcfj 2luffcf)ütrungen gewonnenen, jefct %ux 
©emeinbe ©aarben gehörigen ©runbftürfe; 

b. biejenigen ©runbftütfe, toelrfje burcf) bie feiten^ ber 
^aiferlidjen $analfommiffion Vorgenommenen 8luffrf)üttungen 
bei 2ßif, Holtenau unb grriebridjäort bem £afen abge* 
Wonnen finb. 

c. inwieweit enblid) Xeile ber $u ben an ber SBaffer* 
feite 3)üfternbroofö gelegenen ©arten burrfj $urürfbrängen 
be£ ^afenbette^ gewonnen finb, baa intereffirt fn'er nid)t 
weiter. mufj bieä im ^ttjetfelefaüe besügltd) jebeä ein* 
feinen ber in JJrage fommenben ©runbftürfe befonber« er* 
mittelt Werben. 



§ 4. 

3n bem (Gebiete, Welcfjeö nacf) bem 3>HÖöfte öcr bis* 
ijerigen 2lu£füf)rungen bem &übfd)en Otecf)te unterworfen ift, 
fommt biefe£ nirfjt auäftfjliefjlid) $ur 5lnWcnbung. «ßwar 
muj$ aU Siegel gelten, ba& bie in biefem Vöe^irfe liegenben 
©runbftücfc unb bie ba^elb^t Wofjnenben ^Serfonen bem 
£übfdjen Sftedjte unterliegen; allein bie (Geltung beweiben 



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22 

erleibet ©infdjränfungen foroof)l be^üglirf) gereifter ®runb* 
ftücfe alz autfj rücfftcfjrlidj genriffer Sßerfonen. 

2Bie Bereite fjeroorgeljoben, mar für bie J^rage, roekfjeö 
Olecr)t im einzelnen galle $ur Slnroenbung fommen foHe, ber 
®ericf)täftanb ber $erfonen ma&gebenb; roer ber ftäbtifcfjen 
®ertcf)täbarfeit unterworfen mar, rourbe naä) &übfc£)em Sftedfjte 
beurteilt, roer unmittelbar unter ben Pieren, bem ganzen 
£anbe borgefefcten ®ericf)ten ftanb, für ben galt ber (Sadjfen* 
Riegel, unb bie ber afabemifdjen ®eridf)t3barfeit ber Vieler 
Unioerfität toie bie ber geiftlitfjen Surisbifrion unterworfenen 
^erfonen lebten nadj) 9tömifd)em unb fanonifdjem Siechte. 1 ) 
^nSbefonbere unterlagen bie ©runbftütfe bem forum rei 
sitae unb ber lex rei sitae. 

(§& märe offenbar baä einfatfjfte unb natürlitfjfte ge* 
roefen, roenn jebeS ®ericf)t innerhalb feineä (Styrengete bie 
©ericf)t£barfeit auäfcfjlieftficf) ausgeübt f)ätte. 3)ie£ mar jebo<f) 
n\d)t ber galt. ©3 gab oielmefyr bte gum 1. ©e^tember 1867 
eine gan^e 9teif)e bon fogen. t)rit>ilegirten ®erid£jtäftänben 
für beftimmte ®runbftütfe unb für geroiffe $erfonen. 2 ) 

I. 2ßa£ $unärf)ft bie ©runbftürfe betrifft, fo gab e£ in 
®iet, roie aucf) in anberen fdjleäroig^olfteinifdfjen (Stäbten, 
m'er Maffen ^rtoilegirter ©runbfrürfe. 3 ) 

1. $>ie im (Eigentum ber SanbeSregierung beftnblidjen 



') «gl. ^ralcf o. a. 0. I S. 147 ff. ^oulfeu a. a. C. ©. 14 ff. 
nuudj, «ürgerl. ?Recf)t, (Sinfeitung. Stobbe a. a. £. I 3. 175, 193. 

l ) daneben gab e3 nod) priöüegirte ©eridjtsftänbe für gemifle Birten 
uon föed)t$jad)cn , bie In'er jebod) außer 5öetrad)t bleiben föunen. $Bg(. 
ftald a. a. C. ©. 288—2%, 180—184, 205 ff., 207—210. brande a. a.b. 
S. 1«« ff. 

3 ) «gl. ftald a. a. 0- $b. I S- 29, $b. III ?lbt. 1 6. 311 ff. 
Jvt'onrfe a. a. O. @. 168 ff. <Srf)tff a. a. 0. 3. 72, 51. $ie (Exemtion 
bei* fraglidjen ®rnnbftüde mar urfprünglid) f^olfle eines perfönlidjen ÜJSriui' 
legiumJ ber Eigentümer; man naljm an, bafi bie rürffidjtlid) be£ ÖJeririitö^ 
ftanbeö priöüegirte $erfon biefe$ perfönlidjc ^rittilegium auf ityren ©runb< 
befi& übertrage. Später, unb nameutlid) in Metern Sötyrijunbert, mar cö 
auerfannter SRedjtegrunbfafc, bafe css ^um Übergänge einest (^runbftüd^ 
unter ein anberen forum eines befonberen Privilegium fundi bebürfe. 



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i i ! w : 



©runbftürfe Waren bem fjöfjeren ©ericf)tsftanbe unb fomit 
bcm ©adjfenftnegel unterworfen; $ur s -8egrünbung be* f)ö()eren 
forum bejüglid) bcr oon ber ^Regierung neu erworbenen, 
bis ba^in biefem forum nicrjt unterworfenen ©runbftürfe 
beburfte eä ftete erft einer förmlichen Übertragung ber 
^uriäbiftion an baa Dbergericf)t. *) ') 

2. 3)ie firrfjüdjen ©runbftürfe unterlagen, jebodj bloß 
rüctficfjtlicfj ber biefe ®runbftürfe betreffenben Oteafflagen, 
ber getftlicrjen 3 ur isbiftion ; in jeber anberen SBe^ieljung 
Waren biefe ®runbftütfe ber ftäbtifcf)en (&eri<f)tabarfeit unb 
bem Sübfdjen 9tect)te unterworfen . Slucf) t)ier beburfte e« 
$ur SBegrünbung be* Pieren ®erirf)teftanbe6 rürffidjtlid) ber 
oon ben $ird)en unb fircfjlidjen S«frituten neu erworbenen 
©runbftücfe befonberer Verfügung. 6 ) 

3. 5)ie ber llniberfität Miel gehörigen ©runbftürfe waren 
ber afabemtfdjen (Sterirfjtebarfeit unterworfen, "') Wobei eß 
bezüglich ber in neuerer Seit erworbenen ©runbftürfe gfetcf)* 
falte befonberer Verfügung beburfte. 8 ) 

4 ) «gl. ftalrf a. a. £. «b. III flbt. 1 8. 312. 

Ä ) Jpierbci mag ermähnt werben, baft uadj bem ttanflleipatent uom 
5. ^suni 1813 ade auf bem 6d)ledroiß<$o(fteimitf)en .Hanal, ben man tuol)( 
als .ttammergut anfal), öorfallcnbcn 3treitfad)en ber ^uri«>biftion be* 
Sd)lc$u>igfct}en €bcrgcrid)t$ (fpäter beä 9lmte$ Kütten) unterworfen, mit« 
tjin nad) ^tttifdjent Horn beurteilen waren, «gl. ftald a. a. £. brande 
a. a. C. S. 170. ©temann, Sdjle$w. >Ked)ttfge!"rf}irf)tc «b. II S. 322. 
«gl. aud) unten 9Jote 2«. 

«) «gl. ftald a. a. £. 8. 313, 315, 275. brande a. a. 0. @. KW. 

7 ) «gl. ftald a. a. £. 3. 315. brande a. a. C. 6. 170. 

*) «gl. bic «Patente oom 12. 3)tai 1802 unb 13. 2)ccember 1811. 
Itfittelä be$ erfteren würbe baä 511 Anfang biefeö 3af>rfjunbertä erbaute 
ftxanfenljauä uebft allem ^ubeljör gum afabemifdjcn (#runbftüd erhoben 
unb in feinem ganzen Umfange ber afabemifdjen (#end)tebarfeit ber Uni 
üerfttät unterworfen. 35urd) ba$ lefctere patent mürben bie ,<pebammen= 
anftalt unb ein fernere* ftranfeufyauä ber afabemifdjen (#crid)tsbarfcit 
unterlegt mit ber SWafjgabe, ba& biefe erft $lafe greifen fülle, fobalb bic 
qu. Käufer bon if)ren «eftfeern an bie aFabemifd)en ^nftitute geridjtlid) 
üerlaffen feien. — Seit bem 3alu*e 1811 ift einzelnen ©ruubftüden in 
ber Stabt Stiel ein forum superius m. uid)t mef)r oerliefjeu morben. 



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24 



4. 3)ie fogen. fanaleifäffigen ®runbftücfe Waten bem 
^olfteinifchen Dbergericht unmittelbar unterteilt unb im 
obergericf)tlichen (Sdmlb* unb $fanb£rotofott bezeichnet. 9 ) 

$ür bic im SBorftehenben aufgeführten pribilegirten, bon 
ber ftäbtifchen Surtöbtftion erjmirten ®runbftürfe bilbeten 
bie beseiteten (Berichte ba3 forum rei sitae unb baä bon 
biefen Berichten anauroenbenbe 9ted£)t mar für jene ©runb* 
ftücfe lex rei sitae. 

^)ie 3 ur t3biftion ü° er oa 3 pribilegirte ©runbftütf in* 
bolbirte zugleich bie (&ericht£barfeit über bie auf bemfelben 
toohnenben Sßerfonen, mit Slusfchlufc jeboef) ber $ienftboten, 
meldte ber ftäbtifchen ©ericfjtsibarfeit unterworfen blieben. lü ) 

$>ie ©remtionen ber unter 1 — 3 ermähnten ©runbftürfe 
hatten ihren inneren ©mnb in ber äufl^örigfeit biefer 
($runbftücfe ^um Vermögen be£ Staates, ber Kirchen, ber 
Uniberfität. Verlor ba3 pribilegirte ©runbftütf biefe recht* 
Ii<f)e ©igenfdjaft, fo mar ein ®runb für bie gSribilegirung 
nicht mehr borhanben. ^nbeffen beburfte e£ mit Ütütfficfjt 
auf bie öffentlich rechtliche Statur ber Sßribilegirung $ur 
Stufhebung ber Sßrtbilegien unb $ur Unterorbnung be3 
®runbftücfg unter bie ftäbtifche ©ericht&barfeit eineä befon* 
bereu Sittel beä ©efe^geberö, gerabe fo roie 5. 93. auch ^ cu ^ e 
nur auf gefefcmäfeigem Sßege ein ®runbftücf au3 bem 93e* 
jirfe eineä 2lmtegerichte3 au£gelöft unb bem (sprenget eineö 
anberen zugelegt roerben fann. $atte ein pribüegtrteä ®runb* 
ftütf biefe ©igenfehaft bertoren unb mar e£ fo roieber unter 
ftäbtifche dterichtäbarfeit gelangt, fo fam e3 auch roieber 
unter bie £>errfchaft be* Sübfchen Rechtes. lütt ) 

3)urch bie preufjifche ®efefcgebung finb bie pribilegirten 

"äJton ivolite ben ja^Irctrijeu berettet t>or Rubelten (Sgemtiotten nidjt neue 
ljiit^ufüfleit. 9$fll. and) t>a# Äattäleipntettt Dom 25. Wpril 182G, fotoic 
unten «Rote 11»). 

u ; ftalcf a. <t. 0. S. 314. ftranrte n. a. C. <S. 170. 

10 ) «gl. ftaltf a. a. ß. S. 315 ff. patente 00m 8. Februar 1805 
unb 31. $ecentbcr 1807. 

10 a) %f. Ä . ü). bemiid) be* »itdnüfllbt'id)en fcofe« unten Wote 39 u. 40. 



2;~> 



(&erid)t3ftänbe allgemein aufgehoben roorben. u ) $ie efje* 
mal£ £ribilegirten (^runbftütfe nehmen nur infofern nod) 
eine befonbere (Stellung ein, alz fie bemfelben SHerfjte unter* 
roorfen finb, roeldjem fie bor Sluffjebung ber pribilegirten 
©eric^teftänbe unterlagen. 3)iefe SBefonberffeit ^at aber, roie 
herborgeljoben, bezüglich ber oben unter 1 — 3 ermähnten 
©runbftürfe ihren alleinigen ©runb barin, baft biefelben bem 
<&taate, ben Mrrfjen, ber Uniberfität gehörten. #ört biefe 
rechtliche ©igenfdjaft auf, fo ift für ba£ JJortbeftehen ber 
gebadeten SBefonberfjeit fein ®runb mehr borhanben. 2ttan 
roirb ba^er für bie ®egenroart behaupten bürfen, bafc burd) 
bie SBeräufjerung eines ber f)ier fraglichen (unter 1—3 er* 
toä^nten) ®runbftücfe feitenä bes (Staates, ber Äirdje, ber 
Uniberfität an Sßribate aud) jene SBefonberhett toegfällt unb 
bon ba an baö Sübfd)e 9ted)t auf fie Slnroenbung finbet. lla) 
@£ finb baljer bon ben unter 1—3 aufgeführten ehemals 
pribilegirten ®runbftücfen nur nod) Diejenigen bon ber 
4>errfd)aft bes £übfcr)en ftetfjtes erjmirt, roeldje noch heut* 
^utage im ©igentum be£ (Staates, ber Kirchen, ber Uni* 
toerfität fid) beftnben. 

II. ^)ie (juriftifdjen unb p^fifc^en) Sßerfonen, welche 
einen pribilegtrten ©erichtsftanb hatten unb ber ^urtsbiftion 
ber (Stabt ®iel baher nicht unterlagen, roaren folgenbe: 

1. 3)er (anbeö^rrüdje fttefus, beffen JKechtenachfoIger 
ber Sßreufjifche (Staat geroorben ift, hatte feinen (Berichte* 
ftanb bor bem $olfteinifrt)en Obergericht. l55 ) 

u ) $gl. unten Mute 25. 

n a) 3>iefe3 s ßrincip ift bereits? in bem Üan$leipatent uom 25. Wpril 
1826 enthalten, meldjeä ^loedö SBerfyütuug ber SJcrbielfältigung ber in ben 
Stäbten ber Herzogtümer Sdileäroig unb Holftein borl)anbenen prim* 
legirten ©runbftücfe beftimmte, bajj bei fterftücfelung eine* folctyen (Srunb* 
ftücfö ba$ mit beffen 93efife oerbunbene ^ribtlegium nur für ben Haupt« 
beftanbteil, beffen Seaeidmung föniglidjer Genehmigung unterlag, fort* 
bauern follte. 

") «gt. ftalcf a. a. C. 3. 296. ftrauefe a. a. 0. 3. IC», «erorbn. 
to. 9. ^uli 1B40 §§ 2, 5. 2)er fttefuS ftel)t in Holftein unter bem 3arf)fen« 
fpieget. 



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26 

2. $>ie TOlitärperfonen Ratten ifjren eigenen ®erid)t& 
ftanb unb lebten natf) bänifcfjem Stecht. 13 ) $)ie auf bie 
9ttilitärperfonen bezüglichen Söeftimmungen beö früheren 
9tecf)tä finb burcf) ben ^tterfjöcfjften ©rlajj bom 1. 2tyril 
1867 u ) aufgehoben, fotoeit fie mit biefem ©rlafc in 2ßiber* 
fprurf) ftefjen. 

3. $ie ® eifrigen, Äirdjen- unb ©cfjulbebienten unb 
bie $anbibaten ber Xfjeologie Ratten in allen (Sachen, meiere 
2lmr, Äefyre, £eben unb Sßanbel betrafen, ifyren ®ericf)t& 
("tanb bor ben Äonfiftorien. 15 ) 3« weltlichen Angelegen* 
Reiten toaren bie genannten Sßerfonen jebod) ber ©erid)t3- 
barfeit ber ©tabt 5tM unterworfen. 

4. $ie Prälaten, SJcitglieber ber ©cf)le£ro. s £olft. bitter« 
fct)aft unb bie S3eft^er abeliger (Mter foroie beren grauen 
unb $inber Ratten ihren ®erichtsftanb bor ben abeligen 
£aubgericf)ten, gleid)biel roo fie wohnten. n ) 

5. $)ie lanbeäfjerrücfjett ©ibilbeamten, ber £anbe£abel 
unb biejenigen, Welche in ben brei erften s Jtangflaffen Ämter 
befleibeten ober bef leibet Ratten, unb beren Äinber, bie 
Ober* unb &anbgericf)t£abbofaten unb bie in Kopenhagen 
unb $tel promobirten $)oftoren, mit 2lu£f<f)luj3 ber in Äiel 
promobirtcn 2)oftoren ber Sßfjilofopfne, Ratten ihren ®ericht£* 
ftanb bor bem Dbergericf)t; 1H ) bie ftäbtifc^en 58ürger jeboch, 
meiere einen 9tang Ratten, waren mit SBe^ug auf alle 
ftäbtifcfjen Ämter* unb ©teuerberpflichtungen fonrie in 
©Bulben*, ^panbelS* unb ©etoerbefacfjen ber ftäbtifchen (&e* 
ridjtebarfeit unterworfen. 

ls ) Jößl. ftald a. a. £. 3. 298—301. brande a. a. 0. 8. HU» u. 1K7. 
'••) ©cf..8. e. 519. 

15 ) $a$ mtyxc f. bei ftalrf a. a. C. 8. 301 30<j. ftrande a. a. D. 3. U»5 ff. 
«flf. ftatd a. a. C. 3. 303. brande n. a. £. 8. 1««. 

I7 ) 3?ßl. ftnld a. a. 0. 8. 306 ff. brande a. a. 0. 3. 304. Srfjraber, 
«eljrbudj bc$ Sd)le$n).<$olft. ^Srtoatr. 3. 145. Jöql. oud) unten ^ote 20. 

,8 ) Wäfjere f. b. ftalrf a. a. C. 8. 308 ff. Fronde a. o. C. 3. 163 ff. 
ȧl. oud) unten Wote 20 

,v ! patent Dom 17. flöril 1782. *ßl. brande a. a. C. 8b. I 8. 1«4, 
8b. II 8. 468. ^aulfeu a. a. C. 3. 16. ftnld o. n. 0. 8. 309. 



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27 



(3. 2)ie cives acudi>mici unb bie Unioerfitäteoerroanbten, 
s #rofefforen, bercn SBittroen unb .ftinber, * ü ) Sßrifcarboccnten, 
(Stubenten unb bie bei ber Unioerfität angeftellten Dfftcianten 
unterftanben ber afabemtfdjen ®erirf)tebarfeit; nur in geift* 
liefen Sachen Ratten fie ben ©eridjtöftanb toor ben $on* 
fiftorien. il ) $ie afabemifrfje ©eritfjtebarfeit mürbe in ge< 
ringfügigen Sachen toon bent SReftor, fünft öon bem aus 
bem Sieftor, bem für bas folgenbe 3 a ^ r befignirten iHeftor 
(falte biefer nicr)t 3«nft mar, einem ^rofeffor iuris) unb 
ben bier Stefanen beftefjenben consistorium aretius ausgeübt. 
$ür midjtige $isctylinar* unb .triminalfacfjen mar bas au« 
fämtlicfjen orbentlidjen ^rofefforen gebilbete consistorium 
plenum ^uftänbig. ") 3)ie llniberfität unb bie Uniberfitäts* 
berroanbten lebten nad) römtfdjem unb fanonifdjem 9tect)t. * H ) 

9lus ben im Sßorfteljenben gegebenen furzen SLnbeutungen 
ergiebt fid) frfjon, roie fetjr bie ©cfylesroig*#oIfteinifcf)e (&e* 
ridjtsberfaffung unb bie Sefjre bon ben ©eridjtsftänben ber 
nortoenbigen (£inf>eitlitf)feit unb Überfirfjtürftfeit ermangelten. 
9camentlitf) liefj bie grojje $afyl oer SßrioUegien bas <&efüf)l 
toon SRedjtsftdjertyeit ntct)t auffommen; bie ®erirf)tsberfaffung 
enttyrad) in feiner SBeife ber gorberung ber neuen #eit, 
baß atte (Staatsbürger bor bem ®efefce gletd) feien, 3)ie 
SBefeitigung biefer ©erid)tSbcrfaffung mar benn aud) ein 
allfeitig tief entyfunbencS, bringenbes SBcbürfms. ©rft 

20 ) Über bic ftraa,e, inwieweit bie s Äna,el)öriflen ber ^riüilcßirteu au 
bem prtaifeflirteu ®cridjteftanbe teilnahmen, \)q\. patent bom 5. Wlävs 
1808, fowic ftranefe a. a. C. 3. 174-177. 

21 ) %t. ftalcf a. a. 0. S. MO; 203 ff. ftranefe a. a. C. $b. 1 8. 1<V7. 
v 4$autfen a. a. C. 

S2 ) «fll. Sftft. Samml. ber «erorbn. $b. IV 8. 3tV2 ff. ftalcf a. a. C. 
8. 203 ff. ftraurfe a. C. 8. 104. *Umlid)c s tel)ältniffe beftanben für 
bie ©eleljrtenfcfmle p Altona. 

2S ) ®fjl. ^aulfen a. a. C. £ie$ iit aud) heutzutage iioct) Weckten*. 
SJgl. aud) unten Wote 26». 

s4 ) ^nsbefonbere Ijat bie promforifdje ^Regierung bie föeformbebüiftig« 
feit be$ ^uftiswefend boll anerfannt. 3'm StaatSgrunbgeicfc für bie 
.fteraogtümer Sct)lc3mia/£olftcin bom 15. September 1848 mar bie böüige 



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28 

5er preu&ifchen ®efefcgebung mar es jeboch vorbehalten, 
^ier 28anbel fchaffen. 

^uret) bie §§ 3 unb 9 ber SBerorbnung bom 20. ^uni 
1867, in ®raft getreten am 1. (September 1867, 2r> ) ftmrben 
bie ftäbttftfje unb bie ^atrimonialgerichtsbarfeit jeber Strt 
fohrie bie afabemifche ©erichtabarfeit aufgehoben, ferner 
ftmrbe buret) § 5 cit. ber erimirte unb pribilegirte Berichts* 
ftanb für Sßerfonen unb ©runbftücfe, ber ®ericf)t$ftanb für 
befonbere Strten bon <3adf)en fohrie ber Jmtoilegirte (Bericht** 
ftanb bes 3rtefus allgemein aufgehoben. 

3)amit mar in öejug auf ben ©erichtaftanb bie @Hei<fy 
heit aller Staatsbürger bor bem (Stefefce herbeigeführt. $eut* 
jutage finb l)inficr)tlicr) ber Sehre bom ©erichtöftanbe lebig* 
lieh bie SBeftimmungen be£ ©erichtsberfaffungsgefefces unb 
ber ©itoityroaefcorbnung mafigebenb. 

3)er frühere 9techt^uftanb ift jeboch nicht ohne blei* 
benbe materiellrechtliche folgen geblieben. %m § 6 ber 
genannten SBerorbnung (bom 2(>. iguni 1867) ift beftimmt: 



Trennung bei' ^Mtifl uon ber SBermaltung in 9lit^ftd)t genommen unb im 
§ l(j beftimmt, bafe olle bevorrechteten (öeridjtäftänbe ber ^erfoueu unb 
©runbftücfe foUten aufgehoben werben. — ferner hatte bie roieber h er ' 
geftellte ^Regierung beä .freraogtumS Jpolftein im ^a^re 1855 einen (£nt< 
tourf eineö Q)erid)t$&erfaffuitgäfleiebe3 bei ben Stauben eingebracht, ber 
jeboch infolge be$ 58iberftanbe$ ber (enteren feine $efettestfraft erlaugte. 
s )cad) biefem (Smttuurfe foflten fämtliche beoorrediteteu GJerichtSftänbe für 
^erfoneu unb Sadjen, fomie bie *ßatrimonialgerid)t3barfeit ber 8täbte, 
ftlöfter, abetigeu unb fonftigen priüilegirteu ©runbftücfe aufgehoben merben. 
Wut fjinficf)t(ict) ber Stäbte ftiel, Altona, Dttenfen mar bie ftuSnahme« 
beftimmung oorgefeheu, bafj bie bortigeu ©eridjte bi£ auf meitcreS in 
ihrer bisherigen SBirffamfeit bleiben follteu, jeboch mit ber s JJlafjgabe, 
bafj bie Aufhebung aUer beoorrechteteu ©erichtSftänbe für s 4$erfoneu unb 
Sadjen aud) bort in Straft treten füllte. Seflüglid) ber afabcmifrf)en (&e= 
ridjtsübarfeit ber Stieler Uniuerfität follten bie beftehenben Seftimmuugen 
aufrecht erhalten bleiben. 5l*a,l. ^olftein. Stänbe^eitung 1855/56 @. 21, 
531 ff., 508, 573, 575; 93eilagenf)eft I ©. 134—156; Seilagenheft II 
8. 149—171. $gl. insbefonbere über bie Un^mecfmäfeigfcit ber früheren 
fora privilegiata bie 9Jcotioe im s -öcilagenheft I ©. 148 ff. 
2V J 3. 1073. 



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29 



„Die in ben Herzogtümern beftefjenben befonberen fta* 

tutarifchen Steckte, roeld)e auf bie nad) ben seitherigen 33c* 

ftimmungen bom orbentlidjen ©eridjtöftanb erjmirten Sßerfonen 

unb (Sachen nidjt Slnroenbung gefunben haben, finb, un* 

geartet ber im § f> angeorbneten allgemeinen Aufhebung 

be£ erjmirten ©eridjteftanbe*, auf foldje ^erfonen unb Sachen 

aud) femer nict)t an^uroenben." 

Hierauf ergeben fid) r)iuftc^t£tdr) ber ©elrung beä £übfd)en 
$Red)te3 in ber <Btabt Äiel bie mistigen Säfce: 

1. bafc biefe* innerhalb feinet oben im § 8 angegebenen 
©eltungabeairfeä aud) je&t nur für Diejenigen ®rnnbftürfe 
unb ©utroolmer jur Antoenbung fommt, welche nad) ben 
früheren SBeftimmungen nid)t bon ber 3 ur iöbirrton ber 
(Btabt $iel erjmtrt waren; farner 2. ba§ eä bezüglich ber* 
jenigen ®runbftürfe unb Sßerfonen, Welche nur in gegriffen 
^Beziehungen ber ftäbtifchen ©erid)tebarfeit unterworfen waren, 
nur infoWeit AnWenbung pnbet, alä biefe ®runbftütfe unb 
Sßerfonen früher ber ftäbtifdjen ^urtebiftion unterworfen 
toaren; enblid) ä. bafj e£ für biejenigen ©runbftürfe unb 
Sßerfonen au£gefd)loffen bleibt, meiere bon ber ftäbtifdjen 
©erichtäbarfeit erjmirt Wären, wenn ber erjmirte ®erid)te= 
ftanb noch beftänbe. 

3u ber legten Kategorie gehören bie oben sub 1 1, 3, 4 
aufgeführten ©runbftüde unb bie sub II 1, 4 G aufgeführten 
Sßerfonen, * 6 ) fowie aud) bie Stewohner ber erhnirten ®runb* 
ftüde nach Maßgabe be£ oben (5. 24 Aufgeführten. SBe^üg* 



S8 ) «eafigtid) ber oben in Wote 5 erwähnten $efonberf)eit ift $u be- 
werfen, bafe e$ an einer befonberen gefetjlictjen Skftimmung Darüber, 
roeldje$ Siecht l)infirf)tlid) ber anf bem neu eröffneten ftaifer 2öiU)elnv 
Stanal fid) ereignenben Vorfälle anfluiuenben fei, fefylt. $a$ oben er 
mahnte patent oom 5. $um ISV) mar im .ftinblirf baranf erlaffen, baß 
ber Sd)Ie$n)ifl'$>olftcimfd)e ftanal größtenteils bie ©ren^e ^lotfdjen ben 
Herzogtümern ,<polftein unb 8rf)(eött>ig bübete. $iefe SSorauSfefcung trifft 
tjinfidjtlid) be<J itaifer UöilJjelut' Hanois nur nod) für gan^ fur^e Strerfeu 
5U. ^niomeit ift baä fraglidjc patent nod) Ijeittc oon $tebeutung. 
übrigen ift nad) allgemeinen fflcrfjtägnmbfälicn 31t entfdjeibeit , welche? 
SHecfjt anauwenben fei. 



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30 



lief) ber unter II 5 aufgeführten $erfonen ift jebod) $u 
bemerfen, baf? nur biejenigen bem £übfd)en 9ted)re nid)t 
unterworfen finb, Welche bor bem 1. September 18(57 einen 
Slang ober Xitel erworben fyabexx, mit bem ba3 forum 
superius berbunben mar; ba£ feurige 9terf)t fennt 9tang* 
flaffen in bem früheren (Sinne ntdt)t. — dagegen muß für 
bie Uniberfität unb bie UniberfitätSberWanbten aud) heute 
noef) ber 2lu3fd)lufi be3 Sübfdjen unb ©adjfenrechtö unb bie 
fortbauernbe ©elrung lebtgltdt) be£ römifchen unb fanonifd)en 
9ted)te3 Behauptet werben, ba ba3 barauf bezügliche, mehr* 
fach betätigte Sßribilegtum nicht aufgehoben Worben unb bie 
SlnWenbbarfeit be£ römifd)en ic. 9ted)ts fyev lebiglicf) burd) 
bie 3ugehörigfeit einer $erfon $ur Uniberfität bebingt ift. 26a) 

8u ber ^Weiten «Kategorie gehören bie oben unter 1 2 
unb 113 aufgeführten ®runbftücfe unb Sßerfonen. 

Sitte unter biefen beiben JÜategorieen nicht mitbegrtffenen 
©nmbftücfe unb Sßerfonen unterliegen bagegen bem £übftf)en 
fechte. 

ähnliche SBerhältniffe Wie in Äiel beftehen auch in ben 
übrigen h 0 *fteinifd)en ©täbten, welche fid) be£ £übfd)en 
Dtedjteä bebienen, foWie in ben mit Sübfchem fechte beWib* 
meten ©täbten in ber *ßrobina Bommern. 27 ) 

fragt fid) nun, welche einzelnen innerhalb be£ 
<5£rengel£ beS Sübfd)en Siechte belegenen ©runbftücfe noch 
heutzutage bom £übfcr)en Stechte ejimirt finb. 

1. Qu ben oben unter 1 1 aufgeführten klaffen bon 
erjmirten ®runbftürfen gehören 

a. ba£ «Schiefe nebft bem ©chlo&grunb, * 8 ) 

36 a) %l. oben Kote 23. 3d)le$U).=£olft. 91ns. 187G im legten 91b- 
frijititt ber Wbfyanbluitg über baö efjeltdje (Mterredjt. 

u. SSilmotuSfi, üübifctyeö >Hed)t in Bommern, «erlitt 18(>7, 

S. 28 ff. 

,8 ) %I. baä oben in $ 1 9iote 7 ermähnte ftriebeitsinftrutnettt. 
ferner 9tatartatöinftrunicnt über einen §d)ieb£ffpru$ auö bem ^atyre 
1854, llrtunbenf. 9iact)tt*. s -8b. II 8. 4<J5 ff., roo ed tieifet: Acta et facta 
haec ante Castrum oppidi Kyle extra iurisdictionem Lud. 
iuduii. ferner CSaepcrfeti it. a. C; Sfceinfjolb in beu ^aOt'b. b. 



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b. 5er ©cfjrebenteid) * 9 ) nebft einigen umliegenben, burrf) 
©inbämmnng besfelbcn in ben Jetziger 3^6^» biefe« 3af)r* 
rjunbertä gewonnenen ®runbfrücfen. 

$lujjerbem befanben fieft früher unb befinben fid) nod) 
im (Eigentum ber ^Regierung bie (&runbftütfe SBall 9hr. 4t> 
(^ottge6äube) unb {Jrriebridrfrra&e 9fr. 2 ((Bteuerfaffe). 30 ) 

Sßeitere $u biefer Kategorie gehörige, prioilegirte ®mnb* 
[rüde fyat e£ ^ur 3 e *t & cr Sluffjebung ber £rit>ilegirten ®e* 
rirf)tsftänbe m. SB. nidjt gegeben. 

2. ©runbftücfe ber oben sub 1 2 ermähnten Kategorie finb 

a. bie ^)etIigegeift*Äirc^e, 

b. bie 9ftfo(ai*$ird)e, 

c. bie (St. 3ürgen6* Capelle, 

d. ba£ Slrd)ibtafonat am Sorenftenbamm (9tr. 12). SBgl. 
unten <3. 37. 

SanbeSf. IX 3. 31. »olbcfr iit $eft 3 u. 4 b. Witt. b. GH f. äieler 
Stabtgefd). 6. — 42. ftalcf a. a. €. 3. 312. 3d)iff o. a. 0. — $0' 
lelbft gilt aud) heutzutage ber Sadjfenfpiegel. 

sv ) Eerfelbe ift ftetS im «cfifce ber üanbe^errtöaft gewefeu unb erft 
im Saljre 1862 Don biefer ber Stobt Miel überladen worben. «gl. 
<£a$perfen a. a. C. 3. 24. 3d)röber a. a. £. Saufen a. a. C. 3. 33— 34. 
93i$ gum Safu-e 1862 mar ber 3d)rcoeuteid) alfo unzweifelhaft ber $en> 
fchaft be3 3ad>fenfpiegel$ unterworfen, unb bie* mirb aud) f)eute uod) 
anzunehmen fein. 

@$ ift bicS aber nid)t ganz unzweifelhaft. Könnte naebgewiefeu 
werben, bafe ber 3tabt kiel im 3ahre 18(52 aud) bie 3uri*biltiou über 
ben 3d)reöenteid) übertragen morben fei — wae id) nicr)t ermitteln 
tonnte — unb ließe fid) ferner unzweifelhaft feftftettcn, baß Z" tiefer 
Bett ber oben auf 3. 18 bei Note 2 erwähnte Öfcunbfafr be$ Sübfäen 
iRec^tss nod) allgemein anerfaunt unb angewenbet ift, fo lönntc behauptet 
werben, bafc auf bem Schreventeich unb auf ben burd) beffen teilweife 
Xrotfenleguug gewonnenen fiänbereieu ih'ibfchee* föecht gelte. 

(Sine gerid)tlid>e ©ntfdjeibung ber ftrage, welches 9iecr)t auf bem 
©djrebenteid) gelte, ejiftirt m. SB. nicht. 

so ) $a$ erftere ift nach Stoibehr, S3ettr. z- Sopogr. i. £>cft 3 u. 4 b. 
SKitt. b. ®ef. f. Vieler Stabtgefd). 3. 177 im ^aljre 1851) auf meieren 
ton ^rioatleuten erworbenen (yrunbftüden erbaut. — ^Öe^üfllicr) beiber 
oben genannten GJrnnbftürfe ift m. SB. nid)t nachweisbar, baft fie bem forum 
superius unterworfen waren. (*3 gilt be*ha(b auf beiben tfnbfcnc* Wecbt. 



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32 

3. Sßritrilegirte afabemtfdje ®runbftüde finb: 

a. bie ber Uniuerfität nocf) fjeute gehörigen, auf früherem 
©rf)lo&grunb erbauten ©ebäube in ber ^attenftra&e. 31 ) 

b. $a£ in ber ^üterftrage belegene tujtyfialiftfje Qnftitut 
ift bem £übfcf)en 9tetf)te unterworfen. 8 *) 

c. 2lfabemifd)e ®runbftütfe Waren früher aud) ba£ afa* 
bemifdf)e $ranfenfjau£ unb ber botaniftfje ©arten in ber 
$rüne, baS ®ebäube phnifrfje ©trage *ttr. 29 unb bie 
frühere .ipebammenleJjranftalt in ber gleetfjorn. 33 ) 3)iefe 
©runbftürfe fjaben bie ©igenfdjaft afabemifdjer ®runbftütfe 
oerloren unb ftnb in bie $änbe ^ribater übergegangen, 
©ie finb jefct toieber bem Sübftfjen Sftecfjte unterworfen. 34 ) 

4. Slm Slnfang biefeä igafjrfjunbert* gab e£ nocf) brei 
fan^Ieifäffige ©runbftütfe in Ätel: w ) 

a. $)a£ ehemalige oon ©albern'fcfje £au3 in ber $lä* 
mifcfjen ©trage 9tr. 31, weldjeS 1834 com $t£fu£ erworben 
unb in Welkem ficf) ba£ ©c^le3wig*£olftein*£auenburgifcfye 
OberlanbeSgerirfjt unb fobann baS $reuf$ifcf)e Oberlanbeä* 
geriet 6t* Oftober 1894 befanb. $a£felbe ift jefct in ein 
©eemannäfjeim umgetoanbelt Worben. 3,; ) 3S ) 

b. 3)a£ borntalige gräfticf) Derfc'fdje, nacfjfjer Sörorfborff* 
£Hetfam£'frf)e, aud} SSarleberger £of genannte £>au3 3)önifrf)e 



") »gl. Aber bie Oefötgte biefer (M>änbe «olbe^r o. o. 0. 3. 119. 
Sie Ännflljalle (»olbeljr a. a. ©. 123) gehört mdjt ba^u. 

fl8 ) »gl. über bie öefdjid&te biefet örunbftütfä »olbeljr a. a. O. 
5. 123, 151. @$ ift nid)t nad)tuei$bar, bafj basfelbe ber afabemifdjen 
<i)erid)t$barfeit unterworfen unb oon ber ftäbtifdjen ©eridjtäbarfeit ejrimirt 
morben. »gl. oben Motc 8. 

88 ) «gl. »olbcf>r o. a. C. 3. 123 unb oben Note 8. 

34 ) «gl. oben bie tofüfjrnngen 5. 24 ff. 

85 ) »gl. Staatsbürger!. s .Waga ( $in »b. II 3. 102. 

S6 ) »gl. über bie ©e|"d)id)te biefet OJnmbftürfö bie mefyrfadj citirte 
fteftfrijrift 3. 1 ff-; »olbelu* a. a. C. 3. 1(58 ff., foiuie beöfelben «er 
faffcrö 91nffa&: „Sie fieler abeligen ftrciljäufer" in £eft 1 ber Witt. b. 
©ef. f. .Stiel. 3tabtgefd). 3. 211—37. 



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Wilkens Hof oder Langer Segen, 

gez von H. B.Jahn. 



Maarsstab 1: 2000. 

fOO 90 SO TO SO SO *0 30 MO fO O 'OO 

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ltd) ber unter II 5 aufgeführten Sßerfonen ift jebod) $u 
bemerfen, bafc nur biejenigen bem &übfd)en 9lect)te nicht 
unterworfen finb, Welche oor bem 1. (September 18(37 einen 
Otang ober Xitel erworben fyaben, mit bem baä forum 
superius oerbunben mar; ba£ feurige 9ted)t fennt Sftang* 
Haffen in bem früheren (Sinne nicht. — dagegen mufi für 
bie Unioerfttät unb bie UnioerfitätöberWanbten auch fyeute 
noch ber Sluöf^Iuß be£ Sübfchen unb ©adjfenrechtö unb bie 
fortbauernbe Geltung lebiglid) be3 römiftfjen unb fanonifdhen 
Rechtes behauptet Werben, ba ba£ barauf bezügliche, mehr* 
fac^ beftätigte Sßribilegium nicht aufgehoben Worben unb bie 
SlnWenbbarfeit be£ römifchen k. 9flect)tö hier lebiglid) burdf) 
bie 3ugeljörigf eit einer Sßerfon $ur Uniberfität bebingt ift. 26 a > 

3u ber ^Weiten Kategorie gehören bie oben unter 1 2 
unb II 3 aufgeführten ©runbftücfe unb Sßerfonen. 

Sitte unter biefen beiben Äategorieen nicht mitbegriffenen 
©runbftütfe unb ^erfonen unterliegen bagegen bem Sübfcfjen 
Otecfjte. 

Sh n ^^ e SBerhältniffe wie in ÄHel beftehen auch in ben 
übrigen h^tewiftf)^ ©täbten, Welche fich beä £übfdhen 
SRedfjteS bebienen, foWie in ben mit Sübfchem fechte beWib* 
meten «Stäbten in ber ^ßrobinj Bommern. 27 ) 

©3 fragt fich nun / Welche einzelnen innerhalb be3 
<Sty>rengel£ be£ Sübfdjen Olccl)t^ belegenen ©runbftücfe noch 
heutzutage toom Sübfdhen fechte ermtirt finb. 

1. Qn ben ooen unter 1 1 aufgeführten klaffen oon 
erjmirten ®runbftücfen gehören 

a. baä ©chlofj nebft bem Scfjlofjgrunb, 28 ) 

26 a) 58 fl i. oben «Rote 23. S$le*w..$olft. 5(115. 1^7« im legten 9tb> 
frfpiitt ber 9lbt)cmblung über ba£ e^elidje (öüterredjt. 

* 7 ) Sgl. d. »Umoiodit, üübifdjeö fted)t in Bommern, «erlin 18(57, 
3. 28 ff. 

* 8 ) baö oben in § 1 s Jiotc 7 erwähnte ^ricbensinftritment. 
ferner s J?otariatsim"rrnment über einen SdnebSfpmd) auä bem ^a^re 
1354, Urfunbenf. Wacfitr. $b. II 8. 4(>5 ff., tuo cö beifit: Acta et facta 
haec ante Castrum oppidi Kylc extra iurisdictionem Lub. 
iudiiii. ferner Snäperfcii 0. n. *>einl)olb in ben ^obvb. b. 



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Hl 



h. ber ©djretoenteicf) >9 ) nebft einigen umltegenben, burd) 
©inbämmung bcsfelben in ben [ewiger 3af>ren biefes 3af)r* 
f)unbert£ gewonnenen ®runbftücfen. 

Hugerbem befanben ftcf) früher unb befinben fiefj noef) 
im Eigentum ber Regierung bic ©runbftürfc SBott 9k. 4H 
(^ottgebäube) unb 5riebricf)ftraf3e Üttr. 2 (Steuerfaffe). 3U ) 

2Beitere biefer Kategorie gehörige, pribüegirte ®runb= 
ftücfc fjat e$ pr 3eit °e r 2luff)ebung ber ^rtoilegirten Q6c* 
ricfjtöftänbe m. SB. ntd^t gegeben. 

2. ©runbftürfe ber oben sub 1 2 ermähnten Kategorie ftnb 

a. bie £etligegeift*3lird)e, 

b. bte mitotaumxfy, 

c bte 6t. 3ürgen$*$at)eIIe, 

d. ba$ $lTd)\biatonat am &orenfcenbamm (9?r. 12). SBgl. 
unten <5. 37. 

öanbeöf. IX 3. 31. Solbetyr in $eft 3 u. 4 b. Witt. b. @ei. f. Hielcr 
Stabtgefch- 3. I» — 42. ftalcf a. a. £. 3. 312. Schiff a. q. C. — $a- 
felbft ßilt auch heutzutage ber Sac^fcnfpießel. 

,w ) 2>erfelbe ift ftet« im ttefi&e ber «anbMfjcrrfdjaft gewefen uub erft 
im 3af)re 1862 oon biefer ber 3tabt Miel flbcrlafffit worben. ««1. 
(SaSperfen a. a. C. 3. 24. 3cf)röber a. a. C. Saufen a. a. C 3. 33—34. 
$Bt$ jum ^afpre 184J2 mar ber Schreventeich atfo unzweifelhaft ber #err- 
fchaft beö Sachfenfpiegelä unterworfen, unb bied wirb auch Ijeute nod) 
anzunehmen fein. 

tft bieö ober nicht ganz unzweifelhaft. Könnte nachgewiesen 
werben, baft ber Stobt Stiel im 3«h« 18(12 aud) bie 3uri*bifrion über 
ben Sdjreoenteidj ubertragen worben fei — wa* id) nicht ermitteln 
fonnte — , unb ließe fief> ferner unzweifelhaft feftfteflcu, baß ju biefer 
ßeit ber obeu auf 3. 18 bei 9lotc 2 erwähnte Örunbfafc be$ i?übfd)en 
Stecht* noch allgemein anerfannt unb angewenbet ift, fo fönnte behauptet 
werben, baß auf bem Sdn-eoeuteich unb auf ben burd) beffen teilweise 
Irocfenleguug gewonnenen Räubereien i'übfcheS 8tecf>t gelte. 

(5ine gerichtliche (£ntfd)eibnng ber ftrage, welche* Stecht auf bem 
3d)reoenteich gelte, ejiftirt m. nicht. 

90 ) TaS erftere ift nach ^olbefjr, 93eirr. z- Jooogr. i. -tieft 3 u. 4 b. 
Witt b. ®ef. f. ÜVieler 3tabtgefd). 3. 177 im 3al)re 1851» auf mehreren 
Don ^riuatlcuten erworbenen (Mrunbftücfeu erbaut. — bezüglich beiber 
oben genannten (yrunbftiirfe ift in. 31*. nicht nachweisbar, baft fie bem forum 
superius unterworfen waren. (Ss gilt be*nalb auf beiben ihibfcne« 5Red)t. 



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82 

3. Sßribilegirte afabetmfdjje (&runbftü<fe finb: 

a. bie ber Uniberfität nod) Ijeute gehörigen, auf früherem 
6c£)lof$grunb erbauten ®ebäube in ber ^attenftra&e. 81 ) 

b. $a£ in ber ^üterftrajje belegene £fj^fialifd)e ^nftito* 
ift bem Sübfdjen JRecr)te unterworfen. 8S ) 

c. 2(fabemifcf)e ©runbftütfe toaren früher auef) baS afa* 
bemifcfje $ranfenf)auä unb ber botanifdje ©arten in ber 
<ßrüne, ba3 ®ebäube glämifefje Strafe *Kr. 21) unb bie 
frühere £ebammenlefjranftalt in ber $leeti)'öxn. 88 ) $)iefe 
©runbftürfe t)aben bie (Sigenfrfjaft afabemifcfjer ©runbftücfe 
berloren unb finb in bie $änbe Sßribater übergegangen. 
Sie finb jefct lieber bem &übf<f)en $ftetf)te unterworfen. 84 ) 

4. 3lm Anfang biefeä Safjrfjunberta gab e£ nod) brei 
fan^Ieif äffige ©runbftürfe in Äiel: 8r> ) 

a. <3)a£ ehemalige bon Salbern'fcfje $au£ in ber 3rlä* 
mtfcfjen (Strafte 3tr. 31, h?elcr)eö 1834 bom Steht* erworben 
unb in toeldjem firf) ba£ 6t^Ie§lr-ig*|)olftein*Äauenburgif(^e 
£)berlanbe£gertd)f unb fobann ba£ s 4$reufjifrf)e Dberlanbeä* 
geriet bte Dftober 18 ( J4 befanb. $)a§fe(be ift jefct in ein 
(Seemannäfjeim umgetoanbelt toorben. 30 ) 3H ) 

b. $a3 bormalige gräflich Derfc'fcfje, nadf)f)er SBrotfborff* 
Metfam£'fcr)e, and) SBarleberger £of genannte £au3 $>ämfd)e 



!tl ) %l. über bic ©efäid)te biefer ©ebäube ütfolbefyr a. a. D. 3. 119. 
$ie ftunftljaHe (iöolbe^r n. a. S. 123) gehört uid)t baju. 

s2 ) $gl. über bie (tfeidjidjtc biefeö (iJrunbftütfä Sfolueljr a. a. 0. 
3. 123, 151. @$ tft nidjt ttadjtueitfbar, bafj basfelbe ber afabemifdjcn 
(öeridfrebarfeit unterworfen unb oon ber ftäbtifdjen ©eridjtsbarfeit ernnirt 
luorben. %!. oben töote 8. 

35 ) «gl. $olbef)r a. a. 0. 8. 123 unb oben Wote 8. 
H4 ) $*gl. oben bie 21u3füf)rungen 8. 24 ff. 

85 ) %f. Staatsbürger!. «Magazin $b. II 3. 102. 

36 ) $gl. über bie ©efri)id)te biefeä WruubftüdS bic meljrfad) citirte 
ftcftfdjrift 8. 1 ff.; Stolbefyr a. a. 0. 3. 1G8 ff., fotoie bcäfelbeu $er= 
fafferS 5luffofe: „Tie fieler abeligen ftreiljäufer" in $>eft 1 ber SKitt. b. 
©ef. f. Miel. 3tabtgefd). 3. 2!» — 37. 



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Wilkens Hof oder Langer Segen. 

gez von H. B.Jahn. 



Maafsstab 1: 2000. 

fOO 90 SC 70 60 SO *0 30 iO >0 0 to ° 

I' 1 ' I I 1 1 ' 1 ' 1 ' 



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33 

©trage 9lx. 19, roeld&eS fett bem $af)re 1839 bcr Vieler 
llniberfität gehört. 87 ) 38 ) 

c. 3)er fogen. 93udjroalbffd)e ober ©dmiooler £of in 
ber 3)änifcf)en ©trage, jefct bie bafelbft belegenen ®runb* 
frücfc 9fr. 21—43.^) tiefer £of gelangte im 3al)rc 1H29, 
nadjbem auf befonberen Slntrag ber ©tabt bie s 4$rit)ilegten 
beäfelben bon ber Ütegierung aufgehoben roorben maren, 
unter bie ftäbtifdje 3>urtebiftton unb bamit unter bie £>err* 
fäaft bes Sübfäen Ote^tes. 40 ) 



§ 5- 

®af$ bie im SBorfteljenben gefunbenen ©rgebniffe ridjtig 
finb, ergiebt fid) au$ folgenben ©rroägungen unb Mady- 
toeifungen : 

mar, toie bereite mefjrfarf) fjerborgeljoben, bon jef)er 
unb ift nocf) fjeute allgemeiner SRerfjtägrunbfafc, bafj t)infid)t* 
lid) ber 9tet$t3berf)ältniffe an Immobilien, fomeit fie als 
einzelne ^ermögenaftürfe unb nirf)t 93. als; 23eftanbteilc 
einer (£rbfcf)aft in SBetradjt fommen, bie lex rei sitae auä* 
frfjliefclicfj mafjgebeub ift. ') gNäMonbere richten fief) uad) 
ber lex rei sitae bie 3räl)igfeit einer $erfon, (Eigentum an 
bem ©runbftüd $u erwerben unb $u beräu&ern, bie gönnen 
ber ©igentumäübertragung, baS s #fanbred)t u. f. ro. l ) 
SBenn alfo ein ©runbftücf im Gebiet be£ &übftf)en s Jted)te* 

ST ) Sgl. über bie ©cfätdjte biete* Saufe* Stoiber 0. a. C, $>eft 1 
3. 20—29; ipeft 3 u. 4 3. 122, 160. Galerien a. a. 0. 

3tt ) $)iefe beiben ©runbftürfe fabelt burd) ben Ubergang au beu 
Staat be^tt). bie Unioerfität bie Irigcufdjaft „fan^lcif affiner ©runbftürfc" 
nidjt üerloren. 93eibe unterliegen nodj Ijcute bem Sadjfenfpicgcl. 

") »gl. über bie (^efrf)ict»te biefeä .fcofe* «olbctjr a. a. C. fteft 1 
3. 7—20; #eft 3 u. 4 3. 161. gaöperfcu a. a. 0. 3. 17 ff. 

I0 ) «gl. aud) unten § 5 3. 37. 

l ) »gl. 3tobbe, $eutfcf)e* ^rioatr. »b. 1 3. 175, 193 ff. ^aulfen 
cod. ©. 17. ftald eod. SBb. I 3. 148, «b. III «bt. 1 3. 270 ff. brande 
a. a. C. 3. 141—145. 

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34 



belegen ift, femn baä (Stgentum bavan nur nad) 5en im 
£übfd)en $fted)te für ben ©igentumäerroerb geltenben S3e* 
ftimmungen übertragen unb erworben, ein s #fanbred)t baran 
nur nad) ben hierfür geltenben Regeln be£ Äübfdjen 9tec^t^ 
begrünbet werben. £ierau3 folgt mit 9tottoenbigfeit, baß 
ba, roo nad)toei3bar bie Übertragung beä ©igentumä öon 
®runbftüden unb bie SBer^fänbung foIct)cr nad) ben formen 
be3 Sübfdjen 9ted)te§ bofl$ogen roorben ift, biefeä gegolten 
(jaben muß, ober {ebenfalls, baß bie bei ber ©igentumä* 
Übertragung zc. beteiligten Sßerfonen unb 53ef)örben ber 
Meinung getoefen finb, baß ba£ £übfd)e 9ted)t gelte. 3)aS 
®leid)e gilt natürlid) r)inft(^tltct) berjenigen ®runbftüde, bereu 
Eigentum nad) (Sadjfenredjt übertragen rourbe. 

SBor ©infü^rung ber J)reußifcf)en ®runbbud)gefefce in 
ber s -Probin5 (5djle3roig*£olftein unb Anlegung ber neuen 
©runbbüdjer, meld; lefctere im Hmtögeridjtäbcairf ®iel in 
ben ^afyren 1884 unb 1885 eingerichtet roorben finb, mürben 
in ben Herzogtümern oon ben ®erid)ten bie fogen. (Sdjulb* 
unb Sßfanbprorofotle, in meiere bie $er£fänbungen ber 
®runbftütfe eingetragen mürben, geführt. 2 ) Sftunmeljr tooH* 
äiefjt fid) in ben früher getrennt geroefenen Birten ber 
6tabt unb beä 2lmte£ $iel ber Smmobiliaroerfefjr einfjeit* 
lief) nad) ben ©runbfäfcen ber :preußifd)en ©runbbucfjgefe^e. 
23i3 $ur Anlegung ber ®runbbücf)er fjatte ber bor 18(57 
beftefjenbe 9ted)t£5ufranb fortgebauert. 

demgemäß finb bie <Sd)uIb= unb SßfanbprotofoHe, roeldje 
bezüglich ber in bem guriöbiftionöbe^irf ber ©tabt ®iel 
belegenen ©runbftüde in ®emäßf)eit ber $ßerorbnung oom 
2. (September 1768, 3 ) unb f>infid)tlid) ber im SSejirfe bes 



2 ) ißflt. toaei Wäfjere bei Seeftern^ault) a. a. ©. S. 231—349. $ie 
bem Staate, ben Stäbten, (#emeinbeu u. f. iu. gehörigen ©runbftütfe 
tuitvbeu iu ben 3cf)iilb= unb ^fanbprotofollen nid)t üet^eietmet. 

:i ) 3ctmlb< unb s 4$fanbprotofollorbmina, für bie Stäbte ftiel, Dlben« 
burfl unb Weuftabt; im § 1 fyetfot es*, bafj alle iu einer jebcu Stabt unb 
bereu ^in-ftcibteu. aml) aufjcrftalb berfelbeu unter ber Stabtiurtöbiftion 



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35 

Slmteä $iel gelegenen ©runbftütfe gemöfi ber SBerorbnung 
üom 3. $)ecember 1833 eingerichtet unb bis 1807 Don ben 
öerfcrjiebenen dtericfjtebehörben ber (Stobt imb be* Slmteö 
Äiel geführt Horben roaren, feit bem %al)xe 18(57 oon bem 
9lmt3geri(f)te in Mel getrennt fortgeführt toorben. £terau* 
ergiebt ftd), baß biejemgen (&runbftücfe, welche früher in 
bem (Stabt Vieler <Scr)ulb* nnb ^fanbprotofoll Bezeichnet 
roaren, nnter ber ©erichtöbarfeit ber 6tabt $iel, bog ba* 
gegen bie im Slmte Vieler (5cf)ulb= imb $fanbt>rotofoll ber- 
5etcf)neten ©runbftücfe unter ber gurtebiftton oc * Slmted 
$tel geftanben ^aben. 3)a nun im Slmte $iel (Bachfenrecht 
gegolten fyat unb fomit in ben jenigen (Gebieten, welche bt3 
jum Z$af)xe 1867 ba$ 5lmt $iel gebilbet fyaben, noch gilt, 
fo tft ber (Scr)htg ohne weiterem gerechtfertigt, ba& alte bie- 
jenigen ©runbftücfe, meiere in bem 2lmtö Vieler ©drnlb; 
unb Sßfanbprotofoll bezeichnet roaren, bem Sachfenrecrjt 
unterworfen finb, unb bafj umgefehrt biejenigen ®runbftürfe, 
meiere im ©tobt Vieler (Scfjulb* unb ^fonb^rotofoß auf* 
geführt geroefen finb, bem £übfd)eu 9terf)tsgebiet angehören. 4 ) 
93t£ 5ur Anlegung ber ©runbbücher mußten ferner bie 
Übertragungen be£ (Stgentumä an förunbftücfen in bem ehemals 
$um QuTriöbiftionöbe^irfe ber Stabt Stiel gehörigen (Gebiete 
nacr) Sübfcrjem, in bem ©ebiete beä früheren 9lmte3 Miel naci) 
<Sachfenrecf)t borgenommen roerben. %n bem Slmte &tcl mar 



belegenen ftäufer, SBofynungen, ©arten nnb ßänbcreieu oljnc Unterfdiieb 
ber ^erfonen anfgefefaieben unb in ba$ Srfmlb* nnb ^fanbbrotofoll ein< 
gewidmet werben füllten. 

4 ) 3ö)0» bie bloße Jljatfadje, baft ein (A>runbfh'tcf im Stobt Mieler 
Sdjulb* unb ^fanbbrotofoU ber^eicljuet war, ergiebt, bafj biefeS ©runbftücf 
ber ftäbtifd)en ^uriöbiftion unterworfen gewefen fein mufc. «gl. Wote 3. 
93ejüglid) berfenigeu ©runbftütfe , Innfi^tlirn bereu ein anberweitiger 
WadjweiS bafür, baß unb wann fie unter bie ftäbtifaV ®erirf)t$barfcit 
gelangt finb (bieö gilt namentlid) oom i'augeniegen unb ben oben S. 14 
erwähnten, awifdjen i'orenfccnbamm unb ^f)ilofopl)euweg belegenen ©runb 
ftäcfeu) nidjt erbradjt werben fanu, ift baburd) unrtjgemiefcu, bafj fie mit 
Einwilligung ber yaube$l)errid)aft unter bie oitriöbiftion ber Stnbt Miel 
gelaugt finb. 

3* 



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36 



früher #um (Shrroerbe be£ @igentum§ eine« ©runbftücte burdj 
>Rerf)tdc;efc^äft unter Siebenten nur bie Srabition bes ©runb* 
friicfs unb ($rrid)tung eines frfjriftlidjen Stontraftö erforberlid). 
3n ber Stabt .ftiet mußte $u öiefen beiben (Srforbemiffen, bem 
«übfd)en )Hed)te gemafj, bie Sluflaffung bes ®runbftürfö bor 
bem ÜJcagiftrat, feit 1867 öor bem Slmtsgeridjt, Einzutreten. 
$)iefe Sluflaffung r)tc6 in &iel „SSerlaffung." 5 ) ^)inficr)tüct) 
ber jenigen ©runbftücfe alfo, bie nadjroeislid) „oerlaffen" 
roorbeu finb, ift ber ftrifte Söeroei* erbracht, baß fie r>on 
bem 9Jcagiftrat betfv. ben ®erid)t£bef)örben al* bem Sübfdjen 
)Ked)te unterroorfen angefefjen unb befjanbelt roorben finb. 
$)er weitere ©rfjlufj, bafj auf benfelben Sübftfje* 9ted)t gilt, 
ergiebt fid) f)iernadj oon felbft. 

($ö ergiebt ftd) alfo, ba&, roo 3 ro ^f e ^ über bie 3 Us 
gef)örigfeit eine* ©runbftücte jum Gebiete bes Äübfcfyen 
ober bea Sachenrechts auftauchen fottten, biefe meift fefjr 
Ieirf)t baburct) gehoben roerben fönnen, ba§ unterfudjt roirb, 
ob bas qu. ®runbftücf in bem früheren (Sdjulb* unb Sßfanb* 
protofoll ber Statt äiel ober bes 2lmtes Äiel bezeichnet 
mar. ©s fonnte felbftberftönbltcr) nicf)t Aufgabe bes 33er* 
faffers fein, bezüglich jebes einzelnen Vieler ®runbftücfs bie 
©cfjitlb* unb $fanb£rotofotfe nadföufehen. ©s fonnten nur 
(3tid#roben genommen roerben. 3)er SSerfaffer glaubte ficf) 
bal)cr barauf befd)ränfen $u bürfen, f)infid)tlicf) einer Steide 
ber narf) ben obigen Ausführungen innerhalb bes Sübfcfjen 
flted)tsgebiets unb an ben (^ren^en bes Sächfifchen 9ted)t&= 
gcbiets liegenbcn ®runbftücfe burdj) (Sinfichtnahme ber ©runb= 
aften bes $öniglid)en 2lmtsgerid)ts 511 .tiet feft^uftetten, bajj 
fie tfjatfärfjlirf) im (Stabt Metex Sdjulb* unb $fanfy)rotofoU 
bezeichnet roaren unb aud), forocit ©igcntumsübertragungcn 
burd) s Jted)tsgefd)äfte unter Sebenben aus ben ©runbaften 
nadjgemiefen roerben fönnen, „berlaffen" roorben finb. 

$ie (Srgebuiffe biefer ©rmtttelungcn merben im $oU 
gruben luicbergegeben : 

s i*fll. über bie bei ber $crlaffuiiß beobadjtcreit formen Seeftcrn» 
%ta\\h) a. a. C. 3. 330 331. 



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Die Einteilung ber Sdjnlb* unb ^fanbvrotofoüc cnt* 
fprad) bcr Einteilung ber &tabt Miel in 4 Quartiere. 

Der oben (5. 33 erwähnte ehemalige abelige Sdjmooler 
£of, jefct Dänifdje Straße 9h. 21 48 einfajlte&lid), toar 
im Stabt Bieter Sdjulb* unb s #fanfy)rotofotl ucr^eidjnct unb 
^mar al£ ^um britten Quartier gehörig. 

Die ®mnbftürfe *Jorenfcenbamm 9fr. 14- 2r> einfd)licfc 
lid) waren ebenba als ^um erften Quartier ßcr)örtß Der» 
^eidjnet; bie ©runbftütfe Sorenfcenbamm fflx. 14 Hi finb 
SB. nodj am 30. Oftober 1884 „öerlaffen" worben. 

Die ®runbftürfc be* Sorcnfcenbamm, oom (Sdjlofjgarten 
an bis; 9fr. 10 eiufdjliefjlid), waren bagegen im Slmte Mieler 
(Sd)ulb* unb $fanb£rotofoll eingetragen unb gehörten $um 
fünften Quartier; SBerlaffungen berfelben finb nidjt nad)* 
meßbar. 

Das <&runbftütf &orenfcenbamm 9fr. 12 (2lrd)ibiafonat) 
gehörte jum britten Quartier. SBgl. oben <£. 31. 

Die ©runbftürfe «ergftra&e 9fr. 2, <>, 8, 14, 22, 24, 2<i 
Waren im ©tabt Mieler ©d)ulb* unb s ^fanbprotofoll Der* 
^eidjnet; fie gehörten ^um erften Quartier. 3n ben fieberiger 
unb adliger ^aljren finb fie mieberfyolt oerlaffen worben. 

Die ®runbftürfe SBergftra&e 9fr. 27, 28 unb mtyeU 
minenftrafje 9fr. i», SBiltyelminenftra&c 9fr. 1 , 3, 5, 7 waren 
bagegen im 2lmts Mieter ©djulb* unb s #fanb$)rotofotl oer- 
^eidmet, gehörten ^um fünften Quartier, üßerlaffungen fjabcn 
n\ct)t ftattgefunben, oielmef)r finb fie berfdjiebentlid) nad) 
ben %oxmen bes (5ad)fenredjts öeräujjert worben. 

Da* ©runbfrüd s Bil$elminenftra&e 9fr. 21) liegt au* 
wetsltd) ber ®runbaften teife im Gebiet bes £übfd)en, teil* 
in bem bes 6ad)fenred)ts. 

Die ®runbftürfe 9ttuf)liusftraf3e 9fr. 2t« unb 30 waren 
im Slmts Mieler (Sdmlb* unb ^fanb^rotofoll Der^eia^net unb 
gehörten sunt fünften Quartier, Sterlaffungen fjaben nidjt 
ftattgefunben, oielmefjr finb fie 1871) unb 1881 nad) ben 
formen bes <5ad)fenred)ts berängert worben. 

Das ©runbftürf Sttuljliusftra&e 9fr. 32 war im Stabt 



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38 



Vieler Scfjulb* unb Sßfanbprotüfoll bezeichnet; eä gehörte 
^um erftcn Quartier unb ift am 28. Januar 1875 berlaffen 
roorben. 

$)ie ber &tabt Stiel noch jcfet eigentümlich gehörigen 
©runbftücfe, barunter auch baS ©runbftüct OJcuhiiuSftrafje 
9cr. 31 fonrie bie ehemaligen pascua, fotoeit fie nicht oer* 
äußert finb, unb bie fonjtigen ©tabtlänbereien im Umfange 
bon ettoa* über 453 ha finb im ©runbbuche bon Stiel 
33anb LVII ^ölatt 2842 bezeichnet. (Sie toaren in ben 
©djulb* unb Sßfanbprotofotten nicht aufgeführt. 3)ie <Btabt 
Stiel ift auf ®runb ir)re^ unborbenflichen SBeftfceä alz ©igen* 
tümerin aller biefer ©runbftücfe im ©runbbucf) eingetragen, 
©igentumäübertragungen, inSbefonbere SSerlaffungen fönnen 
an biefem au£ bem ©runbbuche nicht nachgehriefen werben, 
ebenforocnig wie bezüglich bes kleinen Stiel, beö ©chloffeä, 
(Sdjrebenteiches, beS Stieler $afen$, roelche auch in ben 
©rfjulb- unb ^fanbprotofollen nict)t aufgeführt finb. 

$)er oben ermähnte &ange (Segen ober 2Bilrfen£hof 
bilbet eine Dom ©ebiet beö Sachenrecht« ringS umfchloffene 
©nflabe bea Sübföen 9tec$tö/') 9caaj Safjn'ä Starte bilben 
benfelben bie ©runbfrücfe Stolbingftrajje 9tr. la, 1, 3, 5, 7, 9, 
11, 13, 15, 1 7, 2, 4, <>, 8, 10, 12, 14, 18, 22, ber ätoifchen biefen 
©runbftürfen liegen be Xeil ber Stolbingftrafee fonrie ber 
SBreitetoeg mit ben ®runbftücfcn 9cr. 1, 3, 5, 7, 4. üBon ben 
aufgeführten ©ruubfrürfen Stolbingftra&e <Kr. 2, 4, «, 8, 10, 12 
unb Söreiterrocg 9cr. 4 gehören jeborf) bie hinteren £ofräunte 
roieberum bem ©cbiete beä ©achfenrechte an. 

Mit biefen Angaben ftimmt ber Inhalt ber ©runbaften 
überein, abgcfehcn bon ben Käufern ÄolMngftra&e 9tr. 2, 
10 unb 12. 

fya* ©rmtbftürf Stolbingftrafje 9cr. la ift im Stabt 
Vieler (Schulb* unb ^fanb^rotofoll bezeichnet getoefen, ^um 
erften Quartier gerechnet unb roieberholt (27. 2tyril 1865, 
27. fcccember 1883, 24. Styril 1884, 30. Oftober 1884) 



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39 

berlaffen roorben; ein fleiner Xeil btcfeö ®runbftürfö Qua* 
bratmeter) mar im Slmtö Vieler ©djulb* unb s 4$fanbJ)rotofoll 
öergeit^net unb gehört bemgemäfj bem (Gebiete beö ©adjfen* 
redete an. 

$)ie ®runbftürfe ^olbingftrafce 3, 7, 9, 11, 13, 17 
roaren fämtlid) im ©tobt Vieler ©dmlb* unb s #fanbprotofoll 
ber^eidjnet; fie gehörten $um erften Quartier. ©s finb 
toiebcrfjolte SBerlaffungen berfelben nacfyroeiöbar. 

SMe ©runbftüde «run&mfer ©trafee 9fr. 44 unb Äol« 
bingftraße 9fr. 2 liegen bagegen im (Gebiete bes ©adjfen* 
re<f)t£. ©ie toaren im Stmts Vieler ©d)ulb* unb $fanb= 
pxototoü ber^eidjnet unb finb, foroeit nad^uroeifen, nicr)t 
berlaffen, bielmef)r im ^afjre 1874 nad) ben formen be* 
©acfjfenrerf)te an ben s Jted)töborgänger ber jejugen SBeftfeerin 
beräu&ert roorben. 

©ie ®runbftürfe &olbingftra&e 9fr. 4, <>, 8 gehören 
teils bem Gebiete be$ Sübföen, teil« bem be* ©ad)fenred)ts 
an. (Sie roaren ^um Seil im ©tabt Vieler ©djulb* unb 
Sßfanb^rotofoll beraeidjnet, gehörten inforoeit ^urn erften 
Quartier, unb finb inforoeit berfdn'ebentlid) berlaffen. Xeile 
biefer ®runbftücfe roaren aber aud) im tote Vieler ©djulb* 
unb SßfanbJjrotofoU ber^eidmet unb finb infotocit nad) ben 
Jormen be£ ©ad)fenred)te beräu&ert. 

3>tc ©runbftücfe tolbingftra&e 9er. 10, 12, 14, 18, 22 
unb 93reiterroeg 9fr. 1, 3, f>, 7 fallen bagegen roieber gan^ 
in baä £üofd)e 9lect)tögebiet. ©ie roaren im ©tabt Vieler 
©($ulb* unb ^fanbprotofoK beraeidjnet unb gehörten aum 
erften Quartier, ©£ finb berfrfjiebene SBerlaffungcn nad)* 
roeiä&ar. 

3)a3 ©runbftürf s 43retterroeg 9fr. 4 umfaßte früher bie 
gan^e füblia^e ©eite ber genannten ©trafec. gehörte faft 
gan^ $um erften Quartier, mar inforoeit im ©tabt Vieler 
©djulb* unb ^fanb^rotofoll berjeidjnet unb ift nadjroeteltd) 
berfd)iebentlid) berlaffen roorben. 9hir bie ^ar^elle 150 be« 
$artenblatte 17 {©tffjauS £angerfegen unb 93reiterroeg^ mar 
im Slmtö Äieler ©dmlb* unb ^fanbprotofoll ber$eid)net unb 



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40 



ift, fomcit erfuf)tltif), nacf) ben gönnen beS <5acf)fenr ed)t* 
oeräu&crt. 

^er $of Jammer fjat 6td $um Qaljre 1877 ber <3tabt 
Miel geljört. @r mar im ©tabt Vieler ©ifmlb* unb Sßfanb* 
protofoll alz 511m erften Quartier gehörig t>ergetd&net. Slm 
28. $um 1877 ift er an einen ^orbefifcer be3 jefcigen ©igen« 
titmerö unb ftmter nodmtate oerlaffen morben. 3)er £of 
Jammer ift alfo bem £übfd)en 9tect)te unterworfen, iftur 
ein Xeil beöfelben, bie fogen. $ammermiefe, mar im 2lmte 
Vieler <5rf)ulb* unb $fanb£rotofoIl oeraeicfjnet. 5luf biefer 
gilt <5acf)fenrecf)t. 

$er #of Vieler $of, ein Xeü ber pascua, mar im 
©tabt Vieler (Srfjulb* unb ^fanbjrcotofoll ate jum erften 
Quartier gehörig öer^eidmet. ®r ift am 25. (September 1873 
an ben je^igen ^Befi^er oerlaffen morben. 9hir ein Xeil, 
bie fogen. ffiaffltoppel, toar * m 5lmtö Vieler ©dfjulb* unb 
^Pfanb^rotofott oer^eia^net; ber jefcige SBefifcer fjat biefelbe 
im Styril 1875 natf} ben formen be£ (Sadf)fenred)t£ er* 
morben. 

gaffen mir baä ©rgebnte ber oorfteljenben 2lu3füf)rungen 
jufammen, fo finben mir: 
1. ba& £übftf)e£ SRecfjt gilt 

a. auf bem Vieler «£>afen unb ben 5luffd)üttungen bei 
ftriebricfjsort, Holtenau unb ©aarben; 

b. auf bem fogen. Sangen (Segen ober Söilrfenstfjof, 
melier bie ©runbftüde 

^olbingftra&e 9lr. 1 a (nicr)t gan^), 3, 5, 7, 9, 11, 
13, 15, 17, 4 (nirf)t gan^), (nidjt gan^), 8 (nidjt 
gan$), 10, 12, 14, 18, 22, Söreiterhieg 9ßr. 1, 3, 5, 
7, 4 (niäjt gana) 
umfafjt; 

(•. auf bem £>ofe Jammer mit 2luänaf)mc ber Jammer* 
miefe; 

d. in bem oben ©. 20 nä^er umfdjricbcnen Gebiete 
ber <5tabt, be* StabtfelbeS unb bes Vieler £afenä 
mit Sluönafyme ber ^ßfa^ifoppel. 



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41 



2. $)n& bie ®eltung beä 8übfd)en 9tecf)t£ in ben foebcn 
sub 1 aufgeführten (Gebieten bie oben im § 4 heroor* 
gehobenen ©infrfjränfungen etleibet. 
$)ie 3ftage, ob üübfrfjed s Jterf)t ober ber (Satfrfenftnegel 
in erfter Sinie an einem Orte gilt, fjat heutzutage im 
roef entluden nur norf) für ba£ 6ert>itutenrecf)t, bas er)eltcr)c 
®üterred)t unb bas ©rbrecf)t praftifrfje s -8ebeutung. 9tacf) 
©infüfjrung be£ ^Bürgerlichen Gtefefcbudjes wirb and) biefc 
s 3ebeutung allmäpd) oerfc^minben. 3™merl)in roirb es 
aber aurf) bann nodj oon ^ntereffe fein, bie ehemaligen 
©renken atoifdjen ben ©ebieten beä £übfd)en Diecfjtö unb 
be£ ©achfenfoiegel* in ber 6tabt $iel fennen $u lernen. 



2>retsel)ttter berief) t 

über 

Die ^Ijätiaffit Der ©efcüfrftaft für «ticler etabtgcfditditc. 

erftattet 

in ber Safjreäoerfammlung am 4. Styril 181)8. 

■ 

^cr ^orftanb ift nitfjt in ber Sage geroefen, im legten 
^afjre ein $eft fjerau£j$ugeben, aber bie Arbeiten unterer 
©efellfdjaft finb fräftig nnb erfolgreich geförbert roorben. 
SBon ben toorgef ebenen $ubltcationen ift bie Slbtyanblung 
beä #errn 9terf>töanroalt Dr. Söolff in Altona „Über bas 
lübifctye s Md)t in Äiel" ferrig gebrueft. 3)er 5öerfaffer f)at 
barin für bie ©trafen nnb Käufer ber ©tabt unb für bie 
Jelbmarf feft^ufteKen gefugt too lübifrf)e£ unb roo ©ad)fem 
recf)t gilt, unb fyat bamit im gufammenfjang aurf) bie 
fonftigen Siechte be^anbelt, bie in ber (Stabt früher ^ur Sin* 
toenbung gefommen finb unb norf) fommen. ^err 3a ^n 
fjat bie ©rgebniffe ber Untersuchung auf brei farbigen 
^Blättern fartograpf)if(f) $ur $)arfteUung gebracht, bie bem 
£efte beigegeben werben. 3)iefelben finb nod) in Slrbeit, aber 
6ereit£ corrigirt, fo ba& baö £eft in 23älbe erfdjeinen roirb. 

wirb hoffentlich and) au&erfjalb unferer ®efellfcf)aft, bei 
ber ©tabtbertoaltung unb bei ben Berichten ^ntereffe er* 
regen. 

£err Dr. (Stern f)at, nrie ©ie (Sief) erinnern toerben, 
brei Aufgaben übernommen, bie Verausgabe ber Wremer* 
fd)en (Sfjronif, eines Urfunbenbucf)es oon Äiel unb einer 
üuellenfunbe unferer ©tabt. 3)a bie brei Sirbetten in innerem 
Sufammenfjang mit einanber ftefjen unb jtcf) ergänzen, werben 
fie toon il>m neben einanber erlebigt. Unt ben ftrengen Sln= 



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44 



forbcrungcn, Une fie bie 28iffenftf)aft jefct ftetlt, genügen &\x 
tonnen, fyat firf) $err Dr. ©tetn bemüht, aUeö Material, 
ba£ für ifyri überhaupt in gfrage fommen fann, fcnncn 
lernen. £iu bem g^ecfe f>at er baä auf bem 58oben beä 
alten 9latf)f)aufeö unb im ©tabtljaufe bepnblit^e Vieler 
<Stabtarcf)ib fo oollftänbig burdjgearbeitet, roie e£ anfrfjeinenb 
^um erften OJlale gefcfyetjen ift; unb er fjat babei fo biete 
unbefannte unb berlegte, für bie ®efdjicf)te fjöcfjft toertlibolle 
Urfunben entbetft, ba& nidjt nur unfere <&efeHftf)aft, fonbem 
aurf) bie (Stabroerroaltung tfrni für feine 2ttüf)e fefjr banfbar 
fein mufe. Seiber fyat er aber and) feftgeftetft, ba& nirfjt 
wenige einft oorljanbene 9lrcf)ibalien mct)t mefyr erjjftiren 
unb anbere ftd) in einem rerfjt bebenflicf)en 3 u ftonbe be= 
finben. (Sine (Sammlung, Drbnung unb toürbtge Unter« 
bringung be£ norf) Sßor^anbenen toirb 511 einer bringenben 
s $flid)t, roenn nicr)t nod) mefyr SBerlufte eintreten follen. $)ie 
s 43enufcung be£ 2lrcf)iDS wirb, roenn erft bie Queöenfunbe 
erftfjienen fein toirb, toefentlid) erleichtert toerben. 

ferner fjat £>err Dr. (Stern bie $urcf)forfd)ung ber 
älteren Söeftänbe bes> $ircf)enarcr)iü£, bie fiel) ebenfalls un« 
georbnet in einem l)öcf)ft ungeeigneten s Jtaume beö Sttifolai» 
fircf)tf)urmS unb in einem wenig angemeffenen .ßuftanbe be* 
finben, fortgefefct unb beenbet. ©r tjat aud) t)ier über* 
rafdjenbe %unbe gemacht, bie nirf)t nur für bie ©efdjidjte 
$iel3, fonbern and) für bie bon (Scfjleätoig * ^olftein über« 
fjaupt bon 2öid)tigfett finb. 9Beiter ^at er eine 28ocf)e im 
©taatSardn'b $u Sd)le3nrig, ^mei Sage im ©tabtarrfjib unb 
in ber ©tabtbibliotfjef jju £überf, $toei Xage im Slrct)it) ber 
jurifrtfcfyen gafultät ber Uniberfität iKoftotf gearbeitet, um 
Material fammeln unb Spuren bon Urfunben naefföu» 
gef)en, bie fidt) anberstoo gezeigt Ratten, £ier ift ebenfo 
bie SluSbeute eine reiche getoefen. 3)ie ®rofje ^öniglidje 
93ibIiotf)ef unb bie Uniberfitätöbibliotfjef $u $o£enf)agen fjaben 
ifmt je eine £anbfcf)rift getieft, ©ine Dleife borten jur 
Unterfutfjung ber fdjIeäroigsl)olfteinifd)cn 53eftänbc be£ $gl. 
(&cf)eimarcf)to£ toirb nod) nötfyig fein. 3)a£ <&efammtergebni& 



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45 

bicfer fhftematifch unb mit (Sachfunbe betriebenen 9cad)* 
forfdmngen ift getoefen, baß ftcf) bie Quellen für bie ©e* 
fchirfjre unferer (Stabt in einer Söeife, roie man baa biö bor 
^ur^em noch nicht fyattc ahnen fönnen, bermehrt haben; 
unb manches bürfte noch ^in^ufommen. 

Um fo mehr müffen mir es bebauern, ba& £err Dr. 
(Stern unfere (Stabt am 1. Mai berläfjt, um ein neues 
Amt in gürth anzutreten. 3)otf) wirb baburd) bie Sßeenbi* 
gung ber bon ihm übernommeneu Arbeiten ntd&t gefäbrbet, 
nur ettoaS ber^ögert. SSon ber 58remer'fd)en (£f)ronif finb 
bis jefct 10 93ogen gebrudt. $)ie Ausgabe ift nach ben 
mobern en ®runbfä£en toiffenfd)aftlicher Sßublicationen bear* 
beitet unb mit einem ausführlichen Kommentar berfehen, 
ber baburef) einen felbfränbigen 2Serth erhält, baß für ilm 
nic^t nur gej>rudteS, fonbern and) archibalifcheS Material 
bertoenbet toorben ift, fo baß er eine in jeber 4?inficf)t 
münfcf)te Ergänzung $ur &fywn\t felbft bietet. SMS ©nbe 
biefeS Jahres muß ber 3)rud ausgefegt merben; £err Dr. 
(Stern berfpricht ben Abfchlufj auf ben Sommer, ffäteftenS 
auf ben October 1 HDV». 

gür bie QueEenfunbe ift baS Sftaterial bollftänbig ge* 
fammelt, unb es bleibt nur noch bie Aufarbeitung übrig. 
3)er 'Srud fotl unmittelbar nach oer J?ertigftellung ber 
93reiner'fchen ©h^ntf beginnen unb nrirb nach b& 93ered) s 
nung beS £errn Dr. (Stern Oftern 1900 beenbet fein. 

gür baS Urfunbenbuch finb ade bereits anbermeitig 
gebrudten (Stüde abgefchrieben; fie müffen noch mit ben 
Originalen, reff, mit ben anberen Vorlagen, auf bie fie 
^urücfgehen, berglichen werben. *3)ie ungebrueften (Stücfe finb 
theils bezeichnet, theils bereits aus ben archibalifchen &or* 
lagen abgefchrieben, bis auf baS, roaS Kopenhagen norf) 
bringen wirb. 2)er erfte 5öanb foll bis £ur SBerpfänbung 
Kiels an Sübed 14(39 gehen, ber jroette bis erroa 1571). 
$>aS ättanufeript für ben erften 93anb benft £err Dr. (Stern 
bis @nbe 1899 liefern $u fönnen. 

ißtenn biefe brei Arbeiten borliegen, werben mir einen 



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46 

großen ©djrttt borroärtä getfjan 5 a & en > oenn oann ^ anlt 
an eine roiffenfcfyaftltdje StarfteHung ber Gbe\d)id)te Mete ge= 
batf)t werben, ba toofjlgeorbneteä unb fritifd) geftd^tete^ 
Material in güKe oorljanben tft. 

^)ie Verausgabe be£ SBarbud)e£ ift in Meiern ;gaf)re 
leibet wenig geförbert toorben, bod) arbeitet £err cand. phil. 
$Bong*©d)mibt, ber fie übernommen fyat, jefct baran, nnb 
fjat oertyrodjen, in ^ur^em ben Xejct briteffertig einzureiben. 
Um ben ^nljalt be£ intereffanten s 43ud)es unfern 9ttitgliebem 
näfjer ju bringen, ift £err Dr. iur. 2uppe gewonnen, bamit 
er eine gemeinoerftänblidje, jebod) it»iffenfct)aftlicf)c $)arftellung 
beä SÖarredjteä in $iel ber Ausgabe hinzufügt. (5r erfcfyeint 
für biefe Aufgabe befonberä befähigt, ba er einen oerwanbten 
®egenftanb au£ ber lübifct)en s Jted)tegefd)id)te bereite be* 
fyanbelt Jjat. ©eine Arbeit ift ftfjon äiemlid) fortgef abritten, 
fo ba& auf eine 93eenbigung be3 (Standen nun wof)l in ab* 
fefjbarer Seit 5 U hoffen ift. 

$>ie ©efd)id)te ber Harmonie, für beren ^Bearbeitung 
unb 3)rurflegung un£ bie ®efellfdjaft Harmonie oor if)rer 
Sluflofung 800 9ttarf ausgefegt f)at, ift oon £errn $aftor 
90* au übernommen worben, ber meint, ba£ 9ttanufcrtyt bte 
©übe btefeä ^afjreä berforedjen $u fönnen. 

Wlit unferer SBibliotljef ift eine erfreuliche Neuerung 
im SBerfe. 3)er $err SanbeSbirerror (jat un3 ben SBorfdjlag 
gemalt, unfere SBibliotfjef mit ber be£ &anbe£bireftorium£ 
gu oereinigen. $)er SBorftanb fjat befd)loffen, barauf ein^u* 
ge^en, unb e3 ift eine Slbhmft folgenben ^ntyaltö getroffen. 
Unfere ganje 93ibliotf>ef ge^t in bie Verwaltung be3 £anbe£* 
bireftorium£ über, ba£ alle biejenigen oon unfern Söüdjem 
unb ©djriften, bie e£ in feiner SBibliotfjef nidjt fyat, in beren 
58eftanb einreibt unb bie übrigen, in Giften oer^arft, in Ster* 
Wahrung nimmt. Unfer (§igentf)um$red)t bleibt bollftänbig 
gewahrt, unb «$um SRacfyweifc beäfelben Wirb ber oor^anbene 
gettelfatalog, ber in unfern £änben oerbleibt, weitergeführt, 
fo ba§ alfo, falte unfere ®efcHfrf)aft fiel) einmal auflöft, 
Womit unfere s lUbliotl)ef an bie <Stabt fallen Würbe, biefe 



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47 

nacf) bem Kataloge bie SBftdjer ^urürfforbern fann, toenn fic 
totH. $)iefe 2lbfunft tyat bcn SBortfjeil, bafc mir aller (Sorgen 
für bie SBerroaltung unb aller Soften, mit 9lusnaf)me ber 
für bie Fortführung beä ^ettelfatalogS, überhoben finb, unb 
baß für unfere Sttitglteber unb ba3 wettere Sßublifum baS, 
toa£ unfere 93ibliott)ef bietet, fo leidjt augänglirf) gemacht 
nrirb, toie h?ir e3 mit unfern Mitteln niemals mürben er« 
reichen fönnen. 

©nbltcr) ift ju ermähnen, bafj am 3. September Dortgen 
3a$re$ 2Kitglteber unferer ®efellfcf)aft unb ©äfte ba£ 9Jtufeum 
oaterlänbifif)er Slltertfjümer befid)tigt fjaben. $>er Ütunb* 
gang burd) bte (Säle unter ber Sprung bon Fräulein 
9#e3torf bot toiel be£ 93elef)renben unb Slnregenben. Sin 
30 Sßerfonen, barunter eine 2ln$al)l tarnen, toaren an* 
toefenb. 

s #rof. <£. SHobcnbcrg, 

,V 8- SJorfifofitber. 



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48 



Uekrftcfit 

ber ötinnahuun unb Ansgabtn ber ©cftllfdtaft für 
Vieler Stabtgtfdnchtt für 1896 unb 1897. 





1896: 


1897: 


ff Cm * — A — — ff- * ■ » - 

IS t n n a t) m c : 


u 

tili. 




Söettrage bon ben UJatgltebern. . . . 


4o6, — 


405, — 


lMAtK*AA S^V f*C^\ 4"/*% Sf ^AiiA 


oUU, — 


oUU, — 


^Mt»tfv(*trt f^£»r* OAc*$ r» ffi <*fin t'f fvr»tViit ff Trtf»v* S)fr*- 

-oeinuy uet wi]iU|uju|i itcinuuiijct ziv* 






m«>rtfVr»mihp 




$00 


-oiuiuij uti v^i|iu|uju|i ryuiuiunu 


OUU, — 




Q4tttV»tt 


14.7 10 




^Vlljtll UUIU tl|vllltll -<Jl|lvUlU .... 


14. 70 


14. 70 




2017,80 


1244,22 


9lu3gabe: 






Honorar für Jöettrage 


380,— 




Jüorurüeucu jur urrunucnoucij ic. 






#öf)ne 


49,40 


54,97 




001,15 

> 






24,00 


20,87 


Breuer uerfidjerung für bte Söibltot^ef . . 


2,25 




Slatalogtfmmg ber Jötbltotfief .... 




181,55 




*:() )<S 


2 * ,90 


M. 


1180,08 


494,04 




4233,35 


5071,07 




2017,80 


1244,22 


JVL 


0251,15 


6315,29 


SluSgabe 


1 180,08 


494,64 


93ef)a{t am 3afyreöfrf)lujj M 


5071,07 


5820,05 


©ifcrtter 23eftanb au£ ben ^Beiträgen 






ftnitbigcr s JJtftgIteber, untoeränbcrt .At 


420,— 


420,- 



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i 




eUfri^aft fiir feider |tniitgEfdiiit)tE. 



Ftiel, 180». 
Verlaß oon üipfiuS & Jifdjer. 



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Steter SBar&ud) 

(1405—1540). 



c r a u ä o c fl c b c n 

Dr. iur. ^ermann Cuppe 

in Jiicl. 



mißt, 1899. 
3>rucf uon 91. ft. 3*«fcn- 

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^Inhalts -Beqeichnte. 



Sfite 

A. mnltituna 1 

I. Die $<tnbfd|rtft 1 

§ 1. Außere s $efd)affenl)eit ber .^panbfdjrift 1 

§ 2. Die Sdjretber 2 

§ 3. $)euuftiutß ber .ftaubfdjrtfi burdi Wremer . 4 

II. Der %nl)aU bcS »arbudjeS <> 

§ 4. %m WUgemeinctt t> 

A. Das Strafredjt 7 

§ 5. Die Strafen 7 

§ <>. Die SSterbredjcn 1> 

I. Diebftabl unb üertuaubtc ^erbrerficu . ... 10 

II. Dotfrijlaa, unb oertvanbte Herbredjcn ... 13 

III. Sonftige SJerbredjen H> 

§ 7. Mflgemeine ©runbfäfcc 18 

§ 8. 93ea,nabia,una, unb (2üfmc 20 

B. Da* Strafverfahren 24 

§ 9. Die ©erirf)t«öerfaffuna. 24 

§ 10. SJorberfaf)i*en tmb .ftaitpt&crfyanblunß .... 31 

§11. ißarredjt unb ^erfeftuug 38 

III. Der Bwecf M «arbuifcö 45 

IV. OHitrititung ber HuSßabe 48 

B. ^<id ftieler Warburf) (1465 — 1546) 51 

C. Gegiftet 105 

I. SReßifter ber $erfoneiinameu 107 

II. 9?eßifter ber Ortsnamen 114 

III. Sßtort- unb Sa^regifter 110 



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Jlbkürjnngen kr -ritierten f ittcmtur. 



ftad) = .£md), $acf alte Sübifdje Wcdjt, 1830; bie römifdjen 8a^ e « 

ßcben bie (Sobiceö, bie arabifdjen ftiffern bie Wrtifel berfelben an. 
Urttmbcnfammfitnß = Urfunbenfammluna, ber §d)(eän>tß « .^olftein- 

«auenburflifäcn ©efetlfcbaft für öaterlänbifd)C (i5efri)i$te, f> «bc. 
Weine Wbljanbluua, = fiuppe, $eiträa.c 311m $otftf)laa,3re4>te Sübecfä 

im Mittelalter, 3naua. Effert. 1800. 
ftrciteiborff , (Sinlcituna, = ^rendborff , ©nleitimß frim (Stralfunbcr 

$erfeftuna.äbud), 5öb. 1 ber £anfifd)en @efd)id)täqueflen, 1875. 
ftalrfä Wrd)ib = ftalrf, Slrdjiö für ©efd)id)te :c. ber §frfti)fltütner 

3djledroifl, $olfteiu imb Wallenburg, 3<rfpfl<uifl V, 1847. 
Iretjer, Einleitung = Fretter, ©inlcitnna, ^ur Äcuntniä ber tum 

i'übecf auSa,ea,ana,encn allgemeinen SBerorbnungen, 17(59. 
.S>affe = /paffe, 8d)leöroifl '/polftcin 'öaueuburflifdje Urfunben uub 

ffiegeften, 3 $bc. 
u. Wette - 0. Welle, ©rünblictjc Hadjridjten öou Hübecf, 1787. 



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(Einleitung. 



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I. 

®tc #anbfd)rtft 

§ 1. «cufecvc ^efdioffenljcit Der S>niiDjd)rift. 

$>a£ Vieler Sßaxhud) ift un3 in einer Pergament* 
Jjanbfdjrift in Dftaoformat überliefert. 2)ie £>anbfd)rift 
ift ©igcntum be£ Vieler 9ttagiftrat3 nnb tt>irb stammen 
mit ber 2ftef>raaE)l ber Vieler @tabtbütf)er auf bcr Möuig* 
liefen Unioerfitätöbibliotfjef Äiel aufberoaf)rt. 

$er Sßcrgamentumfdjlag, in meinem bie Blätter (aßen 
mit toei&em ^arm befeftigt finb, ift breiteif.tg ; er beberft 
außer ber Otütf feite bie SBorberfeite Don recfjtö unb linfe. 
Sluf ber oorberen S nncn f e ^ e ©inbanbeä ftetjt 

Magistrat der Stadt Kiel, Invent. K 4, baneben beftnbet 
fid) ba3 (5tabtfiegel, ba£ aud) auf bie erfte Xejtfeite 
gefefct ift. Stuf bem mittleren Seite ber gnnenfeite fte^t, 
unb jtoar offenbar oon berfelben £anb, roelcfye bie erften 
fcorfjanbenen Eintragungen gefdjrieben tjat: 14(58, deine 
guden heren santc salvester. Sluf ber oorberen Slu&en* 
feite be3 Umfcf)Iage3 ftefjt oon jüngerer £anba) oben: 
A° 1461° biss 1547 unb unten Diebsregister. £>er ©in* 
banb f>at eine breite oon 1(5 unb eine &öf)e oon 227« cm. 



a) Wad) Angabe öon Dr. Stent ift Wremers .ftanb. 

1 



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2 



$a« fttelcr 9Sarfcucf> 1466—1546. 



3)te einzelnen Sölätter ^aben eine SBreite bon 14 — 15 
unb eine £öf)e bon 21 — 22 cm. (Sie finb bon jüngerer 
£anb mit SBleiftift burcfylaufenb nummerirt, eS fehlen 
SBlatt 1 unb 10. $ie £anbftf)rift befteljt aus 4 Sagen $u je 
5 Söogen = 10 flattern, bo<f) fe^lt bon ber erften Sage 
ber äußere 93ogen, roeufjer SBlatt 1 unb 10 umfaßt. 

3>te Sage 1 umfaßt bie Safjre 1465—1488, Sage 2—4 
bie Saljre 1515 — 1546. die (Sd^reiber ber (Einbanb* 
überfdfyrtft unb ber SSIatt^a^Ien müffen ben fe^Ienben 
SBogcn noef) bor fid; gehabt haben. Sölatt 1 mirb 
banadfj bie Qatyre 1461 — 1464 umfaßt fyaben unb 
SBlatt 10 1488 ff. $a ferner bie ^afjre 1488—1514 
boUftäubig fehlen, liegt bie 5lnna^me naf)e, baß außerbem 
eine gan^e Sage atoifrfjen Sage 1 unb 2 berloren gegangen 
ift. 3Me lefcte (Eintragung auf S3latt 9 ift ofjne ©c^luß, 
bie erfte (Eintragung auf SBlatt 11 ofjne Slnfang, ber 
fonadfj entmeber auf 93latt 10 ober auf ber legten (Seite 
ber feljlenben Sage geftanben haben muß. ©benfo fd&eint 
aurf) mit ber bierten Sage bie £anbfcf)rift nicht ju (Enbe 
geroefen ^u fein, ba bie lefcte (Eintragung auf SBlatt 40 
in ber Seilte abbricht. 

die &pxad)e ift ausnahmslos bie nieberbeutfehe, unb 
3toar frf)on bon 1465 an, roäfjrenb biefc in ben anberen 
(Stabtbücfjem erft bon 1472 an allgemein gebraucht mirb. 

§ 2. $ic ©Treiber. 

die £anbfcf)rift ift sunt großen Seil ferner lesbar, 
ba ab(]efef)en oon jtoci größeren $lerfen, bie meiften 
(Schreiber, wenn auch faft ofme Slbfur^ungen, fo borf) fchr 
unbeutlidf) unb fcf)lect)t gefdjrieben haben, die gahl ber 
(Schreiber läßt ftcf) bafjer and) mit bölliger SBeftimmt^eit 
md)t feftfteüen. Sftacf* meinem dafürhalten finb folgenbe 
3u unterfc^eiben : 

©Treiber 1. 9tr. 1—7 (1465—1468), er nennt fiel) 
fclbft in 9tr. 6 unb 7 Cyriakus, de rycht scriver. 



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Sie ftanbfärift be£ 9>arbud)eS. 



3 



II. 9tr. 7a (1469), biefe Eintragung ift oerfehentlidE) 
in baf SBarburfj geraten unb bann burchftrichen. 

III. ftr. 8 (1470).' 

IV. *ttr. 9 -21 (1475—1482). 

V. 9?r. 22—26 (1487 (?)— 1488). 

VI. 9cr. 27—31 (1515). 

VII. 9tr. 32 (1521), bie Eintragung ift an bietet 
©teile nachträglich eingefügt unb ftimmt inhaltlich mit 
Mx. 37 faft wörtlich überein. 

VIII. 9cr. 33—52 (1516—1536). 

IX. 9cr. 53, 57 (1536, 1538). 

X. Stfr. 54—56, 58 (1541—1543), er nennt fid) fcbft 
in 9cr. 55 mester Hans, stat recht scriver. 

XI. 9tr. 59-65 (1543—1545). 

XII. 9h. 66 (1546). 

3)a bie ftolge ber Eintragungen fich mehrfach nicht 
mit berjenigen ber ^ahref^ahlen becft, ift anzunehmen, 
ba& berfchiebentltch Sßlafc frei gelaffen roorben unb erft 
tyäter aufgefüllt ift, toie auch jefct noch mehrfach halbe 
©eiten unb mehr unbcfchrieben finb. 

$)ie ©tfjreiber finb, toie bie Eintragungen 9?r. 6, 
7, 55 ergeben, nicht bie ©tabtfchreiber, 9cotarii, fonbern 
befonbere ©erichtffchreiber ber ©tabt; ef ift jebocf) an^u* 
nehmen, ba& m'ele ©Treiber enttoeber nach einanber ober 
mohl auch gleichzeitig beibe gunftionen aufgeübt haben, 
©o ift zum SBeifyiel bie ©chreiberhanb VI berjenigen 
bef ©eorgiuf Sufcenbord) fehr ähnlich, oon bem ©in* 
tragungen im 9tentebuch auf ben fahren 1496 1515 
unb in ben SßrotofoHen bef SBierftäbtegerichtf auf ben 
Sahren 1497—1512 in großer ftafyl borhanbcn finb. 
SBor allem pnben fich «oer bie ©chreiberhänbe III unb IV 
in bem bifher noch nicht hcraufgegebenen $)encfelboct 
ber ©tabt Stiel (1460—1588) unzweifelhaft toiebcr, unb 
ätoar ftimmt III mit ber fol. 19 ff. befinblichen Eojrie 
einef ^rioilegienbriefef Don 1461 unb IV mit ben Ein* 

l* 



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4 



Da« Vieler 9*arbu<f> 1466—1646. 



tragungen fol. 27, 28 unb befonberS mit einem fol. 221 
befinblidjen (Schreiben 5er &tabt bom $af)xe 1472 an 
bie ^errfdmft toegen eines $)eid)es überein. 

§ 3. ©fnuftung Der ©nnDi^rift Durdj Wremer. 

3)aS Söarbud) fdjeint bisher in ber Sitteratur böttig 
unbefannt unbuubenufct 51t fein, felbft gelegentliche $intoeife 
auf baffelbe finb mir nietjt ju ©efic^t gefommen. SBenufet 
f)at e3 nur ber frühere Vieler Söürgermeifter SlSmuS Wremer, 
ber in feinem, im Einfang beS 18. QaljrliunbertS berfafjten 
Chronicon Kiliense tragicum für bie ältere $eit faft nur 
5lu^üge aus bem SBarbucfte bietet, a) Wremer fjat faft 
fämtlic^e ©intragungen beS SSarbudjeS abgefdjrieben ober 
ausgesogen, eS fcfyeint faft, als ob er lebiglidj einige 
fdjroieriger lesbare (Stetten nicfjt Ijat entziffern fönnen unb 
beSfwlb übergangen f)at. SKeldje bon ben fefjlenben 
Seiten beS SBarbudjeS Wremer noef) borgelegen tyaben, 
ift nicf)t gan^ ^ ar erficf)tlicf), ba er jegliche Eingabe über 
feine Quelle unterlaffen fjat. S8on ber $eit bor 1 4Hf> fjat 
er ©intragungen aus ben 3<*f)ren 1432—1453 unb ferner 
je eine aus 1462 unb 14fi3, toeldje lefctere bermutlid) 
auf bem fefjlenbcn Sölatt 1 beS Starbucks geftanben Ijaben. 
2luS ber «Seit, toeldje bie Sücfe umfaßt, ift nur eine 
Urfunbe aus 1514 borfjanben. 93remer fdjeint auef) ben 
Slnfang ber ©intragung %lt. 27 gehabt $u fjaben. danach 
fjat jeben falls bie Sage bon 1488 —1514 fd)on $u SBremerS 
3eiten gefefjlt, roäfjrenb er bie Urfunbe bon 1514 unb 
ben Anfang bon 9tr. 27 roof)l aus anberen Quellen 
gefd)ö>ft §at, toie and) berftfjiebene anbere feiner ©in* 
tragungen, bie aus ber £eit beS Starbucks ftammen unb 



a) fpcvT Dr. Stent, ber baffelbe im Wuftraßc ber ($efellidjaft für 
Mieter Stabtflefdjidjte fjerauskjiebt, Ijat mir bie biäfjer gebruetten üBoßen 
feinet Wanuffrtptä in frcunblidjfter Seife jnr ^erfüfliutfl flefteflt unb 
mir aud) fouft mandje wertvolle Witäfunft erteilt. 



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$er 3nf)all be* «arbuaV*. 



inf>altltrf) in baffclbe gehören, ftcf) in bemfelben ntc^t 
finben. Sluä ber Seit nad) bem @nbe be3 5Barbucf)eä 
tyat ^Bremer ben ©ifjlufj ber (Eintragung 9fr. H6 unb 
bann erft (Eintragungen bon 1558 an, bie bieHeicf)t einer 
verloren gegangenen fünften Sage be£ 3krbucf)ea ent* 
ftammen. *>) 

b) <Radj Angabe öon Dr. Stern Ijot Anfang ber 7()er %a1)TC beä 
16. 3at)rlnmbert$ eine Wenberung ber ©erid)tfiiorganifation boju gefüllt, 
baft üon ber #eit an au$fül)r(id)e Wiebergerid)t*protoforie angelegt finb, 
bte auf lofe ^apierblätter gefdjrieben nntrben. $ana$ f)ättc bie 
fünfte Siage be$ $arbu$eä bi$ 1568 gereift unb Wremer itoc^ wt> 
gelegen; bte berntutltd) aud) t>on Wremer ftammenbe s ?luffrf)rift be$ 
Umfd)lag$ lautet aflerbingä nur „1461—1547", aud) l)at »reiner au* 
ber #eit öon 1546-15(58 nur 6 Eintragungen, uon beueu jcbcnfallä 
biejeuige Don 1562 fauin aus* bem 2$arbitd)e ftaintnt. 



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IL 



2>er Snfjcitt bcö Sarbudjc*. 

§ 4. 3m SUlflcmetncit. 

©rftfjetnt e£ fdEjon auf ©runb ber £f)atfadfjen, bag 
Wremer bad Söarbucf) als Quelle benufct I)ar, bog an 
mehreren Stellen ber 6<f)reiber fidf) fetbft als ©tabt* 
fcf>rei6cr begeidtjuet, unb baß mehrere ber ©djretber aud£) 
ifjrer .<panbfcf)rift nadfy aU folcije fid) refognoScieren laffen, 
alä int f)örf)ften ®rabe roa§rf<f)einltd), baß unfer Söarbud) 
audj ein officielleS (Stabtbutf) a) getoefen ift, fo toirb biefe 
Slnna^me burcf) ben Qnfjalt ber «£>anbfcf)rift nod? unumftöfc 
lirfjer. ©ine 3)arfteÖung ifjreS ^nl&alteS nrirb uns and) 
Söcfen unb Qtved be£ SudfjeS flarlegen. 

9Jät unferer Hnnafjme ftimmt junäd^ft überein, baß 
eine (Eintragung (Stfr. 7 a), bie toofjl in eines ber anberen 
<S>tabthüd)et gefdjrieben werben follte, offenbar berfe^entliit) 
in bie £anof<f)rift beä SBarbutfjeS geraten ift. ©ie ent* 
f)ält ein gemeinfrf)aftIidf)eS Seftament eines ©JjeJjaareS 
bor beut Ütat. 3)ie Urfunbe pnbet pdf) jtoar in feinem 
ber anberen ©tabtbücfjer roieber, ba fic aber gerabe fo 
getilgt, baä Ijei&t, nad) ifjrer ©rlebigung burdjftridjen ift, 
hrie e£ fonft bei ©tabtbudfjeintragungen ju gefdjefjen 
pflegt, fo ift anäunefjmen, baß man bie ©intragung rufjig 
im £Barbud)e fjat ftetjen laffen, bis fie erlebigt mar unb 



a) Faun ollerbingS bei genauerer Betrachtung feinem tfweifel 
unterliegen, bafj unfer SBarbudj ein ©tabtbud) ift ; ba e$ aber fo lange 
üerfrfjollcu gewefen ift, fo foll int folgenben trojjbem ber W ad} weis 
geführt werben, bafe wir ein 8tabtbutf) oor un$ Ijaben, bamtt bem 
$arbud)e gleid) bie richtige Stellung angewiefen unb bie ©leid)bcred)tiguHg 
mit unferen anberen ©tabtbüdjern nid;t beftritten werben fann. 



7 



getilgt werben Fonnte. Denn bei ber geringen 3af)l ber 
©tabtbücher unb ber jährlichen Eintragungen in ftiel 
toirb ein SBieberouffinben ber an unrichtiger Stelle 
erfolgten Eintragung feine ©chtoierigfeiten gemacht haben. 

9IHe übrigen Eintragungen fyaben ftrafrecr)tücr>en 
Snhalt, unb ^mar finb eS meift Angaben über oerurteilte 
Verbrecher. Der größte Xtjctl enthält eine Angabe über 
ben Verurteilten, feine Xfyat, fein ©eftänbniß ober bie 
fonftigen VetoeiSmittel unb über bie JHichter unb fcfjließt 
regelmäßig mit ber Slonftatierung ber Xfyatfadje, baß bie 
©träfe an bem Delinquenten oollftrecft ift. Da^n treten 
Vegnabigungen, Xlrfef)ben, ausführliche $eugenauSfagen, 
eingaben über bie Ergebniffe ber höheren ^nftan^en unb 
auch Srcifprccfjunflen f ^riebloSlegungen unb ©üf)ne> 
vergleiche. 2llS Vefonberheit erf feinten blich bas fogenanntc 
Vorrecht, unb #oar Icbiglid) in bem legten Viertel ber 
£anbfchrift, baS fich wesentlich mit 9Jcorb unb £otfd)lag 
befdjäftigt, wäfjrenb in ben früheren teilen ber Dieb 
ftahl burrhauS überwiegt. Der 3 n 0 al t oeö Vorbuche* 
ift, wie fchon biefer Ueberbltcf ergiebt, fo reichhaltig unb 
mannigfaltig, baß es uns ein ziemlich flares unb ooll* 
ftänbtgcS Vilb oon bem ©trafrecht unb ©trafoerfahren 
Miels am SluSgang bes Mittelalters gewährt. 



A. Bas Strafrecht. 

§ 5. £ie Strafen. 

2tlle Veftrafungen, über Welche baö Varbucf) berichtet, 
finb peinliche, baö ^eigt förderliche, unb ^War ausnahmslos 
SobeSftrafen. Das Mittelalter hat befanntlicf) in raffinierter 
SBeife eine große 3ahl oerfchiebener Birten, einen Ver- 
brecher aus ber Söelt ^u fchaffen, auSgebilbet, bie eine 
Älaffipcierung ber Verbrechen nach Eljrlofigfeit u,t0 ©ch^ere 
enthielten. Die Wefentlichften Slrten ber XobeSftrafe weift 
auch oaS Varbucf) auf, unb $War finb es in auffteigenber 



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8 



3>a3 SHeler «arbucfc 1465-1646. 



Steifjenfolge Einrichtung mit bem ©chtoerte, an bett ®algen 
Rängen, t>on oben herunter Stäbern (Str. 50) ober auf£ 
Stab Segen ober gleiten, bon unten herauf Stöbern ober 
aufs Stab ©tojjen; f)kt$\x treten noch für bie fronen an 
©teile beä £öngen£ Sebenbig begraben (Str. 25) a) unb 
an ©teCte be£ StäbernS Verbrennen (Str 14, 47, 48) b), 
toöhrenb ©trafen, tote Vierteilen, (Bieben u. f. to. im 
$arbucr)c ni(f)t borfommen. 3)ie Stangorbnung ändert 
fidt) barin, baß bon ber fcfjtoereren %u ber leichteren 
©träfe begnabigt werben fonnte, fo namentlich oom 
Rängen unb Stöbern $u ber am toenigften graufamen 
Einrichtung mit bem ©cr)toerte; bie in Str. 50 angegebene 
SBegnabigung oom auf£ Stab ©tofeen jum auf£ Stab 
Segen fjat ben ©inn, ba& bei bem Sedieren, bem Stäbern 
Don oben herunter, ber Delinquent $uerft ben ©nabenfto& 
auf bie 93ruft erhielt, ber ifm toenigften^ fofort erlöfte. 
2ln ^toei ©teilen (Str. 4, 29) finben toir auch noct) bie 
fonberbare ©inricf;tung, an einem Verbrecher mehrere 
Slrten ber SobeSftrafe gu ooH^iehen, toenn er fidt) mehrerer 
berfchieben ftrafbarer Delifte fdjulbig gemalt hatte, unb 
5toar beibe SJtale Stöbern unb Rängen ^ufammen. Ob 
e$ ftetS fo gehalten tourbe, ift allerbingä fraglich; benn 
in hierher gehörigen gätten bezeichnet baS SBarbucr) ent* 
toeber bie ©träfe nicf)t genauer ober giebt nur eine 
Xobeäart an (5. 33. Str. 6), toaS noer) feinen gang ficfjeren 
Stücffcf)lu& geftattet. %n $iet beftanb fogar bie ®etoofjn= 
heit, Sttiffethöter, bie bei einem SNorb* ober Staubanfall 
bon ben Slngegriffenen getöbtet toaren, noch nachträglich 
^u enthaltene); fo ift jum Veifpicl in bem gälte ber 

a) $iefc Strafe tritt, tüte bie üübeefer Statuten ($ac$ U 247) 
befagen, bei grauen au SteHe be3 .ftängeuS dor wiflike cre. 

b) $«4 II 247, Cod. U. 

c) ein beäiuegen gegen bie Stabt angeftrengter langwieriger 
^ro^eß auö bem Saljre 1578 ift in »remerS Gfjrouif (23. 97, 6. 56 ff.) 
auSfüljrlid) bargefteflt unb bie fragliche ©en>of)nf)eit bamalss als %u 
Stecht beftefyenb anerfannt. 



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Ter Sntinlt beS »arbucfieS. 



0 



9tr. 52, knie btc 93remerfd)e ©fjronif (93. 60) angiebt, 
bcm toten ©efcHen 93artolmeu£ nadjträglid) vor dem 
Dänischen Thor auf ein Schoof Strohes das Haubt 
abgeschlagen. 

§ 6. £ic «crbrcdjen. 

'Stafj ba£ fSaxbnd) Don allen geringeren ©trafen, 
toie ^>anb* unb DEjramjauen, ^anbeSberroeifung, ©tauten, 
an ben Oranger ©teilen, ®efängni*, ®elbftrafe u. f. ro., 
nicr)t£ enthält, f)at feinen ©runb barin, bafj e£ fief) nur 
mit ben peinltrf)en $alza,evid)ten, b. f). mit ben fdjtoereren 
SBerbretfjen , auf benen Sobeäftrafe ftanb , befajäftigt. 
darüber, auf meiere $)elifte Xobeäftrafe gefegt mar, 
geben unä bie and) in $iel mafigebenben Sübedter ©tarnten 
mit einer 2lu3na§me feine Sttusfunft. Unter bcm Iübifdjen 
fRedjt, baö ber ©tabt $iel 1242 bom ©rafen Sodann 1. 
bedienen a) unb f^täter bon ben £anbe3f)errn beftättgt 
ift, waren aber nidjt nur bie Sübetfer ©taruten, fonbern 
and) bie in Süberf beftefjenben 9ted)tagetoof)nl)eitcn $u 
berftefyen. 3n biefem ®eh)ofjn!jeitereif)t , ba£ feine ©nt* 
fte^ung einer geit berbanft, in ber nod) ba£ gan^e $o!f 
an ber 9ted)tfpred)ung beteiligt mar, ift benn and) bie 
Quelle be3 ^>cinlicr)en ©trafrecf)t3 &n fefyen. ®an% ab* 
gefe^en babon, bafj ber 9tat, meinem bie gefammte 
©ert(f)t£barfeit bom Sanbe^errn übertragen mar, i>) boße 
ftreifjeit fjatte, bic ©trafen im ©inaelfaHe milber au be= 
meffen, bringt fdjon biefe ©ntfte^ung be3 ©trafrerfjte 
au£ bem ^erfommen unb ber allgemeinen 5$oIf£anfd)auung 
mit firf), baß in ber 93eftrafung beffelben $8crbrerf)en£ je 
nad) ben Umftänben eine grofje 9ttannid)faltigfeit bor- 
I)errfcf)te unb ba& gan$ fefte formen unb ©runbfäfcc 
für Slbgrenjung ber ^elifte unb 2lrt unb ^ö^e ber 
©träfe nicf)t beftanben. $)ieä totrb and) burd; baä SBar* 
bud) in bielen Steuerungen beftätigt. 

a) Urfnnbenfammtung I Wr. 627. 

b) Siefjc ba3 «Rädere unten Seite 24 ff. 



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10 



Äteler »arbudj 1466—1546. 



I. Slm häufigften fommt in imferem SBarbudje ber 
$)iebftahl bor, ber 511 allen $eiten neben ^örperberle^ungen 
unb SBeleibigungen (bie fn' er auSfcheiben, ba fie gu ben 
leichteren Gelitten gehören) ben ^au^tgegenftanb ber 
©trafgerichtäbarfeit gebilbet fyat 9lack) ben Sübecfer 
(Staruten (£acf) II 83) gab e3 einen ferneren unb einen 
leichten 3)iebftal)l, je nacr)bem ba3 Dbjcct en virdunc, b. h- 
Vi Sftarf überftieg ober nicht, gm erfteren galle mar 
Rängen bie ©träfe, im unteren ©eueren, metft berbunben 
mit ©tauten unb Sluäroeifung, auch mar 2lblöfung burch 
(Mbftrafe möglich- 9113 fcfjroerftcr $>iebftahl ift berjenige 
unter (Erbrechen einer Kirche hinzufügen ; auf biefem 
mirb mof)! auch in &übecf bon jeher bie ©träfe be£ s JtabeS 
geftanben fyahen, tote e£ ba£ im 15. Qahrhunbert mit 
bem ^übeefer berbunbene Hamburger 3tecf)t «0 au£brücflich 
beftimmtb). 3)iefelbe (Einteilung ftnben mir in unferem 
58arbucf)e roieber; jcbenfaHä liegt in all ben gälten, roo 
bie Dtabftrafe borfommt, ^irchencinbruef) bor unb bie 
$iebftahl3objeftc überfteigen, fomeit ber Söert angegeben 
ift, ftetä 7* s JJtarf. 3)a& fonftige 9Jterfmale, 5. 58. offener 
unb heimlicher "$)iebftahl, (Einbruch, ^acht^eit, DtürffaH, 
auf bie Söeftrafung Einfluß gehabt höbe«, läfjt fich nicht 
nachtoeifen. Sind) ber ^iebftahl unter Slnmcnbung bon 
bemalt gegen ^erfonen, ber Dtaub, fcheint nicht anberS 
behanbelt ju fein, roöhrenb ba£ Hamburger stecht benfelben 
mit (Enthauptung bebrohte. Sn unferen Urfunbcn ift in 
mehreren gätlen °ie ©träfe beS Staubet nicht genau 
angegeben, in s Jcr. 4, roo ju einem Staube noch anbere 
©tebftöhlc unb SDtorbe hinzutreten, ift bie ©träfe ftäbern 
unb Rängen unb in 9er. 2f> mirb eine grau wegen s JtaubeS 
lebenbig begraben, eine ©träfe, bie, mic oben bemerft, 

a) .fradj III 3J>0, wo a(ä ©renje für leisten Diebftaljt 8 ScbMiufl 
feftoefe^t ift. 

b) liniere fjeutiße (fiuteiluna, ift n"«S berwanbt, nämlid) 3)hmb- 
raub, einfacher unb frfnoerer ((5inbrud)$» it.) $iebftat)I, bie mit &aft 
ober ©etbftrafe, ©cfäitflui« unb äudjttyauö bebroljt ftnb. 



$er Stroit beS «orbndjrS. 



11 



bei ben SSeibern an ©tette be£ Röttgens trat. $>a3 
SBerbrennen einer grau, ba£ bie ©teile beä Sftäbernä 
bertritt, fommt nur einmal (dir. 12) unb ^war wegen 
Äircfjeneinbrurfjä bor. 

$er regelmäßige 2Ut3brmf für ben $)iebftaf)I ift 
stelen, wäf>renb nemen meift bie geWaltfame 2Begnaljme, 
ben Üiaub, bebeutet, häufig finb @inbrüd£)e in eine 
Äircfje, Capelle ober ein anbereä ©ebäube, ©rbredjen a) 
bon Giften, Ctyferblöcfen u. f. ro. SBielfacf) Jjanbelt e£ fid) 
um S3anbenbiebftat)l, Wo bann oon ber selschop ober 
benkumppanen beäSlngef tagten gefprodjen wirb, ©inüiaub* 
anfatt gefd)ief)t ^ur Stfad^eit, inbem eine grau eine 
anbere überwältigt, ityr ein ©tücf $ol% in ben £ate 
ftetft unb einen Änebel barauf binbet (*ttr. 25). Qu einem 
anberen $atte (*ttr. 41) Ijat fid) eine Söanbe in einem 
$aufe unter bem SBorWanbe eingeniftet, baß fie ©elb 
finben fönnc, unb bann in 5lbWefentjeit beä «§au$f)crrn 
aüeö Weggcfcftfetyrt. ©in anbereä SÜZal f)ören mir, bafj 
ein Räuber einen 9)tann unter einen ftüfenforb fefet, 
Oermutlid), bamit fein ®um£an Wälpcenbbeffen bem 
ättanne ungeftört ba£ ©eine nehmen fonnte (9tr. 5). 93e* 
fonberä fjäufig fommt and) baö Slbfdjneiben ber lebernen 
©elbbcutel bor, Weldje bie £eute um^ufjängen pflegten 
fo. Zlv. 19, 26). Eigenartig ift auef) ber gaU, ba& 
jemanb einem anberen auflauert, tfjm ba3 Sßferb weg* 
nimmt unb ifjn bafür auf ba£ feinige fefct (%lx. 49), ober 
baß eine SBanbe ein s #aar neuer ©djul)e auf ben 2öeg 
legt, lauert, bis einer bie ©d)utje aufnimmt, unb ifyn 
bann überfällt unb beraubt (9?r. 53). 

3n einzelnen fallen finb fefjr genaue eingaben über 
bie SBornafjme be3 $iebftaf)l£ , bie 9tfittl)äter u. f. W. 
gemalt (5. *8. 9h. 29, 41); meift befcfjränft fid) ba$ $ar* 
bud) aber auf Angabe be3 23eftof)leuen, be£ gefrorenen 



a) .«pierfnr wirb meift ber ftuäbriuf breken üertuaiibt, bod) 
fommt aud) basf in feiner iöebeutnng nidjt 90115 tlare op dyryken toi. 



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12 



$a3 Vieler Watbüd) 1466-1516. 



©egenftanbeS unb fetneä SBerteS unb fügt bann meift 
Ejtnju, roa£ bcr $)ieb mit bcm ©eftoljlenen getljan, in& 
befonbere an toen unb 51t meinem Sßreife er baffelbe 
berfaufta) f)at. Unter bcn $>iebftaIjl£objeften ftrielt eine 
große SftoHe ba£ ©elb, öfter finb bie $irdjenblöde, bie 
augenfdjemlid) im ©rbboben feftgemad)t waren, erbrochen 
toorben. gerner finb $u nennen ®egenftänbe, bie beim 
®otte£bienfte gebraust mürben, ©ctjmudfadjen aller 9lrt, 
roie ©efdEmteibe, £al3bänber unb Stofenfrönje, $leibung& 
ftücfe unb ®ebraudj£artifel, toie 3ttäntel, Rode, Seinroanb 
unb Safen, ®erätfd)aften, Sßaffen unb anbereS mefjr, 
enblicr) Sebenämittel, alle Slrten toon tgauätitven, 
namentlich üßferbe. 5öefonber£ 5U ermähnen ift Ijier nod) 
bie SBegna^me toon ©Riffen, bie (seeräuberei, bie in 
9fr. 46 borfommt. 

Qum Diebftafjl mürben bei ber weniger fcfjarfen 23egriff£* 
abgrenjung beä Mittelalter^ nod) einige öertoanbte Delifte 
gerechnet, bor allem Unterfdjlagung. ^Merljer gehört ein 
2raH bon gunbunterfd)Iagung (9fr. 39) unb 9fr. 57, wo 
ein ^ned^t ®elb unb $ferb erhält, um für feinen £errn 
au3 Sübed einen £amif$ abholen, unb mit häbttn 
auf unb baoon gel)t. 

Unter ben begriff be3 3)iebftal)l£ fiel weiter £efjlerei 
(3. 9fr. 39, 41, 43, 53). Um £ef)lerei wirb es fiel) 
wof)l autfj in 9fr. 6 Ijanbeln, wo ber Delinquent, obgleich 
bon Horben unb $irtf)eneinbrücf)en bie Siebe ift, nur 
gepngt mirb, ba er ficlj in biefen grüßen rool)l nur ben 
Staub mit ben roirflicfjen Xfjätern geteilt fjaben mirb. 
Slucl) Söetrug galt als $)iebftaf)l; hierher gehört 9Zr. 44, 
wo eine 33anbe burd) bie Söorfyiegelung, fie fönnte (Seelen 
crlöfen unb ©elb finben, ben beuten ©elb ab^ufd&minbeln 
berfudjt fjat, ferner 9fr. 53 ber SSerfauf ber angeblich 
Wunberfräftigen Sllraunwuraeln. 



a) S)er regelmöfeiße SluSbracf bafüt ift vorkofft ober geven for. 



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3)er Snfjalt be8 SSarbuajeS. 



13 



II. Sftäcfjft bcm &iebfta!jl nehmen im SBarbudje ben 
größten SRaum 2ttorb unb Xotfcfjlag ein. 3)iefe beiben 
Stelifte, über beren SBeftrafung bie Sübecfer ©tarnten 
nidfjts befagen, finb offenbar $u ber f)iex in Srrage ftefjen* 
ben gett in Sübecf toöUig gleidt) befjanbelt unb beibe mit 
ber ©träfe be$ CfabeS bebrofjt geroefen.a) $)affelbe 9te* 
fultat ergiebt unfer Sßarbudj für Äiel. Stoar werben nirgenbä 
bie SluSbrücfe für ättorb unb Xotfdjlag burdjetnanber 
al£ gleicfjbebeutenb gebraust; e3 ift aber auef) in alten 
Tratten, in benen nur Don £otf<f>Iag bie Otebe ift unb e£ 
fiefj um 2#orb nidf)t fjanbeln fann, ausnahmslos auf bie 
SRabftrafe erfannt. b) (Sin Unterfcfn'eb in ber 5öeftrafung 
bon SWorb unb £otfdf)fag §at fonad) in ber fraglichen 
3eit auc§ in Äiel nicf>t ftattgefunben. 3)ie£ fcfjliejjt md)t 



a) SBergleidje hierüber meine 9lbf)anblung, Beiträge 511m $ot« 
fd)lag$red)te ÜüberfS im Mittelalter, Seite 21 ff. UebrigenS ftefyt 
ftrenSborff'ö beljauütung über bie oerfdnebene bcfjanblung oon 9Korb 
unb $otfd)lag (Einleitung )nm Stralfunber berfeftungSbud), 
Seite LXXVI f.) aud) bcflüglid) beS Hamburger Sicdjteä auf feljr 
fdjtoadjen ftüßeu. Merbingö ift in &ad) III 399 bei ber töabftrafe 
nur oon Sttörbern bie s Jiebe. Aber ber Don ilun angebogene ^Irt. III 395 
befaßt Feine^tocgS, bafj auf Xotfdjlag Enthauptung ftel)e, fonberu oiel, 
me^r nur, bafe ieber, ber bei einem $otfd)lage irgenbioie beteiligt 
ift, bic$ mit bem öeibe büfjen mufe (alle de dar mede syn, Scholen 
dal beteren mit ereme lyve), toaljrenb megeu einer SBerrounbung 
immer nur einer ücrurteilt werben fann. $er s Ktt III 395 fpridjt 
alfo bon ber juriftifd)en beljaublung ber Rötung im SRauftaubel 
(ftcf»e unten Seite 13), oon ber Strafbarfeit ber beteiligten unb 
nidjt oon bem Strafmaße, benn mit dem Leibe bessern ift ber 
allgemeine 9lu$brucf für alle Sei bestrafen, ioäf)renb bie Enthauptung 
burd) mit dem Halse bessern bejeidmet toirb (Oergl. 5. b. Wrtifel III 
384, 390). Eanad) finbet fid) alfo eine Angabe über bie Strafe beö 
$otfä)lage3 in ben Hamburger Statuten meineä Eradjtenö über» 
fjaupt nidjt. 

b) Eine fdjeinbare s ilu£nal)me bilbet 9ir. 3, too Einer, ber einen 
Anbeten totgeftodjen r)at, mit bem Sdjtoerte Eingerichtet loirb. $>icö 
gefdnefjt aber van bede wegen be$ £>er$ogsi (&)erf>arb, unb bafj biefeö 
eine begnabigung auf bitten beffelben bebeutet, Darüber f. § 8. 92ad) 
ber Vluäbrucfätoetfe tyanbelt cö fid) um Xotfcfylag in 9fr. 31, 38, 50, 



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14 



$aö ftielfr S3orbud) 1465— 1640. 



au£, bog trofcbem ber alte Unterfdjieb 5toifd)en beiben 
Gelitten in bcr 9lnfd)auung ber Sftidjter imb be£ SBolfeS 
fortlebte*), g-ür äftorb ftnbet fid^ im SSarbudje ein 
anberer 8lu3brud al3 morden m'rfjt. 93tö auf bereinjelte 
ftälle ($. 93. *ttr. 45) Rubelt e3 fid) beim Sttorbe um 
SKaubmorbe burd) SRäuberbanben auf freiem JJelbe ober 
auf ber Sanbftrafje. $>er ü£otfcf)lag roirb entroeber 
burd) dotslagen ober dotsteken bezeichnet ober ber all* 
gemeine 2luSbrud oom Seben ^um £obe bringen (ober 
fommen) gebraucht; ober e$ rairb bie £ötung£art ge* 
nauer befchrieben, fo einen Sjnej3 in ben Seib Stoßen 
(9£r. 52), SBerfen mit einem SBedjer (9cr. 55) ober mit 
einem Steine (üttr. 64), fo baß ber Xob eintritt. SBon 
einem Ueberfaß jur See burd) Seeräuber Reifet e3: 
5 mans worden over bart gehoven, b. h- über SBorb 
geroorfen (*ftr. 46). 

3)em Xotfdjläger böttig gleich befjanbelt mürbe ber* 
jenige, toeldjer in vlock unde vore getoefen mar, roie ber 
tedjnifdje SluSbrutf beS Sübifc^en 9ted)te3 lautet b), ba§ 
Ijeifet, jeber, ber fich an einer «Schlägerei aftio beteiligt 
^atte, bei ber einer erf ablagen mar. So roirb e£ in 
Sftr. 24 oom Sübeder 9tat befiniert, roäfjrenb baö Vieler 
©ericht e3 ungenauer al£ ^Beteiligung mit Otat unb 
X^at roiebergiebt c). 5öie Strafe ift gleich bcr be3 Xot* 
fd)lageä ba£ 9tab, unb aroar 1)ei$t eS in *ttr. 24 au& 
brüdlid) na utwisynghe Äübifchen Sfted)te3. $)a in bem 



narf) bem ^n^altc gan$ unjtoeifelljnft in 9lr. 24; beim s 3eteilifluna 
an einer 3d)Iäa,erei, bei roetdjer ein 9Rcnfdj umfommt, fann unmöglich 
aU s 3Jiorb qnalificiert werben. Xrojjbem ift auf Stabftrafe erfannt 
unb nod) ba$u na utwisynghe Sftbifrfjeu 9ied)tc3. 

a) %m bem S -Barbntf)e läfjt fid) dlcrbina/3 uid)t entnehmen, ob 
bie Ueberfeßiinß ober bie .£>eimlid)feit ober etmaö Ruberes baS 
Kriterium für beu 9Jlorb bilbete. 

b) Sietje barüber meine Vlb()anblung 6. 30 unb bie bort citirten 
©djrtfteu. 

c) Sictjc anrf) oben 3. 12 s >lum. a über baS .ftamburaer SKed)t. 



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15 



angebogenen föafLe nid)t nacfjgehriefeu luer ben fonnte, toer 
ben tätlichen (Strctcf) geführt fjatte, tourben alle 93etcittgtcn 
al3 ^itfcfmlbige angefefyen. ») 

Von faljrläffiger Xötung Ijanbeln <Hr. 52, 56, 58. 
3n allen 3 gällen finb dtefetten ober Sefjrlinge ber* 
unglücft, unb e£ fragt firf), ob ben 2fteifter eine (Scfjulb 
baran trifft. $)a in allen gäffen greifpredjung erfolgt, 
ergiebt fidt) über baä fjerfömmlicfje Strafmaß n\d)fö. 
Slucf) in <Rr. 55 liegt toof)l fa^rläffige Xötung bor, 
bocf) fommt e3 l)ier ^ur (Sülme, über beren SBefen unten 
(Seite 21 $u Dergleichen ift. £iert)er $u rechnen ift aber 
\vof)l aucf) SRr. 66, nao ber SBüttel angeflagt ift, toie bie 
gortfefcung ber (Eintragung bei 93remer ($8. 73) ergiebt, 
Jürgen bon Slfjlefelb burcf) feine fünfte unb 9ttittel $u 
Xobe furiert $u ljaben, narf)bem er ^ubor beranla&t fjatte, 
bag eine grau als fdjulb an jener Äranffjett gefoltert 
toorben toar. Qn biefem $aUe ift auf ©ntfjauptung 
erfannt, borfj toirb biefe ©träfe toofjl nur bei grober 
gatyrläffigfeit eingetreten fein. (Straflos toar bie Xötung 
in 9cottoef)r. 3n 9lt. 52 f)at jemanb einen anberen 
erftodf)en unb läßt nun über biefen ate einen wddener, 
als ben Singreifer, ©eritfjt galten, bamit er burd) beffen 
Verurteilung toegen beS Angriffes felbft als fdjulb* unb 
ftrafloS erfdjeint. 3)aS ®erirf)t fyält aber bie -Jcotroefjr 
nidfjt für erliefen, b) obgleich Kläger Saugen bafür be* 
nennt, bafc er, um bie 9cottoef)r $u conftatieren, fofort 
jodutc over walt unde wolt gerufen Ijabe. c) 

@ng bertoanbt bem Xotfcf)lag ift ber griebebrud), 
ber berein^elt im Sßarbua^e borfommt. @S ift bas jeber 

a) $ero,l. § 227 unfercS Straffle)efobnrf)$. 

b) 3tad) Wremer ift in ^weiter Snftanj allcrbinad Wotroeljr für 
öorlicflcnb erachtet loorbeu. 

c) 3>a3 alte SBort Jodute, bei* SBaffcnntf bei offener $f)at, I)at 
bie benfbar toerfdjiebenften (5rfläruna,en erfahren, tjerajeictye ,v s £. $)teier, 
De iudicio bannitorio, Bremen 1C>7.% ferner ^Pmnner, $entfd)e 9ied}t$' 
gcfrf)id)te, Stonb II, § 110, (ber e$ tojod ute, freist auä, erflärt). 



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16 



$a3 Vieler Storbud) 1465—1646. 



borfäfclidfje Angriff auf Sßerfonen ober ©üter unter 93er* 
lefcung be£ gefefclidfjen ober be£ atoifdfjen ben beteiligten 
befteEjenben befonberen griebenS. 2)er tecfjnifdfje 2lu3bru<f 
bafür ift gewalt (9?r. 52). gn 9h. 25 unb 52 Imnbelt 
e£ fi<f) um brucf) be$ ^pau^friebenS, inäbefonbere be£ 
nädfjtlicijen, um ein Einbringen in SBofmräume bei 
nachtslapender tid. Jgn üftr. 13 !jat ftd^ jemanb mit 
einem anberen, ben er überfallen f)at, ba^in mieber auä* 
geföfynt, megen btefer ©acf)e feine greinbfcfjaft mefjr ju 
liegen, überfällt ifm aber tro& biefer grriebenSoereinbarung 
bei 9lad)t jum ^weiten SÄale. 2)ie ©träfe für gfrtebe* 
brudfj toirb rooljl ©nt^au^tung geroefen feina); menigftenä 
ift in 9lx. 52 nacf) Söremer (93. 60) ber griebebre^er natf)* 
träglid) entfjaulrtet, unb in 9h. 13 tritt 93egnabigung be£ 
Verurteilten ^um Mrd^of ein, bie bei Otabftrafe olme 
gleid^eitige 93egnabigung jum ©d(jroerte nid&t benfbar 
märe, fo bafc alfo bie erfannte ©träfe an fidj fdfjon baä 
©d^mert geroefen fein mu&. 

III. 93ranbftiftung, unb aroar bie Sln^ünbung eines 
ganzen örteä, ift in 9lx. 40 ermähnt. $ie ©träfe roirb rootjl 
ba£ s Jtab gemefen fein, in 9lt. 40 fönnten aHerbingä audEj 
bie fltaubmorbe ben ©runb für bie 9tabftrafe bilben. 
©ine ©traffeftfefcung *>) feJjlt roie im Hamburger Otedjt fo 
audj in ben Sübeder ©tatuten für 93ranbftiftung forooljl 
mie für bie meiften anberen $)elifte, 5. 93. für bie 9ftünj* 
berbredEjen. (Sin foId&eS ftnbet ficf) in 9lx. 34, roo jemanb 
ficf) einen SOlün^ftem^el gemacht Ijat, bie Anfertigung bon 
SO^ünjen ifjm aber mißlang; bie f)ier erfannte ©träfe be3 
£ängen£ ift aber ofjne Sroeifel <* u f bie bon bem Xf)äter 
ferner begangenen ^>iebftät)Ic jurü^ufü^ren. 

Von ©ittlicfjfeitSberbrecfjen fommt bie ©obomiterei 
als; Un^uc^t smifcfjen Männern in 9lx. 34 unb 35 bor, 

a) «erfll. ■•päd) III 390 -392 übet vorsate. 

b) 3>ie (Sarolina, bie 3teid)#rafgerid)t$orbmma, ftarlS V. bon 
1532, fefct auf Söranbftifhma. unb SWüitfttocrbredjcn bie Strafe be$ 
brennend. 



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$er Snljalt be« «arfcudjf*. 



17 



bie ©träfe mar (5mtf)au})tung. $)ie ©träfe beö £ängen£ 
in 9k. 34 ift belegen auf bie $iebftä^le aurücfyufü&ren. 
gerner ift ermähnt SRotyudjt an einer 3unflf™u, unb 
5toar in ibealer Äonfurren^ mit ßljebrud), ba£ ^eigt bon 
©eiten etneä verheirateten 3Jtonne$a); bie (Strafe lägt 
fid) aus 9er. 49 niefct feftfteHen 3u &en religiöfen 
3)eliften wirb bie in 9er. 40 erwähnte ©djänbung einer 
9Jconftran$ $u rennen fein, t>or allem aber Zauberei unb 
£e£erei. $ie ©träfe für biefe lefcteren Verbredjen mar 
ber Jeuertob (.§ad) III 400), bie beiben im Varbud)e oor* 
fommenben gaße (9er. 47, 48) betreffen grauen. *3)er 
regelmäßige Sluäbrurf für Räuberei ift duv^lschu kunste 
bruken unb e£ toirb t)tn$ugefefct „bie gegen ©Ott unb 
ben djriftlicfjen ©tauben gel)en" ober „bie man toor 
frommen Seuten nidjt nennen barf." 9Jtctft finb eä 
©alben, mit benen jemaub beftridjen ober bie in feine 
28ofmung geworfen werben, bamit er in ßtranffieit, 
Unglücf ober fd)led)ten JHuf fommen foll. 2ßenn eä bann 
regelmäßig fcetftt, baß aud) ber geroünfdjte (Erfolg ein* 
getreten ift, fo beruht baö pm Xcil auf Aberglauben, 
be^üglid) ber 3tranff)eiten ift aber ofme Zweifel aud) 
manche Vergiftung bon OJeenfdjeu unb Viel) burd) bie 
©alben, Xränfe k. anzunehmen. 3 m übrigen lag aber 
jebenfalte bei ben #eren bie Abfielt bor, mit jenen Mitteln 
eine ©cf)äbigung herbeizuführen, alfo ein fog. Verfug mit 
untauglichen Mitteln, ©otoeit eä fid) um Räubereien 
fjanbelt, bie anberen Vorteil bringen follen, tyjielt aud) 
ba£ Moment be£ Vetrugeä hinein, wenn ber geroünfdjte 
©rfolg nid)t eingetreten ift unb man ber fingen fixem 
ba£ ©elb umfonft gegeben hat. ©o ^eißt e3 benn aud) 
in 9er. 48, baß jemanb Diele Seute mit feineu teuflifdjen 



a) $ieä ift tvoljl ber 3iun ber SBorte undo harle eno frowe, 
wenn nirfit etwa ein Utfort feljlt. 

b) flad) £ad) III 384 eutyauptunfl. 

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18 



$aö Kieler Sarbud) 1465—1646 



fünften Betrogen Ijata). @m erfjeblicfjer Xeil ber £eren* 
pro^effe t)at fid) aber ofjne.Stoeifel aud) gegen $erfonen 
amdjtet, roeld)e SIbtreibung, SBerf)inberung ber Äonjejjtion 
unb bergleidjen getoerbämäfjig beforgten t>). ©o lieft man 
aud) in 48, bafj eine grau einen äftann d uveische 
kunste gelehrt fjat, dey hey solde bruken tusschen sick 
unde siner ffrawenmit bemüblirfjen unbbielfagenben3ufa$e, 
dey nicht stat fFor fromen luden to seggen. $)ajj aller* 
bingä aud) mancher Unfcfjulbige ber $fta<f)fud)t ober 
2)ummf)eit feiner 90litmenfd)en jum D^fer gefallen ift, 
jeigt un£ 9lr. 66, too eine grau gefoltert wirb, toeil fie 
nad} Eingabe eineä „toetfen 9ftanne£" an ber ^ranf^eit be3 
Q&üttyevm fdjulb fein fotfte. 2Ba3 ba3 Sterfaufen bon 
rottenkrut in 9ft\ 63 für eine Söebeutung l)at, ob 93er* 
giftung ober SBeipIfe ba£u, ob, toie beim Sllraunberfauf, 
Zauberei ober betrug fid) bafjtnter oerbergen, mufc baf)in= 
geftettt bleiben. 3ebenfaH§ liegt ein fdjtoerereS 5)elift 
bor, ba 5Berf)aftung ber Xfjäter ftattgefunben fjat; fonft 
märe eine Eintragung in ba3 SBarbud) rooJjI and) nid)t 
erfolgt. 

3u ermähnen ift fdjlte&Iid) nod) ein £otitif(f)eS fcelift, 
ba£ Söcrben oon £anb£fneef)ten für einen auswärtigen 
gürften unb (Spionage für benfelben. %lad) %lv. 57 mufc 
©raf %l)omaä oon Dlbenburg einen organifierten (Spionage* 
bienft gehabt tyaben, um fid) für einen ^rieg^ug über 
£anb unb Seutc, ifn*e $erteibigung3mittel unb Äampf* 
bereitfdjaft $u orientieren. 

§ 7. ungemeine (Srunbfäfee. 

lieber bie allgemeinen ©runbfäfce be£ ©trafred)te£ 
ift au£ unferem $arbud)e, inte au£ ben meiften Urfunben* 
büd)ern, nid)t oiel ^u entnehmen. $m ©trafred)t galt 

a) SBerfll. ferner oben S. 12 baS über M Wlraunüerfaufcu 
ÖJefafltc unb 9?r. 41 unb 44, tuo 3)iebftä()le crmöfllidjt werben buret) 
bie Storfaieflctunfl, ftfluberfüuftc 511 bcrfteljeit. 

b) »crßi. $ad) 11 247, Cod. U. 



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19 



{ebenfalls nict)t baS alte SßerfonalitätSprincty, ba& jeber 
nact) bem 9tect)te beS SanbeS ober bcr ©tabt, bcr er 
angehörte, gerichtet toerben mußte. 28er in $iel ab* 
geurteilt mürbe*), rourbe es oielmehr nad) Vieler Stecht, 
unb ein Vieler 93ürger, ber auStoärtS verurteilt ruurbe, 
rourbe es nach bortigem 9ted)t. 3)aS Sarbud) befagt 
roenigftenS nichts Gegenteiliges. $afür, baß bie im 
3al)re 1532 oeröffentlichte Carolina, bie fteidjSftrafgcrichtS* 
orbnung ß?arls V., bis 154(5 fict) in ftiel irgenbmie ©in* 
gang t>erfct)afft fyättc, erhellt gleichfalls nichts. 

2BaS fict) über bie ftrafrecf)tlidje 23et)anblung ber 
Former unb ber 2rat)rläffigteit aus bem SBarbudjc ergiebt, 
ift fdjon oben beim Xotfd)lag ermähnt, ©in gaff ber 
fogenannten aberratio ictus, baS h ei & r beS f5ei)lgel)euS 
eines SöurfeS, roirb in 9?r. f>f> ertoäfjnt, mo jemanb 
nac^ einer $erfon mit einem Lecher wirft unb einen 
anberen trifft. £>af3 ber gaff eine befonbere juriftifdje 
SBeljanblung erfahren hätte, ift nirf)t erfidjtlid). ^er SBer* 
fud) toirb mehrfach als befonbercS Moment hervorgehoben. 
^5a§ ber gewollte ©rfolg nicht eingetreten ift, roirb meift 
burd) beu ^ufafc auSgebrüctt, baß eS bem Später nicht 
geglüdt fei, ober bafc er nichts befommen §abc, aber es 
genommen haben mürbe, roenn er etroaS befommen härte; 
einmal Reifet eS, ber Später fei afehejaget (9er. 2). (Srroätjnt 
roirb ber $Berfud) beim $iebftahl (9*r. 2, 44, 4(>, <if>)b), 
bei ber S3ranbfriftung (9er. 40) unb beim 9JMui5üerbrechen 
(9er. 34). £)b ber SBerfucf) milber beftraft rourbe, als baS 
Verbrechen felbft, läßt ficf> nicht erfennen, ba er im 2>ar* 
birche ftets mit bolleubcten Gelitten jitfammentrifft; baß 
er in all biefen gälten frrafbar roar, geht aus ber 3luf= • 
nähme in baS SSarbuct) fyetvov. lieber SeUuatnne 
mehrerer an einem 2)elifte ift oben baS SBcfentliche 
mitgeteilt, alle 9Jetttl)äter mürben bem ^au^tthäter, bem 



a) SS er in Stiel abgeurteilt mürbe, barüber fiefje unten £ 8. 
h) €b in 9ir. 41 *crfud) ober StoUeubunß üorlicflt, bleibt bintfel. 

2* 



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20 



fiHeler Sorfmd) 1466—1646. 



hovctman (!ftr. 53) gleicfjbetjanbelt. 5lnfttftung ^um 
$iebftaf)t fommt in SRr. 20, jum golterntaffen in GH 
bor, bod) ift fte in beiben gälten nidjt baä 28efenttid)e, 
fo bafc über if>re 93eftrafung nidjtä erhellt. 23eifjütfe 
fommt im S8arbud)e nid)t bor, ba gälte toie *ttr. 29, 41, 
too bie 93anbe aufyafjt unb ba£ ©eftofjtene in ©m^fang 
nimmt, als 3ttittfjäterfd)aft aufeufaffen finb. 2tudj 
iöegünftigung unb #et)Ierei finb fd)on oben betjanbelt. 

Sßenn Qemnnb mehrere mit berfdjiebenen ©trafen 
bebrotjte $erbred)en begangen tjatte, fo mürbe, roie mir 
fafjen, entmeber nur bie fdjmerfte (Strafe bertjängt ober 
and), roenigftenä in ber älteren Seit, mehrere neben 
einanber. @in gatt ber ^beatfonturrenj ift oben ©ette 1 7 
ermäfmt, bod) lagt ficr) über bie juriftifd&e »e^anbtung 
bcrfetben au£ ber fraglichen Eintragung nichts entnehmen. 
3lucr) über SBerjä£)rung ergiebt baS SBarbud) nidjtö, ba 
ber 3 e ity im ft/ wann bie Gelitte begangen finb, nie ange* 
geben ift a). $)em tübtfdjen ©trafrecfyte fdjeint bie 93er* 
jätyrung übertjau^t fremb gemefen $u fein. 

§ 8. $C(inaMgung. unb Süljnc. 

SLUe fefjon angebeutet, mar im roeiteften Umfange 
eine iöegnabigung bon ber ernannten ©träfe autäffig, fie 
ftanb, mie mir unten fefjen merben, bem 9iat ber ©tabt 
Miel $u. $m SBarbudje fyanbett e£ fid) meift um eine 
$tegnabigung $u einer mitberen Xobcäart, fo bom Rängen 
pm ©djmert (Wr. 14, 2(5, 28), bom SRab jum ©d)mert 
(dir. ä), bon ber fdjmeren jur leisten s Jiabftrafe (Stfr. i>0, 
* fiefje aud) oben ©. 8) unb ferner 511 einem cf)rlid)en 
s -8egräbniffe be3 £eid)namä auf bem $ird)f)ofe, ba£ bcn 
Eingerichteten an ftct) nid)t 51t Xeit werben burfte. 
©rmäfmt mirb aber aud) SBegnabigung bon ber bertoirften 
^ebenaftrafe überhaupt, fo in *ftr. 48, mo e3 tjeijjt dat 

a) 311 Mt. ;>5 tjei&t es, bafe bie lötuug in vortiden ge|*d)el)ett ift. 



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21 



se los qwam unrlo bvhvM «lat levent. $)te ^egnabigung 
gefdjah regelmäßig nur auf befonbere bitten (bv<\v.) ber 
9lngehÖrigen be$ Xptcrd ober befreunbeter Vürger, in 
^mei fräßen auf Vitten beä £er$ogä (9er. 3, 28), einmal 
aud) be3 glenSburger föateä $u fünften bon 2 glcnö* 
burner Vürgcrn (9er. <>3). £attc ber s Jtat bic Vcgnabigung 
bewilligt, fo liefe er fid) atö ©ntgelt ber Sicherheit falber 
bon f amtlichen Vittftellern ober einem bon ihnen für 
fämtlicfje anberen mit eine fog. Urfehbc fdjroören, 
roomit fie jeber freinbfrfjaft gegen bic (Stabt megen biefer 
Einrichtung entfagten (Sic erfannten an, baß ber 
Verurteilte bie ©träfe, bie erfannt mar, bon iHed)tSrocgen 
„berbient" ^atte (9er. 2<>, 2S), unb fie berichteten fid), 
megen ber Einrichtung feine Slntyrüchc gegen bie (Stabt 
$u machen (9er. 14). (§& mar nämlid) anerfannter 9ted)t& 
fafc, baß bie ©tobt für eine unrechtmäßige Einrichtung 
aufeufommen fyattc. $>enn an fid) unterlag jebc $>in= 
ridjtung ben ©runbfäfcen ber Vlutradje unb beä SBer* 
gelbem (f. u.) gerabe fo roie jeber anbere Xotfdjlag unb 
lourbe i^nen nur burch ben 9cad)roete ber 9techrmäßigfeit 
entzogen b). $aß auch megen erfolgter Verhaftung im 
galle ber greilaffung Urfehbc geleiftct nmrbe, ^eigt um 
9er. (53, mo ber 9tat bon frleneburg ^mei feiner Bürger 
lo£bittet unb bafür megen ber Verhaftung bem Slieler 
9iate Urfehbc leiften muß. 

Völlig au fdheiben bon ber Vegnabigung burch ben 
ftat ift ber frortfall ber (Strafe im ÜBege ber 6ül)ne. 3)ieö 
ift ein Ueberbleibfel ber alten |)ribatred)tlichen Sluffaffung 
ber Verbrechen, nach melcher biefe ^unächft unb mefentlidj 
eine Verlegung be£ burch f* e ®efd)äbigten unb feiner 
Singehörigen finb, unb erft in Reiter Äinie Verlegung 
ber ftaatlichen ©efefce unb Orbnung. Vi£ pm ©nbc beö 

a) <Bkf)e and) unten 6. 23. 

b) (5ief)e borüber meine Wbfynnblunfl S. 31, bod) ergiebt [tri) 
s Jir. 28, bafe bie Urfefybe aud) bei Jpinridjtuitfl üon bürgern ber|elbcn 
Stabt gefchah- 



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22 



$a£ fticter Sarfcudj H66-154R. 



Mittelalters Jat bicfe 5Iuffnffung tfdf> beim Xotfcfjlag 
erhalten, toäfjrenb bie übrigen Gelitte fd)on früher bcn 
prtbarrecfjtltcf) en ©harafter im tüefentltd^ett abgestreift Ratten, 
^eber Xotfrf)lag berechtigte bie SBIutöoerroanbteu beä 
Xoten, feine Sippe, an bem £otfcf)täger bie Blutrache 
$u ootl^iehen unb au£ biefem Xötungärecht ^at firf) erft 
bie ftaatlicfje Sobeöftrafc für $otfcf)lag enttoicfelt, inbem 
ber &taat an Stelle ber Sippe baS Vorliegen be$ 9tecf)te£ 
feftftellte unb bie SöoUftrecfung übernahm a). SBon Hilter* 
^er tonnte fid) bie Sippe aber ihr SBlutracherecht ablaufen 
laffen burrf) ßafjlung beä 2Bergelbe§, getoifferma&en be£ 
^reifes ber Xoten als ©rfafc für ben S8erluft. Slnberer* 
feit£ toaren aber bie Singehörigen «$ur Annahme be£ 
(Selbes nicht verpflichtet; fie tonnten auf Sluöübung bes 
$3lutracherechte3, be^to. in ber fpäteren Reit auf SSoU* 
ftrechtng be3 Sobesftrafe beftehen. Sunt (Mag ber Xobe& 
ftrafe bei Xotfcfjlag mar fonach au&cr ber ©inroitligung 
be$ 9tateö, alö beö Inhabers; ber richterlichen ©ewalt, 
ftetö bie 3ufttmmung ber oerlefcten Sippe erforberlicf). 
(§& trat bann eine fog. Xotfchlagäfühne ein, bie im 
rocfentlichen in gahlung einer ®elbfumme ober ähnlichen 
Stiftungen feitenä be£ XfyatexZ unb in einem ^Ber^icht 
auf irgenbroelchc toeitere Slnfprüefjc fettend ber ^erlefcten 
beftanb. Jöcftimmte 28ergelbtar.en h fl ben in Äübecf unb 
$iel nicht emittiert, ©ine folrfje Sühne tonnte in älterer 
3eit ohne 9ftitnMrfung be£ (Berichtes gefcfjehen, feitbem 
jebod) ba£ Bericht auch ^uf feinen Strafanfprud) oer= 
pichten mufjte, nur unter feiner 9ftitroirhmg. 

Unfer SBarburf) enthält 2 folche Sühnen. 3n 9fr. 50 
nrirb bie Sühne ein vordrach genannt. toirb beutlich 
auägebrücft, baß c£ fich um eine gütliche ©inigung hcwbelt, 
nact)bem junächft ber Sßater bes Xoten unb fein nächfter 
Sölutöberroanbter gegen ben Sfjäter bie tlagc borgebracht 
haben. 2)ic Parteien haben fich bor Bericht barüber 



a) 3iclje bctä Sichere in meiner WbljanMnng §§ 1, 5 ff. 



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$er Stnfalt be* $arbud)f$. 23 

geeinigt, baß ber Später bem SBater bes Xoten 20 mark lub. 
äatjlen foÜ unb fyaben biefen SBergleid) fobann bor bem 
fRate $u SßrototoU gegeben. Die SBertcfcten quittieren 
barin über ben ©ntyfang beä (Mbe£ unb erflären, baß 
pe auf alle SInfyrürfje gegen ben Später beraten. Die 
Formel ift hierbei ä^nltc^, roie bei ben llrfefjbcn a); c3 
toirb ftetä im tarnen ber ganzen &ippc geboren 
undc ungeboren beratet, unb erfTärt, bag man auf 
feiner lei SSeife, toeber bor weltlichem nod) gciftlidjcm 
©eridjte, je flagenb bürgeren unb ben (nun mieber fjer* 
gefteKten) ^rieben o^ne Slrglift ftetig unb feft galten 
tooEe. $u biefen ©rflärungen werben, gleirf)fall£ roie bei 
ben Urfefjbcn, Qeugcn in befrimmter, regelmäßig in geraber 
Qal)l fun^ugesogeu *>). 3n bem s $rotofotle werben bann 
bie fämtlidjen $erfoncn, meiere ben SBer^irfjt auäfpredjen, 
unb bie $eugen mit Tanten aufgeführt. (Solche (Sühnen 
fanben übrigen^ gerabefo bei ^ermunbungen ftatt, auf 
benen bie ©träfe beä ^anbabljauenS ftanb. (Sin foldjer 
%aU pnbet fid) in *flr. 13, roo jemaub einen auberen 
auf offener ©traße überfallen fjat, unb bie Parteien nun 
bom ®erid)t unter 3Jiittoirfung bon 2 bürgern ate 
beugen baju gebraut roerben, fid) 511 engen unb au 
vorwilkoren, roegen beä Ueberfatfeä nid)t meljr to donde 
efte to hatende. Der Xfjäter fann freilid) fein fjeiße* 
93lut nidjt £äf)men, läßt ftc^ nodjmalä $u bem glcidjen 
lleberfatl berleiten unb wirb nun als gricbebrcd)cr 
beftraft (f. 0. ©. 16). 

Diefc 9lnfdjauung führte ^u ber (Sonfequen$, baß bei 
einer Söegnabiguug feitens be£ iKatcä $u einer milberen 
©träfe, aud) bie Slngcfjörigen bei? Getöteten £ufrimmen 
mußten. <&o Ijeißt e3 in 9fr. 50, baß bie greunbe, wie 



a) @. 0. ©. 21. Söet ber Urfefybc fo. 9?r. <>3) tuirb nuf olle 
Angriffe gegen bie Stobt, il)re Witgeljörigeu ober iljr £>ob nub (öut 
oeraic^tet. «ergl. oud) ftolcfä Slrdjiü, s 3b. 5, S. 359. 

b) 3n S^r. 35 finb eä 4, in 9io. 13 nur 2. 



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24 



£a§ SHeler SBarbud) 1466—1640. 



bie (Bippc regelmäßig genannt toirb, auf Sitten ber 
Herren, b. f). be£ (Berichtes, unb oieler frommer Bürger 
geftattet (gegunt) ^aben, baß ber Delinquent oon ber 
fdjroereren $ur leichteren iRabftrafe bcgnabigt ift. 



B. Bas Strafverfahren. 

§ 9. £ie @crid)t$bcrfaffunfl. 

Äiel Umr eine Ianbe£f)errlici)e <Stabta), boch ^at fie 
ftfjon gleich bei ober nad) ber ©rünbung, bie gewöhnlich 
ätoifrfjen 1233 unb 1242 angefefct hrirb, ziemliche (Selb* 
ftänbigfeit erhalten. 3>m 3oh rc 1242 öerKer) ©raf Johann I 
ber (Stabt ba3 Sübifche 3lect)t. Damit empfing 3ttel bie 
£üotfdje OtatSöerfaffung, nad) melier ber 9tat bei 
2tu3übung ber bem ©rafen ^uftehenben ©erichtäbarfeit 
mit£uroirfen hatte; benn in ben Sübecfer Statuten (tgad) 1 00) 
Ijicfe e£, bafc ber lanbeäfjerrliche ©erid)tsbeamte, ber SBogt, 
nur (Bericht galten bürfe, toenn 2 Normannen neben 
ihm fäfcen, um $u fyöten unb gu fefjen, ba& feinem 2lrmen 
ober SReidjen Unrecht gefchelje. (5d)ou 1317 fyat aber 
©raf Sofwmt U« $iel ba£ fftedjt oerliefjcn, ben SBogt 
nad; freiem ©rmeffen ein* unb ab^ufe^en, unb 1318 auch 
bem s Jiat bie gefamte ©erichtä barfett, fotueit ba3 ©tabt* 
recht reifte, abgetreten. Die nottoenbige golge mar, 
äumal bei ber roadjfenbcn politifchen ©elbftänbigfeit ®iel3, 
baß ber SBogt allmählich an 2lnfe(jen unb ©influjj hinter 
bie beiben Dtatäfjerren äurütftrat, ja, baß biefe beiben 
nicht nur de facto bie 9töcf)ter tourben, fonbern felbft 
ben Xitel Richtevoghede ober Richteheren erhielten. 
Der SBogt tourbe fchliepd) auf bie gunftionen beä 
öffentlichen 3lnfläger£ unb be£ Snfjaberä ber SBerfeftuttgä* 
gemalt befcfjränft. $n lefcterer ©igenfdjaft oertrat er 

a) $erßl. 31t bem ftolgenben über bic urfunblidjen Gteunblagen 
töobcnberg, 9Hittfjeilungeu ber ©cfellfdjaft, Jpcft 12. 



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Ter 3nf>alt t>H WarbüM. 



2f> 



aud) ben £anbe£l)errn, 5er ba£ Medjt, ilm ernennen, 
ber (5tabt Äiel 14i>l auäbrürflicf) beftatigt Jjat. $f)at* 
färf)ltrf) rourbe jebotf) ber Vogt fo gut tote gan$ ein 
ftäbtifcfjer Beamter. 

(So entroidelte ftcf> ber $Hcrf)t£$uftanb, tute ifm uns 
ba£ Varbudj ^eigt. ®er SRat tft alleiniger 3 n fJ aoer oer 
®erid)tägetoalt, ifjm ftefjt nidjt mir bie Verurteilung, 
fonbem aud) bie Vegnabigung ^u. %\e erfte 3 ,l ffcm5 
btlbete dat nedderste recht, ba£ *ttiebergerid)t, ba£ mit 
2 Statmannen, ben fog. riehtevogheden, befefct mar. $)iefe* 
9tiebergerid)t fjarte roie in Sübetf") in allen 6traf* 
facfjen bie oofle ©om^eten^, unb ^mar nict)t nur für ba£ 
Vorverfahren, fonbem aud) für bie @ntf Reibung felbft. 
■Ser JHat fmtte aU ^n\)abct ber ©eridjtegetoalt aud) 
ba£ SRedjt, eine ©adje in erfter ^nftan^ an fid) $u ^ic^en »). 
Otegelma'fjig entfdjteb er aber in feiner @tefamtl)eit als 
Vürgermeifter unb föatmannen nur über bie Berufungen 
gegen Urteile be£ *ftiebergerid)tö (Stfr. 24, r>2). 3Me britte 
Snftans bilbete biö 149« ber Süberfer ?Kat (3fct. 24) ; 
$iel Ijatte ein uthgande lubesoh rocht, b. f). feinen 
s Jterf)t^ug nad) auswärts. 3n britter 3nftan£ fanb aber 
nur eine SReoifion, eine <ttad)|)rüfung ber Mcdjtsfragen 
ftatt. C£rft 149b* emanzipierte e$ fidj mit Otenbäburg, 
Dlbesloe unb Qfcefjoe bon &übed, inbem buref) ben 
Sanbeäfjerrn aU britte 3 n fta n ft oa * faß- Vierftäbtegcrid)t 
gegrünbet mürbe. $)er Vogt finbet fiel) nur bei bem 
9tiebergerid)t; er flagt anc), unb er oerfeftet im Tanten 
beS SRateä unb be$ £onbeSl)errn (9?r. T>1). 



a) 33erql. Fretter, ©inleihtnfl, 3. 

b) 2>a3 Sönrburf) enthalt f nft ausKf)tteK(ict) $erf)aub(una,en t>or 
beut yjiebergeric^tc nur v Jh\ f>5 unb <vi »erben fliatauerljonblunflen 
enthalten, faum 9lx. 47. 

c) ÜWr. 31 van der konychlyken walt wegen, b. I). im Warnen 
be$ £anbc$l>erra, weil ber ©ctötete feine ftreunbe Ijatte. 



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2G 



frieler Sarbu$ 14f 5-1540. 



SBei ber Sefefcung be£ 9ftebergerid)te* toerben anberc 
$erfonen aujjer bcn beiben Otatmannen, bcm SBogt nnb 
©eridjtsfrfjreiber ($ac^ II 21. r >) nirfjt ermähnt, unb e£ 
entftefjt bic Steige, ob bie beiben SRatmannen and) bie 
Urteile fällten ober nur bie 5öerfmnblung leiteten, mit 
anberen 28orten, ob eine UrteilSfinbung buref) $ing* 
leute ober (Schöffen ftattfanb, ma£ befanntlid? in ber 
beurfcfyen (&erirf)tsüerfaffung ber älteren 3^it burdjauS bie 
Siegel mar. 5)iefe grage barf beftimmt berneint toerben. 
gür eine 9J?ittoirhmg ber SBürgergemeinbe bei ber Urteile 
finbung faricfjt in ber Ueberliefemng nirf)t£; unb bie 
fyiftorifcfje ©nttoirflung f^ricf>t bagegen. Äicl em^fiug bei 
feiner ®rünbung mit bem £übifcf)en 9tecf)te bie Sübifdfje 
fttats* unb ®erirf)töoerfaffung. ^)er Diät, ber ein 
gröfcereä ftänbigeä Kollegium bilbete, toar ber Bürger* 
fcfjaft gegenüber in allen fingen felbftänbig unb regierte 
olme jebe SWtttoirhmg berfelben. (5o mar benn aud) baä 
*fttebergerid)t nid)t eine $ortbilbung be$ alten SBolfö* 
gerieftes, fonbern lebiglid) ein Organ bcS SRate3 ^ur 
9lu6übung ber tljm felbft ^ufteljenben 9Jlad)tbefugniffe. 
2lurf) in ben anberen ©täbten mit Sübifdjem Üiedjt l)at 
es nie ©tröffen ober fonftige Urtcilpnber gegeben, fonbern 
bic beiben 9iat£f)erren entfcf;ieben felbftänbig unb allein 
ate md)tex a). 3n Sübect felbft ift e£ urtyrünglicf) gleia> 
falls nidjt anberä gemefen; bie eigentümliche Urteile 
finbung buret) ^rocuratoren ift erft tyäteren 3)atum£ 
unb au£ lofalen Söerfjältniffen $u erflärenb). ^udt; ba£ 
SBarbucf) liefert fein anberen 9tef ultat ; e£ fommt nidjtä 
barin bor, toa$ fict) auf Urteilfinbcr am ber Bürger* 
gemeinbe be^iefjen ließe. 9Jcogltcf) märe allerbing£, ba§ 

a) SBergt. ftrenSborff, ©ml. ©. XLV ff. 

b) 3h Sübcrf waren allcrbina,3 im 17. nnb 18. ^afjrfjunbcrr, 
uielleid)t and) fd)on früher beim s JJiebergerirf)t 4 be^w. 6 ^rocuratoren, 
meiere ba$ Urteil 51t fällen Ijatten, fie waren aber gleid^eitig Partei« 
Vertreter. %t)v älterer Warne mar SBorfprafen (Dergl. "söefcler , $eit= 
)d)rift für 9ka)t£gefdnd)te, Söb. 9, 6. 254, 2tiO unb grenSborff, @inl. 



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$?r Siifjnli bf# Starburfies. 



27 



in bcr älteften #eit bie bei ben Verhanblungen anroefenbc 
23ürgerfd)aft, bcr fog. ttmftanbc), einen (Sinfluß auf bie 
>Kecf)tfyrecf)ung gehabt fyat, bte Vermutlich fehr balb bie 
beififcenben fliarmannen an feiner Stelle bie alleinige 
Urteitöftnbung übernahmen. gm SBarbucfje fommt bcr 
Umftanb jebenfatfs nicht mehr bor, eine ättitroirfung ber 
$8ürgerfcf)aft ftnbet oielmehr lebiglich infofem ftatt, aU 
regelmäßig einzelne SBürger als ©eric^t^eugen fungieren. 
Sehr ^öufig ift bon beseien bürgeren, angefeffenen 
bürgern, bie 9iebe. Sie toerben bei ben ©eftänbniffen 
ber SSerbrec^er ate geugen äuge^ogen, femer bei SBer* 
feftungen, Urfehben unb Vergleichen. (S£ h a ^belt fiel) 

S. L 9lnm. 3), unb bie* beutet fd)ou barauf fjin, baß fie aitct ben 
Oon ?Uter3 l)er überfommenen iBorfprafen. ^arteif ürfpred)crn , Ijeroor- 
gegangen finb, unb nid)t umgefet)rt, was einfad) abfurb märe, lote 
«cfelcr ricfjtig fagt. 

3n ben älteren i'übcrfer Statuten werben bie SJorfprafcn aud) 
fdjon erwähnt, aber nie at* Urteilfiuber, foubern nur als« Partei* 
oertreter. ift aud) ausbrüdlid) beftimmt, baft fte in ben 3ad)eu, 
in welchen fic Vertreter finb, nidjt als! Heugen fungieren fönnen 
(.ftaen II <>8). Nation, bafe fie oon ber Urteilsfinbung auögefdjloffen 
wären, ftel)t nirfjtö gefd)riebeu, wäl)rcnb umgefetjrt ben fllatmaunen, 
bie irgenbwie befangen finb, in foldjen Sachen bas Stimmrecht in 
ber ^weiten 3nftang int SKat ausbrürflid) entzogen ift (ftad) III 1 <*>:>). 
flud) fonft finbet ftd) in ben Statuten nirgenbs ein 9lul)alt$punft 
bafür, ban bie SSorfprafen etwa in älterer #eit Urteilfiuber gemefen 
finb, wie benn aud) Breuer, Ifinl., S. 337 ff. ben beweis für bie ISrjftcnj 
befonberer Urteilfiuber ober 3d)öffen in Gilbert uöllig fdjttlbig bleibt. 
Selbft öad) II 59, ber etn^ifle Wrtifel, ber bafür in «erratet fommen 
tonnte, wo e$ tjeifjt, jeber, ber ein fatjdjeä Urteil finbe, muffe bafi'tr 
©ewette $al)len, eö fei benn, baß er befdjwört, %u jener $e\t nid)t 
beffer gewitfjt &i t)aben, beweift bei näherer Betrachtung aud) nid)t$ 
bafür. £enn, wenn es an ftd) fdjon unwaljrfctjeinlid) ift, baß Sdwffeu 
für ftinbung eines uuridjtigcn Urteile beftraft worbeu fein folltcn, fo 
beweift bie ^orm bes 9lrtifel$ im Codex IL, ber oon cleghere, ber 
etwas ftalfdjes oorbringt, fpridjt, bafj biefe Urteil£finbuug lebiglid) 
ber ftlagautrag, ber Antrag auf (Srlnfi eines Urteils ift, feineswegs 
baä, wa$ fonft al$ Urteilsfiubung bezeichnet wirb. 

c) So Ijeifet e$ s JJr. 47 vor allem sweme unb s Jir. <>5 vor 
jedermann. 



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28 



$aS Äieler #arbud> 1465-1646. 



bafcei a6cr eben nur um 3eußttt&, ba£ fjei&r, um ©idjerung 
bes $8eroeife£ für eine pro^effuale Xfjatfadje »), um eine 
Äontrole bcr Urteilsfinbung, nie um bicfe felbft. 

3)a3 für bic 9tetf)ttyrecf)ung burd) ©rfjöffen t^pifc^e 
SBort finden toirb $toar im SBarbudje meljrfadj gebraucht, 
uub ber jenige, melier ba3 Urteil finbet, wirb ber 
n?chtd«lnr am Sftiebergeridjt genannt. Slber e£ toirb ftets 
nur üon bem rechtdeler gefarodjen, unb bte£ toirb ber 
*ftame beäjenigen t>on ben beiben $u ©erid)t fifcenben 
föatmannen getoefen fein, ber ba£ Urteil $u berfünben 
fjatte b) c). ^)enn eä Reifet in 9fr. f>0, baß ber rechtdeler 
ben Slngeflagten gefragt f)at, toa$ er auf bie Auflage ^u 
ertoibern f)abe, toaS nie <Sacf>e etneä Schöffen ober 
(5cf)öffentoortfüf)rers gemefen fein fann, fonbern (Sadje 
beä borfifcenben SRid)ter£, toie e£ benu and) 511m Söeiftnel 
9fr. 2i) fjeifct wy rechlevnghedc hebben ghevraghet d). 

a) SJcrgl. j. 50. bas Beugmfe ber beiben Bürger in 9ir. 24 unb 
ftrenSborff. ©. XXII. 

b) £l)atfäd)lid) wirb cS ftctS bcr (#criri)t*fdu-cibcr oerlcfeu fyabcn, 
ber ja fclbft SRedjtSfunbiger unb mof)l bei ber UrtcilSfättung wefeutlid) 
beteiligt mar. 

c) 3n ben «übeefer Statuten ($ad) 11 58, <i2) Reifet cS, bafe bcr 
JM 0 1 m a n n bas Urteil utghevet ober utsendet, waS fid> nnr auf baS 
Wiebergeridjt be^ie^cn fann; benn .'päd) II <>2 befaßt im Codex U, 
baft gegen foldje Urteile ber Kläger ober ber Wugeflagte Berufung 
au ben 9ftat einlegen fann, unb glcirfjgeftetlt werben biefen Urteilen 
bie auswärtigen Urteile, welche gerietet worden vor rechte edder vor 
rade, alfo bic erft« unb arocitinftan$li(f)en Urteile, fomeit ein Oicdjt^ug 
nad) üiiberf beftefjt. 

d) Unfere 93e^auptung wirb audj burd) baS fonft öortjanbene 
urfunbltdje Material über bie Äicler ®erid)tSoerfaffung beftätigt. 3" 
bem alten Vieler $arrcd)tS<ftormular (ftalcfs 9lrd)iü, 93b. 5, 3. 335) 
werben bic üerfrfjiebcnen ftunftioneu bes SogteS bon Unterbeamten, 
ben fog. ©eridjtsbieueru uerfeljeu, was wof)l fdwu jur $eit beS $$ar> 
bunjeS bcr ^oll gewefeu fein wirb ; einer ift ber Auflager ober ftiScal, 
ein auberer, bcr als ^nfjnber Der SerfcftungSgewalt mit im ©eridjtc 
fifct, fütyrt aud) norf) ben $itcl Sogt. 3)aS ©ericfyt wirb angerebet 
(Slnrbare, 2Bof>l weife, ®rofjgnnftige Herren, ber $erid)tsfd)reiber »er- 
lieft baS Urteil unb bcr Sogt legt ben Angenagten im Warnen beS 



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$er $nija!t be* 8nrbud)e8. 



29 



28ir fommen bemnad) $u bcm Otefultat, bafe jeben* 
falXö in $iel ntc^t burcf) ©tröffen, fonbern buref) bie 
beiben s Jiatmannen ba$ Urteil gebrochen tourbe. Sie 
führen im 5öarbucf)e, toie fdjon gefaßt, ben Xitel vogede, 
richtevogede, richteheren ; ob fie jebeä Qafjr neu getoäfjlt 
tourben, ift mcr)t erfichtlidj, jebenfallä ^aben manche längere 
Qafjre ba3 2lmt inne gehabt »). ;$m Sötte ber 58er* 
fjinberung trat ein anberer s Jtatmann an ihre (Stelle 
(9er. 5«, 58). Steift Reifet e3, „im 3af)re £ toaren ber 
unb ber richtevoghedc l \ ober auch nur, bafj bor ben 
richtevogheden ba£ ®eftänbni£ abgelegt ift, ober e£ toirb 
ftatt ®ericht3bögte toofjl and) einfach (Bericht gefagt. 
3$on ben fonftigen ©erichtöperfonen ift über ben SBogt 
fdjon oben gefprodjen; ber <$ericf)t£f Treiber toirb 3 mal 
ertoäfjnt (9er. 6, 7, 55), aber nur als 8euge für ein 
®eftänbni£ ober einen Vergleich. %zx Scharfrichter toirb 
garniert genannt, tooljl aber ein ®ericht£biener in 9er. 52 
(der stat doner) unb 9er. (50 (bodel). @te ift anzunehmen, 
baß ber in 9er. 51 unb biclleicht auch 9er. 45 oorfommenbc 
vorspreke, ber bon ben ehemaligen Ämtern be* SBogte* 
ba£ be£ 2lnfläger£ übernommen fyatte, unb fonft des 
rades vorspreke ober ffiäcal genannt toirb, ebenfalls ein 
©ericfjtäbiener toar (oergl. (S. 28 Slnm. d). 3)teangefeffenen 
(beseten) Bürger toerben, toie oben gefagt, ftetS nur al£ 
3eugen ertoähnt, e£ r)etgt bon ihnen tughe, tughe hir to 
ober in bywesen, an unde over gewesen, bei ©eftänb* 
niffen ber Slngeflagten regelmäßig mit bem 3 u fafe e dat 
he bekant heft ober de hebben dat gehored, dat he 
bekant heft. $)tefe Bürger tourben $u jeber folgen 



SiimigS unb bc3 «atd fricbloä. 2>a$felbe befagen bic bei ftalcf, S. 359 ff. 
tuiebergegebenen ^rotofotte au$ beut 17. 3at)rt)unbert, wo ebenfalls 
bon (Schöffen ober fonfttgen Urteil finbern feine tftebe ift. 2>ie «er» 
fjanbdtnfl ©. 357 ff. gefdjie^t üor bem SRate unb f)icr tjat ber ältere 
©ericf)t$t)ogt baä Wmt be$ WnflägerS, ber aubere ba$ Wmt be3 SBogtcö. 

a) ©iefje bic nctfjeren Daten unten am ©ajluft beä ^erfonen» 
regifterS. 



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30 



fiieler Waibud) 1466—1646. 



Sättigung befonberä geloben, geeschet, toie ber tetfjnifcfje 
^Lmbxnd lautet. $)ie regelmäßige Safjl rnaren 2, bodj 
finben ftd^ Bei ben betben ^ejen^roaeffen, welche in $iel 
wie in (Schleimig *#olftein bie erften geroefen 511 fein 
fdjemen, 4, 9 unb 32 Vürger aufgeführt, offenbar a) megen 
beä bis ba^in böfltg Unbefannten unb Unerhörten biefcä 
3)eltfte£. SBürger^eugntffe fommen ferner bei Qftei* 
tyrechungen, bei Verzichten auf Weitere Slnfyrüche, bei 
Urfehben unb Verfeftungen b) bor, §kt ift bie &a$l aber 
unregelmäßig, and) fctyeint bie 5lufforberung (geesehet 
unde gebeden) l)iev bielfach bon ben ^Beteiligten au& 
gegangen $u fein (5. 33. 9^r. 51). 

Urfprünglid^ hatte ber Vieler diat gemäß ber 95er* 
leihungMIrfunbe ®raf Johanns II. bon 1318 c) {ebenfalls 
nur bie ®ertcf)tSbarfcit für bie ftrafbaren ^anbtungen, 
bie im Geltungsbereiche beS ©tabtrechteS gefchahen. (Sine 
SluSbehnung erfuhr bie 3uftänbigfcit aber fcfjon balb 
burch bie £anfereceffe be£ 14. gfahrhunbertS unb 
anbere Verträge jmifchen ben <5täbten mit Sübifcfjem 
Stecht d). danach leifteten fid) biefelben infofern $led)t& 
hülfe, als; fie fiel) oerpflichteten, ihre Verfeftungen, griebloS* 
legungen bon Verbrechern e), gegenfeitig auäuerfennen. (53 
fanben bemgemäß aud) auf ®runb auswärtiger Ver* 
feftungen unb bamit wegen ber ausmärte begangenen 
$)elifte in &iel Verhaftungen unb Verurteilungen ftatt. 
<Bo finben mir benn auch im Vorbuche als Xfjatorte für 
bie in $iel beftraften Verbrechen außer £otftein, ins* 
befonbere Dftholftein, namentlich Sttedtlcnburg, Bommern 
unb bie Süneburger ®egenb. 3» einzelnen gälten finb 
bie auswärtigen Verbrechen nur zugleich mit abgeurteilt 

a) $ie* nimmt Dr. Stern in [einer Wnmerfnnfl *u Wremers 
Gf)ronif moljl mit 9ied)t an. 

b) SBergl. ftreussborff, Ginl. ©. XXII 9lnm. 3. 

c) $affe, III 6. 202. 

d) »etfll. bnriiber ftrenSborrf, ©inl. @. XXV. 

e) Jöergl. § II unten. 



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31 



bei Verurteilung toegen etncä in $iel begangenen $)elifte£, 
meift hanbelt e£ fich aber lebiglid) um auSroärtS begangene 
3)elifte, beren Shinbe nur auf ©runb ber Verfeftungen 
na<f) $iel gebrungen fein fann. $)er Ort ber (Ergreifung 
tft nur oerein^elt angegeben. ©3 tft aber flar, baß bte£ 
nur Vieler ©ebiet geroefen fein fann (5. 93. 3lx. 26, 38) 
unb außerbem noch bie näehftc Umgebung, bis in welche 
ftd) bie fafriföe 2Jta<f)t beS Vieler State unb feiner ^oli^et* 
organe erftrecfte (£.58. ^r.40^toifc^enÄieIunb^eitmünfter); 
benn baß s $ribatleute, 93. bie Verlebten, ben Xpter 
bem Vieler ©cricht zugeführt fyaben, roie fie auf ©runb 
ber Verfeftung e£ an fiel) burften, toirb feiten genug bor* 
gefommen fein. 

§ 10. SJoiucrfaljrcit unb $aut>tt>crt)(iiiDIuitß. 

S3ei ben ^ter in S8etrad)t fommenben peinlidjen Vcr* 
brechen bilbetc naturgemäß bie Verhaftung bcö Verbrecher^ 
bie Olegel, ba toegen ber <5rf)mere ber ©träfe ber ^lud)t* 
oerbatf)t ftd) oon felbft rechtfertigte. $)ie Verhaftung 
fanb einmal ftetö ftatt bei l)ant()after Xfyat, b. f). menn 
ber Später auf offener %fyat ertappt rourbc, ferner auf 
©runb einer Verfeftung, bie im Mittelalter unferen 
Haftbefehl erfefcte. ^J)aö erftere roirb im Starbuck bezeichnet 
als gegrepen ober besingen op sehyner dat ober beherilet. 
Sm lederen gatte toirb regelmäßig toeber bie ©rgreifung 
nod) bie Dorhergefjenbe auswärtige Verfeftung ermähnt; 
nur in 9tr. 28 Ijeißt e3 gegrepen. 3)cr Verhaftete mürbe 
bann in bie hechte, hrie bas (Gefängnis l;ieß, gefegt a). 
2Mft mürbe er auch fotfast gemacht (9er. (5(>), b. h- an 
ben güßen gefeffelt ober bie güße in einen Vlod gefteeft. 
5lubernfatt£ toirb gefagt, ber Verbrecher fei up vrien voten 
ober ledieh unde los, toas toof)l in ber Verhanblung ftetS 
ber gall mar. $)er brüte gatt ber Verhaftung mar ber 

a) 3n Nv. 44 fjeiftt eä öon einem G5eiftlic&en geworpen in den 
keyser; bic SJebeutung beS ©orte* ift bunfcl. 



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$a* Vieler >8arbU($ 1465-1646. 



auf Antrag be$ Älägerä. 2Bar bcr Veftfjulbigte ein 
Bürger, fo gefchaf) fie nur, roenn ber Kläger Vürgen 
ftettte (-Jtr. 47), toeil eine grunblo£ beranlaßte geftnahme 
ü)n haftbar mad)te ($adj II 186). 2)ie£ mar eine 
Veftimmung be£ Sübifdjen 9terf)t3 (alse lubes recht inhelf, 
mt. 47). «Bei 9ttdhtbürgern ftfjeint bie Vürgenftellung 
nicht notroenbig getoefen ju fein, menigftenä befagen 
9er. 60 unb 66 nict)t^ barüber. $er regelmäßige 3lu£* 
brurf ift let gripen ober let in dey hechte setten. ^aft* 
entlaffung gefchah gleichfalls gegen Vürgenftellung. £$n 
9er. 57 ift jemanb fencklick nomen unb fifct 10 2Bod)en 
in £aft; er wirb bann uthgeborget buref) 4 Vürgen, 
läßt biefe jeborf) fifcen, offenbar inbem er fid£) 51t ber Ver* 
hanblung nicht ftettte. ©ine Vefdhlagnafjme bon gefto^lenen 
©egenftänben unb freigäbe berfclben nad) ber Verurteilung 
be* XpterS burd) ben 3iat finbet fidj in 9er. 30 a). 

©efängniffe, binnen dey hechte, mürbe ber 
Verhaftete bann bernommen, unb jtoar bon ben ©erichtö* 
bögten in ©egenroart bon 2 ober mehr Vürgern (3. 93. 
9tr. 46, 50); bielfach werben aüerbingS nur bie beiben 
Bürger ermähnt. Sur ©r$toingung eines ©eftänbniffeS 
ift bie golter auch ™ W r pwftg benufct; ermähnt 
mirb fie im Var buche ^uerft 1526, boch ift fie ficher fchon 
früher angeiuanbt morben. 5)er regelmäßige SluSbrucf 
ift pinygen, unb bon bem Verbrecher h^ifet e£, er fyabc 
befannt genodiget unde ungenodiget, b. fj- auf ber golter 
unb nachher. 

3)ie £au£tberhanblung gegen ben Slngeflagten fonnte 
regelmäßig fet)r balb ftattfinben, ba baS Vorberfahren 
nicht biel Seit beantyrudjte, fo ift in 9er. 50 bie Xfyat 
am yjlittivoä) gefchehen unb am grettag finbet bereite 
bie Verurteilung ^tatt Jgm übrigen fcheinen für peinliche 



a) ^ermutlirf) Ijattc ber $ieb bie Stürfc bei bem Sd)ulmiad)er 
in ber S -Bnm$itnf oerfouft ober öerfaufeu mollen unb finb fie bort 
befdjtaßnaljmt. 



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33 



(Badjen einige beftimmte ©erid)t£tage (uthgetekend 9cr. 24) 
beftanben «^u fjabeu. Slber, ba int 5öarbud)e aufjer *D?ontag 
alle Xage ber 2ßod)e of)ne llnterfdneb oorfommen, ift 
an^une^men, bafe ba* ©eridjt aud) fonft im SBebarföfalle 
fofort aufammentrat. 

3m Dermin erfdjienen bann bie Parteien, .Siläger 
unb Slngeflagter, allein ober mit iljren tftedjtöbeiftäuben. 
3n ber uns befd)äftigenben $e\t fonnte nad) £übifdjem 
9ted)t (&ad) III 31H>) jeber wegen fdjroeren ^erbredjen* 
9lngeflagte einen Fürsprechen forbern. @r fonnte aber 
awf) ane vare fid) felbft Oerteibigen, b. i). ber alte 
gormaliämuä, bei bem jebe* falfrfjc 28ort unb jcbc* 
Sterfpredjen bem Slngcflagten fd)abete, unb ber bie 
Fürsprechen, bie beäaoouiert toerben tonnten, nottoenbig 
gemacht Ijatte, galt nidjt mcfjr. s -ßielme^r nmrbe in 
Oiebe unb ©egenrebc lebiglid) ber Sinn ber SBorte beadjter, 
rote überhaupt ba£ SBerfaljren feinearoegä befonber* 
„mittelaltcrlid)" erftfjeint. 3 m s *ttarbud)e ift benn aud) oon 
ben vorspraken toenig $i finben; in 9fr. 4f> faun bamit 
aud) ber vorsprake beö Wate* gemeint fein (f. oben 8. 2 ( .>) 
unb in s J?r. f>2 faun eä aud) ber guuame einer ^erfou 
fein, bie mit einer anberen ^ufammen alö vorhider sines 
rechtes auftritt. 9htr in 9?r. (><> ift ber vorsprake 
miätoeifcüjaft ein ^arteioertreter, aber l)ier für einen 
Slustoärrigen, ber rooljl faum felbft anloefenb mar. ^ie 
Parteien fonnten fid) aud) bnrd) iöeoollmädjtigte oertreten 
(äffen. $n $lv. 24 I>cißt e*, ber Mlägcr fei vuhnechlich, 
er tuirb aud) deghedin^hesinan genannt»), bie Partei 
felbft hovetlude. %n s 2lv. öl tritt für ben iUngcflagtcn 
ein SBertoanbter auf, um ftatt feiner $u antworten, i&enn 
ber Stngeflagte ausbleibt, tjei&t es ftete, bajj aud) niemanb 
oon feiuetroegen erfd)ienen fei, um für ifjn ,yt antworten 



a) Denhodingho ift jebe ^erfjimblinifl (Tagi jiuifri)cn 12 ober 
mcljr Parteien, baljer deghedinghesman ber Vertreter einer Partei 
bei einer fotdjeu. 

3 



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34 



$a« flieler Sarbudj 1465—1546. 



fo. 33. 9?r. in, (>2, <>4). ©in folget Vertreter be£ Slngeflagten 
tonnte naturgemäß nur bie rec^tlidje Unhaltbarfeit ber 
®lage (5. 33. Ücottoer) geltenb machen ober einen ©egen* 
beweis erbringen; gelang bie£ nicht, fo frfjüfete bie Slnwefen* 
heit be3 Vertreters ben abwefenben 5lngeflagten nicht 
bor ber Verfeftung (5. 33. dir. 52). 

3Me $erfon beS SHägerS wirb mcift nicht bezeichnet. 
Ütegclmä&ig ift ed ber «erlebte felbft (9er. 30, 47), im 
gälte be3 £otfchtage£ feine nächften männlichen 2$er* 
Wanbtena) ober frunde, Wie bie <Bippe genannt wirb 
(5. 33. 9?r. 45, 50, 55). «flicht ftagbered)tigt finb bie weib* 
liefen 33erwanbten ober bie ©fycfrau, biefe fönnen fief) 
nur ber öffentlichen ,tlage anfdjlie&en (9tr. 30). $>enn 
Wenn ber Xote feine frunde hatte, flagte, Wie eS in 
ftr. 31 Reifet, nach Äübifchem fechte b) bie fönigliche ©ewatt, 
b. h- oer 3$ogt; baSfelbe Wirb ferner ftets; ber Sali 
geWefcn fein, Wenn jemanb auf ©runb einer auswärtigen 
33erfeftung ergriffen unb bie 3Serlefcten abtoefenb waren, 
alfo namentlich in ben bieten gälten beS 3)iebftahte3, 
Welche im 3Sarbucf)e borfommen, ohne baß ein Kläger 
genannt wirb. 3m übrigen burfte eine öffentliche Mage 
nicht erhoben werben, wenn bie Verlebten nicht flagen 
wollten unb baS Bericht auch fonft nicht irgenbwie mit 
ber (Sache befaßt War (5. 33. 9Zr. 52) c). 

$)ic Skrfjanblung begann bamit, baß ba£ Bericht 
orbnungSmäßtg gehegt (9er. 51), b. h-, oaß griebe unb 
s Jiuf)e geboten würbe. 9Jceift Würbe Lust (— Sauften) 
geboten unb Unlust berboten, aus bem 17. Sahrfjunbert 
ift aus Äiet überliefert, baß bcr ®ericht3biener 3 mal 
Unlust rief (ftalcte Slrcfjib, 33anb 5 ©. 357 ff.), darauf 
brachte ber Kläger feine Älagc bor unb verlangte eine 
©ntfeheibung nach Sübifchem 9iccf)te; bie 9Iu3brücfc bc£ 



a) ©. bariiber meine Slbtyanbtunfl ©. 33 ff. 

b) SBerflf. meine HbljanMmtfl 6. 28. 

c) 58crßl. baef Wäfjevc in meiner \Hbt)nnblnng S. 12. 



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$er 3"f)Qtt beS SJorbucM. 



35 



$ßaxbüä)tö ftnb beelaghen, claghen, anclaghen, anspreken, 
ber Qu\a% in sin vrighe hogheste bebeutet ben Eintrag 
auf Xobeöftrafe. 3n Stfr. 50 ftellen bic Mäger Bürgen, 
cren recht to folgen, b. f). bie baäfelbe rerfjtlitfje ©efcfyitf 
erfahren, mit anbereu Sßorten ebenfo haftbar fein fottten, 
inte bie Mager felbft; benu uad) Sübififjem SKedjte uerfiel 
in (Strafe, roer mit feiner .tlage nicfjt burtf)brang, roenn 
er nicfjt burdf) ©ib nad^roieä, bag er in gutem (Glauben 
roar, als er $lage erfjob (f. o. <5. 27 3lnm. b). 

•ftad) bem Kläger rourbe ber Slngcflagte gefragt, 
roaä er auf bie Mage erroibere (9?r. 50), ober feinem 
Vertreter ba$ SBort vergunt (9?r. 51). 3n ben meiften 
gälten beS SBarburfjeS geftetyt ber SlngeHagte bic Xfjat 
ein, roa£ aufjer ber golter roofjl bie ausroärtigen $er* 
feftungen (f. unten) betoirften, bie bem (^eriifjte aud) uon 
SBerbrec^en in entfernten ©egenben .ftunbc gaben unb 
jeben ©egenberoetä auSfcfjloffen. ©inmal roirb ein frütycrcö 
©eftänbnte beriefen, unb bie beiben 3eugen beffelben 
befdjroören e£ jubem nod) t»or ©erirf)t (9?r. 24). $ie 
Sluäbrütfe ftnb bekant, thoslan, bekantnis, ghudede ober 
segle ja. Slufjcr bem ©eftänbniffe fommen als 53ctt)ei«= 
mittel nur bie Saugen oor^X dagegen finbet firf) oon 
bem alten 58etoei3t>erfafjren burd) ^arteteib unb ©ibe*- 
Ijelfcr nichts mefjr bor; m'elmeljr Reifet e£ in 9?r. 24, ba& 
Kläger ein früheres ©eftänbntS beroeifen unb bamit 
geroinnen ober ncrlieren roill, unb ba3 ©erirfjt erfennt, 
bafe, roenn tiefet ©eftänbnte erroiefen roirb, rocitcre ®itt« 
roenbungen be£ Slngeflagten nidf)t gehört werben foüen 
(noch achte ofte vorsprake geneten) l>). 2)er terfjnifdje 
Sluäbrutf für ben geugenberoeiö ift overtughen. 3$on ben 

a) 3n 9lr. 30 Ijcifjt eö de schinbaren dat was tor stedo, bod) 
ift nic^t Hör, ob es; fidj babei um einen rid)terlid)en Wuflcnföcin 
Rubelt; öerrnntüd) mar ber 2>ieb abgefaßt, als er bie $äntc urrfmtfen 
wollte. 

b) (Sbenfo 9?r. 52 wat dey tugeden, solde erno wol unde 

we don. 

3* 



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$>ci$ Mieter »arbud) I4fiö — 164Ö. 



Sengen Wirb meift gefagt, baß fie bei ber Xfjat an undc 
over gewesen finb (Stfr. 1 B) ; benn alä Saugen $u Ungunften 
be3 Slngeflagten gab eS nur 3 eu 9 en & cr $h<rt/ Wirflid)e 
Slugenaeugen {%lx. 52), Währenb ein ignbiaienbeWeiS, ber 
$ur Verurteilung beä 2lngeflagten genügt hätte, unbefannt 
War. ^)ie bon bem Slngeflagren jur ©ntlafrung benannten 
3eugen Werben aber bielfach auch einen 5llibibetoei£, b. fy. 
einen VeWeiS, baß ber Slngeflagte $ur Qeit ber Xfjar 
nirf)t am Sljatorte geWefen fei, erbracht haben (5. 33. 9lr. 51). 
3)te 3 eu Q en Würben entWeber Oorgelabcn (geeschet 9er. 52) 
ober oon ber Partei mitgebracht (9tr. 51). ©ertc^t^eugen, 
bie entWeber eine bor (Bericht gefcf)ehene Xl;atfac^e 
befunben (9er. 24) ober im Auftrage be3 ®erid)tö einen 
3eugen fcernommeu ober einen Slugenfchein eingenommen 
haben, fommen mehrfach bor. ©0 werben in 9er. 52 
2 augefeffeue Bürger mit einem ®erid)t£biener au*gefanbt, 
um befdjäbigungcn an einer Xf)ür $u fonftatieren. ferner 
Werben Bürger and) ^ur Vernehmung ehteö Beugen 
gefaubt, ber oorau*fid)tlid) ^ur 3ett ber Verhanblung 
nidjt me^r leben Wirb; in gälten le&terer Slrt gefd)iel)t 
c* ium Xeil auf Veranlaffung berjenigen beteiligten, bie 
etwa einer Sdjulb an bem Xobc bc* 3e"ße" be<$irf)tigt 
werben fönnten. ^Regelmäßig Werben bie 3 cll H en beeibigt, 
fie fd)Woreu bei ®ott uub ben ^eiligen (9k. 52, 5(>, 5S), 
unb ^War gefdjah bie$ lejjterc and) nod) nad) (Einführung 
ber Deformation. Sie mußten babei einen 5lrm au** 
ftreefen unb mit bem anbereu eiu fttu^ifir. ober ^eiligen* 
bilb anfaffeu. grauen legten bie eine $anb auf bie 
5öruft unb berührten mit ber anbeten ba$ ^eiligcnbilb. Vor 
ber Vereibigung würben fie crmahnt, bie SSSahrfjeit $u 
fagen (9h\ 52), ba fie bor bem ®ertd;te (Rottes fonft al£ 
SLKcineibige befannt fein unb aud) er recht lo dotule, 
b. h- oer irbifdjen Strafe nid)t entgehen Würben. $>ic 
ihrem Xobe nahen 3 cll gen, °i c außerhalb bc-S ($erid)ts 
oernommen Würben, würben nur bei ihrer Seelen Seligfeit 
toermaljnt uub uid)t beeibigt; ihre Antwort auf bie Ver* 



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$cr Ssnljdt be$ «orbiirtjr^. 



37 



mafjnung ift im $arbud)e regelmäßig, bafi fic frürjlid) 
auf ibr Beuante ftcrben motlcn (9fr. r>4, öfi, f>H). (Sin 
^ct^irfjt einer gartet auf s -tteeibigung fommt in 9h\ r>1 
unb ;~>4 oor, man will ben «Beugen fo glauben, beut £otcn 
feinen ©ib narfjfcnbcn ober feine «Seele nirfjt mit @ib 
befeueren. 

2Bar ber 2Ingeflagtc überführt, fo rourbc er vorwonnen 
mit ordel unde recht ober mit allem In besehen rechte, 
iuic bas ^öarburf) Jagt, b. f). na vlitiger vorhorynj?e nnde 
andaeht (9fr. 24) mürbe nad) £übifrfjem tttedjt ba* Urteil 
gefällt. 2)ic 2ln§brüdc für baä Urteiltyrcdjcn finb fcf)r 
Derfrfjieben vorordclen, linden, vor recht afseghen, delen, 
afspreken u. f. tu. 3Mc ftreifyredmng iuirb bejeidmet 
al* ledicli nnde los delen, einmal mit bem gufaftc 
sine« lives vare (9fr. 24), b. f). oon ber ®cfat)r ber Xobc*; 
ftrafc. 'Sie 2ßirfung ber greityredjung tft, baf$ ber 
Slngeüagte nun mach gan unde stan to dem Kile uth 
nnde in unb aud) in aßen anberen Orten £übifd)eu 
9terf)te$, obne eine neue ftlage gewärtigen 31t muffen 
(9fr. f>l). ©rfolgte eine grcifyred)ung, fo fonutc ber 
Slngcflagte babei aud) Scuß™ äu^ieljcn, bie fpätcr mürben 
befcfyroören tonnen, ba& er freigetyrodjen fei «i). 

2ßar eine ber Parteien mit beut Urteil nirfjt aufrieben 
(hadde nen benoghent). fo tonnte fic eä fdjeltcn, b. f). an 
bie l)ötjere Snftaity bringen unb fid) bort eine* befferen 
Urtetfö vorhopen. $ic $crt)anblung Ooll^tef)t fiel) aud) 
Hör ben oberen ^nftanjen in ftorm Oon JRcbe unb ®cgcn* 
rebe, bod) Jjat fid) ber in britter Jgnftana cntfrfjeibenbc 
»tat Siübed {ebenfalls (f. 33. 9fr. 24 unb 9Jfid)elfcn, 
^übetfer Oberljof) nur mit ben !ffted)t£fragcn befaßt unb 
bie tf)arfäd)Iirfjc ©ntfdjetbuug ben Untergeridjtcn über- 
Ioffcn. 3)aä gcfd)oltene Urteil tourbc enttueber by vuller- 

a) etiuaö ätmlirf-e* wie eine ©inftetlunß bes »crfotjrcnö (ieflt 
in 9h. t7 öor, wo jemmib ju ^rotofoll unb oor 3c«fl«i erflärt, bafc 
er fleflen eine beftiinnite $erfon, bie im «erbadjt ber ßemberei 
neftonbeii su Ijaben fdjeint, nict)t« 3d)tedjteö befimbeu fömic. 



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38 



$>o3 fficler «arbudj 1466—1546. 



macht gefunben ober e£ ftmrbe ein embereä Urteil abgefegt. 
9Jät bem Öübecfer Urteil erfchien bie Partei lieber bei 
bem Sttiebcrgericht tmb e3 tourbe bann na sodanes rechtes 
utsprakc cntfcf)ieben. 

SBnrbe ber SIngeflagte verurteilt, fo mufjte er liden 
dat recht is (9er. 24), er tourbe hinaufgeführt auf bie 
9iicf)tftätte (stede dar he sterven solde), bort toof)l noch 
einmal gefragt, ob er ber Xf)äter fei (9er. 29, 50), unb 
bann geben if)m ordel unde recht feine (Strafe. Über 
bie Soften beä Verfahrens* hrirb feiten ettoaä bemerft, 
nur £toetmnl i^ei^t e3, ba& ber Kläger aEe unghelt ober 
senden befahlt l;at. 3>n oem einen gaße (fflx. 30) ift e3 
ber £>cr^og, ber einen feiner Äcute Rängen lägt, ju beffeu 
Aburteilung bie ©tabt iootjX faum öerpflictjtet mar, in 
bem anberen (9tr. 50) beftehen Angehörige eine£ (Getöteten 
auf ber Einrichtung unb laffen fiel) nur git einer milberen 
21 rt bcrfelben betoegen. 3)ie Soften werben im toefent* 
liefen mofjl bie Gebühren beö ®crichtöbicner£ unb bcö 
<5cr)arfncl)terö getoefen fein. 

§ 11. ftancdjt unö Vrrfrftuitß. 

©in befonbereö Verfahren bilbet ba$ fogenannte 
Starrest. Varrecht bebeutet oermutlich ©efaf)rgericf)t a), 
ein Bericht, ba£ einer Sßerfon (Gefahr, unb fltoar ©efaljr 
it)rc^ &cben£ (f. oben ©. 37), bringt. $)ie£ mar an fiefj 
ja in allen peinlichen ©adjen ber fjatt, e3 muß aber 
bahingeftettt bleiben, ob ber 9lu*brucf fich in älterer 
3cit auf alle peinlichen £>alSgerichte belogen fyatb). S" 
unferem Vorbuche (9er. 45, 51, 52, 54, 56, 58, 61, (52, 54, 66) 
unb ben $arrctf)t£-gormularen, bie um u. a. aus* $iel 
(galcfö SlrchiO, *8b. 5 6. 354 ff.) unb Sübecf (0. 9JeeIic, 

a) Stafll. Qitcl) unten § 12. 

b) 3nt üübeder Üiarrcd>t*> Formular Ijeifit e$ 511 Äufanfl : Nachdem 
man allhier eine Sache soll offenbaren, die an das freye 
Höchste geht. 



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$cr Stroit m «orbiidic^. 



39 



©rünblidjc Sftacfjrirfjten toon Sübecf, 6. 441 ff.) überliefert 
finb, bebeutet 3tarred)t nur bic ®crirf)t*nerl)anblung, bic 
über einen oor ©erid)t gebrannten &eid)nam abgehalten 
rourbe. 2)nbet ergtebt fid) ber Unterfrfjieb, bafc baä 
£übecfer gormular unb ba* ^ßarbud) aurf) "Salle umfaffen, 
in benen feine britte Sßerfon an bent Xobe frfjulb fein 
fonnte, baö Vieler gormular bagegen nur bcn offen* 
fuubigen Xotftfjlag in peinlichen Totschlagssachen, wenn 
man über einen Kntlcibtcn Hecht hält und spricht. 
SWcrbiuga ift in Süberf Watet, im ^re 1(519, eine 
SBcrorbnung erlnffen toorben, bog in 3»h"tft &ci offen- 
funbin ourt ^ «Sufatl erfolgten Rötungen ein s #arrerf)t nirfjt 
mefjr gehalten werben follte CBrctjcr, (Einleitung (5. 41 1>). 

nmrbc bamit ein cingefdjliif)ener SDttfcbraurf) abgetan, 
ber mit bem alten Tanten wenig gemein fyatte, bod) fyat 
er, roie unfev 2$arburf) ergiebt, jebenfattö and) in SWel 
beftanben. SluffaUenb ift, baß in unferem $arburf)e ber 
5lu£brucf ein ITar (ober var) recht halten ober hegen erft 
Don s Jlt. 51 (au£ bem Qaijxe 153(5) au oorfommt, roäfyrenb 
er bte bal)in felbft in (Eintragungen, bic £toeifcUo4 ein 
SBarredjt fd)ilbern, 5. $8. 9?r. 45, nirgenbS fid) finbet. 
9ftögluf) märe, ba& erft oon biefer Seit an ber oben 
gcfennaeirfjnete engere begriff mit bem Söorte iöarrerfjt 
berbunben ift, boer) mu& bic£ mangels weiteren s JMaterial3 
bafjingefteßt bleiben. 

3)a£ 5Barrerf)t f)at in ber gorm, tote baS s I*arburf) 
e£ uns bietet, ^roeierlct Aufgaben, einmal 511 fonftatieren, 
06 ein ftrafbarer Xotfrf)lag borliegt, unb ferner baxan 
anfrfjlic&enb ba£ Verfahren gegen ben mutmafclidjen Spter. 
3)ic£ $eigt ftf)on bie Xfyatfacfye, ba& ba3 SBarrerfjt balb 
über bcn Xoten, balb über ben X^äter unb anberfeitä balb 
auf Antrag ber Slngefjörigen be£ £oten ober ber öffentlichen 
bemalt, balb auf Eintrag beffen, ber ficr) Dom SBerbarfjt 
ber Sptcrfcfjaft reinigen toill, gehalten toirb. ^Regelmäßig 
tourbe ber 2exd)\\am bor ®ericf)t gebracht (9er. 45, 51), 
üiclfarf) bereite im 6arge (9ir. 54, 5(5, 58); fyäter mag 



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40 



3>o« ffieler Sorbit* 14fi5-1546. 



es nicf)t mef)r abfoluteS Erforberuiö getoefen fein (in 
9?r. (><> 5. $3. ift es jicmlid) unroafyrfctyeiulirf)) ; überliefert 
ift es aber ^. 33. nod) aus bem H»80 (S 0 ^^ 

2lrd)ib, iöb. 5 ©. -3(>0). 2)cr 3merf biefer **cid)cnfd)au 
hxir bic .ftonftaticrung beS XobeS, imb ^mar beS geroalt* 
famen, ben ber Slngeflagte auf biefc SBeife meift nirfjt 
beftreiten tonnte. 

5m #ufammcnf)ange hiermit ftefjt baS fog. Geljen 
51t bem 6rf)cinc ober baS SBafjrrecfyt, bei welchem ber 
mutmaßliche Xfjäter borgelabeu würbe lo dem seyne ober 
bei bem Xoten to seyne to gande (5. 33. 9?r. Ol, 02), 
es mar bieS ein altes Gottesurteil. 23eftritt ber 58efd)ulbigte 
ben Xotfcfylag, fo mußte er auf bie 2cid)e feine ,§anb 
legen unb Gott unb bie ^eiligen befdjroören, baß ber 
Mörder ein 3eid)en üon geben möge, toenn er an 
bem Xobe fdjulb fei (bergl. $)ret)cr, Einleitung ©. 41V ff.). 
Gab bie ^eidje ein 3eid)en, fo mar apenbar seyn bor= 
tjanben (9er. i>2), es mar fo gut mie fyantfjaftc Xfjat. 
28ar ber Xfjäter gur $eit unbefannt ober cnttotd)en, fo 
mürbe ber Seidje regelmäßig, menn bie Slnge^örigen beS 
Xoten nidjt barauf berichteten (9?r. 58), eine #anb abgelbft, 
bei ineld)er tyäter ber beS XotfdjIagcS 93efd)ulbigte $u 
©djeine gefjen mußte (9lr. 4f>, 58), menn er ben £ot* 
fdjlag beftritt. ®ie Gottesurteile, bon benen übrigens 
aus Miel nur baS 23af)rred)t überliefert ift, maren eine 
ätoeifdmcibige 2ßaffe, bie beim Mißlingen ofme rocitereS 
^ur #reifyred)ung führte unb gegen ben Mager auSfdjlug. 
tiefer mußte bafjer Bürgen ftellen, menn er baS Gefyeu 
flum ©djeine Verlangte (2)ret)er, Einleitung ©. 418). 3)aS 
s -8al)rred)t mirb aud) roofjl nur feiten borgefommen fein; im 
SBarbudje ift fein $aß überliefert, bielmefjr umgefeljrt 
mehrere, in benen es uicfyt borgenommen ift 93. SRr.öl, 52). 
@S braudjt faum gefagt $u merben, baß bie Slntoefenljeit 
ber #eid)c bei ber SBerfjanöhmg aud) bie SBirfung fyaben 
tonnte, ben Xfjäter, ber angeftajtS ber £eid)e bie Xfjat 
abfdjmören fottte, jum Geftänbniffe 511 bringen. 



1 



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Ter 3nt)olt t>r* Wiirbiiärtf. 



41 



£>atte bies 23af)rred)t ftattgefuuben, fo hmr bamit bic 
©adje entfdjicben, e* lag Ijantljaftc Sfjat ober ber ®egen* 
bewete bor. 'Stas weitere Verfahren be£ 3tarred)te* griff 
fomit nur $lafc, wenn fein s -8af)rred)t ftattgefunben hatte. 
3)a$ $arred)t boflaog fid) enttoeber gan,} in ben oben 
bargcfteHten formen beä Anflageberfahrens ober e$ 
würben ^unädhft iöetoeife aufgenommen unb berhanbelt, 
ob eine fdjulbhaftc Xötung borlag ober nirf)t. Jn ben 
31t teuerer Art gehörigen ^äüen beä U$arbud)eö (Wr. r>4, 
ö<>, öS) hanbelt e£ fid) ftets um Jöerunßlürfen bon ©efelleu 
ober Lehrlingen, bie an ben folgen be* Unglüctefalle* 
(bom s 43aum ober iöoben herabfallen) geftorben finb, 
wobei feft^uftellen war, ob ben SZfteifter ober feine 
Angehörigen eine (£djulb an beut Unglürfäfall traf, 
finb jebeSmal borljer bom &exid)t ober im Auftrage bcö 
s ifteifterä Bürger ^u bem Gerung türften gefanbt, bie ihn 
barüber befragen, ob er bem 9J?eifter ober fonft jemanb 
an feinem Xobe fdmlb gebe, ^iea gefdu'efjt pr Sicherung 
beö s -8etoeife3, ba ber Sßerunglürfte fclbft borauäfid)tüd) 
in ber 2$erf)anblung nicht mehr zugegen fein fann, unb 
in legerer befunben bann bie Seugen unter (Sib ober 
unter ^er^ia^t auf bie Sceibigung, ma3 ber Söerunglücftc 
erflärt l)at. 3n aßen 3 gälten finb bie s 4$erfonen burrf) 
eigene Unborfichtigfeit berunglürft; bie Üfteifter werben 
bafter Oon allen Anftrüdjen losgebrochen, nachbem fic 
ben berbienten £ol>n be* SBerunglürften auf ben 6arg gelegt 
haben. SBon bem (Sarge nehmen bann bie Angehörigen 
ben Lohn in ©mpfang, unb ^toar unter benfelbeu 
üuittungöformalien, wie bei Auszahlung be£ 8ühnegclbcs 
(f. o. ©. 23) ober, wenn Angehörige nicht anmefenb finb, 
wirb er bei (Bericht betoniert ( s J?r. f>4, ;V>, f>8). Xeilweife 
beraten auch noch bie Angehörigen auf jeben Anfyrud) 
gegen ben bermeintüdjen 8d)ulbigeu. 

3)a£ SBarredjt fdjlie&t ftete mit einem Ausfarud) beö 
s Jüchtcr3, bajj ber Xotc begraben werben fülle s &. 9er. 52, 
bergl. b. Spelle <S. 444). s Mxb bas Vorliegen einer 



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42 Vieler «arbiid) 1466—1646. 



ftrafbaren $anblung fonftatiert, fo toirb aufcerbem bcr 
Xfjäter Verurteilt ober freigefrrocfyen »), über, toenn ab* 
toefenb, berfeftet, unb nur toenn fein genügenber Sln^alt 
für bie £rjäterfd)aft einer Sßerfon borfjanben tft, fd)liefjt 
ba3 5öarred)t ergebnislos. 

©in toeitereä befonbereä SBcrfafjrcn tft baS SterfeftungS* 
berfafjren. 93et ber geringen 3lu3bel)nung ber meiften 
unter ben ^a^Hofen beutfdjeu Territorien toar ber 2$er* 
bredjer, toeldjem e£ gelang, nad) bottbrad)ter Xfjat in ein 
anbereS Stabt* ober Sanbgebiet $u entfommcn, bor jeber 
Söeftrafung fidjer, unb fefjrte er fyäter surürf, fo toar ber 
SöetoeiS, ba f)antfjafte Xfyat xüdjt mef)r borlag, fefyr 
frf)toierig. tiefem Langel, ber norij burd) 5Ifrjlrecr)te 
unb burd) bie fcljr Verbreitete, in ben ©üben bielfad) $u 
einer $flid)t gegen bie ©ilbemitglieber auSgebilbete 
Xenbcn^, ben Mitbürgern bie gludjt 51t erleichtern, ber- 
ftärft mürbe, tjalf bie SBerfeftung ab. @3 toar bie£ ein 
.STontmua^ialbcrfafjren gegen ben Xfjäter, ber geweken 
ober vorfluchtich geworden toar (5. 5ö. 9er. 45, 55, (31, 62). 
SSar ein 3$erbretf)en, ba£ mit SeibeSftrafe bcbroljt toar, 
begangen, ofjne baß bcr Später auf Ijantfjafter %fyat gefaxt 
toar, fo tourbe ber Später auf Eintrag be£ Sterletten 
511 brei Sftnlen (9fr. 51) bor ®erid)t gelaben (in deine 
rechte geesehet). ©rfd)icn er aud) bei ber britten Sabung 
nirfjt ober niemanb für ifni, fo tourbe bie $lagc gegen 
ifjn borgebradjt unb baS ®erid)t berfünbete fein Urteil 
balu'n, bafj ber s #ogt ben Xljätcr friebloö legen folle. 
S>ieS tf;at bann ber $ogt, inbem er aufftanb unb eine 
feftftefjenbe Formel tyrad), 5. 58.: So sta ick hyr van wegen 
mynes genedigen heren unde des rades to deine kyle 
unde lege hir ffredelos X. Y. to deine ersten mal unde 
to deine anderen mal unde to deme derden mal, geynen 
ft'rede to lieben in lubeschem rechte off anderem rechte, 

a) 3»t 9ir. 52 wirb bcr Zote oon ber Annage ber ®en>altu)at 
freißcjprotfjcu unb erfamtt, bafj ber 9(nf(äßcr, bcr ftd) nnf Wotiuer 
berief, fcIDft bcr Sdjulbige fei unb beiiißcniäfe uerfolgt werben foüe. 



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$rr Sntjolt be* $*arbud)e$. 43 



in korken off kluscn"), in velde, in bnssehe. in broke, 
in torve off twigc off normen geynen plus to hoben i>) 
(9tr. 51). <&d)t\e%l\d) tourbe bie 3rrieblo«3legung naefj 
£übif(f)em 9ted)t buref) häuten mit ber ©erirfjteglotfe c) 
befannt gemacht (9fr. Ol, 62, 64). ®ic golße ber ftrieblo^ 
legung mar im altbeutfdjen Sftecfjte, baß ber 5&erbrecrjer, 
mett er ber obrig!eitlicr)en Labung nietet folgte imb ftcr) 
fomit au&erljalb ber s Jterf)t$gemeinfrf)aft ftellte, rerf)tlo£ 
unb uogelfreid) tourbe, fo baß tfm jeber ungeftraft tot- 
fdjlagen burfte. %m 9fltttelalter toar bie 3folge im 
allgemeinen e) nur bie , baß ben SBcrfeftcten jeber oer* 
fjaften unb oor ®ericf)t 6ringen burfte. ©0 Reifst e£ amfj 
in %lx. 45 ene ffolgen also morder, in Sftr. öl war liey 
sey ffunde, sey moehle antasten unde er reelit to donde 
unb in %lv. 64 wor ine enne besloge, mochte sey enne 
an laten tasten unde recht uiyt eine to bruken. 5)ic 
Weitere SBirfung ber SBerfeftung mar aber, bafc ber Xfjäter, 
roie bei fyantfjafter Xf)at, 00m SHeinigungäeibe auägefrfjloffen 
mürbe unb infolgebeffen bei ber großen ©cfjmtcrigfeit, 
welche bie gü^rung etneä anberen ®egenbetoeifc3 machte, 
in ber Siegel ber 9lad)toeis, baß bie iBerfeftung erfolgt 
mar, ^nr Verurteilung genügte, tiefer 9tacfjtoei3 tonnte 
urfprüngltd) nur burcr) bie bei ber SBerfeftung zugezogenen 
Beugen (9fr. 51) erbracht toerbenf); ferjon balb toerben 
aber bie über bie SBerfeftung aufgenommenen amtlichen 

a) hiermit tft auönebrfifft , bafj baS fircf)Iirf)e ^lft)lrcd)t üor beut 
iiiibifdjen SKedjt feine töraft Ijabeu imb bem 3$erbrea)er niajt 511 (Jhite 
fontmeu foütc. 

b) 2er SKkutlaut ber Wormeln frf>eint im i'aufe ber Reiten fcfjr 
ßewedjfelt 311 tjabeu (ocra.1. j. U u. Riefle 3. 419 u. Mnm. unb ftalcfä 
Nrdjit), «b. 5 2. 35«;. 

c) SBic eä fd)eint 9 mal (uer^l. ftalcf 3. M2). 

d) So Reifet es» in einem iitibeder Formular will ich dich hiemit 
frey machen wie einen Vogel in der Luft (u. hielte S. 449). 

e) «crfll. ftrenaborff, (Sinl. S. LV f. 

f) »erfll. ftren*borff, (Jini. 3. XXII, XXVII. UrfprünaHd) 
mußten es! ber Soflt unb Turner fein, fpoter nad) (Siiifü^rnitcj ber 
amtlichen Vlufaeidmungcn werben aber aud) in üübeef 2 «ürfler flcniiflt 
Ijaben, wie auaj ba$ ÜKarbud) weift nur 2 oufweift. 



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44 



$a$ Ätefcr farblich !4<>r> — 



$rotof'olle bcn 93cmei3 burcf) bie Reuden erfefct Ijaben, 
toenn biefc nid)t mefjr oorfjanben hmrena). Hur 9?ot* 
roenbigfeit mürbe bie£ bei ben auswärtigen SBerfeftungen, 
ba bie jebcämalige 9lntoefenl)eit ber auätoärtigen Bürger 
eine unburdjfüfjrbare Saft geroefen märe. 2öic bereits 
oben ©. ;30 erroäfjnt ift, leisteten fd)on feit beut 13. ^a^r« 
fyunbert auf ©runb oon Verträgen bie ©täbte be£ 
Sübifdjen SKecr)t£ unb cbenfo auf ®ruub ber ^rnnfere^effc 
bie £>aufeftöbte einanber in rocitgeljenbem Sttajjc 9ied)t3= 
tjilfc, inbem fie gegenfeitig bie au£roört£ erfolgten $cr* 
feftungen anerkannten unb ate 33ctoci£ ber SBerfeftung 
eine frfjriftlid)c Itrfunbe be£ betr. 9tate£ aU genügenb 
aufaßen »>). S n Röteren Süberfer Statuten finbet fid) btefc 
Einrichtung fogar al£ flted)tefa£ anerfanut: de vortastet 
is in euer stad, dat sy umnic wat myssedat id sy, de 
is vorfestet in allein lubeschen rechtet) ober welcher 
verfestet ist in einer Stadt, da man sich Lübisehen 
Rechtes gebraucht, es sey umb wasserley missethat es 
wolle, der soll vorfestet seyn an allen Orlen Lübisehen 
Hechtes d). 3)emgemäj3 fanbten ftd) bie ©täbte oon aßen 
erfolgten SSerfeftungen gegenfeitig ißrotofoüe ^u, toeldje 
bie empfangenbe ©tabt aufbewahrte ober in ein eigene^ 
ilserfeftungäbucf) eintrug. SSurbe bann ein berfefteter 
SJerbrctfjer ergriffen, fo genügte bie äSerlefung ber llrfunbe, 
um benfelben ber barin gefenn^eii^neten Xfjaten &u über* 
führen; bie SBerfeftung tjatte alfo biefelbe Söirfung, tute 
fjeute ein .^paftbefet)! auf @5rnnb etneä rerrjtöfräftigen Urteile 
unb bie Mitteilungen an bie anberen (Btäbte glief) einem 
Qsrfudjen um SBollftredung benfelben, menn and) ba£ 
Urteil fid) auf gcftftellung bc* SXjatbcftanbeS befd)räuft 
unb bie geftfe|mng ber ©träfe erft burrf) ba* (#erid)t ber 
bamit befaßten (Btabt gefdjab. 

n) $ori](. ?frcn«borff. Cinl. 3. XXVIII. 
h) «erfll. Sreiisborff. Ginl. 3. XXV ff. 

c) .Varl) IV <H>. 

d) Statutcnauöflabc bou M»43 #ib. IV tit. 17 flr. tf). 



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III. 

^er ßiuerf bcö SSavlmdjes. 

3>er Warne bc* Varbudje* crfd)eint in bemfelben nur 
einmal (9?r. r>f>), too c£ beißt, baß ber c^rfaintc Mat eine 
Süt)ue in ber Stobt Farbm-k eintragen läßt. W\c fdjou 
oben erUmljnt, bebeutet far ^eibcsgefal)r, ®efabr ber 
Veftrafung mit Xobcsftrafe. £>iermit ftimmt e* aud) 
oötlig überein, baß ba* Varbud) fid) au*nalmi$Io$ mit 
(Straftaten befaßt, auf beneu an fid) Xobesftrafe )ta\\^\ 
unb ^tuar finb as in ber .£>auptfad)e ^luf^eidnuingeu über 
uotlftretftc Xobetfftrafeu, banebeu aber aud) Verfcftungen, 
greifyredjungcn unb Sübuen. 3)ie (Eintragungen finb 
9lu*äüge aus s #rotofolfeu beä Wiebergcrid)te be.^u. bc« 
Mate*, unb e* fdjeint in jener $eit nur bies eine Stabt* 
bud) für foldje (Eintragungen in Srraffadjcu erjftiert t yi 
Oaben; bas ältefte Mieler Stabtbud) enthält uod) (Sin* 
tragungen cibilred)tlid)en unb ftrafred)tlid)cn ^nljalt* ol)tte 
Unterfd)ieb burdjeinanber. 2lud) in üüberf fdjeint lange tfeit 
für Verurteilungen unb Verfcftuugen nur ein Mcgiftricrbud) 
gefüf)rtäufcin,ba£ ben Xitel HIhm- imlk-ii, proscriptorumober 
aud) sceleratorum a) Imtre. 3)er fpätere lihrr confcssionalis 
condcninatormn, am bem 3)ret)er>0 eine $abl oou (Ein* 
tragungen unö überliefert fyat, fdjeint nur bie Verurteilten 
umfaßt &u fmben; feine (Eintragungen ftimmen inljaltlid) 
unb formcU mit unferem Var6urfjc übercin; bie Süljnen 

a) iöerßl. ftrcutfborff, 3. XIV. 

b) Einleitung 3. 404, 4.J4, 4.55 ic. 



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4f> 



$a$ Kieler «arbu$ 1465—1646. 



finb in Sübecf allerbingä in ba£ Sftieberftabtbuch ein* 
getragen morben a). Genauere Angaben b) laffen fiel) über* 
fjaupt jefct nict)t mef)r machen, ba bie ©erid^t^rotofolle 
felbft größtenteils Vernichtet ober oerfchmunben finb. 

(Sonberbar fönnte eä erfahrnen, baß in ber Seit oon 
faft einem ^afjrlmnbert nicht mefjr fdjtoere Verbrechen 
in Miel &ut Aburteilung gefommen fein füllten, baß au3 
manchen ^aljrcn gar feine (Eintragungen oorfjanben finb, 
baß bie Drbnung nicr)t immer chronologifth ift, baß ein* 
Seine (Eintragungen unbollftänbig finb unb bergl. £>er 
®runb tjierfür ift aber einzig unb allein, baß bie gütjrung 
biefer «Stabtbüchcr mit frrafrechtlichem 3 n ^ a ^e in 3Üel 
tote aud) anberStoo c) offenbar eine fefjr tyrungroeife unb 
unregelmäßige mar. $)ie ©Treiber marcn (&erirf)t3frf)reiber 
meift nur nebenbei, außerbem Ratten fie fonft noch oiele 
anbere Seftfjäftigungen, namentlich audt) bt>lomatifdt)e 
Dtetfend), fo baß eine fortlaufenbe unb orbnungämäßigc 
Buchführung unmöglich mar. 

925enn bie ©rbe* unb 9ientebü<her forgfältiger geführt 
finb, fo lag baS baran, baß ifjre Eintragungen ben Söert 
oon öffentlichen Urfunben fjatten, welche allein maßgebenb 
roarcn für bie geftftettmig ber 9te<ht£oerr)ältmffe unter 
ben bürgern. 93ei ben Aufzeichnungen im SSarbuche 
fjanbelte e3 fi<h toot)l lebiglich barum, burch eine 9tegi* 
ftrierunge) bie tarnen ber beteiligten unb Sengen für 
alle gälte aufeubetoafjren , roenn tyäter irgenb welche 
Anbrüche gegen bie ©tabt gemacht mürben. 3Me ©in* 
tragungen felbft finb meift auch garnicht berart befcf)affen, 
baß fie öffentlichen (Glauben oerbienten unb für bie Stecht* 
mäßigfeit beS SBerfafjrenä einen 58eroei£ erbringen fönnten ; 

a) 3krßl. meine Slbljanblung 3. 47. 

b) SBeiterc Witflaben f. ftren^borff, 3. XIV f. 

c) 3. ftrcnäborff, 3. XXXVIII. 

d) $ergl. aud) 9ief}me, Sübecfer Dberftabibucf) 3. 175 f. 

e) @3 ift eben ein über confessionalis condemnatorum ober 
ein Diebsregister, ruie ouf bem liinbonbe fteljr. 



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■ 



3>er 3tuecf be8 SarbudjeS. 



47 



ber SöetoeiS bafür toirb regelmäßig in einer et). 9luSfage 
ber als Seugen äi*öe$oö cncn ^erfonen gelegen Reiben unb 
nicht in bem S n ^ a ^ oer Eintragung, ber nnr für bie 
3rcftftellung biefer ^erfonen wichtig mar. $>al)er heißt 
es benn auch bielfad) in ben Urfunben, baß bie zugezogenen 
^Bürger es gehört haben, bafj ber Delinquent geftanben 
hat, unb eine Diesbezügliche öefimbung bcrfelben mürbe 
ja auch genügen, um ber <Btabt alle 9Jnfyrüdjc fernzuhalten. 

9cirf)t auSgefcfjloffen ift bie 9Jcöglicf)feit, baß außerbem 
in jeber SBerfjanblung fcl6ft t»on bem ©crichtsfchrcibcr 
auf einem befonberen blatte ein s $rotofoll aufgenommen 
ift, tuie benn in ber Qcit nach bem SBarbuche lebiglid) 
\old)e Sßrotofolle auf lofen Ruderblättern a) gefertigt finb. 
60 finb {ebenfalls bie oon auswärts mitgeteilten $cr* 
feftungen nid)t in baS SBarbud) eingetragen, fonbern im 
Original aufbewahrt roorben unb ebenfo werben bie 
Vieler SBerfeftungcn regelmäßig nach auswärts bireft 
o^ne Eintragung ins Sparbuch mitgeteilt fein. Sicher 
ift jebenfalls, baß nur eine Verhältnismäßig nicht große 
3a^l bon ©trafthaten im Skrbucfjc iljre Aufzeichnung 
gefunben fyat, toährenb es bezüglich bcr anberen bafu'n* 
geftellt bleiben muß, ob unb Wo fie eine girjerung auf 
bem Radier ober Pergament gefunben hoben. 

a) 92od) Wttflabc üon Ür. 3tcrn. 



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IV. 



ISmrtdjtuHfl ber WuScjabc. 

SBe^üglid) ber 23ef)anblung beS Xer,te3 fjabe idj mid) 
im mefcntlidjen bcn (^ruubfctjjen SReuterä bei ber £>erau£* 
gäbe bcä (Srbe- imb JKentebud)eö angcfd)loffen. U, v itnb w 
finb ftetö nnd) ttjrem Sautroertc uuebergegeben, Derein^elt 
uorfommenbc iibergefdjrtebene $ud)ftabcn finb eingefügt, 
s unb sz, bie in ber .franbfdjrift famn unterfdjeibbar 
finb, ftetö nur ate s micbergegcben. Manegen finb 
afle MünfonantenDerbo^elungen aufgenommen, nur in 
bett Megiftcrn finb fie im Anlaut ber leichteren lieber* 
fidjt falber fortgelaffen. %\e römifdjen $dl)ien finb 
fomrlirf) burrf) arabifdje Ziffern erfefct. 

S£ie beiben größeren Surfen finb nad) 9J?ögIirfjfeit 
ergänzt, baö Unleferlidje ift in ecfige klammern [ J gefefct, 
cbcnfo bie Ergänzungen üon SBorten, bie im %c£t a\\& 
geloffen ober abgefür^t finb. 9hmbc Mammern ( ) bebeutcn, 
baß ba$ 28ort in ber #anbfcfjrtft oerfeljentlitf) bo^pelt 
ftetyt, baljcr ,^u tilgen ift. 6onftige llurcgelmä&igfeiten 
be* Xe;rte£ finb in Slnmerfungcn toiebergegeben. $iu$u* 
gefügt finb oon mir bie 33Iattäaf)Ien ber $anbfd;rift unb 
bie Sümmern ber Eintragungen, f)inter benen in Mammern 
bitrd) ein 1J mit hinzugefügter 3iffer angegeben ift, unter 
metdjer Kummer bie fragliaje Eintragung in ber ©tcwfrfjen 
2lu*gabe ber SBremerfdjen Etjronif ganz ober im SluS* 
3ugc enthalten ift. ©in Stern ( f: ) bejeid)nct ben beginn 
einer neuen Seite in ber «Spaubfdjrift, bereu golio^arjl 
am i/tanbe angegeben ift. 



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$)te öiuri^tung ber WtiSgabe. 



40 



3)a3 ©cfn'IIinggeicfjen ift burd) sch v bctajenige für Üttctrf 
Sübifd) burcf) ml., bctäjenige für Pfennige burd) p. toieber* 
gegeben; übrigens pnben firf) im Xejt ftatt ber &e\d)e\\ 
tjiclfacr) Slbfür^ungen toie mrklub ic. $a<5 et-3eic^en ift 
ftete burd) unde erfefet. 

3lbfür$ungen ftnb fonft nur bei vorscrevenen unb 
nascrevenen buxd) vorscr. unb nascr. borgenommen. 

<&aä Drteregifter ift ber Ü6erfitf)tltdjfeit falber bom 
^erfonenregtfter getrennt, obgleich nict)t immer un$roeifel* 
r)aft ift, ob ein Sßerfonenname ober eine 23e$eicrjnung beä 
®eburt3orteä borliegt (£. 93. Alberl van Brunsswick). ^m 
SBortrcgifter finb ettte nidjt allgemein befannten nieber* 
beutfrfjen gönnen erläutert unb bie meiften SBorte mit 
fjocrjbeutfdjer Ueberfefcung berfefjen, um baS Gefeit be* 
Urfunbenbud)eS jebem ermöglichen. 



4 



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Das Kieler Varbueh. 

(1465 -1546.) 



4* 



Das Kieler Varbuch 

(1465-1546). 

1. (B. 11). * Int jar U<>5 in der arne dat syk [f. 2. 
sake jegende, dat he a) wart vorwonnen myt ordel unde 
myt rechte Peter Eseken sone, dat b) hedde ghebraken de 
blok to Sunte Gerdrud in der klenen kapeilen unde 
gruf den blok ut der erden unde wolterende so lange, 
dat he dar wes ut kroch, myn ofte mer wes des was. 
Item dar na gynk he noch ens ut der stad to Sunte 
Jürgen unde ghynk in de karken unde stech up den 
bone unde let syk dar in besluten unde ghynk to deme 
blokke unde gruf ene utc der erden unde wolterede 
cne ok so lange, dat he dar wes ut krech. Item so 
heft he ok ghebraken des Hilgen Cruces blok unde 
nam dar ut enen sch. pennige. Des heft he apenbare 
bekant vor den vogenden Hinrik Gerlyes. Hans Hytram 
unde beseten bürgeren Clawes Kysowe, Hans Greve 
unde is darummc gherychtet myt deme rade. 

2. Item jar 1465 in der arne, wo dat syk sake 
jegende, dat Clawes Boytin wart vorwonnen myt ordel 
unde myt rechte, dat he hadde ghestalen VVynkel, deme 
he sine kysten brak unde nam dar ut enen ketelhaken 
unde 2 küssen unde enen grapen. Item heft he ghestalen 
enen grawen hoyken, ut der molen to Bulken 12 schepel 
mels, Eynebelt enen laken, Bennenbeken ene standen, 
Grete Laders ene standen unde enen grapen unde ene 

a) Diese» „he" ist wohl versehentlich hinter das erste statt das 
folgende „dat" geraten. 

b) Hier fehlt vermutlich „he", vergl. Änm. «. 



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54 



Das Kieler Varbuch 1405-1546. 



doken unde enen ketel, 2 küssen undc ene barden, 
Tymmeke Moller tom Vrescnhagen en swyn, noch cn 
swyn in der Kuterstraten, dar wart he afghejaget, Kulcn 
in der Brunswyk enen grapen, ene deken unde en laken, 
Eier Schule to Kaiendorpe 3 syde speckes, Detlef Staken 
3 laken, Otte Stur 2 syde speckes. Ok heft he selschop 
ghehat myt den, de dat lowent von der bleke stelen 
unde heft dar af ghenaten allent, wes he heft ghestalen. 
Des heft he bekant. dat hir af heft ghenaten Hansa) 
Peters unde butendorpesche unde Otte, de den tegclwagcn 
plach to dryvende. Des heft he bekant desse vorscreven 
stucke vor beseten borgeren unde vor den vogenden 
Hinrik Gerlyes, Hans Heytram. 

3. (B. 12). * Int b) jar 67 do wort gerechtet [f. 2'. 
myt deine swerde en genomet Symen van bede wege 
mynes heren her Gherdes, dat he hadde dot gesteken 
in deine schepe sinen schepes tymmerman. 

4. (B. 13). Anno 67 

do wart gerychtet Hans Westval, dat he heft bekant, 
dat heft gestalen by Bukstehuden en pert unde ene 
barden unde en laken unde enen grapen, en par hascn 
unde 1 mark tom Grotenbrode unde 8 sch., noch enen 
hoyken Dowstriyker tom Syverdeshagen c), to Luneborch 

3 mark unde en pert by Godebusse, noch 8 sch., noch 

4 sch., tor Mort molen 1 mark, to Lochowe 5 mark, to 
Syggeneve enen lcydeschen hoeyken, 10 elen lynwendes 
undc heft ghemordet ene vrowe bynnen der Wysmer, 
enen nygen graven hoeyken tor Gropeleschen, enen 
s warten rok to Kryvese. Item so slogen se dot enen 
kopman by Odeslo unde nemen ein 5 mark, 8 sch. tom 
Sysmer, to Hollenstede 1 mark, Hcrtych Raven to 
Grevesmolen 24 sch. unde en bindexen, tom Hafkroge 

a) „Hans" steht am Ranfte statt „Hinrik", das durchstrichen ist. 

b) über dieser Eintragung in einer Zeile für sieh „anno" ohne 
Jahreszahl. 

c) Unter „Syverdes" xteht durchstriclien „Vrcsen". 



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Bas Kieler Varbacl. 1465-154«. 



55 



2(5 sch., to Ghenin 12 mark dem kroger tor Buken, 
ener vrowen 6 mark. Syne kumppane Hinrik Swarte, 
Pauvel Munt, Clawes Wynt, Clawes Buk, Jacob Buk. 
Item heft he dot geslagcn sine egen suster. Dyt lieft 
he bekant vor den vogenden Hinrik Gerlyes, Wychman 
Koler unde beseten borger Tymme Woge, Luteke Luders. 
Desse wart gerychtet myt deine rade unde gehenget, 
dat gaf em ordel und recht. 

5. (B. 14). * Anno <>8 [f. 3. 

do wart vorwonneii myt alleme rechte Cort Hogetop, 
dat he wart gehenget, unde bekande, dat he haddc 
gestalen en sardokes wamboeys to Kldas Helmych 
Stroder unde enen graven rok, den nam he Hamelmanne, 
unde en uprukkelese unde gordel unde kaker myt pylen, 
en par scho unde enen sak und en hemde unde heft 
gesettet enen man under enen kukenkorf, dar krech he 
af 5 sch., unde en laken unde 2 bunt hoppen de stal 
he myt sinen vader. Item heft he gestalen myt Kbelinge 
karendriver 1 styge linnenwandes unde 1 hymten lyns 
unde 2 mate mans unde 1 par Imsen unde enen 
myssinges ketcl unde 5 stucke garnes to Alfder, unde 
en spet to Hacmolen, unde l armborst unde 2 kissen 
unde 1 grapen unde 1 par laken unde enen yseren hot 
unde enen vrowen hoeyken den stal he sulf drudde to 
Kopenbruggen. Dyt heft he bekant vor den vogenden 
Hinrik Gerlies, Wychman Koler unde beseten borgeren 
Hans Kystemaker unde Clawes Kysowe. 

(1 (B. 15). In deine sulven jar twysken Sunte 
Mychghelis a) unde Sunte Marten b) do wart ghegrepen 
Henink Obstins up schinbar dat, dat he haddc ghestalen 
2 perde, en graw unde en brun, dat grawe to Renseveide 
by Lubjeke], den brunen tom KUerbeke (bekenne). Item 
heft he ghestalen myt siner selschop 2 styghe perde. 
Item myt siner selschop vor dem Stralessunde 1 styge 

a) Freitag, 29. September. 

b) Freitag, 11. November, 



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56 



Das Kieler Varbuch 1465 -1546. 



perdc, de vorden se aver to Damgarden. Item to 
Rosteke enen radman 20 mark. Item tom Mordeshagen 
1 kelk, to Potles breken se ene kerken, dar nemen se 
ut vrowen kleder unde sulver werk, noch enen pagen 
by Stettin, noch 2 perde vor dem Kyle up dem Koberge, 
up der Rosteker heyde morden se 5 vrowen unde 
junevrowen, dene nemen se, dat se kregen malk 3 mark. 
Des heft he bekant vor den vogenden Hinrik Gerlies, 
Wychman Koler, Gyriacus den rycht scriver unde vor 
beseten borgers Hans PJatensleger, Tymme Woge unde 
wart ghehenget, dat |glaf en ordel unde recht. 

7. (B. 16). * Item in deine sulven jare in den [f. 3'. 
Twalften do wart ghegrepen Jacob Rulink up schinbarer 
daet unde heft bekant, dat heft ghestalen up der Sege- 
borger heyd 1 perd, dat was brun, dat vorkofte he tor 
Arndesboke vor 4 mark. Item heft he ghestalen a; 
Lawrens Stale, dat snet he los van enen wagen, dat 
vorbute he to Dudendorpe myt eine Tydeke Wychmane. 
Item ene pagen den stal he tor Horst, dat horde vor 
Margreten Balstorpes. Item enen to Kerlubbe Hinrik 
Krose. Item Stolpe 4 schape, de horde Eier Lonendorpe. 
Item 4 segen to Wankendorpe. Item no[ch] 13 schape 
Otte Walstorpe to Perdule. Dyt heft he bekant vor den 
vogenden Hinrik Gerlies, Wychman Kolcr, Gyriacus 
dem rycht scriver unde vor beseten borger Clawes 
Kysowe, Tymme Trede unde wart ghehenget, dat gaf 
em ordel unde recht. 

7 a. (Anno*>) dm. 14(59 c) do was Dyderik Vur mit 
siner husfrouwen Wiben vor deme rade tome Kyle unde 
hebben bekent. dat erer en deme anderen heft vorlaten 
unde upghelaten alle nalatene gudere, welker de na 
blift, eft en an God vorsterve, und hebben utgesecht 

a) Hier fehlt vermutlich „on perd". 

b) Diese. Eintragung ist durchstrichen. 

c) Unter und hinter der Jahreszahl stehen noch die Buch- 
staben „are", die Zahl scheint „U9" und niclU „62" zu bedeuten. 



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Das Kieler Varbuch 1465 154«. 



57 



4 p. unde 8 sch. to weghe unde to steghe unde 4 p. 
undc 8 sch. cren neghesten erven). 

8. (B. 17). Anno 70 ward behcrdet Hans Wulff, 
ghebaren in der stat Bart, Hinrik Wulves s[one], dede 
hadde stalen bynnen Nigenmunster 5 dossyn ghordelremen, 
den Hinrik Ghlisseman heft vorwunnen mit allem rechte, 
zo dat he wart ghehangen na utwisynge lubes(schen) 
rechtes. 

9. (B.1S). * Anno dm. 147r> so worden gerichtet (f. 4. 
alzo Claves Kxse und Jaspar umme erer undaet, dede 
se gedan hebben up ener vrigen herstraten twisschen 
deme Kile unde der Schulen Eydder. So nemen se 
enem manne in deme Hannenbusseke enen brugesken 
grauwen hoiken unde 1 houvven mest unde 1 buddel, 
dar weren inne f> p., unde de man hord to Vleskborch 
to hus unde was 1 ossendriver. Unde so nemen se 
ener frouwen enen swarten hoiken, de hord to der 
Brügge to hus, unde 1 budel, dar was inne 1 sch. 
unde 2 nieste, unde so nemen se 2 ghuse undera) dit 
unde Lub[eke], unde do se ersten ut Lub[cke] gingen, 
so nemen se enem manne 1 spet unde ene tasschen, 
dar weren 2 sch. inne, unde so nemen se enem sscholer 
8 p. unde geven ene 2 p. wedder unde so nam Kxse 
enem kremer to Lub[eke] enen pok unde so nam Exse 
synen heren ene wenneken, de man het Hans Kuttenbarch. 
Dar was anne unde over Tymme Woigge unde Tymme 
Trede, besetene borgere, dar se it vor bekant hebben. 

10. (B. 19). Anno dm. 1477 umme trend twisschen 
Pinxten b) unde Paschen <<) do ward gherichtet Hans 
xMonnick umme syner undaet willen, dat he ghestalen hafft, 
unde is gebaren binnen Lubeke. Int erste bekande he, dat 
he to Sunte Nicolauwes ute der kerken stael enen tynnen 
luchter van altaer Sunte Katrinen, noch enen luchter 

a) Wahrscheinlich „under" und nicht „buder". 

b) 25. Mai. 

c) 6". April 



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58 



Das Kieler Varbnch 1465-154«. 



ute der sulven kerken van her Karsten Rames altaer. 
Desse beiden luchter hafft he vorsmolten und dat tyn 
hefft he vorkofft den beiden glasemakers Marquard Stor 
unde Peter Scharen. Noch stal he ene quarterskannen 
Glauwes Luders, noch enen tynnen pud, den he stal 
van Marquard Luders byslage in der Keddingkstraten. 
Van dessen beiden kannen hafft he vlasschen munde 
beghaten. Dat vorgescreven hafft he bekand unde stunt 
ledich unde los vor besetene borgheren Ciauwes Louwe 
den wandscherer unde Hans Nickels unde vor den 
richteheren. 

11. (B. 20). * Anno dm. 1477 do worden [f. 4'. 
gherichtet desse naghescrevene twe mans alzo Merten 
van der Heide unde Hinrik Vos umme erer undaet 
willen, dede se deden to Presse in dem kloster myt 
erer selschop. In dat erste nemen se ut der kerken 
2 kisten, de droghen se in de Saghekulen, dar krech 
Merten äff myt syner selschop 3 mark. Noch stal 
Merten van der Heide to Sunte Servas altar neghen 
stucke smydes, noch stal Merten to Prese ute dem 
kloster van unser levcn frauwen bilde ene bressen unde 
en bindeken. dat vorkoffte he enem gholtsmede to Plone 
myt siner selschop. Nach stal Merten (1) en par laken 
do ute dem kloster, dat vorkoffte he hir in der stad 
eller a) smedes frouwen. Noch druch Merten to Rindes- 
borch (i altaer d wellen unde vifftighe sulveme knoppe 
myn vere, de vorkoffte he dar myt syner selschop. 
Noch brack Merten 4 kisten mede in der kerken, wan se 
breken wolden, so lct sick Merten in der kerken besluten 
unde let syne selschop dar in, unde so hafft Hinrik 
Vos ghekreghen van dessen kisten tho twey tyden 28 sch., 
de sume is tho hoppe 7 mark. Des hebben se bekand 
vor den vogeden unde vor besetene borgheren, dar se 
stunden up eren vrighen votcn, alzo nameliken Ciauwes 



a) Vermutlich verschrieben für „euer". 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



59 



Wulleff unde Laurens Visk. Dar syn ane unde over 
ghewesen vor besetene borgere Ciauwes Louwe de 
wandscherer und Hans Nickels. Van desser undaet 
weghene, dede hir baven screven stat, syn se (ge)gherichtet 
myt dem rade. 

12. (B. 21). Anno dm. 1477. 

Item so brack Ilinrik Vosses wif ene kisten allenen, 
de horde Hinrik Tesschen dochter tho, Katrinen, de 
stunt tho Presse in dem kloster, dar stal se ut 2 hoicken 
unde noch brack se 4 kisten in dem sulven kloster 
myt erer selschop, noch krech se 20 sch. ute der kisten, 
dede in der Saghekulen braken ward, noch stal se 
1 par laken ute den kisten myt erer selschop, de worden 
to Prese vorkofft, noch stal se myt erer selschop 1 par 
laken, de worden hir vorkofft, noch stal se myt erer 
* selschop 7 slucke tyn wcrkes, dat wart to Lub[eke] (f. 5. 
vorkofft, noch a) se myt erer selschop 4 hoiken unde ver 
rocke, de worden vorkofft to Nighenmunster, noch 
stal se mede enen frouwen rock unde hoiken, de worden 
vorkofft to Luttekenborch, noch stal se myt erer selschop 
3 tafflaken, de worden vorkofft to Plone, noch stal se 
myt erer selschop to Prese ute dem kloster van unser 
leven frouwen bilde ene bressen unde bindeken, dat 
ward to Plone vorkofft. Dyt hafft se bekand vor Laurens 
Vissche unde Ciauwes Wulff, de do to der tyd vogede 
waren, unde vor besetene borgheren, dede dar tho 
esschet syn, by namen und tho namen Ciauwes Louwe 
unde Hans Nickels, unde stunt up vrighen )>') unde ward 
vor desser undaet ghobrand. 

13. (B. 22). Anno 147 [8 do ward] c) gerichtet 
Jachym Schilt umtne Syrier undaet willen, de he [dan 

a) Hier fehlt vermutlich „stal". 

b) Hier fehlt vermutlich „voten". 

c) In dieser Eintragung befindet sich ein grosser Fettfleck. 
Die Lücke ist ergänzt, die Jahreszahl nach Bremer, der noch den 
vollständigen Text gehabt zu hihen scheint. 



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Das Kieler Varbucli 1465-1546. 



heft. Erjsten is he vorwunnen myt allem lubesschem 
rechte, dat [he slog unsen] wechter in nachtslapender 
tyd up ener frien Straten [tom Kyle, de]s he sick doch 
vorwilkorde unde engede lendighet, [umme sodjanne 
sake nicht mer tho donde effte tho hatende, vor [den 
vogenjden alzo by namen Laurens Visk unde Ciauwes 
Wulleff, u[nde Hans R]oyneke unde Hinrik Scheie, dede 
medebroder weren des rades (in deine] sulven jare. 
Vortmer so is he gekomen up dat nighe up [ener 
frigh]en herstratcn twysschen dem Kyle unde Ghettorpe 
unde overvel unsen wechter unde borgher Twelken, 
des he eine doch syne were berovede unde he wunnede 
erae dar mede unde wolde eme syn liff dar tho alt 
gerovet hebben van der sulffen vorberorden sake weghen. 
Des he eme doch hoge noch overtughet halft mit besetene 
borgeren alzo by namen Tymme Trede, Marquard 
Rover unde Peter Kroghers knecht, dede dar an unde 
over weren. 

Vortmer so quam desse sulve Jachymes syn frouwe 
unde hafft gebeden myt dessen naghescreven bürgeren 
den rad, dat ene de rad wolde begnaden, dat de licham 
mochte komen up den kerkhofl', Luder Mynrik, Hans 
Schuldorp, Reymer Gyseke, Hinrik Jabeiman, Hans 
Buermeister, Glauwes Konneke, meyster Hinrik, Lutteke 
Stenhaghen, Ciauwes Tonnighes. 

14. (B. 23). * Anno dm. 1478 do wart gerichtet [f. 5'. 
Hinrik Haverber umme syner undaet willen, dat he stal 
Ciauwes Moler 1 mark pennynghe ute syner kysten, de 
stunt to synes broder huse. Hyr weren ane unde over. 
dat he des tho stunt, Hans Nickels, Detleff Kroger a}. 
Vorder mer so quemen syne frunde unde beden den 
raed, dat se eme dat swerd geven umme de leve God 
unde umme vele der borger willen erer bede, dede 
dar mede umme beden. Unde so mosten syne frunt 

a) Der folgende Teil der Eintragung ist mit anderer Tinte 
geschrieben. 



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1)38 Kieler Varbuch 1465-1546. 



61 



dat vor oerfeyden, dat se dar nummer up spreken 
enwolden vor baren unde ungebaren. So stan se hir 
under, dede dat vor oerfeyden, Emeke a)Det)eves wonnaftich 
to der Laboden unde Scheie Ciauwes to Nigeheykendorp, 
Lange Detleff, Lange Marquard wonnaftich to deme 
Stene unde Luteke Henneke wonnaftich to Nigeheycken- 
dorpe, Wulleff Ghossches to Wellingedorpe, Karsten 
Slodickvot unde Hinrik syn sone, dede wonnen to 
Nigeheyckendorpe unde Laurens ßrosye to Wellingedorpe, 
Eller Hoeleck ok to Wellingedorpe. Vortmer so sind 
dyt de borger, dede dar to csschet syn to tughe Hans 
Buermeyster, Hans Kystenmaker , Reymer Ghyseke, 
Hansb) Nickels, Maerquard Man, Hinrik Jabelman, 
Glauwes Toden, Kubbeke ßloyen. 

15. Anno dm. 1479 do ordel unde recht hefft 
Hinrike Buremanne geven na syner eghene bekandnisse, 
dat he to Plone stal ute der kerken en offer van deme 
altar. Item to Lunnenborch stael he ener frouwen en 
byndeken unde 2 mark, so nam he to Stetteyn ute 
Sunto Jacopes kerken van unser leven frouwen bilde 
en halft" lot spangen, to Brunsswick stael enem manne 

1 brugghesschen grau wen hoycken, ock nara he to 
Halverstad ener baghhynnen en angnus dei, ok stael to 
Bremen 12 stucke kannen unde grapen. Item so 
beswymede sick en borger to Hamborch, den stael en 
vingeren van der band, dat was van golde, dat gaff vor 

2 mark, unde c) dyt schach in synen brut avende etc. unde 
der sake waes vele. * Hir weren anne unde over vor [f. 6. 
besetene borger Peter Mychael unde Hans Nyckels unde 
desse sulve Hinrik Bure waes gebaren to Bremen unde dyt 
is gesehen by den tyden, do weren vogede Ciauwes 
Wulleff unde Hans Schuldorp. 



a) Uebei- dem „e" am Anfang steht ein unleserliches Zeichen. 

b) Dahinter durchstrichen „Kystenmaker". 

c) In der Handschrift steht ein Zeichen, das „et" bedeutet. 



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62 l>as Kieler Varbuch 1465 — 1546. 

16. (B. 24). Anno dm. 1481 a) do ward vorwunnen 
myt allem rechte Lawrens, Arnd Myllighes swager, unde 
ward gerychtet umme syner undaet willen, so brack 
up den Vleskschrangen unde brack dar sulvest ene 
kysten, dar stal he ut ene schynken. Noch stal ute 
der Schulteschen huse 1 grapen, noch stal to der sulven 
tyd 2 sulverne kruse uter kerken tor Bruge, noch stal 
ene barden by Sunte Jürgen unde so stal to vor Metten 
van Buck waldes huse enen ketelhacken, noch stal 
2 dropten hoppen, de horden Mychel Munde, to ute 
Jachym Buckwaldes huse, noch stal 2 henge to deine 
Hilligen Geyste, noch stal he Lavrens Pale ene lee unde 
2 keden, dar de perde by togen, noch stal he Schultesschen 
enen kettelhacken, noch stal he to meyster Jacopes huse 
van ener rönnen 4 punt blyges, noch stal ute deme 
klostere in der have 1») lüde tyd 2 schepel moltes, noch 
stal der Schultesschen 1 grapen, noch stal ute Symon 
Pals huse 1 verdendel botteren, alzo det mas, noch stal 
he Laurens Pale unde Ciauwes Wulleve yeslick ene 
exse, noch stal vor Metten van Buckwaldes c) enen ketel 
unde 1 becken unde en dorslach, noch brack enen block 
vor deme Hannenbusseke unde enen vor der Lemsouw. 
Dyt haft bekand vor gerychte. Hyr syn to geesschet 
Hans Nyckels, Ciauwes Louwc, dat des bekand haft uppe 
synnen vrigen voten unde is gerychtet myt deme rade. 

17. (B. 24). * Anno dm. 1481 do ward vor- [f. 6'. 
rychtet Arnd Mylligcsd) umme syner undaet willen. 
Item so stal uter molen 2 sacke moltes, noch stal ute 
deme klostere ene standen, noch stal to dem Holme ene 
stenbyeken unde 2 ysseren schufelen, noch stal to Presse 
ute deme kloster enen krallen snoer, noch stal to der 

a) Die darunter stehende Zahl „80" ist verwischt und „81" 
darüber geschrieben. 

b) Vielleicht „hane"? 

c) Hier fehlt vermutlich „huse". 

d) Dahinter „vc", offenbar verschrieben und versehentlich 
nicht durcMrichen. 



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Das Kieler Varlmch 14f>5— 1546. 



«3 



Wapendsee in Swansen en sulverne kruse, noch stal 
ute Jachym Buckwaldes huse myt syner selschop 

2 dropten hoppen. Dyt haft bekand vor gerichte unde 
stunt up synnen vryghen voten unde vor besetene borgeren 
alzo Glaus Louwe unde Hans Nyckels, de hebben dyt 
gehord, dat he das bekande, unde stunt up synen vrigen 
voten ledich unde los. 

18. (B. 25). Anno dm. 1481 do ward gerychtet 
umme erer undaet willen Becke Meyghers. So stal se 
ener frouwen to Ryndesborch, de hete Grete Wytemaken, 
ene sulverne bressen unde 20 sulverne knoppe unde 

3 stucke natelen unde 4 stucke smydes, noch stal se 
Grete Wyttemaken 2 lange socke und 3 lynnen budel, 
noch stal se Grete Wyttenmaken enen swarten overlyves 
rock, noch stal se enen gronnen mans rock unde enen 
frouwen pels. Hyr syn to tuge esschet Glaus Tonniges 
unde Tymme Hynse, de hebben dyt gehored, dat se des 
bekande, und stunt up eren voten ledich unde los. 

19. (B. 26). Anno dm. 1482 do ward gherychtet 
Marquard Kruse umme syner undaet willen. Soa) snet 
to Eckelenforde enen budel äff, dar was inne 1 sch., 
so snet hyr ener frouwen äff enen budel (äff), dar was 
inne 4 sch., noch snet to Plone ener frouwen äff enen 
budel, dar was inne 2 sch. Hyr weren over Tymme 
YVoyge, Karsten Tymme, datb) he des bekande, unde 
stunt up synen vote ledich unde los. 

20. (B. 27). * Anno dm. 1481 do ward gherychtet [f. 7. 
Härder c) . . . . umme syner undaet willen, dat he stal 
enen manne by der Arndesbucken en perd, dat vorkoffte 
he Hans Luttorpe up deme Gharden, noch stael Gossick 
Lunsteden en laken unde en frouwen hamde, unde so 
stal Hans Buermeyster enen handketel, noch stal he 
Hilke Teghelers enen frouwen kagelen unde en par 

a) Dahinter durchtricJien „stal he". 

b) Dahinter durchstrichen „se des". 

c) Dahinter eine Lücke für den Familiennamen. 



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64 



Das Kieler Varbuch 1465-1516. 



mans hasen. Hyr hebben anne unde over ghevvesen 
vor borger Ciauwes Tonnighes unde Tymme Hinse, de 
hebben dyt hord, dat he des bekande, unde stunt uppe 
synnen frigghen voten ledich unde loch*). 

21. (B. 27). Anno dm. 1482 do ward gerychtet 
Ciauwes Schacht umme syner undaet willen, dal he 
stal her Eller Wysen 5 mark unde en waemboys unde 
en par hasen, noch stael myt syner selschop tho 
Flughendorpe (3 mark, de hete Kaie, unde enen hoycken 
unde en par hasen, noch stael enen manne by der 
Swenttynnen to Clauwestorpe 14 sch. , noch stael to 
Obbendorpe enen manne enen swarten hoycken, noch 
stael enen manne tho Schurslorpe enen brugghesschen 
grauwen hoycken. Hyr wercn over Ciauwes Kysouw, 
Hans Nyckels, dat he des bekande, unde stunt up synen 
frighen vothen ledich unde los. 

22. (B. 28). Anno dm. b). Item Körte DetlefT [f. V. 
ward vorwunnen myt allem lub[esschen) rechte dar vor. 
dat he bekande, wo he haddc braken Sunte Ghardruden 
block unde de kerke tom Slabbenhagen unde c) en 
pcrd van dem Kobarge mit siner selschop unde der sake 
vele mer etc. Dar umme he richtet ward mit deme rade, 
to tughe Tytke Vaget unde d) Alberd Summegod borghere. 

23. (B. 30). * Anno 87. Item Marqward Heneke 
word vorwunnen mit allem lub[esschen] rechte na siner 
eghenen bekantnisse, dat he haddc ghestalen Hans 
Hargen sin ghelt by 10 ofle 12 mrk lub. Ok stal he 
Albert Summeghot 12 sch. unde en krallen veftiche, 
2 sulverne rynghe, ok stal he der pilsser amtesbussen 
mit etlikem ghelde unde klenat, dat dar inne was, unde 
noch vele mer, dat he bekande, etc. Dar he umme 
henghet ward. 

a) Verschrieben für „los". 

Die Jahreszahl fehlt. 
c) Hier fehlt vermutlich „stalen". 
ü) In der Handschrift das „et" Zeichen. 



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Das Kieler Varboch 1465-1546. 



24. (B. 29). * Anno 87. Item des neghesten [f. 8. 
Dinxtedaghes a) na Letare was van weghen Kersten 
Greveraden vrunde unde vormunderen vulmechtich toin 
Kyle gheschiekhet de bescheden Hans Sweder, borger 
tom Lubeke, beclaghede vor dem neddersten rechte 
enen knecht, ghenomet Marquard Techowe, unde sprack 
en an in sin vrige hogheste alzo, dat he des ghenanten 
Kersten Greverade, de to der Arndesboken ward dot 
gheslagen, sines dodes rades unde b) dades, sines dodes 
scholde schuld wesen. Dat wolde de sulvc Hans Sweder 
tughen, dat Marqward Techowe erghenomet hadde bekant 
unde toghestan vor unsen richtevogheden unde vor 
beseten borgheren, unde dar up benomede Hans Sweder 
sine tughe unde sloet sin recht, dat he mit dessen 
nascreven bekantnisse unde tughen in der sake sin 
recht wolde Winnen unde vorlesen. Alzo hadde doch 
de ersame rad to Lubjeke] dar in ertyden ut enen 
schulden ordel vor recht up afghesechl, konde de klegere 
dat tughen, dat Marqwart Techowe hadde bekant unde 
thogestan, dat he in vlock unde c) in vore, in rade unde 
in dade mede hadde ghewesen, dat de seleghe Kersten 
Greverade van deme levende to dem dode qwam, so 
scholde he noch achte ofte vorsprake neten, men scholde 
liden, dat recht is. Also war dar apenbar an deme 
richte ghelesen ene schrift, dar inne stod gheschreven, 
wes de sulve Marquart Techowe tostan unde bekant 
hadde, de was ludende van worden to worden aldus: 

* Item heft Marqward Techow bekant, dat he [f. 8'. 
H[inrikj Kastorpes sone heft ghewunt ene wunden mit 
enem rutinghe to der Arnesboken vor dem kerkhave, 
unde in dem sulven vrevel unde ghesehichte ward dot 
gheslagen Kersten Greverade, wo he van dem levende 
to dem dode qwam, des enwet he nicht. Dit heft he 

a) 27. März. 

b) In der Handschrift das „et" Zeichen. 

c) In der Handaehrift das „et" ZeicJien. 

5 



(56 



Dag Kieler Varbuch 1466-1546. 



bekant in jeghcnwardichet uns stat richtevoghede unde 
vor twen beseten borghoron, alzo Clawes Thode unde 
Hans Grawetop, de dit hebben ghetuget in dorne rychto, 
dat be dit alzus bekant unde thogestan heft. Uppe 
sodan bokantnisso vant des rechtes delre am neddersten 
rechte den vorbenomeden Mnrqwart Techowe sines lives 
vare der sake halven leddich unde loes. Des enhadde 
Hans Sweder erbenomet nen benoghent, men he beschald 
id van deine neddersten rechte vor unsen raed up dat 
hus, dar sin deghedyngesman sprack unde sede, dat 
sodan bekantnisse, alzo Marqward Techowe vor unsen 
richtevogheden unde beseten borgheren ghedan unde 
bekant hodde, so baven stad gheschreven, scholde tuge 
ghenoeh wesen to den saken, unde scholde dar vor 
liden, wes recht were. Dar wy borgheretnestere unde 
ratmanne erbenomet navliteger vorhorynge unde andacht 
vor recht afsedc: Nachdem de vake benomede Morqward 
Techowe noch rad ofte dat mer bekande, unde men 
eine ok nicht mer konde aver tughen, alzo in der 
ergheschreven sedelen unde schritt bestemmet is, dat 
he seleghen Kersten Greveraden sines dodes scholde 
schuld wesen. so vunde wy de vorschreven sentencien 
unde ordel in unsen neddersten rechte ghedelet unde 
afghespraken by v ulier macht. Des en hadde de erschreven 
Hans Sweder oeverst nen benoghent, men sin deghe- 
i: dinghesman sprack unde*) sede, nachdeme wy [f. 9. 
hyr hadden en uthgande lubesch recht, so wolde he 
van siner vrundc unde hovetlude wegen sodan sentensie 
unde ordel vorder in rechtes utsprake hören van deine 
ersamen rad to Lubjekej, wente he sede unde mende, 
dat sodanne bekantnisse, alzo Marqwart Techowe bekant 
unde tostan hodde, so baven schreven steyd, scholde 
tuge vullenkamen noch wesen to den saken. Sodan 
schulden ordel heft de ghenente Hans Sweder vullen- 



a) In der Handschrift das „et" Zeiclwn. 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



67 



voret vor dem ersamen rad to Lub[eke] unde is hyr 
wedder tor stede ghekamcn up encn ulghelekenden 
recht dach mit vullcnkamcn tuchnisse unde bewise 
ladende, dat de erbenomede rad to Lub[eke) vor recht 
uppe dat sulve schulden ordel hadden afghesecht unde 
uthgespraken : Nachdeme dat Marqwart Techowe bekant 
unde tostan heft, dat he Hinrik Kastorpe ghewundet lieft 
mit eneni rutynge vor deine kerkhave to der Arnesboken 
unde in dem sulve wrevel unde gheschikke wart dot 
gheslagen Kersten Greverade, dat is vlock unde vore, 
dar umme schal he noch acht unde vorspraken nicht 
gheneten unde schal dar umme liden, dat recht is. 
Des ward he na sodanes rechtes utsprake mit allem 
rechte vord vorwunnen unde is gherichlet mit deine 
rade na utwisynghe lubeschen rechtes. 

25. (B.32). *Anno88. ItemGherdrud VVostvales [f.*)'. 
ward na erer eghene bekantnisse myt alleme rechte 
vorordelt unde vorwunnen, dat sc vor dem have to 
Smole in nacht slapender tyd to euer frouwen in erc 
hus hadde gebraken unde de sulve frouwe overweldich 
ward unde band er hende unde vote unde stak er en 
stucke holtes in den hals unde band er dar up enen 
kymmel in den munt unde stal er dre mark lub. min 
4 sch. unde stal er vord 2 roke unde 2 hoyken, noch 
stal se en veftich, alzo ghud alzo 1 mark, unde enne 
laden myt müssen unde halsducken unde myt velen 
anderen tughe, ok bekande se. to der Nighenwurdeu a) 
hadde gestalen ener maget hoyken unde <> rocke unde 
ander lynnen kleder. Hyr umme is se levendieh begraven. 

2(>. (B. 31 J. Anno 88. Item Hans Grote Johan, 
anders ghenomet Ghrotyngk, gheboren in deine kerspel 
to Wappenysse, ward hyr in derstadappenbaer beglireppen, 
dat he budel alT sned myt ghelde. Dar he ward umme 
beklaget unde myt alleme rechte vorwonnen unde 

a) Dahinter durchstrichen „stal". 

5* 



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US 



Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



vorordelt tho deme ghallighen. Dos quam syn broder 
Ciauwes Grottynck myt etliken ghuden mannen unde 
Vellen borgeren vor den rad unde beden demsulven 
Hans Groteninghe ghnade in synem vorordelden rechte, 
alzo dat he ward gheriehtet myt deme swerde. Desse 
ghnade a) baven syn vordende recht haft myt eden vor 
orfigdet Ciauwes Grotynck syn broder vor sick unde vor 
alle de ghennenb) 



27. (B. 37) * Itemc) [f. 11. 

Hans VVantscherer stalen myt Hans VVolderyck 24 sch. 
Item noch stal Hans VVantscherer mvt Hans Woldervck 
yn dem Nygenvelde 5 ml. Item sfal Hans VVantscherer 
myt Hans VVolderyck [to] Nygensteden 24 sch. Item 
stal Hans VVantscherer myt Hans VVolderyck by der 
Pepcrmolen enem manne 9 mrk. Item stal Hans 
Wantseherer myt Hans VVolderyck to Hlanckenese 4 ml. 
Item stal Hans VVantscherer myt Hans Woldervck 
10 ml. Item stal Hans Wantseherer myt HansTymmerman 
vor Hamborch 4 ml. Item stal Hans Wantseherer myt 
Hans Tymmerman to Hylgensteden 2 perde. Item stal 
Hans Wantseherer by Ylseho 1 pert, dat gaff he vor 
6 ml. 

28. (B. 38). A? 15. [f. 11'. 
Item anno baven schreven des Donredaghes d) vor 

Georrygy wort Hynryck Krogher ghegrepen unde was 
eyn borgher bynnen deme Kyle unde was bordych by 
Ghustrow unde hadde dyt nascr. stalen Steffen Sellen. 
Item 1 ghordel vorghuldet vorkofte he tor Wesmer 
eyneme gholtscmede yn der Kremerstraten opper luchteren 

a) Dahinter durchstrichen „haft". 

b) Die Urkunde scludnt hier nicht zu Ende zu sein. 

c) Die folgenden Eintragungen sind durch einen Fettfleck 
teilicei.se verwischt, die Lücken jedoch ergänzt. 

d) 1U. April. 



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Das Kieler Varbuch 1465 — 1546. 



syden vor 18 ml. Horn Rurowen dar selvest vorkoft 
3 parlebyndeken unde 1 borstdock vor 9 ml. Van 
dessen 1) marken ys vorwyset, to Hambüren to gheven 
an eynen, het Hans Monneek, nnde Hynryek Krogher 
heft dar men 8 seh. äff entfanhen. Item myster Clberde 
dar selvest yn der Lupesken Straten vorkoft 1 krallen 
voftych vor 3 ml. Item 2 ghulden rynghe vorkoft dar 
selvest eyneme doften yoden yn der Monnckestraten 
vor 4 ml nnde ys eyn doctor unde wantscnyder. Item 
nocb deine sulven vorkoft eyn sulveren voftyeb vor 
18 seb. Vor dessen sulven baven scbreven mysdeder lieft 
unse gnedyghe her hertych(tyeh) Frederyck bede dan laten 
doreh unses g[nedyghen^ leeren] marsehak * Pawel [f. 12. 
Ransowen, umme dat swert to gheven, unde de 
selve Pawel Ransow marsehalk mede ghebeden myt 
sampt mer [guden] mannen, dtme so gheghunnet ys. 
So heft [vor dey] orveyde ghelavet, dat deine mysjdeder) 
syn reeht begnadet ys, Hans Hennynghes unde Hynryek 
Runs eyn schomaker. 

28 a. Anno lö. Item anno baven schrevena). 

29. (B. 39). * lolö. Itemb) yn Sunte [f. 12'. 
[Marg]reten c) avende wort ghehenghet unde radeb|raket! 
Marquart Rype umme desser nasehreven undael wyllen. 
Item stal Marquart Rype eyn perl Hynryek Sorghen to 
Radendorpe, vorkofte he to Scleswyek Marten Rrughemanne 
vor 3 ml. Item stal he en pert by der Nygenstat van 
der weyde, dat vorkofte he to Lupke vor 4 ml. Item 
stal he to Krempperstorpe 4 lammer yn deine velde, 
noeh stal he dar 4 ghose. Item stal he tor Eekhorst 
eyner fruwen 1 rock, 1 beddesd buren, 1 heftpolsburen 
unde 1 laken. Item dyrykede de sulve op eyne sehyp- 
kyste to Lupke yn Otte Kregen huse, dar nam he uth 

a) Der Best der Seite int leer. 

b) Dahinter durchstrichen „do". 

c) Freitag IX. Juli. 

d) Daztcuchen durchstrichen „polsburen, 1 p". 



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70 



Das Kieler Varbnch 1465 — 1546. 



1 ml. Item noch stal de sulve ener fruwen to Haden- 
dorpc eyn byndeken, gaff he vor 2 ml. de fruwe Klokeske. 
Item brack he eynen block vor der Schonenboken, dar 
nam he uth 8 seh. Alle desse stalen ghuder nam he myt 
syner selschop, alse * Marquart KnaketomeStenrade, [f. 13. 
Yaehchym Wyse to Monnekehaghen, Yachchym Kaphon, 
baren to Hamberghe, desse dre syn sehnldych mcde der 
deverye nnde heft dar oppe ghudet. 

Item noch Marquart Hype brack eyne kerke tomc 
Keynefeldc by deine ghasthuse, dar nam he uth myt 
syner selschop yn scmyde ym ghelde so gude alse 
30 ml., syne selschop, dar he op gudede, alse Hynryck 
Wyse, Hynryck Kloke to Damslorpe. Hyr to de borgher 
to tughe, dat he dyt bekant heft, alse Hans vam Kamppen 
unde Bartelt Storni. 

Item noch lieft Marquart Rype bekant, dat dar erer 
vor by cm quemcn by Trente to perde unde seden em 
van kork to breken unde van dyryken, oft he dar van 
wyste, wente sc wysten wes to halen. So nemen se 
ene mede yn den kroch to Trente unde hadden dar 
mer rede myt em, so nemen se ene achter oppe 
eyn perl unde reden bette yn den Hanenbusk, dar 
weren se eyne tyt lanck yn der nacht, do reden 
se vort yn der nacht oppe eynen kamp vor deme 
statholte, dar bunden se de perde by den tun unde 
loten enen by den perden, de anderen dre ghynghen 
myt Marquart Hypen bette oppe Santo Gherdruten 
kerkhof unde breken äff dat glase vynster, do stech 
Marquart Hype yn de korken unde dyrykede de kyste 
op, dar nam he uth 3 kelke, 3 patenen, 1 sulveren 
kruse unde eyne klene laden, dar was ynne bescmyde 
mantel unde ander klenode, unde dat scmyde scneden 
* se van deme mantel unde de laden myt deme mantel (f. 13'. 
unde myt den aflatesbreven scttede Marquardes selschop 
under eynen tun. Alle desse klenodya langhede Marquart 
syner selschop to dor dat vynster. Do se desse klenodya 



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Das Kieler Varboch 1465 — 1546. 



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weghe hadden, do ghynghen se wech, er Marquart 
wcdder uth der kerken quam, so wyste Marquart nyeht, 
wor se bleven, inen he ghynck strackes na der stede, 
dar se de perdc leten, dar quemen se wcdder tosamen, 
do setteden se syck oppe de perde unde gheven Marquarde 
eynen rynsschen ghulden dar äff unde se reden vordan, 
dat Marquart nycht wyste, wor se bleven, unde heft sc 
na der tyt nycht ghesecn. Alsus heft he se betekent, 
wat sc vor perdc hadden, alse eyn brun pert, 1 swart, 
1 graw, 1 wyt, unde de ene hadde eynen wyssen vylt 
umrnc unde sprack grolT, underwylen sprcken sc densk 
overlcndesk, dat se so de wort vorwandelden, vorder 
hebbcn se sycka) ghenomet teghen Marquarde, dat se 
heten Revcntaw. Forder hebbe wy cm ghevraghet, 
dar he stünt oppe vrygen voten, vor 4 beseten borgheren, 
oft de ghudynghe war were, so he secht hadde, dar he 
ya to sede unde wolde dar synen dot op nemen. To 
tughe de borgher Hans Kruse, Marquart Ofie, Lavrens 
Schussel, * Marquart Klüver. Nocli hebbe wy [f. 14. 
rechtevoghede den sulven Marquarde ghevraghet oppe der 
stede, dar he sterven scheide, oft ydt so were, alse he vorhen 
ghesecht hadde, dar he ya sede, he wolde dar op sterven. 

30. (B. 35). 1515. Item ummen trent des Fryg- 
daghes b) vor Andree beklaghede unse gnedyghe her 
hertych Frederyck eynen van synen schypknechten van 
demc groten schepc, gebeten Vyncencyus, dat de sulve 
hadde synen forstlyken gnaden stalen (hadde) van deine 
groten schepe 4 droghe hude, unde de sehynbaren dat 
was tor stede. So leth syne forstlyke gnade den sulven 
deff yn de ghalghen henghen unde syne gnade stunt 
alle unghelt unde syne gnade leth de hude wcdder 
halen uth der hechte by eyneme schomaker uth der 
Brunswyck unde was des rades wille. 

a) Dahinter durchstrichen „mimen ghc." 

b) 23. November, wenn nicht ein Versehen im Wochen tage 
vorliegt, da der Andreastag selbst auf Freitag fiel. 



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72 



Das Kieler Varbnch 1465-1546. 



31. (B. 36). * 1515. Item dos Frygdaghesa) [f. U' 
vor Sunte Kalrynen wort oppe dat rat ghelcchl Tymmeke 
Krul, ghebaren uth der Prowestye tome Holme, dat he 
eynen doth staek bynnen deme Kyle, de heth Tomes 
Sehlaghe, unde wart anghcklaghet de mysdeder van der 
konychlyken walt wegen, wente, den he staek, de hadde 
nene frunde, de den (den) mysdeder anklagheden, so 
klaghede de konychlyke walt na Lupeskom reehte unde 
des doden fruwe klaghede mede. 

32. (B. 41). *Anno 1521. Item weren r(e)iehte [f. 15. 
foghede Jakob Sehroder, Peter Smel(e)inek. 

Item heft siek boke(i)nt Hans Krogher, dat he heft 
den bloek braken to Kalvari unde nam dar ut wat dar 
in was oppe unse leven fruven daehk). 

Item noch heft he bekant, dat em dede ein maghe(i)t 
ein slotel to ere lade, dar scholdc he 8 sch. ut nemen, 
so stal he er 1(> ml. ut der sulven laden. Dit heft he 
bekant wor c) beseten borger, also mester Claves Hartschere 
unde Dideriek Farwolt unde is averwonnen mit oldel d 
unde richte[tj mit deme rade c). 

33. Item anno 151 ti so hevet dussef) .... bekant, 
dat hey brack op dat slot to Sunte Gerdrut vor deme 
Kyle in der lutteken kapellen unde nam dar ut 3 marck 
18 p., noch lievet hey bekant, dat hey gynck myt der 
spise to ffelde unde wolde den block breeken to Kalvarie 
vor d( k m Kilo unde konde enne nycht breeken, noch 
hevet hey bekant, dat hey myt enem jungen hevet 
geblocken g) den block vor Hadersleve, dar nemen sey 



a) 23. November. 

b) Sonntag 8. September. 

c) Verschrieben für „vor". 

d) Verschrieben für „ordcl". 

e) Daneben ron anderer Hand, nach Dr. Stern von Bremer 
hinzugefügt „add. fol. 17 pr." 

f) Dahinter eine Lücke für den Namen. 

g) Verschrieben für „gebrocken". 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



73 



uth Osch. * Item noch hevet hey bekant,dat hey myt [f. 15'. 
synor selschop brücken unser leven ffrawen block to 
Hadersleve, dar nemen sey ut 2 seh., noch brack 
hey myl syner selschop enen block V* myle van 
Hadersleve, dar nemen sey ut 8 seh., noch brack hey 
der armen lüde qwart to Sunt Jorgen vor dem Kyle, 
dar ut nam hey 10 p., noch hevet hey bekant, dat hey 
myt syner selsschop brack dat block to Sunt Jorgen 
vo(r) Hadersleve unde nam dar ut so vaken als he wolde. 

34. (B. 44). Item in deme jar unses heren dusent 
522 waren richtevogedc Peter Smelinck unde Jacop 
Schröder, do wart (do wart) Hermen Gosman na siner 
egen bekantnysse myt allem lubesschen rechte vorwunnen, 
so dat hey wart in dey galgen gehenget, umme syner 
undat wyllen, dat hey mester Hinrich dem bartscherc 
to ltzeho stal ut synen budel 24 sch., nocli stal hey 
Jacop Raven sylveren körn unde sylveren schroden 
unde ander sylver spyldynck, noch hevet hey Jacop 
Raven gestollen 2 marck ut synen budel, noch hevet 
hey gestollen Sunte Jürgen synen halsbant, noch hevet 
hey gemaket muntiseren unde wolde dar mede munten 
unde wolde eme nycht bedygen, * do sloch hey sey [f. 16. 
in twe, noch hevet hey myt Pawel Steyn gebruket dey 
sunde sodmyten. 

35. (B. 43). Item in deinem jar 1522 waren rychte 
vogede Peter Smelinck, Jacop Schröder, do ward Pawel 
Sten na syner egen bekantnysse myt allen lubesschen 
rechte vorwonnen, so dal emme wort dat hovet affgehoven 
umme syner undat wyllen, dey hey hadde gedan myt 
synen knechte Hermen Gosman umme der sunde wyllen, 
dey sey brukeden ad sodomyten. 

36. (B. 45). Item in dem jar 1522 waren rychte 
vogede Peter Smelinck, Jacop Scroden a\ do wort Hinrich 
Schröder na syner egen bekantnysse myt allem lubesschen 



a) Verschrieben für „Scroder". 



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74 



Da» Kieler Varboeh 1465-1546. 



rechte vorwunnon, so*) dat hey ummc syner undat, 
dcy hey gedan hadde, wort op oyn rat gelecht. Item 
so hevet hey myt syner selschop, Claves Gossekes, 
Peter Gossekes sonne, Pavel Vinke, dusse hebbet gemordet 
enen knecht tusschen Silverstorp unde Petersstorp unde 
namen emc 3 ml. unde ich krech to mynen parte 
14 sch., noch hebbe ich myt Pavel Wyncke gestollen 
to der Hamen enem knechte 3 gl., noch hebbe ich 
myt Pawel Wyncke gebrocken enen block op Lensaner 
ffelde anno 19, dar uth genomen 3 gl., * noch [f. 16'. 
hebbe ich myt Pavel Wyncke, Claves Gossekes, Gorges 
Stilleganck, Jachim Scarpenberck, Hans Pctersschen, 
noch was dar eyn mede, dey was rechter to der Wysmer 
unde hetede Claves Boutyn, wy hebbet gebracken Sunt 
Jürgens kercken vor der Nygenstat unde namen dar 
enen kelck unde in deme kelck waren 7 ostien, noch 
hebbe ick myt Pawel Wynck unde Claves Gossekes 
braken enen block vor der Lebraden unde nemen dar 
ut 2 marck, noch hebbe ich unde Pavel Wynck unde 
Claves Gossekes gemordet enen knecht in dem Ploner 
broke unde namen emme 3 ml. b). noch hebbe ich unde 
Pavel Wyncke unde Claves Gossekes, wy hebbet gebracken 
dey kapeilen vor Lensan unde breken dar inne enen 
block unde nemen dar uth 4 ml. b), noch stal ich, 
Hinrich Sschroder unde Pavel Wyncken eyn pert vor 
Tymmendorpe unde geven dat vor 2 marck, noch stal 
ich, Hinrich Schröder, op Nygenradel ffelde tw[e] plochiser, 
noch hebbe ich myt Pavel Wyncken unde Claves 
Gossekes, wy stelen ene kannen to Lensan, vorkolTt. 
vor 7 sch., noch hebbe ich, Hinrich Schröder, gestollen 
enen hoken to der Svinekulen, den gaff ich vor ene 
marck. 

a) Der folgende Teil der Eintragung ist mit anderer Tinte 
geschrieben. 

h) Die in der Handschrift stehenden undeutlichen Zeictien 
bedeuten wahrscheinlich „ml." 



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Das Kieler Varboch 1465 — 1546. 



75 



37. (B.41). * Item anno 1510 wart Hans [f. 17. 
Kroger na syner egen bekantnisse myt allem lubesschen 
rechte vorwunnen, so dat hey na syner undat wyllen, 
dcy hey gcdan hade, dat hey brack den block to 
Kalvarie vor dem Kyle op unser leven ffrauffen dach a) 
des avendes unde nam dar uth alle, dat dar inne was, 
noch dede eine ene maget to Lubeke enen slotel to 
erer laden op guden geloven unde hey solde dar 8 seh. 
ut nemen, so stal hey er dar ut 10 marck b). 

38. (B. 40). Item anno 1521 waren rychte vogedc 
Peter Smclinck, Jacop Schröder, do wart vort gegrepen 
op sehyner dat eyn smedeknecht, geheyten Jachym 
Stenbruger, dey stack enen smedeknecht dot in Claves 
Hertiges hnse bynnen dem Kyle unde dey dode hette 
Peter Pruse, unde hey wart vort gegreppen unde hey 
wort (wort) op ey[n] rat gelecht. 

3i). (B. 46). * Item anno 1522 waren rychte [f. 17'. 
vogede Peter Smelinck, Jacop Schröder, do wart vor- 
wunnen myt allen lubesschen rechte Hans Bremer unde 
wort umme syner undat wyllen in dey galgen gehenget 
hyr umme, dat hey stal Temmen Schütten 1 perl van 
dem Koy berge vor deme Kyle, noch stal hey eynen 
tynnen stop Claves Brant to der Wysmer, noch 
hevet hey gestollen siner moder suster 1 tinnen vat, 
noch hevet hey gestollen 2 tinnen vate ut deme 
swarten kloster to der Wysmer, vorkofft vor 3 sch., 
noch stal hey 1 pert by Perchym unde let dat wech 
driven, noch hevet hey gestollen sines vaders suster 
to Rosteke 2 sylveren leppel, noch hevet hey gestollen 
3 eilen wandes to deme Sterneberge, dey eilen o* sch., 
noch hevet hey gestollen Badendyck to Rosteke 2 perde, 
noch hevet hey gestollen Segebaden 1 pert, noch ffant 
hey to deme Sunde enen budel, dar waren inne 3 gl., 

a) Freitat; S. September. 

h) Daneben von anderer Hand hinzugefügt „add. fol. 15. 
col 1" 8. o. S. 72, Anm. e. 



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76 Das Kieler Varbach 1465-1546. 

noch stal hey 7 gülden van dem fforwagen tasschen 
Brunsswyck unde Hyldescm up der langen wyssk, noch 
hevet hey gestollen 4 laken wandes to Dertsau unde 
let dar äff niaken * hosen unde wames. Item Claves [f. 18 
Segert to Worden in der Aldenmarke, dcy stal 20 marck 
Sivert Brusele, dey dede hey Hans Bremer to vorwaren, 
unde hey wart dar sulvest limine gerichtet, dey dat 
ersten stal to deine Sunde, noch stal Hans Bremer 
1 agatcn vifftidi to der Wysmer up der bleke myt 
sylveren stenen, vorkofft vor 14 sch., noch stal hey to 
der Wysmer op Stinte Jacops hove ene tynnen kannen, 
gaff hey vor 6 sch., noch stal Hans Bremer Claves 
Stenhus, Peter Grisen knechte, to der Wysmer 20 marck, 
noch stal hey to Lubeke Toniges Bekop 5 marck in 
deine perdestalle in encm budel. 

40. (13. 47). * Item anno 1522 waren rychte (f. 18'. 
vogede Peter Smelinck, Jacop Schröder, dowart vorwunnen 
myt allen lubeschen rechte na syner egen bekantnysse 
Hans Holste, do sulvest wart umme siner undat wyllen, 
dey hey hevet gedan, hyr umme is hey op eyn rat 
gelecht, hyr umme, dat hey wolde Nygemunster ansteken, 
noch hevet Hans Holste gestollen 1 verendel lasses van 
deme wagen, det norde to Mathias van deine Hagen, 
noch hevet hey gestollen enen ffallen myt Hans Grabouwen 
unde gaven den vor 2 marck, noch hevet Holste bekant, 
dat hey hevet Darssow anstickede na deme unwyllen, 
den he myt deme werde hadde, noch hevet Hans Holste 
myt Hans Mertensen braken enen block to hope vor 
Kukenssen, noch hevet Hans Holst gebraken enen block 
vor Malenten myt syner selschop, noch hevet Hans 
Holsten braken enen block vor Ecksen myt Claves 
Oldenborch unde is to hus sumtides myt Hertich Dybbern 
to Nygenmunster, noch hevet Hans Holste myt synen 
vedderen Hans * Holste, wonnende toKuddeworden, [f. 11). 
dusse hebbet genomet) ener ffrowen etlike ssmyde van 
deme wagen, noch hevet hey myt enem Detmersschen 



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Das Kieler Varbuch 1465 1546. 



77 



gestollen 3 pcrde unde nemen dar noch eyn port to, 
vorkofTt enem , dev het Claves Arfrot noch stal hcv 
enem kremer 1 Stelen bogen in deine Hoykendorper 
berge, noch brack hey enen block vor Derrsow myt 
Hans Holste synen vedderen, noch brack hey enen 
block vor dem Hoykendorper berge, noch hevet hey 
gebrocken enen block vor Keksen vor der molen myt 
Hans Holst sin[en) vodjderen], noch gestollen enen graven 
rock, noch gestollen ene eilen gron hagens to Lubeke 
op dem wanthus, noch gestollen to Dessou 1 kordien 
enen kopman, noch hevet hey myt Hans Rosenhagen 
unde myt Hans Hosenhagen knechte gemordet 2 mans 
unde gegraven in den myst to Slave in dem kroge, 
noch hevet hey gestollen enen wetsscher myt Marqwart 
Wysen bynnen Derssow, dar was inne 15 p. , noch 
brack hey enen block vor Kekenisse, dar nam hey uth 
6 p., noch hevet hey myt synen vedderen Hans Holsten, 
wonnaftich *to Kuddewurden, enen kremergemordet Jf. UV. 
in deme VVunnekenbroke unde nemen emme synen kram, 
noch hevet hey gemordet myt Hans Holsten in deme 
VVunnekenbroke enen mans, dey hatte by sich ene 
ffrowen, dey leten sey gan(t]a), noch nam hey enen 
ruter eyn harns, dat vorkoffte hey, noch hevet hey 
gestolen ener ffrauwen enen bruggesschen 1>) hoken, 
noch hevet hey gestollen ener ffrawen 14 sch. in dem 
Sapken kroge vor Lubeke, noch hevet hey myt Hans 
Holsten gestollen 2 svvine unde enen ossen to dem 
Duvensee, noch hevet hey myt syner selsschop gebracken 
ene kercken, dar nemen sey uth ene monstrancie unde 
gotten dat sacrament op dat altar, dar was by Hans 
Hermensen, syn vader wont to Mollentyn, noch hevet 
hey bekant, dat emme nument halp van dey borch, 



a) Da» „t" ist undeutlich. 

h) Dahinter „1", wahrsclmnlieh versch ieben und nicht durch- 
strichen. 



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78 



Das Kieler Varbuoh 1465—1540. 



sunder Jacop unde Hermen hebbet dey sclottel vor- 
gehen op dem kumen, unde sloL sych sulven op. 

41. (B. 50). * Item anno 1526 waren rychte |f. 20. 
vogede Peter Smclinck, Albert Arndes, do wort vorwunnen 
myt allen lubesschen rechte na syner (igen bekantnisse 
Hans Boy umme syne undat wyllen (wy)len), dey hey 
hadde gedan, wort op eyn rat gelecht dar umme, dat 
hey unde Jürgen Lodewich, Hennyck van Brunswick, 
Hans Vorloper slogen dot Kienen Kvert, eren egen 
gesellen by Westke. Noch hevel hey unde Jürgen 
Lodewich, Hennyck van Brunswiek, Hans Vorloper, 
dey swarte her Johan Kerckher to der groten heyde, 
dusse hebbet gebrocken dey kercken to Swenekendorpe 
unde hebbet dar uth genomen 3 kelcke, noch hevet 
Hans Boy, Hene van Saltow, Hennick van Brunswick, 
Hans Vorloper, Jürgen Lodewich, dusse hebbet gebrocken 
enen block by Dalenborch int hint to Lunenboreh, noch 
hevet Hans Boy gebrocken enen block tussehen Saratin 
unde Wytten horch myt Jorgen a) van der Horch, Dyrich 
van Lubeke, Hinrich Netgeselle, noch hevet Hans Boy 
myt Claves Paris, Steffen dey Wale, Mauricius Brassche, 
Jacop van Sschuse, dusse hebbet (hebet) gebrocken enen 
klus tussehen der W ismer unde by der Boyekey, dar 
hebben sey ut genomen 1 1 marck, noch hevet Hans 
Boy myt Hans Tode, Wylleken Sundergelt, dusse hebbet 
* gebrocken enen block by Harborch, dar kregen (f. 20'. 
sey ut o marck, noch hevet Hans Boy gekregen 12 marck 
to synem dele vor Brestede, noch hevet Hans Boy myt 
Dyrich van Lubeke, Hinrich Netgeselle, Jorgen van der 
Horch, dusse hebbet gebracken den block op der Levesoy, 
dar ut genomen 13 marck, noch hevet Hans Boy unde 
syne selschop gekomen to Suestorpe in Herlelt Fflyndes 
huse unde namen b) vor, dat sey kunste wysten, dat 

a) Dahinter duretotrichen „Lodewich". 

b) Wohl verschrieben für „gaven". 



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Das Kieler Varbuch 1465--154G. 



79 



sey konden gelt ffynden, so is Hans Roy gegan in dey 
kameren to bedde unde dey ander is in dem huse 
gebleven unde er anslach was so: waner dat gelt unde 
sylver wer in der kysten, so wolde syn geselle den 
wert myt enem perde int ITelt schycken, so wolde Hans 
Boy dat gut nemen unde krupen dor dat fTynster, so 
wolde dcy ander myt der ffrawen so lo werke gan so 
lange, dat dey ander myt deine gudc eyn wege wer. 
Noch hevet Hans Boy bute gekregen van twen kelcken, 
dcy syn gesellen hebbet genomen to Bramstedc. 

42. (B. 51). * Item anno 1520 waren richte [f. 21. 
vogede Feter Smelinck, Albert Arndes, do wart vor- 
wunnen myt allem lubesschen rechte Hinrich Netgeselle, 
so dnt hey um nie syner undat wyllen, dey hey hadde 
gedan, wart gelecht op eyn rat na syner egen bekantnisse, 
dat hey hevet genomen enem Scheper '/* gl. by Atendorp, 
noch hevet Hinrich Netgeselle gestollen l pert unde 
2 koge enem, het Frederick Tytken, to dem Rockwinkel, 
noch hevet Hinrich Netgeselle gestollen 2 koge enem 
schomaker int stickt van Bremen, noch hevet hey 
genomen 1 pert enem, geheyten Hermen Titcken, vor- 
kofft vo[r) 3 gl., noch hevet Hans Netgeselle unde 
Ffrederick Brynckman, Claves Holle, Claves Bose, 
Hinrich Kolberch, dusse hebbet gebrocken ene kercken 
int sticht van Bremen, dar namen ut ener kisten 
5 marck, enen rock, enen hoken, noch hevet Hinrich 
Netgeselle myt syner selschop hir vorgescr. gebrocken 
ene kercken ene halve myle van Bremen, genomet tom 
Groten Horn, dar ut genomen 10 ml., noch hevet 
Hinrich Netgesel, Jorgen Lodewich, Andres Kos, dusse 
hebbet genomen a). 

43. (B. 52). * Item 1520 do waren rychte [f. 21'. 
ffogede Peter Smelinck unde Albert Arndes, do wort 
vorwunnen myt allem lubesschem rechte Andres Ros, 



a) Die Handschrift bricht hier ab. 



80 



Das Kieler Varbnch 1465-1546. 



so dät hey umme syner undat wyllen, dey hey hadde 
gedan, wart gelecht op eyn rat na syner egen bekantnysse, 
dat hey is mede gewest in matssehop Hans Boy 8 dage 
unde is mede gewest in 2 husen, dar hebben sey nycht 
gekregen, mer haden sey wat gekregen, des wolde hey 
mede genotten hebben, noch hevet Andres Ros bekunt, 
dat hey is mede gewest to Brestede, dar worden hunder[t] 
marck genomen, dar krech hey bute van, noch hevet 
Andres Ros bekant, dat hey unde Mychel van Lubeke, 
Mauricius Brassche, Hinrich Moller, Lütke Moller, Vyt 
van der Krempe, dusse hebbet gebrocken ene ka pelle 
by Stcrgerde in gensyt Stetyn int lant to Panieren, dar 
namen sey uth 10 gl., noch hevet Andres Ros unde 
Melchor Konrades, Hans Vorloper, Mychel Kolbcrch, 
Claves Prenslo, dusse hebbet ene kercken gebrocken in 
der Nygenmarke, dar kregen sey uth 5 stendelsche 
marck, noch hevet Andres Ros, Claves Prenslo, Hans 
Vorloper, Mychel * Kolbereh, Melcher Konrades, [f. 22. 
dusse hebbet ene kercken gebracken int laut to Barby 
Marien dey Kranse»), dar kregen sey uth 20 marck, 
noch hevet Andres Ros, Jorgen Lodcwyck, Jorgen van 
der Horch, Hans Vorloper, Mychel Kolbcrch, Claves 
Prenslo, Melcher Konrades, Hene van Brunswyck, dusse 
hebbet gebrocken ene kercken by GefTort int lant to 
Lunenborch, dar namen sey uth hundert gl., noch hevet 
Andres Ros, Hans Vorloper, Mychel Kolberch, Claves 
Prenslo, Melcher Konrades, Hene van Brunswick, dusse 
hebbet gebrocken ene kapeilen by Tryposes, dar kregen 
sey uth 3 gl., noch hevet Andres Ros bekant, dat hey 
unde (unde) Hans Vorloper, Hene van Brunswick, 
Mychel Kolberck, Melcher Konrades. Claves Prenslo, 
SstelTen dey Wale, dusse hebbet gebrocken ene kercken 
tusschen Rosteke unde Butssow, dar kregen sey uth 
3 styge marck. 

;i) \Y( ihr scheinlieh „krause' 4 und nicht,, kanse" oder „krause", 
vielleicht fehlt vor „dey" „myt". 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. gl 

44. (B.53). * Item anno 152b* do waren richte [f. 22'. 
vogede Peter Smelinck, Albert Arndes, do ward h[er] 
Thomas Mathess(ess)en , so als hey was eyn pape, so 
wart hey geworpen in den keyser umme syner undat 
wyllen, dey hey hadde gedan myt syner selschop. So 
hevet hey bekant dusse nagescr. stucke genodiget unde 
ungenodiget op synen ffrigon voten vor twen besetten 
borgeren, myt namen Dyrick Lodewick unde mester 
Claves dey bartscherer, Vormunde by dengraven broderen. 
So hevet hey bekant, dat hey is mede gewest in 
matsschop Hans Boy achte dage unde is mede gewest 
in twen hoven, dar sey wolden sele vorlosen unde 
wolden gelt vinden, mer dat hevet enne nycht gelueket, 
dat sey wat hebbet gekregen, mer heden sey wat 
gekregen, des wolde hey mede genotten hebben, noch 
hevet hey bekant, dat hey unde Jorgen Lodewick, 
Melcher Konrades, Wylleken Sundergelt, dusse hebbet 
gebrocken ene kapeilen in gensit Stetyn, dar namen sey 
uth 30*gl„ noch hebbet hey bekant, dat hey unde (f. 23. 
Jorgen Lodewick, Jorgen van der Borch, Hene van 
Brunswick, Steffen dey Wale, Claves Paris, dusse hebbet 
gebrocken ene kercken int lant to Halverstadt, dar kregen 
sey uth 3 styge marck, noch hevet hey bekant, dat hey 
unde Jorgen Lodewick braken enen block vor Hildezen, 
dar kregen sey uth 30 mathier, noch hevet hey myt 
syner selsschop gebrocken enen block vor Kmeke, dar 
kregen sey uth 20 mathier. 

45. (B. 49). Item anno lf>26 do waren richte 
vogede Peter Smelinck unde Albert Arndes, do wart 
eyn densman, geheyten Hans Glasewarder, dusse wart 
gemordet vor dem Kyle in dem stat holte unde is to 
dem Kyle vor gerichte gebracht op Ffrydacha) na der 
Helmelffart Cristi unde dey vorspreke hevet angeklaget 
van des doden mans wegen unde syner ffronde Detleff 



a) 11. Mai. 

6 



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82 



Das Kieler Varlmch 1466—1546. 



Sommerffelt, Marten Meier sonne, * unde enen [f. 23'. 
reysygen knecht, geheyten Kcrsten, to der tyt dende 
myt Detleff Rotlo. So alse dusse twe worden berochtiget, 
dat sey dyt solden hebben gedan, so synt sey vorffluchtich 
geworden, so synt sey geesschet in dem rechte, ene 
mal, ander mal unde derde mal unde nument is gewest, 
dey vor sey anworden wolde, so is to rechte gevunden, 
dat me sey solde ffredelos legen in lubesschcn rechte 
unde in .allen anderen gerychte, dat me ene solde 
ffolgen alse morder, unde deme doden is dey hant äff 
geloset op eyn recht, off sey wolden dar tegen seggen, 
so mochte sey gan to dem schyne. 

4(>. (B. 54). * Item in dem jare unses heren [f. 24. 
dusent vyf hundert unde 27 (jar) waren richte vogede 
Peter Smelinck unde Albert Arndes, do wort vorwunnen 
myt allem lubeschen rechte Claves Kunthovet, wort 
gelecht op eyn rat umme syner undat wyllen na syner 
egen bekantnysse in der hechte op sinen ffr[i)gen voten 
vor den richte vogeden unde twe besetten borgeren 
myt namen Dirich Lodewich unde mester Claves de 
bartscherer, dat hey is mede gewest to Borneholm unde 
hebet dar eyn schep genornen, dar waren oppe vyf 
mans dey worden over hart gehoven. Hyr weren mede 
Menert Ffrese to Tramunde, Hans van Bremen, Bartolmes 
Undusche. dey junge Uegemester wonnende to Tramunde, 
noch eyn knecht geheten Albert uth dat lant to Rügen. 
Item noch hevct Claves Runthovet myt dusser vorgescr. 
selschop hebbet genornen eyn sch[e]p vor den nygen 
depe vor dem Sunde, dar waren oppe vif mans, dey 
setten sey op dat lant unde sey togen myt dem schep 
unde gude eyn wech. Item noch hevet Claves Runthovet 
myt dusser vorgescr. selschop enem scheppe gevolget 
unde dat is en entlopen, sus wolde sey dat anders ok 
genomm hebben. 

47. (B. 55). '•• Item in dem jar dusent T> hundert (f. 24'. 
unde 30 waren richte vogede dey ersame Marqwart 



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Das Kieler Varbach 1465—1546. 83 

Kistemaker unde Jasp[er] Fferst, do vorklagede Peter 
Bock dey smet vor dem ersamen rade Kuneken Brokers, 
dat sey solde syne ffrawen betovert unde vordan hebben. 
Dar Peter Bock hevet borgen gestelt alse lubes recht 
inhelt unde let sey gripen op eyn recht unde let sey 
setten in dey hechte unde let sey pinygen, dat sey dan 
hevet bekant genodiget unde ungenodiget unde dar na 
op eren ffrien voten bekant vor dusse nagescr. borgeren 
alse myt namen Üirich Varenvvolt, mester Claves 
Bartscer, Jorgen Kruse, Gla[v]es Hartman, dusse nagescr. 
stucke, dey sey gebruket hevet. Item Kuneke Brokers 
hevet bekant, dat sey hevet etlike duvelsche kunste 
gebruket unde gemaket, dat vor genen luden stet to 
seggen, dat hevet sey geworpen in Peter Bockes hus, 
op dat eine unde syner ffrawen ungelucke unde kranck- 
heit solde van komen, dat ock gescen is. Dat dede sey 
dar umme, dat Peter Bock bade gesacht, dat Kunneke 
Brokers eine syne dochter Leneken geven myt grinten a) 
unde salt. Item noch hevet sey bekant, dat sey hevet 
Laurens Kiso ock etlike duvelsche kunste gebruket unde 
gemaket unde gebracht unde gegraven in Laurens Kiso 
sin hus, dat ock nicht stet to segen for framen luden, 
dar* um eine unde syner ffrawen kranckheit unde [f. 25. 
ungelucke unde nen gut solde van sehen, dat ock 
gesehen is. Dat hevet sey dar umme gedan, dat hey 
er dochter uth deme huse koffte. Dusse stucke vo[r]gescr. 
hevet er gelert ene ffrawe, hade eyn oge, wonede op 
dem Garden unde hode dey koge unde is gestorven in 
dem gasthus. Item noch hevet sey kekant b), dat sey 
hevet dusse duvelsche kunste gebruket unde hevet Laurens 
Kiso besmert myt erer salve, dey hevet er er moder 
gelert, dat vor fframen luden nicht to seggen stet, hade 
sey in ener bussen, dey haden sey unde er moder 
tosamen maket, dar mede smerde sey Laurens Kiso op 

a) „Grinten" ist die wahrscheinliefiste Lesart. 

b) Verschrieben für „bekant". 

6* 



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84 



Das Kieler Varbnch 1466-1540. 



synen gellen rock in der Ffasten, op dat ene solde 
krancheit unde ungelicke und eyn qwat gerochte krigen. 
Item noch hevet sey bekant, dat sey hevet Albert Arndes 
nageworpen etlike duvelsche kunste, dey nicht to segen 
stet vor fframen luden, dat hey solde krancheyt unde 
ungelucke und eyn qwat gerochte van krygen. Item 
noch hevet sey bekant, dat sey hevet Albert Arndes 
besmert myt der sulfften salven, dar sey Kiso mede 
besmerde. Item noch hevet sey kekanta), dat sey is 
eyn openbare toversche unde hevet dusse kunste vaken 
gebruket. Item dyt hevet sey bekant in der hechte 
unde vor deme rechte, dat sey dit kan unde nycht er 
dochter * unde wet ock van nemande binnen off [f. 25'. 
buten dem Kile, dey van solken dingen wet mer dey 
ffrawc myt dem enen oge vorgescr. Dyt hevet sey so 
bekant unde is dar ock op gestorven vor dussen 
nagescr. borgeren in der hechte unde buten der hechte, 
namelick Jochim Sculte, Hene Sculte, Asmus Tegeler, 
Jorgen Frese, Andres Smet, Hinrich Swertfeger, Hans 
Kiensmet, Dirich Lodcwich, Hinrich Fferst, Willem 
Buntmaker, Pavel Toke, Claves Mesmaker, mester Glaves 
Bartseer, Kort Neteler, Jasper Goltsmet, Hans Bulleke, 
Detlef Horn, Markus Pil, Gosschalck Boye, Hans Bender, 
Hinrieh Beeker, Markus Goltsmet, Hinrich Beckeman, 
Hans Sconbeck, Peter Beckeman, Hans Bussenscut, 
Gert Ffrissche, Pavel Gelbeck, Claves Wilde, Hans 
Potinck, Peter Neve, Claves Hartman. Item ume der 
sulven undat willen, dey sey hevet gebruket, alse hir 
vorgescr., is sey overwunnen alse ene toversche na allen 
lu besehen rechte, na erer egen bekantnisse is sey vor- 
w[i]set to dem dode unde is int für geworpen unde 
vorbrant alse euer tovenerschen behort. 

1>) Item so hevet gestan Hans Potinck vor den 
ersamen richte fogeden myt namen Marqwart Kistemaker, 

a) Verschrieben für „bekant". 

b) Der Best der Eintragung ist mit anderer Tinte geschrieben. 



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Das Kieler Varbuch 1465- 154«',. 



85 



Jasper Ferst, do Laurens Kiso gestorven was, unde 
hevet bekant, dat hey off sin ffrowe nycht eyn wysten 
dan lef unde gut op Glaves Doberen ffrowen off er 
suster Leneken dan for erlike frome ffrowen, in bywesen 
unde to tuge genomen dusse nagescr. borger Hinrich 
Beckeman, Peter Neve, Pavel Kroger, Hene Sculte, 
Peter Kangeter, Jasper Gratop, Hinrich Kloke, Markus 
Pil, Jorgen Resen. 

48. (B. 55). * Item op dey selve tyt unde [f. 2<>. 
op den selven dach wort ock Grete Helrniges overwunnen 
myt allem lubeschen rechte unde wort myt Kunneken 
Brokers int ffur geworpen unde vorbrant alse ene 
openbar tovenersche bohort, nomeliken umme dusser 
sake willen, dey sey hevet bekant genodiget unde 
ungenodiget in der hechte unde buten der hechte op 
ffrien voten unde vor deme rechte vor dussen vorgescr. 
borgeren, alse Dirich Varenwolt, Claves Bartscer unde 
vor allem sweme, dat sey hevet gebruket duvelsche 
kunste, dey legen Got unde den cristliken geloven get. 
Ock hevet sey gelert enem gebeten Eggert Daberen 
etlike duvelsche kunste, dey hey solde bruken tusschen 
sick unde siner ffrawen, dey nicht stat ffor fromen luden 
to seggen, ock hevet sey bekant, dat sey ffele lüde 
bedrogen myt eren duvelschen kunsten, dey ock nicht 
to segen stat vor fromen luden, ock hevet sey etlike 
duvelsche kunste gebruket in der hechte, dat dey ene 
na dem anderen dale fei unde etlike kranck legen eyn 
tyt lanck in den dot, noch is Grete Helmeges in vor- 
tiden gesetten in der hechte, dar sey ock etlike stucke 
hevet bekant, dar vor gebaden wort, dat sey los qwam 
unde behelt dat levent, noch hevet sey van enem morder 
eyn wames genomen unde hevet gemakct, dat hey is 
eyn wech gekomen. 

49. (B. 56). * Item in den jar dusent [f. 26'. 
5 hundert unde 30 waren richte ffogede dey ersame 
Marqwart Kistemaker under Jasper Fferst, do wort 



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Sf> 



Das Kieler Varbuch 1465—1546. 



gegreppen Hans Stamer tusschen Nigemunster unde dem 
Kile unde wort beslagen op scyner dat, dat hey hadde 
vorgelegen Johan Langeberch unde ene myt gewalt van 
synen perde gedrungen unde eme ock genomen unde 
ene weder op dat syne gesät, dar hey over gegreppen 
wort unde hey dat ock bekande genodiget. unde ungenodiget, 
noch hevet hey bekant, dat hey hevet gestollen 3 swine 
to Hamborch, dey eme bejegeden vor dem Damdor unde 
dref sey in Peter a) Henseken hus, ut dem huse dref 
hey sey op dat Hoppenmarket unde vorkoffte sey vor 
3 gl., noch hevet hey bekant, dat hey hevet gestollen 
int lant to Oldenborch in eyn dorp geheten Hermckstorp 
uth ener spiskisten 24 gl., etlike gülden van 2 marken 
unde mer, noch hevet hey gestollen op den markede 
den kremeren etlike messe, noch hevet hey gestollen 
al dat hey overqwam, exen, bilen, barden, tuder unde 
wat hey krigen konde, noch hevet hey gestollen her 
Johan Sculten eyn net unde spade uth sinen havet, 
noch hevet hey gestollen enen manne van Hamborch 
uth den budel in Jasper Sculten huse, noch hevet hey 
Hans Smede vaken syne kome getogen unde dar uth 
geno*men, wat dar inne was, noch hevet hey [f. 27. 
bekant, dat hey hevet ene junckfrowe genotoget unde 
hade ene frowe, noch hevet hey gestollen to Hamborch 
ener ffrowen, geheten Kick in de Fficken eyn silveren 
vifftich unde vorbutet vor twe perde to dem Kile op 
deyn (dem) Kobe[r]ge. Dyt hevet hey bekant genodiget 
unde ungenodiget op ffrien voten in bywesen dusen 
nagescr. besetten borgeren Dyrich Varenwolt, mester 
Claves Bartscer unde ock bekant in dem rechte. 

50. (B. 59). Item in dem jar dusent 5 hundert 
und 35 weren richte vogede dey ersame Marqwart 
Kistemaker unde Jasp[er] Fferst, do is gesehen, dat dar 
is gewest eyn trumensleger geheten Hans und is gewest 

a) Dahinter „s" wahrscheinlich verschrieben nna versehentlieh 
nicht tlarchati ichen. 



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Dax Kieler Varbnch 1465 — 1546. 



87 



van Kongesberge, dey sulve Hans is to gegan op 
Mytweken») vor Vastelavent unde hevet enen kremer 
geheten Hermen Robertes dot gosteken im Kat[rin]en b) 
Tormaus hus unde is dar over beslagen unde in dey 
hechte gebracht unde des doden ffrunde hebbet over 
ene geklaget und hebet lubes recht begert over den 
dotsleger und hebet borgen gesettet, eren recht to ffolgen. 
Dar op synt dey richte vogcde gegan in dey hechte und 
den dotsleger gefraget, wat dar limine sy, und dey dot- 
sleger myt namen Hans van Kongesberge, eyn trumen- 
sleger, hevet togestan * op flxyen voten, dat hey [f. 27'. 
dat hevet gedan unde anders nemant, vor dussen beyden 
richte vogeden vorgescr. und dussen dren nabescreven 
[dren] beselten borgeren, myt namen Peter Neve, Claves 
Hartman, Hans Walbom und is des Frydages c) vort 
int recht gebracht und van den ffrunde angeklagctd) 
und hebet begert lubes recht. So hevet dey rcchtdeler 
den dotsleger geffraget, wat hey dar to sege, so hevet 
hey geslan op ffrien voten und hevet togestan, hey hebbe 
den man dot gesteken und anders nemant. Dar op 
wort gefunden vor lubes recht, me sohle em ut fToren 
und op eyn rat stoten. So hebet eme dey ffrunde 
gegunt dorch bede der heren unde ffel ffromer borger, 
dat hey e) van boven dal wort gerichtet. Dem is so 
gesehen und op ey[n] rat gelecht und dey ffronde heben 
al gestan scaden, dey dar op gegen 0 is, und wol betalt. 

51. * Item im jar dusent 5° unde 36 8 dage [f. 28. 
vor Vastelavent g) is gebracht vort recht eyn dot knecht 
geheten Ffrans Varenwolt, Dirich Varenwolt syn sonne, 

a) S. Februar. 

b) Der mittlere Teil den Wortes int unleserlich, vielleicht 
„Katrinen". 

c) 5. Februar. 

d) Dahinter durchstrichen „als lubes". 

e) Dahinter ein unverständlichesWort von 2 Bucfistabm („do" ?) 

f) Wahrscheinlich verschrieben für „gegan". 

D. h. die Tage vor und nach Sonntag Fatomihi, 26. Februar. 



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88 



Das Kieler Verbuch 1465—1546. 



undc hade laten hegen eyn var recht unde Dirick 
Varenwolt van wegen sines sones des doden hevet hey 
laten esschen to rechte (rechte) Hans Sculten, Hinrich 
Sculten suster sonne, unde Hans Ffos, Hinrich Sculten 
dener, unde Claves a) . . . , Claves van der Wis synen 
knecht unde dey forspreke hevet sey geesschet to deme 
scyne. So is Hinrich Sculte vorgetreden unde hevet 
begert, dat hey dar op mochte antwerden van wegen 
Hans Sculten, syner suster sone, dat is erae vorgunt. 
So hevet hey gesproken, hey sy myt Dyrick Varenwolt, 
des doden vader, gewest vor dem ersamen rade unde 
hebe dar tuge gevort, loffwerdige bosetene borger, dey 
hebet geluget unde wolden dar er recht to don so hoge 
alse lubes recht vormach, dat Hans Sculte, Hinrich 
Sculten suster sonne, sy dar nycht mede over unde ane 
gewest, do Ffrans Varenwolt wort geslagen unde sy 
ock dar nycht by gewest. So synt dey seiven twe 
besetten borger myt namen Pavel Toke, Frederick 
Bagelman gestan vor dem rechte unde synt overbodich 
gewest, den et to donde, den sey vor den rade don wolden. 
So hevet * Dyrick Varenwolt, des doden vader, [f. 28'. 
dar op geantwert, hey begere eren eth nycht, sunder 
hey truwe en unde geve en den eth qwit, hey wyl synen 
sone gene ede na senden. Dar op fant dey rechtdeler 
na lubeschen rechte Hans Sculten, Hinrich Sculten suster 
sonne, ledich unde ffry, also dat dey selve Hans Sculten, 
Hinrich Sculten suster sonne, mach gan unde stan to 
deme Kyle uth unde in unde in allem lubeschen rechte 
off anderen rechte sunder genygerleie insage off nyge 
funde van Dirick Varenwolt wegen off des doden Frans 
Varenwolts ffrunden. Hir to to tuge geesschet unde 
gebeden dorch Hinrich Sculten van wegen Hans Sculten, 
syner suster sone, tuge myt namen Hertich Hene, Jochim 
Sculte, Detlef Gryp, Jasp[er] Goltsmet, Hans Walbom, 



a) Nach „Hans" ist jedesmal eine Lücke. 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



89 



Markus Wolder, al lofwerdige besetene borger. Vorder 
begerde Dirick Varenwolt van wegen syns sons, dey dar dot 
lach, dey anderen beide alse Hans Ffos unde Claves . . 
Claves van der Wis svnen dener, solde men esschen 
to deine schyne to konie. Deine also gesehen is unde 
synt dre mal geeschet by namen unde dar is nemant 
van erent wegen gekomen tor antwerde vor dey beyden, 
dey geesschet synt to * deme scyne to komen. [f. 29. 
So hevet dey selve Dyrick Varenwolt van wegen syns 
sons des dodena), dat me dey selven beyde wolde 
ffredelos legen in dussem rechte unde in allem 
lubesschen rechte unde in allen anderen rechte, 
geynen frede to heben, unde war hey sey ffunden, 
in wat rechte, sey mochte antasten unde er recht to 
donde. Dar op ffant dey recht deler to rechte, dat dey 
ffaget van wegen mynes genedigen heren solde op stan 
und sey ffredelos legen van wegen mynes genedigen 
heren unde des rades to dem Kyle. Deme hey also 
gedan hevet unde is op gestan unde hevet gesacht: So 
sta ick hyr van wegen myne(n)s genedigen heren unde 
des rades to dem Kyle unde lege hir ffredelos Hans 
Ffos unde Claves . . ., Claves van der Wis dener, to 
dem ersten mal unde to dem anderen mal unde to dem 
derden mal, geynen ffrede to heben in lubeschen rechte 
off anderen rechte, in kerken off klusen, in velde, in 
bussche, in broke, in torve off twige off nergen geynen 
plas to heben. Hir hevet Dirick Varenwolt tuge to 
geesschet und gebeden dusse vorgescr. tuge unde Hans 
Rower unde Dirick Seroder. 

52. (B. 60). * Item anno 153(5 waren richte [f. 29'. 
vogedeb) Marqwart Kistemaker unde Jasper Fferst, do 
wart gehalden eyn varrecht op den Donderdach c) na 
Winnachten van wegen enes knechtes gebeten eyn 

a) Es fehlt ein Wort toie „begert". 

b) Dahinter durchstrichen „Hans". 

c) 28. Dezember. 



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IM) 



Das Kieler Varbueli 1465 — 1546. 



diekgrever uth lant to Meekenborch, dey dar is van 
leven to dem dodo gekamen dorch Mester Egert Platen- 
sleger in des Platenslegers egen hus, dat also to gegan 
is, dat Hans Kower unde Ciriacus Vorspreke, dey selven 
beyde als vorbider synes rechten heben geclaget den 
vogeden vorgescr. over den selven knecht, dey dar doth 
lach als over enen weldener, dey wor gekomen by 
nachtyden in mester Egerdes hus unde wolde eme syn 
lyf unde levent beroven unde hevet onegedrungen in 
syn slapkamer, des hevet mester Egert geropen eyn 
jodute over walt unde (unde) woll, dat syn naber boven 
unde beneden hedden gehört. Ock wer dar eyn grever 
knecht in dem huse, dey dar mede over und an wer 
gewest, wat dey selve knecht und syn naber tugeden, 
sohle eme wol und we don und soldc doch senden 
etlike borger, dey vvolt tho * besichtigen. Dem [f. 30. 
also gesehen is unde synt strax twe beseiten borger 
hen gesant myt namen .Jorgen Kruse unde Claves 
Hartman myt enem statdener als myt»; Hans Batstover 
unde liebet dat besichtiget, dat dar synt 3 ffersehe hove 
gehoven in dey dor vor syner slapkamer und enen stot. 
IM is to rechte koinen und Hans Rower unde Ciriacus 
spicken den doden als enen weldener unde dey gewalt 
hede gedan I») unde beden, dat me solde dey tuge vor- 
horen und begerden lubes recht aver den doden. So 
is to rechte geessehet eyn dickknecht myt namen geheten 
Hans Hecker unde Platenslegersehe myt erer dochter 
und dey knecht solde dey warheit segen, als it gegan 
und gescen were, als hey wolde bekant syn und syn 
recht dar to to donde. So hevet Hans Becker getuget 
in nedersten recht, dat et also gegan unde gesehen is, 
dat hey hevet gesetten myt mester Egert in syner 
dornsen unde heben to hope gedrunken. So is Bartolmeus, 
dey dar nu dot * lieht, is gekomen to cm in dey [f. iKV. 

n) „Myt" scheint verändert zn sein in „mester". 

I») Dahinter »teht noch „da", aber anseheinend durchstrichen. 



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Das Kieler Varbarh 1465 — 1546 



91 



dorns und hevet gesacht: Hans Becker, vval drinkestu? 
Hans hevet geantwert: Her drinck, du kanstwol gedenken, 
dat ick geynen wyn drinke, su, drinck dat negeken uth, 
so vvyl wy eyncn ffrisschen laten halen. So hevet 
Bartolmeus gesacht to Hans Becker: Nen, ick wyl by 
dey momen gan sytten unde wyl myt er eyn kan Honi- 
borger ber mede drinken. So hevet hey syck neder 
gesät by dey Platenslegerschen , so is mester Egert op 
gestan unde is uth der dornsen gegan unde hevet 
gefloket. So hevet dey Platenslegersche gesacht: Dat 
far dy selvest int lif, so hevet Bartolmeus gesacht: Wat 
ffclet dy olden scorff, dey olden hanrey? So hevet mester 
Egert Hans Becker geessch[et] uth der dornsen und 
hevet gesacht: Hans Becker, ga to bede, ick hebe dy 
eyn bede vorlent, dey geste werdet qwat. So hevet 
Hans Becker gesacht: Ja, her wert, ick wil to bede 
gan, und hevet syck op gemaket und is in den hoff 
gegan unde is dar na weder in dey dornsen gegan und 
wolde dem knechte besceden don. So is mester Egert 
weder gekomen unde hevet Hans Becker weder uth 
geeschet. So is * Hans Beeker weder uth gegan [f. 31. 
to mester Egert, so hevet mester Egert gestan vor der 
dor unde hevet enen spet in der hant gehat unde hevet 
gesächt to Hans Becker: Ga to bede. So hevet Hans 
gesacht: Her wert, gy solt mede to bede gan, unde 
mester Egert hevet gesacht: Hans, Bartolmeus is unnutte, 
ick wyl ene leren, wu hey my scelt vor enen scorff 
unde enen olden hanrey. So hevet Hans Becker gesacht : 
Her wert, das solle gy nycht don, gy solt myt my to 
bede gan, unde hevet mester Egert gebracht in syn 
slapkamer unde wolden to bede gan. So is Bartolmeus. 
dey dode knecht, gekomen unde hevet eyn exe ute 
kregen unde hevet to mester Egerde in dey kameren 
wolt unde Hans Becker wolde en nycht dar in Steden 
und hey wolde dar in. So hevet mester Egert gesproken: 
Bartolmeus, blif dar buten, off ick stote dy dat spet 



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92 



Das Kieler Varbtich 1465 — 154«. 



int liff. So hevet Hans Becker dar tusschen gestan 
und wolde en nycht in laten, so hevet dey knecht dar 
lick wol in gewolt, so hevet dey knecht gehoven myt 
der exe 2 ojfte] 3 mal in dey dor, so hevet mester 
Egert geropen unde gescregen jodute over wolt unde 
wolt. * So hevet sey Hans Becker to ffreden [f. 31'. 
gestelt unde Barlolmeus is ey[nj wech gegan und is in 
dey dornsen weder gegan, dar mester Egert noch dey 
knecht nycht äff eynwisten, unde dey stratendor stont 
open, so hevet Hans Becker mester Egerde gewesen 
dey stratendor open stan unde hevet gesacht: Dey knecht 
is wech, so hevet sick mester Egert to ffreden gegeven. 
So is dey knecht op gestan unde wolde to hus gan, so 
hevet dey Platenslegerschen gesacht: Bartolmeus, blivet 
hir, unde sey mede mester Egert wer to bede. So is 
mester Eggert gekomen in düsteren unde hevet ene dat 
spet int lif gesteken unde strax dot gleven*). Dyt hevet 
Hans Becker getuget unde gesworen to Gode und den 
Hiligen. So hevet dey Flatenslegersche er hant gelacht 
op er borst und er dochter hevet ock er hant gelacht 
op er borst unde beyde, moder unde dochter, heben 
gesworen to Gode unde den Ililligen, dat et so wer to 
gegan unde gescen so als Hans Becker hede getuget 
unde gesacht. * Hir en ffant dey recht deler, [f. 32. 
dat wer eyn ffel krech unde dey knecht hede sey to 
ffreden gestalt und na dem ffrede dot gesteken. Do 
fant dey recht deler, dat wer nene gewalt, men soljde] k) 
den knecht begraven und tor erden . . . c) unde mester 
Egert vorgolgend) myt allen lubesschen e) und ffredelos 
legen. Dyt hevet Hans Kower van mester Egerdes 



a) Vermutlich verschrieben für „hieven". 

b) Die zweite Hälfte des Wortes ist vermischt. 

c) Das in der Handschrift stellende Wort ist unleserlich, 
etwa „brengen" oder „kregen". 

d) Verschrieben für „vorfolgen". 

e) „Rechte" ist wohl vergessen. 



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Das Kieler Varbach 1465—1540. 



93 



wegen gesculden vor dein ersamen rat und verhopedcn 
- syck enes beteren rechtes. So is dey ersame rat to 
hope gekomen und Hans Rower hevet dey sake op 
gedecket und hevet begert lubes recht over den weldener, 
dey wer gekomen to mester Kgerde in syn hus in 
nachtslapender tyt und hevet dar enen (Falschen kyf 
myt eme angehaven und hevet ene gesculden vor enen 
olden scorff unde enen olden hanrey, so dat dey knecht. a). 

53. (B. 63). * Item im jar dusent 538 do [f. 32'. 
waren richte vogede Hinrich Puck und mester Konradus 
Wulf, do seten twe in der hechte als myt namen Claves 
Lutteke unde Kaspier] eyn glasemaker unde hebent 
bekant op eren frien foten, dat sey hebet vorkofft 
1 alrun to Kappel vor 1 ml., noch hebet sey vorkofft 
1 alrun in Swantzen vor 5 gl., noch hebet sey enen 
alrun vorkofft tusschen Slesswik unde Flensborch vor 
1 ml., noch vorkofft eyn alrun to der Wiek Jorgen 
Gosscalckes vor 3 ml., noch hebet sey matscop myt 
Merten Dorau, Pavel Berck, Claves Tode, noch hebet 
sey in Swansen enen kremer genomen sinen kram und 
Pavel Berck hevet dat tafelet, noch heben dusse genomen 
in der Gerischen heide enen holten linwandes. Dusse 
vorgescr. 4 Claes, Kasper, Pavel, Merten hebet 2 nyge 
sco in den wech geworpen und dar is eyn gekomen 
unde dey sco op nemen, dar hebet sey eme syn gelt 
genomen, dar hevet Claves 2 gl. van gekregen. Noch 
hevet dusse 4 vorgescr. Claves Lütke, Kasper, Pavel 
Berck, Merten Honel hebet enen wagen genomen unde 
1 gemordet int lant to Lunenborch, ock by enen wagen 
enen gemordet, noch hebet sey genomen im Hanebussche 
1 jungen syn kost unde 1 dubelden sch. Noch hebet 
dusse 4 vorge(ge)scr. gemord[et] enen kopman in Swantzen 
unde ene genomen 30 gl., noch hebet dusse 4 vorgescr. 
in Angelen enen man gemordet, dar kregen sey by 



a) Die HandschHft bricht hie)- ab. 



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94 



Das Kieler Varbnch 1465-1546. 



40 ml., noch hebet dusse 4 vorgescr. in Sunt Johanis 
market to den Kile enen kremer dat syne genomen 
unde ene an enen bom gebunden unde Glaes kreeh dar 
4 ml. van unde Pavel Berck is er hovetman unde wont 
lor Wismar in der Papenstrate. Kasper hevet sunderlich 
bekant myt Glaves Lutken, dat sey myt 4 lantzknechten 
als Hans van Minden, Cristofer van Bremen, Kasper 
Perlseke unde Rode Hans hebet 2 koplude gemordet 
by der Sismer in dem Grubenhagen. Item lick hebet 
gekregen 30 gl, noch heben sey enen buren genomen 
30 gl., noch hevet hey to Fill in Letton op frier Straten 
selff derde enen polacken genomen 12 silveren knop, 
dar kroch hey 4 fan. 

54. (B. 64). * Item im jar dusent 542 [f. 33. 
waren ric[hJtefogede dey ersame Hinrich Puck unde 
Gonradus Wulff op den Donderdach a) vor Sunt Johannes 
Patisten, do beiden sey eyn ITar recht van wegen 
Gosscalck Bogen synes knechtes halven Jacop Lobeke 
genant, dey was geffaren int holt unde wolde eyn foder 
holtcs halen unde is van motwillen unde synen egen 
willen ungedonheten op enen bom gestegen unde wolde 
dar ene telgen äff houwen sunder Gosscalck Bogen 
wetten undü willen unde is dar mede dal geffallen, dat 
hey dar van so ffel kroch, dat hey is gestorven in 
3 dage. Do hey lach, sante Gosscalck Boge 2 besettens 
borger to dem knechte, dey eine ffrageden, wu id to 
gegan were, off hey ock Gosscalck Bogen ock scult 
geve, off hey ock rat off dat dar to hede unde eine 
ock hede beffollen off don hettcn, dat hey solde op den 
bon stigen, dat hey dat nu sechte by syner seien salicheit. 
Dar op antwerde dey kriecht Jacop Lobeke, hey geve 
Gosscalck Bogen gein scult, hey hede eine des nycht 
don heten unde dat wer ock buten sinen wetten unde 
willen gesehen, mer hey hede datuth synen egen motwillen 

a) 22. Juni. 



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Das Kieler Varbnch 1465—1546. 



95 



gedan und dar hede nenicnt scult an, mer hey hcdo dat 
sick selvest gedan, dar wolde hey ffrolick op sterven. 
Dat heben dey beiden borger gesecht unde getuget unde 
er hant to den Hiligen geboden unde er recht dar to 
donde, dat et so is gegan unde gescen unde sey dat 
van eme hebet gehört. So is der vader geffraget myt 
namen Hinrich Lobeke, * off hey den twen [f. 33'. 
bürgeren wolde truwen off eren et entffan. Dar op 
antwerde Hinrich Lobeke, des doden vader, hey wolde 
synes seligen sons sele nycht besweren myt dem ede 
unde getruwede den beiden borgeren als myt namen 
Pavel Token unde Claves Hartman, unde wolde eres 
edess nycht hebben unde was dar mede gesediget unde 
to ffreden unde wolde dar nycht op saken. Dar op 
ffant dey recht deler äff vor lubes recht, dat Gosscalck 
Boge solde legen dem sulven seligen knechte syn Ion 
op dat sarck unde nie solde den doden to grave brengen, 
dar mede solde Gosscalck Boge ledich und loss sin 
unde dar numende mer op to antwer[djen. Dem hevet 
so Gosscalck Boge gedan und hevet dat Ion gelacht op 
den licham, dat hevet Hinrich Lobeke, des doden knechtes 
vader, entffangen to der genochte unde is dar mede to 
ffreden unde gesadiget gewest unde dar nycht mer op 
to saken off jement van siner wegen, geboren off 
ungeboren, dorch gestlick off wertlick off jenigerleie 
hulpe, rede off argelist. Hir to geeschet tilge unde 
gebeden Mychel Zub, Hans Kul, Olrick Heide, Ffrans 
Kruse, Gert Ffrissche. 

55. * Item im jar dusent 541 waren richte [f. 34. 
ffogede Hinrich Puck, Conradus Wulf, do wart gehandelt 
eyn vordrach unde eyn ffrede gemaket tussehen Claves 
Bock den tunebinder unde Titcke Bockholt unde Hans 
Borchgreve wonnende beyde tom Stralssunde. Düsse 
beyde vorgcscr. spreken an den selven Claves Bock, 
dat Claves solde in vortiden heben im seche geworpen 
myt enen stope na enen unde hade myt dem worpe 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



gedroppen synen naturliken sonne unde Claves dar vor 
wer geweken unde des Tücken sonne dar van leven 
to dem dode qwam im 4[den] dach. Düsse sone unde 
ffrede wort gemaket, also dat Claves Bock solde geven 
Titcken Bockholt 20 m. lubess, dar mede bewilde unde 
belevede Hans Borchgreve, negeste blot dar (ho. Dyt 
is sus gehandelt unde gesehen unde hevet dey 20 ml. 
entfangen unde synt do beide, myt namen Titcke Bock- * 
holt, vader des doden und entfanger des geldes, unde 
Hans Borchgreve, negeste ffrunt des doden blödes halven, 
sint myt Claves Bock eyn tunebinder, borger to dem 
Kyle, vor dem ersamen bysitteden stol des rades to 
dem Kyle gegan und heben dat bekant, dat et so is 
gehandelt und gesehen unde heben dey 20 ml. entfangen 
unde heben vor sich unde al er ffronlscop geboren off 
ungeboren, waterleie Standes off condiccion syn, gut 
gessacht, dar numer op to saken noch dorch gestlick 
off wertlick, und synt so genslich al wol * gesceden (f. 34'. 
und hevet dat vorwilkort vor sick unde syn ffrontscop 
stede unde ffast to holden sunder argelist. Dat hevet 
dey genslike rat so heten scriven in der stat ffar bock, 
tuge hir to geesschet unde gebeden unde so gehandelt 
unde gemaket Peter Kolle, Michel Sube, Jorgen Lange, 
Albert van Horde und ick mester Hans, stat recht 
scriver, bekenne dyt offentliken, dat ick dar mede over 
unde ane sy gewesen in der ffrontsco(r)p unde is so 
gegan unde gescen van vorgescr. 

Manu propria. 
56. (B. 65). * Im jar dusent 542 op [f. 35. 
Mytwekena) vor Sunt Simen unde Juden dach waren 
richte vogede dey ersame Hinrich Puck unde Conradus 
Wulff, in syn stede gesät dey ersame Hans Koleman, 
ratman to der tit, do let Hinrich Glisman holden eyn 
ffar recht van wegen synes jungen geheten Jürgen. 



a) 25. Oktobm'. 



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Das Kieler Varbnch 14ß5 — 1546. 



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Dey was gestegen op den bone na synem egen wilkor 
unde wolde dar wat äff halen, dar Hinrich Glisman 
sunderluges nycht van eyn wiste, unde is so gogan myt 
unbedachtem sinne unvorwandes unde is so van dein 
bonne gevallen unde so van dem leven to dein dode 
gekomen in dren off 4 dagen. So hevel Hinrick Glisman 
to eme gesant twe erffgessetten borger, loffwerdige, 
ffrome, unberuehtigede mans, als myt namen Albert van 
Sswol unde Cristoffer Heckeman, dey den selven Jorgen, 
synen junge, geffraget heben by syner seien sseli(Ii)eheyt, 
off hey ock Hinrich Glisman, synem heren off werde, 
off syner ffrawen off siner dochter off jemant in dem 
huse scult dar ane geve, dat hey wer gelTallen. Dar 
op hevet hey geantwert: Ich wil dar op sterven, dat 
dar nemant hevet scult ane, sunder ick hebe dat uth 
my selvest gedan unde geve nemant op dussem ertrike 
scult, dar wil ick ffrolick op * sterven. Oesselven [f. 8.V. 
geliken hevet noch Hinrich Glisman twe erffgesetten 
borger, unberuchtige, erwerdige, ffrome mans, als myt 
namen Gurges Engelke unde mester Hans, der heren 
hoffsmet, to sinen jungen Jürgen gesant, dey selven 
hebet en ock angesproken unde geffraget, wu dat wer 
lo gegan unde gesehen wer, off bey ock Hinrick Gl[i]sman, 
sinen heren unde werde, off syner ffrawen off siner 
dochter off jemant in dem huse scult dar ane geve, 
dat solde hey segen by syner seien salicheit. Dar op 
antwerde hey, hey geve Hinrich, sinem werde, off siner 
ffrawen off siner dochter off numant in dem huse off 
buten huse, sunder allene dat wer syn scult unde 
vorsumenisse, dat hey sich sulvest vorsumede und nycht 
to sach, dar wolde hey ffrolick op sterven. Dat hebet 
dusse ver vorgescr. , als myt namen Albert van Swol, 
Cristofer Beckeman, Gurges Engelke, mester Hans dey 
smet, getuget unde war gemaket myt uthgestreckeden 
armen er ffinger op dey Hiligen gelach(ch)t unde gesworen, 
dat is sus is gegan unde :f: gesehen, gesworen to [f. ;30. 

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Da« Kieler Varbuch UÖ5-15IG. 



Gode unde den Hilligen. Dar op ffant dey recht deler, 
Hinrich Glisman solde dein jungen syn Ion legen, dat 
hey eine gelovet hade, op dat sarck, dat solden syn 
ffrunde entffagcn, wercn sey dar, wer dar numant, dey 
dat entfagen wolde, solde mc dat legen by dat recht, 
dar mede solde Hinrich Glisman unde syn fruntscop, 
geboren off ungeboren, ledich und loss dara) sake syn, 
und nemandc mer dar na op to antwerden. Desselven 
geliken is dar gewesen Markus, ey knecht, denende myt 
Matias Knutzen, eyn negeste ffrunt unde blotvorwante, 
in den rechte, dey ock gesacht hevet, dat hey is ok by 
dem jungen gewest unde hevet ene ock geffraget, off 
hey ock Hinrich Glisman off siner ffrawen off dochter 
off jemant scult geve, dat solde hey segen by syner 
seien salichet, dar hey op antwerde, nen, hey geve 
numant scult, dar wolde hey ffrolick op sterven. Dil 
bestont Markus ock vor dem rechte in bywesen dusser 
4 vorgescr. borge ren. 

57. * Item anno 3(J waren richte vagede [f. 36'. 
Hinrich Puck unde Conradus Wulf, is gesetten myt 
namen Baltzar Heyde in der hechte unde hevet bekant 
genodidet b) unde ungenodiget op synen frien voten, dat 
hey hevet entfagen Destel inge greve Tomas von Ollden- 
borch, dar solde hey mede ten unde knechte mede an 
nemcn unde solde dey brengen to Oldenborch, dey 
solden op eyn scyp, dat hade greve Tomas togerustet, 
dat solde tor sey gewest hebben. So is hey getogen 
na Ligne, dar is hey fencklick genomen unde hevet dar 
gesetten 10 wecken unde is uthgeborget dorch dusse 
4 nagescr., Kort van Horn, Pavel uth der Marke, Kien 
van der Hör, Menert Frese, unde hevet syne borgen 
sitten laten und nycht scalos geholden, noch hevet hey 
bekant, dat greve Tomas unde Jürgen Scencke, syn 

a) Verschrieben für „der". 

b) Verschrieben für „genodiget". 



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Das Kieler Varbuch 14»i6 -1546. 



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abesaten, hebet ene togesacht dey tit sins Ievens to 
Oldcnborch ffry kost unde ber unde hebet ene gedan 
5 gl. in den budel to der terge, unde solde trecken int 
lant to Holsten unde bcdclen und solde vorkuntscoppen 
und vorspeen, wu sey sick in den Steden, unde dey 
edellude, wu sey siek seiekeden, of ene ock lede wer, 
of sey sick ock rusteden to der wer, dat Scencke, er 
anslege wiste, went Scenckc wolde int vorjar enen toch 
on dorch dey Marke int lant to Holsten unde Seeneke 
lete sinea) lopen, dat nie des nycht merken solde. 
Noch hevet Baltzer bekant, dat hey hevet myt Claves 
van Anevelde gedent to Segarden unde Claves hevet 
ene gesant na Lubeke to enen platensleger. dey ene 
harns makede, unde hevet ene gedan 20 off 2f> ml. 
ungeferlich unde hey hevet van sinen lantsten 1 perl 
gelent unde is myt perde unde gelde eyn wech gelogen, 
noch is myt eme 1 vorsper, den Jürgen Scencke hevet 
ock uth gesant, de hevet 1 gellen hart lanck unde was 
myt eme to dem Kile. noch hevet hey gekrcgcn to 
VVitteborch van Hans Loser 10 gl., dar is hey mcde 
eyn wech getogen. 

f>8. (D. 66). * In jar dusent 543 op Ffridach b) [f. 37. 
na Paschen weren richte vogede Conradus Wulff unde 
Hans Koleman, to der tit was Conradus Wulf nycht 
to hus, do wort in syn stede gesät dey ersame Jochim 
Sculte, ratman tho der tit, do let dey ersame Malias 
Knulzen eyn far recht holden van wegen synes knccht.es, 
geheten Marqwart Holeves, dey was gestegen in synem 
dessche huse op den bonne by nacht tyden na synen 
egen wilkor unde wolden dar slapen off dar wat äff 
halen, dar Matias Knutzen off syn ffrawe off jemant in 
dem huse nument uthbesceden wat van wisten, klen 
eder grot, unde is so gegan myt unbedachten mode 

a) Dahinter 2 Zeichen, die wohl „lüde" wler „kuntscoppor" 
bedeuten sollen (vielleicht „ke"J. 

b) 30. März. 

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Das Kieler Varbnch 1465 — 1546 



unde is so van dem bonne gefallen unde is so van 
leven to dem dode gekomen in 5 off 6 dagen. So 
hevet Matias Knutzen ver bcsetten borger, lotTwerdige, 
ITrome, unberuchtige mans, to em gesant, dey enne 
bebet geffraget by syner seien salicbeit, dat bey wolde 
seggcn, off hey ock Matias Knutzen off syner ffrawen 
off erer suster off jemant in dem huse, hey wer wey 
bey dan wer, off jemant buten huses, numcnt to 
ve,r)sconen, op dat dar nemant worde unrechferdich 
mede betegen (worde), so alse hey wolde vor dem strengen 
goriehte Godes bekant syn. Dar op hevet Marqwart 
Koleves geantvvert unde gesacht, dat he numende, noch 
Matias Knutzen off syner ffrawen off erer suster noch 
numcnt in dem huse off buten huses off jemant op 
dusser werlt dar scult ane geve, dar wil ick frolick op 
sterven, want ick hebbe dat van my sulvest wegen * [f. 37'. 
gedan uth unbedachten mode. Dat heben dusse 4 borger 
vorgeser. getuget unde war gemaket myt uthgestreckeden 
armen, er ffinger op dey Hilligen gelacht unde gesworen 
to Ciode unde den Hilligen, dat hey dat so bekant hevet 
unde is so lo gegan unde gescen. Dusse 4 borger synt 
Hans Walbom, Markus Gris, Hinrich Kannegeter, Kggert 
Wulff, noch dar boven wcren dar twe van sinen negesten 
ffrunden vor dem rechte unde hebben dat gehört unde 
gesen unde synt geffraget, off en dar ock wat an felde, 
wisten sey wen to besculdigen, me solde enne helpen 
so vel als recht wer, vvolden sey ock hebben, mc solde 
deine doden dey hant äff losen, off noch hir namals 
wen wisten to besculdigen, dat dey selffte mochte to 
dem scyne gan. Dar op heben dey beiden, syne negesten 
ffrunde, myt namen Renwer Simons unde Hinrich 
Syrinck, geantwert, sey willen dat op syck nemen van 
al der ffruntscop wegen, geborn off ungcborn, gestliek 
oder wertlick, dat van des doden ffruntscop numant 
snl dar op sakcn. Hir to geesschet to tuge Jorgen 
Kruse, Glavrs Hartman, Jochim Hasse, Hcnolt Petersen, 



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Das Kieler Varbach 1465 -1546. 



101 



Gert Ffritte, Ffrans Klüver, Jorgen Swartinck, Ffrans 
Mester. Dar op ffant dey recht deler Matias Knutzen 
myt al synem ffrunden unde al. dey hey in synem 
huse hade. ledich unde los. dar numer op to antwerde, 
* mer hey solde dem doden so fiel als hey eine [f. 38. 
sculdich wer, syns vordenedens Ions op dat sarck legen, 
dat solden svne fTrunde boren, wer dar numant, dev 
dat boren woldc, solde nie dat legen int recht. Do 
nemen dey beyden ffrunde vorgescr. unde leden dat 
by Markus (Iiis to truwer hant. Hir mede wort Matias 
Knutzen unde al sin fTruntscop, geborn off ungeborn, 
ledich unde los gebunden, numer dar op to antwerden. 

50. (B. 67). * Item im jar 43 waren ryeh[t|e fogede 
Konradus Wulf unde Hans Koleman. do wart Merten 
Sander vorwunnen myt allen lu besehen recht na siner 
egen bekantnysse op frigen foten, dat hey hade gestollen 
swine etlike unde hade dey vorkofft. So (jwain hey 
to rechte unde bekunde, dal hey dat gedan hade, dar 
umme wort hey in dey galgen gehenget na rechte. 

b'O. (B. 68). Item im jar 44 waren richte fagede 
dey ersame Hans Koleman unde .loch im Sculte, do let 
Andres Rantzo to Salsso enen in dey hechte selten 
myt namen Jorgen Hupen, dey synen mannen hade 
2 perde vorkofft. Dar hey in der hechte wort umme 
gefraget, do bestont hey op frien foten ungenodiget, 
dat hey dey 2 perde hadde gestollen op der Hilligen- 
havener felde, dar umme wort hey vorordelt unde wort 
in dey galgen gehenget. 

61. (B. 69). * Item anno 45 waren richte [f. 38'. 
ffagede dey ersame Hans Koleman und Jochim Sculte, 
do wort geholdcn eyn ffar recht over enen snydcker 
knecht Hans Meger, dey selffte stack enen snideker 
knecht dot, geheten syn name Pascen, denende myt 
Hans Hulleke dem snydeker. Dey selve knecht vorgescr. 
wort vorfluchtieh, do worl hey geeschet vor dat recht 



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Das Kieler Varbuch 1465-1546. 



unde hey blef ute unde qwam nycht unde dar was ock 
nemant, dey vor eme antweren wolde. Do fifordelden 
des doden f runde ume lubes recht, do wort dey selve 
kneeht, dey den knecht van leven to dem dode gebracht 
hade, fredelos gelacht in äussern rechte unde allern 
lubeschen rechte und wort vorlut myt der klocken als 
lubess recht mede bringet. 

62. (B. 70). * Itcin anno 45 in dem Umslagc [f. 39. 
wercn richte fagede dey ersamc Hans Kolleman unde 
Jochim Sculte, do wort geholden eyn far recht over 
Hans, dencr Hans van dem Berge, borger to Hamborch, 
den Hinrieh tor Brügge;, borger to Swol, Hans van dem 
Berge syn knecht. was, a) hevet van leven to dode 
gebracht, unde Hinrieh van der Bruge is geweken unde 
is geesschet by den doden to seyne to gande, so is 
hey nycht gekomen to rechte off jemant van synent 
wegen unde is apenbar seyn vorhanden gewest. Dar 
op fant dey recht deler, dey ffaget solde op stan unde 
den selven Hinrich tor Bruge fredelos legen in dussen 
lubeschen recht unde in allem lubeschen recht unde 
solde enne ffort vorluden myt den klocken, als lubes 
reell t mede bringet. 

f>3. * 45. Item anno 45 in den Pasche [f. 39'. 
hilligen dagen, dat tw[ej wort gesettet in dey hechte, 
dat sey gyngen van huse to huse unde vorkofften 
rattenkrut, gebeten David van Glabicke und Peter Mychels 
van Flensborch. Dar screven vor dey van Flensboreh, 
also dat sey mosten don eyn orfede, dar numer op to 
saken sey eff jement van erent wegen, gestlick eder 
vertlick, geboren otT ungeborn, an dem rade van Kile, 
an eren guderen, bürgeren off eren lautsten, geboren 
off ungeboren, unde an allen, den sey myt rechte vor- 
biden wylt. Tuge hir to geesschet Claves Hartman, 

a) Die folgenden 0 Worte sind zwischen die Zeilen geschrieben 
und werden wohl an dieser Stelle einzusclialten sein. 



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Das Kieler Varbach 1466 — 1546. 



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Hans Resse, Andres Swartinck, Laurens Kopeken, op 
Stillen Fridach a) gesehen unde nycht Paschen b). 

64. (B. 71). 45. Item anno 45 im somer let 
Brun Hinrich holden eyn far recht van wegen Brun 
Teneken, wonende op dem Garden, over enen, geheten 
Hans, hoterknecht off eyn sticker, dey seligen Brun 
Teneken hade geworpen myt enen stene, dar hey van 
qwam van leven to dem dode, unde wort dre mal 
geessche[t] im rechte, to dem ersten mal, to den anderen 
mal, to dem derden mal, unde qwam numant, dey vor 
em antwerden wolde na lubeschen rechte. * Do jf. 40. 
ifant dey recht deler to rechte, dat dey faget solde op 
stan unde den sulven Hans vorgescr. frelos legen in dussen 
lubeschen rechte unde allem lubeschen rechte, nergen 
frede to heben, wor me enne besloge, mochte sey enne 
an laten tasten unde recht myt eme to bruken. So is 
dey faget op gestan undet hevet ene fredelos gelacht 
drey mal na eyn ander unde is myt der klocken vorlut 
na lubesch recht. 

65. (B. 72). 45. Item im jar 45 waren richte 
ffagede dey ersame Jochim Sculte unde Hans Scenckeho c), 
na Mychaelis d) do wort vorwunnen myt ordel unde 
rechte Hinrich Lubert na siner egen bekantnisse vor 
twen besetten borgeren, als myt namen Mychcl Kruse 
unde Hans Untit, unde bestont im rechte vor jedermann, 
dat hey hadde gestollen 1 pert int lant to Meckenborch 
under Hans Pensen, enen manne geheten Hans Wichman 
to Itzeho e) 1 swa[r]t pert. Item noch hevet hey gestollen 
1 gra pert Hans Moller to Lu betin op gensit der smede. 
Item noch hevet hey gestollen 1 fal pert vor der 
Nygenstat, vorkofft to Luneborch vo[r] 15 ml. Item 

a) S. April. 

b) 5. April. 

c) Dahinter „do" durehstriclicn. 

d) Diemtag, 29. September. 

e) In der Handschrift schwer lesbar. 



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Das Kieler Varbnch 1465-1546. 



noch hevet hey gestollen 1 tom Laurens Williges a), dar 
wolde hey do mede * willen 2 perde to stellen gegen [f. 40'. 
to Barsbeck, mer dat wolde eme nycht kicken. Item 
noch hevet hey gestollen 4 lainer int lant to Oldenborch 
in enen dorpe geheten Teehelfis enen manne geheten 
Luder Bose. Hir umme is hey vorordelt unde in dey 
galgen gehenget. 

66. (B. 73). Item in jar dusent 546 do weren 
richte ffogede dey ersame Hans Koleman unde Jochim 
Sculte, do let Asmus van Anevelde den bodel Hans 
genomet in dey hechte setten unde let eyn ffar recht 
halden over den sclven bodel unde let en ansprecken 
vormydels synen vorspreken, wu dat et sich hade 
begcven, dat syn selige broder Jorgen van Anevelde 
hade sick angenomen eme to helpen van syner kranck- 
heit, unde hevet to eme gesacht, dar sy eyn fTrave in 
sinen gude wonnafftich, dey sy dey genne, dey eme 
dat do, dey mote hey erst ffot (Tast maken, hey könne 
eme erst nycht helpen. Op dey worde is dey ffrawe 
angetastet unde dre mal ser gepiniget unde doch nycht 
kondc äff fragen, so dat dey ....*>) 

a) In der Handschrift schwer lesbar. 

b) Hier bricht die Handschrift ab. 



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Register. 



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I 



Kegister der Personennamen. 



A. 

Alberd, Albert 46, s. f. Arndes, 
van Horde, Öummegod , van 
Swol. 

Andres, s. liantsso, Kos, Smet, 

Swartinck. 
van Anevelde, Asmns «6. 

— Claves 57. 

— Jorgen 00. 
Arfrot, Claves 40. 
Arnd, s. Myllige8. 

Arndes, Albert 41. 42. 43. 44. 45. 
46. 47. 

Asmns, s van Anevelde, Tegeler. 



B. 

Badendyek 39. 

Bagelman, Frederick 51. 

Baltzar s. Heide. 

Bartelt, Bertelt, s. Flyndes, Storni. 

Bartolmes, Bartolmens 52, s. f. 
Undusche. 

Bartscer, Bartschere, Bartschercr, 
de bartscherer, mester Claves 
32. 44. 40. 47. 48. 49. 

Batstover, Hans, statdener 52. 

Becke, s. Meyghers. 

Beckeman, Cristoffer 50. 

— Hinrich 47. 

— Peter 47. 
Becker, Hinrich 47. 
Bekop, Toniges 39. 
Bender, Hans 47. 
Bennenbeke 2. 
Berck, Pavel 53. 

van dem Berge, Hans 62. 



Bertelt, s. Bartelt. 

Bioyen, Knbbeke 14. 

Bock, Claves, de tunebinder 55. 

— Peter, de smet, Leneken, seine 

Tochter 47. 
Bock holt, Titcke 65. 
Boge, s. Boye. 
Boy, Hans 41. 43. 44. 
Boye, Boge, Gosschahk 47. 64. 
Boy tin, Claves 2. 
van der Borch, Jorgen 41. 43. 44. 
Borchgreve, Hans 55. 
Bose, Claves 42. 

— Lnder 66. 
Boutyn, Claves 36. 
Brant, Claves 39. 
Braasche, Mauricias 41. 43. 
van Bremen, Cristofer 63. 

— Hans 46. 
Bremer, Hans 39. 
Brynckman, Frederick 42. 
Brokers, Knnneke 47. 
Brosye, Laurens 14. 

tor Brage, van der Bruge, Hinrich 62. 
Brngheman. Marten 29. 
Brun, Hinrich 64. 

— Teneke 64. 

van Brunswick, Hene, Hennyrk 41. 

43. 44. 
Bmsele, Sivert 39. 
Buk, Clawes 4. 

— Jacob 4. 

van Backwald, Jachym 16. 17. 

— Mette 16. 

Buermeister, Hans 13. 14. 20. 
Bulleke, Hans, de syndeker 47. 61. 
Buns, Hynryck 28. 
Buntmaker, Willem 47. 
Bure, Bureman, Hinrik 16. 



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10s 



Register der Personennamen. 



Bnrow 28. 

Bnssenscut, Hans 47. 

C. K. 

Kaie 21. 

van Kamppen, Hans 29. 
Kangeter, Kannegeter, Hinricli 5K. 

— Peter 47. 

Karsten, Kersten 45 s. f. Greverade, 

Slodickvot, Tymme. 
Kasper 63, s. f. Perlseke. 
Kastorp. Hinrik 24. 
Katrine, s. Tessche, Torman. 
Kerckher, Johan, de swarte her 41. 
Kersten s. Karsten. 
Kick in de Ficken, Kuck in die 

Tasclien 49. 
Cyriacus, de recbtscriver, 6. 7., 

s. f. Vorspreke. 
Kiso, Laurens 47. 
Kysouw, Kysowe, Clawes 1 . 6. 7. 21 . 
Kistemaker, Kystemaker, Kysten- 

maker, Hans 5. 14. 

— Marqwart 47. 49. 50. 62. 
Ciauwes, Clawes, Claves, Claes, öl 

s. f. van Anevelde, Artrot, 
Bartscer, Bock, Boytin, Bose, 
Boutyn, Braut, Buk, Kysouw, 
Konneke , Doberen . Exse , 
Gosse kes. Grottynck, Hartman, 
Hertig, Holle, Louwe. Luders, 
Lutteke, Mesmaker. Moler, 
Oldenborch , Paris , Prenslo , 
Runthovet, Schacht, Scheie, 
Segert, Stenhus, Toke, Tode, 
Tonniges, Wilde, Wynt, van 
der Wisch, Wulff. 

Kien, s. Evert, van der Bor. 

Kiensmet, Hans 47. 

Kloke, Hinrich 29, Klokeske, seine 
Frau 29. 

— Hynrik 47. 
Klüver, Frans 58. 

— Marqwart 29. 
Knake, Marqwart 29. 
Knutzen, Matias 56. 58. 
Kolberch, Hinrich 42. 

— Mychel 43. 

Koleman, Kolleman, Hans 56. 58. 

69. 60. 61. 62. Ü6. 
Koler, Wychman 4. 6. 67. 
Kolle, Peter 55. 
van Kongesberge, Hans 50. 



' Konneke, Ciauwes 13. 
Konrades, Melcher 43. 44. 
Conradus, s. Wulff. 
Kopeken, Lanrens 63. 
Cord, Kort, s. Hogetop, van Horn, 

Neteler. 
Körte, Detleff 22. 
K regen, Otte 29. 
van der Krempe, Vyt 43. 
CriRtofer, s. Beckeman. van Bremen. 
Kroger, Krogher, Üetleff 14. 

— Hans 32. 37. 

— Hinrich 28. 

— Pavel 47. 

— Peter, sin knecht 13. 
Krose, Hinrik 7. 

Kral, Tymmeke 31. 
Kruse, Hans 29. 

— Jorgen 47. 52. 58. 

— Marquard 19. 

— Mychel 65. 

— Frans 54. 
Kubb^ke, s. Bioyen. 
Kul, Hans 54. 
Kule 2. 

Kunneke, s. Brokers. 

D. 

Üaberen, Eggert 48. 

David, s. van Glabicke. 

Detlef, Detleff, Detleves, s. Körte, 
Kroger, Etneke, Gryp, Horn, 
Lange. Rotlo , Soramerfelt, 
Stake. 

Dybberen, Uertich 40. 

Diderith, Diderick, Dirich, Dyderick, 
Dyrick , s. Lodewich , vao 
Lubeke , Scroder , Varenwolt, 
Vur. 

Doberen, Clawes, seine Frau und 
deren Schwester Leneken 47. 
Dorau, Merten 53. 
Dowstryker 4. 

E. 

Ebelinge 5. 

Egert, Eggort, s. Daberen, l'lateu- 

sleger, Wulff. 
Ey nebelt 2. 

Eier, Eller, s. Hoeleck, Lonendorp, 

Schule, Wyse. 
Emeke, Detleves 14. 



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Register (kr Personennamen. 



109 



Engelke, Gurges 56. 
Eseken sone, Peter 1. 
Evert, Kien 41. 
Exse, Claves 9. 

F. s. V. 
G. 

Gelbeck, Pavel 47. 

Gerd, Gert, Gherd, Gherdes 28., 

her, Graf v. Oldenburg 3, 

s. f. Frische. 
Gerdrnd, s. Westval. 
Gerlies, Gerlyes, Hinrik, 1. 2. 4. 

5. 0. 7. 
Gherd, Gherdes, s. Gerd. 
Ghlisseman, Hinrik 8. 
Ghossches, s. Wulff. 
Gyseke, Reimer 1». 14. 
van Glabicke, David 03. 
Glasewerter, Hans 45. 
Glisman, Hinrich 50. 
Goltsmed, Jasper 47. 51. 

— Marcus 47. 

Gurges, Gurges, 8. Engelke, Stille- 
ganck. 

Gosraan, Hermen 34. 35. 
Gossohalck, s. Boye. 
Goascalckes, Jorgen 53. 
Gossekes, Claves 3ß. 

— Peter, sein Vater 3ß. 
Gossick, s. Lnnstede. 
Grabouw, Hans 40. 
Gratop, Grawetop, Hans 24. 

— Jasper 47. 

Grete, s. Helmiges, Luders, Wytte- 

maken. 
Greve, Hans 1. 
Greverade, Kersten 24. 
Gryp, Detlef 51. 
Gris, Marcus 58. 

— Peter 39. 

Grote Johan.al.Ghrotyngk, Hans 20. 
Grottynck, Claves 2ß. 
Gunges, s. Gorges. 

H. 

van dem Hagen, Matias 40. 
Hamelman 5. 
Hans, s. Rodehaus. 

— Diester, der rechtscriver 56. 

— mester, der bereu hoffsinet 50. 



Hans, dener Hans van dem Berge 02. 

— hoterknecht 04. 

— de bodel ßß. 

s. f. Batstover, Bender, van dem 
Berge, Boy, Borchgreve, van 
Bremen, Bremer, Buermeister, 
Bulleke , Bussenscut , van 
Kamppen, Kisteniaker, Klen- 
smet, Kolcmaii, vnn Konges- 
berge, Krogher, Kruse, Kul. 
Glasewerter, Grabouw, Gratop, 
Greve, Grote Johan, Harge, 
Heytram, Hennynghi*s, Her- 
mensen, Holste, Loser, Luttorp, 
Meger, Mert<!nsen, van Minden, 
Moller . Monneck , Nickels , 
Pensen, Peters, Petersschen , 
Platensleger, l'otinck.Reyneke, 
Resse, Rosenhagen, Rower, 
Ruttenbarch, Scenckeho, Scone- 
beck, Schuldorp, Sculte, Sniet. 
Stamer, Sweder, Tyranierman, 
Tode, Untit, Fos, Vorloper, 
Walbom.Wantscherer, Westval, 
Wichman, Wolderyek. Wulff. 

Härder 20. 

Harge, Hans 23. 

Hartman, Claves 47. 50. 52. 54. 

58. 63. 
Hasse, Jochim 58. 
Haverber, Hinrik 14. 
Hegemester, de junge 40. 
Heide, Heyde, Baltzar 57. 
— Olrick 64. 

van der Heide, Merten 11. 

Heytram, Hytram, Hans 1. 2. 

Helmych, s. Stroder. 

Helmiges, Grete 48. 

Hene. Hertich 58. 

Hene, s. van Brunswick, van 
Saltow, Sculte. 

Hcnink, s. Obst ins. 
l Hennynghes, Hans 28. 

Heneite, Marquard 23. 

Henneke, Hennyck, s. van Bruns- 
wick, Luteke. 
i Henseke, Peter 49. 

Hermen 40, s. f. Gosman, Robertes, 
Titcken. 

H«rnunsen, Hans 40. 

Hertig, Claves 38. 

Hertich, Hertych , s. Dybberen, 
Hene, Rave. 

Hilke, s. Tegheler. 



110 



Register der Personennamen. 



Hinrich, Hynryk. Hinrik, Hynrik, 
Hynryck, Hinrick, raeyster 13. 
mester, de bartscherer 34, 8. 
f. Beckeman , Becker , tor 
Bruge , Brun , Bans , Bure , 
Kangeter , Kastorp , Kloke , 
Kolberch , Krogber, Krose, 
Gerlies, Ghlisseman, Glisman, 
Haverber, Jabelman, Lubert, 
Moller, Netgeselle, Pack, Scheie, 
Scroder , Sculte , Syrinck , 
Slodickvot , Sorghe , Swarte , 
Swertfeger, Touche, Ferst. 
Vos, Wyse. 

Hynse, Tyninie 18. 20. 

Hytram, s. Heytram. 

Hoelcek, Eller 14. 

Hogetop, Cord 5. 

Holle, Claves 42. 

Holste, Hans 40. 

— — sin vedder 40. 
Horn, Detlef 47. 
Honel, Merten 53. 
van Horde, Alberd 55. 
van Horn, Kort 57. 

J. Y. 

Jabelman, Hinrik 13. 14. 
Jachym, Yachchym, Jochim, s. van 

Backwald , Hasse . Raphon , 

Scarpenberck, Schilt, Scalte, 

Stenbruger, Wyse. 
Jacob, Jacop 40, meyster 16, s. f. 

Buk. Lobeke, Rave, Ralink, 

Schröder, van Schuse. 
Jaspar, Jasper 9, s. f. Goltsmet, 

Gratop, Sculte, Ferst. 
Johan. s. Kerckher, Langeberch, 

Sculte. 

Jorgen, Jürgen 50, s. f. van Ane- 
velde, van der Borch, Kruse, 
Gosscalckes, Lauge, Lodewich, 
Resen , Rupen , Scencke , 
Swartinck, Pres«;. 

K. s. C. 
L. 

Lange, Detlef 14. 

— Jorgen 55. 

— Marquard 14. 
Langeberch, Johan 49. 
Laurent«, Lavrens, Lawrens 10, s. f. 



Brosye, Kiso, Kopeken. Pal, 
Schussel. Stale, Visk, Williges. 

Leneken, s. Bock, Doberen. 

Lobeke, Jacop 54. 

Lodewich, Dyrick 44. 40. 47. 

— Jürgen 41. 43. 44. 
Lonendorp. Eier 7. 
Loser, Hans 57. 

Louwe , Ciauwes , de wantscherer 

10. 11. 12. Kl. 17. 
van Lubeke, Dyrich 41. 

— Mychel 43. 
Lubert, Hinrich 65. 
Luder, s. Bose, Mynrik. 
Luders, Ciauwes 10. 

— Grete 2. 

— Lutcke 4. 

— Marquard 10. 
Lunstede, Gossick 20. 
Luteke, Luttcke. Claves 53. 

— Henneke 14. 

Luteke, Lütke, Luttcke, s. Luders, 

Moller, Stenhaghen. 
Luttorp, Hans 20. 

M. 

Man, Marquard, 14. 

Marcus, s. Goltsmed, Gris, Pil. 

utb der Marke. Pavel 57. 

Margrete, s. Walstorp. 

Marquard, Marqwart . s. Kistemaker, 
Klüver, Knake, Kruse. Heneke, 
Lange, Luders, Man, Offe, 
Rype, Roleves, Rover, Stor, 
Techowe, Wyse, Wolder. 

Marten, Merten, s. Brugheman, 
Dorau, van der Heide, Honel, 
Meier, Sander. 

Mathessen, Thomas 44. 

Matias, s. Knutzen, van dem Hagen. 

Mauricius, s. Brassehe. 

Meger, Hans Ol. 

Meyghers, Becke 18. 

Melcher. s. Konrades. 

Meier, Merten 45. 

Menert. s. Frese. 

Merten, s. Marten. 

Mertensen, Hans 40. 

Mesmaker, Claves 47. 

Mester, Frans 58. 

Mette, s. van Buckwald. 

Mychael, Peter 15. 

Michel, Mychel, s. Kolberch, Kruse, 
van Lubeke, Mund, Sube. 



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Register der Personennamen. 



111 



Mychels, Peter 63. 
Mylliges, Arnd IG. 17. 
van Minden, Hans 53. 
Mynrik, Lader 18. 
Moler. Moller, Claawes 14. 

— Hans 65. 

— Hin rieh 43. 

— Lütke 43. 

— Tymmeke 2. 

Monneck, Monnick, Hans 10. 11. 

— Hans 28. 

Mond, Munt. Mychel 16. 

— Punvel 4. 

N. 

Neteler, Kort 47. 
Netgeselle, Hinricli 41. 42. 
Neve, Peter 47. -50. 
Nickels, Nyckels, Haus 10. 11. 12. 
14. 15. 16. 17. 21. 

o. 

Obstins, Henink 6. 

Off(\ Marquard 29. 

Oldenborch, Claves 40. 

van Oldenborch, greve Tomas 57. 

Olrick, s. Heide. 

Otte 2., s. f. Kregen, Stur, 
Walstorp. 

P. 

Pal, Lawrens 16. 

— Symon 16. 
Pascen 61. 

Pavel, Pawel. Pauvel, Paawel s. 
Berck, Kroger, Gelbeck, uth 
der Marke, Munt, Ransow, 
Sten, Toke, Wyncke. 

Paris, Claves 41. 44. 

Pensen, Haus 65. 

Perlseke, Kasper 53. 

Peter, s. Beckeman, Bock, Kan- 
geter, Kolle, Krogher, Eseke, 
Gossekes, Gris, Henseke , 
Mychael, Mychels, Neve, Prnse, 
Schar, Smelinck. 

Peters, Hans 2. 

Petersen, Renolt 68. 

Petersschen, Hans 36. 

Pil, Marcus 47. 



Platensleger, mester Egert, Platen- 
slegerscho, seine Frau 52. 

— Hans 6. 
Potinck, Hans 47. 
Prenslo, Claves 43. 
Pruse, Peter 38. 

Puck, Hinrich 58. 54. 55. 66. 57. 

R. 

Ransow, Rantzo. Andres 60. 

— Pavel, marschalk Frietlrirlw [. 28. 
Raphon, Yachchyiu 2t». 

Rave, Hertych 4. 

— Jacop 34. 
Reimer, s. Gyseke. 
Reyneke. Hans 18. 
Renolt, s. Petersen. 
Renwer, s. Simens. 
Resen, Resse Hans 63. 

— Jorgen 47. 
Revcntaw 29. 
Rypc, Marquart 29. 
Robertos, Hermen 60. 
Rüdehans 53. 
Roleves, Marquart 68. 
van der Ror, Kien 57. 
Ros, Andres 42. 43. 
Rosen hagen, Hans 40. 
Roth», Detlef 45. 

Rover, Rower, Hans 51. 52. 

— Marquard 13. 
Rulink, Jacob 7. 
Runthovet, Claves 46. 
Rapen, Jorgen 60. 
Ruttenbarch, Hans 9. 

s. z. 

van Saltow, Henc 41. 

Sander, Merten 59. 
I Schacht, Ciauwes 21. 
1 Schaghe, Tonies 31. 
i Schar, l'eter, glasemaker 10. 

Scarpenberck, Jachym 36. 

Scheie, Ciauwes 14. 

— Hinrich 13. 
Scencke, Jürgen 57. 
Scenckeho, Hans <i5. 
Schilt, Jachym 13. 
Sconebeck. Hans 47. 
Schröder, Scroder, Dirich 51. 

— Hinrich 36. 



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112 



Register der Personennamen. 



Schröder, Jacop 32. 33. 34. 

36. 38. 39. 40. 
Schuldorp, Hans 13. 15. 
Schule, Eier 2. 
Schulte, Sculte. Hans 51. 

— Hene 57. 

— Hin rieh 51. 

— Jasper 49. 

— Jochim 47. 51. 58. 60. 61. 

66. fi6. 

— Johau 49. 

— sehen hus 16. 
van Schuse, Jacop 41. 
Schussel, Lavrens 29. 
Schutte, Tenune 39. 
Segebade 39. 
Segert, Claves 39. 
Seile, Steffen 28. 
Symen, Symon 3, s. f. Pal. 
Simens, Renwer 58. 
Syrinck, Hinrich 58. 
Sivert, s. ßrusele. 
Slodickvot, Karsten 14. 

— Hinrik, sein Sohn 14. 
Smelinek,PeterS2. 33.34. 35. 36. 38. 

39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 
Siuet, Andres 47. 

— Hans 49. 
Sommerfelt, Detlef 45. 
Sorglie, Hynryck 29. 
Stake. Detlef 2. 
Stale, Lawrens 7. 
Stamer, Hans 49. 

Steffen, dey Wale, Wilsche 41. 

43. 44. s. f. Seile. 
Steyn, Sten, Pavel 34. 35. 
Stenbrnger. Jachym 38. 
Stenhaghen, Luttcke 18. 
Stenhus, Claves 39. 
Stilleganck, Gorges 86. 
Stor, Manjuard, glasemaker 10. 
Storni, Bartelt 29. 
Stroder, Helmych 5. 
Stur, Otte 2. 

Sube, Zub, Michel 64. 55. 
Summegod , Sumnieghot , Albert 
22. 23. 

Sundergelt, Wylleken 41. 44. 
S warte, Hinrik 4. 
Swartinck, Andres 63. 

— Jorgen 58. 
Sweder, Hans 24. 

S werf feger, Hinrich 47. 
van Swol, Albert 56. 



T. 

Techowe, Marquard 24. 
Tegeler, Tegheler, Asiuus 4'J. 

— Hilke 20. 
Tenime s. Timme. 
Teneke, s. Brun. 
Tessche, Hinrick 12. 

— Katrine, seine Tochter 12. 
: Tydeke, b. Titcke. 

Tymme, Karsten 19. 

Timme, Temme, Tymme, Tymmeke, 

s. Krul, Hynse, Moller. Schatte. 

Trede, Woge. 
Tymmerman, Hans 27. 
Titcken, Tytke, Frederick 42. 

— Hermen 42. 

Titcke. Tytke, Tydeke, s. Bock- 
holt, Vaget, Wychman. 
Tode, Thode, Claves 53. 

— Clawes 24. 

— Ciauwes 14. 

— Hans 41. 
Toke, Claves 47. 

— Pavel 51. 64. 

Tomas. Tomes, s. van Oldenborch. 
Schaghe. 

Tonniges, Tonnighes, Clawes 13. 
18. 20. 
! Toniges, s. Bekop. 
Trede, Tymme 7. 9. 13. 
Twelke, wechter 13. 

u. 

Undusche. Bartolmes 46. 
Untit, Hans 65. 

V. F. 

Vaget, Tytke 22. 
Varenwolt, Farwolt, Diderich 32. 
47. 48. 49. 51. 

— Frans, seiti Sohn 51. 
Ferst, Hinrich 47. 

, — Jasper 47. 49. 60. 52. 

Fickon, s. Kick. 
; Vyncencyus 30. 

Vincke, s. Wyncke. 
i Visk, Visch, 'Laurens 11. 12. 13. 

Vyt, s. van der Krempe. 

Flyndes, Bertelt 41. 

Vorloper, Hans 41. 43. 

Vorspreke, Cvriacus 52. 

— Haus 51.* 



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Register der Personennamen. 



113 



Vos, Fos, Hans 51. 

— Hinrik 11. 

Frans, s. Klüver, Kruse, Mestor, 

Varenwolt. 
Frederick , Fredervck , hertych , 

Herzog U8S—15SS 28. 30. ; 

s. f. Bagelman, Bryuckman, 

Tytke. 
Frese, Jorgen 47. 

— Menert 46. 57. 

Frische, Fritte, Gert 47. 54. 58. 
Vur, Dydcrick 7 a. 

— Wibe, seine Frau 7 a. 

w. 

Walbom, Hans 50. 51. 58. 
Wale, s. Steffen. 
Walstorp, Margrete 7. 

— Otte 7. 

Wantscherer, Hans 27. 
Westke (?) 41. 
Westval, Gertrud 25. 

— Hans 4. 
Wibe, s. Vnr. 

Wichman, Wychman, Hans 05. 

— Tydeke 7. 
Wychman, s. Koler. 



' Wilde, Claves 47. 
Willem, s. Buntmaker. 
Wylltiken, s. Sündergelt. 
Williges, Lanrens 05. 
Wvucke, Wvnck, Vincke, Pavel 30. 
Wynkel 2. 
Wynt, Claves 4. 
van der Wisch, Claves 51. 
Wyse, Eller 21. 

— Hynryck, 29. 

— Yachchym 20. 

— Marqwart 40. 
Wj'tteniaken, Grete 18. 
Woge , Woige , Woyge , 

Tymme 4. 0. 9. 19. 
Wolder, Marqwart 61. 
Woldervek, Hans 27. 
Wulf, Wulft", Wullen", Ciauwes 11. 
12. 13. 15. 10. 

— Conradus 53. 54. 
58. 59. 

— Eggert 58. 

— Ghossches 14. 

— Hans 8. 

— Hans, sein Vater 8. 

Y. s. J. 
Z. s. S. 



Woigge, 



55. 



50. 67. 



Medebroder des Rates. 

Reyneke, Hans | 
Scheie, Hinrik | 



Gerichtsvögte. 



Gerlies, Hinrik 1405, 1407, 1468. 
Heytram, Hans 1405. 
Koler, Wychman 1407, 1408. 
Wulff, Claus 1477, 1478, 1479. 
Visk, Laurens 1477, 1478. 
Schuldorp, Hans 1479. 
Smelinck, Peter 1621, 1522, 1520, 
1627. 

Scroder, Jacop 1621, 1522. 
Arndes, Albert 1520, 1527. 
Kistemaker, Marquart 1630, 1536, 
1630. 



Ferst, Jasper 1530, 1535, 1530. 
Puck, Hinrich 1530 (V), 1538, 1541, 
1542. 

Wulf, Conradus 1530 (?), 1538, 

1541, 1642, 1543. 
Koleman, Hans 1543, 1544, 1545, 

1646. 

Sculte, Jochim 1544, 1545, 1640. 
Scenckeho, Hans 1545. 
Ferner als Vertreter von Conradus 
Wulf dieRatmamienllam Kole- 
man 1542, Jochim Sculte 1543. 

8 



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II. 



Register der Ortsnamen. 



A. 

in der Aldenmarke, Alt mark 39. 
Alfder, (?) Alferde b. Kalenberg in 

Hannover 5. 
Anoden, Angeln 53. 
Arndrsboken, Arndesbnken, Arnes- 

bo k e n , A rm «sbo k e n , .4 hrcn sböck 

7. 20. 24. 
Atendorp, (?) Ottendorf b. Kiel 42. 

B. 

Badendorp, Hadendorf b. Rein- 
feld 29. 

Barby , an der Elbe, Provinz 
Sachsen 43. 

Barsbeck, in der Probstei 65. 

Bart, Barth in Pommern 8. 

Blanckenese, Blankenese 27. 

by der Boyckey (?) 41. 

Bornebolm, Insel Bomholm 46. 

Bramstede, Bramstedt 41. 

Bremen 15. 42. 

Brestede, Bredstedt 41. 43. 

Brage, Brügge, Brügge bei Bordes- 
holm 9. 16. 

Branswyck, Dorf, jetzt Teil von 
Kiel 2. 30. 

Brunsswick, Brunsswyck, Braun- 
schweig 16. 39. 

Bukstehnde, Buxtehude 4. 

Bulke, Biilck b. Kiel 2. 

Buttsow, Bützow i. Mecklenburg 43. 

C. K. 

Kaiendorp, ehem. Dorf b. Kiel 2. 
Kappel, Kappeln 53. 
Kerlnbbe, Kalübbe b. Plön 7. 
Ciauwestorp. Clausdorf an der 
Schwentine 21. 



Kopenbruggen (?) 6. 
Krempper.storp , Krempelsdorf b. 

Lübeck 29. 
Kryvese, (?) Pri/vese, ehem. Dorfb. 

Oldenburg i. H. 4. 
Kukmssen. Kitkcnitz b. Lübeck 40. 
Kuddewordeu . Kuddewörde bei 

Mölln 40. 

D. 

Dalenborch, Dahlenburg, Kreis 
Lüneburg 41. 
j Danigarden , Damgarten i. Pomm.ti. 
] Damstorp, Damsdorf b. Plön 29. 
Darsso w, Derssow, Dartsan. Dessou, 
Dassow i. Mecklenburg 39. 40. 
Dudendorp, bei Brügge, jetzt ein 

7 eil von Schönhagen 7. 
Duven8ee, b. Ratzeburg 40. 

E. 

Eckelenvorde, Eckernförde 19. 
Eckenis, Ekerns in Schleswig 40. 
1 to derEckhorst, Ekhorst b.Lübeck29. 
Eckse (?) 40. 

Eydder, s. Schulen Eydder. 

Eldas, (?) Eldagsen bei Wennigsen 
in Hannover 5. 

Ellerbeke, Ellerbeck b. Kiel 6. 

Eraeke, (?) Emekendorf, Emmen- 
dorf b. Kiel 44. 

F. s. V. 



<>p dem Gharden, Dorf Gaarden 
20. 64. 

| Geffort, (?) bei Lüneburg 43. 

8* 



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116 



Register der Ortsnamen. 



Ghenin, Genin b. Lübeck 4. 
tierische beide (?) 53. 
Ghettorp, Oettorf 13. 
Godebnsse, Gadebusch i. Mecklen- 
burg 4. 

Grevesmole , Grevesmühlen in 
Mecklenburg 4. 

Gropelesche (?) 4. 

Grotenbrode , Großenbrode am 
Fehmarnsund 4. 

Grupenhagen , Gruberhagen bei 
Cismar 5 3. 

Ghustrow, Güstrow i. Mecklen- 
burg 28. 

H. 

Haemolc , ? ) Hachmühlen b. Springe 
in Hannover. 

Hadersleve, Hadersleben 33. 

Hafk reg, Haß krag b. Neustadt 4. 

Halverstad, Halberstadt 15. 4». 

Hamberglie..//^N<^m/(f ft. Lübecks. 

Hambüren, Hamburtj 15. 27. 28. 
4'.». 02., Damdor, Dammthor 
49, Hoppenmarket, Hopfen- 
markt 49. 

tu der Hainen. (?) Hamendorf, 
Hamdorf b. Segeberg 30. 

Hanenbusk,Ilannenbusk, vermutlich 
ein Holz zu tschen Glausdorf 
und Haisdorf, wo ein Hahn- 
(tuschteich und Hahnbuschberg 
noch heute sich vorfinden 9. 
10. 29. 53. 

llarborch, Harburg 41. 

Hermekstorp, Harmsdorf b. Gülden- 
stein b. Oldenburg i. Ii. 49. 

liilde/.em, Hyldescm , Hildesheim 
39. 44. 

Hylgenstede, Holg.-nstede, Heiligen- 
Stedten bei Itzehoe 4. 27. 

llilligenhaven, Hciligcnhafen 00. 

Hoykemlorp, Hoikendorf b. Greves- 
mühlen 40. 

to »lein Huhne, r'7<ew. 2>or/ 
Schonberg 17. 31. 

Hülsten. Holstein 57. 

Hurst, /rrt/ier Dorf , jetzt Meierhof 
b. Depcnau b. Plön 7. 

I. Y. 

Itzeho, Ytseho, Itzeh 27. 34. <'5. 

K. s. C. 



L. 

Labode, Laboe 14. 

Lebrade, b. Plön 30. 

Lensan, Lensahn 30. 

Letten, Littauen 53. 

Levesoy, Levesouw, Levensau bei 

Kiel 10. 41. 
Ligne, (?) Lttfwy 57. 
Lochowe, Lüchow, Amt Ijünebnrgi. 
Lubeke, Lupke, Lübeck 0. 9. 10. 

12. 24. 29. 37. 39. 40. 57, 

Wanthas, Z enghaus 40. 
Labetiu, Löpt'tn b. Preetz 05. 
Lnneborch, Lnnneborch, Lunen- 

borch, Lüneburg 4. 15. 41. 

4 •» . o3. 05. 
Luttekenburch, Lütjcnburg 12. 

M. 

Malente, Kellersee 40. 
uth der Marke, A/«rAr Branden- 
burg 57. 

Meckenbureh, Mecklenburg 52. 05. 
Mollentyn (?) 40. 

Monneekehaghen. Mönckhagcn bei 

Reinfeld 24. 
Mordeshagen (?) 0. 
Mortmole (?) 4. 

IM. 

N igeheyckendorp , Neuheikendorf \ 4 . 
in dem Nygenvelde, (?) Nettenf eldt b. 

Ritzebüttel 27. 
Nygenmarke, die Neumark 43. 
Nigemnnster, Nigenmnnster, Nyge- 

munster, Neu-munsterX. 40. 49. 
Nygenrade, Nenenrade bei Both- 

kamp 30. 
Nygenstad. Neustadt i. H. 29. 

30. 05. 

Nygenstede , Nienstedten bei 

Altona 27. 
Nighenwnrden , Neuwühren bei 

Preetz 25. 

o. 

Obbendorp, Oppendorf b. Kiel 21. 

Odeslo. Oldesloe 4. 

Oldenborcb, Oldenburg in Holstein 

49. 05. 

— Oldenburg i. Grossherzogtum 57 . 



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Register der Ortsnamen. 



117 



• P. 

Pameren, Pommern 43. 
Perchym. Parchim i. Mecklen- 
burg 39. 

Pepermole . Pfeftermühle, jetzt 
Nebenhof b. Lübeck 27. 

Perdule, Perdoel b. Plön 7. 

Peterstorp, Petersdorf b. Olden- 
burg 36. 

Plone, Plön 11. 12. 16. 19. 3«. 

Potlos, Putlos b. Oldenburg 6. 

Prese, Presse, Preetz 11. 12. 17. 

Prowestye, die Propstei 31. 

R 

Reynevelde, Heinfcld b. Oldesloc29. 

Rensevelde, Rensefeld b, Lübeck 6. 

Rindesborcb, Ryndesboreh, Rends- 
burg 11. 18. 

Rockwinkel, (?) Ruhwinkel bei 
Bornhöved 52. 

Rosteke, Rostock 6. 43. 

Rügen, /nst7 Rügen 40. 

s. z. 

Sagbekule, (?) Soghekulc, Sau- 
kühle, Swinkuhlen 11. 22. 

Salsso. Salzau bei Sehnt 60. 

Sapkenkrog, w/hns in r/er A7/Ae 
t'OM Lübeck gelegen haben, 
noch jetzt heisst eine Strasse 
in Oldesloe „Sappcnkrog" 40. 

Sarat.in. Zarrentin in Mecklen- 
burg 41. 

Scbonenboke , Schonböken bei 

Lübeck 29. 
Scleswyck, Slesswick, Schleswig 

29. 53. 

Scbulen Eydder, r/. i. die versteckte 
Kider, Ausjlnss der Eider 
aus dem Schulensee 9. 

Scburstorp, Schürsdorf b. Eutin 21 . 

Segarden, (?) Seegaard bei Apen- 
rade 57. 

Segeborger beyd, Segeberger Heide 
zwischen Segeberg und Bram- 
stedt 7. 

Sygeneve, Siggeneben b. Grube 4. 
Silverstorp, (?) Sibbersdorf bei 
Eutin 36. 



Signier. Sysmer, Cismar 4. 68. 
Syverdeshagen , Sievershagen bei 

Neustadt 4. 
Slabben nagen, Dänischenhagen bei 

Kiel 22. 

Smole, Schmool b. Lütjenburg 25. 

Stave, (?) Swave , Schwabe bei 
Rendsburg 40. 

to deme Stene, Stein in der 
Probst ei 14. 

Stenrade, Steinrade b. Lübeck 29. 

Stergerde, Star gar d i. Pommern 43. 

Sterneberg, Sternberg in Mecklen- 
burg 39. 

Stettin, Stetvn, Stetteyn, Stettin 

0. 15. 43. 44. 
Stolpe, bei Bornhöved 7. 
Stralessund, Stralsund 6. 55. 
! Sucstorpe, Suchsdorf b. Kiel 41. 
to deme , vor deme Sando . der 

Fehmarnsund 39. 46. 
Swansen, Swantzen, Sch warnen 
17. 63. 

Swrnekendorp, Schwinckendorf b. 

Sturenhagen 41. 
Swenttynne, F/uss Schwentine 21. 
Swineknie, Schwienkuhl b. Len- 
sahn 3i). 

T. 

Techellis. Techelwitz bei Olden- 
burg 65. 
Tymmendorp . Timmendorf bei 

Travemünde 36. 
Tramunde. Travemünde 46. 
Tr«nt, bei Lehmkühlen bei Preetz 29. 
Trypose.s. (?) Triebsees i. Po mm. 43. 

V. F. 

Kill, (?) tw Littauen 53. 
Flensboreh. Vleskborcb, Flensburg 

9. 53. 63. 
Flugbendorp, Flüggendorf bei 

Oppendorf 21 . 
Vresenbagen , Fresenhagen bei 
Dänischenhagen 2. 

w. 

Wankendorp , W7m/f'r>nr/ür/ fce»' 
Bornhöved 7. 
i Wapendsee, (?) i» Schwansen 17. 



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118 



Register der Ortsnamen. 



Wappenysse, (?) Kirchspiel 26. 
Wellingedorp, Wellinadorf bei 

Kiel 14. 
Westke, (?) Personenname 41. 
to der Wirk, Wik bei Kiel 53. 
bynnen, to, tuschen der Wysmer, 

Wesmer, Wismar 4. 28. 36. 

39. 41. 53. Kremerstrate, 

Lupeskestrate, Moniickestrate 

28, Papenstrate 53. 



Witteborch, Wittcnborch, Witten- 
burg i. Mecklenburg 41. 57. 

Worden, (?) in der Altmark 39. 

Wnnnokenbrok, Holz bei Steenrade 
bei Ahrensböck 40. 

Y. s. J. 
Z. s. S. 



Kiel. 



Stadt. 

Bynnen dem Kile, Kyle 28. 
38. 47. 

To dem, tom Kile, Kvle 7 a. 

24. 45. 49. 51. 53. 57. 
Tuschen dem Kile, Kyle 9. 13. 
Vor dem Kile, Kyle 6. 33. 37.39. 
liyr in der stat 26. 

Strassen. 
Keddingstrate 10. 
Kuterstrate 20. 

K i r e h e n. 
Santo Nicolauwes, Nicolai 10. 
altar Stinte Katrinen 10. 
altar her Karsten Raines 



81. 

13. 

49. 
45. 



block des hilgen cruces 1 
to dem llilligen Geyste 16. 

das Kloster 16. 
Sunte Jürgen 1. 16. 33. 

der armen lüde qwart 33. 
Sunte Gerdrud 1. 33. 

kerkhoff 29. 
Block to Kalvari, Kalvarie 

33. 87. 



22. 



10. 



Häuser. 
Hns, Rathaua 24. 
Vleskschrangen, Fleiscltbänke 16. 

Umgegend. 
Statholt 29. 45. 

Koberg, Kobarg. Koyberg, Kuhberg 
6. 22. 39. 49.* 



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III. 

Wort- und Sachregister. 



A. 

abesate, Abgesandter 57. 
achte, 8. vorsprake. 
aflateabref, Ablassbrief 29. 
aflosen, s. hant. 

afsede, Impf. v. afseggen, ent- 
scheiden 24. 

agaten, aus Acliat oder aus Bern- 
stein, die vielfach verwechselt 
wurden 39. 

alrun, Alraunwurzel 53. 

als, alse, wie, da. 

also, sowie, nämlich. 

alsns, so. 

amtesbusse, Amtsbücfise 23. 

anolaghen, anklaghen 31. 45. 50, 
s. f. anspreken. beclaghon, 
geclaghet, insage, klaghen, 
saken, sprekon, vorclaghen. 

angebaven. Part. v. anheven, an- 
fangen 52. 

angnus dei, geweihtes Anhängsel 
von Waclts mit Bild des 
Lamm Gottes 15. 

anne, ane unde over syn. dabei 
sein, zugegen sein, teilnehmen 
9. 11. 13. 14. 15. 19. 20. 21. 
51. 52. 55, s. f. bywesen. 

anspreken, anklagen 24. 55. 6«*». 

ansticken, anzünden 40. 

antasten, ergreifen 60. 

apenbar, offenkundig 24. 20. 

arne, Ernte 1. 2. 

aver, s. over. 

B. 

bagghynne, Laienschwester 15. 
barde, breites Beil 2. 4. 
baren s. boren. 



bart, Bord 40. 

baven, oben, Uber 11. 20. 28. 2x a, 

baven unde heneden, rechts und 
links 62. 

beclughen, anklagen 24. 20. 3«). 

beddesbure, Bettbezug 29. 

bede, Bitte um Beqnadiqunq 3. 
13. 14. 20. 28. 50. 

bedelen. betteln 57. 

bedygen, gelingen 34. 

begeten, begiesscn, lötltrn 10. 

begnaden, begnadigen 13. s. f. 
bede, gebaden, gnade. 

begbreppen, Pa>7. r. begripen s. 
gripen 26. 

beberden, festnehmen 8. 

bejegen, begegnen 49. 

bekant iV/rf. r. bekennen, gestehen 
1. 2. 4. 5. 0. 7. 9. 10. 11. 
12. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 
22. 23. 24. 29. 32. 33. 43. 
44. 47. 49, s. f. bekantnis, be- 
sternt, bokeint, ghudet, thostan. 

bekantnis, Geständnis, na sinem 
egbenen bekantnisse 15. 23. 
25. 34. 35. 30. 37. 40. 41. 
42. 43. 46. 47. 5S. 65, s. f. 
ghudynghe. 

bekant sin, vor dem strengen 
gerichte Godes 52. 58. 

beleven , gutheissen , sich ver- 
tragen 55. 

beneden, s. baven. 

benogbent, Gegnüqe , Zufrieden- 
heit 24. 

bor, Bier 52. 

beroebtigen, bezichtigen 45. 
bescbald, Impf. r. bearbeiten, s. 
schulden 24. 



120 



Wort- and Sachregister. 



besceden don, Bescheid trinken 52. 
bescheden, verständig, weise 24. 
beseten, angesessen, besetene borger 

1. 2. 4. 6. 6. 7. 9. 10. 11. 

12. 13. 15. 17. 24. 29. 32. 

44. 46. 49. 50. 51. 52. 64. 

58. 05, s. f. borger, erffgesetten. 
beslagen, ertappen, antreffen 49. 

50. 04. 

besluten, einschliessen 1. 11. 
besmeren, beschmieren 47. 
besmyde, mit Geschmeide besetzt 29. 
beatelinge, Auftrag, Werbung 57. 
bestont, Impf. v. bestan, gestehen 

50. 60. 65. 
sik beswymen, ohnmächtig werden 
betigen, zeihen 58. '15. 
boteken, bezeichnen 29. 
betovern, bezaubern 47. 
bette, bis 29. 
be willen, einwilligen 55. 
biJ, Beil 49. 

bindeken, kleine Halsbinde 11. 12. 
bindexe, Bindaxt l. 
hysitted, ordmingsmässig besetzt 55. 
byslag, Verschlag, Nebenraum 10. 
bvwesen, Gegenwart, Anwesenheit 

47. 49. 50. 
bleke, Bleiche 2. 
blyg, Blei 16. 

block, blockähnliche Kiste zur Auf- 
bewahrung von Geld, Opfer- 
stock 1. etc. 

blot, nege.st e blot, blotvorwante, 
Blutsverwandte 55. 50. 

bodel, Büttel, Gerichtsdiener 00. 

bokeint = bekant 32. 

bolten, aufgewundenes Stück 53. 

bom, 7?a«»< 63. 

bon, Boden 1. etc. 

bordych, gebürtig 28. 

boren, erheben, abheben 58. 

boren unde, ofte ungeboren, geborene 
und ungeborene 14/ 54. 56. 
60. 58. 03. 

borge, 7*«r</e 47. 50. 57, s. f. 
scalos, uthborgen. 

borger, Bürger 14. 20. 22. 29. 
47. 48. 50. 58. 

borghermester , Bürgermeister 28. 
borst, ürurf 62. 
borstdock, Brusttuch 2o. 



breken, erbrechen, einbrechen 1. f>. 

11. 12. 10. 22. 25. 29. 32. 

33. 30. 37. 40. 41. 42. 43. 44. 
bresse. Brochc 11. 12. 
brok, 7?ruc/t, GeAö7z 51. 
braggesch, brüggesch, aus Brügge 

in Holland 8. etc. 
budel, buddel, Geldbeutel 9. 20. 
bunt, J5m«c? 4. 

busse, BüeJise 47, s. f. amte.sbasse. 
bute, Beute 4 1 . 

buten, dr aussen, ausser 62. 50. 
butendorpeseh, row ausser Jtalb des 
Dorfes, dorffremd 2. 

c. 

condirion, Stellung 55. 

D. 

dale, /ii'm, hinunter 40. 

dede, r. don, </t»taw 32. 37. 

dell', 7>i^ 30. 

deghedyng«>sman , Vertreter vor 
Gericht und bei Verhand- 
lungen 24. 

del, Teil 41. 

denen myt , dienen bei einem Herrn 
45. etc. 

densk, dänisch 29. 

densman, Dienstmann, Höriger 45. 

dep, <Za« Fahrrinne 40. 

derde, dritter 53. etc. 

dessche hns, Drcschluius, Tenne 5H. 

detmersch, ditmarsisch 40. 

deverye, Diebstahl 29. 

dickgrever , dickknecht , Deich- 
gräber 82. 

dyryken, drücken?, mit einem 
Dietrich öffnen? 29. 

dot't, getauft 28. 

dornsen, Stube 52. 

dorslacb, Durclischlag, Sieb 10. 

dossyn. Dutzend 8. 

dotslagen, totschlagen 4. 24. 41. 

dotsteken, totsteclten 3. 30. 38. 
60. 01. 

dref, Jw/>/. r. driven. fmk?* 49. 

drogh, trocken 30. 

drogli, druch 7»^>/". v. dragen. 

tragen 1 1 . 
dropten, Dromt , ein Getreide- 

maass 10. 



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Wort- und 

druch, s. drogh. 

dubeld, doppelt 53. 

duvelsch, teuflisch 47. 

d welle, Handtuch, Deckchen M. 

E. 

eyn. en, rfiVit/ a/s Negation den 
Verbums, z. B. enwolde, eu- 
hadde, enwet 14. 24. 52. etc. 

eyn we<h, eyn wege, hinweg. 

enegedrungen, ParJ. v. endringen, 
eindringen 52. 

engen, *iV7i einigen , vergleichen 13, 
s. f. beleven, bc willen, vor- 
drach, vorwilkoren, 

er, eta, in ertiden.i» frultererZeit2A. 

erffgesetten , mit Erbe (Grund- 
besitz) ansässig 56. 

ertrik, Erdreich 56. 

esschen, heischen, laden, vorladen 
12. 14. 10. 18. 45. 51. 52. 
54. 55. 5H. 61. 62. 03. 04. 

et, etb, Eid 51. 54. 

exe, ^lo-f 62. 

F. s. V. 
G. 

ghalgen, gballigben, Galgen 20. 
30. 34. 39. 59. 60. 65. 

gebaden, Part. v. bidden, bitten 
um Begnadigung 48. 

geboden, Part v. beden. bieten, 
bant to den Hilligeu beden, 
sich zum Schwur erbieten 54. 

gebrant, Part. v. brennen, ver- 
brennen 12. 

gebrnket , Part. v. bruken , ge- 
brauclien 34. 35. 47. 

gcclaghet, Part. v. clagben 50. 52. 

gbedelet, Part. v. delen, teilen, 
entscheiden, Urteil sprechen, 
sprechen 24. 

gegunt, Part. v. gnnnen, gönnen, 
gestatten 50. 

gehandelt, Part. v. handeleu, ver- 
handeln 35. 

geboven, Part. v. hoven, hauen 46. 

geyn, gen, kein 47. 51. 

ghelavet, 8. gelovet. 

gelent. Part. v. lenen, leihen 51. 

geloven, Glauben 37. 

gelovet, ghelavet, Part. v. geloven, 
geloben, versprechen 28. 56. 

gelucket, Part. v. lucken. 



Sachregister. 121 
gen s. geyn. 

gheneten, geniessen, erfüllten 2. etc. 

genigerleye, jenigerleye, irgend- 
welcher 51. 54. 

ghenne ; jener, derjenige 26. r>6. 

genochte, Genüge 54. 

genodiget, Part. v. nodigen, nötigen, 
foltern, genodiget unde unge- 
genodiget 44. 47. 48. 49. 57. 

in, op gensit, gensyt, jenseits 43. 
44. 65. 

gerycht, Gericht 16. 17, s. f. recht, 
gerichtet , gerychtet . gerechtet, 

Part. v. richten 4. 9. 10. 11. 

13. 14. 16. 1K. 19. 20. 21, 

mit dem rade 1. 4. 11. 10. 

22. 24. 32, mit dem «werde 

3. 20. 28, van boven dal 50, 

s. f. vorrychten. 
geruchte, Ruf 47. 
gesät, Part. v. setten , setzen 49. 
gescregen Part. v. seregen, 

schreien 62. 
gesculden, s. schulden. 
I gestan, Part. v. stan, stehen 47. 
gestlick of wertlick, durch geist- 
liches oder weltliches Gericht 

56. 5h. 63. etc. 
gesworen, Part, r.sweren, schwüren, 

to Gode onde den Hilligen. 52. 

50. 58, s. f. et, recht, uth- 

strecken, finger. 
geven vor, verkaufen für 15. 27. 

29. 30. 39. 40. 
gevort, s. foren. 

geweken, Part. v. weken. weichen, 
fliehen 55. 62. 

gnade, Gnade, Begnadigung 20. 

gordel, Gürtel 5. 

grapen, Kessel, Topf 2. etc. 

grint, vielleicht Grintwort, runter 
acutus, Grintwurzf 47. 

gripen, begripen, ergreifen 0. 7. 
20. 28. 38. 47. 49, s. f. an- 
tasten, beherden. 
i groß', grob 29. 

gron, grün 44. etc. 

ghudet, Impf. u. Part. v. gen, 
gestehen 29. 

ghndynghe, Geständig 29. 

H. 

h agen , vermutlich eine St offart 40. 
hamd, Hemd 20. etc. 



122 Wort- und 

haut aflosen, Hand ablösen 45. 

58 s. f. geboden. 
harns, Harnisch 40. 57. 
hasen, Hosen 5. etc. 
baten , hassen, Feindschaft hegen 1 8. 
havc, s. hove. 

hechte , Haft, Gefängnis 30. 4«. 
47. 48. 60. 63. 57. <>0. 03. 
fiß, s. f. fencklick. 

lief tpolshureii , Pfühlsbezug zum An- 
heften? 29. 

hegen, hegen, ein Gericht durch 
das Friedegebot eröffnen , 
ordnungsmässig abhalten 51. 

henge. Gehänge Iß. 

hengen, hängen 4. 5. ß. 8. 23. 29. 30. 
34. 39. 59. ßO. ßö. s. f. gbalgen. 

heren, Ratslierren 56. etc. 

herstrate, Heerstrasse, Landstrasse 
9. 13. 5:{. 

Hillige, Heilige, Heiligenbilder etc. 
56. 

hymten, Himten, ein Maass 6. 
hode, 7m/)/. r. hoden, /trt/en 47. 
hoff am et, Hufschmied 6ß. 
hnge, i« hohem Muasse, sehr 13.51. 
hoyken ,hoeykeii , buken ^Mantel^ctc. 
to hope. zw Häuf, zusammen 24. 
40. 52. 

hoterknecht, Hut macJier geselle 54. 

hove, /ftefte 52, houwen mest, 
Hiebmesser 9. 

hove, have, havet, JTo/ 25. 43. 
49. etc., (?) havelude, Hof- 
leute, Hörige lß. 

hovet afhoven, enthaupten 35, s. f. 
gerichtet, swerd ; hovetlude, 
Partei., Auftraggeber, im 
Gegensatz zum Vertreter 24, 
hovetman, Anführer 53. 

hude, Häute 30. 

hulpc, Hülfe 54. 

J. Y. 

sik jegen, geschehen, sich zutragen 
1. 2. " 

jenygerleye, s. genygerleye. 
yeslick, Jeder lß. 
inhalten, enthalten 47. 
insage, Klage 51. 
yode, Jff/e 28. 

jodute, r/er Hülferuf zur Konsta- 
tierung eines Verbrechens 52. 
item, ferner. 



Sachregister. 



i kagelen. Frauenhut 20. 
! kaker, Köcher 4. 
1 karap. i*Wf/ 29. 

keyser, kaiserliclies Vogteigefäng- 
n is ^ 44. 

kerkhoff, Kirchhof 13. 19. 

kyf, Zank, Streit 52. 

kymmel, Knebel 25. 

klughen, klagen 31. 

kleghere, Kläger 24. 

klenat, klenodia. Kleinod 23. 

klos, A7ote 41. 

kluse, Klause 61 . 
, knecht, Geselle, Diener. 

koge, Kühe 42. 

kom, kum, BeMlter für Geld 40. 49. 

kordien. Umhang, entstanden am 
courtine f 40. 

körn, Körnehen oder Gran, ein 
Gewicht 34. 

krallen, kor allen 17. 

krech, »S7m£, Zw;i*f 52. 

krech, //«p/. t>. kreghen, kriegen, 
bekommen 1 1 . etc. 
! krogh, Krug, Wirtschaft 29. 
i krupen, kriechen 41. 

kruse, AVu#, Trinkkanne lß. 29. 
j kukenkorf, Kükenkorb f 4. 

kum, s. kom. 

kumppane, Genossen. 4. 
! küssen, Kissen 2. 



lade, Lade, Schrein, Kiste 29. 
32. 37. 

lantste, Landsasse, freier Pächter 

57. ß3. 
lass, Lachs? 40. 
lede, bange, ängstlich 57. 
ledich nnd los, ledich und fry 10. 17. 

18. 20. 21. 24. 51. 64. 56. 58, 

s. f. fri. 
lee, grössere Sense lß. 
lef unde god, Liebes und Gutes 47. 
legen op eyn rat, rädern 81. 30. 

38. 40. 41. 42. 43. 46. 60, 

by den rad legen, beim Rat 

deponieren 56. 58. 
leydesch, aus Legden in Holland 4. 
lendighet, völlig 13. 
leppel, Löffel 39. 



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Wort- nnd 

leth, Impf. r. laten, lassen 30. 

leven(t), Leben, van dem lcven to 
dem dode koinen 24. 52. 55. 
58. 64, bringen 61. 02, s. f. 
dotsteken, dotslagen, morden. 

levendich bcgravon 25. 

licham, Leichnam 13. 54. 

lick. gleich 52. 

liff, Leib, Leben 13. 52. 

lyn, lynwent, lowent. Leinen, Lein- 
wand 2. 4. 5. 

lofFwerdig, ehrenwert, zuverlässig 
51. 58. 

lubcs recht, Lübisches Recht 8. 13. 
22. 23. 24. 31. 34. 35. 36. 37. 
39. 10. 41. 42. 43. 45.46.47. 
48. 50. 51. 52. 5». 59. 61. 62. 
64. 

luchter, link 28. 

lucken, glücken 43. 44. 65. 

M. 

maghc(i)t, Magd 32. 
nialk, man täglich, jeder 6. 
man. Mohn 5. 

manu propria, eigenhändig 55. 
mathier, Matthiasgroschen * 44. 
matschop, Gesellschaft 13. 44. 53. 
medebroder des rades. Mitbruder 
des Rats, Ratsverwandter 13. 
men, aber. 
mest, Messer 9. 

rayn, weniger 11, myn ofte mer, 
mehr oder weniger 1. 

myt s. denen. 

mole. Mühle 4. 

molt, Mehl 16. 

mome, Muhme, Muttern 52. 

monstrancie, Monstranz 10. 

morden, ermorden 4. 6. 36. 40. 45. 
53. 

muntiseren , Münzeisen , Präge- 
stempel 34. 
müsse, Mütze 25. 

N. 

na, nach. 

naber, Nachbar 52. 
bv nach ty den , in nachtslapender 
tyt, hei Nacht 13. 25. 52. 58. 
natele, Nadel 18. 



Sachregister. 1 23 

nedderste recht, Niedergericht 24. 
52. 

negeken, kleine Neige 52. 
nemen, wegnehmen, rauben 9. 11. 
15. 

; nen, A«'n 47. 

nen, wm« 52. 
! nergen, nirgends 51. 04. 

net, xYcfo 49. 
I notogen, notzüchtigen 40. 
j nument, nemant, niemand 40. etc. 



o. 

oerfeiden, oerfigdeu (myt eden), Ur- 
fehde schwören 14. 20. 2s. 03. 
offer, Opfer 15. 
ofte, orfcr, o/>. 

ordel unde recht geven , TrfdJ 
Äcr/i/ setzen fest, er- 
kennen zu 4. 6. 7. 15, 
ostie, Hostie 30. 
over, wfo?r. 

overbodich, erbotig, bereit 51 . 
overkonuMi, antreffen 49. 
overlendesk, oberländisch 21». 
overtughen, m«7 Zeiu/m überführen 
13. 24. 

overweldich werden, überwältigen 
25. 

overwinnen, überführen 47. 48. 



P. 

page, Pferd, Gaul 0. etc. 
pape, Pfaffe 44. 

parlebindeken, Perlenhalsband 28. 
part, 7«7 30. 

patene , Oblatenteller, zugleich 

Kelchdeckel 29. 
pilsser, Pelzmacher 23. 
pinygen, foltern 47. 06, s. f. ge- 

nodiget. 

plach, Impf. v. plegen , pßegen 2. 
plas, P/ate, Zvjlucht 81. 
platensleger, Yerfertiger von Leder- 
harnischen 57. 
plochiser. Pßug eisen 30. 
pok, Dolch 9. 
piul. %>/ 10. 



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124 



Wort- und Sachregister. 



Q. 

qnarterskanne, '/* Kanne 10. 
qwart der armen lüde, Armen- 

block ? 33. 
qwat, schlecht, ■unangenehm 47. 52. 
qwit geven, verzichten 51. 

R. 

rad , raed (tum Kyle) . Äar r/er 
Ärar// Kiel 7. 9. 13. 14. 24. 
26. 47. 51. 5*2. 55. »'»3. 

radebraken, rädern 29. 

rades unde dades. mit Hat und 
That 24. 54. 

rat, Rad, s. gerichtet, legen, rade- 
braken, atoten. 

ratnianne, Ratmannen 24. 56. 58. 

Ta.tic\\kr\\t,R(tt fenkraut ,A rsenikSo. 

recht, rieht, r.vcht. Recht, Gericht, 
sin recht don, nein Recht thitn, 
einen Kid leinten 51. 52. 54. 

rechtdach, Gerichtstag 24. 

rechtdelcr , delre , Urteilsprecher 
24. 50. 51. 52. 54. 56. 58. 62. 
64. 

rechteheren s. reehtevogede. 
rechter, Richter 36. 
reehtevogede, rechteheren. Gerichts- 

vögfe 10. 24. 29. 32. 34. 35. 30. 

38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 

4«. 47. 49. 50. 52. 53. 54. 55. 

50.67 . 58. 59. 60. Ol . 62. 65. 66. 
rechtseriver f Gerichtsschreiber 6. 

7. 55. 

rede, Beredung, Verabredung 54. 
reysyg, beritten 45. 
ry nsch, rheinisch 29. 
rönne, Rinne 16. 
ruter, Heiter 40. 

rutingh, langes .\ fesser, Dolch 21. 

s. z. 

sake, Rechtssache, Prozcss 1. 2. 
18, saken. klagen 04. 56. 58. 
63. 

salicheit, selicheyt, Seligkeit 54. 
56. 58. 

sardokes, saartucheu, von Barchent 
4. 

scaden sinn, für Schaden und Kosten 
aufkommen 50. s. f. ungelt. 

scalos holden, schadlos halfen 57. 

schach, Impf. v. sehen, geschehen 
15. 47. 



sehyn. seyn. Augenschein 62, to 

sehyne gan, zur Leichenschau 

gehen, Leichenprobe, bestehen 

46. 51. 58. 02. 
sehinbar, sehyne dat, offne That 

6. 7. 30. 36. 40. 
schroden, abgeschnittene Stücke 34 . 
schnfel, Schaufel 17. 
schulden . Par/. v. schelten , «w- 

f echten 24. 52. 
sclottel, slotel, Schlüssel 32. 37. 40. 
scmyde, s. smyde. 
senedeu, s. snet. 
sco, Schuh 53. 
scorff, schofeliger Kerl 52. 
seeh, Zecherei 55. 
sedele, Zettel 24. 
sege, seghe, Ziege 7. 
sey, 57. 
selicheyt, s. salicheit. 
selsehop, GeselfscJuift, Bande 2. 6. 

1 1. 12. 17. 21. 29. 33. 36. 40. 

41. 42. 44. 46, s. f. matschop. 
senteneie, Spruch, Urteil 24. 
slotel s. sclottel. 

sniet. Schmied 11. 47, smede. 

Schmiede 65. 
smyde. Geschmeide 11. 29. 
snet , 7w/>/. i\ sneden , schneiden 

9. 26. 29. 

snydeker. Schnitt eher, Tischler 61. 

socke, Filzschuh 18. 

snnde ad sodomyten, Sodomiterei, 

widernatürliche Unzucht 34. 

35. 

sone, Sühne 55. 
spade, Spaten 49. 
spet. Spiess 5. etc. 
spyldynck, HVrA-zeu??, Spielzeug? 
34. 

spise, Speise 33. 

spreken np, ansprechen, klagen 14. 
st an to seggen , gesagt werden 

dürfen 47. 
stände, Stellfass 2. 
stede, ÄYrtYr«?, Sfe/fe 29. 56. 58. 
Steden, gestatten, lassen 62. 
stelen, stählern 10. 
Stelen, stehlen 1. 2. 4. 5. 6. 7. 8. 

10. 12. 14. 15. 16. 17. 18. 20. 
21. 23. 25. 27. 28. 29. 32. 34. 
36. 37. 39. 40. 40. 42. 49. 59. 
60. 65, s. 1. breken, deverye, 
dyryken, nemeu. 



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Wort- und Sachregister. 



125 



stenbycke, Steinhacke, Spitzaxt 17. 

stendelsch, stendalsch 43. 

sticker, Drechsler? 64. 

stickt, Stift 42. 

styghe, Stück <>. etc. 

stol des rädca. Ratsstuhl, Ratssitzüb. 

stop, Becher 39. 55. 

stot. Stos8 52, stoten op eyn rat, 

rädern 50. 
stunt, hnpf. v. stan, stehen. 
su, sic/i so 52. 

sulff, seltf, sulve, sehe, derselbe 

12. etc. 
sulver, S«76rr 6. 
samtides, bisweilen 40. 
sunde, Sünde 34. 35. 
sunder, sonder, ohne 54. 
sunderlich, einzeln, speciell 53. 
sunderluges, oäwc z?< ////ym , un- 

gelogcn 56. 
sus, »o, soriÄf 4«'». 54. etc. 
aller swer, jedweder 47. 
dat swerd geven, zw Enthauptung 

begnadigt n 14, s. f. gerichtet, 

hovet. 

T. 

tafelet, Kanten der Tafelet krä vier 
53. 

tafflaken, Tischtuch 12. 

tasten, antasten, anfassen, fest- 

nehmen K4. 66. 
teghen, gegen 29. 
telge. Zweig, Ast 54. 
terge Zehrung 57. 
tynnen, zinnen 10. 
toch, Zm// 57. 

togen, 7m/j/'. *?. ten, ziehen 4*;. 
tom, Zaum i)5. 

torf. Scholle, in torve off twig«, 
«•w/ Scholle oder Zweig, auf 
oder über der Kr de 51. 

ttiostan, zugestehen 14. 24. 50. 

toversche, tovenersche, Zauberin 
47. 48. 

trecken, ziehen 57. 

trumensleger, Trommler 5<>. 

truwen, trauen 51. 54, to truwer 
hand, ^rewf» Händen 58. 

tuder, SfricA 49. 

taglie, /Sei/r/ 25. 

tughe, Zeuge 14. 1*. 22. 29. 47. 
51. 55. 58. 68, tnglu'n . be- 
zeugen 24. 51. 52. 54. 56. 58. | 



tun, Zaun 29. 

tunebinder, Tonnenbinder, Böttcher 
55. 

tuschen, zwischen. 

in den twalften, in tf<*n i2 Tagen 

von Weihnachten bis zu den 

Heil. 3 Königen. 
twig s. torf. 

u. 

nmnietrend, um herum, ungefähr 

an 10. 30. 
in dem umslage, zu Umschlag, die 

S Tage nach den Heiligen 

H Königen 62. 
unheruchtiged, unbescholten 5«. 58. 
undaot, l'nthat, Verbrechen 9. 10. 

11. 12. 13. 14. 16. 17. 18. 19. 
20. 21. 29. 35. 36. 37. 39. 40. 
41. 42. 43. 44. 17. 

underwylen, bisweilen 29. 

nngedonheten, ohne beauftragt zu 
sein 54. 

ungeferlich, ungefähr 57. 

unghelt stan, für die Kosten auf- 
kommen 30. 

ungenodiget s. genodiget. 

unrechtferdich , ungerechtfertigt, 
ohne Grund 58. 

unvorwandes, unversehens 56. 

unwyllen, Streit 40. 

uplaten, auflassen 7 a. 

uprukkelese, Hucksack 9 4. 

uthbesceden, ausgenommen 58. 

uthborgen. durch Bürgenstellen aus 
der Haft befreien 57. 

uthgandes recht, ein Recht, das 
seinen Oberhof auswärts hat 
24. 

uthgetekend, ausgezeichnet, fest- 
gesetzt 24. 

uthseghen, geloben, versprechen 7a. 

arme ut hstrecken , Arme zum Schwur 
erheben 56. 58. 

utwisynge, Ausweis 8. 24. 

V. F. 

taget, vaget, fogede, vogedc, Ge- 
richts cogt 1. 2. 4. 5. 7. 11. 

12. 13." 15. 51. 62. 64, s. f. 
rechtevogede, rechteheren. 

vake, vaken, oft 24. 33. 
fal, falb, Ml 55. 



126 



Wort- uni Sachregister. 



fallen, Fohle», Füllen 40. 
van, denn, wie 55. 
fant, vant, s. vinden. 
farbock, Varbuch 55. 
vare(sines live«), Gefahr des Lebern, 
der Todesstrafe 24. 

farrecht, varrecht, Vorgericht 61. 
52. 54. 66. 58. 01. 62. 64. 66. 

vat, Fem 39. 
fei, falsch, schlecht 52. 
fehle, Impf. v. fehlen, fehlen 58. 
fencklick nemen, gefangen nehmen 
67. 

verdendel, verendel, Viertel 16.40. 

fersch. frisch 52. 

viftich , vyftich , veftich , vofticli, 
Rosenkranz , aus 50 Perlen 
oderSteinchen beste hend 23. etc. 

vvlt, Filz 21». 

finden, vinden, Urteil ßnden, ver- 
künden, entscheiden 24. 45. 
50. 61. 52. 54. 56. 58. 62. 64, 
3. f. at'sede, ghedelet. 

finger op dey Hilligen legen , zum 
Schwüre 56. 58. 

vingeren, Fingerring 18. 

vlock unde vore, technischer Aus- 
druck für Beteiligung an einer 
Schlägerei, bei welcher jemand 
umgebracht wird 24. 

Hoken. fluchen 52. 
foder, Fuder 63. 
fogede. s. vaget. 

folgen, verfolgen- 45, eren rocht 
folgen, ihrem Recht folgen, 
dasselbe rechtliche Schicksal 
teilen 50. 

vorbiden, vorladen, anklagen 03, 
vorbider, Antragsteller, Pro- 
zessvertreter 62. 

vorbrennen, verbrennen 47. 48, s. 
f. fnr, gebrant. 

vorbuten, vertauschen 7. 

vorclagen, anklagen 57. 

fordelden, Impf. v. fordein, fordern 
61. 

vorder, fürder 24. 

vordon, verhexen 47. 

vordrach, Vertrag 55. 

foren, voren, führen 10. 60. 51. 

vorfluehtich, flüchtig 46. 61. 

vorguiiuen. vergönnen 51. 



vorkuntscoppen , auskundschaften 

57. 

vortaten, verlassen, auflassen 7a. 

vorlenen, /«7ie>j 52. 

vorlesen, verlieren 24. 

vorligen, auflauern 49. 

vorloseu, erlösen 44. 

vorluden mit der klocken, «m- 
läuten, durch JMuten bekannt- 
machen 61. 62. 64. 

vormydels, vermittelst, durch 66. 

vormundere, Verwalter, Vorstefier 
44, des doden. nächster Ver- 
wandter, der die Klage für 
den Toten erlwbt 24. 

vorordelen, verurteilen 25. 26. O0. 
65. 

vorrychten, Hebten 17. 

vorspeen, erspähen 57. 

vorsprake, achte of vorsprake ge- 
neten, Beachtung oder Für- 
sprache geniessen, rechtliches 
Gelüir erhalten 24. 

vorspreke . Fürsprech , Prozess- 
vertreter 43. 5! . 66. 

vorsumenisse. Nachlässigkeit 5f>. 

vortnier, ferner 13. etc. 

in vortvden, in fräJierer Zeit 48. 
55 

forwagen , Fuhnvagen , Fracht- 
wagen 39. 

vorwilkoren, vereinbaren 13. 55. 

vorwinnen, überführen, mit ordel 
unde recht 1.2. 33. 65, mit allem 
(lubesehen) rechte 5. 6. 8. 13. 

16. 22. 23. 24. 26. 20. 34. 35. 
36. 37. 39. 40. 41. 42. 43. 46. 

59. s.f.overtughen.overwinnen. 
vorwisen , vorwysen. überweisen. 

überantworten 28. 47. 
fot fast nmken, fussfest marfien, 

festsetzen 66. 
fram, froni, fromm 4 7. etc. 
frawe, frauwe, fraufe, frauve, frowe, 

fronwe, Frau 2. etc. 
frede, Frieden 51. 65. 
fredelos legen, friedlos legen 45. 

51. 52. 61. .62. 64. 
fri, frig, fry, fryg, vri, vrig, vrigb. 

vryg, frei, np vrien voten. 

auf freiem Fusse 11. 12. 1<",. 

17. *18. 1'.». 20. 21. 20. 44. 
46. 47. 49. 50. 53. 57. 68. 

60, vrige hughe.ste, freie 



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Wort- und Sachrtigister. 



127 



Höchte, Leib und Leben, 

Todesstrafe 24. 
frolick, fröhlich 54. 5r,. 58. 
from s. fram. 

fronde, frunde, vronde , vrande. 
Freunde , Verwandtschaft , 
Sippe 14. 24. 31. 46. 50. 51. 
55. 5<1. 58. s. f. blot. 

frowe, frouwe 8. frawe. 

vullenkomen, vollkommen 24. 

vullenvoren, ausführen 24. 

vulmechtieh. bevollmächtigt 24. 

vonde, Entscheidung, Urteil 51. 

viniilcn , Part. v. vind»;n. 

int fnr werpen, verbrennen 47. 48. 

w. 

walt, wolt, Gewalt 52. konych- 
lyk.; walt, königliche Gewalt 
31. 

wamboeys, wanies, Wamms 4. 21. 
39. 48. 

wand, Zettl? 40, wanthus , Zeug- 
haus 40. wantscherer . Tuch- 
bereiter 10. etc., wantsenyder, 
Tnchhändler 28. 



waner, M^nn 41 . 

war inaken, eidlich eriuirten 5i>. 58. 

waterleie, welcherlei 55. 

wecke, HWie 57. 

W(?ch, wejre. M*e<7, /or/. 

weldener, Gewaltthäter 52. 

wenneko, Kittel 9. 

wente. rfenn *29. etc. 

werd, Wirf, Hausherr 40. 5C». et« . 

were, HVi/fi? 13. 

werlt. Welt 58. 

weten. wissen 47. 

wetscher. Mantelsack, Beutel 40. 

wilkor, Wi/M'wr 56. 58. 

winnen nnde vorlesen , gewinnen 

und verlieren 24. 
wyssk, Wiese 39. 
wol unde we don, wohl und weh 

thun, d. h. entscheiden über 

Gewinucn und Verlieren des 

Prozesses 52. 
wolteren, wälzen 1. 
wu, wo, wie. 

Y. 8. J. 

Z. s. S. 



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$iersef)nter 23ertcf)t 

über 

öirUhätigkcit ber Sefellfchaft für Vieler Stabtgcfduchte 

erftottet 

in ber 3ahreS0erfammtung am 2. 3ttai 1809. 

3)er SBorftanb f)at über bie gortfehritte ber publica» 
tionen unferer ©efellfchaft feit ber öortgen ©eneraloerfamm* 
fang golgenbeS $u berichten. S)ie 3lbhanblung be£ £errn 
9tecf)t$antoalt Dr. SBolff in Slltona „Über baS Sttbif^e Stecht 
in Äiel" ift in^mif^en erschienen unb in %f)ie £änbe ge* 
fomnten. SBenn es fcf)on öon Qjntereffe für bie ®efcf)icf)te 
ber <Stabt $iel ift, bag bte ©renken be£ £übifcf)en nnb be$ 
£acf)fenrechte£ in berfelben authentifch feftgeftellt finb, fo ift 
es boppelt erfreulich, baß auch bie jurtftifche Sßrartö baä 
£eft günftig aufgenommen r)at unb benufct. toirb an* 
erfannt, ba& bie beigegebenen harten be$ oerftorbenen .£>errn 
5afm eine fdmeHe Orientirung roefentlirf) erleichtern. 

2Bie fdjon im vorigen Berichte angefünbigt roorben ift, 
mußte bie Fortführung ber Aufgaben, bie £err Dr. ©tern 
übernommen ^arte, nämlich bie Verausgabe ber 93remer'fchen 
(Strömt, eineä llrfunbenbucheS oon .^iel unb einer Quellen* 
hmbe unferer ©tabt, buref) feinen gortgang toon ^ cr lln ^ 
ben eintritt eines neuen 5lmteS eine Verzögerung erleiben. 
@r §at 5U bem Xermin, ben er fief) gefegt hatte, nämlich 
im Januar biefeä %af)teü, feine Arbeiten für unS roieber 
aufgenommen unb fie fo geförbert, baß ihre Vottenbung fich 
nur roenig oerfpäten toirb. $ie 93remer'fcf)e ©fjrontf, Oon 
ber 10 Sogen gebruett finb, foK bte Oftern 1900 fertig fein. 
<£a ba£ ohnehin umfangreiche Söerf noch burd) Beilagen 
erweitert werben foll, toirb e£ ein Doppelheft bilben. ©o 



130 



bürfen mir (joffen, bicfe bielcitirte, aber nie gebrucfte einzige 
(£f)ronif unferer ©tabt, bie beutfct) getrieben aurf) Weitere 
Greife intereffiren hrirb, in abfefjbarer $eit unfern 3ttit* 
gliebern borlegen $u fönnen. 

gür bie Verausgabe bes 5üeler SBarbudjes fjatte jgexx 
cand. phil. 93ong*(5<f)mibt bie ^erftettung bes Xerteä, $err 
Dr. &ujtye eine roiffenfdjaftlicfje $)arftetfung bes Vieler 5Bar= 
recfjtes übernommen. 3)a £err 5öong*©cf)mibt feinen Slnt^eü 
abzugeben roünfrf)te, §at biefen £>err Dr. %nppe ebenfalls 
übernommen. Sßtr fyaben erfterem feine 2lbfd)rift abgefauft, 
rooburcf) £err Dr. £uty)e eine ernriinfdjtc ©ontrote bei ber 
(Entzifferung ber überaus ferner lesbaren £anbfcf)rift erhalten 
fyat. £err Dr. üuppc fyat feine 2lrbeit ooUenbet; baä gefammte 
9Jianufcript für biefe Sßublifation ift in ^änben beä SBor* 
ftanbes unb roirb bemnärfjft zum 3)rutfe beförbert werben. 

£err ^aftor s JJtou ift in^mifc^en für bie ®efcf)icf)te ber 
Harmonie weiter tfyärig gemefen. %lad) 3)urd)mufterung be3 
SJrdu'üö berfelben, bas uns oermacfjt ift, fyat er bie Über* 
Zeugung geroonnen, baß bie urfunblidjen 2lufzeid)nungen, 
bie noef) bor^anben finb, nirfjt ausreißen, um eine genügenbe 
^)arftettung oon ber eigentümlichen Sebeutung biefer ©e* 
feHfct)aft für bie ®efcf)tcf)te unferer <Btabt in biefem Satyr- 
fmnbert ^u geben, fonbern bafür bie 3 eirun 9 en 5 U ^tfye 
gebogen werben müffen, toaS eine ^eitraubenbe Slrbeit ift. 
Qa er anberfeits buref) feinen SBorfifc in ber ©efellfdjaft 
freiwilliger 2lrmenfreunbe eine exfy'öfyte 2lrbeitslaft auf fict) 
genommen fyat, fieljt er fid£) augcnblicflicf) 51t feinem SBebauern 
au&er ©tanbe, einen beftimmten Xermin für bie 2rertig* 
ftellung feines 9ftanufcrtytes anzugeben. 

SSie 3^ ncn befannt, ift unfere 5ötbüot^ef in bie ä$er« 
maltung ber $robinzialöibliotf)ef übergegangen. 2)ie Seitung 
bcrfelben fyat ben Sßunfrf) geäußert, gegen eine ßurücfforbe' 
rung feitens unferer ®efe£(f<f)aft ober beren ebentueüe Otedtjts* 
nacfjfolgerin, bie (Btabt Äiel, beffer gefdjüfct zu fein, als bas 
naefy beut früheren Slbfommen ber $aü ift. ©te erflärte, 



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131 



baß wenn fie erft burdj %af)te f)\n bie Slnfcijaffung bon 
getotffen SBüdEjern be$t)alb unteriaffen fjabe, Weil fic fid) in 
unfern SSeftänben borfänben ober bon unferer (Seite burcf) 
<5ct)riftenaustaufcf) mit anbern ©efettfcfjaften geliefert Würben, 
eine fyätere Verausgabe unferer ^öibliotr)ef in bie ^robin^ial* 
bibliotfjef £üden reißen müßte, bie nicfjt leicrjt auszufüllen 
feien, gan$ abgefeljen bon ben Soften, bie inaWifdjen für 
©üdjereinbänbe aufgewenbet feien. $)er Söorftanb fonnte fid) 
ntcr)t berfjefjlen, baß ein SBerfjältniß , Wie wir e£ mit ber 
^robin^ialbibliot^ef eingegangen finb, notf)Wenbig ein bau* 
ernbeä fein müffe, unb fyat barum befdjloffen, berfelben bie 
folgenbe 3ufi(f)erung W geben, bie narf)f)er 3# rer *8efd)luß* 
faffung unterbreitet Werben Wirb: „baß fid) nämlicf) unfere 
©efettfcrjaft bert>flid)tet, ifjre SBibliotfjef, unter SBaFjrung ifjre* 
©igentfjumäredjteä, ber s $robin5iaIbibliotf)ef bauernb &u über* 
(äffen unb fie nur bann ^urürf^uforbern, wenn u) irjre öffenr* 
lidje SBenufcung in ber ^robinjialbibliot^ef unmöglich gcmarfjt 
werben fottte, ober b) bie ^rodin^ialbibliot^ef bon $iel ber* 
legt Werben fottte; baß ferner, falte unfere 93ibIiotf)ef jurürt* 
geforbert werben fottte, unfere ©efettfdjaft ober beren s Jicd)tö* 
nacrjfolger bie bon ber ^robin^ialbibüot^ef aufgeWenbeten 
Söucfjbinberfoften ju erfefcen fyaben; unb baß enblid) bon ber 
©tabtberWaltung bie ©rflärung eingeholt werben fotte, baß 
fie gegen biefe£ $lbfommen nidjte ein^uwenben fjabe." 3)er 
SBorftanb ift ber Slnfidjt, baß eS gleichgültig ift, wer unfere 
SBibliotfjef berwaltet, wofern fie nur ber Öffentlidjfeit $u= 
gänglid) bleibt; unb e£ ift genügenb borgeforgt, baß fie ifjrer 
urfjminglidjen SBeftimmung nicrjt entfrembet Wirb. 

Sdjließlid) ift ^u erwähnen, baß am 16. 5Iuguft borigen 
SafjreS 3JiitgIieber unferer ®efettfcf)aft unb ©äfte unter ber 
güfjrung bon $erm Dr. 20. 2lf)lmann unb £errn 3)ireftor 
Stofenfranj °* e fjiftorifdje Sanbeöfjatte befidjtigt fyaben. ©egen 
20 Sßerfonen Waren anWefenb. 

s #rof. G. Oiobcnbcrg, 

5. 3- SJorfifcenber. 



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132 



Ueöerficfyt 

ber (Einnahmen unb Ausgaben ber ©cfellfthaft 
für Uteler Stabtgcfdttchte für 1898. 

©tnna^me: 

Beiträge bon ben 9ttttgliebern X 486,— 

Beitrag 5er ©tabtfaffe „ 300,— 

Beitrag 6er ®efeC(ftf). freito. SIrmenfreunbe „ 300,— 

-Sinfen „ Uu,15 

3tnfen toom eifertten Seftanb „ 14,70 

M. 1268,45 

2lu£gabe: 

Honorar für Beiträge A 400,— 

£öt)ne an SBoten 2c „ 34,75 

SfcuÄoften „891,55 

feigen „ 23,65 

geuerberftrfjerung für bte 93t6Itot^ef . . . „ 2,25 

^atalogtftrung ber SöiMtotfjef „ 144,80 

$er|rf)iebene3 n 2\,~ 

M, 1518,— 

Söefjalt aus bem SBorjafjre Ä 5820,65 

©mnafjme n 1268,45 

Ä 7089,10 

S^gabe „1518 — 

»e$alt am 3af)reöfcf)Iu& . . . *H. 5571,10 

©tferner SBeftanb au$ ben Beiträgen ftänbtger 

9ftttgtieber, unüeränbert \{. 420,— 



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ber 



fkWtyifi für Meier $tnMfie|il)iil)te. 



Biel, 1901, 

Per laut von Sipftus & Üifdjer. 



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Chronicon Kilicosc tragicum - curiosum 

1432—1717. 



Die 

Ofromf bes 2lsmus Bremer, 

Bürgermetfters von £iel. 

>t Auftrage t>er (SefcIIfd?aft für Kieler Sta&tgcfdjidjte 

herausgegeben 

Ittorift Stent» 



Kiel |90|. 
Prutf iHMt 17. ,fie tiefe. 



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Dorbcmcrhmg. 



$ie Einleitung $u biefer s J$ubIifation wirb erft mit ber 
6crjluf$liefcrunfl au*i]eßeben. .£)ier folgen einige «emerfungen ,yir 
oorläufigen Crientiernng. 

3m Xeyte gelangt bic (Sfjronif bes Mieler «ürgermeiftcr£ 
2t*mu$ Wremer (ejeft. 1720) nad) ber Criginal()anbjd)rift be* 
Mieler 8tübtard)io* A) $um Wbbrurt. Ta biefer Gobcr. nid)t 
bie lefcte 9tebaftion barfteüt, )o würben uod) aur ^crglcidjunn. 
nnb (£n)än£im() oerwertet: 1) ein uon mir im Mieler 3tabtardjiu 
aufgefunbene* 33rud)ftücf ber (iljrontf (— a), bns uon Wremer* 
£mnb fyerrityrt nnb mit Guelleuongaben oerjebeu ift, 2) eine in 
ber Mgl. SBibliotljef *u Mooenljagen anfbemal)rte Wbfdjrift ber 
C£l)ronif (—-•)>), bie bi^ jnm 3al)re 1717 reidjt, mät)renb ber 
Xeyt in A mit bem 3«l)re 1712 abfdjliefit. £ie Wbfdjriftcn ber 
(Stjrouif in ber Mgl. Uniiierfität*bibliotl)cf ^u Miel famen für bie 
©bition nidjt in $etrad)t. 

3n ben Wnmerfnngen finb bie l)nnbfd)riftlid)en iöeftänbe 
beö Mieler 8tabtard)iu*, be* Mieler Mird)euard)ii>* ( yi St. 9cifolai, 
berMieler Unioerfität*bibliotl)ef, be* Sdjle*wiger 8taat*ard)iu*, be* 
iiübeder Staate ardjiu* nnb be* Woftorfer llniueriität*ürd)iu* bennfct. 

2)a* „garbud)", ba* Wremer al* üuelle biente (3. (5 
9lnm. 2), ift injmifd)en im ,<peft 17 ber Mitteilungen ber iSk* 
fellfdjaft für Mieler 6tabtgefd)idjte ueröffeutlidjt würben. 

«erlin, 1. «pril UK)l. 

St. 



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I. 

CHKONICOX KILTENSE TRAGICUM. 



i 

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I, i-3] 



1432— 1435 



•/. / *Anno 1432. Hans Tiedtvordrivcs wief (irctke, <le helft 1 

vororvcidct vor sick und vor crc kindcr, gebaren und unge- 
baren, und hofft bckant, wcs er gesehen iß, dat is er mit 
recht gesehen, do se mit crem manne in de hechte 1 quam 
5 und gesett word um devery willen, dat he Schirhorsten ge- 
stalcn hadde, alsc 4 stige witlingcs und enen fruwenrok, 
schwärt und grön, 4 schlaplaken, ein f'ruenhcmd und ein 
schwerd, dar he ummc gerichtet ward tot 2 galgen. 

Do liulderne Hcnnckc'* sick sülven hengede und de vo- 2 
,0 gedc darto halet worden, do nemen se medc Liidcke Schröder 4 , 
Arend Oklenborg\ de dat gut mede besegen, wes de vögede 
dar funden. Item do men over en richtedc, do weren darby 
Schiphorst Husman, I'eter Hundcrtmark'' 1 und Arend ( )ldcnborg, 
de dat bchürden, dat den vögeden tu funden ward van der 
15 konigliken wald 7 wegen, lhildernc Henneken gut mit allem rechte 
vorfaren* gut. 

Anno 1435 m < ' em «ivende 11 unser leven fruwen visita- 3 

' Gefängnis. * Angabe der Todesstrafe, l'erkürzter .SV//; (vgl. 
Schluss von §2) oder von Eremer verlesen für to d em) zum Gilgen? 
7C , 3 Ein llcnneke Hullcr //// Kieler Erbebuch ed. Reuter nr. 22 z. f. /.///. 

4 Identisch mit I.udckc (I -udolphus, Ludokinus) Schröder Scroder) 
und Ludekc Hlomcnstccn condictus Scroder Lütke liloinensu-eti ander to- 
genontet Schröder ), der 1437 in der Ilolstenstrasse ein Grundstück mit /hott 
Gerechtigkeit kauft und 1443 — 4^ als l'ormund und Treuhänder fungiert: 
j 5 Kieler Erbebuch ed. Reuter nr. 3/0, 117g, 662, My; Ältestes Kieler Rente- 
buch ed. Reuter nr. 173t), II nr. 40, II nr. 3724. 

5 Arnd van Oldenborch in der Dänischen Strasse : Ältestes Kieler 
Rentebuch nr. 169/ z. J. 1442; vgl. Kieler Erbebuch nr. f>3/. 

fl l'on 1421 bis 1434 hat er ein Grundstück in der Dänischen Strasse : 
30 Kieler Erbebuch nr. 263, 7S4 ; Ältestes Kieler Rentebuch nr. 13S4. 

7 Gmuilt. (%'r den Regriß der «Königlichen Geioalt . s. die Einleitung. 

8 verwirkt. 9 Juli /. 

I* 



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4 1435 — 1 45° P* 3 * 5 

tionis, do was Marquard Sager dot vor dem gerichte bracht, 
dar ding und recht und ordel ward over geholden und ok 
over ging, also, alse he in sinem levende beklagcde und 
openbarde, wo Matthies de bödel 1 em scholde wracht 2 hcbben 
de wunden und de schlege, dar *he den dot af kreg. In 5 
demsülven rechte ward Matthies vorbenömt to recht fordert, ^ 
dat he sick up dem doden und up sinen wunden des mit 
rechte entleddigen scholde, dem de van stunden an so dedc, 
und ward leddig und loss delet, dat he des doden unschuldig 
was. Ok gaf em ordel und recht, dat men dem doden *o 
scholde de hand afleden; cfft men weme Vreschen efftc fragen 
konde, de sines dodes schuldig were, dar men dem mit rechte 
folgen mochte. 

4 Anno 1448 des andern frydagcs 8 na paschen, do let 

Hartig Splict 4 hengen Detlef Borchsteden, de hadde em stöhlen 15 

6 drommt havcrn. 
u Anno 1450. Ein Schreiben von Bürgermeister und Raht 

aus Wismar an den Raht zu Kiel wegen eines Erschlagenen, 

vide infra pag. 214 sq. 5 

10. cm: ein .7. 13-14. Randglosse in A: huc rcfW- Qualer Brutlacht 20 
[,\r] Chron. M. S. Lub. p. 71, id. Addit. hic p. 15. An der citierten 
Stelle der Additamenia befindet sich der Bericht über den Unglücksfall 
im Dorfe Quaal und als Randglosse . gehört ad. p. 213. Siehe den Be- 
richt im zweiten Teile der Chronik z. J. 144J. 

1 Der Mittel. Veltheim im Staatsbürger!. Magazin IV, 120 macht 25 
daraus einen adligen Beinamen. 

* bewirkt, zugefügt: inftv. werken. H April 3. 

4 Der Knappe Hnrtich Split siegelt die C'rk. 1447 Nov. 10: West- 
phalen III,jg2-g4 nr. iS. Ein Hartig Splete kauft 147s drei Buden in der 
Kitterstrasse, von denen er zwei bis 1491 besitzt: Kieler ErMuch nr. uttf, 30 
1403, 1404 ; Ältestes Kieler Rentebuch nr. 2043. Da letzterer nicht nur 
14S1, sondern auch noch /jo/ als Vormund fungiert (Erbebuch nr. J274, 
f4<p6), ist seine Identität mit dem oben Encähuten fraglich. 

6 Das Schreibet! des Wismarer Rats d. d. /4J0 Pßngslabend (Mai 23) 
ist aus dem zweiten Teile unserer Chronik, auf den oben venoiesen ist, im 3 s 
Xencn Staatsbürgerl. Magazin VII, /oS-/og nr. 30 gedruckt. Des bei Wismar 
begangenen Totschlages -cird ein medekinnpan des Kieler Rats beschuldigt. 
Der Brief nennt diesen nur mit dem Vornamen Hartwig. Falck, a. a. O. 
S. S3, erkennt am Vornamen mit Recht den 144S gewählten Ratsherrn Hartwig 
Kröger, der nach Bremer bis J471 im Rate verblieb. 4° 



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I, 6-9] 



145 1 ---146 2 



Anno 145 1 des mandages 1 in dem fastlavende do ward 6 
gerichtet Claus Bare van Titke Stormcs wegen, den he ver- 
mordet hadde, und <|iiam in de hecht und ward mit allem 
Lübeschen rechte verwunnen*, dat men cm schulde uppet radt 
5 hebben Iccht, doch so vormiddclt der klegcr bede, und um 
vele bedderver borger willen, imune veler erliken fruwen willen, 
so gaf em de raht van dem Kyle dat schwerd. 

1453 des negesten dingsdages 3 na dem nyenjahrsdage 7 
do ward Hinrich Valkenbcrg, Peter Tönnics 4 knecht, dot vor 

«° dat gerichtc bracht und de dode klagedc *over Werncken 

s Berndes, dat he eme vam levende tom dode bracht hadde 
in nachtschlapender tyd; offt dißc vorl)cnomede YVerneke 
dar neen to seggen wolde, so hefft he dat bekant, dat he id em 
gedan hadde. Des dingsdages 5 vor s. Antonius dage do ward 

15 dißc Warnekc richtet und ward up dat radt geflochten. 

Eodem des mandages 6 na der hyUt'gat 3 konige dage do 8 
was Klauß Pomereink 7 vor gerichtc mit dem doden Clement, 
den he vermordet hadde in nachtschlapender tyd, dar gaf 
Clause ordel und recht, dat hc dat rat vor de undat liden 

20 muste, und em ward sin recht gedan. 

Anno 1462 do ward verwunnen mit ordel und mit recht 9 
Lüdeke Weßelhövct van dotschlandes 8 wegen Detlef Möller, dat 
he ward verwunnen mit rechte, dat men cm schulde stöten up 
en radt. Vormiddelst bede des ganzen amtes der Schmede 

25 und der gemenen börger und fruwen van des doden manncs 
fründe tolatinge, so hefft cm de raht gegeven dat schwerd 
und den karkhoff. 

Ij. dat he: dct hc .-/. 
1 März S. ' überführt. 9 Jan. 2. 
30 4 Peter Tonnyycs (Tonniges, Tunniges, Tunnighes) erhält 1424 als 

Mitgift ein Grundstück prope novuin inuruin und kauft dort 1441 \ wie in 
der Hassstrasse 14A7, weitere Grundstücke dazu, h'icler Erbebuch nr. j/o, 
601, roog ; als Vormund uml Verkäufer einer Rente erscheint er /4J6 bzw. 
1444: Erbebuch nr. 496, Ältestes Rentebuch nr. 1712. 
35 5 7 an - '6- 6 7 <m - 7 Veltheim S. 224 irrig: l'nul Pomerinck. 

8 Totschlages. 



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1463— 1465 



fl, IO-U 



10 Im nechstfolgenden Jahr 1 ist auch einer, Nahmens Gerke 
van Schorlen, wegen begangenen Todtschlages an Hinrich 
Doppeken vcrurtheilet worden, daß er auf ein Radt solte gc- 
loget werden. Ks ist ihm aber auf vieler Leute Vorbitte das 
Sehwerd und der Kirchhoff gegönnet worden. 5 

11 **i4Ö5 in der ahme hefft Toter Kscken sönc 3 gebraken */• 4 
den block to sünte Clerdrut in der klonen Capellen unde gruf 

den block uth der erden und wolterde cn so lange, dat he 
dar wes uth kreg, min efftc mer, wes des was. Item darnach 
ging he noch ens uth der Stadt to sunte Jürgen und ging in i« 
de karkon und steg up den böhn und let sick darin beschluten 
und ging to dem blocke und gruf en uth der erde und wol- 
terde on ok so lange, dat ho dar wes uth kreg. Item so hefft 
he ock gebraken des hilligen criiees block 1 und nam daruth enen 
.i penninge. Des hefft he openbar bekant vor den vögeden «> 
Hinrich (lerliges, Hans Heytram etc. 5 und iß darum gerichtet 
mit dem rade. 

1 . tlso 14^3, nicht in demselben Jahr 14(12, loic Veltheim S. 223 einriebt. 
■Kieler Earbueh /./6j— /$.//> (Manuscr. Deposit, der Stadt Kiel nr. 4 
im Staatsarchiv Sehlesioig, Jetzt in der Kieler l 'niversitätsbibliothek), f. 2r. 20 

3 Es sind nielit mehrere 7'hä/er ( Veltheim S. 2ij), sondern nur Einer ; 
söne ist Singular in der plattdeutschen Sehreibung Jiremers für das mittel- 
niederdeutsche snnc des Farhuches. 

4 Her hl. Kreuzblock befand sich in der hl. Kreuzkapelle der Nicolai- 
kirche : Attestes Kieler A'eutebuch nr. 1706, 1774 z. J. 1443-1 449- 25 

& I Itiirik (Jerlyes. ll:ms llytnun umlc beseien borjjeren Ciawcs 
Ky*owe, Haus (ireve. Hinrich (icriiges ist nach Bremer 1 4^0 1 47S Mit- 
glied des A'ats, zuletzt als Bürgermeister. E>och ist er im Kieler Erbebuch 
nr. ujt} ')o noch 14S0 als Bürgermeister bezeichnet Hinrie ( Iherligcs ;, seine 
(,'ruudstücke in der //olsteustrasse und Eanlstrasse gingen damals in fremden 30 
Besitz über. Bald darauf 14S1 erhält sein Sohn Hans — also 700hl mich 
dem Voile des Vaters die (imndstücke in der Einmischen und Kitterstrasse : 
ibid. 111 . 1277-78. 1474 erscheint er im ältesten A'eutebuch nr. 20/4 bereits 
als Bürgermeister, 1471 noch als consul : ibid. nr. tt/>S, iyS/- - //aus 
llevtram, nach Bremer A'atsmitglied /-/.,' j /•//•/• Im Erbebneh und ältesten 35 
Kentebtieh begegnet er uns, in der Buigstrasse ansässig. 1443—1470 stets 
ohne Be.eio'iuuiig seines Amtes: Johannes ,!lans / IJevlrain Meilrain;, nur 
1464 ist seinem Kamen tlas Epitheton honornhilis hinzugefügt : Ältestes A'ente- 
bu h m. tSSS. 



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l 12-151 1467— 1468 7 

'1467 do ward gerichtet mit dem schwerde encr, gcnömet 12 
Siemen, van bede wegen mines heren hrr (lerdes-, dat he haddc 
dot gesteken in dem schepe sincn schepestimmerman s . 

'1467 ward gerichtet Hans W'cstphal, dat he hadde gfc- U 
5 stolen en perd, en laken, en grapen\ en par hascn' 5 , noch encn 
hoyken 7 und hefft gemordet ene fruwe binnen der Wißmer. 
Item so schlogen se H dot enen kopman by Oldeslo und nemen 
em 5 -^8 3. Item hefft he dotgeschlagen sine egene süster. 
Dit hefft he bekant vor den vögeden Hinrich (lerliges und 
>r> Wichmann ^Köler". Diße ward gerichtet mit dem rade und 
*' gehanget, dat gaff em ordcl und recht. 

"Wnno 1468 do ward verwunnen mit allem rechte Cord 14 
Hogetop, dat he ward gehenget. He bekande 11 , dat he hadde 
gestolen en sardoks 12 wams und enen grauen rock und en köker 
mit pilen, en par schon und en sack und en heimle und hefft 
gesettet enen man under enen kükenkorff ,s , dar kreg he af 5 3 
und en laken und 2 bund ho|)pen, de stall he mit sinem vader. 

H Kodemanno twischensunteMichclis'-'und s. Merten 1 ' 5 ward 15 
gegrepen Henning Obstius 17 up schinbar dat, dat he hadde gc- 

yc, 1 1. ein : ein . /. 

1 Kieler Kar hielt /Als. f. >•'. 

2 Graf Gerhard von Oldenhurir, A'ruder des Königs Christian I. 
Sehiß'szimmermann. 4 Kieler Farhuch /Als. f. 2''. 

Topf, Kessel. " Hosen. 
^ 7 Mantel. 

* H'estphat und seine Genossen Ilinrik Swarle, l'auvel Munt. ("laues 
YYynt, Clawes Jbik, Jacob J.uk. 

B Ilinrik ( lerlyes, Wychman Koler unde beseten borger Tymme 
Woge, Lüteke Luders. Wich mann Koler, nach A'remer A'atsmitislied //1>J — 
1497. zuletzt Bürgermeister. />as älteste A'enlehueh enoiihnt ihn zuerst /./fr- 
ais consul Cur. li)2i>), 147s borgermestere (nr. 2032); 1500 spricht 
das F.rhehueh von ihm als einen loten (nr. 1 fSSj. 
Kieler Farhuch /Als. f j' . 

11 vor den vogenden Ilinrik (ierlies, Wychman Koler unde beseten 
bürgeren Hans Kyslemaker unde ("lawes Kysowe. 12 saartuchencs. 

115 Kiikenhorh, / fühnerkorh. 

u Kieler Farhuch /Id. f. 3 > . 

1:1 .SV//. 2(). l *.Y,n: 11. 

,; Oh Obstius oder Obstins //// Farhuch zu lesen ist, hleihl zweifelhaft. 



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8 1468— 1475 P» 1518 

stalen 2 perde, en grau und en bruhn, dat grau bi Lübeck, 
den brunen tom Ellerbeck. Item hefft he gestalen mit siner 
selschop vor dem Stralesunde en stige perde, de Vörden sc 
over to dem Garden 1 . Item to Rostock enem radman 20 -}£. 
Item tom Mordeshagen enen kelck. To Potloß 2 breken se ene 5 
kerken, dar nemen se uth fruwenkleder und sülverwerk. Noch 
2 perde vor dem Kyle up dem Kohberge. Up der Rosteker 
heyde morden se 5 fruwen und jungfruwen, den nemen se, dat 
se kregen malch 8 3 Des hefft he bekant vor den vögeden 4 
und ward gehenget. Dat gaf em ordel und recht. 1° 
IG 5 Eodem anno 6 ward gegrepen Jacob Rüling up schinbar 

dat und hefft bekant 7 , dat he hefft gestahlen *up der Segeberger 6 
heyde en perd, dat was brun, dat vorkoffte he to Arnsböke 
vor 4 ^. Item enen pagen 8 , den stall he tor Horste 9 , dat'hörde 
vor Margreten Wahlstörpes. Item 4 schape, 2 zegen 10 , noch 2 15 
schape 11 Otto Wahlstörpen to Perdöhle 12 . He ward gehanget. 

17 18 1470 ward beherdet 14 Hans Wulf, gebaren in der Stadt 
Bahrt 15 , dehadde stalen binnen Nyemünster 5 dosyn 16 gördelremen, 
den Hinrick Glißman 17 hefft verwunnen mit allem rechte, so dat 
he ward gehangen noch uthwisinge Lübischen rechten. 2Q 

18 * l8 Anno 1475 worden gerichtet 19 Klaus Exe und Jasper um */. 10 

/o. em: ein A. 

1 Farbuch : to Damgarden, Damgarten im Rgbz. Stralsund, Kreis 
Franzburg. * Gut Put los im holst. Kreis Oldenburg. * männiglich, jeder. 

4 Hinr/£ Gerlies, Wychman Koler, Cyriacus den rychtscriver unde 35 
vor beseten borgers Hans Platensleger, Tyinme Woge. 

5 Kieler Farbuch Hds. f. j*>. 

0 in den twalften (Jan. 6). 7 vor den vogenden Hinr/£ Gerlies, 
Wychman Koler, Cyriacus dem rychtscriver unde vor beseien borger Clawes 
Kysowe, Tymme Trede. 8 Pferd, Gaul. 9 Horst im Kreis Steinburg 3« 
oder in Dithmarsdun. 10 Farbuch: 4 segen (Ziegen). 11 Forbuch : 12 
schape. 18 Gut Perdoel im Kreis Plön. 

18 Kieler Farbuch Hds. f. j*\ 

14 ergriffen, festgenommen. 15 Barth, Rgbz. Stralsund. ,Ä Dutzend. 

17 Kein Raismitglied. 35 

18 Kieler Farbuch Hds. /. 4 r. 

l * Schuldbekenntnis vor Tymine Woigge unde Tymme Trede, bese- 
tene borgere. 



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1475 — M77 



erer undat, de se gedan hebben up cner fryen heerstraten 
twischen dem Kyle und der Schulcneider. So nemen sc enem 
manne in dem Hainershusche 1 enen Bniggesken grauen hoyken 
und enen büdel, dar weren inne 6 penninge, und de man 
5 hört to Sieswik 2 to huß und was ein oßendriver. Und so nemen 
se ener fruwen enen schwarten hoyken, de hört to der Brügge 3 
*/• u to huß, und cn büdel, *dar was in i Schilling und 2 nieste 1 . 
Und so nemen se 2 göse under dit und Lübek. lind do se 
ersten uth Lübek gingen, so nemen se enem manne en speet 

10 und en tischen, dar weren 2 ß inne. Und so nemen se enem 
schöler 8 penninge und geven em 2 wedder. Und so nam 
Exe enem kremer to Lübeck enen pook. Und so nam Kxe 
sinem heren ene wenneken 5 ; de man hete Hans Ruttcnbarg. 

6 Anno 1477 umtrent twischen pingsten 7 und paschen 8 do |9 

15 ward gerichtet 9 Hans Morink 10 um siner undat willen, dat he 
gestalen hefft, und is gebaren binnen Lübeck. Int erste bc- 
kande he, dat he to sunte Nicolaus uth der kerken stall enen 
tinnen lüchter vam altar s. Catrincn 11 , noch enen liichter uth 
dersülven kerken van her Christen Kamcs altar 1 -; deße beden 

*> lüchter hefft he vorschmolten und dat tinnen hefft he vorkofft 
den beiden glasemakers Marquard Stören 13 und Feter Scharen 11 . 

1 Farbuch : Ilannenbusseke. * Farbuch : to Vlefsborch (Fiesborg, 
Kreis Tandem J. * im Kreis Kiel. 4 Messer. s Kittel. 
0 Kieler Farbuch Iltis, f. 4 >\ 
*5 " Mai 25. " April 6. 

9 Schuldbekenntnis ledich unde los vor besetene borgheren Clnuwr« 
\x>\ixve den wandscherer unde Hans Nickels unde vor den richteheren. 

10 Farbuch : Monninck. 11 ll'esiphaleu, Monumenta inedita I V, jjtg. 
18 Cber den der hl. Margarethe gneeihfen und für die Hoch messe des 

:t° Priesterkalands bestimmten Altar des Presbyters Christian (Karsten, Ker>len 
Rain siehe Reuter, Ältestes Kieler Rentebuch S.38A s. v. Rain und S. 41s; 
Erbebuch S. jji. 

18 Farbuch: Stor, im Kieler Erheblich nr. 110/ . Stoer. Gerade Star 
verkauft 1472 und 1477 aus seinen Huden in der Dänischen Strasse eine 
35 Rente von 2 bzn>. 1 Mark an Kasten Rani to s. Margareten altare to der 
homissen der presterkalande t Ältestes Kieler Rentebuch nr. /gS6, 2077. 

14 Peter Schar (Schaer) 1471 — 1481 in der Ritterstrasse: Kieler Erbe 
buch nr. 1089, 1262. 



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11) 



1477 — 1478 



[I, IQ 22 



Noch stal he ene quarterskannc ("laus Lüders 1 . Noch enen 
tinnen ])ott, den he stall van Manj//f//v/ I .Uders 2 bischlage in 
der Kedingstratc etc. 

20 'Kodein sind noch 2 andere, Nahmens Merten van der Hcyde 
und Hinrich Yoß, weil sie hin und wieder Kirchen und sonsten s 
Leute bestohlcn 1 , gerädert worden. 

21 'Im seihen Jahr ist auch dieses vorgenanten Hinr/V// Voßen 
Kheweib, weil sie an verschiedenen Orten Kisten aufgebrochen, *A 
auch viele Dicbereven begangen' 5 , verbrand worden. 

22 'Anno i478 : ' hat einer, Nahmens Jochim Sehildt, vorerst IO 
einen Kilischen Stadtwächter auf frever Straßen bei nachtschlaffen- 
der Zeit wieder seine schon vorhin öffentlich 9 getahne Zusage, 
dergleichen nicht mehr zu thun, mit vielen Schlägen übel zu- 
gerichtet. Nachmals hat er denselben Wächter zwischen Kiel 
und (iettörp auf freyer Heerstraßen überfallen, sein (lewehr *s 
abgenommen und ihn damit schwerlich verwundet. Dieser 

1 t'lawes Luders: Ältestes A'ieler Rentebuch nr. 2126 z. yahre 14S1. 

- Manpiard Luders besass :a'<v Grundstücke in der A'ehdensfrasse , von 
denen eines 1471 an seinen Sohn Fyiiiuio überging: Kieler F.rbehuch nr. S62. 
101/1, ioj<). ;> A'ie/er Farblich llds. /'. 4"'. 20 

' Schuldbekenntnis vor den vngeden undc vor besetene borgheren, 
dar se stunden up eren vrighen voten. alzo nameliken (lauwes Wullen* unde 
Laiirens Yi.sk ('lauwes I ,ou\\ e de wandscherer unde Mans Nickels. 

•"' A'ie/er Farblich llds. f. 4'' S r - 

"Schuldbekenntnis auf freien Füssen vor Laurens Visschc unde 
("lauwes Wulff, de do lo der tyd vogede weren, unde vor besetene bor- 
gheren, de de dar tho esschel syn, by namen unde tho iiamen Ciauwes Louwe 
unde Hans Nickels. 

' A'ielcr Farlnich JAis. f. j'\ 

s /// der Handschrift des Farbliches sind hier die Finer durch einen 3 r 
/■'/ecken verdeckt 11 ml daher unkenntlich , sodass die Lesart 1477 oder 147S nicht 
mit Sicherheit festgestellt 7, 'erden kann. Da bereits in den ig- 21 drei 
l-iille ans dem yalirc 1 47 J berichtet toerden, so ist es wahrscheinlich , dass unser 
Fall schon dem 'fahre /47S angehört und Urem er sich nicht die yahreszahf 
hinzudachte , sonilern in der Handschrift noch deutlich sichtbar vorfand. 35 
Schreiberhand und 'Finte sind nicht entscheidend, da sie 1477 und im Anfang 
der Fintragung 147S (§ 2J) dieselben sind. 

" l'or den l'ogten Laurens Yisk, (.'lauwes WullelT und den Bürgern 
, . . Reyneke unde llinrik Scheie, de de inedebroder weren des rades. 



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I, 22-25] 



1478— 14^1 



U 



Thäter 1 ist um solcher Untaht willen gerichtet, auf seiner Ehe- 
frauen und andrer Freunde"- Vorbitte aber der Leichnam aufm 
Kirchhofe begraben worden. 

3 Kodem ist einer, mit Nahmen Hinrich Haverbier, welcher 23 
5 verschiedene Diebereyen 1 verübet hatte, auf seiner Frauen und 
andrer Leute Vorbitte 5 nur mit dem Schwerte gerichtet worden. 

"Anno 1481 ist einer, Nahmens Laurent/ Arend Miliig 7 , 21 
wegen begangener verschiedenen Kirchen- und andren Diebereyen 
gerädert worden. 

IO 8 Eodem ist noch ein Weib, Bcke Meyers 11 genant, wegen 2.'» 

verübter vieler Diebereyen hingerichtet 10 worden. 

1 Die '/'hat wurde bezeugt myt besetene bürgeren alz.« by nainen 
Tymme Trcde, Marquard Rover unde I'eter Kroghcrs knecht. 

* Luder Mynrik, Hans Schuldorp, Reymer Cyseke, Hinrik Jabelman, 
15 Hans liucrtncistcr, Ciauwes Konneke, meyster Hinrik Lutteke, Sien Haghcn. 

Ciauwes Tonnighcs. 

* Kieler Farbuch /Ids. f. jr. 

4 //// Farbuch ist nur von Einem Diebstahl die Rede: I Mark Ffg. 
dem Ciauwes Molcr (in der Dänischenstrasse /47J—14S9: Kieler Erbebuch 
20 //;•. ni6, 1389) aus einer Ä'iste, die im / lause von Claus' firmier stand. 
Schuldbekenntnis vor Hans Nickels, DetlefT Kroger. 

6 Die Freunde des zum Schwerte fiegnadigten mussten für ihn l 'tfhede 
schwören dal se dar numtner up spreken cn wolden : Kmcke Detleven wonn- 
attich lo der Laboden unde Scheie Clnuwes to Nigeheykcndorp, Lange 
a 5 DetlelT, Lange Marquard wonnafTtich to deine Stene undc Luleke Henneke 
wonnafTtich to Nigeheykendorpe, WullelTt Ihossches to Wcllingedorpe, Karsten 
Slodickvot unde Hinrik syn sone, dede wonnen to Nigeheyckendorpe, item 
Lutteke DetlefT to Nigeheyckendorpe unde Laurens Hrosye to Wellingedorpe, 
Klier Hoeleck ok to Wellingedorpe. . Iis Zeugen der l'rphcde fungieren: 
3° Hans liuenneyster, Hans Kystenmaker, Keyiner Chyseke, Hans Nickels, 
Marquard Man, Hinrik Jabelman, Clauwcs Teilen, Kubbeke JJIoyen. 

9 Kieler Farbuch /Ids. f. 6>~\ 

1 firemer hat hier zwei Fälle confuudiert. Das Farbuch hat zum 
fahre 14S1 zwei fierichte, einen über I.aurens Arnd, Myllighes swager ////// 
35 einen andern über Arnd Myllighes, die beide -wegen verschiedener Diebstähle 
gerichtet wurden. Das Schuldbekenntnis legten sie ab :or den zum Gericht 
hinzugezogenen fiürgern Hans Nyckels und Ciauwes Claus Louwc. 

8 Kieler Farbuch /Ids. f. te>. 

s Farbuch : Meyghers. 10 Schuldbekenntnis vor Claus Tonuiges unde 
40 Tymme Hynsc. 



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12 . 



1482 — 1487 



[I, 26-29 



26 ^nno 1482 do ward gerichtet 2 Marquard Brüse um siner 
undat willen. He sehnet to Eckernförde enen büdel af, dar 
waß inne 1 ß. He sehnet hir encr fruwen enen büdel af, dar 
was inne 4 ß. Noch sehnet he to Plöne ener fruen enen büdel 
af, dar was inne 2 ß. 5 

27 'Ködern ward gerichtet 4 Klaus Schacht um siner undat 
willen, dat he stall her Eier Wisen 5 5 und ein wams und ein 

paar *hascn. Noch stall he mit siner selschop to Flüggcndörp 0 */• 'J 
6 y und enen hoyken und ein par hasen. Noch stall he enem 
manne by der Swcntyn to Klaustörp 7 14 ß. Noch stall he to 10 
Obbendorp 8 enem manne enen schwarten hoyken etc." 

28 ,0 Anno 1484 11 . Körte Detlef ward verwunnen mit allem 
rechte, darvor dat he bekande, wo he hadde braken sünte 
Gerdruten block und de karken tom Schlabbenhagen. Item 
he hadde gestalen en perd van dem Koberge und der saken vele 15 
mehr etc. etc., darum he richtet ward mit dem rade 1 *. 

29 ,s Anno 1487 ist einer, Nahmens Marquard Techau, welcher 
einen andern, riinrich Kastörp geheißen, zu der Arendsböke 
vor dem Kirchhofe todt geschlagen hatte, gerädert worden 14 . 

I Kieler Farbuch Iltis, f. to>. »° 
5 Schuldbekenntnis vor Tyminc Woyge, Karsten Tymme. 

8 Kieler Farbuch f/tls. f. jr. 

* Schuldbekenntnis vor Ciauwes Kysouw, Hans Xyckels. 

* Der Presbyter Eier Wysen war bis 14S0 im Besitz eines Grund- 
stückes circa plancas, by der nigen muren : .-fitestes Kieler Rentebuch nr. 25 
/Q77, Kieler Erbebuch nr. I2JJ- 6 Flüggendorf, Kreis Kiel. 7 Klausdorf, 
Kreis Plön. 8 Oppendorf, Kreis Kiel. 

9 Farbuch : noch stael enen manne tho Schurstorpc (Schürsdorf im 
oldcnb. Fstt. Lübeck, Amt Schwartau) enen P.rugghesschen grauwen hoycke. 

10 Kieler Farbuch l/ds. f. y\ 3 o 

II Die Jahrcsangabe Bremers ist falsch. Das Farbuch hat nur Anno 
dotnini und dann leeren Kaum; zu ergänzen ist dort LXXXYTI _-. 1487, 
da Schreiberhand und Tinte von der vorhergehenden Eintragung des Jahres 
14S2 differieren, wohl aber sich bei den folgenden Eintragungen des Jahres 
14S7 finden. 3 5 

" Farbuch : lo tughe Tijtke Vages unde Alberd Summegod borghere. 
18 Kieler Farbuch Ilds. f. Sry. 

14 Der Knecht Techowe war nicht nur des Totschlages au Hinrik 
Castorpe angeklagt, sondern auch des gleichen Verbrechens an dem bei der- 



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■ 



I. 30-32] 1487— 1488 13 

l Eodem ist noch einer, Marquard Heneke genant, wegen 30 
seiner verübten Dicbcreyen gehencket worden. 

*Anno 1488. Hans Grotejohan, anders genömet Groting, 31 
gebaren in dem karspei to der VVapeniße, ward hir in der 
5 Stadt apenbar begrepen, dat he büdel afschnct mit gelde, dar 
he ward umme beklaget und mit allem rechte vorwunncn unde 
verordclet to dem galgen. Des quam sin broder Klaus Groting 
mit etliken goden mannen und velen borgern vor dem raht 
und beden demsülven Hans Grotinge gnade in sinem verordeldem 
10 rechte, also dat he ward gerichtet mit dem schwert 8 . 

4 Eodem anno ward Gerdrut Westphals na erer egenen 32 
*/• 14 bekcntniße mit allem rechte verordelet und verwunnen, *dat 
se vor dem have to Schmolc 5 in nachtschlapender tyd to cner 

selbe» Schlägerei umgekommenen Kersten (»reveraden (( Jreveroden). Während 

i 5 Techow die erste Thal einräumte in jeghenwardicheit unser stat richtevoghedc 
unde vor twen beseien borghere, alzo Clawes Thode unde Hans Grawetop, 
läugnete er seine Schuld beim zweiten Totschlage. Infolge des fehlenden Be 
kenntnisses sprach ihn des rechtes deler am neddersten rechte von der zweiten 
Anklage frei. Dieses Cr teil » schalt*, der Kieler Bürger Hans S weder, der 

20 im Namen der Venvandten des Greveradc die Klage erhoben hatte, und 
brachte das Urteil vor den Kieler Rat. Dort wies der deghedyngesman des 
Sweder darauf hin, dass Techau* wenigstens eingestanden habe, an der Schlägerei 
beteiligt gewesen zu sein. Doch gaben Bürgermeister und Rat der Anklage 
nicht statt, sondern fanden de vorschreven sentencien unde ordel in unsen 

25 neddersten rechte ghedelet unde aflghesprakcn by vullennacht. Hiergegen 
erhob der Deghedinghesman Widerspruch und erklärte, dass Hans Sweder das 
gescholtene L'rteil vor den Lübecker Rat bringen werde. Infolge der Ent- 
scheidung des Lübischen Überhofs (siehe Michelsen, Der ehemalige Oberhof zu 
Lübeck, S. 26g- 2jo nr. ig6 und Wetzet, Die Lübecker Briefe des Kieler 

30 Stadtarchivs nr. ijj), der bereits früher mit dem Eall zu thun gehabt hatte 
(Wetzelnr. 14g, 151), wurde der IVozess vom Kieler Rat wieder aufgenommen 
und darauf Techmv mit dem Rade hingerichtet na utwisynghe Lubeschen 
rechtes. Am 20. Januar sass der Angeklagte bereits im Kieler Gefängnis 
(Wetzel nr. 14g), die Hinrichtung erfolgte erst nach dem j. Juli, von welchem 

35 Tage der letzte Lübecker Brief datiert ist (Wetzel nr. /jj). 

1 Kieler Earbuch Hds. f. jv. 
» Kieler Earbuch Hds. f. 9". 

3 Urphede des Clauwcs ( Jrotynck vor sik unde vor alle de ghemene. 

4 Kieler Earbuch Hds. f. g'<>. 
40 6 Schmoel, Kreis Plön. 



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14 1488— 1494 [I» 32-33 

fruen in er huß hadde gebraken undc dcsülve frue overweldig 
ward und band er hende unde fötc und Stack er cn stück 
holtes in den halß und band er darup cnen krümmel 1 in den 
mund und stall er 3 $ Lübsch min 4 ß und stall er vorder 2 
rocke und 2 hoyken und veel ander tüch etc. Hirum iß se 5 
levendig begraven. 
33 Anno 1494. Copia Notificationschreibens ad Senatum 

KWoniensem wegen eines im Kiel erschlagenen Knechtes etc. 

Wy Frederik 2 van Godcs gnaden ervgenome to Norwegen, 
hertog to Slesw/VX% ok to Holsten, Stormarn und der Dithma rsr/irn, i D 
grevc to Oldcnbwy und Delmenhorst etc. bekennen und betügen 
openbar mit deßem unsem openen breve vor alsweme : dat vor 
uns syn ersehenen de düchtigen unse raht und leven getrüen 
Hans Rantzow, Jord Nielß, Claus von Alcfeldc und Hinrick 
Broktörp, hebben openbar vor uns getiiget, by eren waren 15 
worden gesecht und thon hylligen geholden, wo dat ein knecht, 
Hans Dannow genömet, in erer jegenwordicheit mit fryen willen 
unbedwungen togestan und openbar bekent hefft, dat he den 
knecht, alse de binnen dem Kyle in dem rahtkcllcr geschlagen 
ward, vam levende tom dode gebracht hefft und he alleinc sincs ™ 
dodes, rades und dades schuldig iß, wowoll dat darum ock 
medc beschuldiget werd de düchtige Hinrik Rantzow, Schackcn 
sönc, de ok dercnthalvcn unse stat tom Kyle hefft moten 
miden. *\Vo dem sy angescen de gemelte Hinrik Ranzow */>. /j 
deßer saken halven dorch den rechten handdadigen van des 35 
doden wegen also iß worden entschuldiget, bidden und begeren 
wy van allen unsen leven getrüen undersaten, de mit deßem 
unsem breve besocht werden, undc sünderges van juw ersamen 
unsen leven getrüen borgermestern, rahtmannen und gemein heit 
unser Stadt Kyl, gy dem upgenömten Hinrick Rantzow solcker ^ 
siner Unschuld laten geneten, cne af und tho der genanten unsen 
stat Kyle riden, fahren, wancken 8 , ene ok darbinnen ungehindert 
gan, stan, hanteren und derna alse vor gebruken to latende geliek 

Af. A'"wr hit-r hat Hrrmfr undc ausgeschrieben t sonst abgekürzt u. 

1 / V« Bremer verlesen für kyinmel des Farhuehes : Knehel. 3 - 
* Herzog Friedrich 1. fjSs 'JSS- 3 reise». 



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I, 33-37] 



1494— 



i5!5 



15 



anderen guden mannen und fromen lüden, de dar to schickende 
hebben. Willen wy um juw samtlik und besundern günstigen 
stedes erkennen. Datum to Gottorp am dage Silvcstri 1 anno 
1494 under unsem angehangden signet. 
5 *Anno 15 14 umme krützwiginge* uth do ward gestupet 34 

F ' Simen Scheie schapherde by dem kake, darüm dat he wat 
hadde stalen uth der Capellen Calvarie. 

3 Anno 15 15 umme trent des frydages 4 vor Andree 35 
beklagede unse gnedige here hertog Frederick enen van sinen 

10 schipknechten van dem groten schepc, geheten Vincentius, dat 
*/• 19 desülve hadde sinen furstl. *gnaden stalen van dem groten 
schepe 4 dröge hüde, und de schinbar dat was tor stede, so 
let sine fürstl. gnaden densülven def in de galgen hengen, und 
sine gnaden stund alle ungelt. Und sine gnade let de hüde 

'5 wedder halen ut der hechte by enem schomaker uth der Bruns wyk, 
unde was des rades wille. 

Ä Eodem anno des frydages 6 vor süntc Catrinen word up 3tt 
dat rat gelecht Timmekc Knill, gebaren uth der Provesty tom 
Holme 7 , dat he enen dot Stack binnen dem Kyle, de het Tomes 

20 Schagge, und word angeklaget de mißededer van der königl. 
wald wegen, wente den he Stack, de hadde nene fründc, de den 
mißededer anklageden, so klagede de königl. wald na Lübeschem 
rechte unde des doden fruw klagede mede. 

8 Anno 15 15 Mitwochens vor Gregori ward Hanß Wand- 37 

a s schcrer, ein Bürger von Itzehoe, wegen seiner verübten Diebercyen 
alhir an den Galgen gehenket. Deßen getreuer Hülfsmann Hans 
Wolderik ist wegen dergleichen Unthat schon vorhin zu Itzehoe 
aufgeknüpft gewesen. 

1 Dez. ji. * Richtig: krutwiginge, Krauhocihe, Aug. /j. 
30 , 8 Kieler Farbuch Hds. f. 14*. 

4 N<nr. 2J. Der Andreastag fiel damals selbst auf Freitag. Irrtum 
in der Datumangabe des Farbiuhes ? §jö nennt denselben Vag: frygdagh 
vor sunte Katrynen (Farbuch). 

8 Kieler Farbuch Hds. f. 14". 
35 e Ntn>. 23. 7 Hohn in der Probstei, Kreis Plön. * Kieler Far- 

buch Hds. f. nr, doch ist dort nur der Sch/uss der Eintragung erhalten, 
da /. 10 fehlt. 



16 



15*5 



[I, 38-39 



] Anno 1515 des donnerdages 2 vor Gregori* ward Hinrich 
Kröger gegrepen. De was ein börger binnen dem Kyle unde 
was bördig by Güstrow und hadde veel dinges gestalen. Vor 
deßen siilven bavenschreven mißdeder hefft unsc gnedige her 
hertog Frederick bede don *laten dorch unsen gönstigen heren 5 
Paul Rantzowcn 4 umme dat schwert to geven, und desülve ^ 
Paul Rantzowe marschalck hefft mede gebeden mitsamt mer 
guden mannen, so iß it em gegönnet. So hefft vor de or- 
pheide gelovet, dat dem mißdeder sin recht begnadet iß, Hans 
Henninges und Hinrik Bruhn 5 . iü 

n Anno 1 5 1 5 hefft Maiquard Ripe bekant 7 , dat he ene 
kerke tom Reinfelde 8 by dem gasthusc gebroken und darut gc- 
nomen mit siner selschop" ein schmide 10 an gclde so gut als 
30 !Jf. Noch hefft he bekant 11 , dat dar crer 4 by em quemen 12 
by Trente 13 to perde und seden 14 em van kerken to breken und «s 
van diriken 1 \ offt he darvan wiste, wente sc wisten wes to halen; 
so nemen se ene mede in den krog to Trente unde hadden 
dar mer rede mit cm. So nemen se cm achter up ein perd 
und reden bet up den Hamerbusch 1 ' 5 , dar weren se ene tyd lang 

1 Kieler Farbuch Hds. f. in -rsr. *° 

2 Marz S. 8 Das Farbuch hat Georrygy, also nicht, wie Bremer 
verstand, den Gregorstag, sondern den Georgstag. Donnerstag vor Georg fiel 
damals auf den ig. April. 

4 Hof mar schall König Friedrichs I., gest. 1J21, begraben in Itzehoe: 
Genea/ogia Kauzoviana ed. /jSj, Bl. j>~. Angelus, Holsteinische Chronica 25 
(Leipzig /J97) I, 147. ij ij Amtmann in Kiel: v. Stemann, Geschichte d. 
öffentl. u. Privat-Fechts d. Herzogthums Schleswig JJ1 , IJQ. 

6 Von Bremer verlesen für Buns. Hinrik Huntzs kauft ijii ein 
Grundstück in der Hassstrasse : Kieler Frbebuch nr. 1JS2; identisch mit 
dem 149J als Käufer in der Küterstrasse erscheinenden Ilinric Bunsz(en)?: 30 
Kieler Frbebuch nr. 12J7. 6 Kieler Farbuch Hds. f. I2 v -/4 r . 

7 Zeugen dieses Bekenntnisses : Hans van Kairippen unde Bartelt Storn. 

8 Reinfeld, Kreis Stormarn. 9 Hynryck Wyse, Hynryck Kloke to 
Damstorpe. 10 Geschmeide, Schmuck. 11 vor 4 beseten borgheren: Hans 
Kruse, Marquarl Oflc, Laurens Schüssel, Marquart Klüver. 35 

l * A'ipe erklärte, die l'ier hätten sich ihm gegenüber Rcventow genannt. 
13 'Prent, A'reis Plön. 14 sagten. lb mit Dietrich öffnen. 16 Far- 
buch: Hannenbusk. 



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I 39 4i] 



1515— 



1521 



17 



in der nacht, do reden se fort in der nacht up enen kamp 
vor dem statholte, dar blinden sc de perde by dem thun und 
leten enen by den perden. De andern dre gingen mit Marquard 
Ripcn bet up suntc (ierdrut kerkhof und breken af dat glase- 

5 finster. Do steg Marquard Ripe in de kerken und dirkede 
de kiste up, dar nam he uth 3 kelkc, 3 patinen 1 , en sülvern 
kruse 2 und ene klene laden, dar was innc beschmide mantel 
und andre klenodien, und dat schmide schneden se van dem 
mantel und de laden mit dem mantel und mit den aflaten 3 

10 breven 4 settedc Marquards selschop under enen tun. Alle diße 
V 21 *klcnodie langedc Marquard sincr selschop to dör dat fenster. 
Do se deße klenodie wege hadden, do gingen se weg, ehr 
Marquard wedder uth de karken quam. So wistc Marquard 
nicht, wor se blevcn, men he ging stracks na der stede, dar 

15 se de perde leten. Dar quemen se wedder tosamen, do setteden 
sc sick up de perde und geven em enen Rinschcn gülden daraf 
und se reden darvan, dat Marquard nicht wiste, wor se hieven, 
und heflft se na der tyd nicht gesehen. Diße Marquard Ripe 
is um solckcr und andrer mer undat und devery willen am 

?o sunte Margreten avende 5 geradebraket und gehenget 8 worden. 

7 Anno 1521 ward gegrepen up schiner dat ein Schmede- 40 
knecht, geheten Jochim Stenbrügger, de Stack enen andern 
schmedeknecht dot in Klaus Hartiges 8 huse binnen dem Kyle, 
unde de dode hete Peter Kruse, unde he ward fort gegrepen H 

a 5 und he ward fort up ein rat gelecht. 

,ü Eodem hefTt Hans Kröger bekant 11 , dat he hefft den block 41 

1 lat. patena, Oblate ntcller, der zugleich ah Kelcluleckel dient. 

* Trinkkanne, Krug, Hechcr. * Farbuch : aflates. 4 Ablassbriefen. 

U Juli 12. 

30 6 Vor seiner Hinrichtung oppc der stede, dar he sterven scholde 

'our de Ripe noch ein Mal von den rechtevoghede gefragt, ob sein Geständnis 
der Wahrheit entspräche, 7t>as er bejahte. 

7 Kieler Farbuch J/ds. f. H Farblich : Hertiges. 

w rychtevogede: l'eter Smclinck, Jacop Schröder. 
35 10 Kieler Farbuch Hds. f. /y. 

n vor beseten borgher, alse inester Claves bartscherer unde Diderick 
Farwolt. 

2 



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18 152 1 [1,41-42 

to Calvaric vor dem Kylc gebraken und nam darut, wat darin 
was, des avends 1 up unser leven fruen dag 2 . Noch hefft hc 
bckant, dat cm enc magd to Lübeck gedan haddc enen schlötcl 
crer lade, dar scholde he 8 ß uth ncmen, so stall he er 16 
uth dersülven lade, unde he iß vcrwunnen mit ordel undc rechte 3 
mit dem rade. 

42 3 Als cinsmahls üms Jahr Christi 1521 4 etliche Bürger der 

Stadt Kiel gegen den Abend auf die Wache ziehen sollen und 
zu dem Kndc sich auf dem Markt versamlct, gehen sie vorher 
in des Rahts Keller 5 , iim ^etliche Kanne Hier zu trinken. Wie 10 
sie nun von dem Stadtdiener zu bestirnter Zeit auf die Wache 
zu ziehen ermahnet werden, hat sich einer, Jochim Altschröder fi 
geheißen, gegen diesen Diener, der ihnen zugeordnet gewesen, 
mit Nahmen Marten Lütke 7 , gestreubet und mit den andern 
nicht zugleich gehen, sondern noch länger trinken wollen, wo- t 5 
durch der Stadtdiener geursachet, ihn mit harten Worten anzu- 
greiffen, daß er seinen bürgerlichen Eyd bedenken und gleich 
den andern sich gehorsamlich zur Wache einstellen solle. Als 
sich aber der Altschröder deßen verwegert und sich wieder 
den Diener trotzig aufgelehnet, sind sie darüber mit einander 20 
in die Hare und Schläge gerahten und hat der Altschröder in 

j. nmle rechte: im richte A. 7. Randglosse in a fing. I . V 7<rV das Con- 
volut stib sifjno ^ Curia. 12, ig u. 21. Altschröter o. 

1 Se/>t. 7, "oenn man nativitas Marine annimmt. 

2 Das Farimch hat hier nur oppe unser leven fruwen dach (Sept. S : 25 
nativitas,), doch findet sich dort f. ij> noch ein zweiter gleichlautender He- 
rl cht über Hans Kroger zum Jahre iju) (ohne Angabe der Bestrafung) ; 
dieser zweite Bericht hat das von Bremer angegebene J)atum : op unser leven 

f muffen «lach des avendes. 

3 Die Darstellung in dem von Bremer benutzten Cottvolut # des 3" 
Kieler Stadtarchivs liegt auch dem Berichte zu Grunde, den Juli 14 
der Kieler Fat an die Juristeiifacult.it zu Rostock übersandte. Die Erzählungen 
Bremers und des Fates stimmen fast wörtlich überein. Siehe in Beilage II das 

» / ' erzeich nis der Excmfch , Fall 2 (aus dem Schlesinger Staatsarchiv B A'/V 6 
nr. 1 f. SJ' Sjrj. 35 

4 Der Fatsbcricht hat ohngefchrlich für 50 Jharen, was dem Jahre 
entsprechen würde. 5 unter dem Falhausc. 0 Die Schreibung Allschröter 

///// t findet sich wie in der //ds. a, so auch im enoähntcn Fatsberichte. 

7 Der Fatsbcricht nennt ihn Marten Lütke oder durch den Busch. 



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I, 42-47 J 1521 — 1522 19 

solchem Lerm in und außerhalb des Weinkellers 1 so viel und 
insonderheit eine Wunde im Kopf davon gebracht, daß man 
ihn, gleich als were er todt, von dannen in seine Behausung 
tragen müßen, ist auch nach 2 Tagen von solchen empfangenen 
5 Wunden und Schlägen gestorben, auch nach seinem Absterben 
wegen seines an gedachtem Orte verübten Frevels und Wieder- 
setzlichkeit vor dem Dänischen Thor auf einem Schoöf Stroh 
enthaubtet worden. 

*Anno 1522 ward Paul Steen na siner egen bekentnis 43 
10 mit allem Lübcschen rechte vorwunnen 3 , so dat eine word dat 
hovet afgehowen um siner undat willen, de he hadde gedan 
mit sinem knechte Hcrman Goßman, imune der stinde willen, 
de sc brukeden als sodomiten. 
*A 2 J * 4 Anno 1522 ward Hcrman Goßman 5 na siner egenen 44 

»5 bekentnis mit allem Uibschcn rechte verwunnen, so dat he 
ward in de galgen gehenget um nie siner undat willen, dat hc 
mestcr Hinrich dem bartscherer to Itzehoe stall uth sinem büdcl 
24 3. Noch stall he Jacob Raven 2 |f ut sinem biidel. Noch 
hefft hc gestalen sunte Jürgen sinen halsband. Noch hefft he 
so gemaket müntisen und woldc darmede münten, und wolde cm 
nicht gedyen, do schlog he se entwey. Noch hefft hc mit 
Paul Steen gebruket de sodomitensünde. 

6 Kodcm ist auch einer, Nahmens Hinrich Schröder, wegen 45 
seiner begangenen Diebereyen und Mordthaten auf ein Kadt 
2 5 gelegt worden. 

7 Item noch einer, Hans Bremer genant, wegen verübten 46 
vielfältigen Diebereyen aufgehencket worden. 
*/■ 28 * K Anno 1522 hefft Hans Holste bekant, dat hc wolde 47 

1 Anderer Name für den Ratskeller. 
30 * Kieler Farhueh I/ds. f. /6r 

3 Geriehlsrögle IJ3J wie in $ 40. 

4 Kieler Farhueh Jfds. f. ij<--i6r. 

5 Der Kneeht des Faul Steen : # jj. 
0 Kie/er Farhueh llds. f. i6>~'. 

35 7 Kieler Farhueh I/ds, f. iy~-iS>\ 

ö Kieler Farhueh llds. f. iS'' i<)-:-. 

2* 



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20 



1522—1523 



[I. 47-48 



Dcrsow 1 und Nymünster ansteken*. Item dat he gestalen '/•* laß 
van enem wagen, vele blocke upgebraken und dat geld daruth 
genamen. Noch hefft hc mit Hans Rosenhagen und sinem 
knechte gemordet 2 mannes und se gegraven in dem mist to 
Stave 3 in dem kroge. Noch hefft he mit sinem veddern Hans 5 
Holsten, wanafftig to Kuddewurden 1 , enen kremer gemordet in 
dem Wunnekenbroke und cm sinen kram genamen. Noch 
hefft he gemordet mit Hans Holsten sinem veddern in dem 
Wunnekenbroke enen man, de hadde by sick ene fru, de leten 
sc gan. Noch hefft hc mit sincr sclschop gebraken ene kerken, 10 
dar nemen se uth ene monstrantie und goten dat sacrament 
up dat altar. Noch hefft hc vele andre dinge mehr gestalen. 
Also iß diße Hans Holste up ein rat gelccht worden. 
48 ^Folgendes hat sich zwischen Anno 1.523 und 1534, da 

Gerd Cordes 0 Bürgermeister im Kiel gewesen, zugetragen. Es 15 

14. Randglosse in a fing. l. Wide' im selbigen Convolut Sielu die Rand- 
glosse zum Beginn von f 42. 

* 

1 Dersau, Kreis Plön. * Die beabsichtigte Anzündung bezieht sich 
nur auf Xeumünster, dagegen hat er Der sau in der Thal angesteckt ; Far- 
buch: dat hey hevet Oarssow anstickedc. 3 Stazen, Mektbg.-Strelitz, Kitter- 20 
schaftsa/nt Stargard. 4 Kuddewörde, //erzogt. Lauenburg, Amt Schwarzenbek. 

b Siehe in Beil. II das kurze Referat des Kieler Rats, » Verzeichnis 
d^r Exempeh, Fall 1 (aus dem Schleswiger Staatsarchiv B XV/ 6 nr. / f.J4 r ). 
Vgl. oben S. tS Xotej. Dass dieselbe Quelle benutzt wurde, zeigt trotz der 
Kurze die Bezeichnung langen Slroes, zgl. damit in /Ids. a : langen Strohs. 25 

6 //// Referat des Kieler Rats ( Beil. II) fehlt jede Jahresangabe. 
Bremer etweilert den Bericht durch Fixierung der Amtierungszeit des Burger- 
meisters Cordes: 1323 — 1534. Zur Angabe des Endtermins 1334 veranlasste 
ihn wohl die Xotiz in § 3S, muh welcher Cordes nicht lange nach 1534 ab- 
gesetzt wurde. In der Ratsliste hat Bremer: 1333. Jedoch auch diese Zahl 3° 
ist nicht genau, sie ist durch 1336(1337 zu ersetzen ; de mm 1336 dinxstages nha 
Johannis Kapliste (Juni 27 J vertritt noch Gerd Cordes Kiel im Vier- 
städtegericht: Protokolle des Vierstädtegerichts / 497— 1374 (Manuscr. deposii. 
der Stadt Kiel nr. 6 im Schlesinger Staatsarchiv, jetzt in der Kieler Univer- 
sitätsbibliothek), f. 47*-. 1337 dinxstages nha der oetaven corporis Christi 35 
(Juni 12) ist er bereits durch Jaspar l-'ersth ersetzt: ibid. f. 47*'. Die AMgabe 
des Anfangstermins 1323 entspricht dagegen den Protokollen. 1322 ist Cordes 
noch Ratsmann (f. Jf), 1324 am fridage na der oclavcn cor|>oris Christi 
(Juni 3) erscheint er zum ersten Male als Bürgermeister (f. j '2'); aus dem 
Jahre 1323 fehlt das Protokoll. 4° 



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I» 48-491 1523 — 1526 21 

hat nemlich diser Gerd Cordes cinsmahls ein Schiff zur See 
ausschicken wollen und zu Bespcisung deßclben unter andern 
eine Tonne mit Fleisch hinunter ans Schiff bringen laßen. Dieses 
Fleisch, als es etwas übel gerochen, haben die Botslcute dem 
5 Bürgermeister mit Pfeiffcn und Trummcln auf einer Bahre wieder- 
um vor der Thür gebracht, auch daselbst allerlei Muhtwillcn 
verübet, sogar daß sie auch ins Hauß 1 gefallen und den Bürger- 
V -9 meister, welchen sie vergewaltigen wollen, gesuchet. *Kr hat 
sich aber in eine Kammer verschließen müßen. Als nun solch 

IO Geschrei und Tumult von einem der Stadtdiener gehöret worden, 
ist derselbe in des Bürgermeisters Hauß eingelauffen und hat 
einen der Bohtskncchtc, Nahmens Knieschoff, erstochen. Diesem 
todten Cörper ist nichts desto weniger hernach wegen verübten 
Frevels der Kopf auf einem Bund Stroh abgehauen worden. 

15 2 Anno 1 5 26 do ward ein densman, geheten Hans Glasewerter 1 , 19 

gemordet vor dem Kyle in dem stadtholte und is to dem Kyle 
vor gericht 4 gebrocht up frytag r * na der hcmmelfart Cristi. Unde 
de vorsprake" hefft angeklagt van des doden manncs wegen 
unde. siner fründe Detlef Somerfcld, Marten Möller 7 sön, unde 

20 enen reisigen knecht Karsten 8 , de to der tyd denedc by Detlef 
Ratlow 1 *. So alse diße 2 worden berüchtiget, dat sc dit sohlen 
hebben gedan, so sind se vorflüchtig worden, so sind se ge- 
eschet in dem rechte, cn mal, ander mal und derde mal und 
nemand is gewest, de vor se antworden wolde. So iß to recht 

35 gefunden, dat nie se solde fredloß leggen im Uibschen rechte 
und in allen andern gcrichte, dat me ene solde folgen als 

/. discr: der Bürgermeister a. 12. Nahmen* KnieschoflT: in . I rv>« Ihemer 
am Rande eingefügt, in a und b befindet tieft dieser /.turnt- im Texte. 
1 f. Stroh : langen Stroh* a /><ig. J. ff. Hans : HanU /> />ng. ö<>. 

1 Cordts hatte als Für^ermeister (/rundstiieke in der Fisehersfrasse, 
30 Kitterstrasse und am Markt: Kieler F.rhehteh nr. /?</>, 1S00, /Sj'k f$./j. 
Iiier ist wohl von dem Hause am Markte twisken Mattias Tode unde Kranlz 
Hollinck (nr. 1S26) die Rede. 

* Kieler Farhueh Ilds. f. - 

8 Farlnteh: (ilascwarder. 4 richtevny;ede: l'eter Smclinck unde 

35 Albert Arndes. 5 Mai 11. 6 Fiirs/>reel/er, /'roeurator, Fiseal. ' Fat 
fiueh: Muler. H Farlnteh : Kerslen. v Farlnteh : niyt DeilelT Kotlu. 



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22 



[I. 49-53 



mördcr. Undc dem doden is de hand af gelöset up ein recht, 
offtse wolden da rtegenseggen, so mochten se gahn todemschine 1 . 

50 2 Eodem heflft Hans Boye bekant, dat he und Jürgen 
Ludewig, Henning van Rrunswyk, Hans Vorlöpcr dotgeschlagen 
hadden Clement 8 Evert eren egenen *gesellen by Wcstkc. Noch 5 
hebbet diße 4 und de schwarte her Johann kerkher to der *A^° 
groten Hcyde gebraken de kerken to Swinckcndorp und hebbet 
dartith genamen 3 kelcke. Noch heflft diße Boje vcle blocke 
gebraken und dat geld weg genamen. Uth dem block up der 
Levensow heflft he genamen 13 Noch is he mit sincr sei- 10 
schop 1 gekamen to Suxtörp 5 in Bartcld Klindcs huß, nemen vor, 

dat se künste wüsten, dat sc künden geld finden. So iß Hans 
Boy gegan in de kamern to bedde und de ander is in dem 
husc gebleven. Und er anschlag was so, wan er dat geld und 
sülver were in der kisten, so woldc sin geselle den wehrt mit 15 
enem perde int feld schicken, so woldc Hans Boj dat gut 
nemen undc krupen dür dat finster, so wolde de ander mit 
der fruwen so to werke gan, so lange dat de ander mit dem 
gude wege were etc. Umme solcker undat willen, de diße 
Hans Boje gedan hadde, iß he up ein rat gelecht. *° 

51 6 Eodem Anno ist noch einer, mit Nahmen Hinrich Neetgesell, 
wegen verübten vielen Diebereycn aufs Radt gelegt worden. 

52 7 Item noch ein ander, Andres Roß genant, hat auch wegen 
verschiedener Kirchen- und andern Diebereyen dergleichen Straffe 
empfangen. 25 

53 8 Noch hefft einer, Thomas Matthießen 9 genant, bekennet 10 , 

' Iber das Gehen zum Scheine (Baarrecht) siehe die Einleitung. 

2 Kieler Farbuch Hds. f. 20*-'. 

3 Farbuch ; klenen ; es ist -,00hl schwerlich mit Bremer Kiemen zu 
lesen. * Dyrieh van Lubeke, Hinrich Netgeselle, Jorgen van der Horch. 3° 

5 Suchsdorf, Kirchspiel Kiel. 

6 Kieler Farbuch Hds. f. 2jr. 

7 Kieler Farbuch Hds. f. 21V-22*. 8 Kieler Farbuch Uds. f. 22t>-2jr. 
9 //// Farbuch wohl verschrieben : Mathessessen. 

,0 genodiget undc ungenodiget op synen frigen v»>tcn vor twen he- 35 
setten borgeren myt nanien Dyrick Lodewick unde mester Claves dey bart- 
scherer, Vormunde by den grawen broderen. 



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h 53-54] 



1526 — 1527 



23 



dat he sy mede gewcst in matschop 1 Hans Boyen 8 dagc und 
*/>.j/ ismedegewestin twen höven, dar sc woldcn *scelcn s verlosen und 
wolden geld finden, mer dat hefft eme nicht glücket, dat se 
wat hebbet gekregen. Noch hefft he bekent, dat he und Jürgen 
5 Lodewig, Mclchcr Conradcs, Wilm 3 Sündergeld hebten gebraken 
ene Capellen in jensyt Stetyn, dar nemen se uth 3 gülden 4 . 
Noch hefft he mit siner selschop* gebraken .ene kerken int 
land to Halverstat", dar kregen se uth 3 stige ^. Noch hefft 
he und Jürgen Lodewig gebroken enen block vor Hildeshem, 

10 dar kregen se uth 30 mattir etc 7 . So als diße h/v Thomas 
Matthießen was ein pape, so ward he geworpen in den keyser 
umme siner undat willen, de he hadde gedan. 

"Anno 1527. Claus Rundhövet hefft bekant a , dat he is 54 
mede gewest to Bornholm und hefft dar ein schip genamen, 

»5 dar weren up 5 mannes, de worden over bord gehowen. Hir 
weren mede Minert 10 Frese to Tramünde 11 , Hans van Bremen, 
Bartholomeus Undütsche 12 , de junge Hagcmcstcr 13 , wahnende to 
Tramünde, noch ein knecht geheten Albert uth dat land to 
Rügen, item noch hefft Klaus Rundhövet mit dißer selschop 

ao genamen ein schip vor dem nyen depe 14 vor dem Sunde, dar 
weren up 5 man, de setten se up dat land und se tögen mit 
dem schepe undc gude weg. Noch hefft Klaus Rundhövet 
mit dißer vorgeschreven selschop einem schepe gefolget, dat 
is em cntlopen, süß wolden se dat anders ok genamen hebten. 

»5 Klaus Rundhövet iß üm dißer undat willen up ein rat gelecht. 

//. keyser: //,ts. f< puff. 49 fügt erläuternd hinzu . (c;ircer). 
1 Gesellschaft. % Vgl. Überschrift tu llds. b . Priester- Aberglaube. 
3 Farbuch : Wylleken. 4 Farbuch : 30 g. 5 Jorgen I.odewick, 
Jorgen van der Borch, Hene van Hruit^wick, Steffen cley Wale, Claves l'aris. 
3 o 0 Halberstadt. 7 noch hevet hey myt syner selschop gebroken enen 

block vor Emeke, dar kregen sey uth 20 mathier. 

8 Kieler Farbuch llds. f. Jj'' 24*. 

9 in der hechte up sinen frigen voten vor den richtevogeden [Peter 
Smelinck unde Albert Arndes] unde twe beselten borgeren myt nainen 

35 Dirich Lt»de\vich unde mester Claves de bartscherer. 

10 Farbuch: Menert. "Travemünde. 11 Farbuch : Undusche. 
19 Farbuch : Hegemester. 14 Fluss, Kanal. 



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24 



i53° 



5» *Anno 1530 sind zwei Weibspersonen, Kunneke Brökers 2 

und Gretje Helms* genant, weil sie durch Zaubcrey*künste vielen *p. J2 
Leuten an ihrer Gesundheit und sonsten großen Schaden getann, 
mit Feur verbrand worden. 

1 Kieler Farbuch /Als. f 241'- 36*. 5 
* Kunnckc Brokers wurde von dem Schmied Peter Hock (in der Burg- 
strasse: Kieler Frbebuch nr. IJQQ z. J. 1312) vor dem Kate beschuldigt, dass sie 
seine Frau bezaubert hätte. Da Bock nach Lübischem Rechte Bürgen stellte, 
wurde die Brokers ins Gefängnis gesetzt und gefoltert. Gerichtsvögte waren 
ijjo : Marqwart Kistcmaker unde Jasper Ferst. Die Gefangene bekannte 10 
genodiget unde ungenodiget unde darna op eren frien voten in Gegenwart 
der Bürger Dirich Varenwolt, mester Claves bartscer, Jorgen Kruse, Claes 
Hartman, dass sie eine offenbare Zauberin sei, ihre teuflischen Künste, die 
vor frommen Leuten nicht genannt werden konnten, wiederholt gebraucht und 
dadurch C'nglück und Krankheiten über Atutere gebracht habe. Als Opfer 15 
machte sie Peter Hock, I Bürens Kiso, Albert Arndes und deren Frauen nam- 
haft. Den Kiso und Arndes habe sie mit einer Salbe beschmiert, deren Zu- 
bereitung sie von ihrer Mutter lernte ; im Hause des Kiso habe sie auch 
gegraben, um ihm und seiner Frau Krankheit anzuzaubern. In den teuflischen 
Künsten sei sie von einer einäugigen kranken Frmt in Gaarden, die im Gasthause 20 
zu Kiel starb, unterrichtet worden. Sonst sei niemand der Zauberei kundig. 
1 1 'egen der von ihr eingestandenen I 'erbrechen wurde Kunneke Brokers muh 
Lübischem Rechte als Zauberin zum Vöde verurteilt und verbrannt alse ener 
tovenerschen behort. Die Unglückliche war das erste Opfer des f/exenwahns 
in Kiel, aber auch zugleich das erste in Schlesnoig- //oistein überhaupt: Jessen, 25 
Zur Gesch. d. Jlexenprozessc in Schleswig und Holstein, in den Jahrbüchern 
f. d. Landeskunde d. //erzogt. Schiene, //olst. Lauenb. //, 20g. Des » Radens 
und Bötens», des //andwerks der «guten Fram, war die Brokers nicht be- 
zichtigt worden; die Salben hat sie nicht zur //eilung, sondern im Gegenteil 
zur Schädigung angewendet: darmede sinerde sey Laurens Kiso op synen 30 
gellen rock in der fasten, op dat enc solde krancheit unde ungelickc und 
eyn qwal gcrochte krigen. Wie neu und eigenartig das eingestandene \ 'er- 
brechen war, geht daraus vor, dass die Brokers ihr Geständnis vor nicht 
weniger als J2 Bürgern wiederholen musste, deren Namen sämtlich in das 
offizielle Gerichtsprotokoll des Farbliches eingetragen wurden. 35 

3 Richtig : (Irete Uclmiges. Sie wurde wegen ihrer Zauberei gleich- 
zeitig mit Kunneke Brokers ins Feuer geworfen, /n- und ausserhalb des 
Gefängnisses vor dem Gerichte bekannte sie, teuflische Künste, die gegen Gott 
und den christlichen Glauben wären, gebraucht und damit viele Leute betrogen 
zu Itaben. Im Besonderen führte sie an, dass sie dem Eggert Daberen etliche 40 
Teufelskünste zum Gebrauch zwischen sich und seiner Frau lehrte und ein 
anderes Mal das Wams eines Mörders nahm und dadurch dessen Flucht er- 



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h 56-57] 



l Eodem ist einer, Nahmens Hans Stahmcr, wegen begangenen 56 
Raubes, Diebereyen, und Nohtzucht 2 aufs Rad gelegt worden. 

"Johann von Ahlefeld von der Fresenburg hatte in der Stadt 57 
Kiel großen Muhtwillen gegen die Bürger verübet, aber die 
5 Kieler Bürger ergriffen die Waffen und erschlugen disen Ahlefeld 
samt seinem Diener 4 zwischen den beiden Holstenthoren\ 

4. liürger: Btirgcrey n fi<tg. IJ. 6. samt seinem Diener /rA// a fing. /<V. ■ 
a schliffst mit Qurllruaugnbc : Kpit/?//«<r f. i, [casus] 3. 

moglichte. Noch während ihrer Gefängnishaft hätte sie teuflische Künste 

10 angeioendet dat dey ene na dem anderen dale fei unde etlike krnnck legen 
eyn tyt lanck in den dot. Schon früher hatte die l felmiges "wegen ähnlicher 
Vergehen im Gefängnis gesessen, war aber mit dein Lehen davon gekommen, 
Jetzt vereinigte sie mit der Brokers derselbe Scheiterhaufen zum Flammentode. 
1 Kieler Farbuch Ilds. f. 2Öv-2-jr, 

»5 ! Schuldbekenntnis in bywesen : Dyrich Varenwolt, inester Claves 

bartscer, unde ok bekant in dem rechte. 

a Die von Bremer benutzte Quelle ist des Martin Coronaeus Schrift 
»Epit.iphia nobilium Slesvico-IIolsatoruinc in der hdschr. Ausgabe des [ 'trieb 
Betersen. C'ber Conmäus und die auf der Kieler ( 'niversitätsbibtiothek be- 

2° findlichen Handschriften (in der Abteilung S. //.), Ausgaben und Fortsetzungen, 
des Ulr. Betersen, Joh. Cas/>. Wilhelmi und J. F. Noodt siehe die Einleitung. 
Die Fr schlagung des Johann v. Ahlefeld findet sich in der Fassung der Brema- 
schen Hds. a verzeichnet: Coronaeus- Beiersen S. II. 146 p.j nr. 4, Coronaeus 
Betersen- Wilhelmi S. II. 147 />. 3, Coronaeus- Betersen- Xoodt S. II. 14S />. 33 / 

25 ////;• fasst Noodt den Schluss etwas anders: zwischen den beiden Thoren 
bei der Ilollsten Brücke. In den genannten 3 Handschriften steht die Er- 
zählung ohne Jahresangabe in der Sammlung von Berichten, die Coronaeus 
zwischen /jSo und ijS6 eingeschoben hat. Erst die zioeitc Abschrift des 
Noodt S. IL 380 A hat p. 11 das bestimmte Jahr 1380, eine irrtümliche Dc- 

30 tierung, die auch die Hds. Noodt S. II. 14g C f. 6*> wiederholt. Bremer 
selbst verzeichnet kein Jahr, er schiebt unseren Fall zwischen /330 und / 534 
ein. Daraus hat man irrig die Angabe des Jahres 1330 entnommen. Auch 
die Vossschen Exceipte im Geh. Staatsarchiv zu Appenhagen notieren ( nach 
Bremer?) 1330. Letzteres Jahr für die Erschlagung vorausgesetzt, müsstc . 

35 man die Fehde zwischen Bartolomäus v. Ahlefeld und der Stadl Kiel auf 10 
Jahre berechnen; denn die Zwistigkeiten, die sich an den Tod des Johann 
v. Ahlefeld knüpften, wurden erst 1340 (siehe reeiter § 61) beigelegt. Flinc 
zehnjährige Fehde wäre aber, selbst 'wenn man die Worte eine gude tydi 
(S. 2g 12) weit fasst, etwas viel. 

40 * Die Notiz von der Erschlagung des Dieners fehlt bei Coronaeus, 

Bremer hat sie der in § 6/ eingereihten C'rk. /440 Jan. 13 (S. *gg) entnommen. 

h Bestanden um /330 bereits beide Hotstenthore, so kann das äussere 

2a 



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20* 



1534 



58 ! Anno 1 534* auf Cathedra Petri 8 ist einer, Nahmens Hinrich 

Meldürp, Hinrichs Sohn, welcher einen andern, Hans Pöting 1 
geheißen, todt geschlagen hatte, auf des Bürgermeisters Gerd 
Cordes 5 Vorbitte und getahne Zusage, daß diser Hinrich Meldürp 
sich mit des Kntlcibeten Freundschafft vertragen solte, wiederum 5 
in die Stadt Kiel auf und angenommen worden. 

Dieser Gerd Cordes ist nicht lange hernach 1 ' von Sinnen 
kommen und biß nach Segeberg gelauffen, von dannen ihn 
der Amtman 7 wieder zurück nach Kiel geschicket. Er ist bald 
darauf abgesezt und Jasper Veerst 8 wieder erwehlet worden. 10 

Thor nicht erst 1366 erbaut worden sein, wie man bisher mit Schwarze- 
Fehse, Nachrichten von der Stadt Kiel, S. 10 angenommen hat: Volbehr, 
Beiträge z. Topographie d. Stadt Kiel S. 43. Die Mitteilung Bremers (siehe 
diese im zweiten Teile der Chronik z. J. 1566), auf "welcher die Angabe bei 
Schwarze- Fehse beruht, spricht nur allgemein vom Hau des Holstenthois. 15 
Da das äussere Thor bereits /£?o vorhanden war, kann es sich fj66 nicht 
um eine völlige Neuschöpfung, sondern nur um einen Um- mler Ausbau 
gehandelt haben. 

■ 

1 Kieler Denkelbuch 1463-1388 (Stadtarchiv, Invent. K. fj, lfds. 
f. 14g 1 '- 130'', Ratsprotokoll cathedra l'etri. Der Fürgermeister Cordes bittet, 
dat Hinrick Meldorpes sonc, Ilinrick Meldorp, welker hedde doet geslagen 
Hanns i'otinck, mochte wedder inkamen hir thomm Kyle. Dafür, dass 
Meldorp die Freunde des von ihm F.rschlagenen befriedigen werde, bürgen 
Cordes und die von diesem gestellten schadeborgen : Peter Huck, Johan Hille, 
Bartolt Stormm, Jochim Repsleger, Clawes Arp, Kraus Kisienmaker, Andres 25 
Smyt. Kommt der Vergleich mit der Freundschaft des Toten nicht zu stände, 

so hat Meldorp die Stadt wieder zu "'erlassen. — Herdts vorher hatte die 
Königin von wegen eres heren sones hertich AlclTs de ersthe hede gedaen, 
aber die Freundschaft war nicht zufrieden gestellt worden. 

2 Veltheim S. 223 irrig: 13 13. , ( 30 

3 Febr. 22. 

4 Identisch mit dem Kieler Bürger Hans I'otinck, einem der 32, vor 
denen Kunneke Brokers ihr Geständnis wiederholte .-' Derselbe gab auch im 
I/exenprozesse eine Leumuniserklärung über einige, in I erdacht der Zauberei 
gekommene Frauen ab: Kieler Farbuch Iiis. f. 23?'. 35 

h Siehe S. 20 Note 6. ß 1336 / 37. 1 Gosche Rantzau zu Nienhof : 
Zeit sehr. d. Gesellsch. f. Schlesw. Holst. Lauenb. Gesch. /'//, 132. 

8 Nach Bremer Katsmitglied seit 132g, gest. 1342. Die Protokolle 
des Vierstädtegerichts f ühren ihn 132g — 1336 'ds Katsmitg/ied und / jjj als 
Bürgermeister auf. Das Protokoll von 1331 hat er selbst geschrieben. Sonst 40 



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I, 59-6o] 



1535 — »536 



27 



1 Anno 1535 ist einer, Nahmens Hans . . . *, so cinTrommen- 59 
schlägcr und von Königsberg gewesen, weil er einen Kramer, 
Herman Robertus 3 geheißen, alhier in einem gewißen Hause 
erstochen 1 , gerädert 5 worden. 
5 * G Anno 1536 7 in der Lubschen Feidc, als ein Jahr und Tag 60 

36 Landsknechte im Kiel gelegen, hat sichs zugetragen, daß ein 

j. Rntuigtossr hl a fing. 14: Vitlc CYmvolut 

wird er dort nicht wähnt, rjjS am (läge visitationis Marie (Mai S) Jim 
giert Peter Smelingk als Bürgermeister (ffds. f. 4S"). Jedoch ist hie/hei 

10 zu he merken, dass die Protokolle f£?S — 42 nur Einen Bürgermeister nennen; 
es ist also nicht ausgeschlossen , dass Jasper Ferst der andere Bürgermeister 
war. Vor rj2Q kommt Ferst in den Protokollen überhaupt nicht vor. Die 
Angahe Bremers, dass Ferst IJJJ wieder Bürgermeister wurde, also schon 
vorher ein Mal dieses . Iml hekleidete, lässt sich durch die genannten Protokolle 

15 nicht belegen. Ein von Ferst ijj6 in der Schumacherstrasse erworbenes Haus 
geht erst /J62 in den Besitz des Patmanns Laurent/ Knut 7. über: Kieler 
Erbebuch nr. 17 iS, 1SS7 ; im Jahre ijj? fungiert er als Vorsteher der hl. 
Geistkirche : ibid. nr. 1728. 

1 Kieler Farbuch ffds. f. 27^'. 

20 * Auch das Farbuch hat nur den Vornamen. 8 Farbuch : Roberte*. 

4 Am Mittwoch vor Vastetabend ( Febr. j) im ratman (?) Tormans hus. 
Gegen den ins Gefängnis Gebrachten erhoben die Freunde des Toten die An- 
klage und stellten Bürgen. Der Thätcr räumte ohne weiteres op fryen voten 
vor den im Gefängnis erscheinenden Gerichtsvögten Manjwart Kistemnker 

35 unde Jasper Ferst und den Bürgern Peter Neve, Claves Hartman, Hans 
Walbom das begangene Verbrechen ein. Am Freitag darauf wurde der Tot- 
schläger vor das Gericht geführt, wo noch ein Mal die Freunde formell die 
Anklage wiederholten und Bübisches Recht begehrten. Da Hans sich auf die 
Frage des rechtdeler schuldig bekannte, wurde er zum Bade verurteilt. 

30 6 Auf Bitten des Rates und frommer Bürger gönnten die Freunde, 

dat hey . . . van boven dal wort gerichtet und dey frondc heben al 

gestan scaden, dey dar op gegan is, und wol betalt. 

0 Kieler Farbuch ffds. f. 2g"'j2 r . Doch hat Bremer, wie ffds. a 
angiebt, hier den Bericht des Farbliches nicht direkt benutzt, sondern eine auf 

35 diesem Berichte (■) beruhende Darstellung, aus der auch das kurze Referat 
des Kieler Rats im » Verzeichnis der F.xempeh , Fall 3 (Schleswiger Staatsarchiv 
B XV f 6 nr. 1 f. jj) geschöpft ist. Vgl. oben S. /$ Xote j u. weiter S. 2g /J <?r . 

7 Krieg Lübecks mit Dänemark fjjj—j6. Der Ratsbericht ohne 
Jahresangabe. Das Farrecht wegen des Erschlagenen -wurde nach dem Be 

40 richte des Farbliches Donnerstag nach Weihnachten (Dez. 2S) abgehalten. 
Vor den Gerichtsvögten Manjuart A'istemaker und Jasper Ferst erhoben 



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28 1536 ^ 6o 

Landsknecht, Bartolomeus 1 genant, welcher bey Meister Eggerd 
Platenschläger, einem Beuteler*, seine Herberge gehabt, eines- 
mahls des Abends Gäste zu sich gebeten*, des Wirts Kost und 
Bier aber verachtet und gestraffet, und daß er mit dem, wovon 
der Wirth mit seinen Leuten geeßen, nicht zufrieden seyn wolte, 5 
auch sich auf den Wirth sonsten unnütz 4 gemacht und ihn endlich 
in ^seinem eigenen Hause vergewaltigen wollen, indem er ihm */ J7 
bey Nachtzeit mit einer Holtzaxten vor die Schlaf kammergekomen 
und etliche Mahl in die Thür gehauen 3 und also mit Gewalt zu 
ihm eindringen 15 wollen. Da hat der Wirth disen Landsknecht 10 
mit einem Spieße durchstochen, daß er auf der Stelle todt 
geblieben 7 . Diesem cntleibeten I .andsknecht ist vor dem Dänischen 
Thor auf ein Schoof Strohes das Haubt abgeschlagen und der 
Cörper von den Landsknechten auf dem Mönchacker begraben 
worden. , 5 

/. Kartolomeus genant in a u/m Rande eingefügt, i. einem Beuteler 

fehlt u. 7-/0. itidcnt — wollen in a in ehoas anderer Fassung am 

Rande eingefügt. n. Dänischen : Danischen A. 14. Mönchacker: 
Mönkcn-ackcr a. 

die vorbider des Platenschläger, Hans Rower unde Ciriacus vorsprekc, die 20 
Anklage gegen den Toten als einen Geioaltthäter uml ersuchten um Lühi- 
sches Recht und um Zeugenverhör. Als Zettgen wurden vor das Niedergericht 
geladen: Hans Becker, der sich in der Nacht des Mordes als Gast bei Platen- 
schläger aufhielt. Platenschltigers Frau und deren Tochter. Die beiden letz- 
teren beschwuren ihre Aussage, indem sie die Hand auf ihre Brust legten. 25 

1 geheten eyn dickgrever ( Deichgräber) aus Meklenburg. Nach dem 
Parbuch ist er also kein Landsknecht. Auch der Ratsbericht hat: einen 
G reber. Bremers Angabe von der Landsknechtschaft beruht wohl auf einem 
Lesefehler. 

8 Reutelmacher. 3 Davon -weiss der Bericht im Farbuch nichts, eben- 3° 
smoenig von der Verachtung der Speisen und Getränke. 

* Fr begann mit der l Virtin ein Techtelmechtel und nannte den l Virt 
olden scorff, olden hanrey. 

6 Die Beschädigungen wurde im Auftrage des Gerichtes von den Bür- 
gern Jorgen Kruse und Claus Hartman myl enetn statdener als Hans 35 
Hatstover festgestellt. 9 (Vorauf der Wirt »Jodute, over wolt unde wolt« rief. 

7 Da nach dem Angriß' auf die Schlaf ka'nmerthür zwischen Platenschläger 
u/u! Bartolo/näus Friede hergestellt worden war, urteilte der rechtdeler des 
Niedergerichts, dass die darauf erfolgte Fr mordung des Barto/omäus durch 
keine Geioattthätigkeil veranlasst worden sei ; der Knecht sei zu begraben uml 4° 



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i,6i] I53 6 29 

Weil kurtz vorhin 1 des Joh. von Ahlefeldten von Fresenburg 61 
gedacht worden, so setze hirbei die Copiam 2 des erfolgten Ver- 
trages, also lautende: 

Ick Bartolomeüs vann Anefelde\ Hennigkenn vonn Anefelde 

5 thorFresenborchsoen, bekenne hirmit öffentlich jegenn idermennig- 
lichenn : Nachdeme sichk tovornn (leider) begevenn unnd toge- 
dragenn, dat min broder Johann vann Anefelde alhir in der Stadt 
Kyll dorch etliche borger sambt einem dener erbärmlichen vann 
dem levende thom dode kamenn' 1 , derwegen ick my, wo nicht 

to unbillich, mines levenn broders unnd sinen dodenn lieff to rekenenn 
angenamen unnd darumme des rats unnd gemeiner Stadt Kyll eine 
gude tydt her afgesechter vienth gewesenn, ock desulvenn, So- 
vel my mogelichen gewesen, afbrock gedaen, unnd overst nu 
derdurchluchtigestegrothmechtigc hochgebomne furste unnd here 

15 here Christiann 5 tho Dennemargkcn, Norwegen, der Wendcnn unnd 
Gottenn koningk, hertoch tho Sleswigk, Holstenn, Stormaren 
unnd der Ditmarschenn, grave tho Oldenborch und Delmenhorst, 

Platensch läger friedlos zu legen. Dieses Urteil schalt Haus A'wer und brachte 
den Fall vor den Kieler A'at, wo A'ojcer von neuein die Anklage gegen 

20 Bartolomäus erhob. Der Bericht des Farbuchcs bricht mitten im Satze ab. 
IVie Bremer weiter angiebt, änderte der Bat das Urteil des Xiedergerichfs 
und Hess den Toten nachträglich enthaupten. Ptatensch/äger scheint freige- 
sprochen worden zu sein. Für dieses Plus muss die von Bremer benutzte 
Darstellung neben dem Berichte des Farbliches noch eine andere Verlage ge- 

25 habt haben, oder die Bremersche Quelle hat das Farbuch überhaupt nicht be- 
nutzt, somiern einen selbstständigen Bericht, der vollständiger war als der vom 
Farbuch gebotene. 

9 Anstatt tuich der Bremerschen Abschrift (p. j8 jgj ist der folgende 
30 Abdruck nach dem Originale im Kieler Stadtarchiv A II hergestellt ( Perga- 
ment mit vier Finschn'tten am Buge für die angehängten Siegel; diese 7cie 
die Presset fehlen, nur vom ersten Pres sei ist noch ein A'esl vorhanden. 
Gleichzeitige A'otiz auf der Bückseite: Bartolomen* van Alevehle . 

8 Das Geschlecht von Anefeld ist mit dem von Ahlefeld identisch. 
35 Über J/enneke von Ahlefeld auf Fresenborg und dessen Söhne Bartolom aus 
(gest. JJ7J) un 'l den in A'iel erschlagenen jfohann siehe ?*. Stemann in 
fahrb. f. d. f.andesk. d. //erzogt. Schi. Holst, l.auenb. X, //<;. 

* Siehe § jy. Der miterschlagene Knecht war aus Schwerin. 

6 König Christian ///. f£?S-/JJ<?. 



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30 1536 [1.6' 

min gnedigester her ann huet dato dusse gebrekenn twischen denn 
vam Kyll unnd my in eigener person vorgenamen unnd so wyt 
gehandelt, dat sin Ko. Mat. twischenn unns beidersits mit gudem 
weten und tolatenn einenn ewigen entlichen unnwedderroplichenn 
frede unnd vordracht 1 upgericht, derhalvenn ick siner Ko. Mat. s 
vor min person aller gehebbender moyge und vlytt underdenigenn 
dangk segge etc., dat ick sollichenn upgerichteden unnd gc- 
makeden frede unnd vordracht nicht allein in allermaten, wo 
desulvige in sinenn worden, puneten unnd clausein in schrifften 
unnder hochgemeltcr Ko. Mat. secret verfatet 2 , angenamenn unnd i° 
bewilliget, sunder neme densulvenn nochmals vor my und alle 
mine mithgeschreven in der bestendigstenn mathe und gestalt, 
so dat ummer tho recht unnd van billicheit wegen gescheenn 
kan, an, bewillige, ratificerc und becreftige densulvenn in crafft 
desses breves. Unnd vorplichte my darup vor mi, min vader, 15 
ervenn, broder, swagcr, frundhc unnd alle dejennenn, so disser 
sakenn bether toneven my jegen de vam Kyll thoschuwe 3 edder 
forderunge gedaen unnd hirnamals disser sakenn sick minent 
halvenn tho undernemenn foge ader recht hebben muchten, wer 
de edder der ock wehre, nemandes uthgenamenn, dat ick edder 20 
desulvenn na dissem dagc nu noch nummermchr tho ewigen tyden 

1 Das Original des aufgerichteten Vertrages, Pergamenturkunde t/es 
A'önigs vom gleichen Vage Kill am achten dage na trium regum ////'/ an- 
hangende/// Secretsieget, beßndet sich im Schlesiviger Staatsarchiv, Depon. Ur- 
kunden d. Stadt Kiel nr. 421. --5 

* Bedingungen des geschlossenen Friedens : Fürgermeister urui Fat der 
Stadt Kiel samt den vornehmsten Fürgern, Frauen und Junfrauen, ilartho 
sze ettliche vam adell midt yne sampt ehrenn Iruwenn unnd juncklrouwenn 
tho bidden hebbenn, haben in Gegenwart des A'önigs, der Königin um/ des 
A'önigs Sclr.ocstcr Flisabeth den Fartolomäus und seine Freundschaft fussfällig 
umine eyne ewige vortyinge und vergeszinge zu bitten und als Schadenersatz 
au Fartolomäus in gegenwärtigem l '///schlage lausend Mark Lübisch zu zahlen. 
Dafür hat Fartolomäus für sieh und seine Freundschaft unter seinem Siegel 
einen reversall brcfT auszustellen. Wegen des erschlagenen Knechtes soll i/er 
Kieler Fat an dessen Freundschaft schicken und den Wert des Föten nach 35 
Holsten /.a ndrecht bezahlen. Feide Parteien haben den vom A'önig zu stände 
gebrachten Vertrag cot/firmiert und ratißeiert. Die Cou/irmatiottfurhundc des 
Fartolomäus liegt uns im obigen Abdruck vor. 8 Hilfe, Feistand. 



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I, 61-62] 



«536 



31 



gegen burgermeister und radtt vornemlrchen und den gemeine 
inwaner und borger thom Kyll, so nu sin edder kunfftig geordent, 
gesetzt werdenn edder kamenn mögen, offtgemeltes mines broders 
enthlifinge halvenn mit gewalt der doetth edder sust schrifftlich, 
5 hemlich edder öffentlich, in wordenn edder werken doen, my 
edder alle minc mitgeschreven nichts vornemen, doen edder 
handien schall unnd wil in keinerley wyse edder mathe, wo dat 
minschen sinne unnd vornunflft jummer erdencken konen. Wil 
my tho dem ock jegenn de vam Kyll nicht alleine dcsfalls aller 

io forderunge begeven und cntslaen, sonder den vam Kyll und 
denn ehrenn uth rechtem gründe mines hertes alle begangenenn 
unnd an minem broder geovedc daden gantz und gar vorgeven 
unnd na gelatenn hebten, wo ock hirdorch geschuet, alles sunder 
argelist unnd geferde. Des to orkunde hebte ick Bartolomeus 

15 vann Anevelde vor my min pitzer hiran gehangen und de erbarn, 
mine leven vedderen 1 Gossigk van Ancfelde tho Saxstorp amptman 
tho Norborch, Claves van Anefelde tor Lcmkulen und Hinrichk 
van Anefelde to Pretzc gebrodere, gel>edcn tor witlicheit mede 
to segelen, wcllichs nagenanten dre also gedan bekennen. 
Gegeven tom Kil am achten dagc* post trium regum anno 1540. 

3 Thomas Külcr hatte einem Kiclischen Fischer aus seinem 62 

4. l'ori. enlulifingc. 21. Rimdglossc in a fiog. 1 j . Xiiir LnnvoUit 
Kolcr : Kcihlcr ,1. 

1 Über Gosche von Ahlefeld zu Suxdorf siehe Jahrb. X, 97 ff. ; Kor- 
2 5 burger Am /mann /J24 1542 : Zeit sehr. d. Ges.f Seh/. Holst, Lauenb. Gesch. I III, 
jög. Cbei- Claus von Ahlefeld zu Lehmkulen : Jahrb. X, log f Über dessen 
Brüder Kai und llenneke von Ahlefeld: ibid. X, /öS ff. ; Zei/schr. IV, joy. 
Ist unser Heinrich v. A. zu I'retz mit dem in Zeitschr. IV, so? 'S erwähnten 
vierten Bruder Heinrich v. A. zu Wittmold identisch ? * Jan. jj. 

8 Aus dem Convo/ut #, der gemeinsamen Quelle für Bremer und den 
Kieler Rat, dessen Ber icht im » Verzeichnis der Exempeh, Fall 4 (Schtesioiger 
Staatsarchiv B XVI 6 nr. 1 f. JJ^' J^' J mit dem obigen § 62 in der Fassung 
der Hds. a fast wörtlich übereinstimmt. Der /JS2 verfasste Katsbericht (siehe 
Beilage) giebt das Datum unbestimmt an : für weinige Jharen. Man würde 
35 demnach ca. /jSo annahmen müssen. Bremer hat keine Jahresangabe, doch 
reiht er in unserer Hds. A die Begebenheit zum Jahre /jj6 oder genauer 
zwischen /Jj6 und fjjS ein. Es ist hierbei zu beachten, dass Bremer die 
Urkunde des Bartolomäus von Ahlefeld v. J. JJ40 ($ 6/ j an unrechter Stelle 
eingeschoben hat; die Urkunde gehört nicht zwischen Fall Bartolomäus- 



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32 



'536— 153« 



[I, 62-63 



Fiseherbohte vor dem Thor am Strande etliche Mahl des Nachts 
Fische gestohlen. Der Fischer lauret einmahl darauf, ihn auf 
solche seine gewönliche Dicberey zu beschlagen, und trägt sichs 
zu, daß der Dieb sich daselbst wieder einfindet, welchem der 
Fischer ertappet. Und kommen sie bald ^darauf ins Faustgemenge, 5 
worinnen der Fischer endlich die Uberhand behält und den Dieb *^ 40 
mit einem Ruder schlüget, daß er über Bord ins Waßer fallt 
und seinen Geist aufgiebt. Diser Köler ist hernach mit des 
Henckers Schlitten vor Gericht und folgends nach dem Galgen 
geführet und also todt daran gehenket worden. 10 
tt3 1 Anno 1538. Thomas Lütke 3 und Casper, ein glasemaker, 

hebbet im stehlen, roven und morden matschop gehat mit 
Marten Dorau, Paul Berck und Claus Tode. Se s hebbet en 
mal ein par schob in der landstraten dalgeschmeten. Als nun 
ein wanderer se upnemen will, springen se to und nemen ein *5 
sin geld und de schob ok. Noch hebbet se enen wagen be- 
rovet und enen man darbei gemordet. Noch enen man in 
Franzcn 1 gemordet, by dem se gefunden 30 gl. Noch enen man 
gemordet, dar kregen se 40 \. Noch hebbet se in s. Johannis 
markt tom Kyl enem kramer dat sine genamen und en an enen 20 

/. Fischerbohte: Höhte ,i. 7. über Mord fehlt a fing, ib. S. und 

seinen (Jcist aufgiebt: und stirbt ,1. Kb\cr fehlt ,t. 

Pia ten Schlüter und Fall Köler, sondern znüschen Fall Lütke-Caspar /JjS (§ 63) 
und Fall Lobeck is 42 (§ 64). In der llds. a ß tuten sich die beiden Fälle 
Bartolom ü us Ptatcusi -klüger und Köler ungetrennt hinter einander, und zioar 25 
/. 14 /t) unter den Berichten d. J. /jSo. Xeben der Erzählung In der Lübschen 
Keide etc. (es fehlt der Eingang : Anno 1536J stand in a pag. 14 ursprünglich 
am Rande 1559 und dazu die Xotiz: Dises cum sequenti exemplo gehört 
oben ad p. 3; auf der eilierten p. j schliesst nämlich der Bericht über Fall 
Knieschoff (oben §48) und beginnt Fall Jochim von Hagen (-weiter §86). ^ 0 
Xachträglich ist aber die Randnotiz in a t/ucr gestrichen und über dem hori- 
zontal gestrichenen 1559 die Jahreszahl 1536 gesetzt. 

1 Kieler Farbuch llds. f. 3*: 

- Farblich: Claves Lutteke. Die Angabe des falschen Vornamen bei 
Bremer beruht auf einem Lesefehler. 3 - 

8 Claes, Kasper, Pavel, Merten. Claus Tode ist an diesem und den 
folgenden Verbrechen nicht mehr beteiligt. 

* Richtig: Swantzen ; Sc/noansen. 



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I, 6 3 -6 5 ] 



I538—J542 



:*4 



bom gebunden. Paul Berk iß er hovetman gewesen und hefft 
gewanet tor Wißmer in der papenstrate. Diße Thomas Lütcke 
und Casper 1 sind wegen erer öveldat* up en rat 3 gelecht. 

*/ 44 * 4 Anno 1542 ü»i Johannis 5 ist eines hiesigen Bürgers 64 

5 Gotschalck Bojen 15 Knecht, Jacob Lobeck genant, mit einem 
Wagen, jedoch ohne seines Herrn Wißen und aus eigenem Trieb, 
ins Stadtholtz gefahren, üm ein Fuder Holtz zu holen. Als er 
nun auf einen Baum gestigen und angefangen zu hauen, fällt er 
herunter und stirbet innerhalb 3 Tagen. 
10 * T Anno 1542. Auch ist eines hiesigen Bürgers Hinrich Gliß- 65 

*/• 45 mans Junge, Jürgen genant, in seines Herrn Hause 8 aus eigenem 

* Aus den Geständnissen des Lütke und des (Jasper sei noch hervor- 
gehoben : dat sey myt 4 lantzknechten, als Hans van Minden, Cristofer van 
Bremen, Kasper I'crlseke unde Rode Hans hebet 2 koplude gemordet by 

15 der Sisinar (Cismar) in dem Grubenhagen (Gruberhagen). 

1 richtevogede : Hinrich l'uck und inester Konradus Wulf. 
s //// Farbuche fehlt jede Angabe über die Bestrafung ; es heisst dort 
nur, dass Lütke und Casf>cr im Gefängnis ihr Bekenntnis auf freien Füssen 
ablegten. 4 Kieler Farblich ILds. f. JJ™. 

20 6 Das Fargericht wurde von den Gerichtsvögten I linrich l'uck und 

Conradus Wulff Donnerstag vor St. Joh. Ba/>t. (funi 22) abgehalten. Dort 
erklärten die Bürger l'avel Token und Claves Hartman, dass sie den Lidteck 
vor dessen Vöde befragt hätten ; dieser antwortete ihnen, er habe seinen 
Jod selbst herbeigeführt, Gotschalk Boye trage keine Schuld. Da der Vater 

25 des Toten, Hinrich Lobeke, den beiden Bürgern auch ohne Fid glaubte, fant 
dey rechtdeler äff vor Lubes recht, dat Gosscalek Boge solde legen dem 
sulven seligen knechte syn Ion op dat sarck unde me solde den doden to 
grave brengen, dar mede solde Gosscalek Boge ledich und loss sin unde 
dar numende mer op to antweren. Den von Gotschalk Boye auf den Leich- 

30 na/n gelegten Lohn nahm L Linrich Lol>eke in Fmpfang und erklärte sich für 
befriedigt. Zeugen: Mychel Zub, Hans Kul, Elrick Herde, Frans Kruse, 
Gert Krissche. 

"Gotzick (Gotzke) Boye (Boie, Böige, Boge) in der Kehden Strasse, 
Schuhmacherstrasse und by dein monneke karckhave fjoq — /J4$: Kieler 
35 Erbebuch nr. /J64, 1^14, /Sog. Zum fahre 1557 wird er als verstorben 
bezeichnet: ibid. nr. /S02. 1 Kieler Farbuch LLds. f. JJ r j6 r . 

9 /;/ der Kehdenstrasse: Kieler Erbebuch nr. ijgS ; das L Laus in der 
Schuhmacherstrasse kauft Glissman erst fjöy : ibid. nr. 1044. Er ist nicht 
identisch mit dem im § tj enoähnten Gleichnamigen. 

3 



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34 i 5 42— 1543 



[I, 65-67 



Trieb auf den Boden gestigen, üm etwas herunter zu holen, fällt 
aber unvorsichtig herab, daß er binnen 4 Tagen gestorben 1 . 

66 2 Anno 1543 ist eines hisigen Rahtmans Matthies Knutzen 3 
Knecht, Marquard Rolefs 4 , bey Nachtzeit in seines Herrn Hause 5 
auf den Boden gestigen, fällt aber auch unglücklich herunter 5 
und stirbt innerhalb etlichen Tagen 6 . 

67 7 Eodem ist einer, Marten Sander genant, weil er etliche 

' Fargericht Mittwoch vor St. Simonis und Jtuiä (Okt. 2j) auf An- 
trag des Heinrich Glissman vor dem Gerichtsvogte Iiinrich Puck und dem 
Katsmann Hans Koleman ; letzterem in Vertretung des Gerichtsvogtes Conrad 10 
Wulff. Erklärung der Bürger Albert van Swol, Cristofer Heekeman, Gurges 
Engelke, inester Hans dey smet (der heren hoffsmet), dass Jürgen keinen 
beschuldigt, sondern sich seihst die Schuld zugeschrieben habe. Eidschwur der 
genannten Vier myt uthgestreckeden armen, er finger op dey hiligen ge- 
lecht unde gesworen to (Jode unde den hilligen. Spruch des recht- x - 

deler wie betreffs des Gotschalk Boye. Wären keine Freunde da, um den 
Lohn in Empfang zu nehmen, so solde nie dat legen by dat recht. Der 
Erklärung der Vier schlicsst sich nachträglich noch vor dem Gerichte der 
nächste Blutsverwandte des Toten an: Markus, Knecht des Marias Knutzen. 

* Kieler Farbuch Ilds. f. 37 r jS r - 20 
3 Nach Bremer Katsmitglied /J40—ISJ9- Den genauen Todestag, 

14. Febr., giebt die von Bremer im zweiten Teile der Chronik mitgeteilte 
Grabschrift (Schwarze- Feh se, Nachrichten S. 9J <?4). 

* Farbuch: Marqwart Roleves. 

* In der Holstenstrasse : Kieler Erbebuch nr. /7JÖ, 1802. 25 

6 Fargericht auf Antrag des Marias Knutzen, richte vogede : Conradus 
Wulff unde Hans Koleman ; da ersterer nicht zu Hause ist, wird der Kats- 
mann Jochim Sculte an seine Stelle gesetzt. Eidliche Erklärung der Bürger 
Hans Walbom, Markus Ciris, Iiinrich Kannegeter, Eggert Wulff wie § 64 
Aote 3, § 6j oben Note 1. Die vor Gericht anwesenden beiden nächsten Bluts- 30 
venoandten des Toten, Renwcr Simens und Iiinrich Syrinck, 'wurden gefragt, 

ob sie noch jemand beschuldigten, es solle ihnen ihr Kecht werden, wolden 
sey ock hebben, me solde deine doden dey hant äff losen, off noch hir 
namals wen wisten to besculdigen, dat dey selpfte mochte to dem seyne 
gan. In Gegenwart von S genannten Zeugen anhoorteten die Beiden, dass 35 
von des Toten Venoandtschaft keine Klage erhoben werden würde. Darauf 
sprach der Urteilsfinder den Knutzen frei, der verdiente lohn solle auf den 
Sarg für die Venoandlschaft bereit gelegt werden, wer dar numant, dey dat 
boren wolde, solde mc dat legen int recht. Das Geld nahmen die beiden 
Venoandten, Hessen es aber by Markus Gris to truwer hant. 40 

7 Kieler Farbuch Ilds. f. j8'\ 



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I, 6 7 -7i] 



1543— 1545 



3f> 



Schweine gestohlen und solche wieder verkaufft, aufgehenckct 
worden. 

*Anno 1544 do let Andres Kantzow to Salsow 3 enen in 6H 

de hechte* setten, mit nahmen Jürgen Rupen, de sinem manne 
5 hadde 2 perde vorkoflft,de heupder Hyll/^whavener 4 felde gestalen 

hadde na siner egenen bekentnis, unde he word darum in den 

galgen gehenget. 

5 Anno 1545 hat ein Schnitcherknecht 6 , Nahmens Hans Meyer, (>9 

einen andern Schnitcherknecht, Simen Pasche 7 geheißen, erstochen. 
to Der Thäter ist alsobald flüchtig und nachgehends durch ordentliches 

Fahrrecht* friedeloß gelegt und durch den Frohnen ausgeleutet 

worden. 

9 Eodem. Hin Gleiches ist auch einem, Hinrich von der 70 
Brügge genant 10 , der einen andern, Hans 11 von dem Berge, Bürger 
15 zu Hamburg, vom Leben zum Tode gebracht und flüchtig worden, 
wiederfahren. 

*/• 46 * 12 Anno 1545 hefft Hans Höterknecht 18 enen andern, Bruhn 71 

I Kieler Farbuch Hds. fjSr. 

5 Satzau, k reis Plön, Kirchspiel Seien/. Ober die Besitzer des adeligen 
20 Gutes Salzau (seit ijoo Andreas Rantzau) siehe Schröder- Biernatzki , Topo- 
graphie Holst. I.auenb. Lüh. //. J79-S0 ; über Andreas Rantzau selbst: Neues 
Staatburgerl. Magazin III, 70 und Ztschr. d. des. f. Sehlem* . Holst. I.auenb. 
Gesch. //, 121. 

8 richtefagede : 1 lans Koleman unde Jochim Sculte. 4 Jleiligenhafen. 
*5 6 Kieler Farbuch Hds. f.j8*. 

0 Tischlerknecht. ''Farbuch: syn natne Pasccn, (Jenende myt Hans 
Bullek dem snydeker. Daraus hat Bremer irrtümlich den Vornamen Simen 
gelesen. 8 Über das Farrecht siehe die Noten zu §§ 64-66 und die Ein- 
leitung. Gerichtsvögte IJ4S wie in § 68. 
30 9 Kieler Farbuch ffds. f. jgr. 

"Bürger zu Swol. 

II Nicht Hans von dem Berge, sondern dessen Diener Hans war er- 
schlagen worden; Farbuch: Hans dener Hans van dem Herge. Fargerieht 
zur Zeit des Umschlages. Da auf geschehene Vorladung, to seyne to gandc, 

35 weder der Mörder noch ein Anderer für ihn erschien, fant dey rechtdeler, 
dey faget solde op stan, den Hinrich friedlos legen und mit der Glocke aus- 
läuten lassen. 

xt Kieler Farbuch Hds. f. 39 v 40 r . 

u Hutmacherknecht. 

3* 



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36 



1545— 1546 



[i, 71-73 



Keneken 1 genant, up dem Garden wanhafftig, mit enem stein 
geworpen, davan Bruhn Kencke vam leven tom dodc gekamen. 
De deder iß fredeloß gelecht 8 und utgelüdt worden. 

72 3 Im selbigen Jahre ist noch ein Pferdedieb, Hinrich Lubert 
genant, alhir in den Galgen gehencket worden 4 . s 

73 5 Anno 1546 hat Asmus von Ahlefeld 6 den Büttel, Hans ge- 
nant, alhir zum Kiel gefänglich setzen und gerichtlich 7 belangen 
laßen, weil er versprochen, seinen Bruder Jürgen von Ahlefeld 8 
von seiner Krankheit zu helfen und wieder gesund zu machen, wan 
nur ein gewißes Weib, so in seinem Gute 9 were und ihm dis Böse «> 
angetahn hette, fest gesetzet würde. Nun hette man auf das 
Wort solch Weib angetastet und 3 mahl hart gepeiniget, aber 
nichts von ihr erfahren können, dazu 10 were sie durch solche 
harte Peinigung ungesund geworden. Der Büttel aber hette 
indeßen den Bruder Jürgen von Ahlefeld doch nicht geholfen, 15 
sondern diser were durch seine gebrauchte Mittel und Künste 

<?. Bruder : Brüder A. 

1 Farbuch . Teneken. * Fargerieht im somer auf Antrag des Urun 
Hinrich (in der Dänischen Strasse: Kieler Erbebuch nr. 1793). Nach drei- 
maliger vergeblicher Vorladung des Thäters Urteil des rechldeler ivie betreffs 20 
des Hinrich von der Brügge, so is dey läget oj» gestan unde hevet eine 
fredelos gelacht drey mal na cynander unde sampt der klocken vorlut na 
l.ubesch recht. 

* Kieler Farbuch J/ds. f. 40^. 

* na siner egen bekantnusse vor twen beselten borgeren als inyt 25 
namen Michel Kruse unde Hans üntit. 

6 Kieler Farbuch I/ds. f. 40'', Jedoch unvollständig. Der erhaltene 
Teil des Farbuches bricht mit Schluss der vierten Blätterlage mitten im Satze ab. 

6 Zw Noer: Neues S/aatsbg. Mag. 1/1,7/ und Jahrb. f. d. Latules- 
künde X, 146. In Kiel hatte . Ismus ein //aus in der Dänischen Strasse. 30 

7 Gerichtsvögte /J46 wie in § 6S. Asmus Hess ein Farrechf halten 
und den Büttel anklagen vormydels synen vorspreken. 

8 Zu Grönwohld: N. St. Mag. /II, 71 und Jahrb. X, 147. 

9 v. Stemann teilt Jahrb. X, 146 mit, dass Jürgen v. Ahlefeld 1346 
Grönwohld an seinen Bruder Asmus verkaufte. Krankheit und Tod dürften 35 
daher auf dem Gute Fahrenstedt (Jahrb. X, 147) erfolgt sein. 

10 / cm hier ab hat Bremer die verloren gegangene fünfte Blätterlage 
des Farbuches benutzt. 



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I, 73 75] 1546 -1562 



37 



gestorben 1 . Weil nun solches von dem Büttel geleuchnet, ist 
es zum Zeugenverhör gekommen und endlich erkant worden, 
daß man dem Buttel ihn seiner Untaht willen solte das Haubt 
abschlagen und begraben. 
5 Anno 1558 am Montage 2 in Ostern, hat ChristofTer Fex, 74 

ein Dänischer Edelmann, einen Schnitcherknecht, Berend von 
Lüneburg geheißen, vom Leben zum Tode gebracht. Uber den 
*/• 47 Kntleibeten ist ein gewöhnliches Fahrrecht gehalten. *Als wegen 
des flüchtigen Thäters niemand erschienen, ist derselbe friedeloß 

10 gelegt und durch den Frohnen ausgebeutet worden. 

Anno 1562, 15. Junj, an einem Montage, ist Wolf von 75 
der Wische, Jürgens Sohn zu Olpenitz 3 , mit etlichen andern vom 
Adel in den hiesigen Weinkeller gekommen und hat daselbst bey 
seiner ersten Ankunfft ein Vaß voll Kinbekischen Biers ohne alle 

1 j gegebene Ursach gewaltsamer Weise entzwei gehauen und das 
Bier überall verlauffcn laßen. Sobald dieses geschehen, hat er 
sich sofort nach der Frau Margret von Buchwalten, Hofemeisterin, 
Hause 1 begeben, als woselbst dieFrauHovemeisterin ihremMädchen, 
so einem hisigen Bürger vertrauet worden, eine Hochzeit und 

20 (iastmahl angestellet hatte, und hat aldar einen Bürger, Jochim 
Schmeling 5 genant, mit einem kurtzen Degen oder Book gefährlich 
in den Leib verwundet und darauf den langen Degen gezogen, 
sprechende: Störtestu nicht, du Bösewicht, du schalt noch ein 

7. Über: ri»ci . /. 10. und - ausdientet /// A um Ramie citi^/ü^t. 

25 1 Auch der Bericht des Farbuches in dem uns erhaltenen Teile nennt 

den Jürgen: selig, v. Steinann konnte (Jahrb. X, 147) den Tod erst aus 
<i- J- 'JJO naclnveisen. 

* April it. 8 Kr. Eckernförde, Kirchspiel Sclnoansen. I ber Jürgen 
v. d. Wisch (gest. /j6j) und seine Söhne Johann und Wulf: Jahrb. IX, 488 ff. 

30 4 Das erste Haus auf der rechten Seite der Flämischen Strasse. So- 

weit Häuser des in Kiel ansässigen Adels erwähnt -werden, bestimme ich in 
den Noten die betreffenden Strassen ohne Angabe der Quellen. Letztere siehe 
in der Beilage über Zahl und Häuser des Kieler Adels. 

6 /// der Flämisclien Strasse: Kieler Frbebuch nr. iSjj>, 1872, 1942 

35 z. J. /SJ4~~/j/>8; Hebungsregister ijöj -rjjh (Stadtarchiv. Invent. K. Sj 
Hds. f. i8>- z. J. tj6j; Hausbesitzerliste /JJJ (Stadtarchiv T VI Com . 1 
nr. 2 f. 14 /8, Schlesinger Staatsarchiv A XX nr. 2879: siehe den Abdruck 
in der Beilage) nr. 137. 



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38 



1562 — 1568 



[I, 75-79 



mahl störten 1 « etc. Er hette auch ohne Zweiffei weiter Unglük 
angerichtet, wofern er nicht von der Frau Hovemeisterin daran 
were verhindert worden. Indeßen hat er seinen Dienern zu- 
gerufen: Stick en dot, den Bösewicht« etc. Als sie nun nichts 
weiter beschaffen können, sind sie eiligst wieder aus dem Hause 3 
gangen und theils zu Waßer davon kommen, die andern zu 
Pferde mit vollem Rennen und gespannten Röhren in ihren Händen 
zur Stadt hinaus geeilet und haben in solchem Rennen niemands 
auf der Gaßen, weder Klein noch Groß, mit ^Überrennen ver- 
schonet. «> 

76 Anno 1 5 63 hat ein Pötchergesell, Nahmens Hinrich Schröder, 
aus Lübek bürtig, einen Schnitchergesellen, mit Nahmen Hinrich 
von Cleve, erbärmlich erstochen. Dieser Handthäter hat mit 
dem Rade wieder sollen abgestrafft werden, er ist aber auf der 
Königin 2 zu Dannemark, Nonvegen etc. und andrer Vorbitte mit 15 
dem Schwerte gerichtet worden. 

77 Anno 1566 ist alhir in dem Stadtholtze einer, mit Nahmen 
Klaus Fink, von einem andern, Hans Kalkhorst geheißen, Klaus 
Kalkhorsten Brüdern, erschlagen und getödtet worden. Den 
flüchtigen Thäter hat man durch ordentliches Fahrrecht friedeloß ao 
gelegt und ausgeleutet. 

78 Anno 1568 am Sontage 3 nach der Himmelfahrt Christi ist 
ein Bohtsman von Ihr Fürstl. Gnaden 4 Schiff alhir in Többeke 
Mansfeldes Keller 5 von einem, mit Nahmen Urban Pruse, und 
seinem Gehülfen Hinrich Keding vom Leben zum Tode gebracht. 25 
Die flüchtigen Handtheter sind friedeloß gelegt worden. 

79 Eodem Anno am Freytage ü nach Luden ist eine Weibs- 
person, Elsabe Steinbrüggers genant, mit dem Schwerte gerichtet 
worden, weil sie ihren eigenen Man an S. Lucien Abend 7 er- 
stochen hatte. 30 

1 in Schrecken setzen. 5 Königin- Mutter Dorothea, Witwe Christians III. 
3 Mai jo. * Herzog Adolf 1. 

* Im Kieler Schossregister ijy6 — /jyg (Stadtarchiv), Ilds. f. fjv, 
45 v > 74 v sind unter den Kellerbesitzern Xantens Man sf cid nur verzeichnet : 
DethlefT Mansfelt, Hans Mansfcld und Merten Mansfeld. 35 

0 Dez. jj. 7 Dez. 12. 



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I, 8o-8i] 



39 



Anno 1 5 7 1 im Umschlage ist einer, Nahniens Thomas 80 
Schnor, bey einem Kielischen Bürger Hans Hartman dienende, 
bey Nachtzeit voll bezecht in der Stadt herum gangen. Als er 

49 nun an der Stadtwacht gerahten und auf *deren gewönlich Zu- 
5 ruffen nicht anders als mit lauter Scheit- und Schmähworten 
antworten wollen, hat er an Schlägen so viel davon getragen, 
daß er nicht lange darauf gestorben 1 . 

*Anno 1571. Nachdem sich einer, Nahmens Claus Förste 3 , 81 
alhir leider selber erhcncket und also vom Leben zum Tode 

10 gebracht, sind der Kirchen S. Nicolai von deßen Erben, damit 
der todte Cörper binnen der Stadt Ringmauren am Hauhofe 4 
bei der Mauren möchte begraben werden, 50 \ Liib. gegeben 
worden. Diese 50 \ sind zu der neuen Stundenklocke und 
Uhr (als wozu dasmahl eben eine freywillige Beyhülffe durch 

«5 die Stadt gesamlet ward) zugleich mit angewand worden. 

J. voll : woll , /. 

1 Kiefer Kirchenregister 1570 ( Kirchenarchiv St. Nicolai) J/ds. f. 45^ 
s. v. upboring der klockcn: Hartmans dener 2 puls: 8 $\f.j2r s . 7 .. sarck- 
gcldtt: Hans Hartmans junge l sarck: 10 ß. 

3t> 2 Kieler Bechen schc^h Kirchenregis/er 157 1 ( Kirchenarchiv St. Nicolai) 

/Als. f. 4?' : Dewile sick Clawes Forste leider sulvest vam levende thom 
dode gebracht, hefft l'awel Tocke van sinen erven, dat he hir binnen der 
Stadt bi der muren begraven is, entfangen 50 ^, de he uns uth beide eines 
erbarn rades tho behoflf der nigen stundeklocke und nigen seier behan- 

25 digett. — Item mit bewilligung eines erbarn rades is tho der nigen stunde- 
klocke van der gantzen burgerschop ahn redem gelde tho twen tiden ge- 
sammelt na lüde der bivorwarden register 82 ^ n ß. Wefele des olden 
gudes gewesen, so de burger dartho gegeven, is hinden in der uthgave lo 
ersehende. Vgl. Kieler Kirchenregister 157 t Htis.f. Sv-gr ; *New Kirchen- 

3° buch bey S. Nicolai Kirchen in Kyll Anno 1650 (/49s — 177 1 ) 11 (Kirchen- 
archiv St. Nicolai) /Als. f. 5 und aus letzterem mit Benutzung von Schwarze- 
Eehse, Nachrichten S. 72-73: Volbehr, Topographie S. 102. Die Einnahmen 
und Ausgaben für die neue Uhr und Glocke siehe in der Beilage. 

* Als Zimmermann des Bates sass er schossfrei in der Kiilerstrasse : 
35 Kieler Hebungsregister 1563—1576 Hds.f. in' z. J. 1565, f. 34V z. J. 1563. 

* Am Ende der Kehdenstrasse bei der Stadtmauer : Kieler Erbebuch nr. 
1922, 1967, 2024. Vgl. im Kieler Schossregister 1576—1579 J/ds. f. 4*- 
z - 7- '576 d' e Überschrift: De ander syde der Kedingstratc und vordan 
by dem buwhove langst de muhre. 



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40 



1572— 1573 



(I, 82-84 



82 Anno 1572 hat einer, mit Nahmen Andres Pupe 1 , ein 
Italiänischer Maurgesell, gebohren von Merede 2 , einen Kielischen 
Einwohner, Timme Selke genant, vom Leben zum Tode ge- 
bracht und erstochen. Der Thäter ist darauf ergriffen und eine 
Zeit lang gefänglich gehalten, aber auf des durchleuchtigen 5 
Churfürsten zu Brandenburg Herrn Joh. Georgen 3 und dero 
durchleuchtigen Gemahls, dan auch der durchleuchtigen Fürsten 
und Herren Johannes 4 und Adolffen r \ Krben zu Norwegen etc., 
Vorbitte wieder frey gelaßen worden. 

83 *Anno 1573 den 1 6. Maj ist zwischen Herman Strohschneider *° 
von Peine an einem und seel. Leneken Hildebrands nachge- ^ 
laßenen Erben und Blutsfreunden am andern Theil wegen deßen, 
daß ermelter Herman die Hildebrandische unversehens mit 
einem Pferde iibergeritten, wodurch diese Frau als eine alte 
verlebte Matron gestorben* 5 , ein gewißer Vertrag und Vergleich u 
aufgerichtet und geschloßen worden. 

84 Eodem am Dingstage 7 in Pfingsten haben sich 2 Kielische 
Einwohner und Bürger, Nahmens Michel Schumacher 8 , ein Fuhr- 
man, und Hans Klever, von Frankfurt an der Oder bürtig, 
alhir im Stadtholtze bey der Prühne mit einander verunwilliget, 20 
da dan der Klever den Schumacher zuerst auf den Kopf ge- 
schlagen und verwundet. Dieser Verwundete aber hat jenen 
wiederum mit einem Pook so gefahrlich gestochen, daß er nach 
Verlauf etlicher Tagen gestorben. Der Handthäter hat sich mit 
des Verstorbenen nachgelassenen Witwen und Freunden ver- 25 
tragen und dem Gerichte 2 Thaler Geldstraffe erleget. 

2. Italiänischer: Italiänischer A. 
1 Veltheim im Staatsbürgerl. Magazin IV t 225 irrig: Rape. 
1 Meran in Tirol oder Meride in der Schweiz, Kanton Tessin / 
8 Kurfürst Johann Georg 1571—1598. 3 o 

4 Herzog Johannes der Altere 1544 — 15S0. 

5 Herzog Adolf I. 1544—1586. 

6 Kieler Kirchenregister 15JJ Hds. f. jfc> s. v. hevinge der klocken : 
Leneke Hildcbrandes 1 puls: 4 3. 

7 Mai 12. 3 5 
8 /// der Faulstrasse: Kieler Schossregister 1576—1579 //ds.f.j*', 



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I. 85-86] 



^573 



41 



lodern* hat einer, Nahmens Hinrich Schiring, in der 85 
Burgstraße (in dem itzigen Theebrenner-Hause) 3 wonhafft, seinen 
eigenen Bruder vom Leben zum Tode gebracht. Dieser Schiring 
ist nachgehends auf Fürbitte unsers gnädigsten Landsfiirsten 
5 und Herrn 1 wieder in die Stadt, daraus er einige Zeit flüchtig 
gewesen, aufgenommen worden. Er hat aber dabei sich ver- 
pflichtet, daß aus seinem Hause 5 der Kirchen S. Nicolai jährlich 
3 y Lüb. ewiger Rente solten bezahlet und aus solchem Hause 
nimmer ausgelöset werden. Dem zur Gedächtnis ist geordnet 
io worden, daß *täglich des Abends und Morgens" die Bet-K locke 
so u e geschlagen werden. 

7 Anno 1573. Jochim vom Hagen, Erbgeseßen uf Nübel 80 

12. Randglosse in a fiag. J . Xide Epit. Nobil. Coronaci fol. 2, casus 1. 
uf : auf a. 

»5 1 Kielet- Rechenschafts- Kirchenregister /J7S. JMs> f 4 r Nachdeme 

Hinrick Schirinck leider sinen broder vam levende thom dode gebracht 
unnd dorch furbittc unsers g. f. und hern und ander tramer lüde mehr 
vam erbarn rade wedder in de Stadt genamen und uth sunderlicher siner 
gelegcnheit na bewegung jarlichs ehme tho 3 \ ewige renthe gelathen, de 

ao he der kercken in sin huß tho schriven (und nicht uth tho losen) vor- 
williget, deß thor dechtenisse schall de bedcklockc idertidt des morgens 
und avendes geschlagen werden. Vgl. Kieler Kirchenregister /J7J. H<ls- 
f. 8v-qr ; Neues Kirchenbuch etc. Heis. f. 6. 

* Veltheim S. 2/8 irrig z. J. 1572. 8 Zusatz Bremers. Theebrenner 

25 Joh. Hinrich //artmann in der Schlosstrasse : Kieler Schossbuch /72s Hds.p. ijj. 

4 //erzog Adolf I. 6 Es war seit IJJ7 in Schirings Besitz : Kieler 
Erbebuch nr. 173g, igSj. 

6 Des Mittags wurde die Betglocke seit /Jig geläutet, dafür stifteten 
damals Jacob Wolder umt seine Erat/ Anne vier Mark jährliche noige Rente 

30 aus ihrem /lause by dem markede up der hartstraten orde belegen : Zweites 
Kieler Rentebuch 1487 — ij86 (Kieler Universitätsbibliothek S. II. J2js), 
//ds. f. 41?' ; Schwarze- Echse S. 74 75. Die Glocke wurde nicht erst 151g 
gestiftet, wie Volbehr, Topographie S. 10 1 u. rj8, irrig annimmt,- sie -war 
vor der Schenkung bereits vorhanden. IVotder und seine Erau haben nur 

35 für das /Muten der Glocke zur Mittagsstunde die ewige Rente festgesetzt : tho 
deme klockenslage, den inen tho XII hören daghelykes unde ewich slan 
schal myt der grotesten klocken, tto balde de szegerklocke hefft XII slagen. 

7 Coronaens Petersen S. II. 146 p. j nr. 1 übereinstimmend mit //ds. a. 
Coronaeus Petersen- Wilhclmi S. II. 147 p. / nr. I. Cin onaeus- Petersen Xoodt 

40 S. //. 148 p. j/. Ciaeden, Monumenta E/ensburgensia //, gi Anm. 



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42 



1573— »574 



[I, 86-88 



im Hertzogthum Schleswig 1 , hat am stillen Freytage 8 unter der 
Predigt mit seinen Hunden am saltzen Waßer gejaget, da sic h 
dan der Teuffcl in Hasengcstalt hat jagen laßen, lind wie 
dieser Hase über einen großen Stein 3 , worin noch heutiges 
Tages die Fußtapfen zu sehen seyn sollen, gesprungen, haben s 
sich die Windhunde am selbigen Stein den Halß zerbrochen. 
Nach dem hat sich der Hase wieder gewendet und ist wieder 
über selbigen Stein gesprungen und, als der Junker mit seinem 
Pferde ihn eifrich verfolget, hat er sich samt dem Pferde an solchem 
Stein gleichergestalt den Hals zerbrochen 4 . i» 

Anno 1574 in der Nacht vor dem Sonabend 5 nach Con- 
versionis Pauli haben etliche vom Adel in der Stadt Kiel einen 
großen Tumult angerichtet, denen Kramern ihre Wahren ver- 
dorben, zerhauen und verworffen, einem fremden Man von 
Lübeck viele Wunden zugefüget und unter andern eine im Rücken, »s 
welche mit 9 Hefften verbunden worden. In Zielke Mahlers 
Hauß sind sie mit Gewalt durch die Fenster eingestiegen und 
haben im Hause allen Muhtwillen verübet. 

Eodem ist einer, Nahmens Michel Berk, ein Bürger zu 
Kißleben, welcher nebst etlichen andern seinen Mitgesellen im 30 
Johannismarkt alhir vielen guten Leuten *mit ihrem Spielen und *p.j6 
Spitzbuberei ihr Geld abgenommen und durch Betrigcrei die- 
selbe um das ihrige gebracht, darüber ins Gefängnis gerahten, 
aber endlich auf vieler guten Leute Vorbitte nach getahner 
eydlicher Urphede wieder frey gelaßen worden. 35 

4. worin : worinnen a. 7. Nach dem : Nochmahln n pag. 4. g. sol- 
chem : sothanen <». 10, a schlicsst : V itie Kpitaph/Vi NiÄ« fol. mihi 
a, [casus] 1. 

1 Joachim von Ilagen: Neues Staatsbürgerl. Magazin 111,74; VI, 
208 ; Zeitschr. d. Ges. f. d. Gesch. d. Herzogt. Sehl. Holst. Lauenb. IV, 1S4, /Qj. 30 
Ober die Familie von Hagen auf Xübel im lamtkreis Flensburg siehe Clat'den, 
Monumenta II, 90-9/ und Schröder, Topographie d. Herzogtums Schtencig 
II,/ij. Statt Jochim haben die Noodt- Handschriften falsch: Johann. 

" Charfreitag, März 20. 

8 Noodt fügt hinzu: welcher hinter Hnttelundt in Angeln lieget. 35 
Das »saltze Waßer«, an dem die Jagd statt fand, toar also nicht die Kieler, 
sondern die Flensburger Bucht. 

4 Die Frziihlung in der Hds. Wilhelm! wird zum Schluss durch eine 
nicht viel spätere Hand glossiert : (vix credo). 5 Jan. jo. 



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■ 



I>89-9o] I574 _ 157 6 43 

Anno 1574 den 5ten Septembr., an einem Sontage, haben 89 
etliche Beutler-, Schneider- und Gläsergesellen in einem Hause 
hieselbst mit einander gezechet. Als aber einige darüber in 
Zanck und Streit gerahten, ist einer unter ihnen im Scharmützel 
5 so unglücklich durch den Hals gestochen, daß er in kurtzer 
Zeit darauf verschieden. Man hat zwar einem Beutlergesellen, 
Nahmens Wilhelm von Palborn 1 (sonsten von Paderborn genant), 
diese Taht beymessen wollen, welcher auch sofort auf Anklage 
Bertold Brammers 2 gefänglich eingezogen worden, und hat dieser 
10 nebst den übrigen Gesellen, so in der Zeche mit gewesen, an 
der Zahl 12 Personen, den 9. Septembr., als beim gehegten 
Fahrrecht, einer nach dem andern die Hände auf den todten 
Cörper legen müßen. Als aber keine gewiße Anzeigungen dieser 
Taht halber sich mercken laßen, ist auch endlich der Gefangene 
15 von Polborn nach geleisteter Urphede wieder loß gelaßen worden. 

Anno 1576 im Sommer kurtz vor der Erndte hatte ein 90 
Baursman, Nahmens Michel Kmeke, zu Röperstörf 3 ohnweit Laboy 
*P J7 wohnhaflftig, einige seiner Nachbaren und *Bekanten gebeten, 
ihm sein Holtz mit einführen zu helffen. Als solches geschehen 
ao und dise Leute nun bei dem Michel Kmeken etwas getrunken, 
sind etliche darüber, als Jochim Lage, Baurvogt zu Röperstörp, 
und deßen Stiefsohn Jochim Puhk an einem und Jürgen Schütte 
am andern Theil, wegen deßen, daß einer dem andern, so ge- 
schlaffen, seinen Schnuptuch solle weggenommen haben, in Wort- 
es gezanck und Streit gerahten. Sie gehen also aus dem Hause, 
und zwar der Jochim Lage mit einem Stein in der einen und 
bloßem Meßer in der andern Hand, auf Jürgen Schütten zu, 
wirflft demselben zuerst mit dem Stein in den Nacken und will 
also mit dem Meßer weiter zu ihm eindringen, er wird aber 
3° von Jürgen Schütten mit einem Pook in der linken Brust ge- 
stochen, daß er zur Krden gesunken. Deßen Stiefsohn Jochim 

1 In der Fischerstrasse: Kieler Schossre« ister 1J76—1S79 I/ds. /. 9 7 ', 
40*', bq*. 

% In der Flämischen Strasse: a. a. Ü.f 4^', yiv ; Hausbesitzer- 
35 liste IJ7J nr. 161. 

8 Identisch mit Röbsdorf, Kirchspiel Propsteierhagen ? 



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1576— 1577 



[I, 90-91 



Puhk, solches sehende, will den Schütten mit einem Spieße 
verfolgen und erschlagen. Als aber der Schlag fehl gehet, wird 
er ebenfalls von Jürgen Schütten durch den Hals dergestalt 
verwundet, daß er alsobald auf der Stelle gestorben. Sein Stief- 
sohn aber hat noch biß den dritten Tag gelebet. Diese bede, 5 
nemlich Jochim Puhk und Jürgen Schütt, sind damahls von 
einem Alter als 16 Jahren gewesen. 

Nach Verlauf etwa 10 Jahren ist der Thäter in Kiel zu 
gefänglicher Haft gebracht und nach Verhör der Sachen ge- 
richtlich erkant worden : daß des Gefangenen ^Begehren (welches 10 
war, daß er auf dem Markt hieselbst wolte enthaubtet und auf 
dem heyligen Geist Kirchhofe begraben werden) abzuschlagen, 
sondern der Mißthäter sein Recht der Enthaubtung auf dem 
Köpken berge 1 ausstehen und sein Grab auf S. Jürgens Kirch- 
hofe haben solle. 15 

Anno 1577 im Umschlage sind 2 Betlerjungens wegen 
verübter Diebereyen zu dem hiesigen Frohnen Hans Schlömern 
in die Büttelei gebracht worden. Der jüngste, Nahmens Hinrich 
Schulte, Carsten Marcke Schulten aus Hamburg Sohn, der ander, 
Klaus Mürman, deßen Vater Evert und die Mutter Margreta *° 
geheißen und zu Rostock gewohnet. Dieser* hat unter andern 
vielen hin und wieder verübten Diebereyen und Untahten auch 
bekennet, daß, wie er zunebst noch einen andern Cameraden, 
Nahmens Marten, im vergangenen Sommer um die Erndtezeit 
nach Bremen gehen wollen,' weren sie zwischen Stade und Förde 3 -s 
an einen Kaufgesellen gerahten, welcher sie gebeten, weil er 
albcreit etwas müde were, sie möchten ihm sein Zeug und Wahren 
ein wenig mittragen helffen, er wolte ihnen gut Biergeld dafürgeben. 
Als sie sich aber deßen gewegert, weren sie darüber in Streit 
gerahten und hette sein Camerad Marten seinen Book ausgezogen 30 
und den Kaufgesellen in die Herzgrube, er selbst aber, Klauß, 

1 Anderer Name für den Gailenberg beim kleinen Galgenteich, Auf 
dem Ilomannschen Plan mit nr. 26 vfustitz* bezeichnet. Heute siml der 
grosse und der kleine Galgenteich zugeschüttet , an die frühere Localitiit er- 
innert nur noch die ^Strasse am Galgenteich «. 35 

* Klaus Mürman. 8 Verden a. d. Aller. 



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I»9i] 1577 45 

hette ihn mit seinem Meßer in die Kniewade gestochen und 
*f S9 also vom I^ben zum Tode gebracht. *Sie hetten 5 Thaler 
bei ihm gefunden. Den todten Leichnam hetten sie in das 
Holtz geschleppet und in eine Grube mit Waßer geworffen, 

5 den Mantel hette Marten mit sich genommen. Sie hetten sich 
darauf vom Wege ab nach Buxtehude gewendet. Als sie nun 
unterwegens eine Magd angetroffen, hetten sie dieselbe zu ihrer 
Unzucht überwältigen wollen, weil sich aber das Mensch bestens 
gewehret und ihnen ihr Vorhaben nicht gelingen wollen, hetten 

10 sie die Magd mit ihren Strümpf bändern gebunden, darauf einen 
Dornbusch geschnitten und sie dergestalt damit gesteupet, daß 
ihr die Dornen in den Lenden weren stecken gebliben. Kr 
hat ferner bekant, daß, ob ihm zwar offt sein kranker und un- 
reiner Kopf von guter Leuten hette gereiniget werden können, 

15 er dennoch nie solches nimmer zulaßen wollen, zumahl er sonst 
kein Geld mehr hette betteln können. 
V- 65 *Auch hat obig erwehnter Klaus Mürman sich einsmahls 

bey einem Bürger zu Hamburg, Nahmens Andres Rave, auf 
der Kaye 1 wohnend, in Dienst begeben. Als es sich nun 

20 wehrenden Dienstes zugetragen, daß er mit seinem Bruder zu 
Itzehoe, Eimeshorn und daherüm etwas Geld einzumahnen ge- 
habt, ausgefahren, hat er vorhero mit einem andern Kröpel* 
Severin Gramm (welcher eben itzo 3 alhir im Kiel auch gefangen) 
*/• 66 abgeredet gehabt, wie sie *am besten des Geldes sich bemechtigen 

25 könten. Nach genommener Abrede begibt sich der alte Kröpel 
Severin nebst seinem Sohn Melchern voran auf den Weg. Als 
nun Claus Mürman mit seinem Herrn und Frauen von weitem 
zu fahren kommt, fällt (oder wirfft sich vielmehr) der alte Severin 
im Gesichte des hintenan fahrenden Wagens auf jenseit Elmes- 

30 horn von seinem Pferde und bleibt also liegen, bis der Wagen 
herankommt. Andres Rave steigt vom Wagen, disem Krüppel 
auf sein flehentliches Bitten wieder aufs Pferd zu helffen. Es 
ergreift aber sobald des Krüppels Sohn eine Keule und will den 

S. überwältigen: überwältigen A. 23. so. 
35 » Quai. * Krüppel. 

5 Bezieht sich nicht auf die Zeit Breiners, sondern auf 



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4<i - 1577 [1,91-92 

Raven damit rücklings in den Nacken schlagen. Dieses merket 
des Raven Frau und rufft bey Zeiten, darüber das abgeredte 
Unglück verhütet worden. 

Diser Klaus Mürmann ist in Betracht seiner jugendlichen 
Jahre mit dem Schwerte gerichtet, der Leichnam begraben, 5 
das Haubt auf einem Pfahl genagelt, mit einem Strick an den 
Galgen, so oben auf gebauet, angehenket worden Dingstages 1 
nach Conversionis Pauli. 

Am selbigen Tage ist auch der Kröpel Severin Gramm 
von Sünderup, 4 Meil auf dißeit Ahlborg 2 bürtig, wegen deßen, 10 
was Klaus Mürman von ihm ausgesaget, welches alles er selbst 
nebst noch andern Übeltahten mehr zugestanden, mit dem Strange 
vom Leben zum Tode gerichtet worden. *Dieser Severin hatte */• 67 
auch bekant, daß er mit Fleiß von seinem Pferde herunter ge- 
fallen und in dem Wege gelegen, auf daß, wan der Kaufman 15 
ihm die Hand reichen würde, ihn wieder auf zu helfen, er 
denselben desto füglicher erstechen und ihm das Seinige abnehmen 
könte. 

92 Anno 1577 zur selbigen Zeit ist noch ein ander Pracher 3 

und Mißthäter, Nahmens Jochim Schwarte, aus Rostock bürtig, 20 
wegen seiner verstehen Krankheiten, begangenen vielfältigen 
Diebereyen und Mordthaten abgestraffet worden. Dieser hatte 
unter andern Unthaten auch selbdritte Anno 1575 zwischen 
Lüneburg und Öltzen 1 einen Schneidergesellen umgebracht, bey 
welchem er nur einen Gülden gefunden ; 2) einem Taffeiet- 25 
kramer 5 seine Wahren unterweges abgenommen und ihn nach 
vielen harten Schlägen liegen laßen ; 3) ihrer fünfe zwischen 
Rostock und der Ribbenitzer 6 Heyde einen Man aus Sachsen, 
Curd Henrich genant, bey seinem eigenen Gürtel an einem 
Baum gehenket, bey dem sie 21 ^ gefunden ; 4) er selbander 30 
einen Körsner gemordet, dem sie 19 ^ abgenommen aus Ur- 
sachen, weil sie keine Hände noch Füße 7 hetten eßen können; 

2t. vielfältigen: vielfältigen.!. 
1 Jan. 2g. * Aalborg in Jütland. 8 Bettler. 4 Uelzen, Rgbz. 
Lüneburg. 6 Tabuletkriimer. 8 Ribnitz, Landgericht Rostock. 35 
7 J ronische Redewendung zur Bezeichnung gänzlichen Nahrungsmangels. 



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I, 92-95] 



1577 



47 



5) er nebst andern ein Hauß binnen Ruhwolde 1 angestecket; 

6) auch einen Knecht umgebracht, bey dem sie nur ein paar 
•/ .68 Thaler gefunden; *7) auch einen Schuhknecht vor 2 Jahren er- 
mordet, der nur i 1 /* Thaler an Oelde bei sich gehabt, dieses 

5 samt seinem Mantel und Gewehr hatten sie ihm abgenommen 
und den Leichnam im Holtze liegen laßen etc. 

Extract der Urthel : 
Dat Jochim Schwarte mit dem rade von baven dal an 
allen sinen lehtmaten gestött und geradbraket, strax up en rat 

io gelecht und ein galgen baven dem licham gebuwet, ok so vele 
morde und brand, als he began und began helpen, so veele 
knüppele an dat rat gehenget werden schall, up dat dem rechten 
ein genügen geschehe und he et nicht mehr dohe, andern tom 
afschu und tom exempel. 

x s Anno 1577 den 26. Jan. ist gleichfals einer, Nahmens 93 

Hans von Sandershusen 2 , wegen einiger Leinwand- und Gänse- 
diebereyen durch Urtel und Recht zum Strange verurtheilet worden. 

Kodein Anno am Donnerstage 3 nach der Himmelfahrt in 94 
der Nacht üm 1 1 Uhren ist einer, mit Nahmen Peter von der 

20 Osten, bei dem erbaren und ehrnvesten Jochim Blohmen 4 dienend, 
von David Tohmschlägers 5 , Bürgers dieser Stadt Kiel, seinem 
Knechte, Claus Witte geheißen, in dem hiesigen Rahtskeller 
jämmerlich erstochen. Der Thäter ist zwar flüchtig, jedoch am 
nechsten Sonabend' 5 altem Gebrauch nach friedeloß gemacht 

25 worden. 

*p.6g *Eodem Anno am Sontage 7 nach Luden in der Nacht 95 

1 Schwerlich Ru/noalde im Kreis Osterode, Rgbz. Königsberg. 
a Sandershausen, Rgbz. Kassel. 
8 Mai 23. 

30 4 Siehe v. Stemann, Urk. Beiträge s. Gesch. d. //erzogt. Schlerwig u. 

Holstein S. 20-21. 

6 /n der Holslenstrasse : Kieler Schossregister ijy6 — 7579 //ds. f. 2 r , 
33 r , 6jr. JjSy hat er auch Häuser in der Vorstadt ausserhalb des Holsten- 
thors, da er mit David Postfeld edder Tomsleger identisch ist: Kieler 
35 Erbebuch nr. 2003, 2013. 
6 Mai 23. 
' Dez. 13. 



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48 1577 [1.95-96 

ist einer, mit Nahmen Hans Frese 1 , ein Fischer, von einem 
andern Fischer, Hans Howenstein genant, in I,afrens Wolden 
Behausung gar jämmerlich erstochen und vom Leben zum Tode 
gebracht worden. Und weil der Thäter sich davon gemacht, 
ist derselbe am nechsten Dingstage*, wie gewöhnlich, verfestet 5 
und frideloß gelegt worden. 
90 3 Noch ist in demselbigen Jahr in Kiel ein großer schel- 

mischer Bube 1 gewesen, der von einem zum andern gangen und 
fast der Almosen gelebet. Dieweil demselben nun bekant, wie 
groß Geld in der Garbekammer oder Sacristey der Kirchen zum 10 
Kiel enthalten wurde (denn es hatten Herr Otto 5 Rantzow zu 
Rantzow und Hans' 5 Rantzow zu Kskelsmark, Gevettere, einer 
gewißen Streitigkeit 7 halber etliche Laden mit Geld dahin de- 
ponirt gehabt, worinnen 4587 $ 8 ji gewesen), gehet er gen 

1 Bis 1373 in der Dänischen Strasse: Kieler Hebungsregister ijöj— 15 
1376 Hds. f. tjv z. J. 1363 ; Erbebuch nr. 1989. a Dez. 17. 

3 Wie aus S. 30 > hervorgeht, hatte Bremer zwei Vorlagen zur Ver- 
fügung. Ob und wieweit er das Kieler Kirchenregister v. J. 1377 benutzt 
hat, lässt sich nicht feststellen, da gerade dieser Jahrgang im Kirchenarchive 
St. Nicolai fehlt. Im vorhandenen Rechenschafts- Kirchenregister für 1377 20 
findet sich nichts Einschlägiges. Einige Erläuterungen zu dem von Bremer 
Erzählten bietet jedoch die Supplik, "welche 1377 Juni 17 Bürgermeister und 
Rat an den //erzog . Idol/ richteten (Schlesinger Staatsarchiv A XX nr. 284g). 
Die Absendung der Supplik (siehe diese in der Beilage) geschah nach Er- 
greifung des Diebes, aber noch vor Einleitung des gerichtlichen Prozesses. 25 

4 Namem Jacob Steinkopf: siehe weiter. 

5 Sohn des //ans Rantzau : Zeitschr. d. Ges. f. d. Gesch. d. Herz. 
Schi, /folst. Lauenb. //, rjj. 

8 Sohn des //einrieb Rantzau. Die Supplik des Kieler Rats nennt 
ihn zu SackstorrfT Erbgesessen. Escheismark hatte //ans von seinem Vater 3° 
geerbt, Saxtorf erhielt er von seiner Erau Margarete, Tochter des Marquard 
von Ahlefeld: Zeitschr. //, /J2. /n Kiel war Hans in der Holsten Strasse 
ansässig. 

1 Otto und Hans hatten Umschlag 1377 ihren Vettern, den Gebrüdern 
//einrieb Rantzau zu Schmool und //ans Rantzau zu Hasselburg (über diese 35 
Sohne des Jasper Rantzau siehe Zeitschr. //, 128-129), wegen aufgerichteten 
Erl>vertrages betreffs des Stammgutes Neuhaus die oben genannte Summe an- 
geboten und sie, da die Annahme verweigert wurde, in der Kieler Nicolai- 
kirche deponiert. 



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'577 



49 



Preetz und kauflft aldar von einem Maurer einen Hammer, 
kommt wieder gen Kiel, last sich in der Kirchen beschließen, 
bricht mit disem Hammer das Gewölbe durch, machet von 
Stricken eine Leiter, damit er hinunter und wieder hinauf steigen 

5 könte, bricht die Kasten und Laden auf, nimmt ein groß Geld, 
trägt es aufs Gewölbe und verscharret es aldar im Sande, solches 
*P7° über etliche Jahr nachzuholen, nimt auch ein gut Theil 1 *mit 
sich hinweg und ziehet davon nach Böhmen 2 zu seinen Freunden. 
Als nun diser große Diebstall kundbar worden, ist auf viele 

io ehrliche Leute Argwohn gefallen, und ließ sich der Handel 
eine Zeit lang wunderlich ansehen, biß man endlich erfahren, 
daß diser Lediggänger den Hammer in Preetz gekauft, auch 
wer ihn mit dem Geldc weg geführet hette. Darauf ist diesem 
Diebe, Nahmens Jacob Steinkopf, nicht allein durch Steckbrife 3 , 

15 sondern auch durch gewiße Abgeordnete 4 fleißig und mit großen 
Kosten nachgesezet worden, wie es den Gott also geschicket, 
daß er sich von einer Herberge zu der andern vernehmen 
laßen, wo er Nachtlager halten wolte. Dem sie also nachge- 
spühret, biß sie 5 ihn am Böhmischen Walde 6 zu Landsberg an 

20 der Warthe auf seiner Schwester Bette angetroffen. Da 7 haben 

' Der Dieb öffnete eimn der Geldbeutel und nahm daraus, swiel er 
tragen konnte, die übrigen Beutel verscharrte er an verschiedenen Stellen im 
»Steingrueß« . t Siehe Note 6. 

* Der A'al meldete den Diebstahl an alle benachbarten Städte, mit der 
25 Bitte, dem Diebe nachzuforschen. 

4 Ks wurden zwei Katsmitglieder abgeschickt, der eine in Richtung 
Segeberg, der andere in Richtung Lübeck, Wismar, Rostock. 

h Nach der Supplik des Rates kam nur der eine der Beiden, Tymme 
Wriett, dem Diebe auf die rechte Spur. Timme Wriet (Writ, Writh, Writt, 
3 o Wrydt), nach Bremer IJ7J — /6oo Ratsmitglied, war in der Schuhmacher- 
Strasse ansässig: Kieler Erbebuch nr. jgoS, 6g, 75, 200g, //, /j ; Hebungs- 
register fj6j—'J76 Hds. f. so* z. J. rj6j, Hausbesitzerliste 1575 nr. iSj, 
Schossregister 1576— 1579 H< is - /■ * 2V > 44" > 73 r > 

6 Die Supplik weiss nichts von dieser eigenartigen geographischen Be- 
35 Stimmung der Lage Landsbergs. Ob die Unkenntnis der Geographie erst 
Bremer zur Last zu legen ist oder schon in seinen Quellen sich fand, kann 
bei dem Fehlen der letzteren nicht entschieden werden. 

1 In Landsberg. Dort wurde Steinkopf ins Gefängnis gebracht und 
später hingerichtet. 



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50 



»577—1578 



[I, 96-97 



sie ihn gefänglich einziehen und nach gemachten Proceß an 
den Galgen hencken (alibi stehet: aufs Rad legen) lassen. Das 
vorgefundene und annoch unverzehrte (leid 1 haben sie mit sich 
nach Kiel genommen 2 , auch das Übrige, so er im Sande ver- 
scharret gehabt, wieder herausgenommen und in Sicherheit gebracht. 5 
97 * s Anno 1578 am Dings- [**Anno 1578 am Dienstage im **p. 4 
*P-74 tage im Fastlabend 4 , war Fastlabend, warder 11. Febr., haben 
der 11. Febr., haben et- etliche Bootsleute von Ihro Fürstl. 
liehe Bohtsleute von Ihr Gnaden Schiff, welche in Marx Cordes 
Fürstl. Gnaden Schi ff, nach- oder Beckers, eines Bürgers, Hause 0 *° 

Colonnv rechts, llds. a : 6. Randglosse : \'itte im Convolut sub signo in 
Curia. 

l JJo '/'haier. 

* Diese Angabc Brauers widerspricht der Darstellung in der Supplik. 
Nach letzterer nahmen die Inden das Geld nicht mit, sondern dieses wurde 15 
7'om Gerichte zu Landsberg in Vcnvahrung genommen. Gerade um dieses 
Geld herauszubekommen , wandte sich der Kieler Rat am 17. Juni an den 
Herzog Adolf um Fürbitte bei dem Kurfürsten von Brandenburg. — Zur 
Wahrung der Kieler Interessen und zur Einleitung des gerichtlichen Prozesses 
gegen den Dieb wurde 1377 Juni 23 Timme Writ von neuem nach Lands- 20 
fo''£ geschickt. Die Kosten für die Reisezehrung und für ein Geschenk an 
den Rat zu Landsberg verzeichnet das Kieler Schossregister 1376—1379 /Ms. 
z - 7- '577 /■ 2**': Item dingstages nach Johannis Baptistae anno etc. 77 
Timmen Writ thor therung mittgeven, nha I, anusberge dem kerckendeve 
nathojagen, 12 \ \ f. 27' -. Item eth hebben ein rath thwe dröge, elfF laße «s 
von Hamburg bringen lathen, desulven thor vorehrung na Lantsberg Timmen 
Writh mittgedhaen, hievor gegeven 6 daler; item thor terung mittgedahen 
iS \\ ibidem z. J. 1379 /• SS^ : Item bemeltem Jürgen Timinen, davor datt 
he hiebevorne synen klepper nach Lübeck uthgedhaen, alß dem kercken- 
deve nagejaget, gegeven 2 \. Ob der letzte Posten für die Ausleihung eines 3° 
Pferdes nach Lübeck sich auf die erste oder zweite Reise bezieht, bleibt zweifel- 
haft. Jurge Timme in der Schuhmacher Strasse ist nach Premer 1,573 - 1380 
Mitglied des Rats, vgl. Kieler Schossregister 137h — 1379 /Ms. f. 44 v , 
7J 7 '. Kr dürfte der andere zur Erforschung des Diebes ausgesandte Rats- 
mann gC7cesen sein. 35 

3 Die hier von Premer benutzten Akten des Convo/uts £ sind im 
Schleswiger Staatsarchiv P XVI 6 nr. 1 erhalten. Siehe die Beilagen. 

4 Mit Eastelabend werden die Tage vom Donnerstag vor bis Dienstag 
flach Estomihi bezeichnet. , « 

•'' Auf der linken Seite der Holstenstrasse, heute nr. 7. Dort wird 4© 



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1.97] 1 57 8 51 

dem sie in Marx Cordes (itzo Abrah. Petersen 1 Hauß) eine 

oder Herkers Hause in der Tonne Biers aufgeleget und den- 

Holstenstraße eine Tonne selben Tag ausgetrunken gehabt, bey 

Hier aufgelegt und ausge- spähter Abendszeit hin und wieder 

5 trunken gehabt, bey spähter in den (Saßen und insonderheit auf 

Abendzeit in den (iaßen dem Marckt vor Anna Telemans Thür 

hin und wieder, insonder- einen großen I.erm und Tumult er- 

heitaufdemMarkt vorAnna reget. Valentin Suhme, Rahtman (wel- 

Telemans* Thür (wo itzo eher oben in der Flemschen Straßen, 

iü Herr Michel Hinr. Scriver 3 in dem andern Hause von oben, 

wohnet) einen großen I.erm gewohnet), nachdem er seinen Schwa- 

Cobmnc link», Hds. A: J. Tonne />>-//< /////// ~.fid> rkolt, j. r.pahter. 
Colon nr t i\/tts , Hds.a l. itzo Maut» am Randf ting/ngt. ö. Rand- 
glosse : alwo itzo Michel Hinr. Scriver wohnet. «V. Randglosse . \'al. 
15 Suhm in Jüigcii Uucken Hau>e in der Flein/.»« hi n Straße. 

Marcus Cordes /// der Hausbesilzcrlistc /jfj nr. 4 und im Kieler Schoss- 
register /J76 — 7579 Hds. f. 2 r ,js y ,^4 r aufgeführt. Sein Beiname Becker 
rührt von seinem Kernte her, er war hu, leer: A'ie/er Erbebuch nr. 201t 
(Mareks Cordes). 

20 1 Kieler Schossbuch 1694 Hds. />. S>6. 

■ Das Haus Eeke Markt und Hassstrasse, heute Markt nr. 10, früher 
Jacop Wolder (siehe oben S. 41 Xotc fr) um/ Hans Vos gehörig, ging JS57 
in den Besitz des Hinryk Telleman über: Kieler Erbebuch nr. 1861. Aach 
'S7S Mörz 17 kaufte Hinrich Tcllcman de olde vom Rate zwei Huden am 

25 Markt: Erbebuch nr. IQ87. im Laufe des Jahres 1376 starb er. /his 
Kieler Schossregister IJ76—IS79> IMs. f. S r s. J. 157b, nennt noch den 
alten Hinrich Tcllcman als Schosszahler, dagegen f //*' zahlt bereits Anna 
Tellinans seligen Minrichs fruw den Sehoss von den Huden am Markt. Vom 
Jahre IS77 ab figuriert dann Hinrich Tellcinans nagelalene wedewehe, 

3° withwehe Anneke als Besitzerin des Hauses Ecke Markt und /fassstrasse : 
ibidem f.jS*', 6yv. Mit der 1 'bernahme des Hauses durch die Erben scheint 
auch der Neubau des mit der Jahreszahl rjyfr versehenen, durch Schnitzver- 
zierung und /nschrifleu ausgezeichneten Hinterhauses ( Eront in der Hass- 
strassc) in Verbindung zu stehe'/. .Vach alledem ist es unmöglich, ,lass, wie 

3"> Volbehr: Topographie S. ijS augiebt. Anneke Tclcman bereits zum Ge- 

dächtnis ihres verstorbene// Mannes ein grosses Gemälde, Pas /üngste Gericht« , 
in die A'icolaikirche stiftete. .Vach S, liwarze -Echse S. qi trägt überdies das 
betreffende Gemälde die Jahreszahl iftoS i///d ist eine Sfi/'f://.\' des A'afsmit- 
gliedes //aus Clausen, ein zToeites gleichartiges Gemälde ( Sclroarze- Echse S. 

40 S7) war ohne Jahreszahl. 

3 Kieler Schossbuch Hds. />. 107. 



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52 



157« 



[I. 97 



und Tumult erreget. Valen- ger Ameling von **Lengerken und ••/»•J 
tin Suhm, Rahtman 1 , won- Anthunium Blankebilen Organisten, 
haflftig in der Flamschen welche er eben des Abends bey sich 
Straßen 2 , (wo itzo der zur Mahlzeit gehabt, durch seine beede 
Barbirer Wentzel wohnet), Jungens mit Leuchten nach ihre Häuser 5 
nachdemerseinenSchwager bringen laßen, und siehet, daß der 
Ameling von Lengerken :l eine Jung gantz bestürtzt wieder zu 
und Anthon Blankebylen Hause kömmt und nur den Ring von 
Organisten" 1 , die er eben des der I suchten samt dem obersten Deckel 
Abends bei sich zur Mahl- am Arme trügt. Weil die Leuchte 10 
zeit gehabt, durch seine schon zerschlagen, tritt er vor der 
bede Jungens nach Hause Thür und höret ein erbärmlich Ruffen 
leuchtenlaßen und gesehen, und Schreyen aufm Marckt vor seiner 
daß der eine Junge gantz Schwigermutter AnnaTelemans Hause, 
bestürtzt wieder zu Hause woselbst Franz Nyhuß, ein Lübscher, »5 

Colonne links, l/ds. A : 4-3. Die Klammern fehlen. 

Colottnc rechts, Hds. n : 2. Randglosse : Blankebyl hat in des itzigen Can- 
toris Wohnung in der Haßstraüc gewohnt. 6. und siehet : so. 

1 Nach Bremer Mitglied des Rats 1575 — 16*4, zuletzt als Bürgermeister. 

5 //// zweiten Hause auf der linken Seite der Flämischen Strasse, heute 20 
///•. j: Kieler Ifebungsregister 1563—1576, ffds. f. t8 r ; ffausbesitzerliste 
'575 »*'> '34,' Schossregister 1576— '579, Hds. f. 10*', 42*-, 7 f. 1694 
gehörte das ff aus Jürgen Buck : Kieler Schossbuch 1694 ffds. p. IJ4 ; 1725 
dem Katsbarbier Johann Philip Wentzell, der als Afitglied des XVfer Kol- 
legiums schossfrei wohnte: Schossbuch 1725 ffds. p. 147. 25 

a Auch Ameling von Lengerhen war damals bereits Ratsmitglied, nach 
Bremer 1575 — 161 S. Sein Haus lag auf der linken Seite der ffolstenstrasse, 
heute nr.j: ffausbesitzerliste 1575 nr. 2, Kieler Schossregister 1576—1579 
ffds. f. 2 r , J5 r , (>4 r . Ein Schwager des Valentin Suhm war er insofern, 
als Ameling wie Suhm Töchter der Anna Teleman zu, Frauen hatten. Ein 30 
dritter Schwiegersohn der Teleman war 15S7 Claus Holste: Kieler Erbebuch 
nr. 2014. 

4 Kieler Schossregister 1576 — 157g, ffds. f. 6* z. J. 1576 s. v. 
I lastrate: Sivertt Keventhlouw, bewohnet itz der organiste, f. jS*', 67^. 
Vgl. Kieler Kirchenregister 1578 ffds. p. 194 s. v. Uthgave thor kercken : 35 
vor Siverl Reventlouwen hus tho wachtgeUle geven, dnr Anthont Plankbil 
de orginiste dinne wanet, 5 ,3. Im Erbebuch nr. 201S, 2023, 2025 erscheint 
Blanckebeil (Blanckbeil) 1601 —1602 als Zeuge und Bevollmächtigter. 1723 
wohnte in dem Hause der Cantor Petrus Wieghorst : Schossbuch 1725 Hds.p. ///. 



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1,97] 1578 53 

komt und nur den Ring der auch selben Abends in Ciriacus 

von der Leuchte samt dem Harkamps Hause 1 (wo die itzige alte 

obersten Deckel an dem Apothek ist) gewesen und nun wieder 

«y>. 7j Arm träget, *auch das Ge- nach seiner Herberge bey Carsten Tele- 

5 schrei und Tumult vor seiner man 2 gehen wollen, an diese Botsleute 

SchwiegermutterHause ver- geräht, welchen er einen guten Abend 

nommen, gehet er dahin wünschet. Sie aber dringen zu ihm 

und siehet, daß Frantz ein und schlagen ihn zur Erden mit 

Nyhuß von Lübeck mit disen Worten : Schlagt todt, schlagt 

io disen Bohtsleuten in Un- todt! Das ist auch der **Schelmen **p.6 

gelegenheit gerahten. Kr einer! , geben ihm etliche Streiche, 

wird aber auch selber von die andern aber schreyen: Dem 

ihnen mitBeilen,Schwertern Jungen ock wat, dem Jungen ock 

und andern Wehren über- wat!«. Diser aber, Nahmens Klaus 

15 fallen, daß er sich zurück Holste 3 , laufft darvon, und indem sie 

übers Markt nach dem ihn verfolgen, wird sein Herr in 

Schwybogen am Kirchhofe Anna Telemans Hauß eingelaßen, 

begeben muß. Wie er daß er also größerm Übel entkommen, 

nun daselbst üm Hülfe und Valentin Suhm gehet endlich aufs 

so Rettung geruflfen, auch Marckt, üm zu sehen, ob auch seiner 

seinen Jungen Hanß Tarn- Schwigermutter Anna Telemans und 

sen, die Rahtsdiener zu den Ihrigen etwas Übels begegnete, 

holen, weg gesant, muß er wird aber nicht weit von \mt\ing 

sich indeß mit seinem von Lengerken seiner Buden 1 von 

25 Cohnne rechts, Hds. a . 13. wo ist am Rande eingefugt. 4-5. Rand 

glosse zu Telcman: Discr hat gewohnt am Markt in dem gewesenen Bulker 
Haute. 

1 Das dritte Haus auf der linken Seite der Holstenstrasse, heute nr. j : 
Kieler Hebungsregister IJÖJ—/J76 Hds.f.fy, Hausbesitzerliste /jyj nr. j , 
30 Schossregister 157 b— 1579 Hds. f. 2 r , JS r , f*4 r . Die alte Apotheke ist dort 
seit /öS J: Volbehr, Topographie S. 1 41 (mit Lesefehler Ilartnack für Harkamp). 

1 Das Haus s7cischen Cristofler Clauß und Paul Hoic, heute Markt 
nr. 6, kaufte Kersten Tellemann /jyj Okt. 29: Kieler Erbebuch nr. /Q77. 
Vgl. Hausbesitzerliste IJ7J nr. öo und Schossregister IJ7Ö—JJ79, Hds. f. 

5 Aus Kopenhagen. 

4 Ausser dem Giebelhause in der* Holstenstrasse besass Ameling noch 
eine Bude auf dem Markte: Kieler Hebungsregister /JÖJ—/J76 Hds. f. iqv 



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54 1578 [I. 97 

Spieße, den er in der etlichen Hotsleuten mit Beilen, Schwer- 

Hand gehabt, defendiren, tern und andern Wehren überfallen, 

so gut er kan, biß endlich welche geschrycn : Her! her! Hir 

der Junge wieder zurück ist der Schelmen auch einer, den willen 

kommt mit der Antwort, wy hebben ! Hau, stick, schone nie- 5 

daß er nimanden von den mand ! < etc. Auf solchem Gcschrcy 

Dienern antreffen können, und Zudringen ist Valentin S/////// ge- 

Darauf dringen die Bohts- nötiget worden, rücklings nach den 

leute noch hefftiger zu ihm Gang am Kirchhofe oder Schwibogen 1 , 

ein, daß er also in große alwo des Küsters Buchladen, zu ent- «o 

Gelahrligkcit Leibes und weichen, üm sich daselbst möglichst 

Lebens geräht, bis endlich zu defendiren. Als er nun daselbst 

aus Anna Telemans Hause üm **Licht, Licht, Hülfe und Rettung •*/. 7 

ein Gesell, Nahmens Johan geruffen, auch seinen Jungen, Hans 

Cordes, ihm zu Hülfe Tamsen, die Rahtsdiener zu holen, is 

kommen. Diser schlagt weggesant, wehret er sich indeßen 

mit einer Fleischgabel den mit seinem Spieße, den er bey sich 

einen zurErden, den andern gehabt, aufs Beste er kan. Als nun 

auf den Arm, daß er das der Junge wieder zurück komt mit 

Gewehr fallen läßt. Der dem Bericht, daß er keinen der Diener 20 

Gesell aber, welcher wieder- antreffen können 2 , dringen die Bots- 

Colonn,' links, ltds. A : 7. können. 
z. J. /j/>s, Schossregister — ijyg //t/s. f. in' z. J. ijjö. Dorthin 

ging Suhm, um den Ameling zur Schwiegermutter mitzunehmen, falls dieser 
noch nicht zu /fette gelingt'" wäre. Ameling und Frau haben also nicht 25 
im Hause der //ohtenstrasse , sondern in der Marktbude gewohnt oder min- 
destens dort ihr Xachtijuartier gehabt. Steht damit im Zusammenhang, dass 
das Register in den Jahren /jyA — 757 8 von dem Hause keinen Schoss bucht, 
dagegen tjj6 von der Hude drei Mark verzeichnet? 

1 Der Durchgang und Schwibbogen befinden sich noch heute daselbst, 30 
Markt nr. 20. Das Kieler Erheblich nr. iqSj erwähnt den schwybagen 
5. J. 1575- Der Kiister (der in der zweiten Kirchenhude am Xicolaikirch- 
ho/ wohntej hatte 1578 im genannten Durchgang am Markt seine Bücher 
zum I 'erkaufe ausgestellt. 

' /is ist dies eine nicht ganz genaue Wiedergabe der Suh irischen Aus- 35 
sage, nach der sein Junge ihm meldete: datt de denere nicht vorhandenn 
(Schleswiger Staatsarchiv Ii XV/ 6 nr l f. i^ r , vgl. f. 21''). In Wirklich- 
keit hat der Junge zwei Katsdiener in ihren Wohnungen angetroffen : CristofFex 
Hoier und Hannß Tambsen. Jedoch that keiner vom beiden seine Pflicht. 



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1.97] 157» 

um von vieren verfolget leute noch heftiger auf ihn zu, daß 
wird, muß die Flucht er also in großer (icfahrligkeit Leibes 
nehmen, und kommt in- und Lebens sich noch alleine schützen 
deßen Valentin Suhm auch und wehren müßen, biß endlich Anna 
5 in Sicherheit. Telemans ihr (icselle ihm zu Hülfe 

kommen. Dieser, Nahmens Johan 
Cordes", schlägt mit einer Fleischgaflfel den einen zur Krdcn, den 
andern auch auf den Arm, daß er das Gewehr fallen läßt. 
Kr hat aber endlich, weil wohl 7 oder 8 Um sie bede gewesen, 
10 auch die Flucht nehmen müßen. Indem er nun also von 
vieren verfolget wird, komt Valentin Suhm in Sicherheit.) 

Unter diser Action sind 2 von den Bohtsleuten, mit 
Nahmen Fetersen (sonst Koch genant) und Klaus Reimers, er- 
stochen 2 worden. Hans Fetersen, als er bey seiner Verbindung 
15 gefraget worden, wer ihm den Schaden getahn, hat er *geant- 
f ? 6 wortet : Der Fastlabend . Weiter gefraget, ob er ihn auch 
kenne: Respondit: Nein . Item: Wolt ihr ihm auch ver- 

J. ihre (jcm-IIc <t. 1214. Unter — worden: Hey dieser Action haben 
zweene in derselben Nacht das Leben cingebül'.et a fing. S. Petersen : 

20 Hans Petersen it. Kock a. Claus n. 14-16. Hans geantwortet : 

Wie dieser Petersen von dem Barbirer Hanß WeUel [Randglosse : zwischen 
dem Fischer- und Flem/ViV/cw Thor wonhafftj verbunden worden, hat ihm 
ein üoldschmidgesell Borchcrd Wendepenning [Rundgtossr: alibi Winne- 
penning; hat gewohnet in der Schmidstratte gegen Herrn PracWrw/V« 

25 Kanzowen Hau L> über, bey Wilhelm N'orgcns HauU, nach dem Markt zuj 

gefraget, wer ihm den Schaden getahn hette, darauf er geantwortet <«. 
Für Markt SihrriM dir Randglosse : ^f. 17- \Xcm/rhlt <i. 

Der letztere erklärte am jj. hehr. 'vor (iericht, er -oäre gern gekommen, wenn 
seine Frau ihn nicht daran gehindert hatte! Hei dem dritten Katsdiener, 

30 Jürgen Groper, der auch am 12. Febr. verhört -wurde, seheint der Junge nicht 
gewesen zu sein. Aus eigenem Antriebe aber kam der Mann nicht, obgleich 
der Lärm, der alle L'mwohner des Marktes weckte, -weifeltos auch zu ihm 
nach der Kehden Strasse drang. Das Sc/wssreg ister nennt 13 jj — Hds. 
f. jj r , SJ r , 8j r , ausser den drei Erwähnten noch einen vierten Katsdiener : 

35 Hans Flügge. F.in fünfter, Hans von Sosih, wird als Hausdiener bezeichnet ; 
er erhält jährlich nur 10 Mark, während die anderen 20 Mark bekommen. 
Das war das ganze Sichcrheitsf>ersi>nal innerhalb der Stadt. 

1 Aus Stade. 

2 Ein dritter Footsmann, Xamens Brandt, wurde schwer venoundet, 
40 blieb aber am Leben: Schlerwiger Staatsarchiv F XVI 6 nr. 1 f. i6 r , 

H r , 33 v - 



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f><; 



P, 97 



geben?« Respondit: »Ja«. Hat darauf zwar einen Priester 1 
begehret, ist aber wegen seiner übermeßigcn Trunkenheit ver- 
bliben. 2 

Noch ist bei diser Action ein Hoveknecht von Preetz, 
Hans von Weymar, sonst Schnialehans genant, der sich selbigen 5 
Abend als ein Mönch verkleidet und vermummet gehabt und 
also Fastlabend gehen wollen und vor dem Rahtskeller an dise 
Kohtsleute gerahten, gefährlich verwundet worden, hat aber auch 
einen andern wiederum mit seiner Wehre getroffen. Ä 

Valentin Suhm ist wegen getahner Nohtwehr praestito »° 

/. KespondityVA// rt. einen : den a. 4. bei diser: unter solcher a. 
j. HatiU von Weimar, sonst Schmalehantt <». 7. also fc/t/t n . Q. einen 
andern wiederum: einen wieder n. fo. getahner : obged<»<A/7»r getnhnen 
a fing. 9. 

' Schlenoiger Staatsarchiv, a. a. 0., f. 7 r : den cappellan. i S 
* Vgl. in den Schlerwiger Akten (f. die gerichtliche Aussage des 

Coldschmiedgcsellen Horchertt Wcndepcnningk. Wie Bremer in Hds. a ver- 
merkt, wohnte dieser vorn in der Schmiedestrasse nahe dem Markte und 
wird auch als Winncpemiing bezeichnet. Das Schossregister IJ76 — IJ79 
kennt weder die eine, noch die andere Namensform. Verbunden wurde ao 
Petersen im 1 Jause des Barbiers Ilanti Weßcll, das nach Bremer zwischen 
dem Fischer- und dem Flämischen 7 'höre tag. Im Schossregister findet sich 
unter den schosszahlenden Bewohnern der neuerbauten Wohnungen zwischen 
Fischer- und Flämischen Thitr nur ein Ilinrich Wessell (I/ds. f. io*~, 41*, 
70*', vgl. Kieler Frbebuch nr. 1997) und in der Schmiedestrasse ein Jost 25 
Wessell (f. S r , 40*', 6yr t - t -gt. Erbebuch nr. iqöj), dagegen in der Schuh- 
macherstrasse ein M. Hans barhirer (f. 12*, 43V , 72-"). Letzterer dürfte 
unser llanß WeOell sein. Fls gab IJ7S im ganzen nur zwei Barbiere. Der 
andere Barbier war Marcus Crotckop, der in der Schmiedestrasse wohnte und 
sich auch in der Vorstadt anbaute: Schossregister Hds. f. io r , 42*", 7i r , 7Ö r . 30 
Weßell und Grotekop untersuchten als Sachverständige die Wunden der beiden 
Bootsleute und erklärten, dass die Venvundung mit einer Wehre geschehen 
sei: Schlesrwiger Akten f. io*". Wo aber blieb der in der Holstenstrasse an- 
sässige offizielle Ratsarzt Otto I^ingemake (Frbebuch nr. 1801, 1S47 ; Haus- 
besitzern ste /J7S nr. 28; Schossregister Hds. f. 2*', JS 1 ', 64*' J, der fähr lieh 2 35 
Mark Gehali bezog (Schossregister Hds. f. 2J 7 ', JS 1 ', ^S") 

3 Auf Antrag des Kieler Rats Hess der Preetzer Propst Benedictas 
von Alefeldt 1578 Febr. /f> den Preetzer Hofknecht Hanß von Weimern 
über den Kieler Vorfall eidlich verhören : Schlesioiger Akten f. 28-29. Siehe 
auch die Kieler Aussagen des Barbiergesellen Michael I^angemaeche, der den 4° 
Schmalenhans verband, und des Christofler Negendanck, von dem sich Schmalehans 
vor seiner Rückkehr nach Preetz eine Wehre auslieh : a. a. 0., f. SS r J4 r . 

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1,97] 1578 57 

juramento 1 frey und loß erkant. Die Kntleibcten aber sind 
auch nach ihrem Tode zum Schwere! verurtheilet worden. 

Verba sententiae : 
^Demnach vermiddelst der tügen utsage, im gliken gedahner 
s cydcsleistung etc. erkennen wy borgermeistere und rahtmanne 
der stadt Kiel gedachten Valentin Suhtn dißer saken halber 
ledig und loß. Und wan dan de doden dermaten an eren 
egenen live und vorderf sülvest schuldig worden und wegen 
begangenen muhtwilligen daden in die hiinde des richters gefallen, 
fo schölen sc morgen vor dat nedderichstc gerichte, wo gebriiklich, 
vorbracht werden, to geschende, wat ferner recht syn wird. 
Pronunciatum Kiel den 19. Febr. Anno 1578. 
*/. 77 i:!, Kxtractus protocolli judicii inferioris: 

Donnersdages 1 na invoeavit anno 1578 sind de beiden 
15 doden, Hans Petersen, sonst Kock genömet, und der ander, Claus 
Keimers, bohtslüde, vor dat nedderste gerichte in eren sarken 
liggende gebracht worden. Und dewilc aver deselven ordcl und 
sententz vermöge e. e. rades gistrigen rechtspruches erkant und 
gespraken is, so sind de wegen begangener gewaltsamen undat thom 
> schwerde erkant und sind alle beide up dem markede enthövet 5 und 
up dein bleekhave des klosters 6 begraven worden. 

7. vermittelst <». 6. saken: sacheti tt. 7. leddig <r. eren: crem rt. 
o. «lalxlen n. die : de a. to. schulen se : sollen de <i. nedderigste <i. 
11. wird: werd<». 12. Anno fehlt n. tj. judicii inferioris : des Xi- 
J% > dergerichts a. 14. Donnerstages n. anno fehlt o. />. Hantt «/, 

/' /tag. öl. Cluutt A. 10. geriehl n f>ag. to. eren : ehren n . 

to. is : iL', ,1. hegangner gewaltsamer undalit <t . 20. markte n . 

Randglosse in ,t zu enthövet : Xuie Swarentafel des Nidergcr/V/i/jr in fol. h. 

1 //. 11. ()., f 3 J.f . 
i<> "Für den hier folgenden l'rteilsspruch hat Bremer eine Vorlage be- 

nutzt, deren Wertformen mehr niederdeutsch gefärbt waren, als sie uns in der 
Abschrift der Schles"u<iger Akten (f. 24''') v<niiegen. Wahrscheinlich hat 
Fremer bei Abfassung der Ilds. a hier nur die Schleswiger Akten des Con- 
rWuts # vor sich gehabt, später aber bei Xiederschrift von A die Orthographie 
unseres Passus nach den Originalprotokollen des Kieler Obergerichts verbessert. 

a Schlesinger Akten, a. a. O., f. 27*' in Abschrift des Syndicus Simon 
Heinrich »Extract uth dem prothocoll des neddern gerichts'. 1 Febr. 20. 

"' Dafür wurden an den Frohn 2 Mark entrichtet : siehe § toi. 

" Auf dem Hofe ( blek ; Raum, Platz) des seit /5J0 der Stadt ge- 
10 hörenden Franziskaner- Klosters in der heutigen Falkstrasse. l'gl. S\jS , f : 
Mönchacker und S. 44 jj. I ber die Lokalität siehe l olbehr, Topographie S. Sj. 

4a 

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I 
I 



f)K 1578 (1582) [L.97 

Weil nun Bürgermeister und Raht wegen solcher Knthaubtung 
der todten ( orper nachgehends 1 in Anspruch genommen worden, hat 
man von der Juristenfacultät zu Rostock Belehrung erhalten*, welche 
folgender Gestalt respondiret sub dato 26. Maj 1582: 

/-y. Weil nun 158^ : I >icse nach dem Tode vorgenommene Justiticit'ung ^ 
hat die Juristenfacultät /u Rostock nicht allerdings approbiret per verba 
responsi vom 16. Maj 1580 also lautend n . J-J. hat man erhalten: 
haben sie darüber eine Helehrun« von der Kostockischcn JuristcnfacuUet 
eingeholct /' />n£. ÖJ. 4. Maji /». 

' Seitens der Verwandtschaft t/er Hingerichteten, weiche fünf Jahre xo 
hindurch, /jjS—Sj, mit Valentin Snhm und dem Kieler Rate prozessierte. 
Schon tj-jS Febr. ij /j erschien als Kläger für den erschlagenen Petersen 
dessen Verwandter Hans < >hleft"ßen vor dem Kieler Rat ( Schlerwiger Akten , 
a. a. 0., f. is r , iS-\), ebenso klagten /-'ehr. jj- 19 die nach Kiel gekommenen 
l 'erwandten des erschlagenen Reimers und die anderen l 'erwandten des Petersen, , 5 
erstere durch ihren l 'ertretet Henneke Krambekc vorm Kcndettborch (f. Ji"'J. 
Ein 7'on den Klägern Anfangs Matz ansgetoirktes /ntercessionsschreiben des 
Herzogs Adolf I. an den Kieler Rat (f. jj-'j blieb ohne Wirkung. Am 
/./. März erklärte Hanns Hechtt als Vertreter der Eami/ie Reimers, dass 
er das L 'rtcil des Rates nicht anerkenne, vielmehr an das Drei( Vierjstättte- 2o 
gerichf appellieren werde (f jtny. Ob letzteres geschehen ist, lässt sich bei 
dem Pehlen der betreffenden Jahrgänge der l'icr Städtegerichtsprotokolle nicht 
feststellen. Jedenfalls nahmen sich Herzog Adolf und König Friedrich ff. 
der Kläger (ijSi -oaren dies 1'eter Neelsen und Hans Reymers: f. jq r , 
./o> , 44>) t hat kräftig an. Xoch im Jahre /j~S wurde seitens der Kläger 25 
von der Juristen faknltät der l tiivcrsität Leipzig ein Gutachten eingeholt, 
•welches gegen Snhm und den Kieler Rat ausfiel. An Zehrnngskosten für 
Hot schaffen verzeichnet das R'ieler Schossregister ijjt > -/J7y c. J. /J/S, Hds. 
f. J" 7 '. Anno etc. 78 den 14. 1 »ecembr., alß ein raih oder er gevolhnech- 
tigter gehn (lottorp citiret in sachen, <lat I .ypzische urtheill wegen der enth- 30 
liveden boeLMuden tho publiciren und tho vorlesende anthoboren, Hildebranden 
Fryen inittgeven vor sick. l'aulln Token und Hermannen Sifritt thor terun^ 
uth der kemerie 60 \\\\ ; /. S9 r ■ hem einem baden nach (Jottorff in sachen 
der boeßknechten, de gerichtet worden it|> dein marckte, 12 ji. .S7<7/t» die 
folgenden Xoten, sowie in der Heitage die H riefe des Hans Langhemake an 35 
Hans Mlome März 27 und an den R'ieler Rat ijS/ März jS. 

■ Vgl. in der Rechnung des Syndiens Simon Heinrich von 1602 Sept. 1} 
f Schleswiger Staatsarchiv A XIX prov. in. jjyj f. S> '■' I» Sachen der be- 
wusten /weyer nun vor etzlichen Jahren, eh dan ich hie zum Dienste 
kommen, in dieLVr Stadt erst entleibten und hernach nicht desto weiniger 40 
eniheubten Boetsleute contra HurgermeUtere und Raht dieser Stadt und zu- 
gleich in specie contni den ihres Mittels itzigen Hurgerineister Valentin 



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i 5 78 (1582) 



59 



'Daß unsre hiebevorn Valentin Suhmen mitgetheilte 

Rechtsbelerung 2 nur allein auf die bekante Absolution zu verstehen 
und daß euch nicht gebühret habe, der entleibeten Hohtsleute 
todte Cörper mit dem Schwerte richten zu laßen. Es were den, daß 
5 bei euch eine beständige Gewonheit, dermaßen mit der Mißethäter 
Cörper zu verfahren, fürhanden ; uf den Fall werdet ihr wegen vor- 
angezogener Knthaubtung billig entschuldiget. V. R. W. 

Nachdem nun Bürgermeister und Raht solche Gcwonheit 
und daß es vor vielen Jahren alhir dergestalt gehalten worden, 

10 j. Kcchtshelehntng <i. J. entleibten <i, />. U'.lsleulc <i, Kußleute /-. 

4. den : ilan n. J. Mißethalcr : Mißethater . /, Mißth.iter <f . 6. ver- 
banden /•. uf den : nf welchen fi. 7. Knthauutung t?. Nach- 
dem : als ,1 />itg. 11. solche : eine -.oh he <t. Q. und daß: durch Vor- 
stellung und Allegirung etlicher Kxempel /*. dergestalt: so <i. 

T 5 Sühtn, so vom Gegenteil seer hoch angezogen, crnstlig getrieben, sonsten 
auch fast gefehrlig außgesehen, hab ich der Sachen Nottlurfft zwei mahl 
an die Juristenfaculteet zu Rostogh begriffen, umb Rechtsbelehrnng darüber 
zu erlangen ; ibidem f. j<" : Wie große Beschwerung ich sonsten von der- 
selben vorgemelten entleibten Koetsleute Sachen gehabt und was maßen 

20 man mich derentwegen auffm Schloße alhie eininahl in den Thurmb werffen 
laßen wollen, solchs ist einem von den Eltisten außen Mittel des Rahts 
Val. Suhmen unvorborgenn, und ist daßelbe auch neben anderm mehr in 
meiner dem E. Rahte vorhin übergebener Rechnung Kxemplar umbstend- 
licher zu befinden, auch dahero hie mit mehrein anzuzeigen unnötig erachtet. 

25 1 Das Roslocker Guiachten von /jSj Mai 26 ist im Berichte des 

Kieler Rats an die Rostocker Juristenfakultät von /jSj Juli 14 in indirekter 
Redeform wiedergegeben. Bremer hat für den Text des genannten Gutachtens 
entweder das Original oder eine nicht nach Schles~wig gekommene Abschrift 
des Convoluts benutzt. Oder hat Bremer, lediglich im Besitze des Berichtes 

30 vom 14. Juli, aus der indirekten Wiedergabe den direkten Text hergestellt? 
Bremer teilt letzteren nur im Bruchstück mit, und zwar gerade nur so weit, 
als sich der Text indirekt im Berichte r. 14. Juli findet ; hierbei stehen die 
Hdss. a und b hinsichtlich der Orthographie dem indirekten Texte näher als 
Hds. A. 

3 5 2 Bevor sieh der Rat nach Rostock wandte, hatte bereits Suhm selbst 

voti divt Belehrung erbeten und erhalten. Die Roslocker Juristenfakullül 
sprach Suhm von Jeder Schuld frei und bestätigte das über ihn gefällte frei- 
sprechende Urteil des Kieler Rats. J)iese an Suhm mitgeteilte Rechtsbelehrung 
scheint Anfangs /jSf erfolgt zu sein ; eine Abschrift derselben übersandte /jS/ 

40 März 27 Hans Langhemake an Hans Blome. 



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60 



1578 (1582) 



[I, 97-9« 



dargetahn 1 , hat dieselbe Juristen facultät zu Rostock *den 20. Jul. */• ?8 
folgender Maßen respondiret: Daß die angezogene Gewonheit 
wegen Rechtfertigung der todten Cörper durch die erzehltc Exempel 
(vide supra 2 p. 22. 29. 37. 40.)gnugsain erwisen und beigebracht, 
derowegen dan Bürgermeister und Raht wegen der beschehenen 5 
Enthaubtung der zweyn Bohtsleute billig zu entschuldigen und 
actione male judicati nicht belanget werden mögen. V. R. VV. 

Ein gleiches Responsum ist von der Juristenfacultät zu 
Helmstet sub dato 7. Mart. 1582, wie auch von dem Schöppenstul 
zu Magdeburg eingekommen. 3 

Anno 1578 in der Pfingstwochen 4 haben 4 vom Adel 5 , als 
Otto Reventlow zu Stocksee 6 , Breide Rantzow von der Steinburg, 
Hinrich Rantzow zu Neuendörff 7 und Andres Rantzow zum Klamp 8 , 

/. dieselbe: die a. Juristenfacultät^, Facultet a. 2. folgender Ge- 
stillt respondiret und für Recht erkant a. 4. Die Ziffern 22-40 sind 15 
in A mit anderer Tinte in den ursprünglich frei gelassenen Raunt hin- 
eingeschrieben. beigebracht: beibracht a. 6. zweyen a. S. Re- 
sponsum fehlt a. ist: ist noch vorhin a. 9. Helmstedt a. sub 
dato: den a. wie auch: item a. 
1 Siehe in der Beilage den Bericht an die Juristcn-Facultet zu Rostogk 20 
/jSj "Juli 14 mit dem angehängten Verzeichnis der Exempel und die dar- 
auf erfolgte Belehrung 1382 Juli 20, letztere aus dem Original der Schles- 
Tciger Ahlen, a. a. O., f. 37. 

1 Im vorliegenden Abdruck: S. 18 ig (§42), 20 21 (§48), 27-28 

r§ 60), ji-j2 r§ö2j. 25 

*.S7V//«r /// der Beilage die Anfragen nach Helmstedt umt Magdeburg 
IJ82 Feh: 16 und die beiden von dort gekommenen Bescheide, letztere aus 
den Originalen der Schlesiviger Ahlen, a. a. O., f. 4J, 66. Das Helmstedter 
Gutachten trägt das Datum des 7. März; das Magdeburger Gutachten ist 
undatiert, dürfte aber auch im März erfolgt sein. 30 

4 Die Pßngshooche begann Sonntag, 18. Mai. 

6 //;/ Verzeichnis der im J. 15S7 lebenden Kantzaus begegnen uns 
Hcnricus von Rantzow, Pauli Sohn, Erbsassen zu NcwendorfT und Andreas 
Rantzow, Nicolai Sohn, Krbsassen zu Klampe (Angelus, Holsteinische Chro- 
nica I, iSj, 1S4), im l.andregister v. J. 158S Andreas Rantzow zum Klumpe 35 
und Otto Reventlow zum Stocksehe (Zeitschr. d. Ges. f. Sehl. Holst. Laucnb. 
Gesch. XXV, 227). 

a Gut im Kreise Segeberg, Kirchspiel Bornhovcd. I 'her dessen Besitzer 
siehe Schröder- Biernatzki, Tomographie II, 41)6. 

7 Gut Neudorf im Kreise Plön, Kirchspiel I.iiljenburg : Schröder 40 
Biernatzki II, 17g. 

8 Gut im Kreise Plön, Kirchspiel Giekau : Schröder Biernatzki II, 2gj. 



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I, 98-100] 



(31 



einem Bürger mit Nahmen Jürgen Loof, als die Bürger den Vogel 
nach altem Gebrauch 1 geschoßen, bei nachtschlafender Zeit an 
seinem Hause-, Thüren und Fenstern (alwo itzo die neue Apothek 
ist) große Gewald geübet und mit Steinen ins Hauß geworfen, 
5 daß auch andere ansehnliche vom Adel disen Bürger zunebst 
seinen Gästen haben retten müßen, und hat sothaner Frevel fast 
die gantze Nacht gewehret. Diese vom Adel haben auch offtmahls 
nach der Zeit viele Gewald an seinem Hause und Fenstern ver- 
übet. Kr, Jürgen l,oof, hat auf eine Zeit die holtzerne Fenster- 
10 schlage aus Noht zuthun müßen, die *haben sie ihm bei hellem 
79 Tage entzwei geschlagen. Einer von disen 4 vom Adel halte 
einsmahls mit der bloßen Wehre durch ein Fenster gestochen 
und dises Bürgers Jungen beinahe das Leben genommen. 

Noch hat einer vom Adel, Breide Rantzow von der Stein- !)0 
•5 bürg, in der Kirchen alhir eines Bürgers Sohn nicht weit vom 
Predigstuhl mit einem Dolchen gewaltsamer Weise biß auf den 
Tod verwundet. 
*/• S2 *Anno 1578 sind folgende Weibspersonen, als: 

1) Abelke Schluckups oder Howenstensche, Hans Howen- 
20 stens, eines Kilischen Fischers, de cpio supra* p. 69 pr., 

Ehefrau. 

21). de — pr. in A am Rande eingefügt. 

1 Die Kieler Schützengilde, genannt I'apegoiengiMe, später grüne 
Gilde, wurde 141 2 begründet. Die iiiteste Gilderolle von 1412 Juni 4 befindet 

2 5 sieh in alter Abschrift im Schlesinger Staatsarchiv (Depo//, l'rkunden d. 
Stadt Kiel) und daraus bei Bremer im zweiten Teile der Chronik Hds. 
p. 132135, gedruckt im Xeuen Staatsbürgerl. Magazin VII, 94 95. ll 'ei 
leres, insbesondere die Gildeartikel von /S>o6, siehe bei I'iek, Kleine Mittei- 
lungen aus Kiels Vergangenheit S. 45 ff.. 57. /.um Schiessen erhielt die Gilde 

30 vom A'at einen jährlichen Beitrag, 1577 und 157S je fünf Mark, 1579 v ' tcr 
Mark: Kieler Schossregister 1576—1579 Hds. f. 23"', 55-', S5*' .' /J?^ nha 
oldein gebruke 5 Thaler: Schossregister 1595 j 96 Hds. p. 5S. 

* Jurge Ix>eff fLofT: Ecke Ilasssirasse und Markt, heule Markt ur. 11: 
Schossregister 1576 — 1579 H^ s - f ^ }V > S9''< ^S 1 '. H' e ,tcuc <-lp<>theke wurde 

35 dort 1642 begründet: Volbehr, Topographie S. 13S. 

8 Der filierte Anfang von p. 69 der Bremerscheu Handschrift bejindet 
sich im vorliegenden Abdruck S. 4S 2 95)- 



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<>2 



1578 



[I, IOO-IOI 



2) Anneke Bartels, Hartelt Wegeners 1 Khefrau. 

3) Beke Kohberges, Hans Kohbergs 2 , auch eines hiesigen 
Fischers, Khefrau. 

4) Christina Poppen, Johan Poppen 3 , gleichfals eines 
Fischers, Khefrau, und 5 

5) Abelke Kohbergs, eine Magd, deren Kitern Detlef und 
(Iretje Kohberges zum Schaddenhagcn 1 gewohnet und 
deren Hruder Peter Kohberg zu solcher Zeit im Kiel 
\vohnhaflft, 

weil sie allesamt mit dem leidigen Satan einen Bund gemacht 10 
und durch Zauberev denen Menschen und Vieh viel Schaden getahn, 
mit gebührender Strafte' 1 * abgelohnet und vom Leben zum Tode 
gebracht worden. 
101 Kxtract einer Niedergerichtsrechnung, 

so an den Scharfrichter bezahlt: 15 
Hanß Schlömer dem frohnen vor 5 jähr denste 
des jars 7 daler tor besoldung und ene tonne 
flesch« 7° ¥ 

1 Ein Bertolt Weghener erwirbt ij/S Haus und Bude in der Ritter- 
Strasse: Kieler Erbebuch nr. 20 

2 Hans Kohberg (Koheberch. Koebercb, Koberch) in der Fischer- 
strasse: Kieler Erbebuch nr. 1929, Hausbesitzerliste 1575 nr. 1/6, Sehoss- 
register jjj/i—ijjg ffds. f 8' , 40V, 6q-\ 

5 Johan Poppe zwischen dem Fischer- und Flämischen Thor: Kieler 
Erbebuch nr. iggj, Schossregister 1576 — 157g J/ds. f. io>-, 41V, 70*'. 25 

* Schashagen im Kreise Oldenburg, Kirchspiel Altenkrempe .- 

8 Von den l 'nkosten des Verhörs verzeichnet das Kieler Schossregister 
/J76—/379 /Yds. f 6o> z. J. 1578 : Vor 6 potte Hainborger beer upt rat 
huß, alß <le töverischen gesettet, gegeven 4V2 3; vor lichte I fi. Über 
Zahlungen an dm Frohnen siehe § 101. Die Untersuchung nahm längere 3Q 
Zeit in Anspruch. Annckc Bartels sass zwei, Abelke Kohberg vier Wochen. 
Dies hing damit zusammen, dass erst die Rostocker Juristeufakultät um Be- 
lehrung angegangen wurde ; siehe die Rechnung des Syndicus Simon Heinrich 
von 1603 Sept. q (Schleswiger Staatsarchiv A XJX prov. nr. 4Sq), f. Jv: 
etzliger wegen Zeuberei bezichtigten hie wohnhaften Bürgerinnen. 35 

ft Ausser dieser festen Besoldung -wurde der Frohnc für Verhör, Be- 
köstigung, Stäupung, Verweisung, Hinrichtung etc. der Gefangenen noch ein- 
mal besonders bezahlt. Für die auartaliter von ihm vorzunehmende Reini- 
gung des Marktes erhielt er Jedesmal 8 ß ; das Wegfahren des Dreckes vorn 



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i. ioii I57 s na 

Item 4 gefangene', de ein ruht heflt fangen und 

richten laten, ä 8 ,i , 2 \v 

Densiilven gefangenen vor 3 weken kost, vor jede 

weke 18 ß 13 ,, «S S 

5 Vor 8 tövenersche* to richtende 5 ,, — 

V- &s : = LInd hat de magd Kohbergsche H 4 weken . . 4 S ., 

De Barteische 1 hat 2 weken 5 2 4 ,, 

Vor de beiden doden boßlüde' 5 to richtende 2 ,, - - 

Noch dem frohnen gevende to stupende 7 . 6 ,, 

iu Markte wurde von anderen he sorgt. In den Ausgaben d. J. /j?S' sind ausser- 
dem f s ,3 r erzeichnet dem frohnen vor dal huüken bym Vischerdhore tho 
reinigen gegeven: A'ie/er Schossregister tjjfi—tj7t/ Hds. f '>o>: 

1 Beziehen sieh auf diese befangenen die folgenden . lusgabeu des 
Schossregisters /jyA — zjjy llds. f. SV 7- OV^ '- l le,n ,,cn wechlers, 

ü de Johanssen Schmitt bewahret und bewaket, gegeven 6 £ 6 .1 ; ibidem 
f. s$ 7 ' •' l tcni einem baden gegeven ahn Haussen Hlohmen wegen der ge- 
fangen, de sv nein laekeien de wehre genommen, I ]C ; ibidem f. hj r : In 
suchen, Johansßen Schmitt belangende, einen baden na Schießwieg afge- 
lertigt, gegeven 12 y Wofür die S i pro Mann gezahlt wurden , 'wird nicht 

20 gesagt. Die Beköstigung der j. befangenen wird im nächsten Posten be 
sonders berechnet, kür die Hinrichtung waren 2 Mark zu wenig gewesen. 
.Vach der l.übischen Ordnung für den Püttelmeister v. f. is~S erhielt dieser 
für eine Hinrichtung mit dem Schwerte 1 rheinischen dulden, für das Hängen 
an den obersten Galgen gleichfalls 1 rh. Cid., für das Hängen an den nie 

->5 drigsten Galgen / Mark l.üb. Illach, Das alte l.übische Ä'echt S. /J?); dem 
entsprach auch die Ta xe in Kiel: vgl. im siebenten Posten die Ausgabe von 
2 Mark für die Hinrichtung der beiden Bootsleute . Die ! linrichtungskosten 
für die Gefangenen betrugen also 4 Mark. 

- Im § 100 zählt Premer nur f ünf wegen Zauberei -verurteilte krauen 

ju auf. Die Zahl S .scheint hier auf einem lese- oder Schreibfehler zu beruhen. 
Mit der ersten Ziffer stimmen auch die l linrichtungskosten s Wink übe/ein. 
krauen wurden entweder verbrannt oder lebendig begraben. J)a nach der 
l.übischen Ordnung v. f. /S-'S (<'■ <'■ O. ) f ür das l'erbreuneu 2 Mark, für 
das Lebendigbegraben 1 Mark gezahlt wurden, so entsprechen unsere s Mark 

.St dem l.ebendigbegrabeu von s Pinnen. 

3 Abetke h'ohberg. 4 . lu/teke Härtels . 

" Die Woche Beköstigung wurde, ohne l 'ntci schied ob f ür Männer 
oder krauen, mit iS 3 ( 7 ^ h) befahlt. * Siehe S. sj '• 

' Stimmt mit der l.übischen Ordnung (a. a. (>.) überein, nach -welcher 
•40 der Prohn f ür das Stäupen iu der Püttelei (> .{ und für das Stäupen am 
A'aak S -J erhielt. 



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i;4 



»579-1580 



fi, 102105 



102 Anno 1579 im Umschlage sind etliche vom Adel in den 

Weinkeller gekommen und haben 2 Tonnen mit Hamburger 
Hier entzwey gehauen und das Bier auf die Knie weglauflfen 
laßen, auch sonst zur andren Zeit die Kannen, Tonnen und 
was des mehr seyn möchte, in Stücken geschlagen und viel 
ander Muhtwillen verübet. 

10!» Kodein im Augusto an einem Montage 1 ist einer, Nahmens 

Minrich von Minden, von einem andern, Jochim Ryke genant, 
tödtlich verwundet worden, daß er an solcher empfangenen 
W unde des andern Tages gestorben. Der Handthäter ist so- 11, 
fort ergriffen und seinem Verdienst nach gestrafft worden. 

HM Ködern des Sontages- nach Marien Geburt (im Septembr.) 

in der Nacht hat alhir binnen der Stadt Kiel einer, mit Nahmen 
Johan Rahstete, sonsten von Benthum :5 geheißen, seine eigene 
eheliche Hausfrau, Abelke genant, so scel. Detlef Horchers .5 
Tochter, vormals uf dem Garten 1 wonhaftt, gewesen, erbärmlich 
erstochen und vom Leben zum Tode gebracht. Uber dem 
todten Leichnam ist am neehsten Dingstage'' das gewönliche 
Fahrrecht geheget und der flüchtige Handthäter friedeloß ge- 
legt und durch den Frohnen ausgeleutet worden. ;o 

10.V ;i(! Anno 1580 7 haben Detlr/ Broktörf von Windcbüy* und */. S4 

( hristoffer von lUichwald, der Fange genant, zum Kiel in der 
Flemischen Straße 5 ' in Fuder Röbels 10 Hause mit einander gesoffen 

1 Mau hat die Wahl z-.oisehen dem 10., /?., _y. und 3 1 . August. 
-Sept. /,'. ;! Penthen in Meeklenhur^-Sehioerin , .///// I.iihz- 
1 (iaarden. 5 .SV//. / ■>-. 

" Coronueus Petersen S. II. /-/"/. 7 ///•. 4J, Coronaeus Petersen- W'ilhehui 
S. II. 147 f. // nr.jo, Corowieus Petersen Xoodt S. II. 14S />. jS. Ciaeden. 
Monumenta I'leushur^ensia II, uj .-In in. 

' \,>te hei Xoodt : Ouidam ha tu- hisloriam referunt ad. a. 1585. 

* Windehy, Kr. P.ehernförde, Kirehsp. Porhy ; Sei/roder. Topogr. I / , 434. 

"Im Sehossre-ister tjrjh — IS79 Hds. f. /->•'. 44 r > Z, r be^net uns 
Luder Röbel] Knbell) ////; als Hausbesitzer in der Sehuhmaeherstrasse . 
utofeieh steuerte er vor d;Kt rhiimeken under dem Klehmi-a-hen dhore. Ihis 
Sehossre^ister </> Iiis. f. j^. 36 führt ihn mit einem Hause in der Fiseher •,- 

Strasse auf, führend in seinem Hause heim I-'l.i mis,)ien Thvr, in der Strasse 
rroiseheu Sehuhmaeher- und /■/imiseheu Thor, Juirbara Rantzau -wohnt. 

Xoodt S.II. 14S jalseh : l.iidcrl Kavell.v.S\//. s So . I f. ,q : Ludert Rods. 



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I, io5-io6] l5 8o 



65 



und gespielet 1 , daß derselbe, welcher das Spiel verlieren würde, 
seinen eigenen Jungen erstechen soltc. Als nun Detleff Broktorf 
das Spiel verlohrcn, hat er darauf seinen Diener erstechen müßen. 2 

Eodem den 12. Jul. hat ein Kielischer Bürger Hans 106 
5 Pförtener 8 (welcher in der Schumacherstraßen, wo itzo der 
gülden Arm aushenget, gewohnet), als er gesehen, daß vor 
seines nechsten Nachbars und eigenen Schwagers Timm Wriedten 
Rahtsverwandten 4 Behausung etwa des Morgens üm 10 Uhr 

4. Eodem : Eodem Anno a Pag. /J. den 12. J11I. ist in a spater 
10 her übergeschrieben, darauf folgt : Vide das Convolut von Sim. Henrichs 

Suppliquen sub hoc Anno, item Swarentafcl des Nidergerich ts in M. h. 
4-5. Hans Pförtener: Hanß Pförtner der Jüngere a, die beiden letzten 
Worte sind spiiter herübergeschrieben. 5-t>. Der eingeklammerte 

Zusatz fehlt in a, dafür steht dort als Randglosse su Pförtner: hat ge- 
15 wohnet, wo itzo der gülden Arm ist, bei H. H. Kahl. 7. Tim 

Wridtcn a, dazu Randglosse : in (Jasper I.ilicntbfi/ gewesenen Hanse. 

5. etwa — Uhr: morgens zwischen to und 11 Uhr a, spater heriiberge 
schrieben, 

1 Coronaeus- Petersen S. II. 146 fügt hinzu: aber dabey verabredet, 

20 H. 14g A p. 8 nr.jo: auch mit solcher Condilion, ebenso oder ähnlich 
die übrigen //dss. 

* /Wersen bemerkt hierzu : So ist die gegebene Cavaliersparole ge- 
halten. C/neden a. a. O. schreibt diesen Zusatz irrtümlich A'oodt zu. Zum 
Hergang igt. den Bericht des Ilmers Samuel k'iechcl über seinen Aufenthalt 

35 in Kiel Umschlag J586 (Mutz, Deutsche Kulturbilder aus sieben Jahrhun- 
derten I, 104): und sie achten den Menschen wie ein Vieh; wurde inirauch 
gesagt, daß wohl einer einen Jungen gegen eines andern Hund vertauschte. 
Bezieht sich hierauf die Mitteilung Xoodts, dass sich nach einigen der Fall 
Brockdorff- Buchwald fjSj ereignete ■ Die Vertauschung des Hundes gegen 

30 den Jungen fand nicht zur Zeit des Kiechelschen Aufenthaltes statt, sondern 
früher, wenn sie überhäuft in Kiel vorkam. Man beachte das Potentiale 
»wohl«. Das Beispiel 'war für die geringe Wertschätzung des Hörigen sprüch- 
wörtlich. Schon /joo -oeigerten sich die Difhmarschen, einer Herrschaft an 
zugehören, vor der ein Bauer und ein Jagdhund gleichen Marktpreis hatten 

35 Dahlmann, O'esch. von Dännemark III, sgj. 

8 Die Kieler Hausbesitzer/iste 1575 nr. 1S2 führt in der Schuhmacher 
Strasse Hans Porlcner auf. I gt. FrM>uch nr. jSiti z. J. 1552, nr. tgoS, 
igtig. Wie das Schossregisfer 1576 — 157g Hds. f. 12 7 ', 44?', 7J> zeigt, 
wohnten in dem Hause, das heute die nr. S4 trägt, Hans Portenerde olde 

40 und Hans Portener de junger, wohl Vater und Sohn. Xach Hds. a handelt 
es sich im obigen Berichte um den Jüngeren. /72J wohnte dort Hans 
Hinrich Kahl, als XV ler schossfrei: Kieler Schossbuch 172s Hds. p. 167. 
4 Siehe S. 4g Xote j. 

5 



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66 1580 [I, io6-io7 

gesteinbrücket worden, welches ihm, dem Pförtener, zu nahe 
zu seyn deuchte, solches nicht leiden wollen, dahero den Stein- 
brücker Hans Schrödcrn, auf den Knien im Sande wie gewönlich 
sitzende, plötzlich angefallen und demselben den Dolch rückling 
zwischen beiden Schultern eingestochen, daß der arme Man alsobald 5 
nach solcher Verwundung sein Leben erbärmlich laßen müßen. 
Nach welcher erschröklichen Tahtvolziehung der Thäter also- 
bald mit gezuktem Gewehr seinem Schwägern und Nachbaren 
zur nechsten Thür (wo Lilienthal 1 gewohnet) ins Hauß gelauflfen, 
woselbst er vielleicht auch nicht viel Gutes würde ausgerichtet 1° 
haben, wen er seinen Willen Volbringen mögen und gute Leute 
es nicht gehindert hetten. Dieser Hans Pörtener hat sich darauf 
aus der Stadt gemacht und nach Roest 2 zu Asmus Rumohr 8 
begeben [von dannen zwar üm ein sicher Geleit angehalten, ist 
aber abgeschlagen. 15 

Anno 1585 im Augusto sind von Herzog Johansen 4 zu 
Meklenburg etc., auch vorhin schon von verschiedenen andern 
Fürstl. Personen, Interceßionalschrciben an Bürgermeister und 
Ra/it üm Erhaltung eines freyen sichern Geleits vor disem 
Pörtner eingekommen etc.] 20 
107 * 5 Anno 1580. Oswald von der Wische von Ascheberg *P- 8 S 

/. Pförtner a. j. Hans SchrÖdem : Jürgen N. a, jedoch später 

gestrichen und durch Hans Schröder ersetzt. 4. demselben — 

rückling : ihm seinen Dolch rücklings a. 6. solcher: empfangener 
solchen«/. 7 -8, alsobald : also a. q. Der eingeklammerte Zusatz fehlt 25 
in a. 12. es — hetten : nicht darzwischen kommen, die ihn daran 

verhindert a f>ag. 14. Pörtner a. 14-20. Die in eckige Klammern 
eingeschlossenen Worte stehen nur in a. 21. Anno fehlt a j>ag. ib. 
Randglosse daselbst zu Oswald : in der HolstenstraUc wohnend. Wisch a. 

'Caspar hillyenthall in dem heutigen Hause nr. 32: Kieler Schoss- 30 
buch /6q4 Hds. p. 134. Timm Wriedt gehörte das Haus seit 1372: Erbe- 
buch nr. 1969. 

* Gut im Kreise Flensburg, Kirchspiel Kappeln, seit 1498 im Besitz 
der Rumohre: Schröder, Topographie II, igj f. 

8 Zeitschr. d. Ges. f. Schi. Holst. I.auenl>. Gesch. XXIV, 163 z. J. 35 
/j6/; Staatsbürgerl. Magazin X, göj z. J. IJ64; Zeitschr. XXV, 223 
z. J. 1388. Asmus starb /jgo : Schröder, a. a. O. 

4 Johann VII. 1383—1392. 

5 Coronaeus- Petersen S. II. 146 p.j nr. 2, Coronaeus Petersen- Wilhelmi 

S. II. 147 p. 1-2 nr. 2, Coronaeus- Petersen- A'oodt S. II. 148 p. 33. Noodt 40 



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1, io7-io8] I5 8o 67 

und Philip von Ahlefeld von Seegarden 1 hatten sich einander auf 
Leib und Leben entsaget. Als nun Herzog AdolrT sie nach 
Gottorf beruffen, iim sie unter einander in Güte zu vertragen 
und dieser Oswald 2 von der Wische wieder nach Hause reiten 
s will, da begegnet ihm sein Wiederpart Philip von Ahle fr/*/ zu 
ßußdörf 3 nicht weit von Gottorf. Der schießet disen Oswald 
lahm, aber der Oswald schießet den Ahlfeld wieder durch sein 
Eingeweide, davon er gestorben. 

4 Um diese Zeit hat Detlef Sccstedc von Stendorf des BischorTen 108 

io j. beruften: citirct <». 4. Wisch a. 6. Ilustorf ti. 7, der Oswald : 

derselbe 11. S. gestorben: den Tod bekommen. Kp/Vn/A/Vi f. 

bei Camerer, Gedanken vom Duelle (Leipzig 175h), S. S>jS>j. Seit rotier, Dar- 
stellungen*'. Schlössern u. Herrenhäusern d. Herzogt. Schles>o. Holst, l.auenb., 
S. 17. Von hier ab bis § rj7 lässt Bremer innerhalb der Erzählung 7'o/u yahre 

»5 rjSo eine Sammlung tragischer Falle der Adelschronik folgen , 'welche Coronaeus- 
Petersen ohne jedesmalige yahresangabe z. y. fjSo in seine Epitaph ia einreihte. 
Nur zwei Falle hat Bremer aus der Sammlung herausgehoben und bereits früher 
gebracht: Fall y>h. v. Ahlefeld (§57) zwischen ijjo und IJJ4 und Fall 
Detleff BroktörfChristoffcr Buclnvald (§ /ojj an der Spitze der Ereignisse 

20 des yahre s ijSo. 

1 Gut Seegaard im A'reise Apenrade, Kirchspiel A'lip/eß'. 
-Sohn des Georg (yHrgeuj v. d. Wisch: yahrb. f. d. l.andesk. d. 
Herzogt. Schi. Holst, l.auenb. IX, 4S2 ; /.eitschr. II', igy ; XX/]', /68. In 
Kiel wohnte Oswald auf der rechten Seite der llo/stenstrasse. 
35 8 Busdorf Coronaeus- Bei eisen S. II. 14g p. 4 falsch : Hastor IT, dsgl. 

Xoodt bei Camerer S. 6j: Jirunstorf. 

* Coronaeus- Petersen S. II. 146 p.j nr.j z. y. 15S0, Wilhelm i Ilds. 
p. 2 nr.j z. y. /5S6, Xoodt S. II. /4S p.32 =■ 7- 'J77. H- '49 <-'/■ <*' 

2. y. /jS/. Camerer S. 6j nr. 2. Die yahresangabe 1577 ' st "Hein richtig. 
30 Siehe die Inschrift in der Eutiner Kirche nahe beim Hauptaltar : Anno 1577 

den 7. Juny ist der edel- und ehrvesier Ilarbort von Holle, Haupt- oder 
Ambtmann zu Utin, zu Erhaltung dieses StitTtes Gerechtigkeit auff dem 
Vißauer Felde erschoßen. Den (iott gnade (mitgeteilt von Fr. Cogel im 
vierten Hauptsatz seines hdschr. L'thinischen Bischofsgedächtnisses : Programm 

35 des Grossh. Gymnasiums zu Eutin 1878, S. 14; aus Cogel bei Packmann, 
Einleitung z. Schleswig- Holsteinischen Historie I, 627 Xote h) und das Datum * 
auf dem Grabstein in der Sakristei: Anno 1577 den 7. Juny, anno aetatis 28 
(gleichfalls von Cogel mitgeteilt: Programm a. a. O.J. Durch die Mittei- 
lungen Cogels erledigen sich auch die falschen Angaben von Coronaeus- Petersen 

40 S. II. 14g p. 4 J, 149 A p. 2 nr. 3, 14g B p. 3-4 nr.j, welche den erschossenen 
Ilarbort von Holle zum Eutiner Bischof machen, u. von Coronaeus- Wilhclmi, 



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68 



1580 



[I, io8 



von Lübeck, Nahmens Eberharten 1 von Holle, Vettern Hcrbortcn 
von Holle 2 vor Eutyn bey der Kisauer 8 Brücken auf der Jagd 4 
erschoßen. Da dieses des Erschoßenen 5 Bruder, ein Edelman 
aus dem Lande Braunschweig, mit Nahmen Cord 6 von Holle, 

/. Lübck n fing. 17. 2. Kuthin a. Kihcsauer a. 3. Erschoßenen : 5 
erschoßenen Bischofs a. 

der nicht den Eutiner Amtmann Harbort von Holle, den Bruder des in Eutin 
residierenden Lübecker Bischofs, sondern diesen, den Bischof Eberhard selbst, 
erschiessen liisst. Siehe auch in Bremers Hds. a: des erschoßenen Bischofs. 
Um die Venoirrung zu steigern, macht Cor.-Wilhelmi nicht den Curt von 10 
Holle, sondern den Eutiner Amtmann , des erschoßenen BischofFs Bruder, 
zum Köcher und lässt diesen nach geübter IViederve/geltung nach Braunschweig 
reiten. Doch sei der gerechten Beurteilung halber hervorgehoben, dass bereits 
IVilhelmi in einer /Randglosse auf Cogelius im 7. Hauptsatz des Uthinischen 
Stadtgedächtnisses himoeisl, nach dem der Ermordete der Eutiner Amtmann, 15 
des Lübecker Bischofs Bruder, gnvesen sei. Das gedruckte Uthinische Stcult- 
gedächtnis (Plön /712, Lübeck 17 ij) enthält nichts über unsern Fall. Den 
Bericht der Eutiner Handschrift des Bischofsgedächtnisses siehe weit er. — 
Der 7'häter Detlef Sehestedt ist ein Sohn des Paul Sehestedt auf Stendorf 
und Ihpenau : Zeitschr. I, 81. Stendorf, nordöstlich v. Eutin. Cor. -Petersen ao 
S. IL. 14g falsch: Stcnderup. 

1 Bischof des protestantischen Bistums Lübeck 1361 — ij86. 

2 S. IL 14g: Ilupart von Halle, 14g A ; Harpert von Hajl, 14g B: 
Ilarpart von Halle, xYoodl Hdss. : Herbert ^S*. //. 14g C: Hebert) von Holle. 
Den richtigen Xamen hat die Grabschrift bei Cogel: Harbort von Holle. 25 
Der Er /nordete war der Bruder des Lübecker Bischofs, nicht, toie Coronacus 
bei Bremer a und in S. IL 146 angiebt, der Vetter. 

8 Coronacus bei Bremer Hds. a: Kihesauer, Cor. -Petersen S. H. 146: 
Kißetaver (wozu Moller noch die Variante Kißauener notiert), S. H. 14g: 
Ilißaucr, 14g A: Kißauer, 14g B : Keßauer, Noodt S. IL 148: auf dem 30 
Tißauer ( Camcrer : Fischauer) Felde. Richtige Namensform nur bei Wilhcl/ni : 
vor der Vißauer Brücken, und bei Noodt S. IL jSo A p. 10 und 14g C: 
au! dem Fissauer (Fißauer) Felde. Dorf Eissau bei Eutin ; zu/n Dorfe 
gehört Fissaubrück, heute Wirtshaus an der Preetzer Landstrasse : SchrÖdcr- 
Biernatzki I , jSj. Die von Noodt vorgenommene Ersetzung der Ortsbezeichnung 35 
bey der Brücken durch auf dem Felde beruht auf Lackmanns Mitteilung 
der Eutin er Inschrift. 

4 Noodt : welcher ihm das Jagen verwehren wollen. Siehe S. 6g Note j. 

5 Cor. Petersen S. II. 146 hier richtig : Da nun dieses des Bischoffs 
Bruder. Eberhard, Ilarbort und Curt waren Geschwister. 4« 

" ,S\ //. /■/<?: Cort von Halle, /4g A: Cordt von Hall, 14g B : Cnut (/) 
von Halle. Noodt Hdss. richtig: von Holle, Camcrer falsch: von Halle. 



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I, 1 08-109] 



09 



hürete, kam er mit etlichen Pferden in Holstein, machte es mit 
einem Schäflfer 1 , der es ihm muste anzeigen, wan der Seestede 
zu Felde geritten. Darauf Cord von Holle den Seesteden eben 
an demselben Orte, da sein Bruder erschoßen, wiederum er- 
5 schoßen hat 2 und ist darauf nach dem Lande Braunschweig 
geritten. 3 

4 Diederich Hoyke* stellte sich auch in der Stadt Kiel 109 

6. a schliesst mit Quellenangabe Epit. f. 2, 2. 7. Dietrich a pag. iS. 

Im Landregister v. J. 1361 wird Cuert von Holle als Vertreter des Lübecker 
10 Bischofs mit 16 Pferden aufgeführt: Zeitschr. XXIV, ijj. 

x Cor.- Petersen S. H. 146: Schützen, die übrigen Hdschr.: Schäffer 
oder Schäfer. 

* Nach v. Stemann in Zeit sehr. I, 82 erst /J79, a ^ so stl ' c * führe 
nach dem ersten Morde. Curt von Holle übte die Blutrache ungeachtet des 

15 dem Detlef Sehestedt vom Könige erteilten sicheren Geleits. 

1 Cogel im hdschr. U finnischen Bischofsgedächtnis (Programm d. Grossh. 
Gymnasiums zu Eutin /SjS, S. 14): Streitigkeit derer Bischöflichen und 
benach bahrten Stendorffischen damahls edlen Herren von Seestede, welche 
daher entstanden, daß der Scested im Stifft zu jagen nach eigenem Belieben 

20 sich angeinaßet, so der Bischoff nicht gestatten wollen, drüber der zu 
Stendorff erbgeseßene Seested den Bruder des Bischoffs Hellbert (Harborf 
von Holle alß Bischöflichen Amblmann erschoßen, weßwegen einige Ver- 
mummete demselben Seesteden im Ochsenhalß (einem sogenandten Cehöltze^ 
auffgepaßet und ihn vor Stendorff nahe am Walde bey denen noch stehenden 

2 5 einzehlen Eichen, im Wege bey den Buhrfeldc, wiederumb erschoßen. 
Daraus Lackmann, Einleitung zur Schleswig- Holsteinischen Historie I, 619, 
62S A'ote i; aus Cogel- Lackmann stammt bei Xoodt die Angabe über den 
Ort der IViedervergeltung : vor Stendorf nahe am Walde. Die Ermordung 
des Detlef Sehestedt fand also nach Cogel nicht -»eben an demselben Orte* der 

30 Ermordung des Harbort von Holle statt. Beide Lokalitäten sind eine gute 
halbe Stunde von einander entfernt. 

4 Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. j nr. 5, IVilhelmi Hds.p.jnr.j, 
Xoodt S. II. 14S p.33. Ciaeden, Mouumenta Flensburgeusia II, 114 Anm. 
Ä S. II. 146: Didcrich Hoeke, die übrigen Ildss.: Dieterich Hoeckc; 

35 S. II. / 49 p. 6 falsch: Diedcrich Höcker, dsgl. Xoodt bei Ciaeden: Died. 
Molk. Die Xamensformen Iloykc, Hoicke und Hoeke, Hoeckc werden für 
ein und dieselbe Familie ohne Unterschied gebraucht ( vgl. z. Ii. Zeitschr. 
IV, 197 mit XXIV, IJQ), dagegen ist Holk Beiname einer davon getrennt 
zu haltenden Familie. Im Landregislcr v. J. /j88 wird ein Dietrich 

40 Hecken zu Sundewilt aufgeführt: Zeitschr. XXV, 334; im Landregister 
v. J. 1608: Diederich Höcke zu Westerbecke ( Seester n-Pauly, Beiträge 
z. Kunde d. Gesch. d. Herzogt. Holstein II, 94). 



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70 



1580 



[I, I09-HO 



muhtwillig an', aber die Bürger kamen zusammen, versperreten 
die beiden Landthöre 2 und wolten disen Hoykcn gefangen nehmen. 
Da er nun vor die versperte Thore kam und nicht entfliehen 
kontc, rennet er endlich nach dem Schumacher*thor an das */. S6 
saltze Waßer 8 , sprang mit dem Pferde von der Schiffbrücken 5 
und schwemmete mit demselben hinüber nach dem weißen Berge 4 
und entkam also aus der Kieler Gewald. 
1 1 0 ö Otto von Buchwald von Muggesfclde hat Detlef Broktörfen 6 , 

4. kam er endlich vor das Schumachcrthor a. 7. a schlüsst mit 

Quellenangabe : Kpit. f. 2 f. Brnktorfen a fing. 37. 10 

1 Die Conjunktion auch ist hier nach der Erzählung vom Falle 
Sehestedt von Holle (§ 10S) nicht am Platze. Wohl al>cr ist sie hei Conmaeus 
verständlich , wo unserem Berichte der über den t> Mutwillen* des Johann v. 
Ahlefeld (§J7J vorhergeht. 1 Das Dänische um/ das Holstenthor. 

* Mit Ausnahme von firemer a und S. H. 146 haben sämtliche he- 15 
nutzten Coronaeus- Hdss. einen andern Schluss. S. II. 149 A p. 2-j nr. j : 
uwl sagte zum (Jaul: >Mäunecken, wilt du ein Fuder Ilabern verdienen, 
so hilft" mich jetz aus der Noht!« Als nun die Bürgerey mit Macht auf 
ihm zu drang, da sprang er von der Schiffs-Brücke und schwemmete (149 B 
p. 4 nr.j : schwimmete, S. II. 14g und Wilhelmi : schwamm, Xoodt : schwimmt ) 10 
mit dem Pferde über das saltze Haff (Wilhelmi: über den saltzen Hafen, 
Xoodt: über das saltze Wasser,) nach den weißen Berge (Xoodt: nach dem 
Wittenberg ), schoß seine beyde Puffer (Xoodt: Pistolen^ den Kielern zur 
Bravade (Xoodt Hdss.: zum Tort,» ab und zeigte den Kielern den Hinter- 
spiegel (14c) Ü ': lösetc die Hoose und zeigte den Kielern das Hinterkasteel, 25 
Xoodt: darnach löset er s. v. die Hosen und zeiget selbigen die postprae- 
dicamenta^. 

4 Wittenberg beim Selen/er See liegt von der Kieler Schiffbrücke zu 
weit entfernt. Es kann sich nur um eine AnJiöhe am jenseitigen Ufer des 
Kieler Hafens handeln, etwa um die heutige Wilhelminenhöhe. 30 

5 Coronaeus Petersen S. H. 146 p. j nr. 22, übereinstimmend mit Hds. a. 
In den übrigen Handschriften fehlt hier eine entsprechende Eintragung. In 
der That gehört die Xachricht vom Morde des Otto v. Buchwald nicht hierher, 
sondern in das fahr 161 8. Siehe weiter Bremer (aus Coronaeus) zum ge- 
nannten Jahre, wo jedoch nicht Detlef Brockdorff, sondern Johann Ratlcnv 35 
der Ermordete ist. Um zwei verschiedene Morde des Otto v. Buchwald kann 

es sich nicht handeln, da es umoahrscheinlich ist, dass der Genannte /j8o 
in Gottorf vor der blauen Pforte den Detlef Brockdorff und 1618 genau an 
derselben Stelle den Johann Ratloiv erschossen oder erstochen haben sollte. 

7 Zeitschr. XI, J44. Das dort angegebene Todesjahr 161 7 stammt 40 
nicht aus den älteren Coronaeus-Handschriften, sondern aus Xoodt. 



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I, UO-IIl] 



71 



Detlefs Sohn von Schrevenborn, zu Gottorf vor der blauen 
Pforten erstochen. 

dieser Otto von Buchwald war den Bauren sehr hart, 111 
darüm sie wieder den Junkern sich mit einander verbunden. Als 
5 er nun auf eine Zeit des Morgens früh verreisen will, da folgen 
ihm die Bauren nach und überfallen ihn hinter dem Stocksee 2 
und ermorden ihn samt dem Kutscher. Der Junge 8 entkörnt 

3. a fügt hinzu: und ist davon gekommen. Ep. f. 4,a. J. a pag. iS 
beginnt: Zu dieser Zeit hat Otto von Buchwald zu Muchsfeldc Hauß gc- 
IO haken, dieser war etc. 

1 Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. 6 übereinstimmend mit Iltis, a, 
Wilhetmi Hds. p. 4 nr. 6, Noodt S. II. 148 p. 34. Die Angabe Bremers, 
dass der von den flauem erschlagene Otto von Buchwald auf Muggesfelde 
mit dem gleichnamigen Mörder des Detlef Brockdorff identisch sei, beruht auf 

15 der irrtümlichen Datierung des Gottorfer Mordes zum Jahre 1580. Geschah 
dieser erst 1618, so kann der Thäter nicht selbst schon ij8o erschlagen 
worden sein. Dass aber die Ermordung durch die Bauern in die Zeit vor 
ijgj fällt, ist durch Angelus bezeugt, der bereits in seiner IS97 veröffent- 
lichten » Holsteinischen Chronica*. Bd. I, dessen Vorrede das Datum des jo. Aug. 

20 ijgj trägt, S. 44 erzählt, dass Claus von Buchwald, Sohn des Marquard 
v. Buchwald zu Borstel und Sierhagen (Zeitschr. IV, 272), von seinen eigenen 
Bauern tot geschlagen wurde *wie auch sein Vetter Otto von Buchwa/dt zu 
MugessfeldU. Die beiden Muggesfelder Ot tonen sind also verschiedene Per- 
sonen. Die Ermordung des einen Otto durch die Bauern setzt Coronaeus um 

25 1380 ; S. II. 146: 7.n dieser Zeit hat Otto von Buchwald zu Muggesfeld 
Haus gehalten (ebenso Hds. a), vorhergeht der Bali Hoyke. Noodt beginnt 
noch bestimmter : Anno 1 580 hat Otto von Buchwald etc. In der Buchwaldschen 
Stammtafel, die v. Stemann aufgestellt hat (Zeitschr. IV, 280), ist dieser 
Otto nicht verzeichnet. Die Landregister von 1343 und IJ46 (Neues Staats- 

3 o bürgert. Magazin III, 72; VI, 207), s<m>ie von /jöi (Zeitschr. XXIV, 167), 
nennen Detlef v. Buchwald als Besitzer von Muggesfelde. Im Landregister 
von 1388 (Zeitschr. XXV, 228) erscheinen Detlefs Söhne: Hans v. Buchwald 
zu Muggesfelde und Claus v. Buchwald zu Wensin. Damals ivar also Otto 
v. Buchwald zu Muggesfelde schon erschlagen ; er ist als Sohn Detlefs, nach 

35 dem Grossvater Otto (Zeitschr. IV, 263) benannt, dem Stammbaum einzu- 
verleiben. Erst nach dem Tode Ottos (also vor /38S) ging Muggesfelde an 
seinen jüngeren Bruder Hans über. Wie Schröder- fliernatzki II, 172 be- 
merken, wird Otto auch 1377 als Besitzer von Muggesfelde genannt. 

* Südlich des Grossen Plöner Sees. Cor. Petersen S. H. 14g B p. 3 
40 falsch: Stahlsee, desgl. Noodt S. H 148: Waal See, S. H. 14g C: Maal See. 

• Deutlicher Coron. -Petersen S. H 14g A p. 3 nr. 6: Des Junckers 
Junge soll mit herhalten, aber der entwischet, ebenso oder ähnlich die üMgen 
Hdss. mit Ausnahme von Bremer a und S. H. 146. 

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72 1580 [I, "I H4 

ihnen aber und bringet die Zeitung nach Muggesfelde 1 . Die 
Mörder lauflfen zwar nach Lübeck in Meinung, sich zu salviren, 
aber sie werden bei dem Rahte angeklaget, herausgeliefert und 
zu Muggesfelde gerädert 2 . 

112 3 Detlef Seestede zum Borstel 4 hat Didrich Pogwischen* von 5 
Doberstörf zu Preetz üm eine geringe Ursach 6 erstochen 7 . 

113 8 Claus von Damm hat sich zum Kiel in der Schumacher- 
straßen am" Brantwein zu Tode gesoffen und blieb auf Hans 
Pörtners 10 Bcyschlage besitzen. 

114 11 Krich 1 2 Breide ward zu Sonderburg auf dem Markt todt «> 
geschlagen. 

/ ;/. 4. Miichsfdric a. 4. a fing. 10 sehtiesst mit Quellenangabe : 

Epit. f. 3. 5. Difilerich a. 6. a seltliesst mit Quellenangabe : 

Ep. f. 3. S-Q. Hanli Pörteners a. Q. a sehtiesst mit Quellen- 

angäbe: Epit. f. 3. //. a Pag. 20 seliliesst mit Quellenangabe : Ep. f. 3. 15 

1 //// Kreise Segeberg, Kirchspiel Schlamersdorf. 

2 J/i/s. a und S. II. 146 ausgenommen, betonen alle J/dss., dass die 
Bauern sämtlich gerädert wurden. 

8 Coronaeus Petersen S. II. 146 p. 4 nr. 7, Wilhelmi Ilds. p. 4 nr. 7, 
Xoodt S. II. 14$ p.34. Camerer S. f>s nr. j. Der Fall passierte erst töoo : 20 
siehe weiter die X ach rieht Bremers (aus Coronaeus ) zum genannten Jahre. 
Der Morder war nicht auf Borstel ansässig, sondern auf Pcrdoel. 

* S. II. 1 46 falsch: Boßel. Gut Borstel im Kreise Segeberg, Kirch- 
spiel Sülfeld ; es war niemals im Besitz der Sehestedte: Schröder- Bier natzki 

I, 242. 25 
5 S. H. 146 und Wilhelmi S. II. 147 : von der Wisch. 
rt S. II. 14g p. 7: umb liederlicher Uhrsache willen. 
7 Xoodt: erschossen. 

* Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. 8, Wilhelmi Hds. /. 4 nr. 8, 
Xoodt S. II. 14S p. J4. 30 

v Die Coronaeus- Handschriften fmit Ausnahme i'on Bremer a) und 
ihre Fortsetzungen haben sämtlich: im oder in. 10 Siehe S.65 A'ote S- 

11 Coronaeus Petersen S. II. 146 p. 4 nr. t), Xoodt S. II. 148 p. S4- 
Fehlt bei Wilhelmi (von anderer Hand nachgetragen). Ciaeden, Monumenta 
Fleusburgensia II, jo Anm. Xach v. Stemann in Zeitschr. III , iqj wurde 35 
Erich Breide 1577 ersehlagen, infolge dessen die Klagen der Brüder gegen 
die Stadt Sonderburg längere l erhandlungen herbeif ührten. Ciaeden II, 49 50 
erzählt nach dem Flensburger Gcrichtsprotokoll v. 21. Febr. 1378 von einem 
Überfall, den Erich Breide gegen den Sonderburger Bürgermeister Hans 
Bettken in Flensburg beabsichtigte. 4° 

12 Xoodt S. H. 14g C f. 7* falsch: Hinrich. 



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I, U5 H7J 



73 



*/• 9* * l Jakob Meinstorf 2 hatte sich im Nordstrande am 8 Brantwein 1 15 

vollgesoffen und leget sich mit dem Angesicht in ein Küßen, 
in welchem er ersticket und schleunig tod gebliben. 

4 Baltzer Ä Broktorf hat I)etl</ von Thicnen mit 24 Wunden 116 
5 zu Flensburg erstochen. 

"Ebenermaßen hat auch Wulf Rantzow, Oven Sohn von 117 

j. n.J. ,1 schliesst mit Quellenangabe . Kpit. f. 3. 

' Coronaeus- Petersen S. II. 146 />. 4 nr. 10, Wilhelmi Ilds. p. 3 nr. 9, 
Xoodt S. H. 14S p. 34. 

IO 8 -V. //. 14g p. S falsch : Münstroff. Sohn des Claus Meinstorf, des 

Stallers in Xordstrand 1576— ijSj : Joh. Petreus S.fl. 222 A f. 30, 97/ 
Heimreichs Nordfresische Chronik ed. Falck I, 284 Tabelle; II,3 2 - Uber 
den Tod Jacobs hat Heinireich nur die Xotiz: Jacob, so in Illgroff ohne 
Erben gestorben. Wie Xoodt S. II. 148 p. 1 03 ohne Quellenangahe bemerkt, 

15 hat sich Jacob mm das fahr 1594 in I/grof Siele an Rrandhoein zu Tode 
gesoffen*. Quelle hierfür ist Petreus S. IL 222 A f. /3J V z. f. /39b: wo 
de ehrnveste und ehrlwr<r Clauß MeinÜdorp, [und sine] fraw Ida gestorven 
und ere söhn Jacob MeinÜdorp in gebranten wein tho dode gesopen, dar- 
von withloflftiger in min Annalibus. Der Ort ist im Register der genannten 

20 J/ds. s. v. Clauß notiert: Clauß [MeinÜdorp] mit siner frowen Ida ge- 
storven, denen er einige söhn Jacob MeinÜdorp, so sich by UgrofT Siell in 
brandwein versehn, bald gefolget is. a Die Cor.-Hdss. 7oie S. 72 Xote 9. 

* Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. //, Wilhelmi Hds. p. 3 nr. 10, 
Noodt S. II. 148 p.34. Camercr S. 63 nr. 4. Ciaeden II, 53 • T)as Todes- 

25 jähr 13S0 ist falsch. Xoch im Landregister v. J. 13S8 CZeitschr. XXI', 22S) 
erscheinen: Detlef und Heinrich von Tinen zu Itzehoe, Otten SohnJV]. 
Ebenso berichtet das Flensburger Gerichtsprotokoll v. 16. Sept. 13S9 über 
Ausschreitungen, die Detlev von Thien kurz 7-orher in Flensburg begangen 
hat (Ciaeden II, 3031). Das richtige Dalum hat Jonas Hövers Flensburger 

30 Hausprotokoll (Claedcn 1 1 , 1 22 Anm.) : Anno 1594 den 7. Apr. stach B. 
Hrockdorff Dethlev von Thien in sinem eigenen hus, da nu de ambtschriver 
Died. Wittmack wahnet, mit sinem eigenen dolken tho dode. Vgl. im ' 
Landregister v. J. 1D08 ( Seestern- Pau/v, Beiträge z. Kunde d. Gesch. d. 
Herzogt. Holstein II, 9S) : Delleff und Ilinrich von Tincn zu Izeho, Ottens 

35 söhne, seint erstoche. 

* S. II. 146, 147, 14S : Balthasar. Ober Balthasar v. Brockdorff siehe 
Zeit sehr. XI, 331. 

6 Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. 12, Wilhelmi Hds. p. 3 nr. //, 
Xoodt S. II. 148 p.3s. Camerer S. 63 nr. 3. In der citierten Xoodt- Hds. 
40 ist 13S0 mit anderer Tinte in 13S1 verbessert. Beide Daten sind falsch. 
Heinrich von Thicnen lebte noch 138S : siehe den in Xote 4 gedruckten 
Passus des damaligen Landregisters ; ebenso 13S9: siehe Bremer z. diesem J. 

5* ' 



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74 



[I, ii7-ii8 



Saltzow 1 , Henrich von Thienen zu Eckernförde erstochen 8 . 
118 s Cay von Ahlefeld 4 , zu Eckernförde seßhafft, hat Hinrich 5 

von Ahlefelden von Grönwohlde 0 zu Eckernförde in der langen 
Brügstraßen erstochen. 

/. n schliesst mit Quellenangabe: Ep. f. 3. z. Kckernfordc A. 5 

j. Grün woldc a. 4- <*■ schliesst mit Quellenangabe : Ep. f. 3. 

1 S. H. 146 falsch: Seestede, S. II. 148: Oven Sohn von Saltzau 
(al. Sehestedt). Der Sohn des Ove von Sehestedt auf Depenau (S. 7J 4) hiess 
nicht Wulf, sondern Detlef seit 1620 Propst des Preetzer Klosters, gest. i6j8: 
Zeitschr, I, 82. Der Grossvater unseres Mörders war : Wulf Rantzau zu 10 
Wittenberg, der Vater: Ove Rantzau, der rjj6 von Andreas Rantzau zu 
Sa hau (siehe oben S. Jj Note 2) adoptiert wurde und das Gut Sa hau erhielt 
(Zeitschr. II, 120 f.). Ove Rantzau wird noch im Landregister 7t. J. 1388 
als Besitzer von Salza u aufgeführt (Zeitschr. XXV, 227), bald darauf hat 
er das Gut an Daniel Rantzau verkauft, der als Besitzer von Sa hau dort 15 
1589 Aug. /2 starb: Moller, Iiistor. Nachricht v. d. Geschlecht von Ahlefeld, 
S. ijj; Zeitschr. II, nj. In Kiel, wo er zeitweise Amtmann war, hatte 
Ove Rantzau ein Haus in der Schmiedestrasse. Oves Söhne waren: Andreas, 
Melchior, Jasper, unser Wulf, Ivo. Ausschreitungen, die von den Söhnen 
Ortes in Kiel begangen wurden, sind weiter von Bremer verzeichnet. 20 

* Die Coronaeus-Hdss. S. H. 14g, 14g A, 14g B fügen hinzu: in 
seinen Sünden. 

3 Coronaeus- Petersen S. H. 146 p. 4 nr. 13, Wilhelmi Hds. p. j nr. /j, 
Noodt S. N, 148 p. jj. Camerer S. 66 nr. 7. Ciaeden II, 180 Anm. 
Der Fall gehört in das Jahr 1621. Der Mörder war nicht Gay von Ahtefeld, 25 
sondern Otto Kistenmacher ; wenigstens wurde dieser des Mordes angeklagt. 
Datum und Einzelheiten theilt Noodt S. II. 148 p. 7J aus dem Eckernförder 
Stadtbuch oder Stadtprotokoll mit: Anno 1621 den 20. Oct. ist Hinrich von 
Ahlefeld zum Grönenwolde auf der Straße zu F.ckernfoerde vom Leben zum 
Tode gebracht und Otto Kistenmacker (Noodt p. jj: Kistenmacher) von 30 
dessen Anverwandte und Schwager Bendix und Gosche von Ahlefeld (Je- 
brüdere dieser That beschuldiget, jedoch hernach die Sache von den 
Königl. und Fürstl. Commissarien Otto von der Wisch, Daniel Ranzau und 
Melchior Witte in Güte vertragen worden, wie das Eckernförder Stadt- 
Protokoll (Noodt p. jj : Stadtbuch ) de hoc anno etwas weitläufiger meldet. 35 

* Im Landregister 1626 s. v. Eckernforde ( Seestern- Pauly II, 10g): 
Ccy von Alefeldt. S. II. 14g B p. 6 nr. ij falsch : Claus. 

6 Sohn des Asmus II. auf Grönwohld: Jahrbücher f. d. Landesk. 
X, 147. Da Heinrich /621 ermordet wird, nennt das Landregister v. J. 1626 
(See stern Pauly II, ioj): Gronewolds Hinrich von Alefeldts Erben. 40 

ö Gut Grönwohld im Kreise Eckernförde, Kirchspiel Krusendorf: 
Schröder, Topographie I,JJo ji. 



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I, II9-I2I] 



1580 



75 



Jürgen von Ahlefeld, Cajen Sohn, hat Herman 2 von Ahlefeld 1 (9 
zur Fresenburg vor der Thür erstochen. Der Thäter und Ent- 
leibeter waren zweyer Schwester Kinder. 

8 Jürgen Lechau 4 war bey Ove Seesteden 5 zur Depenau zu 120 
5 Gaste gewesen. Da sie nun zimlich mit einander gesoffen 
und der Lechau wegreiten will, giebt ihm Ove Seestedcdas 
Geleite. Wie sie nun vor dem Hove Depenau 6 mit einander 
uneinig werden, sodaß sie bede die Pistohlen rücken, wird der 
Lechau von dem Oven Seesteden erschoßen. 
10 i:7 Theodoricus* Broktorf von Windebüy ist von einem un- 121 

92 echten Detlef 9 Rantzowen zum Kleetkampf 10 Sohn im Dorfe 
Selmerstörf 11 erschoßen worden. 

/. Cajen : Kaycn a pag. 21. J. a schlitsst mit Quellenangabe : Kpit. f. 3. 
Q. a. schliefst mit Quellenangabe : Ep. f. 3 in fine. //. Kletkampfcn a. 
1 5 Selmerstörf a. n. a schlietst mit Quellenangabe: Kp. f. 4 pr. 

I Coronaeus- Petersen S. II. 14b fi. 4 nr. 14, Wilhelmi Hds. p.j nr. 12, 
Xoodt S. ff.jSo A p. 14 am Rande. In Cor.- Petersen S. II. 14g B und 
Noodt S. H. 14S, 14g C fehlt hier die betreffende Eintragung* findet sich 
aber z. J. 1627. Erst damals wurde Henneke von Ahlefeld (so ist für 

20 Herman zu lesen) von seinem Vetter erstochen. Siehe weiter Bremer zum 
genannten Jahre. 

* S. II. 146: Henneken, die andern Ildss.: Hennecke, Hencke, 
Heinicke, Heincke. 

8 Coranaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. /j, Wilhelmi Hds. p. 6 nr. 14, 
J5 Noodt S. H. 148 p.jj. Camerer S. 66 nr. 6. 

4 Die Coronaeus- Ildss. haben die Lesarten : I^chau, Luchau, LUchau, 
Lüchow, Lüchow. S. H. /49p. 9 hat sogar: Luckau. 

5 Sohn des Paul Sehestedt auf Depenau ( und Stendorf) : Zeitschr. I, 
8/ 82 ; XXV, 227 ; Seestern- Pauly II, 96. Oves Bruder ist Detlef, der den 

3° Eutiner Amtmann /J77 erschoss: ß 108. 0 Im Kirchspiel Preetz. 

7 Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. 16, Wilhelmi Hds. p. 6 nr. ij, 
Xoodt S. H. 148 p. jj. Camerer S. 66 nr. 8. 

8 Mit Ausnahme von Bremer a haben sämtliche Coronaeus- Ildss. : 
Theodosius. Dieser starb erst kurz vor 1600 : Zeitschr. XI, 348. 

35 9 Detlef Rantzau, Sohn des A'ai, Besitzer von Kletkamp, Gereby (heute 

Carlsburg) und der Burg zu Itzehoe, Amtmann von Oldenburg und Cismar, 
Rat Herzog Adolphs : Zeitschr. II, 147. Der den Theodor ius Brockdorff er- 
schiessemle natürliche Sohn Detlefs ist oben nicht genann*. Ein anderer 
natürlicher Sohn, Namens Paul, erhielt ijgo die Burg Itzehoe. 

40 10 Gut Kletkamp im Kreise Plön, Kirchspiel Kirchnüchel. 

II Selmsdorf in Mecklenburg-Strelitz, Amtsgericht Schönberg. 



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76 I580 [1,122-123 

122 'Otto Rantzow von Botkamp 2 , Breiden Bruder, der Dolle 1 
genant, hat Clausen 8 von der Wischen von Grönholtz 4 zum Kiel 
in der Haßstraßen 5 erstochen. 

123 6 Wulf von Ahlefeld, Moritzen Sohn von Nordsee 7 , ist von 

3. a fing. 2J sc Mi ss/ mit Quellenangabe . Kp. f. 4. 5 

1 Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. 17, Wilhelmi Hds. />. 6 nr. 16, 
Xoodt S. H. 148 p.33. Camerer S. 66 nr. q. Schröder, Darstellungen S. 21. 

* Gut Bothkamp im Kreise Kiel, Kirchspiel Barkau: Schröder-Bierndtzki 

I, 246. Otto, »der Tolle*, und Breide (gest. 163g) sind Söhne Pauls, des 
Bruders des Statthalters Heinrich Rantzau: Zeitschr. II, 133. 10 

* Das richtige Todesjahr 13S6 ist aus dem Kieler Kirchenregister 
dieses Jahres s. v. hevinge der klocken ersichtlich : Dem edlen und erntfesten 
Clawes van der Wischen, Detleffs [ffds.: Deleffs] söhne tho Gronholt, 
nageludt, de alhie erstecken wordt, 124 puls, ider 1 puls Ii ß, is 85 £ 4 |3. 
Die Einreihung unseres Falles z. y. 13 So ist schon deshalb falsch, weil 15 
Bremer seihst noch §§ 137, 173-178 in den yahren 1383 — 1386 von Claus 
begangene Ausschreitungen berichtet. Von Detlefs Kindern kennt Stemann 

in yahrb. IX, 4Q6 nur eine Tochter Anna. Unser Claus ist nach dem 
Grossvater benannt, dem Besitzer von Grünholz, Damp, Xorby und ßienebek. 
Söhne dieses Claus I. sind Detlef, Melchior, Hans und Steuert. 20 

4 Gut Grünholz im Kreise Flensburg, Kirchspiel Sterup. 

5 Ebenso Wilhelmi und Corot/.- Petersen S.II. 14g, 14g A, 14g B; 
dagegen S. II. 146 und Xoodt S. II. 14S, 14g C: in der Holstenstraße, 
Xoodt S. II.380 Ap. 14: in der Haß- (al. Holsten) Straßen. 

" Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. /S, Wilhelmi Hds.p. 6 nr. 17, 25 
Xoodt S. II. 14S p. 3J. Camerer S. 66 nr. 10, Ciaeden II, 33 34 : Schröder, 
Darstellungen S. 131. Der Fall gehört in das yahr 1604. Siehe die 
Xachricht des yohann Peinhusen in seinen Flensburger Annale//, mitgeteilt 
von Moller, Iiistor. Xachricht v. d. Geschlecht von Ahlefeldt, S. 134 An///.: 
Item den 15. Aug. 1604, 5 dage nha I,aurentii, schot Marquart ( Rantzow] 30 
tho dode Wulff Rantzow, wo für Wulff Rantzow zu setzen ist: Wulff van 
Alevelden. Infolge Einspruchs des Flensburger Magistrats übernahm der 
dortige Amtmann Balthasar von Ahlefeld die Verantwo/ tung für die Bei- 
setzung des Wulff in das Familiettbegräbnis des Härtung Rantzau ( Ciaeden 

II, 33 macht irrtümlich diesen zum Mörder ) in der Fleusburger yohannis- 35 
kirche : Protokoll von 1604 Sept. 23 bei Ciaeden II ,33 -56; yahrbücher f. d. 
Landeskunde X, gi. Ein Bruder Wulffs ist der im Protokoll etn'ähnte, aber in 
der Ahlefeldsehen Stammtafel v. Stemanns (Tafel 3 j fehlende Gotische (Gosche). 

7 Falsch ist die Angabe Nordtorf, die sich in S. II. /4g B p. 6 nr. 13 
und S. II. 380 A p. 13 neben Nordsee findet (in S. II. 14g C f. «SV nur 40 
Nordtorff). Gut Kleb/ Nordsee im Kreise Kiel, Kirchspiel Flemhude. Cber 
Moritz v. Ahlefeld sie/u yahrb. X, gi. 



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I, 123 126J 



77 



' Marquard 1 Rant/.owcn zu Saxtorf* vor Flensburg bey Bow 3 er- 
schoßen worden. 

*Zwene Buchwaldten, leibliche Brüder, sind mit einander 124 
uneins geworden, da dan der eine Bruder den andern 0 bey der 
s Mühle zum Sierhagen 6 erstochen. Wie des Kntleibeten Unter- 
thanen sehen, daß ihr Junker todt, haben sie den Brudermörder 
wieder erschlagen. 7 

8 Paul Krumdyk von der Beeke" bey Itzehoe ist zur Neuen- 125 
stadt 10 von einem Ausländerin des Bürgermeisters Hause erstochen. 
io n Otto 12 Krummdyk ist vor der Beeke 18 von seinem eigenem 12« 

/. Saxtörf a. 2. <i schliefst mit Quellemingabe . F.pit. f. 4. J. Buch- 
waldcn a. 7. a schlirsst mit QttfUenangabe : Kp. f. 4. S. Neyenstadt a. 

1 Sohn des S. 48 , 2 genannten Hans, Schwiegersohn des Blensburger 
Amtmanns Balthasar v. Ahlefeld, gest. 16 jo. Moller, ///st. Xachr. v. </. Geschl. 

15 Ahlefeld, S. ISJJ4; Schröder, Darstellungen S. /jo-jt ; Zeit sehr. II, ijj. 

2 Gut im Kreise Eckernförde, Kirchspiel Rieseby. 

* Xoodt S. II. 148 richtig: Bau, Cor. Petersen S. II. 146: Bauw, 
S. //. 14g p. 10 falsch : beym Baum. 

* Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 4 nr. ig, IVilhelmi Ilds. p. 7 ///-. 18, 
20 Xoodt S. II. /4S p. JJ-J6. Camerer S. M nr. 11. ft Heinrich. 

"Xoodt hei Camerer falsch: Nierhagen. Sierhagen (im Kreise 
Oldenburg, Kirchspiel Altenkrempe) 'war ij8o im Besitz des Jasper ?\ Buchwald : 
Zeitschr. IV, 2JJ. i'nser Fall gehört in das J. ijgj : Zeitschr. XI,J4J. 

7 In S. II. 146 und Xoodt 14g C f Sr, jSo A p. ij folgt das Bibel- 
25 wort: Ecce quam bonuin et quam jucumlum, habitare fratres in unum. 

8 Coronaeus- Petersen S. II. 14g p. 1 1, IVilhelmi Ilds. p 7 nr. ig, 
Xoodt S. II. 14S p. j6. Camerer S. 66 nr. 12. S. II. 146 p. j nr. 20 Uisst 
Paul von seinem Jungen Simon Pärchen erschiessen , wirft also die Xachrichten 
über Paul und Otto zusammen ; demgemiiss fehlt dort unser § 126. 

30 * Xoodt bei Camerer falsch: Bcrke. Gut Beke (heute Bekhofj im 

Kreise Steinburg, Kirchspiel I I eiligen stedl : Schröder- Biernatzki I, 20s. 

10 Neustadt im Kreise Oldenburg. Xoodt S. II. 148 und daraus 
Camerer venoorren : ist bei Itzehoe zu Neustadt erstochen. 

" Coronaeus-Petersen S. II. 14g /. //, IVilhelmi Ilds. p. 7 nr. 20, 
35 Xoodt S. II. 14S p. j6. Siehe Xote 7. C'nser Ball gehört in das Jahr ijg4- 
Siehe Angelus in seiner ijgj geschriebenen Holsteinischen Chronica I, 6j .■ 
dessen Bruder Otto aber ist verschienen Jahrs erschossen worden. 

11 Sohn des Schocke und Bruder des Heinrich Krummendik : Archiv 
f. Staats- u. Kirchengeschichte Sch/esw. Holst. I.auenb. IV,jg2. 

40 18 S. H. 14g und IVilhelmi falsch : ist vor der Brücke(n), .V. //. 14g A 

p. s nr. 20 : ist vor der Benckc. 



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TS 



[I, 126-128 



Jungen, Nahmens Siemen Parchcni 1 , crschoßen worden. 

127 -Josua 8 von Quahlen 4 war auf Gottorf bey dem Herzog von 
Holstein zur Taffei gewesen. Als er aber trunken und wieder 
hinunter vom Schloße gehen will, stürtzet er von der Zugbrücke 
vor dem Hause ins Waßer und bleibt an der golden Kette, 5 
die er am Halse trug, an einem Pfahl im Waßer behengen 
und muste also vor aller Menschen Augen ertrenken." 

128 ^Benedict 7 von Ahlcfeld zu Uphusen hat mit seiner Frauen '/-V 

/ m. 7. 11 schliesst mit Quell •tn\tigab<- : Ep. f. 4. 2. Qualen a. 

S. Ramigtosst in a zu Benedict: hat am Kirchhofe in der Fr<»« Landnot. 10 

dröhnen Haut' gewöhnet. 

1 Ebenso W/lhelmt. Die übrigen Hdss.: Pärchen, S. II. 149 falsch: 
Parensen. 

2 Coro//.- Petersen S. //. 146 p. 5 nr. 21, Wilhelmi Hds. p. J-S t/r. 21, 
Xoodt S. lt. 14S p.jh. Ciaeden II, iho Anm. Schröder, Gesch. d. Stadt 15 
Schleswig S. JS7- 

8 S. lt. 14h: Julian, 14t) p. //.Jochim, 14g A p. 6 nr. 21 und Wilhelm'/: 
Josiia, 14g Ii p. 7 //;% 20 : Josiiis, Xotutf : Josias ial. Johann . Einen "Johann oder 
Joch in/ v. Qualen gat> es nicht. Uber Josua (Josias), der in Kiel ein Haus in der 
A'ehdenstrasse hatte, siehe Xorda/bingische Studien III, 1/3. Der in Gottorf 20 

Verunglückte ist der Steinburger und später e Gottorf er Amtmann Josias, 
gest. /. Mai /jSt> : Xordalb. Stttd. Hl, 1/4. Unser Fall gehört also nicht 
mit Coronaeus in das Jahr tjSo, auch nicht fjSf (Staatsbürgerl. Magazin 

VII, 72JJ, sondern in das Jahr tjS'6. Xoodt weist auf Henr. Rantzau, 
De certitud. astrolog. scient. S. iSj hin, der eine gleiche Historie von Henr. 25 
Kanl/ovio Pauli fil. erzählt, . welche vielleicht eben die sein mag, die von 
Josia a Qualen hier angeführt wird >.. Der betr. Bericht in Ilenrici Kanzovii 

exempla, quibus astrologicae scientiae certitudo astruitur 

item de annis climacterieis Coloniae 15851 lautet: Henricus Ranzovius, 
Pauli filius, in aquain Inpsus fracto collo periit, cum ex convivio ducis 30 
Holsatiae Adolphi discederet, anno aetatis 28. Ks handelt sich um zwei 
: -erst hiedene 7 '< utesfil/e . 

1 Dorf Quaal im Gute A'osetau, A'reis Oldenburg. Kirchspiel Grube. 
: 'S. II 146 und d/e Xoodt Hdss. verzeichnen die Glosse Petersens: 
hall.» erhänckel, halb erträncket. 

Coronaeus- Petersen S. II /4t) p. f> nr. J4 in der Sammlung d. J. 
ijSo, Wilhelmi Hds. /». tj nr. 43, Xoodt S. II. 14$ /. 4J. Die beiden 
letzten Hdss., sowie S. II. 141) A und 14g />. reihen unser n Kall bei den 
Krzühlungen aus d. J. /jSS ein. S. II. beim J. ijS'k Moller, Iiistor. 
Xachricht r. d. Geschlecht von Ahlefeldt, S. jjj Anm. 40 

"' Iber den I onderner Amimann Henedict von Ahlefeld auf l'phusum 
(im Kreise Husum, Kirchspiel ßordclum; Schröder, Topographie H.jgSj, 



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I, 128-129] 



79 



Metten 1 2 Kinder gezeuget 1 , davon 1 1 in der Wiegen sind 
umgebracht, denn etliche mörderische Weiber den Kindern Nadeln 
in die Köpfe gestochen, biß sie gestorben. Eine Tochter aber 
ist erwachsen und Detlef 1 ' von Ahlcfelden zu Haseldörf verlobet 
5 gewesen. Aber man hat ihr noch vor 1 der Hochzeit (liftt bey- 
gebracht, daß sie gar schleunig gestorben. Die Weiber, die 
der Jungfrauen den GifTt beygebracht, sind verbrand worden. 
'Blasius Rantzow 5 , ein Amtman auf (iottorf, hatte den armen 

7. a schliesst mit Quell •'«angäbe : fcp. f. 6. S. n pag. wiederholt 

10 s« Beginn die Jahreszahl: rs8o. 

gest. 24. Aug. /J79, siehe Moller, a. a. O., S. 2jj;-jb Anm. ; Jahrb. X, 
/4Q-/JO; Zeit sehr. VJJ1, 157. In Kiel hatte Benedict ein Hans an der 
Ecke der Schuhmacherstrasse und des Xicolaikirchhofs , heute Seht/h tnachcr- 
strasse nr. 7. Zu Bremers Zeit wohnte dort die Witwe des Landgerichts- 

13 notars Licentiaten Georgius Grön (Gröen, Grohn) : Jensen , Kataster 1 678 82 
S. SS, Kieler Schossbuch 1694 Hds. p. 146, 1723 Hds. p. ijy. 

1 Die Kinder stammen also aus Mette s erster Ehe. In zweiter Ehe 
war Mette mit Hans ?.\ d. Wisch verheiratet. Das Kieler Schossregister 
1595 i 159b Hds. p. J4 vermerkt bei ihrem Hause in der Schuhmachcrstrasse: 
20 Mette von Alefeldt, nu Hanß von der Wischen huti. 

3 Über Detlef v. .-/., Sohn des Bendix auf Haseldorf (im Kreise 
Pinneberg), siehe Moller a. a. 0. S. 240, Jahrb. X, ijo ; Zeitschr. AMT, 228. 
Er wurde J599 v °* seinem Vetter Marquard erschossen : siehe weiter Bremers 
Bericht (aus Coronaeus) z. J. 1602. 

25 3 Während die anderen Hdschr. mit obiger Zeitangabe übereinstimmen, 

hat S. H. 149 p. 24: verlobet und ehelich beygeleget. Aber man hat dieser 
Frau nach der Hochzeit etc. 

4 Coronaeus- Fetersen S. II. /46p. 6 nr.j6, Wilhelmi Hds. p 8-9 nr. 22, 
Xoodt S. H. J48 p.Jö-jy. Ciaeden II, 222 Anm. Xoodt fügt hinzu , dass fast 

30 eine gleiche Historie von dem Gottorfischen Kanzler Johann von Wowern 
(gest. 161 2 : Xoodt, Beitr. I,joj ff.) erzählt wird, * der auch nicht ruhig sterben 
können, weil auf sein Anraten die Contribution von den Pflügen sehr gesteigert 
worden und kein Klagen und Vorstellen den intert hatten helfen mögen . 

5 Ein Gottorf er Amtmann Blasius Rantzau ist sonst nicht nachweisbar. 
35 1577 — 1580 war Ove Rantzau zu Salzau, rjSz— 86 Josias von Qualen 

Gottorf er Amtmann ; während der beiden dazwischen liegenden Jahre blieb das 
Amt unbesetzt: Zeitschr. VIII, ijS. Dagegen war Blasius Rantzau, Sohn 
des Benedict, Amtmann zu Oldenburg und Stallmeister des Herzogs Adolph, 
der ihm die Gefälle von Xeustadt verschrieben hatte und statt deren /jj2 
4« auf Lebenszeit jährlich 100 Mark ans den Gottorf er Zollgefällen zusicherte : 
Zeitschr. II, 118. 



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SO 



i 5 8o 



II, 129-130 



Unterthanen viel Böses zugefiiget, die Bauren verjaget, die Häuser 
niedergerißen und Meyerhöfe auf deren Stelle gebauet. Da 
ihm nun solches hefftig gereuet, ist er in eine tödtliche Krankheit 
gefallen, hat 1 Hertzog Adolflen gebeten, die Bauren wieder in 
.vorigen Stand zu setzen, damit sein Gewißen befridiget würde. 5 
Wie aber der Hertzog geantwortet, daß, wo er wieder sein 
Gewißen gehandelt und den armen Leuten Unrecht getahn hette, 
solches zu seiner selbst eigenen Verantwortung stünde, ist er 
in Verzweifelung gefallen und auf Gottorf elendiglich gestorben. 

-Beke von Ahlefeld, Henneken 3 von Bockwolde zu Nübel* 1 
Witwe, hat alle Tage stark Getränk getrunken, biß sie sich endlich 
zu Hadersleben gar zu Tode gesoffen. 



' Die oben folgende kurze Darstellung ebenso in S. //. 146 u. 14g /> 
p. 7 -S nr. 21 ; die anderen J/dss. sind liier ausführlicher, S. //. 14g A p. 6. 
nr. 22: und hat Hertzog Adol ff, seinen Herrn, untenhänig ersuchen laßen, 
ihme doch eimnahl in seinem Kranckbettc zu besuchen, welches der löbl. 
Fürst gelhan. Darauf hebt der krancke Amtmann an, also zu reden: 20 
/■Gnädigster Fürst und Herr! F. F. G. wißen sich zu erinnern, daß ich 
derselben zum Kesten die Hauren von diesen und jenen Dorffe verjaget 
und daselbst einen Meyerhoff angerichtet. Nun düncket mich, daß ich 
solches in meinen Gewißen fühle und es nicht verantworten kan, sondern 
daß mich die Hauren vor Gottes Gericht darum verklagen, daß ich sie *5 
von den Ihrigen verjagt. Hitte derowegen, E. F. G. wollen doch den ver- 
jagten Hauren das Ihrige wiedergeben, damit mein Gewißen wieder zu- 
frieden gestellet werden möge*. Darauf sagt der Fürst: »Ey, Blasi, hast 
du nicht uns einen Eyd geschworen, uns und unsern Leuten treu zu seyn? 
Hastu nun den armen Leuten Unrecht gethan und sie ohn unser Geheiß 3° 
von den Ihrigen verjagt, so magst du es verantworten. Wir haben keine 
Schuld daran!« Darauf ist dieser Amtmann in Verzweiffelung gefallen etc. 

2 Coronaeus Petersen S. H. 14g p. 14, ll'ilhelmi Hds. /. g nr. 23, Xoodl 
S. //. 14$ p. 37. Fehlt in S. //. 146. 

* Die Hdss. haben: Hencke, Hennecke, Henning. 35 

* Ebenso S. //. 14g B p. S nr. 22, ll 'ilhelmi und Xoodt. In S. II. 14g 
fehlt die Gutsbezeichnung, 14g A p. 7 nr. 23 hat falsch : zu Nordtsee. Gut 

Xiibbel im Kreise Hadersleben, Kirchspiel Gramm, loar in älterer Zeit mit 
dem Gute Gramm vereinigt: Schröder, Topographie J ', 320. Unser Henneke 
ist, nach dem Grossvater benannt, ein Sohn des Detlef 7>. Buclnoald zu 40 
Pronstorf und Gramm. Xach dem Tode des Vaters erhielt Henneke l j6g 



r. zugefüget : getahn n. <?. Meycrhofc .7. 

mit QueiletitiHgaf>e: Kp. f. 6. 10. Bokwoldc n. 

o seh t/esst titit Quellenangabe: Kp. f. 6. 



(). a pog. 2J seht/esst 
12. gar: gantz a. 



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I, i3i »32] 



1580 



Hl 



*P-94 *' Andreas Rantzow, Branden burgischcr Jägermeister, hatte Y\\ 

einen Bruder, der ward zum Kiel vor 2 Benedict von Ahlefeldten 
Hause 8 (wo itzo Herr I). Opitz wohnet) von einem reisigen 
Knecht erstochen 1 . 
5 ^Hedwig" Rantzow, Uartram 7 Rantzowen zu Kohövet* Hauß- 132 

frau, die mit 2 Kindern schwanger ging, ist von ihrer eigenen 
Brautmagd und zwei andern Weibern mit GirTt umgebracht 9 . 

J. Di r in A im Texte stehende Zusatz ist in a Randglosse. 4. .» 

schtiesst mit Qucllenaujrafie : Kp. f. 6. J. Heylwiu Ranzow a. K.oh- 
10 hüvetf/. 

Gramm. Als Besitzer dieses Gutes wird er noch /jSS im Landregisler auf- 
geführt: Zeit sehr. XXI', 224. Der Tot/ seiner Frau Ziehe kann daher erst 
nach /jSS erfolgt sein. Xaeh Ilennekes 7'ode ging Gramm an seinen Bruder 
Christoph über. v. Stemann in Zeit sehr. IV, 266 A'isst bereits ljt>Q den 
15 Christoph : Gramm und dessen Ii rüder Johann: Xübbel erben , unser Ilenneke 
fehlt in der Stemannschen Stammtafel. 

1 Coronaeus Petersen S. II. 14g f>. 16, Wilhelm i Ilds. p. g nr. 24, 
Xoodt S. II. 14S p. jj. Camerer S. M nr. ij. Fehlt in S. II. 14h. 
* S. II. 14g falsch : in. 
20 8 Benedict v. ./. :// Lindau (Sohn des Peter : jfahrb. X, g4 ; Zeit sehr. 

XXV, 227) im ersten /lause auf der linken Seite der Flämischen Strasse, 
heute nr. 1. ihS4 wohnte dort Magister Hinricus Opitius, als Professor schossfrei : 
Kieler Schossbuch i(>S4 Ilds. f. ho, /6g4 p. 134. Im Schossbuch 1723 Ilds. 
p. 147 -werden bereits Dr. < )pitzen Erben als Hausbesitzer aufgeführt. 
25 4 Die Xoodt Ildss. verzeichnen die Variante; erschossen. 

5 Coronaeus Petersen S. II. 146 p. h nr.jy, ll'ilhelmi Ilds. p. g nr. 23, 
Xoodt S. II. 14S p.J7- Schröder, Darstellungen S. jj Anm. Xach Angelus 

I, 17s verheiratete sich Bertram Rantzau zu Kohövede am 4. Mai ijgo mit 
Heihi'ig v. Ahlefeld, Tochter des Benedict v. A. zu Lindau (siehe XotejJ. 

30 Da seine erste Frau starb, verheiratete sich Bertram aufs neue 1^4 »tit 
Ida v. Pogwisch. Demnach dürfte die Vergiftung der Dellwig und die Ver- 
brennung der einen Thäterin in die Zeit /jg/^gj fallen. 

rt Fbettso S. IL 14g p. 14, 14g A p. 7 nr. 2J. Die andern Ildss. . 
Ilelwig, Hedwig, I lcdewig. 

35 7 Sohn des Amtmanns Paul A\ zu Bothkamp, des Bruders Heinrich 

Rantzaus : Angelus a. a. O. ; Seester// Pa/t/y, Beitrüge II, gj, 104; Zeit sehr. 

II, 'SS- 

* Gut Kohövede (heute Ludwigsbu/gJ im Kreise Eckernförde, Kirchspiel 
IVaabs: Schröder, Topographie II, JJ f. 
•40 w .V. //. 14g, 14g A umt ll'ilhelmi genauer: samt den Kindern im 

Muiterlcihe (Xoodt: vor ihrer Niederkunft^ umgebracht. 

6 



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82 



i 5 8o 



[I, I32-U5 



Die eine von den Weibern ist deswegen verbrand worden, die 

Magd aber und das andre Weib sind davon gekommen. 
133 'Diedrich* Iiiomen 7.11 Neemtc 8 Haußfrau ist auf ihrem Hofe 

zu Tode gezaubert. Die 5 Weiber, welche nach ihrer eigenen 

Aussage umgebracht, sind verbrand worden. 5 
IM *Hans von Ahlefcld, Detlefs 5 Bruder von Hascldorff, hat 

zum Kiel in der Fischerstraße" sich am Reiß zu Tode geeßen. 

Man sagt, daß seine eigene Frau und Küchin 7 in den Reiß 

GifTt getahn. 

135 "Gosche von Ahlcfeld von Ovelgönne 9 ist in Holland von 10 

_> 11. 5. a f>ag. 26 xc/iliesst mit Quellenangabe : F.p. f. (>. J. Dielerich a. 

6. a 7viederholt zu lieginn die Jahreszahl: 1580. HaseMorf n. 

7. Rccsscn : gefressen u. Q. a xehliexsl mit Quellenangabe : K. f. 6. 
10. Ovelgönne //. 

1 Ct>ronaeus- Petersen S. Ii. 146p. 6 nr.38, Wilhehni litis, p. 10 nr. 26, T5 
Noodt S. II. 148 p. 37. Schröder, Darstellungen S. 86. 

2 Wilhehni falsch: Friderich. 

3 Gut Nehmten im Kr. Plön, Krchsp. Kasan. F.s kam erst 13S3 in dcii 
Besitz der Familie /Home und zwar des 1397 verstorbenen Jasper v. Bioin e, 

des Paters unseres Dietrich ; letzterer verkaufte das Cut bereits 1606 an 20 
Hans v. Thienen zu Wahlstorf: Schröder Fiernatzki II, 176; v. Stemann, 
l'rk. Feilt: z. Gesch. d. Herzogt. Schiene. 11. Holst., S.9; Zeitschr. XXV, 228. 
Der 'Päd der Frau Dietrichs kann daher zu Nehmten nicht vor 13S3 und 
nicht später als /606 erfolgt sein. Als Name der Frau ist in S. II. 148 
von einer modernen, sonst zuverlässigen , Hand Eisabc angegeben. Dem liegt 25 
eine J'envechsetung unseres Dietrich mit seinem gleichnamigen Oheim auf 
Hornstorf, dem II erzogt. Rat, Amtmann und Preetzer Klosterpropst , zu Grunde. 
Des letzteren Frau mar Flisabeth ( FIsabc) Rantzau, Oves Pachter von Salzau : 
l.ackmann, Blomesche Geschlechts- Tafel, Pafel 2 und v. Stemann a. a. O. 
S. /S-fti. 30 

4 Corouaeus- Petersen S. II. 146 p. 6 nr. 39, Wilhehni Ilds.p. 10 nr. 27, 
Noodt S. II. 14S p. 38. Moller, Iii st. Nachricht v.d. Geschlecht von Ahlefeldt, 
S. 239. Fe t reff s der Zeit unseres Falles ist zu et"oägen, dass noch im J. 
1604 das Kieler Frbebuch nr. 2047 das Haus des Hans von Alcfcldcn in 

der Fischerstrasse enoähut ; vgl. im Kieler Schossregister 1393 96 Hds.. 35 
/. 27: Hans von Alcfcldcn huß I dnller. 

5 Siehe S. 79 Note 2 und Moller a. a. O. 

a S. II. 14h falsch: Flcmischcn Straße. ''Köchin. 
H Coronaeus- Petersen S. II. 146 p. 6 tir. 40, Wilhehni Hds. p. 11 nr. 28, 
Noodt S. Ii. 14S p. 38. 40 
"Gut Oevelgönnc im A'reke Oldenburg, Kirchspiel Süsel : Schröder- 



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I. 135-138] 



den Mauren erschlagen worden und im Felde am Zaun gestorben. 

'Jochim von Ahlefeld von der Nor ist zu Gottorf auf dem 130 
• Saal von einem Ausländer* erstochen worden. 
*P-9S "Wulff 1 von Ahlefeld von Hasclau 5 und Gaden 6 *\volte vom 137 

s Berge herunter reiten und stürtzet auf den Halß, davon er 
gestorben. 

Anno 1580 kurtz nach Martini 7 hat man alhir zum Kiel 138 
ein Weib gehabt, Nahmens Anneke Grevers, welche bekennet, 
daß, als sie noch in Schwantzen* in Hans Pogwischcn Gute 9 , 
10 und zwar in einem Dorfe, die Krackerey 10 genant, gewohnet, sie 
daselbst von einem andern Weibe, Sunde Bohlen geheißen, 
und von Johannes Webern, so ihr Pfaffe gewesen, die Zaubere v- 

/. a sehliesst mit Quellenangabe . K. f. 7. J. a j>ag. 27 sehliesst 

mit Quellenangabe : Ep. f. 7, 1. 4. Wulf a. 6. a sehliesst mit 

t> Quellenangabe : Ep. f. 7. //. Hohlen: Mohlcn A. 

Biernatzki II, 237. Ein Ahlefeld als Besitzer von Oevelgönne ist im 16. Jahrh. 
sonst nicht bekannt. Das I.andregister nennt ijfti Detlef von Buclnoald 
(Zeit sehr. XXIV, 167 j, /jSS dessen Sohn Hans v. B. (Zeitsehr. XXJ', 226) 
als Besitzer. Letzterer verkaufte das Cut an Claus Pognüsch : Jahrb. IX, 464 ; 
7.c Zeitsehr. II', 27s. 

1 Coronaeus- Petersen S. II. 146 /. o nr. 41 , Wilhelmi Hds.p. 11 nr.31 , 
Xoodt S. II. 14$ p. jS. Canierer S. 67 nr. 14. Xoodt bemerkt : iuxta alios ad a. 
15S6 refertur. Aueh dieses Datum ist falseh. Jochim, Sohn des Asmus auf 
Xoer und Crömoohld (Jahrb. X, 147), erhielt noch ihoS das Cut Xoerdm 
?5 Kreise Eikernforde, Kirchspiel Krusendorf) : Schröder, Topographie II, (/>. 
Da Jochim dem 16/2 verstorbenen J'ater im 'Bode voranging und wegen 
des Sohnes Schulden nach dessen Tode niederholt der Vater verklagt wurde, 
so dürfte unser Ball in das Jahr /60g gehören. 

* S. II. /./g p. //>: von einem Ausländischen von Adel. 
in * Coronaeus Petersen S. II. 14c} /». 17, IVi/helmi Hds. p. 12 nr. 34, 

Xoodt S. II. 14S p. S9- Behlt in S. II. 146. Moller, Ilist. Xachricht v. 
d. Ceschlecht von Ahlefeldt S. 144. Auch hier bemerkt Xoodt zum Datum . 
inxta alios 1586. Unser Wulf starb jedoch bereits 1372: Moller a. a. 0. 
4 Sohn des E riedrieh zu Haseldorf : Jahrb. X, 12g. 
35 r ' S. II. 14g nur: von Ilasscldorff. Cut I laselau im Kreise Pinneberg. 

Kirchspiel Haselau: Schröder- Biernatzki I , 4SS. 

rt Cut Kaden im Kreise Segeberg, Kirchspiel Kaltenkirchen : Schröder- 
Biernatzki I, 2S1 . ' Xov. //. H Schwan sen. 

0 Maas/eben im Kreise Eckernförde, Kirchspiel Sieseby. ( ber Hans 
4<> Pogwisch, Sohn des Benedict, siehe Jahrb. IX, 466; Zeitsehr. XIII, 2S4. 
,u Kraken: 

6* 



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84 



• 

1580— 1 58 1 



[I, 138-141 



kunst gelernet und also Gott dem Allmächtigen samt seinem 
geliebten Sohn Jesu Christo und dem heyl. Geist gentzlich ab- 
gesaget und vcrleuchnet, hingegen dem T. 1 , welcher sich Caiphas # 
genennet, wieder geschworen hette. Dieser ihr Abgott were 
allemahl in Menschengestalt (ohne daß er einen Hahnenfuß 5 
gehabt, damit er ihr auch das Zeichen im Gesicht gekratzet) 
zu ihr gekommen. Dieses Weib hat sowoll durch verdamlichen 
bösen Gebrauch hochheyliger Dinge als sonst allerhand aber- 
gläubischer Sachen vielen Menschen großen Schaden getahn, 
auch solches, wen sie gcwolt, zu Zeiten wieder gebeßert. Dieses 10 
Ungeheur wird zweiffelsohn die verdiente Straffe (und vcrmuhtlich 
wie Sunde Bohlen, ihre Lehrmeisterin, vide s p. 153) woll em- 
pfangen haben. 

139 !: Anno 1581 Sonabends 3 nach Michaelis ist eine Weibs-*/ 700 
person, mit Nahmen Anneke Magnußen, weil sie nicht allein »s 
mit jungen Gesellen, sondern auch mit Bürgern und Ehemännern 
hieselbst in Unzucht und Khebruch gelebet, auf freyem Markt 

an dem Pranger zur Staupe geschlagen und darauf der Stadt 
Bohtmeßigkeit auf ewig verwisen worden. 

140 Ködern an einem Sonabend in der Nacht ist alhir zum 20 
Kiel außer dem Holstenthor in Anthony Kökenprintzen 1 Behausung 
einer, Nahmens Johan Scheving, zu Kckernförde wonhafftig, 
erbärmlich erstochen, der flüchtige Thätcr aber, Hanß Köhne, 
ein reisiger Knecht, am nechstfolgcnden Montage friedeloß 
geleget und öffentlich ausgcleutet worden. 25 

141 :, Den 1 2. 1 )ccembr. Claus" Rantzow, ein junger Hollsteinischer 

26. 1581, 12. \hr. ist in a Kandgiossc. 

1 Teufel. - Siehe weiter Bremer § ige. 8 Sept. jo. 

4 Das Kieler Schossregister 1576 /J7Q /Als. f. 76'' z. J. 157S nennt 
unter denen, die hüten dein Ilolstcndhore hauten: Anthonius I'rintz. Siehe yo 
auch daselbst f. 76?' aver de Schevenbrügge. 

5 Coronaeus-Petersen S. II. /. 17, Wilhelmi JIds. p. 12 nr. jj, 
jVoodl S. II. 14S P-S9- Noodt z. J. ijSo (!) Dez. 12, jedoch schon mit l'er- 
locisung auf Angelus, Holsteinische Chronica. A ach letzterem I, /jg, der 
auch die Kasseler Grabsteininschrift mitteilt, erfolgte der Tod erst 15S3. 35 
Uber die Ursache des Todes 7g! . die erste Nachrieht bei Albini, l'ipcrtus sh'c 
origines A'anzor'ianae (15SS) S. 6j. 

tt Sohn des Andreas Rantzau zu Grundhof, des Kieler Amtmanns 
v. J. /J76: Albini, Angelus, Jahrb. II, 121. 



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I, i4i H4] 



1581 — 1582 



8f> 



Edelman, dienete vor Pagie 1 bey Landgraf Wilhelm 2 von Heßen, 
der am Reinhardswalde 3 eine Schweinjagd angcstellet, da discr 
Edelpage mit gewesen. Ks kommt aber ein Wildschwein aus 
dem Walde und hawet diesen Rantzowcn zu Tode, darüber sich 
5 der Fürst *sehr bekümmert. 

Anno 1582 nach dem Umschlage ist einer, Nahmens Andres 142 
Stake, binnen Gettorp zu Hause hörend, alhir in Kiel von einem 
Schneidcrgcsellen, Bartholomeus Schmal genant, erstochen. Der 
Handthäter ist davon gelauffen, friedeloß gelegt und durch den 

10 Frohnen ausgelcutct worden. 

Den . . . ' Martij, Dingstags nach Mariae Verkündigung, ist 143 
Grctjc Evers, seel. Hans Evers Tochter, wegen verübter Hurcrey 
und Ehebruchs öffentlich an dem Pranger zur Staupen geschlagen 
und auf ewig verwisen worden. 

'5 Am Sonabend 5 vor Cantate, Abends iim 4 Uhren, hat 144 

Sivcrt' 5 von der Wische einen Diener alhir bey sich gehabt, 
Nahmens Henrich von Bühren 7 . Dieser hat der Stadt damaligen 
Spiclman Marten Stolbergen in der Stadtwohnung 8 über dem 
Holstenthor durch Anleitung und Hülfe eines andern ausheimischen 

20 Spiclmans, Gorgcs Warendorf genant, an seinem Tische durch 
die linke Brust und hinten wieder aus mit einem Degen 

j . a f>ag. ?S schliefst mit Quellenangabe : Kp. f. 7. /J. Am — Uhren 
in a />ag. jo über gestrichenem ; Im Fastlabcnd, vorhergeht itie Jahres- 
zahl: 1582. ib. Sivcrt von der Wische: einer vom Adel a, mit Eitt- 
25 füguugam A'<i«rfV Sivert v. d. Wisch. alhir/, /*// a. iS. Stollhcrgf». 

ig. und Hülfe in a herübergeschrieben. 20. Garges Wahreiulorfi* 

genant in a am Ramie eingefügt. Tische : a Pag. 31 fügt hier hinzu 
jämmerlich und erbärmlich. 20-21 . durch — aus in a am Knude ein- 
g'/ÜC*- Degen : Schwerte rt. 

3" 1 /// den CoronaeusIIdss. : vor (für) einen I'agen. 

♦ a Wilhelm IV. i 5 67—is92. 

8 Zweig des ll'eslcnoa/dcs, Pg/n. Kassel, A'reis Hofgeismar. 

* Kremer hat den Tag nicht berechnet, er lässt für das Tagesdalum 
freien Raum. Dienstag -war der 27. Marz. s Mai 12. 

35 fi Auf Kicnebck, Bruder des S. 76 Xote 1 genannten Detlef: Jahrb. 

IX, 49396; Zeitschr. XXV, 22 j. 

7 Bühren im G rossherzogt. Oldenburg oder in der Provinz Hannov er. 

* Vgl. Meter Scliossregister tS7^ — 'S79 Hds. f. iS'-: I Iolstemlhor, 
bewohnet der Stad Spielltnann ; f. so r ,Sy; Scliossregister IJ9J V // '' s - 

40 p. 49: vor dem binnensten Ilolsiemlohre, hefTt nu Wilm Senger. 



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8f> 



[i, 144-146 



erbärmlich an die Wand genagelt und also vom Leben zum Tode 1 
gebracht. Den einen Thätcr von Bühren haben etliche vom 
Adel auf ein Pferd bringen laßen und mit gewehrter Hand 
mit ihren Dienern aus dieser *Stadt und aus disem Gerichte weg- */• l0J 
gefiihret und alsodenseiben seiner verdienten Straffe für dasmahl loß 5 
gewirket.- Doch hat er mäßen von Gott dem gerechten Richter 
seine Straffe empfinden, deren er nicht entlauffcn können. Der 
ander aber, Georg Warendorf, ist am Freytage 3 nach Exaudi 
alhir mit dem Schwerte gerichtet worden. 4 

145 Ködern im Sommer ist einer, mit Nahmen Klaus Jarre, 10 
vor der Stadt Kiel im Holtze, die Prühnc genannt, von einem, 
Raleff Sceman geheißen, todt geschlagen, der flüchtiger Thäter 
aber friedeloß gelegt worden. 

146 In demselbigcn Jahr hat sichs zugetragen, daß an dem 
Orte 5 , da vorhin das Dorf Kopperpahl gestanden, eine ermordete «5 
Weibsperson, der die Kehle ausgeschnitten und die Wunde mit 
einem alten Schürtzeltuch fest zugestopfft gewesen, in einem 
Busche nicht weit vom \Y r ege gefunden worden. Wegen dieser 
verübten Mordthat sind zwar sofort einige gesprengte Reden und 
Muhtmaßungen gefallen auf den Wirth, so damahls in dem 30 

/. erbärmlich fehlt hirr a. 2. einen Thäter von Bühren in a über 

gestrichenem: selben prineipat Thäter. 7-9. Der ander — worden in 

a am Rande eingefügt (Wahrendorf) mit dem Zusatz : X'ide Swarcn- 
lofet h. Ausserdem Schlussglosse zum Text nach der Einfügung: Vidc 
Convolut sub signo ~P ®, item Swarentafel des Nidergerichts sub hoc s j 
Anno. 14. In demselbigcn Jahr: 1582 etwa iim diese Zeit a Pag. 2S. 
Randglosse daselbst: Vidc Siin. Henrichs Suppl. sub Anno 1587. 
rj. Kopperpaal a. 

1 Vgl. Kieler Kirchenregister 13S2 //ds.f.jj's. t>. hevinge der kloeken : 
der speleman, so erstecken wort, 2 puls. 30 

" Vgl. in der Beilage aus dem Schles;oiger Staatsarchiv A Pur. iqj: 
Ail'dlus appellatorius Kid contra Hei ho ig von . \h Isfeld, produziert in Speyer 
1594 April 17 /Als. f. 6A, art. ro. 

" Juni 1. 

4 In Sacheudes hie aulTm Holstein Thore jemtnerlig erstochenen Instru- 35 
mentisten und Sonderham Zinckenhlesers wandle sicli der Kieler Rat um 
Rechtsheiehrung an die Rostocker Juristenfakultiit. Siehe die Rechnung des 
Sy/idicns Simon Heinrich von iho2 Sept. g ( Schles;oig\r Staatsarchiv A A'/.V 
prov. nr. jji)), f j-\ 

* /w Landkreise A'iet, an der Ecke ruf ört/cr Chaussee. 40 



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I, i 4 6] 



1582 (1584) 



87 



daselbst allein stehenden Krughause 1 gewöhnet, Nahmens Hans 
Schröder, man hat aber nichts Gcwißes erfahren können. 

Nach Verlauf etlicher Zeit, neinlich Anno 1584, wird 
ein Mißcthäter, mit Namen Peter Oldenburg, *sonsten Hartig */• U, J 
genant, seines Alters ohngefehr 24 Jahr, zu Lübeck gefänglich 5 
eingezogen, welcher dan den 27. Jul. und 7. Aug. 1584 unter 
andern freywillig zugestanden, daß er in seiner Jugend von 
seinem Vater (der in der Wilstermarsch zu Nordtörp* gewohnet) 
in aller unartigen Freyheit erzogen und bey anwachsenden 
Jahren almchlig weiter zu allen strafbaren Handlungen angeführet 10 
und abgerichtet worden. Denn einsmahls hette sein Vater die 
Kirche zu Schönefelde 3 bestehlen wollen, zu dem Ende eine 
Leiter ans Fenster gesetzet und ihn mit einem Strick Um dem 
Arm gebunden durchs Fenster hinunter in die Kirche gelaßcn, 
daß er inwendig die Kirchthür aufmachen solte. Kr hette solches 15 
zwar versuchet, aber nicht ausrichten können. Sein Vater aber 
hette sich indeßen davon gemacht und ihn sitzen laßen, wie 
er dan auch für seine begangene Übelthaten die wolverdiente 
Straffe albercit erlanget hette. Er aber werc unter solcher 
seines Vätern und andrer gottlosen Leute Anführung so weit 20 
gekommen, daß er etliche Kirchen gebrochen, vielfältige un- 
menschliche Mordthatcn, Brand, Dieb- und Straßenräuberei 
begangen, Jungfrauen und Frauen sehenden, auch schwangere 
Weiber umbringen und aufschneiden helffen. Item daß er *zu /0 j 
dreyen Mahlen mit unvernünfftigen Thiercn Sodomitische ab- 25 
scheuliche Sünden begangen etc. etc. 

Dieser greuliche Sünder hat zu 2 unterschiedlichen Mahlen, 
als zur Trenthorst 1 , da er erst gefänglich angenommen worden, 
und hernach zu Lübeck, dahin er in Hafft gebracht, ungepeiniget 
unter andern auch dieses bekant und zugestanden, nemlich daß 30 
er auf jenscit dem Kiele, aldar ein Krughauß, der Koppelpahl 

/. Hanl' a. 5. seines — Jahr fehlt a. 6?t. dan — dal.', er fehlt a, 
ü2. Hrand fehlt a. jo. unter andern seinen begangenen Mißhand- 

lungen a. 31. Kile a. Krughauß: Krug a. 

1 Das Wirtshaus bc/nulct sich noch heute daselbst. 35 

2 Nortorf. 8 In der Prw. Brandenburg giebt es vier Orte des Namens. 
4 Im Kreise Storniarn, Kirchspiel Klein- Wesenberg. 



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88 1582 (1588) [I. 146-147 

genant, mit dem Wirth daselbst, Hans Schröder geheißen, eines 
Spielmans Frau, welche diser Wirth mit seinem eigenen Wagen 
und Pferden ins Holt/, geführet, ermordet hette. Hey diser 
Frauen hetten sie 24 Thaler gefunden, davon er zu seinem 
Theil 10 Thaler bekommen. 5 

Auf diese seine Bekentnis hat derselbe Mißthätcr den 
Todt beharlich ausgestanden, indem er mit gliienden Zangen 
gerißen, von unten auf gerädert und folgends ins Feur geworffen 
und verbrand worden. 

Wegen solcher des Mißcthäters Hekentnis hat man obbe- »° 
regten Hans Schrödern nebst seiner Frauen Anna in Verhafft ge- 
nommen und ihnen den Proceß gemachet. Die Frau hat anfänglich 
nicht allein diese Mordthat ihres Mannes, sondern noch ein 
mehrcs, nemlich von einem ermordeten Schneiderknecht, so beim 
Koppcrpahler Teich im Husche eingegraben *worden, auf ihn 15 
bekam, aber nachmals alles wiederruffen mit dem Vorgeben, ^ 
sie hette es aus Furcht der Pein gesagt etc. 

Die gantze Acten sind darauf zur Belehrung versant 1 und 
hat nachgehends Anno 1588 am Donnerstage 2 nach Sexa- 
gesimae Hans Schröder für sich und seine Frau Anna Schrödern =«• 
wegen ihrer ausgestandenen Gefängnis 3 die gewönliche Urphede 
geschworen und sind darauf loßgclaßen worden. 
147 Um selbige Zeit 4 haben etliche Adelspersonen alle Fenster 

/. Hanl'» geheilten fehlt a. J J. Wagen und fehlt a. 10. Bc- 
keiitnil'» und anderer Umstünde a />ag.jo. ton. den Hanß a. /i. Die 25 
Frau Anna Schröders a. /.?. auch noch a. iS. versandt worden, 
davon weiter keine Nachricht gefunden a. Pantit schliesst dort der %, 
doch ist der mit davon hegiuuende Sehensatz ausgestrichen und ein Stern- 
Zeichen vei~.ocist auf die Randglosse: im« vide in addendis p. 36 in fine. 

Um selbige Zeit : auch a Pag. Jt. Randglosse ehenda . X'ide 30 

Cewalt der Adelichen suh lit. Z fol. 8. 

1 An die A'ostoeker Juristenfakultät. Vgl. Rechnung des Syndia/s 
Simon Heinrich von 1^02 .SV//. 9, a. a. O., /'. s r ■ Hanseti Schröters zu 
Cupperptahl (!) weiland wohnhaft. 

2 Feh: 25. 3S 
Ä Die Beide// hrachlen //her drei Jahre im Cefingnis zu. 

4 Xiimlic// ijSj. Die F.inreihung an dieser Stelle ist ungeschickt. 
Vgl. die Anknüpfung mit auch in lfds. a, rrv unser Fall dem in $ 144 
erzählten unmittelbar folgt. 



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I, H7-I49] 



89 



in des Spielmans Wohnung ohne alle Ursach gewaldsamcr Weise 
ausgeschlagen und vernichtet. Die Spielleute, so auf dem Thor 1 
ihren Aufenthalt und Herberge, haben von oben herab über 
ein hohes Glipdach um Fristung ihres Lebens die Flucht nehmen 
5 müßen. 

ii2 *Einer vom Adel 2 , Nahmens Hans von Buchwald, scel. 148 

Detlefs, weylandzuMüncheNeverstorf 8 und Övelgünne Erbgeseßen, 
Sohn, hat einem Kaufman, weicherein Schotte gewesen und zu Marry- 
büy in Laland gewohnet, alhir im Lande 4 Ochsen cigenthätig 
10 abgenommen, welche er aber auf ernstlichen Königl. Befehl zunebst 
einer gewißen Geldbuße hat restituiren müßen. 

Anno 1582 kurtz nach dem ersten [Ks hat einer, Nah- 
Advent 4 haben sich 2 leibliche Brüder mens Johan von der 
Erich und Johan von der Hoye in eines Hoye, ohngefehr im 
15 hisigen Bürgers Hinrich von Drcsken ioten Jahr seines 
M / /JV Behausung 5 mit einander verunwilliget". Alters, seinen **leib- 
Erich nimt seinen Book und wirflft seinen liehen Bruder, Erich 
Bruder damit vor die Brust und gehet da- von der Hoven, in 
von nach Lüder Röbels Hause 7 , erzehlet der Stadt Kiel Gerichte 

20 i. vernichtet : vernichtet der Stadt zu grol'om Schimpf und Schaden a. 

4. nehmen : suchen <?. 6. Randglosse in n f>ag. 32 : 15 etl. 80. 10. Ko- 
nijjl. A. 

Cnlonne trehts, Hds. (i : Randglosse zu den beiden ersten gestrichenen 
/.eilen (Ks hat - Alters, seinen) : Sed rattonc hnius exitrts vide plura und 
25 umständlicher in nddendis p. 148. 

1 Holstenthor: siehe S. S3 Xote S. 

s Während Bremer hier die Gcioaltlhat zum "Jahre 13S2 erzählt, giebt 
er in Hds. a als Datum unbestimmt den Anfang der Soer Jahre an. L'ber 
Hans v. Buch'cald siehe S. Sj i$. 
30 * Gut Mönch Ud ersdorf im Kirchspiel Segeberg. 4 Dez. 2. 

5 Heinrich (Hinrick) vam Dresche (Dreschen) zwischen Flämischen 
und Fischerthor: A'ieler Erbebuch nr. 2004. Die beiden andern Häuser 
Heinrichs ausserhalb des Holstenthores (Schossregister 137O—1379 Hds. 
/• 75 r z - 7- r 57S, Erbebuch nr. 200s) und in der Flämischen Strasse zu 
35 Beginn auf der linken Seite fllinrich vom Drcßkc : Schossregister 1376— -1379 
Hds. f. iov, 42f, fr) kommen hier nicht in Betracht. 

" Bei einer Trinkgelegenheit. 

7 Beim Flämischen Thor, in der Strasse zioischen Schuhmacha - und 
Flämischen Thor: S. 64 Xote 9. 



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90 1582 [I, 149 

daselbst, daß er mit seinem Bruder uneins entleibet und nach be- 
geworden, er wolle ihm aber für dißmahl, schehener Taht sich 
weil er am nerhst vorigen Sontage zum in die Flucht begeben. 
Tisch des Herrn gewesen, ausweichen, Dieser Thätcr ist auf 
aber auf eine andre Zeit soltc sein Bruder gnädige Interceßion s 
ihm wieder eins räumen. Uber eine Hertzog Adolfs nicht 
kleine Weile, wie dieser Erich bei einigen friedeloß gelcget wor- 
(iesellen not h v or der Thür stehet, komt den, jedoch hat er sich 
sein Bruder Johan (seines Alters im 19. der Stadt Bohtmcßig- 
Jahr) und hat seinen Mantel vor sich um- keit enthalten sollen. 10 
geschlagen. Erich, ohngeacht er von den Wie er aber dem zu- 
andern gewarnet wird, ins Haus zu treten, wieder ohne Geleit in 
bleibet stehen. Sein Bruder Johan aber der Stadt Kiel Juris- 
wendet sich *vor der Thür und spricht diction und Gericht */• / '> 

Siehe bistu dar«, sticht ihn darauf mit gekommen 5 , hat man 15 
seinem eigenen (des Erichen) Pook 1 und ihn eine Zeit lang 6 ge- 
gehet die Elemische Straße hinauf ä . Der fangen gehalten. Nach- 
Verwundetc ist bald darauf verstorben 8 , gehends ist auf aber- 
der Thäter aber eine Zeit lang flüchtig mahlige Fürstl. Vor- 
gewesen, endlich aber auf verschiedener bitte Hertzog Philips' 20 
Fürstl. etc. Interceßionen und aus andern der peinliche Proceß, 
mehr Ursachen' am 23. Mart. des 1591 die Lebensstraffe be- 
Jahres mit ewiger Landesverweisung gc- langende, auch einge- 
strafft worden. stellet, jedoch ist dieser 

Thäter in die aufge- 25 
wantc Unkosten condemniret und mit ewiger Relegation und 
Verweisung gestrafft worden';. 

1 Der von Erich im Ifausc des Heinrich von Dresken geschleuderte 
Dolch roar bei Johann zurückgeblieben. 2 Xach dem Markt zu. 

* Vgl. A'ieler h'irchcnrcgistcr ijSj Ifds. f j6r s. v. hevinge <ler 3° 
klocken: Krick van der Iloic 9 puls. 

4 ('her die Vorgänge nach der Ermordung des Erich ist der rechts 
stehende Bericht der Ifds. a ausführlicher. Vgl. hierüber wie über die Vor- 
geschichte die an den Kieler Rat erteilte Rechtsheiehrung der Rostocker Ju- 
ristenfakultät ijjyi Ecbr. 2^: in der Hcilage gedruckt aus den Spruchprcto- 35 
kollen 1590 91 nr. 1 30 im Rostocker Cniversitätsarchiv. 

: ' Anfangs /j<po. Ein ganzes Jahr. 

7 Und Johann Friedrichs. 



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I, 150-152] 



1583—1584 



91 



Anno 1583 am S. Johtf/z/z/stage 1 hat Christof- Pogwische 150 
einen Botsknecht von Kckernförde, Henrich Bilefeld geheißen, 
gewaltsamer Weise mit bloßer Wehre gejaget 8 und geängstiget, 
daß er hat vor ihm her vor dem Fischerthor ins saltze Waßer 
5 lauffen müßen, um etwa aldar sein Leben zu retten; welches 
ihm jedoch nicht helflen mögen, dan der Kdelman hat ihn auch 
biß ins Waßer verfolget und daselbst jämmerlich erstochen. Des 
Entleibetcn 2 Brüder, so eben alhir zugegen gewesen, haben den 
Cörpcr begraben 4 laßen und nicht klagen wollen. Und wiewohl 
10 auch der Thäter noch 2 Tage alhir in der Stadt sich aufgehalten, 
hat man dennoch aus allerhand bedenklichen Ursachen die Hand 
an denselben nicht legen dürfen, sondern solche That sofort 
nach Hofe berichtet. 

Kodcm im Septemb. an einem Montagabend 5 iim 8 151 
is Uhren ist einer, mit Nahmen Hans von Bcntcn, auf freyer Straßen 
discr Stadt von einem andern, Claus von Bremen genant, 
1/4*0 ein Schncidergesell, erstochen worden. Der Thäter ist :5: durch 
gewönliches Fahrrecht friedeloß gelegt und ausgclcutct worden. 

"Anno 1584 Montags 7 nach Palmarum (als eben IhrFürstl. 152 

20 >• Randglosse in a fing, jg; Vide Supplic. Sim. Hein. hic. Anno 

fehlt 11. Christof Pogwische : einer vom Adel l'hristotT Pogwische ti. 
/•/'<• beiden letzten Worte sind später h-:riil>ergeschriel>en. 4. vorm 
Fischerthor in <i später Iteriibcrgeschrieben. 6. dan: denn <r. 7. jäm- 
merlich . /. 10. der Thiitcr Christof Pogwisch <i fing. JJ. /<?. Kttnd- 

25 gli'sse in n />,tg. 33: Wide Sim. Henr. Suppl. h., item S. Nicol. Kirchen- 

register de Anno 1584. Ihr : Ihm tt . 

1 Juni 24. 

s Auf Hagen , Sohn des Bertram : Jahrb. IX, 451 ; Zeitsi.hr. XXV, 227. 
8 Der l'berfall geschah nuff der Brugkcn, welcher auch ein befreyeter 
30 Ordt: Schles~oiger Staatsarchiv A J nr. /gfi f. 121'' in der Vorstellung Kiels 
an Herzog Johann Adolph Aug. /o. Brinkmann, Aus dem deutschen 

Rechtsleben , S. 203 macht aus der A'ie/er Schiffsbrücke irrtümlich die Burg. 

4 Vgl. Kieler Kirchenregister fjSs Hds. f. jy~' s. :•. hevinge «1er 
klocken : ein boßnian von Kcklcnforde 3 puls. •"' .SV/»/. 12, ig, 26. 
35 rt /he von Bremer a emuihntc Eintragung des Kieler Kirchenregisters 

15S4 lautet Hds. f. 14g'': Dcwile Pawel Rantzouw thoin Knope den kopper- 
decker in der kercken, do he up den torn na sincr arbeil ghan woMe. 
schwarlichen gestecken, hebbe \vi < >ttc I .angetnaeken <larv<»r tho arstelohne 
und helen geven 7 daler, is 14 £ 7 ß ; Hans YVeßel vor den ersten banl- 
40 geven 4 ß. Über den h'atsarzt Langeneicke und den Barbier Wcßel siehe 
S. j6 Note 2. 7 März 26. 



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92 



1584 



Gnaden Herzog Adolf auf dero Schloß alhir zugegen gewesen) 
ist ein Bleydecker und Bürger aus Hamburg, Nahmens Gerdt, 
welcher den hiesigen Kirchthurm mit Blcy und Kupfer auszu- 
beßcrn anhero gefodert 1 worden, nach der Mittagsmahlzcit aus 
seiner Herberge 2 zur Arbeit wieder in die Kirche gangen. Wie 5 
er nun v or die Thür des Wendelsteins komt, da man auf den 
Thurm gehen muß, stehet eben Paul 3 Rantzow zum Knoop 1 
daselbst an einem Stuhl nebst 2 Frauen und einer Jungfer vom 
Adel, mit denen er etwas mag zu sprechen gehabt haben, 
maßen er auch einen Brief in der Hand gehalten. Indem nun w 
der Thurmdcckcr, Nahmens Gerd Rise ;> , ihn vorbei gegangen 
und die Thür des Wendelsteins verschloßen gefunden, sendet 
er seinen Sohn nach dem Küster, Um die Thür aufzuschließen. 
Mitlcr Zeit bleibt der Thurmdecker aldar im Stuhl vor der 
Thüren. Als nun Paul Rantzow vielleicht die Meinung gc- >5 
schöpfet, der Thurmdcckcr thäte solches mit Vorsatz, um ihn 
nur zu behorchen, spricht er zu ihm: »Warum stchstti Kerl da 
und horchest: Dich soll bald die Störtensükc 6 rühren ! « Derne 
jener geantwortet: > Wo soll ich hin? Ich kan ja durch die 
Thür der Maur nicht kommen, ich muß hir auf den Schlüßel *> 
warten etc.« Darauf Paul Rtrntzwc »Was sagestur Davor soll dich 
diß und jenes rühren!-, trit hirauf zu Peter Schreibern 7 *oder •/• 

/. Adolf! 2. Nahniens Gerdt fehlt a, in A am Runde eingefügt. 

3. mit Kupfer fehlt a. .f. zur Arbvit fehlt a. 7. muß : will it. 
/<>. maßen : weil n. 13. Thülen : Thüren und erwartet seines Sohnes 25 
WiedcrkunfTt n />ag. 34. 16. der Thurmdecker : er <r. 17. zw ihm : 
zu dem Hlcydeckcr <i. 20. Thür : verschloßene Thür a. 20-21. muß — 
etc. : muß hir warten, biß ich den Schlüßel zur Thür bekomme und hin- 
auf gehen kan a. 

1 Gerdt kam mit seinem Sohne am 16. März und blieb bis zum 30 
August. - Hei ChristofTer Xegendanck in der Flämischen Strasse. 

* S<>hn des Tander ncr und Rendsburger Amtmanns Christoff er: Zeitschr. 
II, 136 ■ XXI', 227. 

4 Gut am Kaiser Wilhelms Canal, Kirchspiel Dänischenhagen. 

: ' In Z. 2 steht nur der Vorname. Auch das Kirchenregister kennt 35 
nur meister (ierdt. /)er von Bremer hinzugefügte Zuname Risc beruht 
wohl auf Venoechslung mit Eggert Rese, der den Hleidecker mit seinem 
Arbeitsmaterial Ton Hamburg nach Kiel fuhr. 

" Die sturzende Seuche, Epilepsie. 

7 Peter Schriver in der Hassstrasse : Kieler Schossregister — tJ7Q 4° 
Hds. f. 68' z. J. 157S- Vgl. Erbebuch ur. 2022. 



1 5 8 4 



93 



Hottichcrn, Bürgern alhir, welcher nicht weit von ihm gestanden 
und des Rantzowen Gewehr unterm Arm gehalten, und fodert 
sein Gewehr, welches aber der Bötcher nicht fahren laßen will. 
Die adeligen Frauen treten auch herzu, ihn abzuhalten und zu 
5 besänftigen, indeßen kommt des Thurmdeckers Sohn mit dem 
Schlüßel und schließet die Thür auf und gehet voran hinauf. 
Als nun der Vater auch folgen will, ziehet Paul Rantum' seinen 
Dolchen aus und sticht den Thurmdecker in der Thür der 
Wendeltreppen ein mahl in den Arm und 2 mahl ins Hein. 

»° Der Sohn muß also seinen verwundeten Vater aus der Kirchen 
wieder zu Hause bringen, woselbst der Alte etliche Wochen sehr 
gefahrlich kranck gelegen. Kr hat jedoch nach wieder erlangter 
Gesundheit die angefangene Arbeit 1 am Kirchthurm fortgesetzet. 

Anno 1584 am Mitwochen 2 nach Misericord/V//// Domini 153 

15 auf den Abend zwischen 7 und 8 Uhren ist einer, Nahmens 
Lambert Herends aus I Othmarschen, ein Hohtsknecht, ausser 
dem Holstenthor diser Stadt von einem, Jürgen Licht genant, 
seel. Jürgen Lichten 3 gewesenen Hürgers und Weinschenken 
hieselbst nachgelaßcnem Sohne, erstochen worden 1 . Der flüch- 

2 o tige Thäter ist üblichem Gebrauch nach friedeloß gelegt und 
ausgeleutet worden am Freytagc'' post Miscricord/r/w Domini. 

/. Bottichcrn it. 12. welcher — gehalten in <i in runden K/uninirrii 
l iugrsrhlossrn. 2. (Jewehr: Wehre a 35- 4-6- I>ie- hinauf: 

Indeßen treten die Frauen herzu und bitten ihn, an sieh zu halten. Des 
25 Thuroidcckcrs Sohn kommt auch mit den Schlüßel zurück und sehließet 

die Thür auf, gehet liehst einem l'legsnian seines Vaters voran die Treppe 
hinauf a. J. bcsanrTtigcn 7. folgen : seihst nachfolgen a. 11. zu 

Hause: in seine Herberge <i. der Alte: er an solchen Wunden a. 

1 Die Ausgaben für die Reparatur siehe in der Heilage. 5 .-///-// iS. 
30 'Jürgen Lichte (de) wynschenckc in der Rosenstrasse hinter dem 

Rathause und in der Schuhmacherstrasse : Kieler Erbebuch ur. rgoj, tfäfr ; 
Hebungsregister is6j--ijj6 Hds. f. 20>\ //ausbcsitzer/isle /jjj nr. /6S, 
Schossregister /Jjb—iJJQ I/ds. f. 12 '. Er ist tj/j verstorben, bei diesem 
Jahre nennt das Schossregister bereits seine ll'ihoe: I/ds. f. 43V. Kurz vor 
35 seinem Tode hat Jürgen Lichte noch ein neues Haus Jenseits der Scheren 
brücke aufgeführt: Hds. f. 4/f. 

* Igt. Kieler Kirchenregister 1384 I/ds. f. 4jr s. v. hevinge der 
klocken: de boÜknecht, den Lichlschen son ersiecken, 1 puls. 
5 April 20. 



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1)4 



1584—1585 



[i, 154-156 



154 Ködern Freytages 1 nach dem hcyl. Christtage ist vor dem 
Holstenthor hei S. Jürgen einer, mit Nahmen Hans Kiel*, von 
Hans Walbohmen, Jochims Sohn ufm Garten, item *CIaus Juns */>. jiö 
und Claus Gnutzman erbärmlich vom Leben zum Tode gebracht. 

Die Thäter sind friedeloß gelegt und durch den Frohnen aus- 5 
geleutet worden. 

155 Anno 1585 am Sontage Judica 3 Abends zwischen 10 und 
1 1 Uhr ist binnen der Stadt Kiel einer, mit Nahmen Claus 
Wuneke, auf jenseit Hamburg hurtig, von Jürgen Martens, 
welcher binnen Lübeck das Bötchcrhandwerk gelernet, und dan «> 
von einem andern, Hans N. geheißen, jämmerlich entleibet und 
getödtet worden. Die Handthäter sind alsofort entflohen, des 
nechsten Mitwochens 1 aber friedeloß gelegt und öffentlich aus- 
geleutet worden. 

15« *Anno 1585 am Donnerstage 5 in der Pfingstwochcn hat 15 

einer, Nahmens . . . Arp, von Veerden bürtig, Didrich Blomen *^ 119 
des Jüngern 0 Knecht, in Geselschafft etlicher andrer Hofekncchtc 
als seiner MitgehülfTen hicselbst in Wilhelm von Paderborn Hause 
in der Schmidestraße 7 allerhand Gcwald und Überfall verübet. 
Ks ist aber derselbe Arp unter solchem Tumult von dem Bürger *o 
in seinem Hause erschoßen worden. Mit dem entlcibeten Corpcr 
hat man zwar diser Stadt altem Gebrauch nach verfahren wollen 
(vide oben* p. 22. 29. 37. 40. 77. etc.), jedoch ist auf etlicher 
Vornehmen vom Adel Interceßion die Schärfe des Rechten nach- 

//. jämmerlich A. 25 

1 Dez. 2S. 

2 //// Kirchenregister 1584 fehlt über das Begräbnis des Hans Kiel 
eine Eintragung, wohl aber findet sich dort Ilds. f. tfr s . v. hevinge der 
klocken : Hans Schcnckc (!), so erstecken wordt, 2 puls. * April 7. 

* April 10. 5 Juni 13. 30 

" Auf Nehmten, Sohn des Jasper: S. 82 Note 3. Als der Jüngere 
wird er bezeichnet zum Unterschiede von seinem gleichnamigen Oheim, der 
zur Zeit unseres Vorfalls Klosterpropst zu Preetz war. 

"' Wenn diese Angabe richtig ist, so muss Wilhelm von Paderborn 
nach 1 37S das //aus in der Schmiedestrasse erworben haben ; bis dahin 35 
wohnte er in der Fischersirasse : S. 43 A r ole /. 

H Zuletzt 157S : S. 37 (§ Q7). Die früheren Fälle und die betr. 
Seiten des vorliegenden Abdrucks sind S. 60 Note 2 aufgezählt. 



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I, »56 i57j 



95 



gelaßen und also vergönnet worden, den Cörper zu begraben 1 . 
Der Bürger Wilhelm von Paderborn ist wegen getahner Noht- 
wehr absolviret, die bede entwichene Hofeknechtc aber sind 
durch gewönliches Fahrrecht friedeloß gelegt worden. 

5 Am selbigen Tage 2 haben Otto 3 Rantzow vom Botkamp, 157 

Andres 1 Rantzow zum Klamp, des Kielischen Amtmans Ove 
Rantzowen Sohn 5 , und Claus" von der Wische, Detlefs 7 Krbgeseßen 
zu Grühnholtz Sohn, in itzt gedachten Wilhelm von Paderborns 
Hause große Gewalt geübet, indem sie ihm ins Hauß gefallen, 

to sein Hausgeräht, alles, was vorgefunden, hernieder und zu Stücken 
geschlagen, ein verschlossen Schap aufgebrochen, darin er sein 
bereites Leder und andre Dinge gehabt, das Haußgeräht sownll 
*/>. 120 * a j s das Leder ausgetheilet und preißgegeben, Grapen und Keßel 
aus der Thür geworffen, die Fenster eingeschlagen etc. Der 

15 Wirth des Hauses ist auf seine Kammer entkommen. Als nun 
sein nechster Nachbar dahin gehet, zu versuchen, ob ihm nicht 
zu helffen, ist demselben ein Knecht mit bloßer Wehre begegnet 
und nachgeeilet, daß er also die Flucht hat nehmen miißen, 
und hette ihn derselbe Knecht vor seiner eigenen Thür beynahe 

7o erstochen. Am selben Tage* wie des Morgens die That ge- 

j. Randglosse in a pag. 36 : X'ide Vmiocollum judic/V///' ihique attesta- 
tioncs, item Sim. Heurir/ts Suppl., item Protoc. judicialc ejusdem ibique 
attestationes vom 20. Jul. 1585. Am selbigen Tage : Am Donnerstage 
in der Pfingstwochcn a, unter gestri, In nern Im Anfang des Jtilij. 6. An- 

25 dreas ex. 6-7. des — Sohn tu n heriihei geschrieben. 7. Wisch a. 

7 S. Erbgescßcn zu Grühnholtz in a am Rande eingefügt. S-g. in 

itzt — Hause : in eines hisigen Hiirgcrs Wilhelm von Paderborn eines Heu- 
tclers, der in der Schmidcstraßcn gewohnet, seinem Hause a, jedoch sind 
der — seinem am Rande eingefügt, 10 u. 12. Haußgeräht A. ig. hey- 

30 nahe : gar nahe a. 

1 Vgl. Kieler Kirchenregister ij8j Ilds. f. 4^ s. v. hevinge der 
klocken : Arp, Dirick Blomen knecht, wort erschossen, I puls. 
a Juni ij. 8 S. 76 Note 2. 4 S. 60 Note j. 
5 Über Ove Rantzau von Sa hau siehe S. 74 A r ote 1. Die Angabe, 
35 dass Andreas A\ zum Klamp sein So/in war, ist falsch ; er war sein A r eß'e : 
siehe "weiter § 162. ö S. 76 Note /. 

7 Zeit sehr. IV, igt; XXIV, 162; Staatsbürger!. Magaz. X, 964. Kr, 
nicht Hans (wie Stern ann in Jahrb. IX, 495 angiebt), -war der älteste Sohn 
und demgemäss erster Besitzer von Griinholz, ihm folgte im Besitz sein 
40 Bruder Melchior. 



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<><> 



i 5 8 5 



II, 157160 



schehen, haben sie diesen Bürger Wilhelm von Paderborn in 
seines Nachbars Hause gesuchet, sind auf die Boden, Häuser 
und Dächer gestigen, in Meinung, denselben zu finden und zu 
beschädigen. 

158 Diedrich Pogwisch 1 hat einer Rahtsperson Hinrich Teleman 2 s 
bey nachtschlaflfender Zeit seine Fenstern 3 nach der Straßen 
werts ausgeschlagen, der Ursache daß er sich nicht hat mit 
Gewald ein halb englisch Laken von seiner eigenen Person aus 
seinem Hause wollen nehmen laßen. 

159 Derselbe vom Adel hat einem Bürger, mit Nahmen Johan 10 
Holsten, gleicher Gestalt bei Nachtzeit vor seiner Buden 1 ange- 
sprenget und ohne alle Ursach mit bloßer Wehr überfallen, 
nach ihm gehauen und das Schlipdach oder Schaur zu seinem Glück 
getroffen. Wie das nicht hat wollen gelingen, hat er einen 
Stich nach ihm getahn und im Umdrehen ihm sein Wams auf 15 
dem Leibe cntzwey :i: gcstochcn. Ist also, um sein Leib und 
Leben zu retten, dem Thäter in die Arme gefallen. Darauf 
Didrich Pogwisch seinen Dolchen gezogen. Ks hat aber Johan 
Holst denselben mit aller Macht von sich gestoßen und ist im 
Pin stern davon gesprungen. 20 

Kȟ Andreas Ranzow zum Klamp hat bey kalten Winterstagen 

einen Spielman von seiner Wohnung dazu genötiget und gezwungen, 
daß er hat inüßen aus seiner Schwachheit aufstehen und mit 
einem Instrument oder Spielwerk nackend und im bloßen 
Hemde vor ihm selbst, dem vom Adel, auf einem Pferde nebst ^ 

1 Sohn des Bertram auf Hagen und Doberstorf : Zeit sehr. XXV, 227. 
I ber Dietrichs Tod siehe $ 112 und -weiter Hremer z. J. 1600. Bei 
Steinann in Jahrb. IX, 4J0 und Tafel B wird unser Dietrich irrtümlich 
als Detlef aufgeführt. 

■ Xaeh Bremer Ratsmitglied /jS/—/J9<?. Zum Unterschiede von 30 
dem S. 31 Xo/e 2 enoahnten Gleichnamigen wird er der Jüngere genannt. 

s Im Hause Schuhmacherstrasse ur. //, von Teleman IJ72 enoorben: 
A'ie/er Erbebuch nr. /970, Hausbesitzerliste /J7J nr. 166, Schossregister 

l 579 IM*, f 4J V > 7 2V > Schossregister /jyj 96 Hds. />. 34. 

Ein anderes 1370 Af>ril 4 in der Schuhmacherstrasse gekauftes Haus ( Erbe- 35 
buch nr. /QJ^J hat 'Teleman nur ganz kurze Zeit besessen. 

4 Auf dem Markte : Schossregister /jgj gö Hds. p. 21. 



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1, 160-162] I5 8 5 1)7 

seinem Diener reitende, hergehen und biß an die Schevenbrücken 
(wie mans nennet), außer der Stadt belegen, spielen müßen. 
Darnach hat er ihn mit einer kurtzen Büchsen, die er aus der 
Holrfter gezogen, woll abgepumpet 1 und geschlagen und mit 
5 sothancn erbärmlichen Drankgelde, mit Thränen übergoßen, 
wiederum paßiren laßen. 

Derselbe vom Adel hat zu einer andern Zeit 2 einen Bürger, 161 
mit Nahmen Hinrich Schiring, in seinem eigenen Hause 3 mit 
Crcutz und Knopf in sein Haubt geschlagen, daß er davon 
io den Tod hat nehmen müßen, und zwar nur darüm, weil der 
Bürger ihn üm sein abverdientes Lohn hat mahnen wollen. 

Noch hat dieser einem Bürger, mit Nahmen Jasper Schütte 1 , 102 
in der Schmiedestraße wohnend, bey Nachtzeit gewaldsamer W eise 
die Fenster ausgeschlagen, und wie er, der Bürger, vermeinet, 
15 an dem damaligen :;: Amtman r ' auf dem Fürstl. Hause einen 
*A '^beßeren Richter zu finden, weil er sein, des Thäters, Vetter 6 
gewesen, hat ers demselben geklaget, aber von dem Amtman 
diese Antwort erhalten: Man solte dir Schelm die Augen dazu 
ausstechen! ' . Als nun der Thäter solches erfahren, hat er dem- 

20 S. Heinrich n f>ag. jg. Randglosse in a zu Schiritig: wo it/o der 

Theobrenner Hartman wohnet. Hause: I.ogimcntc n. /.'. Schütten o, 
iitii.u Kit litigiös*? : wo it/o Hans Fiije wohnet, do/tir fehlt dort im Texte 
in der Schmied est raLie wohnend. 13. bey Nachtzeit : in nachts hhifiender 
Zeit a. 11). Als — erfahren : und als der Thäter dieses erfahren, dal.'. 

25 der beschädigte ]Jurj;er über ihn geklaget n p,ig. 40. 

1 100hl (tüchtig) durchgebläut, 
is SS ; erst damals starb Schiring und wurde für ihn mit 4 Pulsen 
geläutet : Kieler Kirchenregister /jSS Ilds. f. 41-'. 

8 In der Burgstrasse ( Schmiedest): ) : siehe § Sj, Ilausbesitzcrlisle 
V> '575 ■ '°9> Schossregistcr iS7< r >—/579 IM*- /• S r , 40*-, 6qr. 

4 Sohn des Henning, im ersten Hause (nach der Eckbude des Benedict 
v. Ahle f cid zu Lindau) auf der rechten Seite der Schmiedestrasse, heute 
Schlossstrasse nr. 2, in Jaspers Besitz seit /J7J Juni //: A'ie/er Erbebuch 
nr. Jtyji) , Schossregister /J76— J 'J79 Ifds. f. lo>-, 42*% 7 /r ; Schossregistcr 
35 '595 9^ Ilds. p. 30. /,u Bremers Zeit wohnte dort Unnsl'oye: Schossbuch 
16S4 Ilds. f. 60, Schossbuch 1^4 Ilds. p. /J2. 
•"' Ove Rantzau von Salzau. 

" Nach Andreas' eigenen Worten (weiter S. qS 3 ) -war er der Schwester- 
söhn, also A'etf'e, des Amtmanns. 

7 



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m 



[i, 162165 



selben Bürger den nechstfolgenden Tag abermahl die Fenster 
ausgeschlagen und gesagt: Siehe, ich heiße Andreas Ranfzvio und 
bin des N. N. sein Schwestersohn. Thue darüm, was du nicht 
laßen wilt«. Über solcher verübten -Gewalttätigkeit ist des 
Bürgers Frau, so schweren Leibes gegangen, so gar erschrocken, 5 
daß sie eine todtc Gebührt zur Welt gebracht. 

163 Als cinsmahls der gnädige Landesfiirst Herzog Adolf zum 
Kiel aufm Schloß gewesen, sind bey nächtlicher Weile etliche 
vom Adel herum gcrennet, haben Leimen geblasen und vor 
dem Fürstl. Schloße Büchsen loß geschoßen. 1 10 

164 Anno 1585 am Donnerstage 2 nach Trinitatis ist ein gantzer 
Raht samt den Herren Bürgermeistern und ohngefehr 20 aus 
der Bürgerschafft hinauf das Schloß zum Kiel gangen und haben 
daselbst in wehrendem Landgerichtstage des Morgens eine Suppli- 
cation übergeben wegen der eigenthätlichen Handlung, derer 15 
sich bißweilen etzliche Junge vom Adel und ihr Gesinde bei 
nächtlicher Weile und sonsten unternehmen etc. 

105 *Copia Fürstl. Mandati* wegen des Tumultuirens etc. */>. J2 6 

Wir von Gottes Gnaden Adolff, Erbe zu Norwegen, 
Hertzog zu Schleßwigk, Holstein, Stormarn unnd der Dith- 20 

/. abermahl gcwalthiitig a. 4. Uber A. J. gar : sehr a. j-10. Am 
Fasse der /. 122 in A von Bremer mit anderer Tinte nachgetragen und 
durch Zeichen hierher bezogen. 13. gegangen a f>ag. 40 a. 14. kum 
ungefehrlich um 7 Schlügen des Morgens a. 17. a schliefst mit 

Quellenangabe : Vidc Hrotoc. judic. Sim. Henr. hie. 25 

1 Vgl. in der Hei läge aus dem Schlesinger Staatsarchiv A I nr. 196 : 
I.ibellus appellatorius Kiel contra Gebrüder Peutz, produziert in Speyer 
1394 April 17, Ilds. f. 33, ort. fj. -Juni 20. 

8 Unter den mir vorliegenden Akten ist keine Originalausfertigung des 
folgenden Mandats vorhanden. Dagegen finden sich an Abschriften : 1) Schles- 30 
loiger Staatsarchiv A I nr. 196 f. 31-32, beglaubigt von dem Landgerichts- 
notar Johann Ilintz und produziert in Speyer 1393 AW. 23 ; 2) Schlesinger 
Staatsarchiv A I nr. 194 f. 146-/47, beglaubigt von dem Landgerichts notar 
Rudolph Faust /600 Mai 10 Kiel ; 3) Kieler Stadtarchiv P VI Com'. / 
nr. ja, auf der Rückseite mit der archivalischen Signatur ; # 1 und mit 35 
zwei von der //and des Textschreibers herrührenden Notizen über geschehene 
Publizierung ( siehe weiter) ; 4) Kieler Stadtarchiv P VI Conv. / nr. jaa 
ohne Signatur, aber mit den beiden Publizicrungsnotizen, ist eine zweite Aus- 
fertigung des Schreibers von ja ; 3) Schleswiger Staatsarchiv A I nr. 196 



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I. i65] 



15^5 



99 



marschen, Gräfe zu Oldenburgk unnd Delmenhorst, entbietenn 
den ersamen unsern lieben getrewen Burgermeister unnd Rahtte, 
auch samptlichen Burgerschafft unser Stadt Kiell unsere Genade 
unnd hiemitt zu wißenn : wie das uns numher für glaubwirdich 
anbracht unnd zu erkennen geben wordenn, welcher Gestalt 
sich eine Zeit lang hero alhir in unser Stadt Kiell etzliche 
friedheßige Leute de facto angemaßet unnd unterstanden, 
allerhandt Muetwillen mit Schießen, Fenster außzuschlagcn, 
Heuser zu stormen unnd sonsten mehr Frevels unnd Uppicheit 
ihrer selbst eigenen Belustung nach zu üben unnd zu Werck 
zu richten, dahero dan Mordt unnd Todtschlag, deren einestheils 
sich alhir nicht weinig zugetragen, vorursachet wordenn ist. 
Wan uns dan alß der hohen von Gott vorordneten Obrigkeit 
mit nichte gebuehren wil, solchen eigenthetlichen, auch in 
allen Godtlichen unnd weltlichen Rechten verbottenen unnd 
straffwirdigen Handelungen zuzusehn, ohne das bey allen Christ- 
lichenn hohen Potentaten, auch Ehrliebenden, uns an unserer 
Fürstlichen wolhergebrachten Reputation vorkleinerig unnd nicht 
zu geringem Vorweiß gedeilich sein wurde, wan solche muet- 
willige Handell hinfuro freygelaßen und damit durch die Vinger 
gesehn werden soltte, wormit wir aber keinesweges zu ge- 
dulden gemeinet sein : demnach wollen wir euch hiemit gnedig 
ermahnet, auch ernstlich auferlegt unnd bevohlen haben, bei 

Cof>. 2. 2. liurgermeistern. J. wcllichcr. 9. zue stürmen. 10. Be 
lustigxinß. iS. vorklcincrlich. 20. Händcll. 

/. 8-11. als Beilage zur Vorstellung Kids an Herzog Johann Adolph 1393 
Aug. 10. Die genannten fünf Abschriften sind nur orthographisch von ein 
amier verschieden. Bremer hat für seinen Text in A p. 126 — 12g eine der 
beiden im Auftrage des Ale/er A'als 1383 für die öffentliche Verlesung an- 
gefertigten Abschriften benutzt, und zwar die mit signierte dritte Abschrift. 
Vorgelegen hat ihm freilich auch die vierte Abschrift ; denn beide tragen von 
seiner Hand auf der Rückseite das registrierende Datum: 1585, 26. Jim. 
/;// obigen Abdruck ist nicht Bremers Abschrift wiedergegeben, auch nicht 
seine Vorlage, sondern die erste beglaubigte Abschrift des Schleswigcr Staats- 
archivs ( Cop. 1) ; einige l 'arianten der zioeiten beglaubigten Abschrift ( Cop. 2 j 
sind in den Editionsnoten verzeichnet. Das Original war ein Patent mit 
Sekretsiegel. Einen Extrakt unseres Mandats giebt Brinkmann, Aus dein 
deutschen Rechtsleben, S. 202-203. 

7* 



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100 1585 ^ 165 

solchen unnd dergleichen unzimlichen lieginnen hinfuro die 
fleißige Aufsicht und Wache zu haben, do sich der ein oder 
ander, er were, wer er wolle, abermals unterfangen wurde, seinen 
Muhtwillen zu üben unnd euch unnd die Kurigen, an Leib unnd 
Guetern mit Gewalt zu uberfharen unnd zu beschweren, das ihr 5 
alsobaldt die Stormglock ziehn laßet, euch mit gewerter 
Handt zusammen thun, den oder die Thetere nach Gelegenheit 
der Person hand- oder füßfast machen unnd uns die Ge- 
schatTenheit des Handels ferner zuschreiben unnd anmelden, 
daraufT ihr, wie mit denselben Frevelern, andern zum Abschcuw «« 
unnd Kxempel zu vorfahren, weiter Befehlichs von uns unver- 
lengt gewertich sein sollet. Ihm Falle sich auch herrnlose 
Knechte unnd Jungen finden, die lenger alß über zwene Tage 
bei euch in unser Stadt beherbergen unnd aufhalten wurden, 
von denselben sollet ihr euch die Gelegenheitt ihres Aufent- 15 
haltens unnd Urlaubs erkundigen unnd, woferne sey keine redt- 
liche erhebliche Ursachenn ihres Stilleliegendes zu bescheinen, 
sie lenger nicht zu hausenn noch zu herbergen gestatten. Do 
auch eures Mittels der ein oder ander sich diesem unserm 
Befheliche wiederspentzstig unnd ungehorsam erzeigen unnd sol- 20 
che herrn- unnd dienstlose Knechte und Jungen aufhalten, 
atzen unnd drencken wurde, wieder den oder dieselben werdet 
ihr euch dergestaltt ewers Ampts unnd Gerichts zu verhaltenn 
wißen, das wir selbst nicht Ursach erlangen, sowol wieder 
euch alß dieselben die Mitteil furzuhnemen, welche zu Sal- 25 
virung dieses unsers Mandats unnd Bevehlich vonnöten. Unnd 
weil euch diese Vcrordenung sampt unnd besonder zu Erhaltung 
friedtsamen Standts und Wesens zum Besten gemeinet, so werdet 
ihr euch umb so viell mehr aller Gebuhr hirinnen zu erzeigen 
unnd hirbey unsere höchste Strafte unnd Ungenade zu vormeiden 30 
wißen. Nebenst diesen wollen wir euch auch himit ernstlich ein- 
gebunden haben, euch kegen jedermenniglich schiedlich unnd fried- 
lich zu erzeigen unnd zu Wiederwillen unnd Unruhe selbst nicht 
Ursach zu geben; dan alß wir nicht gemeinet sein, euch mit 
Gewalt unnd muhtwilliger Uberfahrung beswerenn zu laßen, so 35 

Ci>/>. 2: 6. Storniligtockc. S. fticl'fn^t. 16. sie. 17. Stillc-liegens. 



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I, 165-166] 



15^5 



101 



weinig kan unnd sull uns zu Gefallen gereichen, das ihr zu 
Unruhe unnd Uppickeitt selbst Ursach geben solten. Das meinen 
wir ernstlich, seind euch sonsten zu Gnaden unnd Guetem wol 
gewogcnn. Datum auff unserm Schloß Kiell, den 26. Junij 
5 Anno 8s. 

AdolfT H. z. S. Holstein. 

(F. S.) 

1 Dises Mandantin ist publicirt und öffentlich von der Canzel 
gelesen am Festtage Visitationis Mariae* und bald darauf vor 
10 der gantzcn Bürgerschafft auf dem Rahthause Freytags den 9. 
Jul. 1585. 

3 Anno 1585 ist Melchior Rantzow von Schönweide mit ltiti 

('<>/>. 2: 6. Per Y'ornam? nhgrkiirzt A statt Adolfl". 12. Anno fi hlt 
f !<'.*,"• fO. 

• 5 1 Vgl. »t'f der Mickseite von C<>/>. j: Publicicrtt und offentlig abge- 

lesenn zum Kiell von der Cantzcll am Festläge Visitationis Mariae Ann« 
ete. 85. Ködern Anno publicieret auff dem Rathhause vor der algemeinen 
Burgerschafft, so vicll derer dazumahll beysamen, Freytages naeh Kilianij, 
war der 9. Julij. Hierbei ist der Kilianstag von späterer Hand in den ttr 

20 sprüug/ich frei gelassenen Rattm eingetragen, in Cop. 4 entbehrt der freie 
Raum der späteren Eintragung. 9 Juli 2. 

8 Coronaeus Petersen S. II. 146 p. S nr. jj z. J. 15S5 (S. II. 14g 
p. 21 5. J. 15S4, S. II. 14g B p. ro nr. jS z. f. ijSS), Wilhcimi Hds. 
A rj nr. 37 s. 7- 'S$S, Art«// .V. //. /./<? /. .// z. J. tjSS. Claeden II, 

25 1 26-/27 Amn. Schröder, Darstellungen S. 142 . Inn/. Das richtige Jahr 
fjSj und den historischen Hergang berichtet Angelus 1 , 136: Von diesen ist 
Melchior auff eine Zeit vom Pferde auff der Brück zum Kyl ins Wasser 
gefallen, daß er kaum beim Leben hat können bleiben. Doch ist er zum 
andernmal vom Pferde, welchs sich im Wasser getummelt, gefallen und er- 

30 soffen im tausent fünffhundert und fiinff und achtzigsten Jar, den zchenden 
tag Septembris seines Allers im drey und zwantzigsten Jahr. Mit Coronaeits- 
Bremer stimmt S. II. 146 übereiu, jedoch fehlt in dieser Hds. der Zusatz 
woselbst — aufgepaßt sein (S. 102 f ), und das Gespräch mit dem Pferde 
lautet niederdeutsch : »Männeken, du heffst hüden dag soltwater gesapen, 

35 du must nun ock frisch water prüften*. Die anderen Coronaeus- Hds. sind 
ausführlicher, S. II. 14g A p. g nr. 37: Anno 1585 ist Melchior Rantzau 
von Schönweide mit seinem (laul zum Kiel von der Iloltzen Brücken 
( Claeden falsch : von der hüchsten Brücke, richtig S. II. 14g, r/g B, IVilhelmi, 
Noodt: Holsten Brücke^ in das sahze Wnßcr gesprungen, da ihm dann der 

40 (laul durch seine Courage wieder zu Lande bracht. Da reitet er wieder 
nach der Pferde Börne bey dem Ziegelhofc (Xoodt: mich der Pferde-Tränke, 



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102 



[I, 166-167 



seinem Pferde zum Kiel von der Holstenbrückcn in das saltze 
Waßer gesprungen, da ihn dan das Pferd wieder zu Lande 
gebracht. Als er aber weiter geritten und bei dem Ziegelhove, 
woselbst ihm auch mag aufgepaßt seyn, in die Pfcrdebörn auch 
einen Sprung gewaget mit disen Worten : »Männekcn, du hast 5 
Saltzwasser gesoffen, du must nun auch frisch Waßer sauffenl», 
so ist diser Kdelman darin ersoffen, das Pferd aber wieder zu 
Lande geschwommen. 
107 'Eodcm Anno zog Friedrich Rantzow, Archidiaconus zu 

Schleswig, des Stathalters Henrich Rantzowen Sohn von Breiten- 10 
bürg, in den Französchen Krieg, ward aber von etlichen Meuchel- 

- 

J. Mannken a. S. a pag;. 41 uklnsst mit QueUcnangal*: Ep. f. 8. //. so. 
Mühlenteich genannt, S. IL 14g: Da nickte er bey der Pistole, tränckte 
bey dem Ziegelhofe,), da die Mägde waschen, und sagt zum Pferde: 
»Männecken, du hast nun heute Saltzwaßer gesoffen, du must nun auch 15 
einst (S. II. 14g Ii, jSo A: eins, IVilhelmi: einmahn, frisch Waßer (S. H. 
14g: stiß Waßer,) sauften !c Und dnmit springet er bey den Waschemägden 
(Noodt : aus Vorsatz,) in den Mühlenteich. Da aber der Gaul in die 
Miidde (S. II. 14g: in der Mode, 14g B : in der Modde, IVilhelmi: in der 
Made oder Schlamm, Noodt: in dem Schlamm,) bestecken bleibet, da 20 
wirfl't der Gaul ihm herunter, daß er (Noodt: vor den Augen der Leute,) 
ersäufft. Das Pferd aber schwimmet wieder zu Lande und frist Reisig und 
bekümmert sich wenig um seinen Junker. — Über die Familie des Melchior 
Rantzau 7<m Schomoeide (im Kirchspiel Eutiner Neukirchen), Sohn des Otto, 
siehe Zeitschr. II, ijj. Unser Bericht ist mit Zugrundelegung von Prahl, 25 
Chronik der Stadt Kiel, S. 67 (aus Ciaeden) dichteriscJi bearbeitet von Johann 
Meyer, Hochdeutsche Gedichte, j. Aufl. S. 237 — 260 und darnach von Claudius 
Serpentinen in Musik gesetzt. 

1 Coronaeus- Petersen S. IL 146 p.j nr. 2g, IVilhelmi I/ds.p. 15 nr. 40, 
Noodt S. II. 14S p. 41. Diejenigen Hdss., welche hierbei ein Datum ver- 3° 
zeichnen, haben das Jahr /jSS. Diese Angabe ist falsch, 7oie die unsere 
des J. /S$S- Zur Zeil der /jSj besorgten ersten Herausgabe der Genea- 
logia Ranzoviana ist Friedrich Rantzau am leben (siehe daselbst Bl. 7"-'). 
Auch das Verzeichnis der 15S7 lebenden Rantzaus bei Albini fuhrt ihn als 
lebend auf (nr. 21); doch ist er noch 15S7 am 2g. November alten Stvls 35 
(g. Dez. u. St.) ermordet -worden : Albini, Vipertus sive origines Ranzin ianae 
(Wittenberg 15SS), S. 7S ; Angelus I, 164 irrtümlich z. g. Nov., 182; 
Lambert Atardus bei IVcstphalcn, Monumenta inedtta 1, igj7 ; Note in den 
Noodt Coronaeus Hdss. irrtümlich z. 27. Nor: ; Noodt, Beiträge /, SS Note 
Ii ; Zeitschr. II, 14g. 40 



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I. i6 7 -i7i] 1585 103 

mördern auf der Reise ermordet 1 und liegt zu Colleure* in Frank- 
reich begraben. 

Eodem den 24. Octob. hat Didrich Blome der Jüngere, 168 
Jasper Blomen zu Ncemtcn Krbgeseßen Sohn, am Sontag Abend 
5 dem alten Herrn Joachimo Bluting 8 , Archidiacono hie*selbsten, 
*/• tjo ohne alle Ursache die Fenster in seinem Hause 4 ausgeschlagen, 
dahinein geschoben, auch seinem Sohn Tonnies Bluting in der 
Schulter gestochen und schwerlich verwundet. 

Noch hat derselbe einem Rahtsverwanten, Timm Wricdt 5 109 
10 geheißen, gewaltsamer Weise viele Fenster ausgeschlagen. 

Desgleichen hat er auch einem andern Rahtsverwanten, 170 
mit Namen Hinrich Teleman", erwisen. 

Anno 1585 am Donnerstage nach Dionysij den . . . 7 Octob. 171 
auf den Abend zwischen 6 und 7 Uhren ist alhir auf dem Markt 
15 ein Hovejunge 8 mit Nahmen Asmus, in Jütland binnen Arhusen 9 
zu Hause hörende, von einem andern Hoveknecht, Hinrich N. 
geheißen, damahls bei dem edlen und ehrnvesten Baltzer Broktörf 10 
dienende, entleibet und vom Leben zum Tode gebracht. Der 

1 

2. a pag. 41 schliesst mit Quellenangabe : Epit. f. 5. J. Diedrich 

20 Blohm a Pag. /JQ. J. Joachimo — hicsclbstcn : Joachim Hlüting a. 

6. einige Fenster a. 7. Tönnies a pag. 140. S. Schlussglosse in a : 
\iile Protoc. jud. Sim. Hcnr. sub Anno 1585, 25. 26. Octobr. 

1 Die Coronaeus-I/dss. mit Ausnahme von Bremer a fügen hinzu: 
Die Thäter sind niemals offenbar worden. 
25 * Diese Notiz über das Begräbnis findet sich unter den Coron. I/dss. 

nur noch in S. //. 146: Coleuvre. Vgl. Angelus (Colcure) und Alardus 
(Coulevcre). Couleuvre im Dcp. Allier, Art: Moulins. Die Ermordung fand 
nach Albini nicht -weil von Champeraulx ( Champroux im Arr, Moulins ■) statt. 

8 Nach Bremer Diaconusin Kiel 1566—74, Archidiaconus /J74—/606. 
30 * In der Hassstrasse: Kieler Erbebuch nr. 20/2 z. J. IJS7, Schoss- 

register IS95I96 Hds. p. 20. Das //aus hat er 1568 für 200 Mark ge- 
kauft: Eick, Kleine Mitteilungen aus Kiels Vergangenheit S. 57, 92. 

5 S. 4g Note j. ft S. 96 Note 2. 

1 Bremer hat für den nicht berechneten Monatstag freien Kaum ge- 
35 lassen, Donnerstag "war der 14. Oktober. 

8 Er ist 700hl mit der Eintragung im Kieler Kirchemegister fjSj 
I/ds. f. 46V s. v. hevinge der klocken gemeint : ein hovejunge I jmls. 

9 Aarhuus. 

10 S. 73 Note j. 



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104 1585 f 1 ' l 7i 174 

Handthätcr aber, weil er flüchtig, ist durch gewönliches Fahr- 
reclit fricdeloß gelegt und durch den Frohnen ausgeleutet worden. 

172 Den 23. Octob. am Sonahend des Abends, als Melchior 1 
Rantzow, Ovens des Amtmans Sohn, nach der Haßstraße in 
der Blumischen* ihr Hauß gehen wollen, hat des alten Joachim 5 
Blütings Sohn Tönnies disen Rantzowen mit einem Stein vor 
die Brust geworfen, weswegen derselbe hernach in die Büttelei 
zur Gefängnis gebracht worden. 

173 *Anno 1585 den 16. Nov. ist der alte Herr Joachim *A 'SJ 
Blüting nebst einigen seiner Freunde und Beystände vor dem 10 
Raht erschienen und hat durch den Herrn Pastoren M. Detherum 
Mauritium 3 vortragen laßen, wie dem Raht albercit wißend seyn 
würde, daß sein Sohn Tönnies sich eine Zeit lang übel ver- 
halten, allerhand Muhtwillen getriben, auch sogar gegen seine 
Eltern und Geschwistern dem virten Gebote Gottes zuwieder 15 
sich orTtermahls mit Fluchen, Schelten und gewaldsamen Tahten 
aufgelehnet, seiner Mutter einsmahls ein Stück aus der Wangen 
gestoßen, wieder seine geleistete Urphede gehandelt, seine Eltern 

in der Bütteley gelästert und geschmehet, auch sonst sich der- 
gestalt strafbar bezeiget, daß dieser sein ungehorsamer Sohn 20 
dadurch das Leben woll verwirket etc. Er wolte also gebeten 
haben, daß E. E. Raht vorerst verordnen möchte, disen seinen 
ungehorsamen Sohn eine Zeit lang auf dem Haßthurm bey 
geringer Kost sitzen zu laßen etc. Welches dan auch geschehen. 

174 ''Ködern hat einer, mit Nahmen Christoffer Pate, von Berlin =5 
bürtig, den Armenkasten alhir in der S. NicoW Kirchen *auf- */• 'S* 
gebrochen und bestohlen. Dieser Dieb ist nachgehends zu 
Eckern forde inhaflftiret 5 und gerädert worden. 

/c. l'.cystaiulc ./. 

' S- 7/ ig- 2 Anna Plome. 30 

" Magister Mauritius, nach Bremer A'ector in Kiel rj>ji — -4, Dia- 
contts /J74~ S6, Pastor — //>//. 

* l'g/. in t/er /fei tage tiie Xotiz u/er den Die/ stahl um/ i/ie A'osten- 
rechnung aus dein A'ie/er A'irehen regist er /jSj llds. f. 1 48-'-/ j<)'\ 

% Von detu gestoh/enen (ielde wurden hei dem Diehe nur noch j $ y $ <) 35 
vorgefunden . Dagegen hatte die Kirche an l 'nkosten für die l cr/'o/gnug und 
Prozessierung nicht locnigcr a's 3 Thaler und dazu 44 \ 3 |3 f> :u tragen. 



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I. i75 i76] i 5 86 105 

[fj#6]. Als auf eine Zeit alhir zum Kiel auf dem Markt 17f> 
ein Tumult entstanden und Ihr Fiirstl. Gnaden Staller in Eyder- 
stede Caspar Hoyer 1 eben bey der Herzogin- Amtschreibern 
Fridrich Eminga 3 gewesen und das Volck vor der Thür gestanden 
5 und dem Parlcment zugesehen, hat Claus von der Wisch, Detlefs 
Sohn, mit bloßem Gewehr auf des Herrn Stallers Schreibern 
zugeschlagen, daß diser ihm ausweichen und entlauffen miißen 
biß in die Stuben, woselbst ein Pot mit Wein auf den Tisch 
gestanden, welchen der von der Wisch genommen und ins Feitr 
jo geworfen. Die Wirthin des Hauses will ihn zufriden sprechen, 
es hat aber nichts helffen wollen. Wie nun der Herr Staller 
gesagt: Ey, mein lieber N. N., mein Sohn, solches bin ich 
bei euch nicht vermuhten «, hat dieser darauf geantwortet: Der 
T. 1 ist euer Sohn und ist davon gangen. Vor der Thür aber 
15 wendet er sich und stost mit bloßem Gewehr durchs Fenster 
f S7 in die *Stuben, da Casjx//' Hoyer geseßen, welchen er beinahe 
am Tische getroffen, wan es Gott nicht gnädig abgewendet 
hette. 

Derselbe vom Adel hat selbander alhir auf dem Raht- 17« 

20 /. Di e Klammer ist von mir zur Erklärung hinzugefügt. Ks handelt 

sich nicht mehr um das Jahr fjA'j, sondern um /jS6. Auf letzteres 
bezieht sieh das in A hier stehende Ködern, insbesondere auf den vor- 
hei 'gehenden und dieses Jahr eröffnenden /» rieht über Otto Rantzau, 
der wegen der daneben stehenden Xofiz Wremers: [/WVs gehört 

2 5 f;/;/]tc-n ad j>. 1^8 in medio • ^ erst im f /So abgedruckt ist. /nr 

l'ermeidung von Irrtümern hat dann Kremer nachträglich Kod. ge- 
strichen, i. am Markt a f>ag. 41. 2. Uno a. j u. ib. 
(.'asper a. y. Kricderich a. 

1 Stallet- in F.iderstedt 137S -1394; in den vorhergehenden fahren 

30 Toirrf er als A'ieler Hausbesitzer in der Sehuhmaeherstrasse nr. S et-,,'.: /ml . 

Hebungsregister jj6j — 137h Hds. f. 2/ r z. J. /3I3, F.rbebtteh nr. i<)$j 

z - 7- l 574, Hausbesitzerliste 1373 nr. Jt)h, Schossregister 1370 ■ 137t) Hds. 

f. ij r , 4f\ 7J-- c. J. 1J76—7S; Volbehr, Topographie S. 173. 

-Herzogin Christine, geborene l.anigräfin zu //essen, erhielt nach 

35 dem am I. Okt. 13S6 erfolgten 'Tode ihres Gemahls } Verzog Adolph von ihrem 

Sohne //erzog Friedrieh II. (gest. 13S7 Juni 13) Sch/oss und Amt Kiel 

einschliesslich der Kieler l/ospitalsgiiter als /.eibgeding versehrieben. l'nscr 

Fall gehört dem letzten Quartal d. J. /jSfi an ■ bald darauf, noch vor 

Teginn v. /JS7, wurde Claus v. d. ll'iseh erstochen. 

40 3 Frederich Kmynga amhtschriver. Hausbesitzer in der /Knisehen 

Strasse: Schossregister 1393 </> Hds. p. 23. * Teufel. 



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10H i 5 86 [I, 176-179 

hause in Beyseyn etlicher Rahtsverwandten gewaltsamer frevent- 
licher Weise ohne alle Ursach ein Capellichen (wie es von Alters 
her genennet), so von Holtz zugerichtet, darauf viele Hände oder 
Finger gelegen und Eyde darauf nach altem Gebrauch dieser 
Stadt geschworen, zu Verschmähung des Gerichts mit Füßen 5 
getreten, ins Feur geworfen und verbrand. Und wan ihm 
nicht gehindert worden, hette er die Königl. und Fiirstl. Wapen 
in den Fenstern auch ausgeschlagen. 

177 Auch hat derselbe vom Adel auf eine andre Zeit einem 
Bürger diser Stadt, mit Nahmen Johan Kock, in seiner Kammer «o 
in der Schumacherstraßen 1 gewaldsamer Weise 32 Fenster ein- 
geschlagen. 

178 Noch hat Claus von der Wisch und Didrich Pogwische 
einer alten Bürgerin Anna Telemans, am Markt 2 vor der Haß- 
straßen wohnende, mehr dan einmahl große Gewald und Frevel 15 
an ihren Fenstern und in ihrem Hause verübet. 

179 Anno 1586 den 25. Maj in der heyl. Pfingstwochen, da 
eben am Mitwochen die Bürger in Kiel den Vogel geschoßen 
und darnach ihr Gilde auf dem Rahthause gehalten, ist in der- 
selben Mitwochens Nacht zwischen 1 1 und 1 2 Uhren eine große 20 
Feuersbrunst in der Flemischen H: Straße in Hinrich Töken des *A '3 S 
Bürgerworthalters Hause 8 entstanden. Und ob zwar von etlichen 
Königl. Dänischen Schiffen, so eben damahls, um Holtz abzu- 
holen, im Häven gelegen, zu Anfang des Brandes zu verschiedenen 
Mahlen mit groben Geschütz geschoßen worden und man darauf 25 

üm Rettung sehr bemühet gewesen 4 , so sind dennoch durch 
solch Feur erstlich dieses Hinrich Töken beede Wohnungen, 



34. darauf — gelegen : dar viele Finger auffgelegen a /><ig. 43. 10. Rand- 
glosse in tt zu Johan Kock : in der Schumachcrstnißcn gegen den Kirch- 
hof über wohnend. 13. Pogwisch a. 23. Konigl. A. 30 

' Heute Schuhmacherstrasse nr. to, in Kocks Besitz seit 1374 •' Kitler 
Erheblich nr. 19S3, Ilattshesitzerliste 1373 nr. 193, SchosSregister 1376 — 1379 
Iltis, f. ijr, 44V, yj-' ■ Schossregister 1393 ' ! 96 Hds. />. 37. 

a Markt nr. 10 : S. 31 Xote 2. a Meter Erheblich nr. 1931. 

4 Vgl. Aleler Kirchenregister 1386 litis, f. 142^. noch 3 mennern 35 
geven, dat se 5 nacht up dem torne gewacket, do idt in der Flemschen 
stratten brendc, 2 # 1 ß. 



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I, i79 i8o] 



107 



dan ihm zur Rechten Margreta Vetten und Christofier Negendanks 
und zur Linken Marquard Broktörfen Häuser 1 , auch Hans von 
Stade, eines Wandmachers in der Fischerstraße 2 wonhafft, alle 
seine Gerähtschafft und Werkzeug gäntzlich abgebrand und 
5 vernichtet, dabei 5 Leute unter dem Retten zu Tode und viele 
andere zu Schaden kommen. Ob dieses Feur von den Maltz- 
dahren, deren Hinrich Töke 2 im Hause gehabt, oder aus 
andern Versehen seiner Leute entstanden sey, ist nicht eigentlich 
kund worden. 

10 Anno 1586 den 9. Junj hat Otto Rantzow vom Botkamp 180 

einem Bürger, Wilhelm von Paderborn oder Beutler 8 genannt, 
zu Mittage üm 1 1 Uhr alle seine Fenster eingeschlagen. Welches 
dieser Bürger alsofort dem Raht nachdrücklich geklaget und üm 
Hülfe und Sicherheit gebeten, er müstc sonsten, wan dieser Edel- 

j s man noch einmahl käme, demselben also begegnen, wie vor 

9. Die Randglosse in A: Xide p. 136 • weist auf unseren fiag. 136 
stehenden, aber hier einzuschiebenden $ /So hin. Siehe S. /oj Z. 2j. 

1 Die Häuser lagen auf der linken Seite der Flämischen Strasse in 

folgender Reihenfolge: Christof er A'egendank (Hausbcsitzerliste /J7J nr. 144), 

20 Margreta Veite, Witwe des Gert Veite (nr. 143 ), Hinrich Töke mit einem 
Hinterhaus (nr. 146), Marquard Broktörf (Magdalena: nr. 147). Vgl. 
Schossregister 1576—1379 Hds. f. iov, 42™, yjr. Drei von den > Haus- 
steden, welche vor kurtzen Jahren durch (Jottes Zulaß abgebrannt« nemb- 
lich Henrich Töekenn, ChristoflT Negendancks und Margreten Vetten abge- 

25 brandte Steden in der Flcmeschenstraße zwischen Marquart Brocktorffs 
sehligern und Henrich Schröders heusern eingelegen, ungeferlich achtzigh 
schuech breidt samt dem Hause des Wandmachers Hans von Stade an 
obbemelte Steden von hinden zu rurend und vorwerts nach der Kischer- 
straße gehende kaufte 1596 Heinrich Blome zu Oppendorf und baute auf 

30 dem Platze das nach ihm benannte Blomesche Breihaus, heute nr. 21 ( Seemanns- 
haus) : Kieler Stadtarchiv F III Conv. j nr. 1 Abseht: a, Volbehr in Mit- 
teilungen d. Gesellseh. f. Kieler Stadtgeschichte I, jo ; III IV, 16S (mit 
Druckfehler /J69 für 1396). 

! Hans Diericksen änderst genant von Staden, Hans von Stade 

35 wanttmaker, Hansß Wanttmaker : Kieler Erbebuch nr. 1957, Hausbesitzer- 
liste JJ7J nr. 125, Schossregister 1576— IJ79 Hds. f. S*', 4/1% 701'. Da 
Hans von Stade tj8j starb (Kirchenregister ijSj Hds. f. J7 r ), wird im 
Schossregister 1J9J/96 Hds. p. 29 seine Witwe Marrina de wandtmakersche 
als Besitzerin des Hauses aufgeführt, von ihr hat es Heinrich Bhme gekauft. 

40 • Beiname, hergeleitet vom Gewerbe: S. 4j <j. 



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108 



(I, i8o 183 



einem Jahr dem Hoveknecht. Vide supra 1 sub Anno 1585 
am Donnerstage in der Pfingstwochen. 

Resolutio senatus : Kr solte seine Klage schrifTtlich ein- 
geben, so wolte man unterthänigst nach Hofe berichten. 

IM Anno 1586 hat Sivert* von der Wische dem Bürgermeister 5 

Marx Möllern 8 , in der Flemischen Straße (wo itzo Herrn Raht 
Schönbachen 1 Hauß) wonhafft 5 , große Gewald in seinem Hause 
getahn, indem er etlichen Tonnen, worinnen gesalt/en Hering 
gewesen, durch seinen Diener mit einer Äxten die Bänder ab- 
hauen laßen, daß die Lake davon zur Haußthür hinausgelauffen. >*> 
Auch hat er in die Wand Packlaken gestochen, den Wirth des 
Hauses in seiner Kammer und andern Gemächern mit gewehrter 
Hand feindlicher Weise gesuchet und, wie er denselben nicht 
hat antreffen können, ist er ^endlich wieder davon gangen. */• W 

Auch hat derselbe einen Bürger und Einwohner dieser »5 
Stadt, Jürgen Tallig genant, in der Schumacherstraßen in der 
Jonischen' 5 Hause gewaltsamer Weise ohne alle Ursach sehr ge- 
fährlich biß auf den Tod verwundet. 

1S:$ 7 Jungfer Magdalena Rantzowen vom ßotkamp, Pauls Tochter, 

j. Anno fehlt a f>ag. 44. Wisch <t. Randglosse in ,1 zu Sivcrt : 20 
hat gegens üalhnuL' über gewöhne!, ö. Mittler a. 6-7. Die in A 
eingeklammerten Worte sind in a Randglosse. 17. sehr fehlt a. 

iq. Ran/.owen a />ag. 4J. 

1 S. 94 (§ tjtj 3- J*. Juni. 

~ S. Sj Xole 6. Sivert 700/1 ntc auf der linken Seile der Schuhmacher- . J5 
Strasse, nach h'remer a gegenüber dem jetzigen Stadlthea/er. 

• H Marcus Möller (Möller), nach Brem:/- Katsmi/glicd ijSi — /jS6, zu 
letzt als Bürgermeister. Er ist also noch im Jahre des hier er zahlten Über- 
falls gestorben. 

1 landhanzler Johann Christof}' Schönbach : Schossbuch 16S2 Hds. JO 
f. ja''. Im Schossbuch j/>Sj Hds. f. 60 ist Schönhach bereits als verstorben 
bezeichnet. 

5 Flämische Strasse nr. J: Hausbesitzerliste IJ7S nr. rj6, Schoss 
register IJ7(>—*J79 f. /o"\ 42^, 71*-. /jjj—/j 73 gehörte ihm ein 

//aus in der Schuh macherstrasse : Erbebuch nr. 1S16, /oho. 35 

"Frau des Jonas ll'cinschcnchc ■ : Hausbesitzern ste /J7J nr. /SS. 
Schossregister 1376— rs7<) Hds. f /2<-, 44'', 7J'\ 

7 Coronaeus-Z'etersen S. II. 146 p. 7 44, U'Hhe/mi Iiis. />. 14 nr.jS, 
Xoodf S. II. 14S I». 40. /'ouloppidau , Annales ecclesiae Danicac diplomatici 



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I, i83-i8 5 J 



1586—1587 



hat ihre leibliche Mutter Beata Rantzowen aus einem güldenen 
Löffel Gifft eingegeben. Da nun die Mutter in den letzten 
Zügen lieget, gereuet der Tochter diese mörderische I aht und 
spricht zu der Mutter: » Hertzenmutter, vergebet mir, waß ihr 

5 wißet und auch nicht wißet , darauf die Mutter alsobald ge- 
storben. Die Tochter aber ward von ihren eigenen Brüdern 
Bertram und Breiden Rantzowen auf Botkamp gefangen gesetzt. 
Sie aber brach durch ein heimlich Gemach, machte aus dem 
Bctlaken Stricke und ließ sich von einem hohen Zimmer her- 

»° unter, lief davon, begab sich in den Krieg und ward eine 
gemeine etc. 

Anno 1586 um Martini* hat einer, Namens Johan Brügman, 184 
einen andern, Matthies Sibbern geheißen, Bürgern in Kiel, alhir 
auf dem Markt bey den Hakelbuden 3 erstochen und vom Leben 
'5 zum Tode gebracht. 

Anno 1602 den 1. Aug. ist zwischen des Kntleibeten Witwe 
und Tochter, beide Gretjc Sibbern genant, an einem, und Johan 
Brügman, Handthätern und damahlig K. K. Rahts zu Hamburg 
reitenden Diener, am andern Theil ein gewißer Vertrag gemacht 
20 worden. 

,\ 143 *Anno 1587 den 7. Febr. in der Nacht ist ein Hove- 185 

knecht, Nahmens Jacob Wobiger, von Golnow 1 aus Pommern 
bürtig, welcher zuvor bey Christian Rantzowen den Kltcnv\ wie 
auch Henrich Rantzowen zum Lammershagen fi soll gedienet haben, 

2; . / u. 7. Ranzowen a. 7. Bartram <». 7- heimlich Ccmach : Secret a. 

11. gemeine etc.: gemeine Hure <i. 

1II,5oS. Das Totlesjahr ijSÖ ist falsch. Das richtige Datum Januar 

ijStp giet>t das A'ie/er Kirchenregister tjSt) Iltis, f. 42' ; Item der edlen 

und vcMugentsamen fnuiwcn vor JJeiate Rantzouwen zeligen, Paul frauwen 

30 thom Hotkampe, alhir gestorven im Jnnuarj und ihr nngeludt 267 puls, vor 

iden puls der kercken 1 1 3, is 183 $ 8 3. ( 'her Paul R. von Polhkam/>, 

der ein Haus in der Kehdenstrasse hesass, und üher Pauls Frau und Söhne 

siehe Zeit sehr. II, iji ß\ 

1 Besitzer von A'ohövedc, dessen Frau gleichfalls vergiftet wurde : § 132. 
3 5 * Nov. 11. 8 Ilökerhuden. 4 Gotliuno. kr. Xaugard. r ' dem Altern. 

ö Gut im Kreise Plön, Kirchspiel Selenl, 14g 2 -iMS im Besitze der 
Kcventltws : Schröder- Hiematzki II, 6S. In Kiel wohnte Heinrich in der 
Schuh macherslrasse, auf der linken Seile nehen Sivert v. d. Wisch. 



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110 



1587 



[1, 185-186 



mit etlichen andern unten in der Holstenstraße alhir in Streit 
gerahten, da dan dieser Hoveknecht einen gar breiten Stich 
unter die Herzgrube bekommen, wodurch der Magen entzwei 
gestochen worden, daß er bald darauf gestorben. Den Thäter 
hat der Verwundete nicht gekant, aber woll gewust, daß Bartram 5 
Rantzow, Beaten Sohn, zum Botkamp dabei gewesen und zu 
dem Thäter gesagt, er solte zustechen oder er wolte auf ihn 
stechen. Diesem Jacob Wobiger (weil er beim Trunk allemahl 
ein unnützer Kerl soll gewesen seyn) ist schon vorhin einsmahls 
von Henrich Blomen ein Auge ausgestochen worden. 10 
I8ß Eodem den 30. Mart. 1 , als der Bürgermeister Ameling von 

Lengerken, in der Holstenstraße Ä (itzo Lemken Hause) wonhafftig, 
zunebst Claus Matzen 8 Rahtsverwandten bey der Pferdebörn am 
Ziegelhove 1 , woselbst sie Arbeitsleute gehabt, hinaus gewesen, 
ist einer vom Adel Andreas Rantzow, Oven eines Fürstl. Hol- *s 

13. in -- Hause: der in der Holstcnstraßen in dem Hause gewohnet, so 
itzo Lemke und Philipscn gehörig in a pag. 46 am Rande eingefügt. 
/J. Randglosse in a zu Oven : Oven Hauß in der Schmidstraße, wo 
itzo der Herr Pracsid. Ranzow wohnet. 

1 Schwarze- Fehse, Xachrichten S. 40, falsch zum 20. März. ao 

2 Holsleustrasse nr. 3: S. 32 Xofe 3, Kieler Schossregister 1393/96 
/Als. p. 3. 1723 (noch nicht 1694) wohnte dort Burchard Joh. Lembke, 
als XV ler schossfrei: Schossbuch 17 23 litis, p. 183. 

8 Claus Matzen (Matz), nach Bremer Ratsmitglied 1386 — /614, Haus- 
besitzer in der Schuhmacherstrasse bis 1603 : Hausbesitzer liste 1373 nr. 193 , 25 
Schossregister I57^—'S79 Hds. f. 13' , 44 v t 7 jv ; 1393196 Ilds. p. 37, 
Erbebuch nr. 2014 z, J. 1587, nr. 2029 z. j Y . 1603. Auch ausserhalb des 
llolsteuthores besass er Häuser, die er 15S6 bziu. gleichfalls 1603 verkaufte : 
Schossregister 1376 — 1579 /• 7J r > Erbebuch nr. 2003, 2029. Über 

Huden und Höfe im Besitze Matzens siehe noch Stftossreg. 1576 — 1579 Hds. 30 
/. i6 r , 43'', 48 r , 79 r ; /5<?5!9f> Ilds. p. 8, Erbebuch nr. 1980 — 81, 20 tS, 
2023. Die Angabe Bremers über den Beginn seiner Katsmitgliedschaft stimmt 
mit dem Erbebuch überein, das ihn noch nicht 1586 März 3 (nr. 2003 ), 
wohl aber bereits 13 87 A T ov. 16 (nr. 2014) als Ratsvenoandten charakterisiert. 

4 Der Ziegelhof lag auf der Unken Seite des Sophien/daltes, an der 35 
Stelle des heutigen Bahnhofs, auf dem Homannschen Plane nr. 19 (Zigeley). 
Schräg gegenüber befand sich der Ziegelteich (heute Thaulow- Museum, Strasse 
■»am Ziegelteich*, etc.) und mit diesem verbunden weiter nach rechts der 
Mühlenteich, auch Pferdebörn, Pferdetränke genannt, bis zur Langenreihe 
und der heutigen Strasse tarn Pferdeborn«, sich ausdehnend. 40 



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1, 186-187] 



i 5 8 7 



III 



steinischen Rahts 1 zu Saltzow Erl)geseßen Sohn, iim 6 Uhr 
Abends in vollem Rennen mit seinem Klepper auf sie als Un- 
bewehrte zugelauffcn, nicht anders als wolte er den Bürgermeister 
V 144 zu Boden *rennen. Indem aber dieser etwas ausgewichen, wird 

5 ihm sein Mantel vom Leibe gcrißen und auf der Erden, da es 
gantz kotigt gewesen, mit Füßen getreten. Der vom Adel last 
es hirbei nicht bewenden, sondern wendet sich mit seinem Klepper 
und stost in solchem Rückrennen dem Bürgermeister mit der Faust 
ins Gesicht, daß ihm das Blut aus der Nasen gelauflfen, hält darauf 

10 eine kurtze Büchse (Pistohle), deren er 2 im Sattel gehabt, mit auf- 
gezogenen Hahnen auf den Bürgermeister zu, sagende : »Du alter 
Bösewicht, hast mir woll eher einen Poßen gerißen, das will 
ich dir itzo bezahlen«. Wie aber die Pistohlc nicht loßbrennen 
will, ziehet er die andre aus der Holffter, woran auch der Hahn 

»s aufgesetzet, und spricht : » Kans die vorige nicht, so solls doch 
dise thun«, darbei er dan viele harte Scheit- und Dreuworte 
herausgestoßen. Als nun der Bürgermeister geantwortet, er 
wüste nicht, daß er ihm oder den Seinigen sein Leben lang 
etwas vorsetzlich zuwieder getahn, dabey sehr gebeten, er möchte 

ao ihm doch auf freier Heerstraßen keine Gewald thun, auch des 
Edelmans Diener, welcher auch mit einem langen Rohr zu Pferde 
bei ihm gehalten, ihm auch bitlich zugeredet, er möchte doch 
an sich halten und zusehen, was er thäte, wendet er sich endlich 
von dem Bürgermeister zu Glaus Matzen und spricht : » Was ? 

2 5 siehstu Kerl noch säur darüm?«, gleichfals die Pistohle auf ihn 
zu haltend. Wie aber Claus Matzen ihn auch sehr gebeten, 
*A '45 er *möchte sich doch bedenken und die Hand also nicht an 
ihn legen, er hette ihm ja niemahls etwas zu wiedern getahn, 
hat er endlich auf des Dieners Ermahnen auch inne gehalten 

30 und ist davon geritten. 

Anno 1587, 17. Jul. sind 3 Junge vom Adel, Melchior 187 

9. getauften : gedrenget a. 30. Schlnssglossc in a fing. 4S : V/V/r 

inter Supplicas (!) Sim. Henr. suh hoc dato. 

1 Des damaligen Kieler Amtmanns Ove Rantzau zu Sa/zau : S. 74 
35 Note 1. Ihm gehörte das Haus Schmiedestrasse nr. 1. Zwischen /ÖQ4 und 
/yaj wohnte dort Geheimrat Frie«l. Ranzau, /'/// Schossf>uch /"3j //ds. f>. 12J 
ist bereits die Wihve als Eigentümerin verzeichnet. 



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112 



[I, IS7-I8S 



Rantzow, Oven zu Saltzow Sohn, Bendix 1 von Quahlen und 
Christoflfer von Buchwald, Lorentzen 2 von Wulfsfelde Sohn, mit 
2 Knechten und 2 Jungen, so alle mit langen Röhren und Pi- 
stolen woll gerüstet, in des Bürgermeister Ameling von Lengerken 
Hauß gefallen. Einer, Bendix von Quahlen, Josias Sohn, hat 5 
zuerst nach den Bürgermeister gefraget und, wie er zur Antwort 
erhalten, er werc nicht zu Hause (zumahl er auch mit seiner 
Haußfrauen 8 und etlichen seinem Gesinde in der Vorstadt ge- 
wesen) hat er zu dem Jungen des Bürgermeister gesagt: »Du 
must deine Beute erst davon haben« und gibt demselben mit 10 
seinem ungeblüsten Gewehr 2 Schläge über den Kopf und 
einen über die Achsel, will darauf das Gewehr ausziehen, der 
Junge entwischet ihm aber aus dem Hause. Die Magd muß sich 
in voller Angst in dem Hofe verbergen. Der ander Junge 
bleibet in der Vorderstuben und verrigelt dieselbe inwendig. 15 
Als diese vom Adel nun solcher Gestalt das Hauß alleine inne 
gehabt, hat sich Bend/lr von Qua/i/r/i an die Fensterlucht nach 
dem Hofe zu gemacht, worinnen viele fürstliche und andrer 
vornehmen Rähte Wapen gestanden, und hat diselbe zusamt 
einem großen Spiegel gantz ausgeschlagen, worzu der Christo^/' 20 
von Buchwtf/// treulich *geholffen. Melchior Rantzow aber nebst V- 
den andern Knechten haben disem Wesen zugesehen. Nach 
diser Verrichtung haben sie den Bürgermeister Ameling in seiner 
Schlaf kammer bey und in seinem Bette gesuchet. Als sie ihn 
aber nicht gefunden, sind sie sämtlich lachende und mit großem 25 
Frohlocken wieder davon gangen. 

Anno 1587 im Augusto an einem Sontag 1 Abend hat des 

/. Ranzow <i />.ig. 4S. Salzow a. Qualen n. 3 4. langen — 

Pistolen : langen und kurzen Büchsen ,1. 13. entspringt a frag. 4Q. 

iö. Sshlnssglossc in <t fing. jo. V/V/V Suppl. S. Hcnr. suh dato den 18. 3» 
und 19. Jul. 1587. iy. Randglosse in a : Vide Suppl. vom 11. Aug. 
15S7 Siin. H. et plura ibid. 

1 Sohn des fosias : Nordalbingische Studien III, HJ. 

2 i her Lorenz v. liuclnoald auf Wulfsfelde (im Kreise Segeherg, 
Kirchspiel Pronstorf) siehe Zeitschr. II', 263 ; XXI ', 22S. In der von 35 
Stemann aufgestellten liuelnoaldschen Stammtafel fehlt der hier genannte Sohn 
Clin stoffer. 

" H Tochter der Anna Teleman : S. J2 A'ofe j. 

1 Ihi der Sekretär Simon Henrichs bereits am //. August im Auftrage 



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■ 



I. i«8] 1587 1 13 

itztgedachten Bendix von Quahlen Knecht, Lorentz Hildebrand 
geheißen, mit etlichen andern Knechten und Jungen eines Bürgers 
Hinrich Töken (welcher vor einem Jahr 1 großen Brandschaden 
in der Flemischen Straße erlitten) itzige Behausung vor dem 
5 Holstcnthor 2 gewaltsamer Weise angefallen und daselbst vorn 
an der Thür und in der Stuben 17 Fenster zum Theil. beschädiget, 
zum Theil gantz und gar ausgeschlagen. Fincr von ihnen 
springet durch ein Fenster, eröfnet die verschloßene Haußthür, 
ergreifft eine im Hause stehende Garbforcke 3 und zerschlägt, 
to was vorhin an den Fenstern war übrig gebliben, auch in der 
Oberlucht 1 des Hauses nach dem Hofe zu, nimt auch nach deßen 
Volführung die Garbforcke gar mit sich hinweg. Seine andre 
Gesellen haben indeßen sich vor der Hausthür auf dem Bey- 
schlage niedergesezet, allerhand Lieder gesungen und freche 
15 Reden geführet, etliche Kanne Bier daselbst holen laßen und 
ausgesogen. Sie sind auch mit langen und kurtzen Büchsen 
dermaßen gerüstet gewesen, daß, da sich einer oder mehr ihnen 
*/• 147 nette wiedersetzen wollen, solches *ohne Gefahr und Schaden 
nicht hette abgehen können. Auch hat dieser Anfanger Lorentz 
20 Hildebrand Pferde und Wagen daselbst an der Hand gehabt, 
darauf sie noch deßelben Abends wieder davon gefahren. Hinrich 
Toke aber ist solcher Gewald, iiin Leibes und Lebens Gefahr 
zu vermeiden, hinten aus dem Hause entwichen und in des 
Nachbars Hoff gesprungen, dem auch sein wehrloß Gesinde 
25 gefolget. Seine Haußfrau aber nebst ihren kleinen Kindern 
hat aus Unvermögenheit zurücke bleiben müßen. Ob man nun 
zwar bemühet gewesen, diese Thätcr greiften zu laßen, hat (loch 
der Bendix von Quahlen und sein Anhang ein solches gehindert 
und sich gefährlicher Dreuungcn verlauten laßen. Denn als 
30 nach Verlauf etlicher Tage dieser Knecht Hildebrand mit seinem 
Junkhern Bendix von Quahlen alhir wieder in die Stadt kommen 

//. Oberluflt .-/. 1314- auf dem licyschlagc: auf der Hanck a M?>5'- 
t/es Rais eine Supplik ausfertigte (siehe Glosse in Bremer aj, so kann unser 
Überfall nur am 6. August geschehen sein. 

35 1 1586: § 179. 2 Schossregister 1595196 Hds. p. 4. 

8 Heugabel. 4 Oberstock«>crk, Boden. 

S 



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114 



15^7 



[I, 188-190 



und man den Knecht in Verhafft nehmen wollen, hat sein Junker 
mit etlichen andern vom Adel, welche er alhir auf sein Valet 
(weil er in Dänneinark verreisen wollen) zu (laste geladen, sich 
des Knechtes angenommen und sich verlauten laßen, dafern 
man seinen Knecht gefänglich einsetzen würde, soltc man inne 5 
werden, was, ehe den solches geschehe, vorhergehen und künfTtig 
darauf erfolgen solte. Wie dan noch selben Abends diese Junkern 
auf dem Markt herumgetantzet, gejuchzet und gesungen, auch 
den Knecht Hildebrand in ihrem Bezirk zwischen sich inne *und */• '4 S 
an der Hand gehabt, auch Bend/lv von Quahlen denselben zu lo 
verschiedenen Mahlen auf der (laßen vor sich her gehen laßen. 
Die Stadtdiener haben sich auch, weil Bend/A* von Quahlen mit 
seinem Anhange alhir zugegen gewesen, aus ihren Wohnungen 
in andere Häuser Gefahr und Überfalls halber begeben müßen. 
In specie ist dem Hinrieh Töken gedrohet worden, daß, wofern 15 
er ihm (dem Knechte) in der Stadt nicht wieder eine freye 
Straße verschaffte, er vor seinen Fenstern sterben solte, und 
wan er (diser Hildebrand) gleich wieder auf 9 Rädern liegen 
solte etc. 

IH9 Dieser Bendix von Quahlen ist auch den . . . l Augusti selbigen *° 

Jahrs zu dem Bürgermeister Paul Töken 5 * ins Hauß 8 kommen, 
hat ihm nicht allein 2 Fenster ausgeschlagen, sondern auch 
den Bürgermeister selbst in seinem Bette gesucht, sagende: »Wo 
ist der Bürgermeister? Ich bin auch einer mit von denen, so 
Fenster ausschlagen! Was will man darüm thun:« etc. 

100 *Anno 1587 den 12. Octob. hat ein altes Weib, Namens*/. fS2 

Sunde Bohlen 4 oder Hansen, in Angeln zu Schubüy 5 bürtig, welche 

14. Häuser 21. Ratnigfasn- in a png. 53 : in der Schunv7<7*/-r- 

stral'c am Kirchhofe wohnend. 22. ihm daselbst 

1 Aug. 13, 20, 27. 30 
s Paul Tüke (Töeke, Töike, Toke), nach Bremer Ratsmitglietl ijdj — 
zuletzt Bürgermeister. 

8 Heute Schuhmacherstrasse tir. 6, von Tokc Jjl\? März 29 encarfien : 
ErhehueU nr. iSc;j. Vgl. //e/'ungsregister fj^S—'J?^ //t/s - f> 2 ' r z - 7- 
'5^5, Itaushcsitwrlistc ijjj nr. iqj, Schossregister 157^—1379 JMs. f. /jr, 35 
44 v . 7J<-- 

* Vgl. § /jS. s Schuh' im Kirchspiel Schwan seu. 



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I, 190-192] 



1587— 1588 



llf> 



wegen ihrer getribenen Hexerey, Wicken 1 , Rahten* und Seegen* 
sprechen in der Bütteley alhir gesezt, bekant, daß sie ihr eigenes 
und erstes Kind, welches sie mit ChristofTcr I hifenheim gehabt, 
binnen Schleswig umgebracht, indem sie demselben ein Küßcn 

s auf den Mund gelcget und es also ersticket. Item sie hette 
mit ihrem itzigen Mann 8 auch ein Kind, welches, da es zur 
Welt kommen, die Franzosen gehabt. Diese Krankheit hette 
sie selbst von einem Gräber, bey dem sie vorhin gelegen, be- 
kommen. Daßelbe Kind hette sie todt hungern laßen. Item 

to daß sie die Worte, wie man rahten und Seegen sprechen solte, 
vor 40 oder 50 Jahren von ihren Kitern, auch andern Weibern, 
153 so vor vielen *langen Jahren schon gestorben, gelernet hette. 
Sic were itzo hundert und 2 Jahr alt und hette man bey ihren 
jungen Jahren 4 nichts davon gewust, daß jemand Um solch Raden 

15 und Segensprechen were gestrafft oder verbrand worden. Diese 
Sunde Bohlen ist vorhin mit ihrem Manne Hans Schnieder 
wegen begangener Unzucht und Dieberey zu Schleswich aus- 
gestrichen. Itzo aber hat man dieses Weib wegen ihrer ver- 
übten Hexerey und andern Unthaten zum Kiel lebendig be- 

10 graben und gepfahlet. 

An demselbigen Tage ist noch eine andere, mit Nahmen UM 
Gretje Holsten, zur Nor bürtig, deren Man Hans Holste ein 
Schnitcher gewesen, auf ewig verwisen worden 

Anno 1588 in der Woche vor den Sontag Septuages//;/^ 5 192 

2 s hat einer, Nahmens Johan' 5 Ranni, den Cantorem der hisigen 
Stadtschulen, Marx Wricdten 7 , auf freyem Markt gewaldsamer 
Weise überfallen, mit entblösten Gewehr durch den Mantel gc- 

1 Wahrsagen. 1 Zur Heilung beschworen. Vgl. Jahrbücher f. d. 

Landeskunde II, 209 ff. * Hans Schnieder. 
30 * Her erste Hexenprozess in Sc hiesig- Holstein, hei dem es sich übrigens 

nicht um »solch Ratten* hatutelte, datiert aus d. J. ISJO: § SS- 

5 Febr. 4, die Woche vorher: Jan. 2S — Febr. j. 

" Wohl ein Sohn des am Markt, heute nr. S, wohnenden Hans Rannj : 
Hebungsregister /j6j—/j7ö Hds. f. t2> z. J. /jöj, Hansbesitzerliste /J7S 

35 nr. 62, Schossregister iJH^>—i579 ^ tis - /• S 7 ', S$ r , 6 7 r - 

7 Marcus Wriedl, nach Bremer ijSo—Sg Cantor, in der Hassstrasse: 
Kieler Erbebuch nr. 20J4 z. J. /604. 

8* 



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116 



[I, 192-195 



hauen, hette auch demselben ein mehrcs zugedacht, wan nicht 
bey Zeiten der Cantor in eines der nechsten Nachbaren am 
Markt seinem Hause sich mit der Flucht salviret. Die Ursache 
solches Überfalles ist gewesen, daß der Cantor disen Ranni 
in seinen kindlichen Jahren, und da er bei demselben in die s 
Schule gangen, wegen seines Muhtwillens und Fehler gestrichen 
und gezüchtiget hatte. Dieser Ranni ist mit Gefäng*nis in */>■ *54 
der Büttelei eine Zeit lang gestrafft und nach abgelegter Ur- 
phede wieder loßgelaßen worden. 

193 Anno 1588 im Anfange des Martij hat eine Frauens- »o 
person, mit Nahmen Alhcid Hötkers, nicht allein in Unzucht 
und Unehren ein Kind zur Welt gebracht, sondern auch dem- 
selben den Halß zerbrochen, es umgebracht, in einen Sack 
gestecket und ins Waßer versencket und ist darauf bald davon 
gelauffen. 15 

194 Ohngefchr üm Ostern 1 ist eine Frauensperson Abelke 
Forsten, Hans Forsten des Maltzmüllcrs* Ehefrau, von einem, 
Hans Töber geheißen, schmertzlich verwundet worden, davon 
sie nach verfloßener einiger Zeit gestorben. Der fluchtige 
Thäter Hans Töber ist durch gewöhnlich Fahrrecht friedeloß 2 o 
gelegt und durch den Frohnen ausgeleutet worden. 

195 Am Donnerstage nach Misericord/Vjrw Domini, war der 
. . . 3 Aprilis, hat einer in der Flemischen Straße alhir wohnender 
Bürger, mit Nahmen Marx Hagge 1 , vor seiner Thür mit einem 
Rohr etzliche Schüße getahn. Als nun eine schwangere Frau, 25 
so gegenüber in seel. Gabriel von der Wischen Keller 5 gewohnet, 
sich hirüber entsetzet, gehet ihr Man Matthies Hagenau hin- 
auf und geräht mit Marx Haggen diserwegen in Wortwechsel, 
welcher dan kurtz darauf mit einer Büchsen dem Hagenau vor 

1 April 7. 30 
a Die Malzmühle lag in der Fleet hörn und wurde von dem aus dem 
Mühlenteich in den Kleinen Kiel Jliessenden Mühlenbach getrieben. Die 
Mühle befindet sich noch auf der 1S06 herausgegebenen Voigt sschen Karte 
unter nr. ig. 

* Bremer lässt freien Raum. Donnerstag war der 23. April. 35 
4 Schossregister ijgj q6 JIds. p. ji : Marcus Jlaggen hueÜ. 
s Auf der rechten Seite der Flämischen Strasse. 



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I t 195196J I5 88 117 

/js den Keller kommt. Dieser aber ergreifft *eine Axte zu seiner 
Defension, darüber die schwangere Frau dergestalt erschrocken, 
daß sie bald hernach ein todtes Kind zur Welt gebracht, auch 
selber nach Verlauf 8 Tagen ihren Geist aufgegeben. 

5 Sentcntia : 

Auf Klage und Antwort ist auf eingeholten Raht der 
Rechtsgelehrten 1 erkant : Daß Beklagter Marx Hagge dem Kläger 
wegen seiner vor ließen Keller geübten Thätigkeit, auch darauf 
erfolgten des Klägern Frauen Mißgcbuhrt und tödtlichen Ab- 

'° gang mit 200 Gülden oder Thalern a nach seiner des Beklagten 
guter Gelegenheit Abtrag zu thun schuldig und noch darüber 
vom Gerichte mit 20 Gülden Straffe ex officio belegt seyn 
solle. V. R. W. 

Am Donnerstage 3 nach Quasimodogeniti hatte Claus Holste 1 196 

•s (wo itzo Otto Kahlen Witwe wohnet) seiner Schwigermutter 6 
Anna Tclemans der Fiteren, am Markt 6 vor der Haßstraßen 
wohnend, seine Pferde und Wagen geliehen, Um etwas Korn 

14. Randglosse in a Pag. jj : Xide Supplic. am Sonahcnd nach Quasi- 
modogeniti 1588 Sim. llcnr. Ebenda Rundglosse zu Holste : hat in 

■20 Otto Kahlen Hause gewohnt. 1617. vor — wohnend : in dein Eck- 

hause an der Haßstraßen wohnende /*. 

1 Juristenfakultiit zu Rostock. Zuvor hatte Hagge gegen das Urteil 
des Kieler Gerichts an das Vierstädtegericht appelliert : siehe die nächste Note. 

* Vgl. Rechnung des Syndicus Simon Heinrich 1600 Nov. 17 (Schles- 
2 - ~i>iger Staatsarchiv A XIX pro?', nr. 439) /■ 2*'-jr .- L'nd weill auch vor 

etzlichen verlloßenen Jahren das (leid, Weichs nun seliger Mareks Hagge 
außgeben müßen wegen der peinlich wider ihn angestalter Sachen, das des 
Zimmermann Matz Ilagenouwcn Ilaußfrauw umbs Leben kommen, beim K. 
Rahte deponiert worden, solchs derselben verstorbenen Frauwcn nachge- 

3 o laßenen Kindern und Crcditorn, welchen etwas davon zukommen kondle, 
außzuteilen, und ich von demselben! (leide auch befriedigt werden solte 
wegen deßen, das ich in dieser peinlichen Sachen 8 Zeugen abgehörett, 
des Kahts alhie, auch volgends der andern deputierten Stedte Urteil be- 
griffen, auch alles und jedes, was in dieser Sachen vorgelauffen, conci- 

35 pijert, unib eine Rechtsbelehrung bei der Juristenfacultcct zu Rostogk dar- 
über zu erholen. 8 April iS. 

* Hausbesitzer auf der rechten Seite der Schuhmacher Strasse an der 
Stelle des heuligen Gesellschaftshauses (nr. iS) : Kieler Erbebnch nr. 2014, 
Schosssregister 1595 i 96 Hds. p. 37. 

40 5 .V. 32 Note 3. rt Markt nr. 10, Ecke Hassstrasse. 



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118 



[I, 196 



von der Schifbrükken in ihr Hauß zu führen. Wie nun der 
Fuhrman mit einer Fuhr Korn biß oben in der Schumacher- 
straße kommt und nach dem Markt umbeugen will, stehet 
Dicdrich Pogwischc, Bartrams zum Hagen 1 und Dobcrstörf 5 Sohn, 
in der Holstenstraße 8 vor des Haußvogts (icorg von Lüneburg 5 
Thür (wo itzo die alte Apotheke ist) und rufft *dem Fuhrman 1 . */• 'S* 
Wie aber derselbe es nicht gehöret oder ja nicht gemeinet, 
daß es ihn anginge, fahrt er seines Weges. Der vom Adel 
folgt ihm nach biß vor Ihr Fürstl. Gnaden Behausung 5 am 
Markt und schlägt ihn daselbst mit Creutz und Knopf auf den 10 
Arm und dringet so sehr zu ihm ein, daß er endlich Pferde 
und Wagen im Stiche laßen und in Anna Telcmans Hauß 
entweichen muß. Dicdrich Pogwisch verfolget ihn auch dahin 
und gar biß in die Kammer ans Bette und schlägt nochmahls 
tapfer auf ihn zu, will auch das Gewehr entblößen, es springet »5 
aber Anna Telemans Tochter Elisabeth darzwischen und bittet 
ihn sehr, des armen Menschen zu schonen. Er achtet es aber 
nicht, sondern stost die Tochter mit der Faust vor die Brust. 
Indeßcn entweicht der Fuhrman aus der Kammer und aus 
dem Hause. Diedrich Pogwisch laufft von dar an den Ort, 20 
wo der Fuhrman den Wagen hatte stehen laßen, faßet die 
Pferde an und treibet sie auf dem Markt fast in einem Cirk 
rund herum biß an einen daselbst liegenden Hauflcn Zimmer- 
holtz vor Ihro Fürstl. Gnaden Behausung. Wie er sie nun 
wegen der schweren Fuhr nicht weiter bringen kan, ziehet er 25 
sein Gewehr aus und hauet die Strengen oder Stricke mchren- 
thcils ab. Darüber kommt eine adeliche Jungfrau, so in der 
NachbarscharTt wohnte, *zugelauflen und bringet ihn durch gute */. 757 
Worte von dar mit sich in ihr Hauß. Indcßen werden die 

2. in: an n. 4. Pogwisch a. J")ober*t<irf Krbgeseßeu 11. g-to. am 30 
Markt und fehlt a. ig. und folgcnds ,? fing. jj. 22. auf dem 

Markt fehlt a. 26. Stricke : Seile <i. 

' Gut im Kirchspiel Propsteierhagen. • Dobersdorf, Kirchspiel 

Schottkirchen. a Heute nr. J : S. jj Kote /. 
* Claus Holste. 

' Markt nr. 12, liehe Dänische Strasse. Zur Geschichte ttes Hauses 35 
siehe Volbehr, Topographie S. 73 76; h'euier, Kieler Erbebuch S. XL l 'III. 



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1, 196-197] 



i 5 88 



119 



Pferde von jemand anders an ihren Ort gebracht. Diedrich 
Pogwisch aber will sich bei diser Jungfer nicht lange aufhalten, 
sondern lauftt von ihr wieder übers Marckt vor Anna Telcmans 
Bude 1 , siebet ihren Sohn Carsten daselbst in seinem Mantel 
5 stehen, trit auf ihn zu mit einem Dolchen in der Faust, sa- 
gende: Dich, Teleman, soll bald diß bald jenes rühren! . 
Diser aber gibt ihm freundliche Worte, iitn seiner loß zu werden. 
Als solches nichts helffcn will, sondern Didr/V// Pogw/V// immer 
näher zu ihm eindringet, entspringet er ihm in seiner Mutter 
10 Krahmbuden, wirfift den Mantel ab und ergreiflft einen Knebel- 
spieß. Der Edelman, solches sehend, spricht: > Harre, Harre 2 , 
bistu der Ahrt, so will ich dir bald anders kommen l laufft 
also weg in des obgedachten Hausvogts 3 Haufe, da er sonst zu 
herbergen pfleget, kommt mit 2 Pistohlen bald wieder zurück 
15 auf die Krahmbude zu und, als er niemanden ersiehet (sinte- 
mahl Karsten Teleman, ihn Unglück zu verhüten, sich aufs 
Rahthauß begeben, da eben der Raht beysammen gewesen, 
und die Jungens hatten sich hin und wieder im Hause ver- 
stecket und die Haußthür verschloßen), schießet er mit einer 
20 Pistohlen *durch die Fenster in die Stuben und gehet unter 

*/■ *S$ vielem Fluchen und Dreucn wiederum seines Weges. 

V- ite 4 *Anna von Ahlefcldten, Asmus von Ahlefeldten Ehefrau 197 

zur Nor, ist 5 zu Tode gezaubert. Sie hat nimmer vom Bette 
kommen können, wan sie aber aufgestanden, ist sie nicht anders 

25 /. an — gebracht : vollends abgelösvt und an ihren Ort weggebracht a 

A'.C- Jt>- 3. wieder: Ihm Fürstl. Onaden Behausung vorbei a. 

3-4. vor - liude : bitt an die Krambude, so Anna Telenians seel. Hiuriclis 
Witwe zugehörig <i. <?. zu ihm: auf ihn a. /3-I4- zu — pfleget: 
logiren soll u. 14u.su. Pistohlen: kurt/en lUichsen a. 18. im 

3° Hause auf dem Hoden a f»ag. 37. 22. Anna von Ahlcfeld n. 

33. gezaubert, also daß sie nimmer hat a. s/. wen <r. 

1 Schossregister 1576— 1 579 litis, f. nv.jS*', 6yv. Vgl. oben S. j/ 2S . 
5 Warte, warte! 8 Georg von Lüneburg. 

4 Corouaeus- Petersen S. IL 146 />. j nr.jo, Wilhelmi ILis.p. /j nr. 41, 
35 Nooiit S. IL 14S p. 42. Somit S. IL 149 C p. 1/ falsch z. J. fjSo. 

5 Wilhelmi: ist zur Xohr auf ihrem Gut. //// Besitz von Xoer «<ar 
1588 nicht Asmus, sondern Otto von Quaalen. . Ismus IL besass damals 
nur Grönwohld, Noer erhielt er erst nach 1397 : Jahrb. X, 146 ; Zeitschr. 
XXV, 227. 



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120 



[I, 197-199 



als unsinnig gewesen. Hat aber gleich wol alle Jahr Kinder 
zur Welt gebracht, biß sie endlich durch Gottes Zulaßung von 
den Hexen gantz überwältiget und umgebracht. Die Hexen 
aber sind verbrand worden. 
198 'Hans Blome 2 von Alsen ward von Paul Uken s , einem 5 

Danischen Kdelman, in Dünnemark erschoßen. Dieser Uke ist 
wieder von seinen Koch im Bette mit einem Beyl ermordet. 
Dieser Mörder aber ist zu Rendsburg wieder gerädert worden. 

aul von Ahlefcld von der Lehmkuhlen 5 saß im ö Wagen 
und wolte seinen Jungen ohne sonderliche Ursache mit einer io 
Büchsen schlagen und faßete den 7 kleinen Ende des Rohrs in 
der Hand, damit er mit dem größern 8 den Diener desto schwerer 
treffen möchte. Da er aber traf, ging das geladene Rohr loß 
und erschoß sich der Junker also selbst. Dieses ist bey Flens- 
burg 11 geschehen. 

J. guzcuKct a. 4. a si Aliesst mit Quellenangabe: Eptt. f. 5. 

J. Klohinc a fing. jS. S u. /j. a schliefst mit Quellenangabe : 

Kp. f. 5. //. des Kuhn» fehlt a. 12. die Hand a. mit dem 

größeren Ende a. 

1 Coromuus- Petersen S. IL 146 p. j nr. 31 , Wilhelmi Hds.p. 16 nr. 42, 20 
Xoodt S. IL 14S p. 42. Camerer S. 67 nr. 17. 

- Die Cor.-IIdss. bieten die Varianten : Hlohme, Ulume, lMum, Bluhm. 

s Ebenso Cor. -Bremer a und S. II. 146, Uckcn in S. II. 14g B /. t2 
nr. 4/, 3S0 A p. 22; in den anderen Hdss. falsch : Vecken. Ein Paul 
Ckcn zu Sündewitt -wird im landi-cgistcr v. J. 1388 aufgeführt: Zeitschr. 25 
XXV, 224. 

4 Coron.- Petersen S. H. 146 p. j-6 nr. 32, Wilhelmi Hds.p. 16 nr. 43, 
Xoodt S. II. 14S p. 42. Ciaeden II, J4. Xaeh Angelus 1,37 h' 1 * s ' t( h Paul 
ohngefihr mit einer Büchsen* bereits ijSo erschossen, Lambert Alardus 
(Wcstphalen l, 193031) giebt für den Tod des mit den Anfangsbuchstaben 30 
Bezeichneten Mai /jSi an: Anno eodem [1581] nobilis Ilolsalus 1'. de A. 
ira commotus pucrum suum inverso tormento manuario percutere voluit, sed 
ictu laxatum tonnentum crus doinini trajecit, ex cpio vulnere paulo post 
nbüi in Majo. 

: ' Sohn des Bertram : Jahrb. X, 113. Gut Lehmkuhlen im Kreise 35 
Plön, Kirchspiel Lebrade : Schröder- Bier natzki II, S2. 
" .V. //. 1 .-f.fi: auf einem. 

7 Ebenso S. II. 146, /40 p. 24, J41) A />. // nr. 43. 

* S. II. 146 : mit dem grtfßesten Ende ^id est : mit verkehrtem (lewehr?. 

* S. II. 146 falsch : Rensburg. 40 



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I, 200-202] 



121 



*Jacob Seestede vom großen Nordsee 2 ist zu Rendsburg 200 
vor dem Weinkeller erstochen. 

Anno 1588 am Mitwochen 3 nach Pfingsten ist einer, 201 
Nahmens Barthold Witmak, auf dem Garten zu Hause hörende, 

5 von Carsten Untied, seel. Claus 4 Untieds Sohn, fast muhtwilliger 
Weise und ohne einige Ursach Abends zwischen 6 und 7 Uhr 
V '^mit einer langen Büchsen, darinn *3 Kugel gewesen, in der 
Fischerstraßen hieselbst erbärmlich erschoßen und vom Leben 
zum Tode gebracht worden. Der Handthäter ist an dem 

10 nechsten Freytage 5 durch gewönliches Fahrrecht friedeloß ge- 
legt und ausgeleutet worden. Als er aber nachgehends außer- 
halb Landes gestorben, hat sein Bruder Peter 6 Anno 1594 von 
deßen nachgelaßenen Gütern dem Raht gezahlt 20 Thaler. 

Eodem den . . . 7 Augusti haben 2 Zimmerknechte, so in 202 

15 den Hakelbuden alhir am Markt mit einander geeßen und ge- 
trunken, sich verunwilliget, gehen aufs Markt und wollen die 
Sache abthun. Da dan der eine, Nahmens Hans Hintze, im 
Gute Bohtkamp zu Hause hörende, den andern, Hans Berends 
geheißen, mit einer Bindaxten in den Hals gehauen und der- 

ao gestalt verwundet, daß er alsobald zur Erden gestürtzet und 
auf der Stelle tod gebliben. Der Thäter ist alsofort durch den 

/. Rendesburg a. 20. a ithliesst mit Qtulbtuuigtibc : Ep. f. 5. 
1 Cor an. Petersen S. ff. 146 p. 6 nr.jj, Wilhelmi Ilds. p. 16 nr. 44, 
Noodt S. ff. 148 p. 4J. Camcrcr S. 67 nr. 18. 
25 4 Gut Gross- Xordsee im A'rcisc Rendsburg, Kirchspiel Rovcnau : 

Schröder- Ricmatzki ff, 222. Ks war seit ij6j im Resitze von Jürgen 
Sehestedt, mit dem das Gut noch im f.andregister v. J. 1608 aufgeführt 
wird. Jacob Sehestedt erbte von seinem Vater flenneke das Gut Rerdoet 
und besass es bis ijgj; bald darauf kam auch dieses an Jürgen Sehestedt. 
30 Von Söhnen des Jürgen kennt v. Stemann nur A'ai, Detlef und Alexander: 
Jahrb. I, 74, 8/. 
8 Mai 2g. 

4 Das Kieler Erbebuch nr. 2007 nennt Claus noch /j86 als Haus- 
besitzer in der Schmiedestrasse, fn der nächsten Eintragung des Erbebuches 

.15 nr. 200g z. J. /J87 März 2j wird er bereits als verstorben bezeichnet. 

5 Mai jf. 

Ä Peter Untidt smitU: Schossregister /jgj ffds. p. so. 
7 Bremer las st freien Raum. 



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122 



1588—1589 



[I, 202-206 



Schwybogen 1 über den Kirchhof und so weiter davon gelauffen 
und nachgehends friedeloß gelegt worden. 
2011 Am Freytage 55 nach Michaelis ist eine Weibsperson, Antje 

Wethövets genant, weil sie mit einem Knochenhauer Henrich 
Sellen 3 , ihrer seel. Schwester Man, der sich mit Abelke Stangen, s 
vom großen Schirensee 4 bürtig, in die andre Ehe begeben, 
Blutschande und Unzucht begangen, auf beschehene Klage ge- 
dachter Abelke Stangen und deren Freunde auf hiesigem Kieler 
Markt an dem Pranger zur Staupe geschlagen und des Landes 
verwisen worden. IO 

204 *Anno 1588 Dingstags 5 nach Omnium sanetorum ist alhir»/- "V 
zum Kiel einer, mit Nahmen Ernst Jäger, ein reisiger Knecht, 

im Hartz binnen Hertzberg zu Hause hörende, von einem, 
Nahmens Timme Schöbe, einem Kutscher, in Dännemark bürtig, 
nachgehends des Herrn Christoffer Rantzowen zum Q)uarnebeck 6 15 
Diener, elendig erstochen worden. Der flüchtige Handthäter 
ist friedeloß geleget, jedoch Anno 1596 im Jul. auf gnedige 
Interceßion Hertzog Johann Adolfs 7 etc. mit der verwirkten 
ordentlichen StrafTe übersehen worden. 

205 Anno 1589 Montags 8 nach Judica ist einer, mit Nahmen 20 
Claus Gosche, vor dem Holstenthor von einem, Nahmens Paul 
Kalle, erstochen, der entwichene Handthäter darauff des fol- 
genden Mitwochens" nach der Predigt friedeloß gelegt worden. 

20ß Eodcm im Martio ist ein Hoveknecht, mit Nahmen Gosche 

1 //// Hause Markt ur. 20: S. j<f Kote /. s Okt. 4. a5 
a Einen Merten Seile finden wir in der Liste der Knochenhauer im 
Schossregister 157 h — I S79 Hds. f. iSr, 49^, 8o r . Siehe auch ebenda f. 77^. 

4 Dorf Schiercnsee im A'reise Kiel, Kirchspiel Westensee. 

5 AVr. j. 

ft Gut Quarnbek im Kreise Kiel, Kirchspiel Flemhude: Schröder- 3 o 
Ifiematzki II, jio. Der hier genannte Christoffer ist der 1396 verstorbene 
Sohn des Rencdicl : Zeit sehr. II, 117 f. und Tafel j. In Kiel war Christoffer /., 
der zum Unterschiede von seinem gleichnamigen Sohne (Christoffer II.) der 
Ältere genannt wird, in der Dänischen Strasse und später auch am Markt 
und in der Holstenstrasse ansässig. Er ist oben S. 109 i3 mit Christian 35 
Rantzau dem Altern gemeint. 7 1390 — 16/6. * März 17. 

* März 19. 



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I, 206-207] 



123 



Krummendyk, so bey Melcher 1 Rantzowcn, seel. Pauls Sohn, 
gedienet, des Abends mit 2* Spielleuten, nahmentlich Matz von 
Stendeln und Jacob Hansen, binnen Husum zu Hause hörende, 
in der Stadt Kiel auf den Gaßen herum gangen. Als er nun 

5 von ihnen begehret, daß sie noch weiter für ihm aufspilen 
solten, sie aber geantwortet, die Saiten weren schon entzwey 
etc., hat er auf sie ungestühmlich eingeschlagen. Er wird aber 
in der Kettenstraßen 2 von Matz von Stendeln mit einem Poke 
dergestalt am Halse verwundet, daß er nicht lange hernach an 

10 solcher Wunde gestorben. Der Thäter ist alsofort flüchtig und 
des folgenden Tages friedeloß gelegt worden. 
*/• *6j *Anno 1^89 im Majo ist der hochgebohrnen Fürstin und 207 
Frauen Frau Christina, gebohrnen Landgräfin zu Heßen etc., 
Herzogin zu Schleswig Holstein etc., folgende ge waldsame That 

15 in dero Behausung 8 , am Markt gelegen, von einem vom Adel 
an Ihro Fürstl. Gnaden Diener Matthies Däntzer und seiner 
Frauen verübet worden, da doch daßelbe Haus eben die Burg- 
freyheit hat, so das Fürstl. Schloß, darauf die Fürstl. Witwe 
ihr Leibgedinge itziger* Zeit hat. Es ist nemlich Otto Rantzow 

20 vom Bootkamp, Pauls Sohn, nebst einem Knecht und starcken 
Jungen in dis Hauß gekommen, hat den Wirth auf dem Vor- 
platz in großer Bekümmernis wegen seiner kranken Frauen, 
die eben 3 gantze Tage in Kindesnöhten gewesen, angetroffen. 
Der Wirth bietet ihm die Hand, in Meinung, der Edelman 

25 käme zu allem Guten. Diser aber stoßet ihn mit der Wehre 
in der Scheide auf die Brust zu etlich vielen Mahlen 5 , sagend: 

ig. hat : hält ,i f>ag. jg. 
1 Melchior, Sohn Pauls zu Bothkamp: Zeit sehr. II, IJJ- £*' erhielt 
nach dem Tode des Vaters das Cut .Irlewatt, sein Bruder Otto (S. 76,) 

- 

30 Hemmelmark. s Kehdenstrasse. 8 .V. ti8 Note j. 

* Bremer nimmt das Adjcktivum, "welches eines der Jahre ijSg — 1604 
als gegemoärtig voraussetzt, unverändert in seine Darstellung hinüber, -wie 
überhaupt der ganze § 20J einer der Beschwerden entlehnt ist, -{'eiche die 
Statt t Kiel an den Herzog richtete. Vgl. S. 124 Xote 2. 

35 s Der Zusammenhang ist in A ungewiss, da das Komma fehlt, da- 

gegen steht es in a, wie oben angegeben, nach Mahlen. Der libeltus a/>/>el 
latorius (siehe S. I2J Note 1) giebt bestimmter an: 3 mahl. 



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124 1589 [l.*>7 

l 

Die Hure will ich haben!«, hat dabei erschröcklich gefluchet, 
geschmähet und geschulten. Indem kommt die jüngste Tochter 
des Hauses zu der Mutter und spricht: »Mutter, hir sind Hove- 
leute, die wollen meinen Vatter schlagen!«. Ob nun zwar eben 
verschiedene erbare Matronen nebst der Hebammen bey ihr 5 
gewesen und ihr die Gefahr ihrer eigenen Person sowoll, als 
der Frucht vorgcstellet, fals sie sich hinaus wägete, so hat man 
sie doch zu ihrem Manne hinausleiten müßen, ob etwa durch 
ihrer Person Gegenwart dem Unglück konte gewehret werden. 
Die Hebamme, welche sie hinausgelcitct, spricht zu Otto Rantzau*: 10 
*»Ich will euch bey eurer Seelen vermahnet und gebeten haben,*/ /lV 
diese Frau anzusehen und keinen heydnischen Mord an ihr 
zu beweisen«. Darauf derselbe erschrecklich gefluchet und ge- 
schmähet, auch sobald ihrem Man den bloßen Dolchen ins Leib 
jagen wollen. Die hochschwangere Frau laufft dazwischen, 15 
und des Edelmans Diener ziehet ihn zurück und sagt: »Junker, 
bedenket, was ihr vornehmet! Habe ich euch doch vorhin 
gesagt, der gute Kerl wiße nichts darüm. Wan ihr wollet 
also handeln, so mag euch der T. 1 dienen«. Unterdeßen ent- 
weicht der Wirth auf embsiges Anhalten* seiner Frauen in sein 20 
Wonhauß und läßt sich seine Frau von der Hebammen nach- 
leiten. Als sie aber hinter sich sehen und innc werden, daß 
Otto Ra/itzow folget, eilet sie ins Hauß und schlägt die Thür 
zu, fallt aber alsobald vor Schrecken und Angst darnieder und 
wird in solchem Zustande ihrer freulichen Bürden erlediget. =5 
Das junge Knäblcin aber hat so viel davon bekommen, daß 
nicht woll (damahls)* zu hoffen, es sein Leben lang zu guter 
Gesundheit kommen werde. Als nun Otto Rantzau» solch er- 
bärmlich Gcschrey nebst seinem Diener gehöret, hat er gefluchet 
und gesagt: »Du loser Schelm 3 , du solt es mir nicht entbringen, 3° 

l 

/J. schwangere a pag. 60. 2122. nachlcitcn : hernach trecken a Pag. öl. 
27. (damahls) fehlt a. 

1 Teufel. 

5 Zum ' besseren Verständnisse f ügt hier Bremer dem /jSg (1593 r) gefer- 
tigten Bcriehte das orientierende -»damals* hinzu, setzt dieses aber in Klammern, 35 
da er von einer Bearbeitung seiner Vorlage Abstand nimmt. Siehe S. 123 Note 4. 

8 Matthies Däntzer. 



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♦ 



1,207-210] I5 8 9 125 

ich will dir mit meinen Händen das Leben nehmen ! < und ist 
für dasmahl davon gangen. 1 

n° *Anno 1589 den 3. Junj ist einer, mit Nahmen Claus 208 
Selmer 2 , ein Drechsler, hieselbst von einem andern hiesigen 
5 Bürger und Rademacher, Claus Werner geheißen, welchen der 
Sellmer wegen schüldiger 4 3 hart gemahnet und ohngeacht 
alles gütlichen Zuredens unleidlich gehönet und geschimpfet, 
vor dem Holstenthor mit einer Axt in den Kopf tödtlich ver- 
wundet worden, daß er alsobald niedergesunken und seinen 

10 Geist aufgegeben 3 . Ks ist demnach der flüchtige Handthäter 
durch gehegtes Fahrrecht friedeloß gelegt uud durch den Frohnen 
ausgeleutet worden. 

Ködern am Pfingstmontage 1 ist ein Hoveknecht, Nahmens 209 
Siegmund Oesdorf (welcher ein vom Adel aus dem Lande zu 

t5 Meißen soll gewesen seyn), von 2 andern, nahmentlich Kwold 
•/• H' Kortchans, Hanses Sohn vom Kllerbcek, *und Jacob Hansen von 
Sünderburg 5 , alhirüms Leben gebracht worden. Die Thäter sind 
darauf entflohen und durch ordentliches Fahrrecht friedeloß 
gelegt worden. 

20 Eodem im Jorw7«///>markt haben Melchior Rantzow von 210 

Bohtkamp und Gosch ß von Buchwald alhir etliche fremde Bürger 
und Einwohner von Husum, welche mit drögen Fischen und 
andern Wahren alhir zu Markte kommen, überfallen, geschlagen 
und gejaget, dabey geruffen : > Ihr D. 7 Schelme, soltet ihr meiner 

a 5 lachen, daß mir der Dolch aus der Scheide auf den Fuß ge- 

17. Thatcr a, 20. Ranzow a Pag. 62. 23. aufs Marckt a. 

24. Danschc Schelme <i. 

1 Vgl. zum ganzen Berichte das Referat im JJbellus appellatorius Kiel 
contra //eilwig von Ahlefeld /Als. f. 69-70, artt. 16 20, und im LH». af>/>. 
30 Kiel contra Gebrüder Pentz /Als. f. 55-36, artt. ig 2/. 

s Ein Peter Sellmer besitzt 1576—1578 eine Bude in der Faulst rosse : 
Schossregister /Als. f jr', j6r, 65^. 

3 Vgl. Kieler Kirchenregister 15 Sq /Als. f. 4jr s. v. hevinge der 
klocken: Claus Selmer I dreger : 1 puls. 
35 4 Mai rq. 5 Sonder bürg. 

0 Sohn des Detlef und Bruder des S. Sqo genannten //ans v. b\ auf 
Ovelgönne: Zeit sehr. IV, 275. ''Dänischen. 



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12<> 



i5 8 9 



[i, 210-21 1 



schoßen?« Die guten Leute haben die Flucht in eines Bürger 
Keller am Markt nehmen und sich darin versperren müssen. 
Darauf haben die vom Adel einen Knecht mit der langen 
Büchsen vor den Keller gestellet, sagende: »Schieß nun todtl» 
Und als der Knecht nicht hinein kommen können, ist befohlen, 5 
durch die Thür zu schießen, auch Stroh zu holen, denn sie 
wollten die . . .* Schelme daraus schmauchen, welches dan auch 
soweit ins Werk gerichtet. Als aber diese 2 vom Adel selber 
daselbst für Rauch und Schmauch nicht bleiben können, haben 
sie es wieder weg thun laßen. Bald aber darauf hat einer von 10 
ihnen eine Axt 'genommen und erstlich Jochim Köhlers 2 , eines 
alten Bürgers, Hecke oder Gitterwerk abgeschlagen, hernach 
die Kellerthür entzwei gehauen, daß er daselbst hineingekommen 
und mit dem Knopf vom Dolche einem Huscmer Bürger, mit 
Nahmen Jens Husemer, 6 biß 7 Löcher in den Kopf gestoßen. 15 
Als sie nun endlich wieder weg gangen, haben sie ein Bund 
*Witlink mit genommen und einem Jungen den Mantel. */• *7 2 

211 Anno 1589 den 12. Aug., als die verordnete Gerichts- 

vögte alhir die peinliche Kxamination mit dem gefangenen Weibe 
Klisabeth Fruchtenichts vor die Hand nehmen wollen, welches ao 
Weib Otto Rantzow', Pauls zum Botkamp Sohn, und dessen Bruder 
Melchior Ratitzmv zu Krlewat 8 Krbgeseßen, hatten fest setzen 

/. Diese armen Leute a. 4. gestellet: gesandt a. 6. auch — holen : 
darauf einein Jungen befohlen, Keur und Stroh zu holen a. U . Rand- 
glosse in a fing. 6j zu Köhlers: dieser hat am Markt gewohnt, wo itzo 25 
der Heischschrange ist. iS. Randglosse in a : \ide Supplic. vom 

13. Aug. 1589 an Herzog Philipscn, item an den Stadthalter Hinr. Rantzow 
sub codem dato. 2/. und : zunebst a pag. 64. 22. Melcher R. zu 
Arlcwat a. hatte sezen laßen a, dazu Randglosse . Wide Hieras Senatus 
ao den Königl. Herrn Stadthalter Hinr. Rantzow vom 24. Octob. (!) 1590. 3Q 

1 Bremer A setzt hier die Punkte ; a hat D., als Abkürzung für 

Dänischen. 

s Das Kieler Erbebuch nr. 1755, 1829 nennt ihn seit 1541 im Erbe 
des Waters in der Kehdenstrasse ansässig, das Schossregister 1576 — 157g 
I/ds. f. jr t jyv t 66*' in der Kittet Strasse. Ausserdem hat er den runden 35 
Wimimuhlenturm und den kleinen Raum dabei gemietet (Schassreg. f. 50t', 
Si?' z. J. I577—7 R ), sowie seit 1578 die dritte Ratsbude am Markt (a. a. 
O. f. 72>J, von der oben die Rede ist. 

8 Arle?oalt im Kreise Husum, Kirchspiel Olderup : Schröder, Topo- 
graphie I,6i. 



gle 



I, 211] 



T58 9 (1592) 



127 



laßen, weil sie denen sämtlichen Erben zum Bohtkamp eines 
und anders solte entwendet, auch andre Praktiken unternommen 
haben, und der Frohne hcreits im Werk gewesen, hat diser 1 
vom Adel die 4 Träger, so vor der Frohnerey gestanden, mit 
5 bloßem Schwerte angefallen und theils verwundet, die Frohnerey 
gestürmet, mit langen Röhren durch die Fenster und Thür ge- 
schoßen, mit großer Gefahr Leibes und Lebens der Personen, 
so aldar vorhanden, auch mit schrecklichen Fluchen und sonsten 
so viel Boßheit getriben, daß die Gerichtsvögte, Schreiber und 

10 andre Gerichtsdiener, auch 4 unpartheysche ihnen zugeordnete 
Bürger die Examination für dißmahl, andre Weiterung zu ver- 
hüten, einstellen müßen. Die Ursache diser Gewaldthätigkeit 
soll gewesen seyn, daß man ihm nicht gestatten wollen, daß 
er vor seine Person als ein Kläger und mit übriger Trunken- 

»5 heit beladen mit bei der Tortur seyn mögen, da ihnen 
doch (den beiden Klägern) von dem Raht vergönnet und zu- 
gelaßen, ihrer Diener einen neben den beden Bürgern, so für 
die Schlößer gelobet, dabei zu gestatten, welches auch ins Werk 
gerichtet. Unangesehen deßen hat doch diese Gewalt verübet 
werden müßen. 

*/• '73 *Mit Ausgang des Augusti selbigen Jahrs ist Otto Rantzow 
an einem Sonabend 2 wieder in Kiel kommen mit Begehren, 
das gefangene Weib nochmals peinlich zu fragen und daß er 
selbst in eigener Person dabey seyn, auch selbst einen fremden Büttel 
25 anhero bringen wolte, welchs aber mit (rümpf abgeschlagen, 
jedoch consentiret worden, daß 2 unpartheysche verständige 
Adelspersonen dabey seyn möchten etc. 

(In dieser Sachen ist endlich vom Raht in Kiel den 
13. Junj 1592 eine Urthel abgesprochen, wovon bede Theile 
30 ans 4 Städtegericht, von dar weiter ans Landgericht appellirct, 
•*/• 66 woselbst sententia reformat/Vw/r erfolget **dieses Inhalts : 

J. theils fehlt a. 6. Röhren : Büchsen a. 8. und sonsten fehlt a. 
16. den beiden Klägern in a Pag. 6j ohne Klammem. 27. etc. 

fehlt a. iS-jr. Die in eckige Klammem eingeschlossenen Worte stehen 
35 nur in a. 2Q. eine: ff. Jo. Auf 4 Stadtepericht folgt gestrichen : 

apneliret und, weil diese Urtel auch daselbst conftrmiret. 

1 Otto Rantzau. * Aug. 2, 9, 16, 2j, jo. 



128 



1589 (i59») 



II, 211 



Daß die ex parte der Rantzowen interponirte Appel- 
lation erloschen, aber des Fruchtenichts Appellation belangend 
von dem Raht zum Kiel und den andern dreyen Holsteinischen 
deputirten Städten übel gesprochen und woll appelliret und 
demnach ihre Urtheln zu reformiren, dergestalt, daß mehr- 5 
gemeltem Raht zum Kiel nicht gebühret, wie geschehen, mit 
der peinlichen scharfen Frage unordentlich zu verfahren, und 
sollen die Bürgen kraflt ihres Gelübdes schüldig seyn, der ge- 
dachten Elisabeth Kohr 1 und Wandel zu thun für erlittene 
Schmerzen und zugefügte Verletzung 2 ihres Leibes Gesundheit, 10 
auch aufgelauflfcne Unkosten, und ihr und ihrem Eheman dero- 
wegen 100 Thaler auf nechst künfftigen Umschlag und dan 
folgends anzufangen jedes Jahrs, so lange die Frau am Leben 
ist, 25 Thaler Alimentengelder, worauf dan den Bürgen sonder- 
liche Caution in Sächsischer Frist zu bestellen hie**mit aufer- i S 
leget wird, in den 8 Tagen nach Trium regum 3 zu bezahlen. **A 6 7 
Und bleibt den Bürgen der Regreß und Zuspruch zu ihren 
Principalen vorbehalten. V. R. W. Pronunciatum Hadersleben 
den 25. Feb. 1598.] 

Nachdem nun obige Sache mit der Fruchtenichtsche endlich ao 
durch Urtheil und Recht ihre Kndschafft erreichet, ist nicht 
lange hernach dieselbe von denen Rantzowen in puncto injuri- 
arum atrocissimarum vor dem Raht in Kiel belanget und darauf 



i-iq. Die in eckige Klammern eingeschlossenen Worte stehen nur in a. 
19. Randglosse : Vide Protoc. judic. Sim. Henr. ibique doc»m«'«//i sub 
lit. H. 2o. a fing. 67 beginnt : Diese Fruchtenichtsche ist nicht lange 
hernach von denen Ranzowen etc. 

1 Gebühr, Gerechtigkeit. 

* Die an der Elisabeth Fruchtenichts vorgenommene scharfe Tortur 
hatte eine Lähmung der rechten Kör per seile zur Folge. Siehe die an den 
Kieler Rat erteilte Rechtsbelehrung der Rostocker Juristcnfakultät yJ9 / 
Febr. 26, in der Beilage gedruckt aus den Spruchprotokollen ijgojgi nr. 121 
im Rostocker l 'niversitütsarchiv. Der emuihnte Rostocker Bescheid giebt zu- 
gleich Aufschluss über den Prozessgang bis Anfang IJ9 1 - &ie Anfrage 
nach Rostock in Sachen der gefangenen Elisabeth Forchtcnichts (!) ist auch 
von dem Syndicus Simon Heinrich in seiner Rechnung 1602 Sept. g (Sehles- 
-oiger Staatsarchiv A XIX prov. nr. 459), f. S v gebucht. 

8 Dreikönige (Jan. 6), Beginn der i msch/ags-uwehe. 



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I, 21 1-2I2] 



1589 (1604) 



129 



condcmniret worden, im Gerichte folgenden Wiederruf zu thun : 
daß sie die eingeklagte Injurien wieder Frau Beata Rantzowen seel. 1 
und Gösch von Ahlefeldten fälschlich gesaget und geredet, sie 
wiße von ihm und den Ihrigen nichts den Ehr und Guts zu 

5 reden, und üm Verzeihung zu bitten, auch über dem der Stadt 
Gerichte uf vorhergehende Urphede 2 ewig zu verweisen und mit 
weiterer Straffe, weil sie die langwirige Hafft 8 erlitten, nicht 
zu belegen sey. V. R. W. Publicatum den 20. Mart. 1604. 

Hertzog Philipps 4 Rescriptum wegen des Tumultuirens 212 

10 in Kiel etc.* 

Von Gotts Gnaden Philips Erbe zw Norwegen, Hertzogh 
zw Schleßwigh, Holstein etc. 

Unsern gnedigen Grus bevhor. Erbare, Weise, liebe ( ietrewe. 
Waß ihr negst in unser Stadt Kiell begangenen Frevels unndt 

's Muthwillens halber an unß schrifTtlich gelangen laßen unndt 
darauff gesucht unndt gepetten, das haben wir von Zeigern, 
ewern Diener, woll empfangen unndt vormerckett, wie wir dan 

j. (lösche a. 6. Randglosse in a zu Urpheide: Die Urphede vide 

bcym Nidcrgcricht im Convolut von Urpheden. 
20 Cof>. 2. 11. Gottes. //H./2. /UC. 13. Gnies. Getreuwc. 14. Kiehcll. 

ij. Muehttwillenns, auch S. 130 Z. J, 16 11, S. 131 Z. 1 mit Mue. 

' .V. 108- zog Xote 7. 

• Wie Urem er a notiert, ist dem gemäss die Ctphede geleistet worden. 
s Das erste Mal war Elisabeth von August 13S9 bis März rjgi im 

25 Gefängnis. 

* 1387- -1390. 

5 An Stelle von Bremers Abschrift p. 17s — HS folg* d er vo " 
Landgerichtsnotar Johann Hintz beglaubigte und in Speyer /J9J AW. 2J 
produzierte Text aus dem Schleswiger Staatsarchiv A I nr. 196 f. J/-J2 

in (Cop. ij. Während diese Copie den o Vocal durchweg gebraucht, auch da, 
wo sonst ö gesetzt "wird, ist im letzteren Falle oben stillschweigend der Um- 
laut gedruckt. In den Editionsnoten sind einige Varianten aus der von dem 
Landgerichtsnotar Rudolph Faust 1600 Mai 10 beglaubigten und im Schles- 
wiger Staatsarchiv A I nr. 194 f. 14:8-149 aufbeicahrte/i Abschrift notiert 

15 (i-°t' 2 )> Weitere Abschriften sind vorhanden im Schlcswiger Staatsarchiv 

» 

A I nr. 196 f. 6-7, als Beilage zur Vorstellung A'iets an //erzog Johann Adolph 
rjgj Aug, 10, und im Kieler Stadtarchiv J' V/ Cotiv. / nr. jb, auf der 
Rückseite mit Inhaltsangabe von Premers //and: 1589 Herl zog Philipps 
Hefehl wegen des Tumultuirens. Einen Extrakt unseres Reskripts giebt 
4 o Brinkmann, Aus dem deutschen Rechtsleben, S. 205-6. 

9 



130 



[I, 212 



gleichermaßen von der hochgebornen Fürstinnen, Frowen Chris- 
tinen, geborner Landtgrefinnen zw Heßen, Herzoginnen zw 
Schleßwigh, Holstein etc., unser gnedigen hcrtzlieben Fraw Mutter, 
nicht ohne Beschwernuß berichten worden, was I. G. für Trotz 
unndt Muthwillen in I. G. Hause 1 , auff dem Merckte belegen, 5 
sonsten auch daselbst wiederf hären, welches alles wir gantz 
ungerne gehöret unndt zu seiner Zeit alß der Landesfurst zw 
eifern unvergeßen sein wollen. Dicweil euch dan wißentlich 
unndt unvorborgen sein wierdt, daß weilandt der hoichgeborner 
Fürst unndt Herr Adolff, Erbe zu Norwegen, Hertzogh zw m 
Schleßwigh, Holstein etc., unser gnediger hertzlieber Her unndt 
Vattcr, sowoll ernst als gnedichlich in Bevhelich 2 gegeben, allen 
Rechten gemes, auch der Natur unndt Billigkeit nach, in solchen 
unndt dergleichen Fellen Gewaldt mitt Gewaldt zu steuren, 
können wir nicht wißen, auß waß Uhrsachen solcher Zunötigung 15 
unndt Muthwillen zugesehen unndt die KegennottrofTt hiewieder 
nicht geprauchett werden muege, da doch ir Godtlob die Gelegen- 
heit woll habtt, daß ir auff solche Felle ohne einige Beschwernuß 
noch Unkosten ein solchs zw verordenen, daß euch unndt den 
Ewcren Friede gegönnett werde unndt für Ubermuth unndt 20 

Cop. 2 : /. Frauwenn. 2 u. 10. zue. J. Marghtte. 10. unndt fehlt. 
12. allen-. 14. dergleichen. steweren. 13, 18, S. 131 Z. 2, 

10 u. 17. sollichcr, solliche. ig. sollichs zu vorordnen. 

1 Der eiste üb erfüll geschah bereits im Mai: § 207, der zweite im 
August : § 2/8. Auf eine im Mai erfolgte Beschwerde der Herzogin würde 25 
nicht erst im August Abhilfe geschaffen icorden sein. Der zweite Überfall 
ging dem Reskripte zeitlich voran und war gleichfalls Gegenstand der Be- 
schwerde der Herzogin. Bremer hat das Reskript an unrechter Stelle ein- 
geschoben, es gehört nach § 218. 

2 § /6j. Gegen dieses erste Mandat Herzog Adolphs von /jSj Juni 26 3° 
hatte der Kieler Rat von neuem suppliciert und ausgeführt, dass er aus Furcht 
vor den grossen daraus entstehenden Gefahren Bedenken trage, Gewalt gegen 
die Adligen anzuwenden, der Herzog werde bessere Mittel zum Schutze seiner 
Unterthanen finden. Hin erneutes scharfes Schreiben Herzog Adolphs erklärte, 
dass, wenn die Kieler dem Herzoglichen Befehle zur Anwendung von Gewalt 35 
flicht nachkämen, der Herzog auf Kosten der Stadt Soldaten nach Kiel legen 
wurde, die bei vorkommenden Tumulten einschreiten sollten. Siehe in der 
Beilage den Lib. app. Kiel contra Heilwig von Ahlefeld Hds. f. 74-75 \ artt.jj-jj, 
und den Lib. app. Kiel contra Gebrüder Peutz Hds. f. J6-J7, artt. 27-2S. 



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I, 212-213] 



Muth willen gesichert sein können. Wollen derowegen euch er- 
mhanett, auch begheret haben, mitt solcher unleidlichen Üppig- 
keit unndt Übermuth lenger nicht durch die Finger zu sehen 
unndt zu gedulten, besondern vormittelst guetter, wofbedechtigen 
5 Anordnung aufT die Wege trachten, das ihr unndt die Fwrigen . 
in ewren Heusern unndt Straßen unbetrübt unndt unahngefallen 
plieben mügett, damitt andere Muthwillige durch ewre Nach- 
leßigkeit zu ebenmeßigen, straffwirdigen Handlungen Thuer 
unndt Fenster nicht geöffnet werden. Im Fall euch aber auff 
o solche nach allen Rechten zuleßige Gegenwehr einige Gewaldt 
wieder aufTgetrungen unndt zugefugt werden wolte unndt wir 
von euch darumb undertheniglich ersucht unndt implorirt wurden, 
wollen wir euch dermaßen in unsere landtsfurstliche Protection, 
Schutz unndt Schirm nhemen, auch die Mittell darauff inß Werck 
5 zu richten wißen, daß den Muthwilligen unndt Frevelern ihr 
Furnemmcn gebrochen, euch Friede vorschaffet unndt andern 
zum Abschcw unndt Exempell solche unndt dergleichen in andern 
Kunnigreichen, Chur- unndt Furstenthumben verbottene unndt 
hoichverpoente Handlungh gewheret unndt abgeschaffet werden 
20 muege. W r ornach ihr euch entlieh zu richten. Unndt wir seintt 
euch sonsten zu Gnaden unndt allem Glitten woll geneigt etc. 
Dutum uff unserm Schloß Gottorf, den 21. Augusti Anno etc. 89. 

Philipps H. z. Holstein. 
Den Erbarn, Weisen, unsern lieben Getrewen, Burger- 
as meistern unndt Rathmannen unserer Stadt Kiell etc. 1 
7& *Melchior Rantzow von Botkamp hat den Bürgermeister 213 
Paul 'l oken in seinem eigenen Hause 2 mit langen Büchsen oder 
Röhren gesuchet und dabey die erschröklichsten Flüche aus- 

(>>/. 2. 3. zue. 7. blcibenn. S. strafwürdigen. 14. Schirmb. /.?. vor- 
30 botttne. 2J. Kiyhcll. 

oder Röhren fehlt a f>ag. öS. iS. erschröklichsten A. 

1 Das Reskript wurde vor der ganzen Bürgerschaft öffentlich auf dem 
Bathause vorgelesen. Im Anschluss daran beschlossen Rat und Bürgerschaft 
einstimmig, in zukünftigen /''allen von adligen Ausschreitungen die Sturm- 
t; ,i!'l<'<he ziehen zu lassen und entsprechend der Aufforderung des Herzogs (lc- 
loalt anzuwenden : I.il>. app. Kiel contra Heihoigvon Ahlefeld Hds. f. Sj, art. (14. 

-In der Schuhmacher Strasse: S. //./ A'ote j. 

9* 



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132 1589 L 1 » 213-217 

gestoßen und gedreuet wegen des gefangenen 1 Weibes der 
Fruchtenichts, daß der Bürgermeister sich, um Friedens willen 
und Gefahr zu vermeiden, in seinem Keller hat verstecken müßen. 

214 Derselbe vom Adel zunebst einem Pogwischen 2 von Dobers- 
törf sind zu dem Bürgermeister von Lengerken ins Hauß 3 ge- 5 
kommen, denen der Bürgermeister entgegen gehet, sie freund- 
lich wilkommen zu heißen. Alsbald schlägt der eine vom Adel, 
Melchior Rantzow, ohne alle Vorworte den Hahnen auf die 
lange Büchsen, ihn also unvermuhtlich zu erschießen. Es hat 
aber des Bürgermeisters Frau und seine *Diener dem Edelman >° 
das Gewehr begriffen, darüber der Bürgermeister, sein Leben ^' 1,9 
zu retten, in eine Kammer davon gesprungen. 

215 Noch hat Melchior Rantzow auf eine andere Zeit den 
Bürgermeister Paul Töken in seinem Hause gesuchet und, wie 

er denselben nicht finden können, hat er gewaltsamer Weise 15 
ohne alle Ursache im Hause etliche Fenster ausgeschlagen und 
ist davon gangen. 

216 Auch hat derselbe dem Bürgermeister von Lengerken 
große Gewald in seinem Hause und an seiner Frauen verübet, 
dieselbe ins Angesicht geschlagen, viele erschreckliche und 20 
gräuliche Flüche hören laßen. 

217 item zu einer andern Zeit 1 mit kurtzen und langen Röhren 
zu ihr oben in ihre Kammer, da sie gestanden, über ihr Haubt 
ins Fenster geschoßen, daß sie von sothanem schröcklichen 
Schießen sich entsezet und zur Erden gefallen. Und ist noch 25 
zu der Zeit 5 (nemlich ohngefehr Anno 1593) das Zeichen von 
den Kugeln am selben Orte vorhanden gewesen. 

2. Fruchtcnichuchcn a. 4. Pogwisch a. 3. in sein Hauß (alwo 

itzo Lemke und Philipsc-n wohnen) a. 9. unvcrmuhtidi A. //. «las 
Gewehr: die Küchscn a, 14. Token A. 22. Randglosse in a 30 

pag. 6g : Xide Schreiben Scnatus an den Herrn Statthalter Henrich 
Rantaw vom 2. Septemb. 1589. Röhren: Hiicliscn a. 24. Schröck- 
liehen A. a hat an Stelle der eingeklammerten Worte nur 1593, 

und snvar herubergeschrieben. 

> Siehe § w 

2 Wohl Dietrich, dessen letzte Ge?valtthat im § 196 erzählt 7oird. 

8 llolstenslrasse m . j: S. 110 Note 2. 4 Vor Sept. 2. 

5 Zur Zeit <ler die früheren Vorgänge referierenden ßeselaoerdeschrift, 



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I, 2181 



133 



Anno 1589 im Augusto ist der hochgcbornen Fürstin und 218 
Frauen, Frau Christina, gebohrncn Fandgräfin zu Hcßen etc., 
Herzogin zu Schleswig, Holstein etc., von Otto Rantzowen an 
Ihro Fiirstl. Gnaden Wohnung folgender abermahligcr 1 Trotz 
5 und Gewald wiederfahren. Nemlich es ist diser vom Adel 
mit 2 Knechten und einem Jungen mit langen Köhren und 
andern Wehren (eben wie die Wirthin des Hauses mit ihren 
kleinen Kindern alleine, ihr Man 2 aber bey Ihro Fiirstl. (inaden 
auf dem Schloß zur Taflfel gewesen) ins Haus gekommen und 

j<> gesagt: »Du lose Hure, gib mir meinen Hecher heraus !« *l)ie 

' Ao Yrau, ihn vorerst nicht kennende, spricht im Schrecken, sie wißc 
von keinem Hecher, der ihm solte zugehören. Darauf hat er 
sie mit Kreutz und Knopf gewaltsamer Weise geschlagen und 
dabey gcruffen : Ich will den Hechcr zur Stunde haben, den 

15 meine Schwester dir zu deinem Kinde zu Gevatterngeld gegeben !« 
Da merket die Frau, daß es derjenige werc, der ihr vormahls 
viel Hertzeleid getahn hatte, setzet sich vor Ohnmacht auf einen 
Stuhl und spricht : Mir könt ihr mir mein Leben nehmen, 
so ihr Recht dazu habet!« Kr hat sie aber mit Creutz und 

co Knopf jämmerlich an die Hrust gestoßen und gesagt: Was 
sagstu, lose Vettel? etc. Die Knechte haben hirauf die Frau 
sehr gebeten, ihres Junkern Zorn und Grimm zu entgehen und 
bedenken ihre kleine Kindern; es sey nun auf das eußerste 
mit ihm kommen, sie könten nicht dawieder, so er etwa mehr 

25 Höses thäte etc. Hirauf ist die Frau aufgestanden und hat 
sich in die nechste Kammer versperret. Otto Kantzmc aber hat 
die Fiirstl. Fenster ausgeschlagen und die Frau heraus haben 
wollen, aber wegen des eisern Gitters nicht gekonnt, darüber 
er noch mehr erzürnet, geruften, gefluchet und gescholten, sich 

3« vermaledcyet und gesagt, er wolle alles, was aldar in seiner 
Gegenwart vorhanden, an Kisten und andern Gerähte in Stücken 

/. Anno J't-hlt a pag. 70. 6. Rohren : Buchsen a. Ii. zuge- 

horen . /. 711 entweichen a. 

die von Bremer in das Jahr isgj gesetzt und wortlieh ausgezogen wird. 
35 Das in llds. a eitierte Sehreibe ti des Rats an den Statthalter //einrieh Rantzau 
von .SV/V. 2 hat also f ür Hremer nieht als direkte Quelle gedient. 

1 Vgl. den ersten ( 'berfall im § 207. 2 Matthies Diintzer. 



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1539 



[I, 2l8 220 



zerhauen und /uschlagen. Darauf die Knechte diese Frau ge- 
beten, sie möchte sich für größern Schaden hüten und die 
Kasten selbst eröfnen und ihn seines Gefallens selbst suchen 
laßen. Ob nun woll die Frau sich hart gewegert und auf 
ihren Man geschryen, sie *aus dieser Noht zu retten, so hat s 
doch alles nichts heißen wollen, sondern ist durch Fluchen,*/- 
Stoßen und Schlagen endlich gezwungen, ihre Kasten aufzu- 
sperren, daraus er dan genommen, was er gewolt, an Silber- 
geschir, Schalen und Kannen, auch andrer von Silber gemachter 
Arbeit, so andern vom Adel gehörig. Ihre Kleider aber hat 10 
er hcrausgeworffen und zum Theil mit Füßen getreten. Indem 
er nun sothane (iewald und Muhtwillen übet, kommt seiner 
Brüder einer und spricht: Bruder, was machestur Habe 
acht, daß du disen guten Leuten keine (iewald beweisest! etc. < 
Endlich hat ihn sein Bruder und eine adeliche Frauensperson 15 
mit großer Bitte von dannen weg gcholet, doch hat er alles 
vorgenante Silber durch seinen Diener weg tragen laßen. 1 

219 Es ist auch der alte abgelebte Mann, Herr Joachim Blüting, 
Diener des Göttlichen Wortes alhir, nicht verschonet worden, 
sondern es hat derselbe vom Adel, Otto Rantzow, auf eine Zeit 20 
ihm seine beide Fensterluchte am Hause 2 gewaldsamer Weise 
bev hellem Tage ausgeschlagen, aus einer Lucht 28, aus der 
andern 5 Fenster, nur darüm, daß eine Jungfer vom Adel 
seiner Töchter eine gebeten, ihr etzlichc Kleider zu leihen, 
damit Fastelabend 8 zu gehen, deßen sie sich gewegert. Und *s 
wie der Herr Blüting ihn üm Bezahlung der Fenster ansprechen 
laßen, hat er ihm geantwortet, er wolte ihm geben, was 
abscheulich ist hicher zu setzen. 

220 *Noch hat zur selben Zeit des vorigen vom Adel sein */- /S - 
Bruder Melchior Rantzow, zu Krlewat Krbgeseßen, dem alten 30 



6. sie ist 11 f>ag. 72. Jv. tu — Krbgosel.'.en fehlt o /«»,»,'. 77. 

1 Iiis auf eine silberne Schale wurde später alles zurückbegeben. 
Vgl. das Referat im I.ihellus appellatorins Kiel contra Ilcihoig ?•. Ahlefeld 
//ds. f. 70-71, artt. 21 26, und im Lil>. app. Ktel contra Gebrüder Pentz 
Ilds. f. j6, artt. 22 23. 35 

2 /;/ der I/assstrasse : S. ioj Xote ./. s Febr. 6— 11. 



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I, 220 223] 



135 



Herrn Jochim Blüting, Capellan 1 zu S. Nicolai alhir, seine übrig 
geblibene 3 Fenster folgends gewaldthiitig und ohne alle 
Ursach ausgeschlagen, darbey er sich verfluchet und dem T. 2 
ergeben, daß er es nicht unterlassen wolte. 
5 Anno 1589 am Dingstage 3 nach Dionysij ist einer, Nahmens 221 

Hans Loof, scel. Claus 1 eines hiesigen Bürgers Sohn, weil er 
einen andern, Hans Selmer genant, zu Holtenah 5 bürtig, am 
nechstabgewichenen Sontage 6 binnen der Stadt Kiel in der 
Holstenstraße erstochen und also vom Leben zum Tode gebracht, 
10 durch ein gewöhnliches Fahrrecht friedeloß gelegt und ausgeleutet 
worden. 

Eodcm im Octobr. sind Hans Fütje und Marquard 222 
Borchers, beide von Mcinstorf", alhir in der Vorstadt in Jasper 
Reimers Hause H mit einander uneins geworden, und hat der 
15 Borchers den Lütjcn mit einem Meßer tödtlich verwundet, daß 
er alsobald darauf gestorben. Der Thäter ist nach beschehener 
Taht hinten zur Hoffthür aus über die Rosenwische 9 nach dem 
Ziegelhovc und also weiter davon gelauffen und darauf dieser 
Stadt Gebrauch nach friedeloß gelegt und durch den Frohnen 
20 ausgeleutet worden. 

Fodem Freytags 10 nach Simonis und Judae, war der 29. 223 
Octob., ist einer, mit Nahmen Carsten Speck, sonsten Voß 
geheißen, wegen seiner Mißhandlung und muhtwilligen bösen 
V- lS J Thaten *üm 1 2 Uhr Mittags alhir mit dem Schwerdte gerichtet 
25 und vom Leben zum Tode gebracht worden. 

1 Archidiaconus : S. /oj Xote j. Sowohl dieser, wie der Diaconus, 
werden als Capellan bezeichnet: Kick, Kleine Mitteilungen S. 52. 

2 Teufel. •■' Ohl. 14. 

4 Claus Loiflf (Locff) /'// der Dänischen Strasse : Hausbesitzerliste 1575 
30 ///\ 89, Schossregister 1576—1579 /• 7 r > 39 v > 68*. 

5 Holtenau. 
"Okt. 13. 

' Meinsdorf, Kirchspiel Plön. 

* Schossregister 1595 96 Hds. />. 6. Meimers war A'riiger. 
35 9 Die Kosenwiese dehnte sich hinter den Häusern der linken Vorstadt- 

seile bis zum Ifafen aus. 

10 Okt.jr, nicht, wie Bremer augiebt, Okt. 39. Letzterer ßel auf Mittwoch. 



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186 1589 t 1 . 22 4 

224 'Anno 1589.* Einer vom Adel, Nahmens Hanß Pcntz s von 

Oldcsloh, Baltzers 1 Sohn, hat einem Bürger Peter 5 Untiedt in 
seines Vettern 6 Hause ohne alle Schuld mit seiner Wehre das 
Haubt verwundet und, wan nicht deßelben Vettern Hinrich 
Untieds Frau ihm zum Schutz auf den Leib gefallen were, 5 
hette er denselben gefährlicher beschädiget. Er hat nichts 
desto weniger diser Frauen die Kleider auf dem Leibe zer- 
hauen. Er hat sich hiran nicht ersettigen laßen, sondern, wie 
diese Leute ins Hauß entwichen, hat er mit dem Degen et- 
liche Stiche in der Thiircn getahn, item in die Maur an der 10 
Hausthür dermaßen gestochen, daß es lange zu sehen gewesen. 

6-t /. Kr - Rewesen fehlt a f>ag. 14g. 

1 Vgl. zu den 224 2j in der Beilage das fast -wörtlich gleichlau- 
tende Referat der Vorstellung Kiels an Herzog fohann Adolph /J<pj Aug. 10 
Ilds. f. 124. Trotz der Übereinstimmung hat iudess Bremer diese Quelle 15 
nicht direkt benutzt. I ber eine frühere x'on Hans Peutz im Kramladen des 
Bürgermeisters Ameling von Lengerken verübte Gewaltthat, die Bremer 
nicht erzählt, siehe a. a. 0. Ilds. f. /2J. 

- Das in der vorigen Xote em'ähnle Referat giebt für unseren Fall 
als genaueres Datum den Winter an, der dem Tode des Hans Peutz vor- 20 
herging, das wäre Ende fjS<? oder Anfang ijgo. 

s Die von Hans Peutz begangenen Ausschreitungen und den durch 
seinen Tod (§ 2j6) veranlassten Prozess zwischen Kiel und des Hans Peutz 
Brüdern Caspar und Xlarquard hat R. Brinkmann in den yahrb. J. d. 
Lande sk. Schlesw. Holst. I.auenb. I, ijj ff. auf Grund der jetzt im Schles- 25 
wiger Staatsarchiv befindlichen Reichskammergerichtsakten dargestellt ( auch 
in Brinkmanns Buch -»Aus dem deutschen Recht sieben << S. 206 ff.). Einige 
der einschlägigen Akten sind weiter in den Beilagen abgedruckt. 

4 Banzer I'ense zur Olrieschlohe //// Landregister v. /jSS : Zeitschr. 
XXV, 229. Im Landreg. v. rj6/ wird Balthasar I'entze noch im Besitze 30 
des Gutes Mit schau (Kirchspiel Oldesloe) aufgeführt : Zeitschr. XXIV, 167; 
Schröder- Biemalzki II, 22S. 

5 Auf der rechten Seite der Sch/niedestrasse in dem von seinem Vater 
Claus geerbten Hause ansässig : S. 121 Xote fr. Im Erbebuch erscheint Peter 
/60/—/604 als Zeuge und Gläubiger: nr. 201g, 20, ji, jS. 35 

tt Hinrich Untidt (Untid) /'/// Eckhause der Schmiede- und Bischer- 
Strasse: Hausbesitzern ste /jjj nr. 127, Schossrcgistcr /S7^~~'S79 
f. ior, 4/'', 70*' ; Erbebuch nr. 20//, Schossreg. /J9J Hls. p. 2j. Die 
Venoundung fand nicht erst im Hause, sondern bereits beim l'berfall auf 
der Strasse vor der II au st hüte statt. 40 



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I, 225-2271 



137 



Noch hat dieser Hans Pentz auf eine andre Zeit eines 22."» 
hiesigen Bürgers Barthold Franken Hausfrau mit Greutz und 
Knopf ins Angesicht geschlagen, weil sie ihm auf sein Be- 
gehren in ihrem Hause 1 kein Bette aufmachen und ihn behcr- 
5 bergen wollen, deßen sie sich doch billig gewegert, weil er 
seine Herberge nicht bey ihr gehabt und sie ihn auch fast 
nicht gekennet. 

*/. JS7 *Hinrich 2 von Thiencn hat einen Bürger, mit Nahmen Jasper 22fi 

Schütte 3 , ohne alle Ursache in Claus Matzen Hause 1 an den Kopf 

i° geschlagen, daß der Bürger eine Zeit lang nicht gewust, was 
er thun oder laßen sollen, und solches nur aus disen Ursachen, 
wie der Bürger berichtet, daß er nicht alsobald, als er nach 
V- '«^ihm ge*schickct, zu ihm gekommen were. 

Christoffer 5 von Buchwald, Lorenz Sohn, hat Friedrichen 227 

15 Eminga in seiner Behausung 6 (wo itzo der Uommißar Knuht 
wohnet) große Gewalt geübet. Dann als er, Friedrich F.minga, 
den nechst folgenden Tag seine Hochzeit halten wollen und 
in Klaus Matzen Wohnung bey seinen Gästen gewesen, ist der- 
selbe vom Adel vor Friedrichen Thür gekommen, angeklopfet, 

20 gerluchet und gescholten, und als man ihn nicht alsobald ein- 
laßcn wollen, hat er 2 mahl in die Fenster der Auslucht ge- 
schoßen. Indem laufft Friedrichen seine Braut mit einem Licht 
auf den Boden, üm etwa zu sehen, was es vor einer seyn 
möchte. Wie er nun ohnweit der Haußthür hinter den Brunnen 

25 gestanden und gesehen, daß Leute auf den Boden, schießet 

14, l.orent/ n /><i£. tjo. Kridrichcn <t. ij-/ö. wo wohnet /// <i 
tjtti Ratnif rings/Ugt, mit der Differenz . Haulivo^t Knut. .'/. in - 
Aiisliicht : in die Auslucht, in die Fenster it. A/. ohnweit der Haiil'»- 
thür: nebenst der Thür über a. dem Hrunuen o. 

30 1 Flämische Strasse nr. 3 ; Haushesitzcrlistc /J7S nr. /jj, Schoss- 

register /J76—/J7<? Iltis, f. /o-', 42»-, j/>. 
a .S\ 73 Note 4. 

3 .V. 97 Xote 4. 

4 In tier Schuhmachers/rasse : S. i/o Xote j. r ' S. 1/2,. 

35 * Das Haus in der Dänischen Strasse (S. ioj Xote 3 j hat Hrninga 

erst /jyj gekauft : Volhehr, Topographie S. 16 f. l'orher -söhnte er in der 
Schuhmacherstrasse neben dem jetzigen Stadttheater. J'gi. Sehosshuch 
Hds. p. 167 : Vrau CommiÜö/ Knudten Schoß. 



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138 



i59o 



[I, 227-230 



er dar hinauf, daß auch die Kugel kurtz über ihr Haubt hin- 
geflogen etc. 

228 Nicht lange hernach hat derselbe vom Adel einen stei- 
nern Knopf auf Ihr Fürstl. Gnaden Hause, am Markt belegen, 
der hohen Obrigkeit zur Verachtung herunter geschoßen. 5 

229 Christoner Pogwisch 1 , Ihro Fürstl. Gnaden Küchenmeister, 
nebst etlichen andern haben in einer Fastnacht einem Bürger, 
mit Nahmen Arend Krantz, ohne alle Ursach große Gewald 
an seinem Hause und Fenstern getahn, indem einer unter den- 
selben mit dem Kncbelspieß ein Fenster eingeschlagen, daß es »o 
des Wirths Gaste, so in der Stuben geseßen, auf *dem Haubtc *A *Sg 
behangen hüben. Wie sie nun zur Thür hinaus wollen und 
solche Gewald abschaffen, liegt ein ander in einem Keller ge- 
genüber mit einer langen Büchsen, worinnen er viel Hagel ge- 
schlagen, und schießet dem einen Bürger die Scheide von der 15 
Wehre in der Faust entzwey und durch seine Niederkleider, 

der Kindbetterin durch ihren Rock und Pcltz und über 20 
Hagel in den Ständer des Hauses. Endlich hat sie eine ade- 
liche Jungfrau beredet, wegzugehen. 
2Ü0 Anno 1 590 zwischen Ostern 2 und Pfingsten 3 hat ein Hove- »» 

knecht, Nahmens Timm Stahmer, aufm Strande 1 im Dänischen 
Walde bürtig (der sich sonst mit geenderten Nahmen Jochim 
Stahmer oder Holste nennen laßen), einen Kielischen Bürger, 
Jürgen Kock* genant, auf dem Rußeer Felde zwischen dem Rußee 
und Blockshagen, da sich die Wege nach dem Neuenhofe 6 und 25 
Rendsburg scheiden, auf frever Heerstraßen feindseeliger Weise 
zu Pferde mit geladenen Büchsen angefallen, ihm dieselbe mit 
aufgesetzten Hahnen aufs Leib gehalten und loß gedrücket. 
Als aber das Gewehr nicht loß gehen wollen, steiget er vom 
Pferde unter hetütigen Dreu worten, daß er, der Kock, diese 30 

/. die Kugel : das Loht n. 2. etc. : und das Wahrzeichen annoch 

daselbst /ti sehen ist <t . 18. in einen Stender a 152. iS iq. eine 

KdeljmiKfrau <i. 21. Dänischen . /. 

' S. gi Xofe 2. - Apr. ig. 9 Juni 7. 

4 Dorf Strande, Kirchspiel Dänischenhagen. 35 

5 l 'her der Scltevenhritckc : Schossre^ister ijgj ! q6 llds. p. 6. 

6 Deutsch- Nienhof , Kirchspiel Westensec. 



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I, 230 231] 



159° 



139 



Stunde von seinen Fäusten sterben solte. Jürgen Kock, auf 
einem Wagen sitzende, hat mit aufgehabenen gefaltenen Händen 
flehentlich gebeten, seines Lebens um (iottes willen zu schonen, 
welches aber wenig würde geholften haben, wan nicht eine 

5 Frau, Gretje *Stakcn, und 2 Mägde, Grctjc Brammers und Lcncke 

( *° Sellen, so bey ihm auf dem Wagen geseßen, disem Timm 
Stahmern mit vielfältigen Flehen etwas besänftiget betten. 
Jedoch hat er von dem Kochen 1 zum Abtrage 20 Thaler und 
Bürgen der Zahlung halber begehret, welche endlich zu 8 Thaler 

10 behandelt worden. Und damit der Timm diser Zahlung gewiß 
seyn möchte, hat Jürgen Kock mit seinem rechten Fuß ein Creutz 
vor dem Pferde auf die Krden im Sande schreiben und einen 
Eyd darauf schweren müßen. Die Ursache der Feindschafft 
soll, *wie nachgehends der Gefangene Stahmer selber bekant, 

15 gewesen seyn, weil er bey dem Kocken vor diesem als ein 
Junge gedienet und der Kock ihn einsmahls schlagen wollen, 
daß er für demselben ins Waßer lauffen müßen. 

Anno 1590 im Majo hat folgendes sich zugetragen: Es 231 
ist nemlich zwischen Bartram Pogwischen zum Hagen und 

20 Doberstorf Erbgcseßcn, einem Alten vom Adel, an einer Seiten, 
und Henrich Schrödcrn, Bürgern und Goldschmidt 2 im Kiel 

lS. Anno fihlf a j>ng. 74. tttitutgb'ssc rf',-rnt,i : Vitlc Supplik, an 

Herzog Philippen vom 3. J»uiij rv>t>. iq. Ramigfassr in n zu 

PngwUclien : in der Fk'>n/.v<-//<-// Stnd'c. 21. und lloldschniidt in 
2 5 ,1 s/>,it, r Arrn/'t rgrs-i/i rirlu u . 

1 yü'X 1 '" Kock. 

• A'ach seinem Goldschmiedegewerbe (Kieler Erheblich nr. joii) wird 
er auch mit dem entsprechenden Beinamen bezeichnet : llinrich Schröder 
edder Goltschmidt (Erbebuch ur. joojj. Sein auf der Unken Seite der 

3° E/a mischen Str. belegenes //aus (nr. 19) halte er au seinen X achbar n Partram 
Politisch ( nr. ij ) verkauft, doch r, <ar ge^en die Gültigkeit der Abmachung 
seitens des Elias ll'older und der anderen besitzberechtigten l'encandlen 
(Erbebuch nr. K)7J ) Einspruch erhoben worden (siehe weiter S. /./J Xote jj, 
infolge dessen Schröder bis zum endgültigen Ausgang des dadurch entslau 

35 denen Prozesses in seinem /lause verblieb. Die Angabe Prea/ers in //ds. a, 
dass zu seiner Zeit dort Dr. Waldschmidt wohnte, ist ungenau. Xach den 
Schossbüchern ( I7 3 5 Hds. p. 149) kann Prof. lluhierieus ll'aldschmidt nur in 
nr. ij gewohnt haben. Siehe auch l'o/behr, Popographie S. 1(17 iftS. Die 
irrtümliche Identifizierung des Schröderschen Hauses mit dem spateren Plomescheu 

40 Ereihaus (nr. 21) hat bereits Bremer selbst in JIds. a richtig gestellt. 



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I 



HO I59 o [I. 231 

in der Klonischen Straßen wohnend, an der andern Seiten, wegen 
eines Hauses, soder Pogwisch von dein Nach bahren, discm Schröder, 
gekaufTt gehabt, ein Rcchtsproceß entstanden, welcher per Appel- 
lationem des Pogwisehen in dem vorigen 1 i58oten Jahre ans 
4 Städtegericht erwachsen, woselbst, weil der Appellant nicht 5 
erschienen, demselben Dilation biß zum nechsten Gerichtstage 
gegeben worden. Ks hat aber der Appellant Hartram Pogwische 
auch solchen Tcrminum nicht abgewartet, sondern im Majo an 
einem Freytage* Vormittags iim 11 Uhr 6 seiner I,ansten oder*/- 
Bauren mit ihren Waldäxten in das Hauß, warum der Streit 10 
gewesen, geschicket, mit dem Befehl, des Hinrich Schröders 
(ierähte alles aus dem Hause wegzuräumen. Als nun zur Zeit 
ihrer Ankunfft Henrich Schröder eben vor der Thür gestanden 
und von ihnen vernommen, daß sie solchergestalt hinein wolten, 
hat er ihnen solches so viel möglich gewehret und sich eine n 
Zeit lang mit ihnen gerungen, biß endlich Bartram Pogwisch, 
welcher in seiner zunechst daran belegenen Behausung zugegen 
war, selbst hervorgetreten und den Bauren zugeruffen, sie solten 
den Schelm von der Thüren ziehen und ihn dabey niederschlagen, 
und ob sie keine Axte hetten, die Thür damit zu öffnen. 20 
Darauf dan einer die Axt zwischen Thür und Maur eingestecket, 
dieselbe aufzubrechen. Ob nun zwar Hinrich Schröder ihn 
davon abgezogen, sind doch die andern alle zugefallen und 
haben die Thür mit (iewald aufgestoßen. Darauf sind sie 
zuerst auf die Kasten gesprungen und haben das Hausgcräht, 2 s 



/. in - Seiten: (weicht: dumahiß die Häuser oder Giebel in der Flein- 
schen Straßen beseßen. wo it/o der Herr I>. Waldschmidt wohnet) n , 
au St il: des teils gestn\ h -tt •«, teils benutzten nrsj>riinglichen Wortlauts 
welcher damahlß in der Klonischen Straßen, wo it/.o de< Herrn l.andrahts 
lSluhmcn von XeiienhofiT etc. Hauß stehet, gewöhnet. 2. dem Nach- 30 
baren in a s/,iter herül-ergeschriefren . J. Stadtcgerieht . /. er- 

wachsen: gekommen n. 6. Dilation — Gerichtstage : dilatio ad proxi- 
mam juridicam .» /<».<'■ 75- tv x. /S. Haurcn : Haußleutc(n) <i. 10. Wald- 
axten 7. //. Henrich Schröters ,t, der S'aehname auch weiter 

meistens mit t. 20. Axte . /. 2J- Hausgeraht . !. 35 

1 /he ?•<>// Uralter benutzte und '('örtlich abgeschriebene Quelle rührt 
also aus dem Jahre 1590 her ; bei der Ausführlichkeit der Darstellung kann 
die Vorlage nur die ßeschicenleschri/t der Stadt vom j. Juni sein. 

2 Mai sg. 



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1, 2 3 lJ 



1590 



141 



so an der Wand gestanden, abgenommen, darauf einen eisern 
Ofen, der vor das Loch gestanden, wodurch man aus Bartram 
Pogwischen Hause in dieses füglich kommen könte, weggcreumet, 
daß der Durchgang daselbst frey seyn köntc. Hinrich Schröder 

5 springet darauf in seine Hinterkammer, ergreiftt eine Helleparten, 
wil auf sie zu und spricht, wofern sie von disen Gewalttätig- 
keiten nicht abstehen wolten, miiste er seinen Haußfrieden so 
viel möglich verthädigen, und wan er gleich das Leben darüber 
*A '9 2 laßen solte. *Unterdeßen ist Bartram Pogwisch aus seiner Be- 

to hausung durch obgemeltes Loch, welches er durch die Maur 
hatte machen laßen (ohngeacht die Sache wegen des benach- 
barten Hauses noch rechthängig), hindurch gekommen, welcher 
die Bauren, so die Helleparten etwa gescheuet, abermahl an- 
gemahnet mit disen Worten: Schlagt zu, schlagt zu, schlagt 

is dem Schelm den Halß entzwey I item zu Hinrich Schrödern : 
»Trolle dich und lege das Ding nieder oder ich will dir den 
Halß zerbrechen!' Worauf Hinr. Schwdsr geantwortet: Ky, 
Junker, thut mir keine Gewald und last mich auch keine Ge- 
wald thun, sondern last euch am Rechten genügen! Der 

20 Junker spricht: »Ich frage die Störtensüke 1 nach den Rechten, 
du hast mich lange genug vexiret mit den Rechten!' und zu 
den Bauren, welche nicht weiter daran wolten : > Gebet mir die 
Axt, ich will sehen, wie ich mit ihm handele!« Hinrich Schröder, 
solchen Ernst sehende, wird noch mehr erhitzt und stöst immer 

25 mit der Helleparten von sich, sagende, es solte sich nur keiner 
an ihn vergreiffen ; würde solches geschehen und jemand darüber 
• nieder getroffen, möchte er seine Gefahr ausstehen, und wan er 
selbst auch sein Leben dabei einbüßen solte etc. Indem kommen 
etliche Frauen ins Hauß und bitten Hinrich Schrödern, er 

v möchte doch den Haußleuten* ihr Beginnen nicht wehren, da- 

iV. verthädigen . /. 12. rechthängig A. 1311.22. Banren : Hanl.' 

lcutc(n) ti />ag. 77. 27. er: der <«. wen er (II. S.) a. 2S. etc. : 
weren noch mehr den er in dieser Stadt verbanden, die solches seines 
Verbofiens nicht wurden ungeeifert hingehen lallen et«-. 2Q. ctli. he 

35 adeliche Kranen a /</,<•• 7S. 

1 92 Xote 6. 
* Den Bauern. 



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142 



[h 231 



mit er sich für seine Person desto weniger zu befahren haben 
möchte. l>arauf diser geantwortet, er wolte viel lieber mit 
Khren sterben, als sich dergestalt sein Haußgeräht wegreißen 
und auswertTen laßen. Hier nechst *komt des Hartram Pogwischen V- J 9J 
Sohn Henrich 1 mit einer langen Büchsen in der Hand darüber 5 
zu und spricht: > Harre, wiltu dich noch viel zur Wehre setzen, 
ich wil dich Sch." schießen, dich soll die Störtensüke rühren ! 
hält ihm darauf die Büchse aufs Leib, welche aber seine eigene 
Mutter und seines Bruders Christoffers Frau beyseite gestoßen. 
Da nun Hinrich Schröder bey solchen ungleichen gefährlichen 10 
Wehren fast den Todt vor Augen gesehen, auch die Adeliche 
und viele andere Bürgerfrauen ihn gebeten, dem Unglück zu 
entweichen, ist er endlich genötiget worden, sich von dannen 
in ein ander Hauß zu verfügen und dem Barlram Pogwischen 
seinen Willen zu laßen, welcher dan alle des Schrödern Gerähte 15 
aus dem Hause unter den bloßen Himmel werften laßen. Es 
hat auch dieser Edelman die Haußthür dergestalt feste verrigelt 
und verschloßen, daß dem Hinrich Schrödern in etlichen 'Pagen 
der Hin- und Ausgang daselbst gnug verboten gewesen. Bürger- 
meister und Raht aber haben dis Hauß wieder öfnen 3 laßen *o 

J. Haui.'geraht ./. / 6. Hier spricht: l>cs Hartrain Pogwischen 

Solni Henrich, wclclu-r auch mitlcr Zeit darni kommen, mit einer langen 
Hachsen in der Hand, spricht ,i. 7. Schelm n. S. halt . / . 

/o. Schröder ./. jo. latten: heißen a pag. jg. 

1 Später auf Döhnsdorf: Jahrb. IX, 451 ; Seestern-Pauly, Beiträge IJ, 25 
(/>, roj. 2 Sehe hu. 

:l Dieses Vor geh en des Rats erklärte Hartram Pogunsch für einen 
(j'cronttaht, für den der Rat bestraft loerden sollte ! Siehe die Rechnung des 
Syndieus Suiton Heinrich von 1603 SeN. 9 ( Schlesinger Staatsarchiv A AVA* 
f>rtr,<. tir. 459), /■ ir- -i2> : Inn Sachen, so Bertram Powisch, itzt zur 3° 
Schonhorst, damahls aber zum Ilagen und Dobberßdorff Frbseßenn, wider 
einen F.. Kaht angefangen wegen des Hauses in der Fleemischen Straßen 
alhie, so Heinrich Schröter ihme verkauft, in welchen Kauff aber Flias 
Wolder und die andernn lilucdtfreunde nicht consentiern, noch solchenn 
ihnen unwißend geschehnen Kauff einreumen wollen etc., hab ich auf seine 35 
Bertram l'owischen wider einen F. Kaht u berge benc undlerschiedene Pro- 
ducta, worinnen er sie an demselben Hause begangener gewaltsamen Figen- 
theeiligkeit beschuldigt und sie dahero mit ernster Straffe zu beieggen in 
stendig gesucht, des F. Rahts Notdurffte auf ihr Ansuchen auch gefertigt etc. 



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I, 231233] 



i59o 



143 



und Hinrich Schrödern sein Gcrähte wieder hinein zu setzen 
erlaubet, biß er vermittelst ordentlichen Rechtspruches daraus 
gesetzet und Bartram Pogwisch darein gewisen werden wolte. 1 

*/■ 19S *Anno 1 590 am Montage- nach dem Fest Trinitatis hat eine 232 

5 alte graue Adelsperson, Friedrich Broktorf 3 der Fitere, den Bürger- 
meister Paul Töken durch einen Jungen in die Kirche St. Nicolai 
zu sich bescheiden, Unterredung mit ihm zu pflegen. Als nun 
der alte Bürgermeister hirin gewilliget und sich zu einer solchen 
grauen Adelsperson nichts Böses versiehet, sondern zu ihm 
« gehet, sein Anbringen höret- und darauf zur Antwort giebet, er 
könne für seine Person allein hirüber keine schließliche Resolution 
crtheilen, weil es dem Rahte erst müste vorgetragen werden, 
er wolte, da es selben Abends fast späht fallen würde, zu dem 
Ende morgendes Tages früh um 7 Uhr den Raht zusammen 
15 fodern und es demselben berichten etc. Darauf hat diser vom 
Adel ohne alle ihm gegebene Ursache und alle Schuld dem 
Bürgermeister gewaltsamer Weise in seinen grauen Bahrt ge- 
griffen und zum Theil ausgeraufft. Kr hette denselben woll 

*/• 199 gar weggerißen, wofern der Bürgermeister nicht sofort ^seinen 
20 Bahrt mit der Hand oben angefaßet und dadurch des Broktorffen 
Vornehmen gehindert hette. Worauf dieser Edclman unter 
vielem erschröklichen Fluchen, auch harten Scheit- und Dreu- 
worten, davon gangen und auf einen Wagen, der albereit fertig 
gestanden, eiligst weggefahren. 
25 Anno 1590 den 9. Junj, als in des alten Matthies Kornaps 233 

4. Rundglosst' in a : Xu/r Suppl. an Herzog Philipscn, am Mitwochen 
nach dem Fest Trinitatis datirt Anno 1590. 22. erschröklichen . /. 

1 Das Schossregister 1J9S '96 Hds. p.31 führt Hinrich Schröder als 
Besitzer des Hauses auf. Siehe auch S. joj 2 (,. 
30 2 Juni /J. 

8 Amtmann zu Steinhorst 1564 — /J7 / > ni A'iel in der Flämischen 
Strasse nr. rj ansässig. Als der Altere ~<vird er bezeichnet zum Unterschiede 
von dem jüngeren Friedrich B. auf Bürau und Bossee. Da unser Friedrich 
in obiger Darstellung -wie in den Akten ein alter, ergrauter Mann genannt 
35 -wird (Libellus a/>/>eltatorius A'iel contra Heihoig von Ahtefeld lfds. f. 67 j, 
so muss er vor fjjj geboren sein, das als ungefähres Geburtsjahr von Gay 
Graf von Brockdorff in Zeit sehr. -W, JS° angegeben '.oird. 



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144 



i590 



[I, 233 



Behausung 1 (itzo das Depenauer Hauß) folgende gute Freunde 
und Gäste geseßen, nemlich Mag. Simon Brandes, der 
Kirchen zu Bordisholm Pastor, auch der Fürstlichen Schulen 
daselbst Rcctor-, Herr Joachim Wolter, der Kielischen Gemeine 
Diaconus*, dan auch des alten Cornaps 3 Söhne, Mag. 5 
Nicolaus, der Kielischen Schulen Rector 4 , und Peter Sebastian' 1 
und Joh. Mauritius, dieser Schulen Cantor' 5 , kommt ein Junger 
vom Adel, Hanß Pentz 7 , Baltzers Sohn von Oldesloh, welcher 
mit etlichen andern Adelspersonen in einem Hause gegenüber 

/. I Depenauer Hanl') ist in <t /<i^ r . i?o Randglosse. J. zum Bordes- 10 
hulin o. j. Sohne .1. 6. Pctcr Sebastian Kornap a pag. Si, da- 
zu Rnndglosssc : unten in der Holstcnstr. wohnend. 

1 Holstenstrasse tir. Ii: Kieler Ilebuugsregisler Ij6j — fJ7^ litis, 
f. 6>- z. J. ijfij, Hausbesitzerliste IJJJ nr. t), Schossregister IJ7^ — f J79 
litis, f. 2>\ Jj r , ^4 r . Das Haus war zu Kremers Zeit im Besitze der Erben 15 
iles Detleff Brackdorff zu Rixdorf und Depenau und liiess deshalb das De- 
penauer Haus. 

• Coronaeus bei H'estphalen II, 604; (Noodt), Bordesholmisehe Merk- 
Würdigkeiten, S. iS, 34. 8 ijS6^ijg4. 

4 ijSS — ijqf). Magister Xieolaus wohnte schossfrei in der Hass- 20 
Strasse: Schossregister IJ<?J Ilds. p. 20. 

'•' Bremer Jas st die beiden Xamen als Doppelnamen des zweiten Sohnes 
auf, der weiter in der Erzählung Sebastian (Bastian) genannt wird. So 
kommt es, dass Bremer hier den Cantor Johann Mauritius zum dritten 
Sohne des Matthias Kornap macht und infolge dessen wiederum bei Schwarze- 25 
Echse S. 1S1 und bei Eick S. 112 Johann Mauritius Karnap, Bruder des 
Reetors Xieolaus Karnap, als Cantor figuriert. In Wirklichkeit aber siml 
Peter und Sebastian von einander zu trennen und -werden die drei Söhne 
durch Xieolaus, Beter und Sebastian repräsentiert. Das Schossregister ijgjig6 
litis, p. j zählt Peter Kornap in der Holstcnstrasse neben dem ehemaligen 3Q 
Hause seines raters und Ilds. p. jj Bastian Kornap in Catarina Jonas huse 
/'// der Schuhmacherstrasse auf (ijqo, zur Zeit unserer Erzählung, -wohnte 
letzterer noch bei den Eltern ). Johann Mauritius aber als vierten Sohn des 
Matthias Karnap anzusehen, ist schon dadurch unmöglich, dass die Angabe 
der Dreizahl nicht von Bremer herrührt, sondern sieh bereits in seiner 35 
Quelle vorfindet (vgl. Schleswiger Staatsarehiv A I nr. iqö f. 142). 
Joh. Mauritius hat verwandtschaftlich mit den Karnaps nichts zu thttn, der 
ihm beigelegte Familienname Karnap ist zu tilgen. Richtig führt Bremer 
im Anhange zur Chronik unier den Cantoren unsertr Johannes Mauritius 
ohne irgendwelchen Beinamen auf. 4 o 

Ü ijSQ — IJQ2. " S. Ij6. 



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Ii 233] 



1589 



145 



im Gelage geseßen und gezechet, mit 2 Gläser Wein zu sie 
hineingegangen und trinket dem jungen Gesellen Sebastian 
Cornap eins zu. Indem er aber daselbst am Fenster eine Cither 
hangen siehet, spricht er disen Cornappen darum an. Dieser 

5 aber excusiret sich, er dörflfte sie nicht ausleihen, weil sie einem 
Fremden zugehörete, sie were auch ohne das nicht woll bezogen 
und also unbrauchbar. Der Edelman wird hirüber ungedultig, 
fähret den Kornappen mit unzüchtigen harten Worten an, darüber 
des Kornappen alte Mutter, eine ehrliebende gottesfürchtige 

10 Frau zukommt und will den Kdelman besänftigen, gehet bey 
der Stubenthür zu ihm und klopfet ihm auf die Achsel, sagende: 
*/■ 200 »Ach, mein lieber Junkher, *gebet euch doch zufrieden und irret 
diese guten Leute, so drinnen sind, in ihrer Geselschafft nicht!« 
Dieser freundlichen Vermahnung ungeachtet, stoßet er sie nicht 

t 5 allein von sich, sondern schlägt sie auch mit der Faust der- 
maßen ins Gesicht, daß ihr das linke Auge von solchem Schlage 
sehr aufgeschwollen, auch braun und blau geworden, welches 
dan diser guten Frauen auch daher desto schmertzlicher, weil 
sie daßelbe Auge, womit sie etliche Jahr vorhin nicht' hat 

20 sehen können, im nechstabgelauffenen 1 Jahre durch einen Oculisten 
hatte schneiden und curiren laßen und dadurch ihr verlohrnes 
Gesicht etlichermaßen wieder erlanget; denn sie sich besorget 2 , 
daß sie durch diesen Schlag ihr Gesichte gentzlich wieder 
verliehren möchte. Hanß Pentz aber hat es bey disem nicht 

35 bleiben laßen, sondern laufft wieder hinüber nach seinem 
vorigen Gelage, da er vorhin geseßen, und kommt bald mit 
seiner Wehre wieder zurück, fodert den Sebastian heraus und 
schlägt die Stubenfenster ein, Sebastian aber wird dasmahl 
von seinen Kitern und andern guten Freunden zurück gehalten. 
Ks sind auch bei diser Beschaffenheit etliche andre Adelspersonen 
zugetreten, die den Hans Pentzen von der Thüren abgezogen, 

Kornap a, nuch weiter stets mit K. 14. Ermahnung <r Pag. S2. 

ij. sehr : übel a. 29. andern — Freunden : denen andern guten 

Leuten a f>ag. Sj. zurück A. 31. zugelaufen a. 

1 Wortlaut aus der am to. Juni ijqo nach der T/tat eingereichten 
Bestlnserdeschrift der Stadt. 

IO 



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146 



1589 



[I. 233-234 



auch einen und andern gebeten, an sich zu halten. Es hetten 
sich also die Söhne woll zufrieden gegeben, in Hofnung, es 
würde dabey gebliben seyn. Es kommt aber Hans Pentz des 
folgenden Morgens üm 4 Uhr mit einem Hoveknecht vor des 
Cornaps Thür und klopfet an. Auf Nachfrage der Magd, wer 5 
da were, gibt er mit kleiner und verstelter Stimme zur Antwort, 
es were ein guter Freund da, *sie solte nur aufmachen, wodurch *A 201 
die Magd verführt ihn eingelaßen. Er gehet sofort mit bloßem 
Gewehr auf des alten Kornaps Bette zu, schlägt die Decke 
auf und spricht: > Bastian Kornap, bistu hirr« Der alte Vater »o 
antwortet: Nein, mein Sohn ist alhir nicht vorhanden, sondern 
ich habe mit meiner Haußfrauen, die ihr übel gnug zugerichtet, 
meine Schlafstete alhir, wie ihr sehen könnet!« Darauf Hans 
Pentz geantwortet: Hette ich deinen Sohn alhir bey dir an- 
getroffen, solte er sein Leben gelaßen haben!« Er suchet 15 
darauf nebst dem Knechte den Bastian allenthalben im Hause, 
biß sie endlich oben vor seine Schlafkammer kommen und 
hart anpochen, die Fenster einschlagen und Sebastian mit vielen 
Scheit- und Drohworten heraus fodern, welcher vor erst viele 
gute Worte gegeben, endlich aber geantwortet: »Wans dan ja 20 
nicht anders seyn soll, so will ich dir bald kommen, verziehe 
nur ein wenig ! «. Sebastian ergreifft hirauf eine lange Büchse, 
stost sie durchs Fenster. Hanß Pentz aber und sein Knecht, 
solches sehende, machen sich sofort von der Treppen wieder 
herunter und gehen ihres Weges. 1 35 
2:14 Otto Rantzow, Pauls zum Bohtkamp Sohn und Melchiors 

zu Frlewat Erbgescßen Bruder, hat cinsmahls 4 Rahtspersonen 
die Fenster gewaldsamer Weise ausgeschlagen, auch des einen 
seine Frau, welche schweren Leibes gangen und den vorigen 

2. Sohne .1. j. Diesem aber zugegen kommt a. 6. vcrstcitcr : ^ 0 

gelinder a. 16. Sebastian a fing. S4. 19-20. welcher — gegeben fehlt a. 
2j. Schtussgloxse in ti : Wide Supplic. an Hertzog Phil//«*« den 10. Jun. 
1590. 26. Melchior A. 26-27. und Melchiors — Bruder in a 

Pag. Sj später hinzugefügt. 

1 Vgl. zum ganzen Berichte die Vorstellung Kiels an Herzog Johann 35 
Adolph IS93 Aug. 10 Hds. f. //j und Lihellus appellatorius Kiel contra 
Heilung von Ahlefeld Hds. f. 78, artt. 44 47. 



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I, 234 236] 



1589—1590 



147 



Morgen erst verlöset, in ihrem Kindbette nicht verschonet, sondern 
es hat sein Führnehmen dennoch müßen vor sich gehen. 
V- 202 *Nöch hat dieser vom Adel den I^andgerichtsnotarium 235 
JohannemHintzen 1 auf freyerStraßen ohne alle Ursache angefallen 

5 und geschlagen, daß er hat, andre große Gefährligkeit zu ver- 
meiden, die Flucht in eines Bürgers Hauß nehmen müßen. 

Anno 1 590 den 1 6. Jun., als IhrFürstl. Gnaden die Herzogin 2M 
Christina samt dem jungen Hern, Herrn Herzog Philippen, und 
jungen Freulein alhir zum Kiel auf dem Schloß zugegen gewesen, 

TO haben 2 vom Adel, nemlich Hans Pentz 2 von Oldesloh und 
Melchior Rantzow, Pauls Sohn zu Krlewat, mit Fenstereinschlagen 
und Schießen 8 in dieser Stadt große Gewald geübet und weil 
man eine gefährliche Conspiration* wieder die Bürger besorget, 
hat man etwa üm 10 Uhr Abends die Sturmklocke ziehen 

'5 laßen 5 und dadurch die Bürger aufs Markt gefodert, üm sich 
zu vereinigen 6 , was mit solchen Thätern flirzunehmen. Als nun 
Bürgermeister und Raht, auch sonst ein jeder, darauf sich aufs 

6. Hauß gar nahe dabey a. 7. Randglosse itt a fag. SS : Vide 

Suppl. an die verwitwete Herzogin Christina am Mitwochen post festum 
50 Trinitatis 1590, item an Herzog Phüipsen sub codem dato. 10. a fügt 

hinzu: Kaitzers Sohn. /J. gefahrliche A. ij. laßen: müßen n. 
ib. Thatcrn A. 

1 S. q8 32 , 12g 2S. Er wohnte in der Flämischen Strasse: Schoss- 
register /jgj / q6 Hds. p. ji. 

25 1 Nach den uns erhaltenen Akten beteiligte sich Hans Pentz an den 

Vorgängen erst am Abend nach dem Läuten der Sturmglocke. Unter den 
Genossen Melchior Rantzaus wird Wulff von Ahlefeld (S. 764), der Stief- 
sohn der Heilwig v. A., genannt. 

* Es wird wohl das Tragen geladener Röhren gemeldet, aber nicht, 

30 dass damit bereits bei diesem ersten Tumulte ernstlich geschossen wurde. 
Statt Schiessen ist genauer Stechen zu setzen. Über die beiden von Melchior 
Rantzau am 16. funi begangenen Ausschreitungen siehe die Vorstellung Kiels 
an Herzog Joh. Adolph Hds. f. /0410s und Lib. app. Kiel contra Heilwig 
von Ahlefeld Hds. f. 81-82, artt. 37-61. Vgl. weiter Bremer § 270. 

35 4 Melchior Rantzau hatte sich geäussert, er werde noch an demselben 

Abend oder in der Nacht mit seinen Gefährten weiter » KurtzweiU treiben. 
Sein tumultuarisches Auftreten war die Antwort auf die vom Rate vorge- 
nommene » Verstrickung* des Hans Peutz (siehe weiter S. 14S Note 2). 
5 Auf Beschluss des in Eile versammelten Rats. 

40 ö Um sich einig zu werden. 

10* 



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148 



159° 



[I. 2 3 6 



Markt begeben, ist auch ein alter grauer Bürger, Nahmens Peter 
Keye 1 , (welcher mit den andern sobald nicht fortkommen können) 
aus der Schumacherstraßen biß an die Kcke der Holstenstraße 
nachgegangen. Kr wird aber daselbst von 3 vom Adel, [darunter 
HansPentz,[^//]geachtvorhingegebe!wr]Handtreue !! ,mit[^j\vesen, 5 
angerant mit disen Worten: »Du, alter Schelm, solt der erste 
seyn ! « Wie nun der vorderste disem alten Bürger die bloße 
Wehre geboten, zu ihm eingehauen und gestochen, hat diser 
Alte ihm die Spitze seines Knebelspießes, welchen er in der 
Faust hatte, wiederum zugehalten. Weil er aber als von dreyen 1« 
übermannet war, weichet *er immer zurück nach dem Markt und */• 
schützet sich mit seinem Spieße so viel möglich, biß vor Anna 
Telemans Buden 3 , da ihn andre Mitbürger in Schutz nehmen. 
Wie nun von der Holstenstraße her von denen Adelichen oder 
deren Dienern eine Büchse auf unsre aufm Markt stehende 15 
Bürger loßgeschoßen worden, haben die Bürger dahin mit etlichen 

2. welcher : welcher zwischen dem Fischer und Flemschen Thor gewohnet 
und a pag. Sq. 4. nachgegangen: gangen a. 4-j. darunter — 

gewesen ffhlt a. in A von Bremer später am Rande eingefügt. Die 
eingeklammerten Buchstaben wurden vom Buchbinder abgeschnitten. 20 
S. zu — gestochen fehlt a. 10. Als er aber nur allein von disen 3 a. 
u-iö. bis — die Bürger : Wie er nun also vor Anna Telemans Buden 
keimt, schreyet er seine Mitbürger, daselbst stehende, um Hülfe an mit 
diesen Worten : »Lieben Mitbürger, stehet itzo feste bey !« etc. Darauf 
etliche der Bürger herzu springen und entsezen diesen ihren alten Mit- 2 - 
bürger. Als aber einer, so etwas weit hinter den Adelichen hergangen, 
auf unsre Bürger eine Büchse lot'gcschoiJen, haben unsre Bürger a 
pag. $q-qo. 

1 Das Schossregister IJ9S i 9^ JMs. />■ 3 2 nennt bereits seine Witwe; 
die Wohnung lag bei der Mauer zwischen dem Fischer- und Flämischen Thor. 30 

s Infolge der im § 2jj berichteten Gewaltthal des Hans Peutz vom 
Q. Juni hatte ihn der Rat durch Abnahme der Hand und des Ehrenwortes 
verpflichtet, bis der Bescheid über das Verfahren gegen ihn vom //erzöge 
käme, die Stadt nicht zu verlassen und sich gegen deren Iii moohner friedlich 
zu verhalten : Vorstellung Kiels an Herzog Joh. Adolph Hds. f 114 und 3 s 
/Jb. app. Kiel contra Heilwig von Ahlefeld Hds. f. So St , artt. J4S^- 
einer solchen » Faust 'nähme < war der Rat bereits in einem früheren Falle 
(gegen Otto Rantzau, Bruder des Melchior) von //erzog Adolph /. aufgefor- 
dert 'worden : siehe in der Beilage aus dem Schlesioiger Staatsarchiv A / 
nr. 196 f. 12 ij das //erzogliche Schreiben von ijSj .\\r t \ //. 40 

8 S. 119 Aote J. 



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I 



1.236] I5QO 149 

Schüßen geantwortet, worüber 2 von den Adelichen, nemlich 
der Fiirstl. Witwen unser gnedigen I.andesfürstin und Frauen 
damahlige Hofjunkem, als Kineke Rantzow und Detlef Srhacke, 
in der Frau Hcilwig* von Ahlefeldtcn Behausung 2 in der Hol- 

5 stenstraßen, woselbst sie vorhin beysammen gewesen, entwichen 
und, da etliche Bürger ihnen nachgeeilet, ist die Haußthiir schon 
verschloßen gewesen, aber doch ein Schuß zu ihnen herausgetahn 
worden, darüber die Bürger noch mehr erhitzet die Fenster des 
Hauses eingeschlagen. 8 Der dritte von disen Kdelleuten, Nahmens 

»" Hans Pentz, der in der Seiten gefährlich getroffen worden 1 , hat 
seinen Lauf nach der Rosenstraße in eines Beckers 5 Hauß ge- 
nommen, woselbst er einer Magd, die bey der Wiegen geseßen, 
eine große Wunde in den Arm gehauen. Diesen hat Bürger- 
meister und Raht in ihre (iewarsam nehmen und biß zu Ihr Fiirstl. 



»5 /-J. nemlich — Schuckc fehlt <t. J. woselbst -- gewesen fehlt a. 

6 g. und — eingeschlagen fehlt ,i. n. in — Hauß frhlt a. 

12-13. woselbst — gehauen fehlt a. 

1 Witwe des Moritz von Ahlefeld (S. 76 Xote 7, Zeitschr. XXV, 227). 
Letzterer starb fjSS, wie das Kieler Kirchenregister dieses Jahres bezeugt . 
30 Dein edlen und ernll'esien Moritz van Alfcldc nageludt worden 46 puls, 
ider puls der kercken Ii 3, is 31 \. 

* Auf der rechten Seile der Holstenstrasse, heute nr. 10. 

* Auch sonst wurden Beschädigungen am und im Ifause durch Kugeln 
und Steine angerichtet. Siehe in der Beilage das Xotariatsinstrument über 

25 den Zustand des Hauses von 1390 Juli 6. Den entstandenen Schaden be- 
rechnete die Stadt auf höchstens 10 Thaler, wahrend Hcilwig von . Ihlefeld 
für Schimpf und Schaden nicht weniger als Aooo Thaler ausser den Ge- 
richtskosten "'erlangte. I her den Prozess siehe 'weiter die Beilage, sowie die 
Mitteilungen Brinkmanns in Jahrb. f. d. Landeskunde 1 , 16g ff . (in Brinkmanns 

3» Buch ii Aus dem deutschen Rechtsleben S. 220 ff.) 

4 Auch Ameke Rantzau und Schacke hatten Venoundungeu erhalten, 
jedoch keine gefährliche. 

5 Hieronymus Roß Iheronhnus Roß, Ruß) in der Rosenstrasse nr. 11 : 
Hebungsregisler 13^3— 1376 Hds. f. 8' z. J. /56s, Hausbesitzerliste 1373 

35 nr. 34, Schossregisler t57 ( >—'579 H*ls> f J r , S^ r , 6jr. Das Haus ist seit 
'554 in seinem Besitz : Erbebuch nr. 1S27 Jeronhnus Hekker ), 1834 (Jeronimus 
Rost anders genometh Hekker;, 1877. Im Schossregister /J95 ; V> SM"- 
p. 12 -wird seine Wiftoe genannt. 



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150 



1590 



[I. 236-237 



Gnaden weitere Verfügung anhalten laßen. 1 Die Stadtthöre sind 
hirauf eine Zeit lang 2 geschloßen und nebst den Gassen mit 
nötiger Wache besetzet, auch einige vom Adel, so sich des 
folgenden Tages wieder vor den Thoren angemeldet, abgewisen 
worden. Der verwundete Hanß Pentz ist den io. Jul. 3 darauf s 
gestorben. 1 

*Anno 1590 den 21. Junj hat Otto Rantzow, Pauls Sohn *A 208 
zum Botkamp, einen alten Bürger, Detlef Dreyem 5 , außerhalb 
der Stadt am Kuhberge nicht weit vom Galgenteich, dar er 
seine 2 Pferde in die Tränke jagen wollen, angetroffen, indem 10 
diser vom Adel in einer Kutschen zu jagen kommen und disem 
alten Man zugeruffen : »Hörestu Kerl, bistu nicht auch von den 
Kielischen S. 6 einer?« Als aber dieser Alte sich stellet, als hörte 

J-j. auch — worden später in a am Rande eingefügt mit dem Zusatz ; 
Wide in dicta Suppl. an Herzog Philipsen. 7. Randglosse in a 15 

pag. 85 : Vide Suppl. an Herzog Philipsen vom 2a.Jun. 1590. 9. dar: 
alda a. 12. Horestu . /. 13. Kielischen Schelmen a pag. 86. 

1 //// Gewahrsam unter Bewachung befand sich Hans Pentz nur 
ganz kurze Zeit; nach seiner Freilassung blieb er indess nach wie vor ■»ver- 
stricht*. Am 23. Juni infolge des Vertrages (§ 23 8) hörte auch dieser 20 
Stadtarrest auf. * Bis zum 23. Juni. 

8 Sogar die Todesstunde, Nachmittags 2 Uhr, ist überliefert. 

4 Zu Bremers Bericht über die Vorgänge am Abend des 16. Juni 
und über den späteren Tod des Peutz -siehe die von einander aMoeichenden 
Darstellungen Kiels und der Gebrüder Pentz in den verschiedenen Prozess- a5 
Schriften. Vergl. auch die kurze Nachricht bei Jonas ab Elvervelt, De 
ffolsatia (Hamburg 1592), ßl. Q S v •' Anno Christi 1590 Johannes Pensius, 
Balthasar! filius et liberalium artium Studiosus, turbis quibusdam in urbe 
Chilonea excitalis vulneribus aliquot a civibus aeeeptis post aliquot dies 
interiit ; daraus Angelus, Holsteinische Chronica /, 88; Lambert Alardus 30 
bei IVestphalen I, IQS9 > Coronaeus- Petersen S. H. 146 p. 7 nr. 46 z. J. ijgo 
(Wilhelmi Hds. p. 18 nr. 48, Noodt S. H. 148 p. 44) : Hanß Pentze, 
Balthasars Sohn, hat zum Kiel einen Hauffen Muthwillen gegen die Bürger 
verübet, darüber ein großer Tumult entstanden, sodaß die Bürger zur Wehre 
gegriffen und Hans Pentzen mit vielen Wunden todt geschlagen. Die 35 
Noodt- //dss. haben das Jahr /j88, jedoch verweist schon in S. H.380A 

p. 24 die Randglosse auf das richtige Jahr bei Angelus. 

5 Dethlofif (Detleff) Dreier, in der Vorstadt auf der rechten Seite 
ansässig: Kieler Schossregister ijy6—/jjg Hds. f 14^, 46', 76', /jcjj/gö 
Hds. p. 9. Er warder Vater des Cantors Johannes Dreyer (1599 — 1602). 4t > 

rt Schelmen. 



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1.237] 1590 1^1 

ers nicht und vor sich weggangen, schreyet jener abermahl : 
»Hörstu Kerl, komme her, ich will dir etwas sagen!« Wie nun 
der Alte gleichwoll fortgangen, sagt der vom Adel: »Nun wollan, 
wiltu zu mir nicht kommen, so muß ich zu dir kommen! , 
5 springet darauf vom Wagen, laufft dem alten Man nach mit 
aufgehabenem Spieße. Der Alte bittet ihn, um Gottes willen 
seiner zu schonen, er hette ihm ja kein Leid getahn, dergleichen 
*/• ^°0dan des Kdelmans Gefehrten *auf dem Wagen auch zu ihm ge- 
sprochen. Der Alte indeßen sehet sich um und will sich (um 

io etwas sicherer zu seyn, als auf räumen Felde) in einer Lehm- 
grube daselbst verbergen. Otto Rantzow dreuet ihm dennoch 
mit dem Spieße, sagende: »Du bist doch der Kilisehen S. 1 
einer? Bistu auch neben den andern Bürgern mit auf der 
Wache 2 gewesen?' Der Alte antwortet, er were ja ein alter 

i S Man, der durch Krankheit übel abgeschwächet und also zu 
solchem Dinge wenig nutz, bittet ihn üm Gottes willen, er möge 
ihm doch kein Leid thun, es were ihm ja nichtes damit ge- 
dienet, wen er ihn gleich zum Krüppel machte oder gar iims 
Leben brächte. Darauf Otto Rantzm' geantwortet: »Ey, du 

20 must doch ein Wahrzeichen davon tragen, halte mir den Bahrt 
her!« Wie aber der Alte sich deßen gewegert, faßet er ihn 
beim Kragen seines Roks, ziehet ihn zu sich und greifft mit 
der andern Hand ihm ein mahl oder 12 in den Bahrt, reißet 
auch ein gut Theil herauß, hälts in die Höhe und zeiget es seinen 

35 Gefährten und spricht: Sehet, hir hab ich weiß und schwartz 3 ! 
Und wan diser Edelman keine Händschen angehabt, hette er 
dem alten Man den Bahrt gantz ausgeraufft. Kr spricht endlich 
zu dem Alten: ^Gehe nun deiner Wege vor dißmahl ! < und 
fahret darauf von dannen nach den Stadtholtze, woselbst er 

30 einige Dienstmägde, welche die Kühe gemolken, angetroffen 

S. auf dem Wagen ftklt a. Q. gesprochen, er mochte den armen 

Kerl doch unangefochten laßen u. 24. Hohe ./. 26. Hänichen 

rt pag. S7. 

1 Schelme. 

35 a Bei der- Versammlung der Bürger auf dem Markte am Abend des 

16. Juni: S. 147 , 5 . 

* Anspielung auf Idau utul traun. 



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152 



1590 



[1, 237-238 



und sie gefraget, ob welche unter ihnen, so denen Rahtspcrsonen 
zustünden, mit denselben wolte er *haußhalten. Als sie ihm */■ 210 
aber allerhand gute Worte gegeben, ist er weggefahren. 
238 Anno 1 590 den 23. Junj ist wegen Hans Pentzen auf beyder- 

seits geschehene Unterhandlung zwischen Melchior Rantzow 1 s 
an einem und der Stadt Kiel am andern Theil mit Vorwißen 
und Consens Ihr Fürstl. Gnaden Hertzog Philips und in Bey- 
scin des Fürstl. Cammer-Secretarij Johann Kulemanns die Sache 
gäntzlich abgetahn und der beliebte Vergleich 2 von 9 adelichen 
Personen untersiegelt und unterschriben worden. In welcher 10 
Abhandlung unter andern auch dieses enthalten: »sich an 
Gleich und Recht begnügen zu laßen und außerhalb dcßelbigen 
niemanden, er sei wer er wolle, zu beleidigen, so wenig mit 
Worten als Werckcn, entweder durch sich noch auch durch 
andere etc. etc.« Nichts desto weniger hat des Hans Pentzen *s 
Vater Balzer Pentz, zu Oldesloh seßhaflft, ein solches gentzlich 
in Vcrgeßenheit gcstellet, indem er in denen Begräbnisbriefen, 
so wegen seines Sohnes hin und wieder in diesen Fürsten- 
thümern ausgeschriben worden, Bürgermeister und Raht und 

g. beliebte ft'hlt a Pag. Qi. Q. Kanttgiossf in a : Xide Suppl. an 20 

Herzog Philipsen vom 16. Jul. 1590, item vom 29. Aug. ejusdem. 

16. Baltzer n. 17. Randglosse in a : Vit/r litera* Senatus an den 

Amtman Hans ßluhmcn vom 20. Aug. 1590. 

1 Melchior Rantzau 7oar seit dem Tumulte in der Xacht des 16 17 
Juni im Hause des Ch>c Rantzau (Schlossstrasse nr. 1). Dort musstc er 25 
bleiben, da das Haus von bewaffneten Bürgern beioacht wurde. Die Ein- 
Schliessung dauerte bis zum obigen Vertrage vom 23. Juni, durch den 
Peutz und Rantzau ihre völlige Bewegungsfreiheit wieder erhielten. 

a Siehe den Wortlaut dieser sogenannten » Veranlassung-! in der 
Beilage aus dem Schleswiger Staatsarchiv A 1 nr. 194 f. 32— 34. Wie 30 
Bremer richtig angiebt, wurde die Urkunde von neun Adeligen unter- 
schrieben. An den Verhamtlungen beteiligte sich noch als zehnter : Christoffer 
Rantzau zu Quarnbek , der jedoch nicht mit unterschrieb. Ebenso fehlt die 
Unterschrift des Kieler Rats, der überhaupt den Vertrag, weit er ohne des 
Rats Zustimmung vorzeitig niedergeschrieben war, nicht als 7'ollgültig au- 35 
erkannte. Uber des Rats Stellung zum Vertrage siehe die am 27. Se/>t. 
/jcjj in Speier produzierte Replik Kiels contra Heilwig v. Ahlefeld im 
Schleswiger Staatsarchiv A I nr. 194 f. i/o in. 



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T, 238-240] 



'59° 



die Bürger in Kiel für Mörder und S. 1 gescholten und mit 
vielen andern unleidlichen Diffamationen angegriffen, welches 
dan Bürgermeister und Raht abermahl nach Hofe klagen 2 müßen. 
Ködern im Anfange des Augusti hat Otto Rantzow einen 
5 Kielischcn Bürger, Nahmens Matthies Boye, binnen Kckernförde 
angetroffen, denselben mit der bloßen Wehre verfolget und, da 
nicht des Herrn Hans Blomen, Königl. Maytt. zu Dannemark 
*p. 3/1 Rahts, Latjuey ihn angesprochen und gesagt, er möchte *doch 
an sich halten, dieser Man führte seines Junkern (iut und were 
10 kein Kieler, sondern wohnete in der Braunsen weig n , hette er 
ihn woll zerhauen und erstochen. Otto Ran/sorc hat disem 
Laqueyen geantwortet: Ich habe gemeinet, er were ein Kieler 
gewesen. Wan ich gewiß wüste, daß es einer were, ihm soltc 
diß und.jenes ankommen, er soltc von mir zu sagen wißen etc. 
15 In dcmselbigen Monaht 1 an dem Freytage, da des Hans 240 

Pentzen Leiche weggebracht worden, ist ein Kielischer Bürger 

/. Schelme etc. a. 4. Randglosse in a fing, qj : Xide Suppl. an die 
verwitwete Herzogin L'hristina den 22. Aug. 159c« in fine. 14. und 

woltc ich dcrmaUcn mit ihm hauL'haltcn, er soltc davon zu sagen wiL'u-u 
;u etc. a. /J. Randglosse in a : X idc Suppl. an Herzog Philipscn, qtiac 

iinmediate sequitur post illam vom 29. Aug. 1590. 1590 im Aug. a. 

1 Schelme. Vgl. die Vorstellung Kiels an Herzog Johann Adolph 
/Iiis. f 97. 

8 Supplik vom 29. August. Den darauf erfolgten Hescheld des 

•»5 //erzogs /'hiiipp vom 2. Sept. siehe in der Beilage aus dem Sehlestviger 
Staatsarchiv A I nr. iq6 f. /j.-ij>. ( m den seitens des Haitzer Peutz und 
der atuieren Adligen hei Abholung der Leiche des //ans- Peutz befürchteten 
Gewallt hütigkeiten vorzubeugen, wandte sich der k'ieler A'at nicht nur mit 
der enoähnten Supplik an den //erzog, sondern bereits vorher am 20. . lug. 

3«-> an den A'gt. A'at und . Imtmann //ans Hlome und am 22. Aug. an die 
Herzogin- Witwe Christine. Die letzten Pelden schrieben infolge dessen an 
Haitzer Peutz und Henning Pogwisch und ermahnten sie unter Vcnceisung 
auf den Vertrag vom 2J. Juni zum Frieden. 

8 /n Wirklichkeit wohnte Mathias Hoie, wenigstens j Jahre spüle r. 

35 /'// A'iel in der A'uterstrasse : Schossregister /J9S 9^ Hds. p. ij. 

* Die A/onatsaugabe ist falsch. Die /.eiche des //aus Peutz wurde 
am Freitag, den ri. Sept., aus A'iel abgeholt, nachdem zinor die Anzahl 
der von Haitzer Peutz mitzubringenden Person n durch Verabredung des 
Rates mit Hans Hlome festgestellt -war. Für den Fall eines trotzdem ein- 

4 U tretenden Aufruhrs hatte //erzog Philipp durch Schreiben vom 6. Sept. (in 



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154 



»590 



[I, 240-241 



Hanß Rosentrit 1 mit seiner Haußfraticn und ihrer Schwester 
(so an den Herrn Petro Strainmelio des Jungfrauen-Klosters 2 
zu Schleswig Pastoren 3 verchliget gewesen und ihre Schwester 
alhir besuchet) vor der Stadt nicht weit vom Galgenteich auf 
einem Garten gewesen. Wie nun diser Bürger nebst seinem 5 
Jungen wieder nach Hause gehen will, seine Frau aber mit 
ihrer Schwester und den Kindern noch zurück im Garten 
bleiben, kommt ihm unversehens ein Hoveknecht zu Pferde 
mit einer Büchsen im Sattel aus der Stadt daher gerant und 
drückt daselbst vor dem Garten sein Gewehr auf diesen Bürger «o 
loß, daß ihm der Rauch des Pulvers unters Gesicht gefahren, 
und reitet nach dem Galgentheichsdamm zu. Wie er aber im 
Rücksehen merket, daß er fehl geschoßen, indem der Bürger 
noch da gestanden, ladet er die Büchse wieder und wendet 
sich zurück. Der Bürger, solches merkende, eilet wieder in den >5 
Garten und schlägt die Thür hinter sich zu. Der Hoveknecht 
schießet zum andern Mahl nach ihn und zwar über den Zaun, 
daß auch das Bley einem andern Bürger übern Kopf geflogen. 
Darauf rennet der Knecht davon. 

* , Anno 1590 den 12. Aug. komt Achatius Machau, ein 20 

V- 

/. Hans Rosenlritt (welcher unten bey der Mauren zwischen dem Schu- 
macher und Holstenthor gewohnet) a. 4. vor -- Galgenteich: außer 
dieser Stadt u />ag. gj. g. mit — Sattel : mit einer kurtzen 

Büchsen a. q, gerant nach dem Galgcntcich a. 12. nach dem 

Damm zu it. IJ-JÖ. Der Bürger — zu: Da nun Hanß Rosentrit so 25 
baldc nicht wieder in den (»arten kommen kan oder sonst entweichen, 
springet sein Junge über den Zaun und öfnet die Gartcnthiir; dahinein 
eilet der Bürger und schlagt die Thür zu a f>ag. gj-g4- 16. Indem 

komt der Hofeknecht wieder vor den Garten und n. ig. der Hofe- 

kiieeht n. 20. Kaudglo.isr in n ptig. 94 : V/VrV Supplic. an die ver- 3° 
witwetc Herzogin Christina sub dato 23. Augusti 1S90. Anno fehlt a. 

der /lei/uge abgedruckt aus dem Sch/erwiger Staatsarchiv A I nr. 196 
f. /6/7J den Kieler Rat nochmals aufgefordert, den früheren Herzoglichen 
Mandaten entsprechend zu -.•erfahren d. h. Gewalt anzuwenden. 

' Hanü Rosentridt bei der Mauer zwischen Schuhmacher- und 35 
//olsteuthor: Schossregister 1576—1379 Uds.f. 4s r , 74 r ; 1595 ! 96 Hds.p.jS. 

2 St. Johanniskloster. 

3 tjSs—rS94 : Schröder, Gesch. d. Stadt Schlenoig S. 190. Er 
war vorher Cantor in A'iel (1572—1580). 

4 Die von Bremer wörtlich benutzte Quelle ist die an die Herzogin 4° 
Christine gerichtetete ausführliche Supplik vom 22. Atig., in welcher sich der 



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I, 2 4 i] 



155 



Pommerscher Kdelman, der bcy Otto Rantzowen, zum Botkamp 
und Hemmelmark 1 Erbgeseßen, in Diensten gewesen, nach Kiel 
reiten und fodert des Bürgermeisters Ameling von Lengcrken 
Diener und Schwestersohn Jürgen Weßling 2 zu sich in Detlef 
5 Holsten Hause vor dem Holstenthor, ihm anzeigende, der 
Bürgermeister Ameling oder er, sein Diener mit gnugsamer 
.Vollmacht, möchten alsobald gen Himmelmark zu seinem Junkern 
kommen und das bewuste Zimmer in Augenschein nehmen und 
*/• -^dcsfals weiter handeln, solten auchetlich *Vloßholtz und Büchsen- 
io steine mitbringen. Der Bürgermeister, sich gantz nichts Böses 
befahrende, läst seinen Diener Jürgen Weßling des iMorgens 3 gar 
früh mit hinaus reiten. Sic kommen also etwa um 8 Uhr 
früh auf Himmelmark. Jürgen kommt auf Begehren des Junkers 

/. welcher bcy einem HolsteinUchen Kdelman Otto Kan/owcn <i. 
15 2. Himmel mark a. j. reiten/«//// a. 4. Randglosse /'« a : 

Uiser Jürgen Weßling hat nachgehend* hinter den Flcischschrangen 
in des Beckers Haut* gewohnet. 

Kieler Rat 'über Haitzer Penlzeus Schmähungen (§ JjS ) und Otto Rantzaus 
Ausschreitungen in Eckernförde (§ 2jq) und auf Hemmelmark beklagte. 

20 Der die Misshandlung Jürgen Wesslings betreffende Teil des Schreibens 
wurde dann noch einmal .Anfang Sept. in einer Supplik an die gemeinschaftlich 
regierenden Landesfürsten, //erzog Philipp utul König Christian /V., 'wieder- 
holt. Der Verfasser beider Suppliken war der Kieler Syndicus Simon 
Heinrich. Siehe dessen Rechnung von 160t April 2S (Schleswiger Staats- 

25 archiv A X /X prov. nr. 4jy) J/ds.fj: Wie des Bürgermeisters Anielingen 
Swestersohn, sein damahligcr Diener Georgen Weßclingh, nun für etzlichen 
Jahren von Otto Rantzouwen, damahls zu Ilimmeltnarcke Krbseßen, auff 
diesem seinein Hofe zu Himmelmarcke, wohin er ihn bescheiden hatte, be- 
wuster maßen gantz ubel tracliert unnd die gantze Geschichte, wie alles 

30 und jedes daselbst vorgelauffen, unserer gnedigen landsfurstlichen Obrig- 
keitt in einer fast weitleufftigen Supplication underthenig geklagt und umb 
ein landsfurstlich ernstlich Einsehen gebeten wart, hab ich wegen derselben 
Supplication, so ich gestellet und ins Keine schreiben laßen, verdienen 
2 Thaler. Dass Heinrich nur die Supplik an die Landesfürsten und nicht 

35 auch die an die Herzogin erwähnt, ist bei der Unvollständigkeit der Rech 
nung nicht verwunderlich. 

1 Gut im Kreise Eckernförde, Kirchspiel Jiorby : Schröder, Topo- 
graphie /, J7J. 

1 Er machte sich später selbstständig, wurde Kieler L'ütger und war 
40 16 rj — iöjs Ratsmitglied. 9 Aug. 13. 



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1 5(i 



[I, 241 



vor sein Bette im<l wünschet demselben einen guten Morgen. 
Ol» der Junker geantwortet, weiß 1 Jürgen niclit. Kr fähret aber 
fort, sein ( lewerbe und warum er hergefodert anzubringen, 
l'nd wie ersieh unter andern wegen des Floßholtzes entschüldiget, 
daß er solches, weil er geritten, nicht mitbringen können und s 
daß ers mit erster Gelegenheit senden wolte, hat Otto Rantzow 
ihm geantwortet, er trage (lotts 5 Wunden nach seinem Floß- 
holt/., er müste die Kieler erst beßer tractiren und sie lehren, 
wie sie Kdelleute solten todtschlagen. s Als nun Jürgen Weßling 
gesagt, er wolte nicht hoffen, daß der Junker etwas Böses mit 10 
ihm im Sinne hette, da er aber dergleichen wieder ihn vor- 
zunehmen Willens were, so were es doch von seinem Herrn 
und ihm nicht verschuldet; er were auf guten (Hauben heraus- 
kommen, were auch ja kein Kieler gebohren, auch daselbst nicht 
wonhafft, sondern nur seines Herrn Diener, auch sich sonst 15 
mit aller Höflichkeit entschuldigen wollen, hat Otto Kantzoiv 
geantwortet, erfragte (iotts Sacr. 8 I.ydcn 4 darnach etc., addendo: 
Ich muste dich also mit guten Worten herfodern, wolt ich 
dich anders haben, du werest sonst woll nicht zu mir kommen! < 
Item: Du hast vor kurtzer Zeit meine Frau zum Kiel auf 20 
der (laßen im Wege halten laßen, als sie dich meinetwegen 
(im 20 Thalcr zu leihen hat ersucht ! < Als nun Jürgen den 
Junkern eines andern bedeuten und sich entschüldigen wollen, 
nemlich er hette ihm die 20 Thaler gerne leihen wollen, wen 
er sie *nur dasmahl bahr an der Hand gehabt hette, woran 25 
es ihm aber befehlet, und were dennoch nichts desto weniger *A 217 
das (leid bezahlet, indem des nechsten Tages nach der Frauen 
Abreise vom Kiel der Man (nemlich des Otto )kanizowen ge- 
wesener Wirth zu Lüneburg, Johan von der Hevde), welcher 

liden 11 />tig. <?ö. ii. Wegen .1. 26-27, nichts — Tages: 30 

nichts desto weniger (damit man des fall', seines Herrn und seinen guten 
Willen zu vernehmen hette) alsobakl des nechst folgenden Tages </ 
/".C- 07- Abreise: Ahschiede a. 

1 Die Supplik giebt genau den Ii er ich t wieder, den Jürgen J Hessling 

nach seiner Rückkehr in Kiel beschwerdeführend abstattete. ^ 

51 § -V7- 

3 Der Abkürzungspunkt fehlt in Hds. A wie in a. Das Wort ist 
wohl in Sacraments aufzulösen. 4 Leiden. 



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I, 241] 



i 5 90 



lf>7 



die 20 Thaler haben solte, befriediget, wie deßen Quitung 
ausweisen wurde, dabei versichernd, wie gern sein Herr der 
Bürgermeister und er dem Junkern jeder Zeit dienen wolten etc., 
hat Otto Rantztne geantwortet: Ich frage Gotts 5 Wunden 
5 nach eurem Dienen. Ich wil von Ameling mehr nichts haben 
und, was ich ihm schuldig, will ich ihm auch nicht bezahlen! 
und andre Dreuworte mehr etc. Seine Frau 1 , so bey ihm im 
Bette, will ihn zufrieden sprechen, er möchte sich doch an 
Jürgen nicht vergreiffen, er hette ihm ja nichts zuwieder getahn, 

to er könte ja auch nichts dazu, daß Hans Pentz zum Kiel üms 
Leben kommen etc. Sie bekomt aber zur Antwort: > Was 
wiltu sagen? Sein Herr, der Ameling, hat erst die Bürger aufs 
Rahthauß bescheiden und befohlen, daß man die Sturmklockc 
ziehen solte, darnach aber ist er zum Thor hinausgezogen. 5 

15 Ich wolte, daß ich ihn hir hette, er solte mir 1000 Thaler 
geben!« Die Frau aber hält noch an, für Jürgen zu bitten, 
worüber Otto Ka/tlzou> sich erzürnet und spricht, sie solte ihn 
gewehren laßen. Kr springet darauf aus dem Bette und rafft 

/. derentwegen befridiget </. ausgegebene (Quitung n. J. vci- 

20 meldend und versichernd <t. j. l'ürgertneistcr Ameling von i.eii- 

gerken a. 4. darauf geantwortet u. J it. 7. etc. fehlt n. 

12. der fehlt a f>,ig. qS. lö. Die Frau aber bittet noch für Jürgen w. 

1 Christina. Ihren Xanten entnehme ich der Schuldurkunde Otto 
Rantzaus und seiner Frau von ( 'in seh lag ijg/ über 20000 Rehsthl. Haupt- 

35 schuld umi 7 1 /* % jähr liehe Rente, die sie L 'mschlag /J92 an den Tonderuer 
Amtmann Otto von Quaateu auf .Vor zu zahlen sieh verpflichten. Am 
fälligen Termine lieh Otto Rantzau noch Sooo Rehsthl. hinzu und versetzte 
für den Fall, dass er die ganze Summe .Vit/ästen /J92 an Otto von Ottaalen 
nicht zahle, diesem das Cut ffemmelmark. Wie hei der l'enoahr/osttng des 

30 Gutes vorauszusehen war, wurde die Schuld nicht gezahlt, und Ilemmelmark 
kam in den Besitz des Gläubigers. Siehe hierüber, wie über die auf Hemme! 
mark herrschemle Misswirtschaft die einschlägigen Trozessakten d. J ijqj 
im Juristischen Fakultätsarehiv zu Rostock. 

2 Es liegt kein Grund vor, diese Angahe Otto Rantzaus zu bezweifeln. 
35 Darnach hat Ameling von Lengerken sich nicht erst im August September 

(siehe §242), sondern schon früher einmal gleich nach dem Tu diu Ii des 
16. Juni, wohl am Tage darauf, aus A'iel geflüchtet. Doch kann er damals 
nur kurze Zeil fort gewesen sein. Ein Einschreiten seiner Ralskollegen oder 
der Bürgerschaft erfolgte nicht. An den Verhandlungen, die der Compromiss 
40 Urkunde vom 2j. Juni vorhergingen, war er -wieder beteiligt. 



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158 



159° 



[I, 241 



das Gesinde zusammen, last darauf Jürgen seine Wehre nehmen 
und ihn in einen großen Spanischen Mantel stellen, mit einem 
Fuß am Pfahl geschloßen, sagende: »Da soltu so lange stehen, 
biß du um und um fallest, und ich wil dich noch Claus von 
Hagen übergeben, der soll dich beßer tractiren ! < *Um eine 5 
kleine Weile sendet der Junker dem Jürgen eine Kanne mit m P m 
Waßer, üra zu trinken. Bald darauf reitet er vom Hofe nach 
Kckernfürde und, wie er vor Jürgen über reitet, spricht er: 

Kielers, Kielers, Kielers! Auf den Nachmittag bringet er 
seinen Bruder Bartram 1 mit sich zurück. Diser redet Jürgen ,0 
also an: > Wie ist das? Wie gefält euch das Harnisch? Ist 
dis das rohte Feldzeichen, das ihr zum Kiel getragen? Das 
heist: geht noch in der Heerschauung ! Krieg ich einmahl den 
Weinzapfen zum Kiel und Amelings Sohn, die will ich also 
auch tractiren etc. und viel andre Schimpf und Spottwörter t 5 
mehr. Folgends muß der Junge einen gesaltzenen Hering und 
eine Micke 25 holen und Jürgen vorlegen, und der Junker sagt : 

Laß ihn gnauen 8 ! und geht darauf mit den andern ins Hauß. 
Da haben die Mägde singen müssen. Ks kommen auch 3 
Mägde heraus, denen der Junker und sein Bruder gleich nach- 30 
folgen, sie müßen üm Jürgen her stehen und singen. Der 
Junker reißet einer Magd den Schürtzeltuch vom Leibe, macht 
ein Loch darein und legt ihn Jürgen über den Kopf und auf 
den Spanischen Mantel, sagende : Diß ist das rohte Feldzeichen ! < 
und schlägt Jürgen mit der Faust an den Halß, das ihm der 25 
Hut vom Kopf fallt, wodurch Jürgen geursachet, zu sagen : 
> Junker, Junker, ist das verschuldet, so erkenne es Gott!« Der 
Junker antwortet: Was, hastu noch weise Worte?« und schlägt 
ihn mit der andern Faust an den Halß, daß er fast umstürtzen 
mögen, befiehlet auch den Mägden, üm ihn her zu tantzen 30 
und, so offt sie herum weren, ihn an den Kopf zu schlagen, 
welches dan auch ^geschehen müßen. Als sie aber ihres Herrn 2 /g 
Bcdünken nach nicht hart genug zuschlagen, nimt der Junker 

3. Dar a. 

1 Besitzer des Gutes h'ohövciie: S. S/ Xote j, 7 u. S. 35 

2 Brötchen. 8 knabbern. 



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I, 241] 



*590 



159 



selber eine Magd bei der Hand und tantzet also auch hemm, 
schlägt ihn darauf mit vollen Kräfftcn an den Halß und sagt: 
»So sollet ihr alle thun! Als aber die Mägde solches nicht 
thun wollen oder können, schlägt er auf sie loß, faßet auch 
s den Jürgen von hinten zu bei den Ohren und schüttelt also 
mit ihm und spricht: vl)as heist: greiff ihn in die Wunden! 1 
etc., welches er dan auch vorhin offters hatte gesagt. Und 
haben die Mägde dennoch immer also forttanzen und auf ihn 
schlagen müssen. Hernach nimt der Junker einen gesaltzen 

to Hering in die Kaust, hält ihn Jürgen vor den Mund und spricht : 
Dar, gnaue!« Jürgen bittet, seiner zu schonen, er könte ja 
also keinen ganzen Hering mit aller Unsauberkeit eßen. Dar- 
auf reibet der Junker solchen Hering ihm so lange in die Nase 
und üms Maul, biß Jürgen endlich gezwungen worden, denselben 

15 mit allem, was daran, so unrein aus der Faust zu eßen. Hirauf 
wird noch ein ander Hering geholet, welchen Jürgen eben also 
aus der Faust verzehren muß. Der Junker nimmt noch 
den dritten, schlägt ihn damit auf den Mund und, als 
der Hering ihm aus der Hand in den Koht entfällt, nimt er 

20 ihn wieder auf und reibet ihn dem Jürgen üms Maul, so 
daß er den Junkern flehentlich bitten muß, ihn also doch 
nicht weiter zu plagen, er könne unmöglich mehr eßen, er 
wolle lieber sterben, und wird ihm hirbei so übel, daß er salva 
*/• 220 venia wiedergeben muß. Wie der Junker dieses sihet, ^spricht 

25 er zu ihm, er solle etwas ausspeyen. Als solches geschehen 
und Jürgen nun gemeinet, er würde der Quaal loß sevn, hat 
doch solches nicht geholffen, sondern wird dennoch gezwungen, 
*/. 222 d as übrige vollends zu verschlingen. *Dicsemnechst wird eine 
große Schale mit Waßer geholet, eine Hand vol Saltz hinein- 

30 geworffen und also Jürgen vor den Mund gehalten, welches er 
ebenfals austrinken muß. Nach solcher Mahlzeit befiehlct der 
Junker dem Jungen, die Daumschrauben zu hohlen, er woltc 
ihn damit schrauben. Ob diese nun zwar hergebracht, wurden 

7. oft a fing. 101. 

35 1 Anspielung darauf, dass die Kieler Bürger, ~.i<ie deren Gegner be- 

haupteten, dem zu Boden gestürzten Hans Peutz in die W unden griffen. 



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i<;ö 



1590 



[i, 241 



sie doch unter anden vielfältigen Beschimpfungen und Muht- 
willen von dem Jungen, der sie aus Mitleiden in seine Hosen 
verstecket hatte, nicht *abgefodert und also damit nichts be- */>. zzj 
schaffet. Ks haben aber die Jungens mit Steinen auf den 
Spanischen Mantel, worin Jürgen versperret war, zuwerffen müßen, 5 
dabei der Junker gesagt: Siehe da, das sind Heylwich von 
Ahlcfcld ihre Fenster! 1 Linter solchem Gcspiel tant/.en die 
Mägde wieder um Jürgen herum. Endlich bcfiehlet der Junker 
seinem Rutscher, einen Maur- oder Ziegelstein zu hohlen und 
damit dem Jürgen, dem etwa die Thränen ins Gesicht gestiegen, 10 
den Kopf zu reiben und die Augen zu trucknen, so auch ge- 
schehen. Der Junker gehet darauf mit seinem Bruder und 
dem anwesenden Gesinde weg und sendet seinen Knecht zurück 
an Jürgen und läßt ihm sagen, er wüste, daß er sein Gefangner 
werc. Ob nun wohl sein Bruder Bertram ihn gebeten, er 15 
möchte ihn fdisen Jürgen Wesling) disem seinem Bruder über- 
geben, so wolte er doch solches, weil er ihn vom Kiel hette 
holen laßen, nicht thun, wofern nur Jürgen ihm, dem Junkern, 
so viel des besten Sammitts als zu 2 gantzen Kleidern und 
was sonst dazu nötig, auch darneben 2 paar Spanische seidene 20 
Strümpfe geben wolte. Hirüber soltc Jürgen Wesling ihm Bürgen 
stellen, so wolte er ihn loß laßen. Ob nun zwar Jürgen den 
Junkern iim Gottes und der Christlichen Liebe willen bitten 
laßen, er möchte doch sein Klend und Noht ansehen, der 
Junker wüste ja selber seine, des Jürgen Wts/i/% r , Gelegenheit 
und Umstände woll, daß er es nicht hette, wovon er es ihm 
geben könte, sintemahl er deßen, was er von seinem Herrn 
verdienet, selber noch zur Zeit nicht mächtig, weil er dem 
^Junkern selbst und andern mehr ein ansehnliches auf Borg */• ■?-■/ 
hingetahn, welches er seinem Herrn erst einmahnen müstc; 3" 
wolte aber der Junker ihm befoderlich seyn, daß er solches 
ausstehende Geld einbekommen möchte, alsden wolte er ihm 
sein gantzes Lohn verschreiben und versiegeln, nochmals um 

/. vicfaltigen ./. /<>. dem gestiegen fthlt a fing. /oj. 14. sagen: 
anzeigen n /«i^. /oy. losgehen a. 17. sintemahl : angesehen 35 

•1 />.ig. /«».,-. 



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I 



über 

Die (Tätigkeit ber *cfWfd)oft für flieler *tuMßcfd)id)lc 

erftattet 

in ber 3ahre&jerfammlung am 22. s JWärj 1900. 



$>a3 in bem Ickten 3ahre$bcrid)te angefünbigte 17. £eft 
uttferer SWitteilitngen ift m$roifd)en crfd)ienen unb an bic Wit- 
glieber oertetlt ivorben : bas Kieler Skrbud) oon 14(55 lue lä4<>, 
herausgegeben uon £)errn Dr. flippe. (Sine wichtige Cuellc bor 
@trafred)t$pflege in imferer Stabt am @nbe be* Mittelalter* unb 
am Beginn ber Meujeit ift bamit ber weiteren ^orfdjuug au« 
gänglid) gemacht luorben. 2er Herausgeber ()at bereit« in feiner 
auefüfjrlicfjen (Einleitung eine Wethe juriftifdjer fragen beljaubelt, 
bie fid) an baS 28erf fnüpfen; eS ift barin aber aud) uiel fultur« 
gefd)id)tlid)c3 Material enthalten, baS nun, 100 ein bequem les- 
barer $)rutf uorliegt, hoffentlich auch Beachtung unb Verwertung 
finben wirb. 

$ür £>errn Dr. Stern hat fid) bei feiner Arbeit an ber 
*8remer'fd)en C£t)vonif bic Wotmenbigfeit ergeben, vor bem 91b* 
fdjfafj noch einmal hierher ^u fomnteu, was ihm jnr #eit nid)t 
möglich ifc ©r hält and) einen oorberigen SBefud) be* Kopen* 
hagener $eid)Sard)h)S für wüufchenSWcrt, beffen SBenufcung für 
baS Urfunbenbnd) unb bie Ouelleufuube ohnehin uuerläfelid) fei. 
SöeibeS möchte er oerbiubeu. 2>ie Weife nad) Kopenhagen möchte 
er in biefem Sommer antreten, im Wnfdjlufs an feine Arbeiten 
in Kiel. £er SBorftanb l)at fid) mit feinem s $lane eiuoerftanbeu 
erflärt unb befcf)loffen, ihm, feinem Mittrage entjpredjcnb, bie 
Weifefoften $u erfefcen. 

3)amit nun unferc ®efellfchaft aud) in biefem Sahre ein 
£)eft ber Mitteilungen erfcfjcinen laffen faun, h at «Oerr Stern 
bem SBorftanbe baS Anerbieten gemad)t, etuftweilen baS zweite 



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II 



> 



SRentebudj f)erau3$ugeben, baä er an feinem jeßigen $Bof)norte, 
Berlin, fertig ftcllen fonn. $>er Sßorftanb ift gern barauf ein« 
gegangen; benn biefe $lu£gabc tft in bem 1896 feftgeftellten 
9lrbeit*p(au uorgejeljen. 3}aö ^ueite s J?entebudj, ba* bie 3a()re 
1487— 1580 umfafjt, ift eine Jortfefcung be$ erften unb läuft 
parallel mit bem (Srbebud) üon 141 1 — 1(104. 3)ie ©tabtbüdjer 
muffen fämtlid) gebrncft werben, ba man au3 ifjnen ein 53ilb 
üon ben $ert)äftniffen bes ($runbbefifce3 in ber 8tabt gewinnen 
fann, unb wie üiefe fonftige guoerläffige unb merttwtle S^adt)* 
richten in biejen 9lufocid)nungen ftctfen, Ijaben fd)on bie bteljer 
Dcröffentlidjteu -leite gezeigt. §err Dr. <5tern ^at erflärt, baß 
ber $rucf im näcfjften Sflouat beginnen wirb. 

£ie 93ibliotf)eteangcfegenf)cit, bie un.8 im twrigen Safjre 
befdjäftigte, ift $ur ßufriebenfyeit ertebigt. $cr 9Jtagiftrat l)at 
feine ßuftimmung erteilt, bafc bie 23ibliotf)ef unferer ©efellfdjaft 
nuter ben ^tjnen befannten SBebingungeu in bie $ermaftung 
ber s }kot>tn ( valbibfiott)ef übergebe, unb bie Übergabe ift twü^ogen 
warben. 

s #rof. £. Rotenberg, 

3. <5- Dorfitjenber. 



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III 



I 

Sedissefynter Bericht 

über 

Mc Tätigkeit ber (Bcfellfdiaft für fiteler StaMgefdjtdjte 

erftattet 

in ber 3^re3DerfatnmIung am 16. Slprtl 1901. 



£a§ im norigen 3af)re§berid)te angefünbigte 18. <peft 
intferer Mittlieilnngen hat $am 23ebanern beS S^orftanbes nidjt 
fertig geftettt werben föttnen; beim ber $>rucf beS 2. vieler 
SRentebudjeS, baS bie 3al)re 1487—1586 umfoftt, ift in ben 
erften Anfängen ftetfen geblieben, weil ber Herausgeber, £> err 
Dr. Stern, mit $ernfSgefd)äften su fe£)r befaftet mar. (£r t>nt 
nun ben Slbfdjlufe für btefen Sommer oerfprodjen. Um ben 
Mitgliebern einen ©rfafe p bieten, I)at Der SBorftanb bejdjloffeu, 
bie erfte .Spälfte, 10 Sogen, ber SBremer'fdjen ßljronif, bie ge« 
brueft oorliegen, ate gefonberte* £>eft mit einer oortäufigen, 
orientirenben ^öorrebc erfdjeinen $u laffen, bie $?vx Dr. Stern 
eingefdjirft (jat. Tn* ."peft mirb in furjefter Seit ftix Skrfenbung 
gefangen, nnb bie feltfamen £inge, bie barin oon bem l'eben 
nnb Xreiben in bem alten Mief crjätjlt ftnb, werben gewiß mit 
Sfjeilnatjme gefefen merben. 

ßn nnferer greube Ijaben mir einen neuen Mitarbeiter in 
Gerrit s ^aftor 3otjanne3 SBiernafcfi gefnnben. 3>erfefbe mirb bie 
SBait' nnb 2In£ftattung*red)nungen be3 Mieter Sd)(offeS aus bem 
17. 3af)rtmnbert fterauägeben nnb bearbeiten, womit ein Material 
Äiigänglid) gemadjt wirb, bas nid)t mir für bie ©efdjicfjte be3 
Sd)(offe£, fonbern and) für ba$ gemerblidje Sieben, bie greife 
nnb überhaupt bie wirtfjfdjaftüdjen SBerljä'Itniffe nnferer Btabt in 
ber genannten (Spodie oon großem SßJertlje ift. £a$ Manufeript ift 
naljeju abgejdjl offen, fo baß in 93ä(be ein weitere« £>eft nnferer 
Mittfjeifungen wirb erteilten fönnen. 

Sie erinnern fid), baß £>err ^ßaftor Man übernommen 



IV 



hatte, eine Okfdjidjte ber föefetlfdjaft Harmonie p fd)reiben, too* 
für uns bicfelbc oor tt)rer Vluflöfuug 800 Warf ausgefegt hatte, 
^iarf) bcni (Btubium ber Wften ift er jebod) ber Überzeugung 
gefommeu, baß mit beut oorliegenben Material bie Aufgabe be> 
friebigenb nid)t qelöft merben fönne ; loenn mehr/ al$ ein bürrer 
Slu^ug aus ben ^rotofollen gegeben merben foüe, müßten 
anbere dielten, befoubers bie älteren Safjrgänge ber geitungen 
nuferer Stabt, in ausgiebiger Söeife herangezogen merben; bie(e 
Arbeit überfteige jebod) bie ihm zur Verfügung ftef)enbe ßeit. 
©r münfdjte beeljalb, baß er oon feiner ißcrpfficfjtuntt entbnnben 
nnb bie Aufgabe ,£>errn . < p. ©darbt übertragen mürbe. Ter 
$orftaub tonnte bas nid)t ablehnen, fjat jebod) .§errn ^aftor 
9)hui beftimmt, baß er fid) nietjt ganz oon ber Sache zurüd« 
flieht, f onbern £)errn ©darbt mit feinem fRat nnb feiner ,<pülfe 
,uir Seite ftetjt. .'perr ©darbt ift fleißig bei ber Arbeit nnb 
hofft, mit U)r im itoufe beä Sommer* fertig $u merben. 

$on beu früheren £>eften uitferer Wittheilungen ift baä 5., 
ba* bie ^übeder Briefe bes Vieler Stabtard)ni$ oon 14*22—1534, 
herausgegeben oon .'perrn Dr. 333cl^ct, enthält, ooflfläubig er« 
jdjöpft. Tiefe Briefe finb juerft ohne bie umfangreiche ©in» 
leituug als 5 e ftflabe für bie 13. ©eueraloerfammlnng be$ ."pan« 
fifdjen CMc f et) i cf) t-sn e re i erschienen, nnb in biefer gorm befi^t 
oon ihnen bie ©ejellfdjaft für 3ef)fevUug*^)offteinifcr)e ®efd)id)te 
nod) einen großen SBorratl). Wit banfenSroerter 53erettmilligfeit 
hat fie uns 100 ©remplare ohne ©ntgelt überlaffen. 2£ir 
merben bie ^orrebe, 100311 ber ^erraffet* bereite bie (Genehmigung 
ertl)ci(t \)c\t, nnb bie s ^ereiu*nad)rid)ten neu brnden laffen, nm 
jo unfere Diethe für ben juuebmenben Xanfdjoerfehr mieber ooll« 
ftänbig haben. 

Sd)ließlid) ift bie erfreuliche Wittheilung 511 madjen, baß 
bie iöibliothef bcS hiftorifdjeu WnfeumS ber Stabt Wien burch 
Zahlung oon 30 Warf ftänbigcs" Witglieb unferer $efellfd)iift 
geworben ift, um regelmäßig unfere s ßublifationen flu befommeu. 

s ¥rof. £. Hofccnbcrö, 

5. <r>. rorftt-enber. 



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Überfielt 



kr (fimialjmen itni Ausgaben kr <&efcllfd)nft 
für Ätcler StaMgefdiidjte. 

(£ 1 n n a f) in c : 





189Ü 




1900 


Beiträge üon 9Jtftgrtebern . . 


M. 450,- 


iL 


— 


s -ßerfauf uon 9JtitUjetfungett . . 


„ 23,- 




1)3,45 


Seitrag ber ©tabtfaffc . . . 


„ 300,- 




300,— 


Beitrag ber ©efeflfdjaft freimütiger 








Hrmeufreuube .... 


„ 300,- 


tt 


300,— 


Sinfen 


„ 155,55 


" 


1 < <>,;>o 


Binfeii uom etfernen 33eftanb . 


„ 14,70 


tt 


15 10 




M. 1243,25 


M. 


855,10 


91 it £ g a b e : 






Honorare für Beiträge . . . 


Ä 390,— 


M. 


30,— 


Erucffoften 


„ 414,50 


tf 




^ö()ue 


„ 14,40 






9lu$eigeu 


„ 17,90 


tt 


1 2,40 


^enen)erfid)etungfiirbieS3ibIiotl)ef 


„ 2,25 


tf 


2,25 


ftatafogifirimg ber 93ib(iotf)ef . 


„ 203,50 


ii 


150 — 




„ 31,20 


it 


24- 




Ä 1073,75 


JMw 


218,65 


93e()a(t aus bem $orjaI)re . . 


JVt 5571,10 


Ii. 5740,60 




„ 1243,25 


tt 


855,10 




M. 6814,35 


M. 


6595,70 




„ 1073,75 


tt 


218,65 


93ef)a(t am 3af)re3fd)Iufi • • 


JH. 5740,60 


M. 6377,05 


föiferiter Söeftanb an3 ben 








Beiträgen ftänb ig er 9JJit« 








gl ieber : 








S3et)aft au£ bem 93orjaf)re . . 


M, 420,— 


.Mi. 


420,- 






. // 


30,— 




M. 420,— 


Jü 


450,— 



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VI 



vr (5e|ellfcbaft für Kieler Stabt$efd)td?te« 



(Drbctttltei>c Mlitattcber V)00. (mit 3atn-esbeiträoeu\ 



?(blmauu, Dr., £., Sanfter. 
Harens, 3- $ •# XMttctot. 
2Jnberfen, 3-/ Kaufmann. 
Bewürfe, p., Rentner. 
Hibliotl?ef b. atar.»3tofc. u. Sdmle. 
23lmuf, It., Hector. 
Bofelmaun, ©elf. Reg.»Ratb. 
Sranbt, R., 3 ll tti3iatr?. 
£nitt3, £br., paftor. 
Beert, Stenerinfpcctor. 
Oalybaen*,! >r.,Koufiftorial präftb. 
<£briftiani, Dircctor. 
<£laiifen, IV, paftor. 
Oriftianfeu, (Eifdjlermeifter. 
Panumcyer, Hector. 
Pcftiuou, reu, profeffor. 
Petbjeffeu, Oberlehrer. 
Poormauu, 2L P., Hector. 
Poormann, Oberlehrer. 
£bers, p., Reutucrin. 
Gefärbt, Bucbbänbler. 
€rtarbt, f., t fran. 
£tjrbarbt, 5 anitätsratb. 
t£nftna, Hector. 

£smard>, von, IVivfl. (5el}.'Ratf), 

€rcclIcH.v 
Steuer, t>on, Dr., Oberlehrer. 
£na,cl, Rofbwbbinbcr. 
,Vcrd>eu, IV., Pircctor. 
»fifdjer ^cn.iou, r>ou, profeffor. 
,flcmmiua., (Neheim. HTebic. Rath. 
,Voutcuay, bc, Or. probft, Hütten, 
»freefe, W, ZU* Stabtrattj a. P. 
griffe, Dr. med., ^afynarjt. 
,V*u H / Ob e r b ü rger m ei ft er . 
(Sänge, ab., (Draamjt. 
(5loy, 2Ll Dr., überlebter. 
Raarf, ?lrcbitcct. 
Rauel, <ßeb. 3"ft<.iratt}, Prof. 
Raufen, ,frcb. KommtfjionSr. 
Raufen, 3 acop ' Kaufmann. 
Raufen, tlT. R., Rofjumelier. 
ßanfett, p.<£br., Canbesoerf. Ratb. 
Raufen, (Efy., <5eb. Kird?cnratb, 

Olbeuburg, (5r. 



Rarbeuberg, Stabtreutmeiftcr. 
Ikgemifd), Cotte, ^rä'nlein. 
Reinrid), <£., hector. 
Rölrt, GL Oefouomieratb. 
l7olle, v fabriFant. 
Rom, 3- *f-» Rector. 
Romalbt, B^ £abrtfant. 
Raacf, <D., 3 u f t '3 rai ^- 
Rarries, Rccbtsantualt. 
3aarfs, R. <£., Bauunternehmer. 
3aspcrfen, Karl, ,fabrifant. 
3öu5, K., tebrer. 
3ntigjobditu, 2L <£., Kaufmann. 
3enfen, 2i. v f., 3urf?brn<fer. 
Kloppenbura, 2L hector. 
Kübl, Hector. 
Kahler, ,ferb., :rtabtratb. 
Kirdjeurorft. ber er>. lutb. (Semeinbe. 
Kleinfellcr, (ß.. profeffor. 
Sanbesbirectoratb. proivrd?!. Rolft. 
£amp, paftor, ploen. 
£anae, O., 3«1 t *3 rat b- 
£eopolb, 21., Kaufmann, 
Septieu, Reinr., Kaufmann. 
£iubia, Oberftabtfcfretä'r. 
€obfe; 21^ Hialer. 
Sorenjen, 2L P--, £er>rer. 
£orey, Bnrgermcifter. 
€unb, Rector. 

£ebrcrbibliotbef ber Obcrrealfdmle. 
£ebrerbibliotl?ef bes (Symnaftums. 
ITTausbarbt, R., rdmeibermeiftcr. 
matb.ieffen, £anbrarb a. P. 
IHau, paftor. 

Weiften, R., Dr., Rentner, 
metelmaun, Kentuer. 
IHeyer, 3°h*i Dtrector. 
miubarb, Kaufmann, 
möller, R. (£.. ,fabrifaut. 
UTobr, Kouful. 
lllatbäi, profeffor. 
Illyran, tebrer. 

maaiftrat ber ftabt Henbsbitrg. 
UTeblert, £cbrcr. 
Iie^rc, (£., ^abrifant. 



VII 



Zliepa, 21^ «Erjefrebactenr. 
tfiefe, Ked?tsa nmalt. 
Hormann, von, liafenfaffirer. 
pappenrjeim, III., profefi'or. 
Peters, Kcctor. 
peters, (El?., Stabtratrj. 
peterfen, p. Tl., Hector. 
pippig, ^ Pircctor. 
Pliimer, Pirector. 
2\ad)far?l, Dr., Italic a., Saale. 
Kamme, Stcnerinfpector a. P. 
Hebbcr, tt. 5., Rentner. 
2\enbtorjf, Dr., Redrtsamualt. 
Renter, (Oberlehrer, Stralfnnb. 
2\obenberg, profeffor. 
2\obbe, Betriebs infpector a. P. 
Rofenfranv Pirector. 
Habel, <£. 21^ tfofapotbeFer. 
Sartori, töeb. Kommersienratb. 
Sebclin, Kornetten Kapitän a. P. 
Seelig, IV., <ßeb. 2\egicr.*Ratrf. 
Seil, Rector. 

Spccf, Xr, (ßasinfpector a. P. 
Snbr, £er;rer. 
Startf, ron, profeffor. 
Sdmbert, von, profeffor. 
Sdjcppig, Profeffor. 
Sdnnibt, 3-, ^ndjbrncferct. 
ScbneeflotrJ, Konful. 



Sdnil^e, TO., Kaufmann. 
Sdnunad?er, (Earl, ^abrifant. 
Sdntr, Kaufmann. 
Sd?rr»arfi, Dr., profeffor. 
Scbmeffel, 3 / Hentner. 
Sdnrenfen, i)., HranergikirgclflL 
f (b \v e rb t feger , 21 rd? ttect. 
Sdnpmann, IV^ lianptlebrer. 
Stange, Vf., profeffor. 
Steffenrjaacn, Dr., <5eb. Regier. 

Rath. " 
Stern, 1)1., Dr., Berlin. 
Stiefel, Redmnngsratb, Rcntm. 
Stieoa, profeffor, Roftorf. 
Stocfmann, Konfiftorialpräftbcnt, 

IPiesbaoen. 
Stolley, 2Lt Rector. 
Stnbbe, £br., paftor. 
Stange, <D., Dr., ^ergeborf. 
(Ebomfen, (5., Kreisger. Pir. a. P. 
11113er, (fi., Dr., pricatöo^ent. 
rerein, (ßefellfdjaft. 
Dolbeln-, CO., Dr., Renbsburg. 
Dolbebr, ir^ ^nrbbinber, (Saarben. 
Dolbebr, X Kenbant a. P. 
Hagener, V>., Xjofpbotograptj. 
Weisel, 2Lu Dr., 0berbibliotbefar. 
IPcyl, R. profeffor. 



StümMac 2ttitailicbcr. 

2ftjlmann, Dr. IV., Rentner. 
Schirren, c*5eb. Regier. Ratb. 
(Eoecr/e, llnirerfitätsbnd>bänbler. 
tPtdfmann. Vf., Stabtratlj a. P. 
ZTiffen, Stabtrattj. 
Cangcnbnd?, Dr., lEhefarjt, Berlin 



(lllit einmaligem Beitrag). 

Sange, Ii. Ingenieur, Berlin. 
IPilbc, Sanbesrcntmcifter. 
Reucntloii, <ßraf, Klofterpropft, 
preeft. 

£>ibliotbeFbes liiftorifdjen ÜTufeums 
ber Staot Wien.